Badgery Station, 25. Mai 1893

Da die frühen Morgenstunden für die Jagd auf Schnabeltiere nicht weniger Erfolg versprechen als der Abend, weil die Tiere auch des Morgens ihren Bau verlassen und äsend emportauchen, bat ich unseren Jagdherrn, mich noch einmal mein Glück auf Schnabeltiere versuchen zu lassen. Schlag 6 Uhr war ich bereit; doch verging leider fast eine ganze kostbare Stunde, bevor unsere Pferde auf der Weide eingefangen waren. Obgleich wir dann die ziemlich bedeutende Entfernung bis zu einer geeigneten Stelle scharf reitend zurücklegten, kamen wir doch erst zu vorgerückter Stunde an den Fluss; immerhin wurde die Situation durch den Umstand gerettet, dass dichter Nebel über dem Flussgelände lag.

Während dieses Rittes lernte ich eine mir bis jetzt unbekannte Methode kennen, krumme Pferde zu heilen. Der brave Fuchs, den ich ritt, ging nämlich stocklahm, musste aber gleichwohl, um mich rechtzeitig nach dem Jagdplatz zu bringen, drauf los galoppieren; als nun das Übel begreiflicherweise nicht besser wurde, veranlasste mich Mr. Badgery, das Pferd gegen das seine zu tauschen, so dass der schmächtige Fuchs Mr. Badgery mit dessen Gewicht, welches das Doppelte des meinen überstieg, im gestreckten Galopp über Stock und Stein zu tragen hatte. Unglaublich und doch wahr — nach einer halben Stunde war das Pferd kuriert!

Der Ort, an welchem ich den Anstand auf Schnabeltiere beziehen sollte, war gleich jenem des Vortages eine steil abfallende, von Bäumen beschattete Schlucht, in deren Sohle ein Gewässer ruhig dahinfloss. Mr. Badgery blieb bei den Pferden zurück, während ich mit dem Jäger an den Flussrand abstieg, wo ich, kaum angelangt, schon ein Schnabeltier auftauchen und im Wasser fortziehen sah. Ein glücklicher Schuss tötete das Tier sofort, aber dann war guter Rat teuer, wie desselben habhaft werden, da es mitten im tiefen Wasser abwärts trieb und niemand danach gelüstete, an dem sehr kühlen Morgen in der eiskalten Flut zu schwimmen. Endlich kam mein praktischer Australier auf die rettende Idee, Steine hinter das tote Schnabeltier zu werfen und dasselbe durch die auf diese Weise entstehenden Wellen allmählich an das Ufer zu treiben. Diese Prozedur währte zwar etwas lange, brachte uns aber schließlich doch in den Besitz des Tieres, welches sich als altes Männchen erwies. Einige hundert Meter flussabwärts kam mir neuerdings ein Schnabeltier zu Gesicht; doch konnte ich das Tier nur tauchen sehen und leider keinen Schuss anbringen.

Nun erklärte der Jäger, dass er 2 km weiter noch eine günstige Stelle wisse; doch sollten wir eilen, um sie rechtzeitig zu erreichen. Wir schwangen uns also rasch in den Sattel und ritten die Tallehne entlang einen recht schlechten, steinigen Weg, der fast nur für Ziegen praktikabel gewesen wäre, den aber die Pferde mit merkwürdiger Geschicklichkeit zurücklegten. Wir kletterten die Böschung zum Fluss hinab, und bald sah ich nächst dem jenseitigen Ufer, vorläufig aber noch außer Schussweite, ein Schnabeltier wiederholt auftauchen und, nach der schwarzen Rückenlinie zu schließen, schwimmend Kreise ziehen; auch deutete mir der Jäger durch Zeichen an, dass er flussabwärts noch ein zweites Schnabeltier erblickt habe. Ich entschloss mich, hinter Bäumen gut gedeckt, abzuwarten, bis sich eines der Tiere dem diesseitigen Ufer genähert haben würde, was sehr wahrscheinlich bald geschehen wäre, wenn sich nicht in Gestalt Mr. Badgerys das Verhängnis eingefunden hätte. Dieser vermochte seine Neugierde nicht mehr zu bezwingen und war mit den Pferden bis auf einen Felsvorsprung angerückt, von welchem aus er das Wasser überblicken konnte und leider auch bald die beiden Schnabeltiere entdeckte, worauf er begann, mir in der besten Absicht unaufhörlich zuzurufen, um mich auf das Vorhandensein der Tiere aufmerksam zu machen. Der mich begleitende Jäger konnte sich nicht enthalten, ihm trotz meiner flehentlichen Gebärden zu antworten, so dass sich par distance ein lautes Zwiegespräch entwickelte, welches natürlich die so ungemein scheuen Schnabeltiere zu schleunigstem Verschwinden bewog. Obschon dieselben im übrigen auf einer tiefen Stufe der Entwickelung stehen, sind doch Gehör und Gesicht ungemein scharf, so dass der entfernteste, durch diese Sinne vermittelte Verdacht einer Gefahr die Tiere untertauchen und in den Bau fahren lässt, aus dem sie sich dann vor dem Abende nicht mehr hervorwagen.

In nicht eben rosiger Stimmung erkletterte ich wieder den Uferhang, opferte meinem Unwillen ein schuldloses Felsen-Wallaby, welches den Weg kreuzte, und konnte die Kritik des Übereifers Mr. Badgerys — bei meiner mangelhaften Kenntnis der englischen Sprache — nur in die wiederholt im Tone des Vorwurfes ausgerufenen Worte „not well, not well“ zusammenfassen. Mr. Badgery erwiderte meine Worte anfangs lediglich mit stoischem Lächeln; dann aber versuchte er mir in längerer Auseinandersetzung Aufklärung zu geben. Da sich hiebei das Wort Breakfast öfter wiederholte und Mr. Badgery in der Richtung auf die Farm deutete, musste ich schließen, dass seine Neugierde von einem sehr prosaischen Motiv, von gewaltigem Hunger, beherrscht war und er denselben nunmehr zu stillen wünsche, weshalb an eine weitere Fortsetzung der Jagd kaum mehr zu denken war. Ich machte zwar noch einen schüchternen Versuch, indem ich unter entsprechend begleitenden mimischen Zeichen wiederholt flehend „Piatypus“, das ist die englische Bezeichnung für Schnabeltier, ausrief und auf den Fluss deutete, aber mein Jagdherr blieb unerbittlich, schwang sich auf seinen Gaul, winkte mir zu folgen, und so ritten wir dem Breakfast entgegen. Auf dem Wege nach der Farm hatte ich doch noch einigermaßen Waidmannsheil, indem ich zwei Bären und einen Bussard erlegte.

Nachdem Mr. Badgery sich an einem guten Frühstück erquickt hatte, zogen wir, da mittlerweile die Sonne über den Nebel gesiegt hatte, zur Jagd auf Felsen-Wallabies aus, ebendorthin, wo am Vortag die günstigen Resultate erzielt worden waren. Schon im ersten Triebe wurde eine erstaunliche Anzahl von Wallabies flüchtig, die aber diesmal meinen Stand größtenteils mieden und seitwärts ausbrachen, wo Wurmbrand und Clam standen, so dass der eine 18, der andere 19 Stück erlegte. Da nämlich gestern einige Stücke links von mir ausgebrochen waren, beabsichtigte der Jagdleiter dies heute dadurch hintanzuhalten, dass er einige Leute zur Abwehr an den kritischen Punkt entsandte, doch hatten diese den Auftrag falsch erfasst und wehrten statt oberhalb meines Standes vor demselben ab, so dass das Wild fast immer umkehrte, bevor ich zum Schuss kommen konnte. So betrug denn meine Strecke nur sechs Felsen-Wallabies. Ein zweiter Trieb verlief ohne jegliches Ergebnis, während ein in aller Eile an einer Gabelung des Tales inszenierter, nur wenige Minuten erfordernder Trieb mir zehn Wallabies lieferte, obwohl zu treiben begonnen wurde, bevor ich meinen Stand bezogen hatte.

Nun sagten wir dem schönen Felsental, in dem wir gestern und heute manch frohe Stunde verbracht hatten, Lebewohl und eilten, die Farm passierend, nach einem entlegenen Hügel, auf welchem noch ein letzter Trieb vor unserer Abfahrt versucht wurde. Leider gelang dieser Versuch nicht, da das Wild an den Flanken ausbrach, so dass nur Wurmbrand und Prónay je ein Wallaby schossen, während ich mich mit einem Hasen begnügte.

Hiemit war auch das Ende der so vortrefflich gelungenen, interessanten Jagdexpeditionen in Neu-Süd-Wales gekommen. Wir mussten nach Sydney zurückeilen, wo unser gesellschaftliche Verpflichtungen harrten, da an Bord der „Elisabeth“ ein von mir und den Herren des Stabes gegebenes Nachmittagsfest stattfinden sollte, zu welchem die Einladungen schon vor meiner Abreise nach Arthur’s Leigh Badgery Station ergangen waren.

Die Wagen hatten, damit ja jedem Zeitverlust infolge Steckenbleibens vorgebeugt sei, den Wollondilly River schon früher übersetzt, und wir fanden daher, als wir denselben zu Pferde durchquert hatten, die Gefährte bereits wohlbehalten auf dem anderen Ufer. Hier nahmen wir von den liebenswürdigen Farmern und dem Jagdgefolge Abschied und traten, beim Besteigen der Wagen von einem dreimaligen Hurrah begrüßt, die Rückfahrt nach Moss Vale an, wo wir nach vierthalbstündiger Fahrt anlangten.

Da der Zug von hier erst tagsdarauf gegen 2 Uhr morgens nach Sydney abgehen sollte, arrangierten wir in aller Eile aus dem Stegreif eine Nachtjagd. Wir hatten einen Jäger ausfindig gemacht, der drei gute Hunde besaß, die zu dem Zweck abgerichtet waren, Kusus und Beutelmarder (Dasyurus viverrinus) zu suchen, auf Bäume zu treiben und dann zu verbellen.

An der Stelle, außerhalb des Ortes, an welcher der Jäger mit den Hunden unser bereits harrte, stürmten diese auf das Kommando „Go on“ auch schon fort, um nach wenigen Minuten heftig Standlaut zu geben. Ich eilte rasch hinzu und sah, wie die Hunde Hals gebend an einem Eucalyptus-Baume hinansprangen. Der Mond fiel günstig ein, so dass mein erster Schuss mir gleich einen Beutelmarder einbrachte, den ich nach einigem Suchen auf einem Ast entdeckt hatte. Dieser ebenfalls zu den Beuteltieren gehörige Räuber ähnelt im Baue sehr unserem Marder; der Leib ist schmächtig und gestreckt, der Hals ziemlich lang, der Kopf gestreckt und die Schnauzenspitze fleischrot, der Schwanz lang und gleichmäßig buschig behaart; die Zehen sind an den niederen Beinen mit sehr starken, spitzigen Krallen bewehrt; das Fell an der Oberseite fahlbraun, mit weißen Flecken gesprenkelt, an der Unterseite weiß. Etwas kleiner als der Kusu, erreicht der Dasyurus viverrinus eine Leibeslänge von 40 cm und eine Schwanzlänge von etwa 30 cm. In seiner Lebensweise erinnert dieser Beutler ganz an jene des Kusus, indem er den Tag in Löchern verbringt, nachts aber auf Nahrung ausgeht, den Hühnerställen gleichfalls Besuche abstattend und daselbst alles schonungslos mordend.

Von ihrem Besitzer angefeuert, eilten die Hunde weiter, und bald tönte abermals Standlaut; doch diesmal kam eine Novität, nämlich ein Kusu uns noch unbekannter Art, der Ringelschwanz-Kusu, zur Strecke. Mit den drei Hunden zu jagen, bereitete in der Tat Vergnügen, da sie rasch jede frische Fährte fanden und dieselbe verfolgten, bis sie das Wild zum Aufbäumen gebracht hatten; dann erst gaben sie Laut und hielten aus, so dass die Jäger herbeikommen und das Stück erlegen konnten. Einen Beutelmarder, der wahrscheinlich nicht schnell genug aufgebäumt hatte, apportierte uns die brave Meute. Der Sohn des Jägers, ein Bursche von etwa zehn Jahren, der sich dem Vater angeschlossen hatte, zeichnete sich durch die Schärfe seiner Augen aus, dank welcher er das Wild stets zuerst in den Ästen entdeckte, um es mir triumphierend zu zeigen; war ein Stück nach einem Schuss gefallen, so sprang der Knirps rasch zu, um es vor den Hunden zu bewahren. Bis gegen Mitternacht hatte ich sechs Beutelmarder und sechs Kusus erlegt — gewiss eine seltene, unter originellen Umständen bei Nacht im Mondschein erzielte Strecke.

Als wir uns beim Durchstreifen des Waldes der Behausung des Jägers genähert hatten, waren die Hunde plötzlich verschwunden, und alles Pfeifen und Rufen blieb vergeblich, weshalb der Besitzer vermutete, dass sie, durch die lange Dauer der Jagd ermüdet, heimgekehrt seien, der Ruhe zu pflegen. Wir folgten diesem Beispiel und fuhren nach Moss Vale zurück.

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  • Ort: Moss Vale, Australien
  • ANNO – am  25.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Faust“, während das k.u.k. Hof-Operntheater “Der Freischütz“ darbietet.

Badgery Station, 24. Mai 1893

Heute sollte auf Felsen-Wallabies gejagt werden. Bei dichtem Nebel und empfindlicher Kühle wurde am Ufer des die Gegend in mäandrischen Krümmungen durchziehenden Flusses, in welchem tagsvorher der Wagen stecken geblieben war, halt gemacht, da ich mit einem der Jäger eine abgelegene Stelle aufsuchen wollte, wo zuweilen, wie man mir gesagt hatte, Schnabeltiere anzutreffen sind. Durch ein kleines Nadelgehölz schleichend, kamen wir an den Rand des Wassers, konnten aber außer einer Ente keinerlei Wild erspähen. So saßen wir denn bald wieder im Sattel, durchquerten den Fluss und erstiegen die jenseitigen Höhen, bis wir an ein tief eingeschnittenes, sehr felsiges Tal mit steilen, aufsteigenden Wänden gelangten, in dessen Sohle ein Fluss sich schäumend Bahn durch das Gestein brach. Das Tal oder, besser gesagt, die Schlucht bot dank den mächtigen, vom Wasser umspülten Felsblöcken, zwischen welchen überall Bäume und Sträucher hervorwuchsen, einen pittoresken Anblick.

Diese Schlucht, ein Lieblingsaufenthalt der Felsen-Wallabies, sollte der Schauplatz der heutigen Jagd sein. Ursprünglich hatte mir Mr. Badgery einen nicht glücklich gewählten Stand angewiesen, und überdies jagten die Treiber zu früh an, so dass mir, als ich endlich zu einem besser gelegenen Stand emporgeklettert war, Felsen-Wallabies bereits in voller Flucht entgegenkamen. Diese leben, wie schon der Name andeutet, auf felsigem Terrain, indem sie sich tagsüber unter überhängenden Felsen und in Felslöchern verborgen halten, während
der Nacht aber in die nächste Umgebung auf Äsung ausgehen. Sie wagen sich nicht weit von ihren Schlupfwinkeln hinweg, da sie auf ebenem Boden nicht sehr flüchtig sind; hingegen ist die Schnelligkeit, mit der sie in ihrem Element, den Felsen, umherhüpfen, ebenso erstaunlich wie die Größe der Sprünge, welche sie ausführen. Sind schon die Bewegungen der Känguruhs überaus drollig, so sind es jene der Wallabies, deren ich einige im Sprung erlegte, noch viel mehr. Letztere sind ziemlich klein, haben aber unter allen Känguruhs das schönste Fell; denn dieses ist tiefbraun, am Bauch gelb gefärbt und bei den älteren Tieren schimmern die Spitzen der Haare silberweiß durch.

Die ersten Stücke, welche ich erlegte, sprangen wie Gemsen den Fluss entlang über die Felsblöcke. Nach den ersten Schüssen hatten die scheuen Tiere sehr bald die Richtung, aus der ihnen Gefahr drohte, entdeckt, da ich frei auf dem Hauptwechsel stand, weshalb ich nun, einen anderen Platz wählend, mich tiefer in der Schlucht hinter Felsen aufstellte, so dass ich nun ein Stück nach dem andern erlegen konnte. Diese Jagd gestaltete sich äußerst lebhaft; längs der Reihe der Schützen krachten, wie bei einer guten Hasenjagd, ununterbrochen die Schüsse, deren Echo an den Talwänden wiederhallte; dazu sekundierten die Treiber, die hier nur zu Fuße weiter kommen konnten, mit ihren Peitschen. Bald waren 51 Stück Felsen-Wallabies, deren 26 auf mich entfielen, zur Strecke gebracht.

Ein zweiter Trieb fand flussabwärts in derselben Schlucht statt, nachdem wir das Gewässer zu Pferde durchwatet und am jenseitigen Ufer Stellung genommen hatten. Ich war am tiefsten in der Schlucht postiert, vor mir lagen in wildem Gewirr übereinander abgestorbene Bäume, und links von mir spiegelten sich in einem tiefen Wasserbecken gewaltige Baumriesen. Die nur vom Rauschen des Wassers unterbrochene Stille, die reizende landschaftliche Szenerie des Plätzchens fesselten mich derart, dass ich, in Befrachtung versunken, des Waidwerks fast vergessen hätte, und doch gab es hier nicht bloß für den Naturfreund zu schauen, sondern auch für den Jäger zu tun; denn das Wild kam gleichzeitig auf zwei Wechseln flüchtig an meinem Stande vorbei. Obgleich der Trieb viel rascher beendet war, als der erste, war das Ergebnis desselben — 33 Felsen-Wallabies, wovon ich 10 erlegt hatte — recht befriedigend.

Ein rascher Ritt brachte uns hierauf in die Farm zurück, wo dem Jagdgefolge eine kurze Mittagsrast gegönnt wurde, während wir uns der Sortierung der zahlreichen Felle widmeten.

Es verdient bemerkt zu werden, dass die Pferde auch dieser Farm sich durch ihre Ausdauer und die Geschicklichkeit, mit der sie in schwierigem Terrain vorwärts kamen, als trefflich erwiesen haben, was wohl am besten dadurch dargetan ward, dass der Braun, welcher Mr. Badgerys respektables Gewicht von 160 kg trug, die ganze Zeit hindurch in flottem Galopp gegangen war, ohne einen Augenblick hinter den anderen Pferden zurückzubleiben.

Nachmittags jagten wir in demselben Gebiete wie tagszuvor, und sahen, obschon dasselbe am Vortage scharf abgejagt worden war, doch wieder sehr viel Wild, so dass von mir fünf Wallabies, von meinen Herren aber deren 17 und ein Känguruh geschossen wurden.

Da es mein sehnlicher Wunsch war, eines der seltenen Schnabeltiere. dessen Erlegung nur wenigen europäischen Jägern geglückt ist, zu erbeuten, ritt ich, vom Ehrgeiz gestachelt, obschon wenig Aussicht auf Erfolg eröffnet wurde, nach 4 Uhr mit einem Führer an den Fluss, um mich hier auf den Anstand zu legen. Unterwegs schoss ich einen Australischen Bären, der hoch auf einem Eucalyptus-Stamme saß. Der Fluss, der sonst ziemlich reißend über Felsen dahinstürzt, zieht dort, wo sich die Schnabeltiere befinden sollten, eine Strecke weit ganz ruhig dahin, so dass man beinahe glauben könnte, man befinde sich an einem stehenden Wasser. Die das Flusstal einschließenden Höhen fallen in steinigen Hängen an das Ufer ab; Randbäume ragen von hier weit über den Wasserspiegel hinaus. Lautlose Stille kennzeichnet diesen Platz.
Vorsichtig schlichen wir uns heran, konnten aber geraume Zeit hindurch keinerlei Wild wahrnehmen, bis endlich mein Begleiter mir leise auf die Schulter klopfte und nach einer Stelle unter dem überhängenden Ufer deutete, wo ich an der Oberfläche des trüben Wassers nur eine schmale, schwarze, sich bewegende Linie erblickte. Ich gab Feuer und sah zu meiner größten Freude gleich darauf ein Schnabeltier verendend sich überschlagen. Mittels einer Stange fischten wir die seltene Beute, ein ausgewachsenes, großes Männchen von Ornithorhynchus paradoxus, heraus.

Dieses Tier ist in der Tat äußerst merkwürdig. Seit einigen Jahren erst weiß man, dass das Schnabeltier thatsächlich Eier zur Welt bringt, — dies wurde früher in den Bereich der Fabel verwiesen — welche dann in einem Nest zur Ausbrütung gelangen. Das Schnabeltier erinnert seinem Körperbau sowie seinem Benehmen im Wasser nach am meisten an die Otter oder den Biber, erreicht durchschnittlich eine Länge von 50 cm und besitzt an den kurzen Füßen zwischen den scharfkralligen Zehen Schwimmhäute, die an den Vorderfüßen sogar über die Zehen hinausreichen; an den Hinterfüßen hat das Männchen nach innen eine große, bewegliche Kralle, einen Sporn, über dessen Bedeutung noch nichts Näheres bekannt ist, während früher angenommen wurde, dass derselbe giftig und zur Waffe bestimmt sei.

Eigentümlich ist der an den Rändern weiche Entenschnabel, womit das Tier sehr geschickt im Wasser lebende Insekten fängt; der Schwanz ist glatt, ähnlich jenem des Bibers, abgestutzt und zumeist wenig behaart; der Pelz ist besonders schön, da er aus dichten Grannen von dunkelbrauner Färbung mit silberweißer Schattierung besteht; an der Kehle, der Brust und dem Bauch fühlen sich die Haare seidenartig an; die Augen sind ganz klein, die Ohren kaum sichtbar. Das Schnabeltier lebt zumeist an ruhigen Stellen fließender Gewässer und gräbt sich daselbst am Uferrand einen Bau, der häufig bis zu 10 m lang ist und in einen Kessel mündet; dieser hat meist zwei Eingänge, einen über dem Wasserspiegel, den anderen unter demselben. Morgens und abends schwimmt das Tier fischend in dem ruhigen Wasser umher, ab und zu untertauchend und in kurzen Intervallen, da es nicht lange unter Wasser verbleiben kann, wieder an der Oberfläche erscheinend, um Luft zu schöpfen. Äußerst scheu und vorsichtig, fährt das Schnabeltier bei dem geringsten verdächtigen Geräusch in den Bau oder verbirgt sich hinter Büschen und Wasserpflanzen. In der Regel sieht man schon, bevor das Tier auftaucht, Blasen im Wasserspiegel aufsteigen, worauf es zunächst mit Schnabel und Kopf, dann mit dem Rücken zum Vorschein kommt.

Mein Begleiter drängte, noch eine andere flussaufwärts gelegene Stelle zu besuchen, wo er gleichfalls Schnabeltiere zu finden hoffte. Hier sah ich, durch einen Baum gedeckt, in der Tat bald, wie sich Ringe im Wasser bildeten und darauf der Schnabel, der Kopf, der Rücken eines Schnabeltieres auftauchten, doch war die Entfernung ziemlich groß und das Thier von mir abgewandt. Als es sich nun, einer Otter gleich ruhig schwimmend, noch weiter entfernte, versuchte ich auf Anrathen meines Begleiters einen wenig Erfolg versprechenden Schuss; die Schrot schlugen zwar in der Richtung des Schnabeltieres gut ein, dieses tauchte jedoch in den Fluten unter, um noch einmal auf einen Moment zu erscheinen und dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Nicht besser ging es mir mit einem zweiten Schnabeltiere, welches ich von demselben Standpunkt aus ebenfalls auf bedeutende
Distanz entdeckte. Da es schon dunkelte und daher in keinem Fall auf anderweitige Beute gerechnet werden konnte, riskierte ich den Schuss, der, wie der Jäger versicherte, gut getroffen hatte; doch musste das Tier entweder gesunken oder in den Bau gefahren sein, da wir seiner nicht mehr ansichtig wurden.

In der Farm angelangt, wurde ich von Mr. Badgery zu dem erbeuteten Schnabeltiere äußerst lebhaft beglückwünscht, wobei er versicherte, dass die Erlegung eines Schnabeltieres zu den größten Seltenheiten gehöre und sich von je hundert Jägern kaum einer solcher Beute rühmen könne.

Bei dem Diner, das in sehr animierter Stimmung aller Teilnehmer verlief, brachte ich die Gesundheit der Königin aus, deren Geburtstag heute im ganzen Lande festlich begangen wurde, worauf Mr. Badgery eine lange Ansprache an mich hielt, die ich freudig und herzlich erwiderte.

Der Abend war herrlich, der Mond stand in vollem Glanz am Himmel — so konnte das Programm erschöpft und mit einer Jagd aut Kusus beschlossen werden. Ich jagte in entgegengesetzter Richtung von jener, die tagszuvor eingeschlagen worden war, innerhalb drei Stunden einen großen Bogen um die Farm beschreibend, und kehrte mit der reichen Strecke von zehn Kusus heim, um nach diesem in jeder Beziehung so gelungenen Tage bald in erquickenden Schlaf zu sinken.

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  • Ort: Badgery Station, Australien
  • ANNO – am 24.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Aus der Gesellschaft“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Die Walküre“ darbietet.

Badgery Station, 23. Mai 1893

Da die Farm, Arthur’s Leigh Badgery Station, welche uns während der Jagdtage beherbergen sollte, 34 km von Moss Vale entfernt ist, wurde der Weg dahin von der ganzen Gesellschaft zu Wagen zurückgelegt. Leider hatten wir aber nicht mehr die guten Pferde Mr. Macks, sondern im Gegenteil recht lebensmüde Gäule, so dass wir zu der Fahrt, die in dritthalb Stunden hätte bewerkstelligt werden können, über vier Stunden brauchten.

Das Wetter war günstig, die Temperatur niedrig. Wir kamen durch das eine Bevölkerung von 1240 Einwohnern zählende Städtchen Moss Vale, das sich mit seinen Villen weit ins Land erstreckt und ein dem jeweiligen Gouverneur von Sydney zur Verfügung stehendes Landhaus enthält, welches von jenem in der Regel während der heißen Monate bezogen wird. Der Straße, die über hügeliges Terrain hinwegführt, folgend, durchzogen wir einzelne kleine Ortschaften, aus Wellblech und Holz in dem uns schon bekannten „australischen“ Stil erbaut, und kamen an zerstreut liegenden Farmen vorbei, zwischen welchen sich mit dürren, mächtigen Eucalyptus-Stämmen bewachsenes Weideland hinzieht. Unter den Bäumen flogen bunte Papageien hervor. Mehrere Exemplare des Pennant-Sittichs (Platycercus elegans), in dem karminroten Federkleid mit himmelblauen Flügeln und Stößen farbenprächtig anzusehen, fielen mir zur Beute. Nach etwa 13 km traten wir in den Wald, den Busch, ein, welcher doch noch, obgleich von der Axt des Farmers stark gelichtet, schöne, hohe Bäume aufwies, größtenteils wieder Eucalyptus mit Nadelholz untermischt.

An einer Stelle des Waldes machte uns Mr. Badgery auf einen Baum aufmerksam, dessen Äste weit über die Straße ragten; ich blickte empor und sah auf dem Baum ein größeres Tier, nach Art des Faultieres zusammengekauert, an einem Ast hängen.

Ohne über die Art, welcher das Tier wohl angehören könne, klar zu sein, schoss ich mit starkem Schrot danach; der Schuss brachte, obgleich ich, da viel Wolle aus dem dichten, grauen Felle stob, offenbar ganz gut getroffen hatte, wenig Wirkung hervor, denn das Tier klammerte sich mit den Armen nur noch fester an den Ast und schien erst auf den dritten Schuss verendet zu sein, ohne sich vorher merklich geregt zu haben. Eben wollten wir den Baum ersteigen lassen, als das Tier mit einem Mal auf die Straße herabfiel und ich in ihm nun den sogenannten Australischen Bären (Phascolarctus cinereus) erkannte. Derselbe gehört zur Ordnung der Beuteltiere und erinnert in seinem Äußeren an einen kleinen Bären; das ausgewachsene Tier erreicht kaum einen Meter Länge; der Körper ist gedrungen gebaut und mit einem sehr dichten, weichen Felle bedeckt, das am Rücken grau, auf dem Bauch und den Innenseiten der Extremitäten aber weiß ist; der Kopf ist rund wie eine Kugel, die Schnauze abgeplattet; die Ohren tragen Büschel und stehen aufrecht ab; die fünf Zehen der Vorderfüße sind in zwei Gruppen geteilt, die Hinterfüße durch Verwachsung der zweiten und dritten Zehe ausgezeichnet; die beim Klettern wichtige Dienste leistende Daumenzehe der Hinterfüße ist nagellos. Das von mir erlegte Tier hatte ein Junges, welches ihm beim Sturz vom Baum aus dem Beutel gefallen war.

Eine Eigentümlichkeit des Australischen Bären ist dessen Trägheit und Apathie, seine einzige Geschicklichkeit das Klettern; doch erfolgt auch dies mit erstaunlicher Langsamkeit. Wir versuchten einige Zeit danach einen ziemlich tief an einem Baum hängenden Beutelbären durch Schreien und Lärmen zur Flucht oder doch mindestens zu einigen rascheren Kletterbewegungen zu veranlassen; allein derselbe nahm geraume Zeit hindurch keinerlei Notiz von uns, blickte endlich mit lässiger Wendung des Kopfes herab, kletterte wenige Zentimeter höher und blieb dann wieder ruhig auf dem Ast hängen, von dem ich ihn schließlich herabschoss.

Der Australische Bär kommt selten zur Erde herab, sondern lebt beinahe ausschließlich auf den Bäumen; er pflegt auf einem und demselben Stamme so lange zu verweilen, bis er alle Blätter, seine ausschließliche Nahrung, abgeäst hat, und besteigt, wenn der Baum kahl gefressen, einen anderen, der ihm zusagt, um daselbst zu bleiben, bis ihn Nahrungssorgen zu neuerlichem Wechsel des Standortes zwingen. Infolge seiner phlegmatischen Lebensweise wäre dieser Bär gewiss ein leicht zu bestätigendes Wild; er wird jedoch im allgemeinen wenig verfolgt, da sein Fell geringen Wert besitzt — ein Glück, weil dieses merkwürdige Tier sonst wohl bald ausgerottet wäre. Der Verbreitungsbezirk des Beutelbären soll ein sehr beschränkter sein und sich nur auf einzelne Gegenden von Neu-Süd-Wales, insbesondere auf die Wälder im Südwesten Sydneys, erstrecken.

Während der restlichen Fahrt durch den Busch, welche der Qualität der Pferde und der vielen Terrainschwierigkeiten halber recht langsam vonstatten ging, lugten wir eifrig nach Australischen Bären aus, welche jedoch nicht so leicht zu entdecken sind, da man sie auf den Ästen oder Stämmen, deren Färbung mit jener des Wollkleides fast ganz übereinstimmt, kaum wahrzunehmen vermag. Gleichwohl gelang es mir, noch sieben Stücke zu erlegen, wobei ich über die Passivität dieses Tieres den Schüssen gegenüber jedes Mal aufs Neue in Erstaunen geriet. Man trifft den trägen Gesellen natürlich auf den ersten Schuss; aber häufig bedurfte es sogar einer ganzen Reihe von Schüssen, bis der Bär verendet vom Baum, an den er sich mit den Vorderarmen und den Krallen geklammert hatte, herabfiel.

In einem tief eingeschnittenen Tal hatten wir den Wollondilly River mit seinem sehr steinigen Bette durch eine Furt zu übersetzen. Die beiden ersten Wagen passierten das Hindernis glücklich, der dritte aber, auf dem sich Hodek, unsere Jäger sowie ein Teil der Bagage befanden, blieb mitten im Wasser stecken, da sich die Räder zwischen den Steinen festgefahren hatten und die Pferde nicht im Stande waren, das Gefährte wieder flott zu machen; infolge des Stoßes, den letzteres erlitten hatte, flog ein kleiner Koffer ins Wasser und schwamm lustig den Fluss hinab, bis er endlich weit unterhalb der Übergangsstelle wieder herausgefischt wurde. Um den Wagen eines Teiles seiner Last zu entledigen, mussten die Insassen sich endlich entschließen, abzusteigen und das Gewässer zu durchschreiten — ein tragikomisches Bild, da sie begreiflicherweise wenig erbaut waren und nur zaghaft in die kalten Fluten tauchten. Gleichwohl gelang es erst mit Hilfe requirierter Leute, den Wagen in Bewegung zu setzen, aus dem Fluss heraus- und über die jenseitige steile Uferlehne emporzubringen.

Endlich waren wir bei der Farm Badgery Station eingetroffen, einem kleinen, niedrigen, ebenerdigen Gebäude, umgeben von Ställen und primitiven Wirtschaftsgebäuden, inmitten gerodeten Landes gelegen. Hier empfing uns Mr. Badgerys Bruder, der sonst in Moss Vale wohnt, während der nächsten Tage jedoch hier als Jagdleiter fungieren sollte. Unsere Ankunft war infolge der geringen Leistungsfähigkeit der Pferde, der unterwegs betriebenen Jagd auf Bären und derzeitraubenden Durchquerung des Flusses verspätet, nämlich erst gegen 1 Uhr erfolgt, so dass ein Frühstück unvermeidlich schien; gleichwohl stellte der Hausherr für den Rest des Tages noch eine Jagd auf Känguruhs und Wallabies in Aussicht.

Nachdem Reitpferde von der Weide eingefangen worden waren, setzte sich die Kavalkade von 25 Reitern in Bewegung, dem nahen Walde zu; hier trennten sich die berittenen Treiber von uns, während wir einem trockenen Wasserriss entlang unsere Stände bezogen: Vor
uns dehnte sich vorwiegend mit blauen Gummibäumen bewachsenes, hügeliges Terrain aus, in welchem der erste Trieb stattfinden sollte. Kaum auf unseren Plätzen, sahen wir schon allenthalben zwischen den Büschen Wallabies zum Vorscheine kommen, auf welche das Feuer von der ganzen Schützenlinie eröffnet wurde, allerdings nicht immer mit dem gewünschten Erfolge, da einzelne der Schützen sich durch bedeutenden Mangel an Treffsicherheit auszeichneten. Ich hatte keinen günstigen Stand, sah zwar viel Wild, konnte aber, weil dasselbe, eine tiefe Schlucht scheuend, meist zwischen meinen Nebenschützen durchbrach, selten zum Schuss kommen. Die berittenen Treiber wurden ihrer Aufgabe vollkommen gerecht, indem sie nicht so blindlings umherstürmten wie jene, welche bei den Jagden Mr. Macks verwendet worden waren, sondern im Schritte ritten und das Wild durch Schreien sowie durch Knallen mit den Peitschen gegen die Stände trieben. Die Gesamtstrecke betrug 15 Stücke.

Die hier erbeuteten Wallabies — mit diesem Namen werden von den Engländern alle kleineren Känguruharten bezeichnet — unterscheiden sich von dem Riesenkänguruh, das wir bisher gejagt hatten, durch lebhaftere, in das Bräunliche spielende Farbe des Felles. Die erlegten Stücke wurden nach den Trieben gleich an Ort und Stelle abgezogen und die Decken an die Sättel gehängt, um abends in der Farm dem Präparator übergeben zu werden. Das Abstreifen der Decken geschieht mit erstaunlicher, große Übung in dieser Prozedur bezeugender Geschicklichkeit und Schnelligkeit.

Der nächste Trieb fand vom Fuß eines Hügels aus die Lehne empor statt, ohne dass ich hiebei zum Schuss kommen konnte. Die übrigen Schützen hatten fünf Wallabies aufzuweisen.
In zahlreichen Hasen, die ich zu Gesicht bekam, begrüßte ich Vertreter unseres europäischen Lepus timidus, der vor einiger Zeit hier eingebürgert worden ist und sich in seiner neuen Heimat sehr wohl zu befinden scheint.

Obwohl die Sonne bereits im Untergehen begriffen war, wurde noch ein Trieb unternommen; er brachte uns eine Beute von 15 Wallabies und zwei Känguruhs. Soviel ich bemerken konnte, sind die Wallabies scheuer und vorsichtiger als die Känguruhs, denn sie werden schon flüchtig, sobald sich die Treiber nur einigermaßen bemerkbar machen und setzen sich nach wenigen Sprüngen jedes Mal aufrecht nieder, um nach allen Seiten hin zu äugen, wobei sie jede, auch die geringste Bewegung des Schützen wahrnehmen und dann sofort umschlagen oder
in tollen Sprüngen außer Schussweite vorbeisetzen. Manchmal drücken sich die Wallabies, besonders wenn sie schon in die Enge getrieben sind. vor den Treibern nieder und springen erst im letzten Augenblick auf. Einige der erlegten Weibchen trugen Junge in verschiedenen Entwicklungsstadien in den Beuteln.

Nach Schluss dieser sehr gelungenen Jagd kehrten wir in die Farm zurück, um rasch zu speisen, da uns für den Fall, als der Mond sichtbar sein würde, noch eine nächtliche Expedition auf Opossums in Aussicht gestellt war. Was hier „Opossum“ genannt wird, ist der Fuchskusu (Phalangista vulpina), während die eigentlichen Opossums (Didelphys) eine in Amerika vorkommende, aus verschiedenen Arten bestehende Gattung von Beuteltieren bilden.
In der That leuchtete Luna gegen 8 Uhr in voller Klarheit hernieder, so dass wir alsbald unter Führung zweier Australier, die in der Jagd auf Opossums Erfahrung hatten, den Marsch antreten konnten, um zunächst den Rand eines Waldes abzustreifen. Die ungewohnte Art der Jagd bei Nacht und im Mondscheine gestaltete sich interessant und spannend.

Auf Geheiß der Jagdkundigen lösten wir uns in eine Linie auf und gingen ziemlich laut vor, um die auf dem Boden äsenden Opossums zum Aufbäumen zu bewegen. Wir waren kaum einige hundert Meter vorgegangen, als mir einer der Jagdleiter durch einen Pfiff andeutete, dass er ein Opossum entdeckt habe, und mich nach einem starken Ast wies, auf welchen sich das Wild gedrückt haben sollte; doch konnte ich dasselbe durch längere Zeit nicht wahrnehmen, und erst als ich mich gegen das auf den Ast einfallende Mondlicht stellte, vermochte ich die Kontur eines Opossums zu unterscheiden, welches sich unbeweglich, nach Art des Marders, gegen den Ast gedrückt hatte. Nach dem Schuss fiel das Tier verendet vom Baum.

Der Körper des Fuchskusus ist etwa einen halben Meter lang, mit einem äußerst dichten, wolligen Felle bedeckt; die Rute ist buschig wie eine Fuchslunte; das Haupt, über das zwei schwarze Streifen laufen, ähnelt mit der spitzen Schnauze jenem des Marders; die Lichter sind groß und schön; die Lauscher stehen aufrecht. Das Tier macht in seinem Körperbau und der Zeichnung einen überaus zierlichen Eindruck. Tagsüber ist es nicht sichtbar, sondern hält sich in Höhlen und Baumlöchern auf und kommt erst mit Einbruch der Nacht hervor; es ist vorwiegend Pflanzenfresser und äst das Gras am Rande der Wälder; die Fundorte sind daher hauptsächlich Schafweiden, die mit großen Bäumen besetzt sind. Der Fuchskusu ist nicht träge wie der Australische Bär, sondern im Gegenteil recht beweglich; nur wenn er auf einen Baum geflüchtet ist, drückt er sich regungslos an einen Ast. Dieses Tier wird seines vorzüglichen und geschätzten Felles halber, sowie weil es sich räuberische Einfälle in die Hühnerställe zuschulden kommen lässt, vielfach verfolgt und dürfte auch bald zu den selteneren Tieren gehören.

Es ist eigentümlich, wie bald sich das Auge daran gewöhnt, die Tiere in dem fahlen Licht des Mondes, das sie auf den hohen Eucalyptus-Bäumen nur wie kleine, dunkle Flecken erscheinen lässt, wahrzunehmen. Wir streiften in der herrlichen, kühlen Mondnacht noch durch etwa zwei Stunden umher und kehrten endlich, nachdem ich sechs Kusus und einen Australischen Bären erlegt hatte, heim.

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  • Ort: Badgery Station, Australien
  • ANNO – am 23.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Der Marquis von Villemer“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Cavalleria Rusticana“ und das Ballet „Rouge et Noir“ darbietet.

Sydney — Auburn — Moss Vale, 22. Mai 1893

Nachdem ich — es war Pfingstmontag — dem Gottesdienst an Bord angewohnt hatte, besuchte ich in dem westlich von Sydney in der Richtung gegen Parramatta gelegenen Ort Auburn eine daselbst befindliche große Fabrik, in welcher Fleischkonserven erzeugt werden. Diese Fabrik wird von einer Anzahl von Schafzüchtern gemeinsam betrieben und versieht die englische sowie die belgische Armee mit Konserven. Neu-Süd-Wales ist der klassische Boden der Fleischkonserven (Meatcanning) Industrie. Diese heute zu so großer Bedeutung gelangte Verwertung des Fleisches der vielköpfigen Herden Australasiens ist vor etwa 50 Jahren von Mr. Sizar Elliott aus Charlotteplace zuerst in Betrieb gesetzt worden; bereits 1892 wurde aus Neu-Süd-Wales Fleisch im Werte von 3,408.144 fl. ö. W. exportiert.

Auf freiem Wiesengrund erbaut, liegt die Fabrik in der Nähe des großen Rinder- und Schafmarktes, auf welchem allwöchentlich viele Tausende von Rindern und Schafen aus allen Teilen des Landes verkauft werden. Große eingefriedete Plätze in der Nähe des Etablissements haben die Bestimmung, das Rind- und Schafvieh vor dem Schlachten aufzunehmen.

Der Rundgang begann mit jener Abteilung der Fabrik, in welcher die zur Verpackung der Konserven bestimmten Schachteln und Büchsen aus Weißblech erzeugt werden. Alle wie immer gearteten Verrichtungen, als das Schneiden, Biegen und Löten des Materials, werden hier mit enormer Schnelligkeit von Maschinen besorgt.

Den wichtigsten Teil der Fabrik bildet die in einer Halle untergebrachte Schafschlächterei, welche Zwinger, in Gruppen von je zehn, zur Aufnahme der Schafe enthält. Der Schlächter tötet jedes Schaf in der Weise, dass er dem Tiere die Kehle durchschneidet und gleichzeitig, dessen Kopf über sein Knie zurückbeugend, das Genick bricht; hierauf wird das derart geschlachtete Stück sofort von zwei Gehilfen übernommen, welche demselben die Haut abziehen, Kopf und Füße abtrennen und den Rumpf, nachdem er ausgeweidet worden ist, auf eine kleine Rollbahn, die ihn den Ausschrotern zuführt, verladen. Die Arbeit vollzieht sich, dank der Übung der Arbeiter in ihrem blutigen Handwerk, mit solcher Raschheit, dass für die gesamte Prozedur, von der Schlachtung eines Schafes angefangen bis zu dessen Verladung, nur ungefähr zwei Minuten erforderlich sind, woraus sich erklärt, dass ein tüchtiger Arbeiter täglich ungefähr 160 Schafe „bearbeiten“ kann.

Die abgezogenen Felle gleiten durch eine Öffnung in einen tiefer gelegenen Raum, wo sie verpackt werden, um ungegerbt zum Verkaufe zu gelangen. Köpfe, Füße und Eingeweide finden bei der Talggewinnung Venvendung.

Mit erstaunlicher Fertigkeit walten auch die Ausschroter ihres Amtes, indem sie den Rumpf zunächst in zwei Teile zerlegen, dann die von Fett und Knochen freien Stücke, nämlich Rücken und Schlegel, wenn sie makellos sind, auslösen und zu den Sudkesseln befördern, während die übrigen Teile in die Pfannen wandern, in welchen der Talg gewonnen wird. Dieser rinnt aus den Pfannen durch eigene Leitungen in Kühlapparate und von hier unmittelbar in Fässer. Die Überreste der Talgfabrikation, namentlich die Knochen, werden zu Dungstoffen verarbeitet.
Die zur Konservierung bestimmten Fleischteile werden in den Sudkesseln durch kurze Zeit gekocht, hierauf in Maschinen zerkleinert und in Weißblechbüchsen gepresst, welche, nachdem die Fleischmasse durch Arbeiter noch zurechtgedrückt worden ist, verlötet und in Eisenwannen einem Siedeprozess unterzogen werden, zu dessen Beschleunigung das Wasser mit chemischen Substanzen versetzt ist.

Nach Beendigung dieses Verfahrens ist die Ware marktfähig. Die ganze Prozedur dauert von dem Moment angefangen, in dem mit der Schlachtung des Schafes begonnen wird, bis zu dem Augenblick, in welchem es in den Konservenbüchsen verschwunden ist, nur wenige Stunden.

In ähnlicher Weise werden das Rindfleisch und die Schafzungen konserviert, nur tötet man die Rinder nicht nach der bei uns üblichen Methode durch Schläge auf den Kopf, sondern durch Erschießen, zu welchem Zweck mehrere Stücke in Kammern, in deren Wänden kleine Einschnitte angebracht sind, getrieben werden. Diesen Einschnitten nähert sich sodann der Schlächter, welcher durch dieselben, nach der Stelle des Kopfes zwischen den Hörnern zielend, ein Rind nach dem andern mit einem Gewehre kleinsten Kalibers, beinahe einem Flaubert, erschießt.

Die Fabrik verarbeitet täglich 4000 Schafe und 26 Rinder bei einem verhältnismäßig geringen Stand von Arbeitern, die gut entlohnt sind, da der Wochenverdienst im Durchschnitte 26,4 fl. ö. W. beträgt, Ich verkostete die verschiedenen Konserven und fand namentlich die für das Militär bestimmten recht schmackhaft; am besten mundete mir das für die belgische Armee konservierte Rindfleisch.

Nach Sydney zurückgekehrt, nahmen wir an einem Frühstück bei dem liebenswürdigen und zuvorkommenden Generalkonsul teil, der ein nettes Haus in einer der Vorstädte bewohnt und eine große Anzahl interessanter Gegenstände besitzt, die er während des Aufenthaltes auf früheren Dienstposten in Asien erworben hatte.

Da mein Sammeleifer nicht ruhte, fuhr ich nachmittags zu mehreren Händlern, die mir empfohlen worden waren, um Vogelbälge, ethnographische Gegenstände sowie Schnabeltierhäute zu erwerben, und fand hiebei auch eine Spezialität Sydneys, nämlich Emu-Eier, auf welchen recht originelle Darstellungen von Känguruhs, Leiervögeln, Emus, Kusus u. dgl. m. eingraviert sind.

In fünfstündiger Fahrt brachte uns die Bahn nach Moss Vale an der Southern Line, 138 km südlich von Sydney gelegen, dem Ausgangspunkt einer neuen, dreitägigen Jagdexpedition. Mr. Badgery, ein Farmer, auf dessen ausgedehnten Besitzungen diesmal gejagt werden sollte, gab uns das Geleit. In dem Stationsgebäude zu Moss Vale harrte unser ein üppiges Souper, nach dessen Bewältigung ich mich im abgekoppelten Salonwagen zur Ruhe begab, während meine Begleiter ein nahegelegenes Hotel bezogen.

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  • Ort: Moss Vale, Australien
  • ANNO – am  22.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Die kluge Käthe“, während das k.u.k. Hof-Operntheater eine Soloaufführung mit Personal der Mailänder Scala von “Falstaff“ darbietet.

Sydney, 21. Mai 1893

Nach einer recht kühlen, im Waggon verbrachten Nacht langten wir am Pfingstsonntag morgens nach 7 Uhr wieder in Sydney an. Die sonst so schöne und belebte Stadt bot jedoch ein totes Bild, da zufolge der strengen englischen Sonntagsheiligung alle Verkaufsläden geschlossen waren und sich, einige schlaftrunkene Straßenkehrer ausgenommen, niemand in den Straßen zeigte.

An Bord erledigte ich die Post und nahm noch von Schleinitz Abschied, der mit Leopold nach Wien zurückkehren sollte.

Die katholische St. Mary’s-Kathedrale, in der ich dem feierlichen Hochamt beiwohnen wollte, war mit Andächtigen überfüllt; im gotischen Stil erbaut und bis auf Dach und Türme vollendet, wird das Gotteshaus, dessen künstlerisch ausgeführte Glasfenster bemerkenswert sind, einstweilen von einem provisorischen Holzdach bedeckt. Das Amt wurde, da der erste katholische Kirchenfürst Australiens, der Kardinal und Erzbischof Patrick Francis Morran, in Rom weilte, vom Weihbischof mit großer Assistenz zelebriert. Die Feierlichkeit währte geraume Zeit, nämlich von Schlag 11 Uhr vormittags bis gegen halb 2 Uhr nachmittags; auch hatte ich noch niemals einer so lang andauernden Predigt beigewohnt, gewiss aber keiner solchen, die ich, wie die heutige, in englischer Sprache gehaltene, nicht verstand.

Nach Schluss des Gottesdienstes versammelte sich vor der Kirche eine große Menschenmenge, die sich dergestalt um mich drängte, dass ich kaum zum Wagen gelangen konnte; eine Anzahl von Personen, darunter namentlich Irländer, berührte meine Kleider, da dies, wie ich mir erzählen ließ, Glück bringen soll. Von dieser mir innewohnenden, übernatürlichen Kraft, die ich bisher nie geahnt, sehr erfreut, musste ich, während die Menge ein Hurrah nach dem anderen ausbrachte, noch einige Zeit im Wagen an Ort und Stelle verweilen, weil der Gaul meines Cabs durch das Geschrei komplett stutzig geworden war und nicht von der Stelle wollte, bis man ihn am Zügel anführte. In diesem Moment stürzte unter großem Gepolter eine Holzestrade, auf welcher eine bedeutende Anzahl Menschen Platz gefunden hatte, neben meinem Wagen zusammen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt; nur ein besonders vorwitziger Junge flog mit dem Kopf voraus in ein nebenstehendes, leeres Fass, was einen allgemeinen Heiterkeitsausbruch zur Folge hatte. Die Szene wäre des Griffels eines Wilhelm Busch würdig gewesen!

Kaum wieder an Bord, empfing ich den Besuch sämtlicher Minister der Kolonie Neu-Süd-Wales, wobei Generalkonsul Pelldram als Dolmetsch fungierte. Mit gutem Gewissen konnte ich den Herren mein Entzücken über das schöne Land und die reizende Stadt aussprechen, was große Befriedigung zu erregen schien; wenigstens war die Stimmung bei der Audienz eine sehr animierte; besonders als der Generalkonsul sich irrte und mir beharrlich in englischer Sprache statt in deutscher antwortete, wollte das Lachen kein Ende nehmen. Der Premierminister Sir G. R. Dibbs, ein stattlicher, hoch gewachsener Mann, Vater von sechs blühenden Töchtern, machte mir nicht bloß durch sein imponierendes Äußere, sondern auch durch sein Wesen einen sympathischen Eindruck. Die Herren waren in einer kleinen Dampf-Yacht gekommen und luden mich ein, eine Fahrt an die schönsten Punkte des Hafens zu machen — ein Anerbieten, das ich umso weniger Ursache hatte auszuschlagen, als mir ja schon das Wenige, was ich bisher gesehen, so außerordentlich gut gefallen hatte.

Fährt man den einzelnen Buchten entlang, gewissermaßen an die intimeren Details der Szenerie heran, so entrollen sich dem staunenden Auge Panoramen von einer Lieblichkeit, die geradezu hinreißend ist. Überall in bunter Folge und Abwechslung Wasser und Land, Schiffe, Gärten und reizende Villen; azurblaue Wogen bespülen das Gestade des Festlandes und der Inseln; Ufergelände und Eilande sind bedeckt mit reicher Vegetation und umrahmt von schimmernden Felsen; tiefe Buchten dringen ins Land, während weithin sich streckende Landzungen in die dunkle Flut vorspringen, welche zahlreiche Schiffe und Boote durchfurchen; über all dem der heitere, klare Himmel und die köstliche, frische Luft.

Die Yacht nahm den Kurs zuerst um Dawes Point an dem tief in die Südküste einschneidenden Darling-Hafen vorbei, in welchem die großen Merkantilschiffe vertäut sind. Den Windungen der nordwestlich von Darling Harbour liegenden Buchten Waterview Bay und der Bai nördlich von Morts Dock folgend, gelangten wir bis nach der Insel Cockatoo, wo wir das große Trockendock besichtigten, welches, mit dem Aufwand vieler Millionen vor kurzem erbaut, zwei Schiffen von der Größe unserer „Elisabeth“ hinlänglich Raum bietet. Von dieser Insel aus genossen wir eine entzückende Aussicht auf die ausgedehnte Stadt, auf die grünen Hügel mit den zahllosen Villen, die traulich zwischen großen Bäumen hervorlugen. An verschiedenen Stellen der Buchten liegen ausrangierte Kriegs- oder Handelsschiffe, die in beschaulichem Dasein das Ende ihrer Tage erwarten und vorläufig noch als Depots und Magazine verwendet werden. Von Cockatoo Island steuerten wir in den Parramatta River, den westlichen Arm von Port Jackson. Am Ende dieser sich 29 km weit ins Land erstreckenden Bucht, in welche das unbedeutende Flüsschen Parramatta mündet, liegt an blühendem Gelände die Stadt gleichen Namens. Durch die Schönheit der landschaftlichen Szenerie, sowie durch prächtige Orangerien und Obstgärten sind namentlich die am Ufer der Bucht gelegenen Ortschaften Hunters Hill und Gladesville berühmt. Aus dem Parramatta River herausfahrend, wendeten wir uns nördlich und erreichten, die Landzunge Greenwich passierend, die Woodford Bay, welche den landschaftlich schönsten Teil der Umgebung Sydneys darstellt und mich glauben machte, ich sei plötzlich an die Gestade eines unserer heimatlichen Seen versetzt. Bei perlendem Champagner wurde hier eine Reihe von Toasten ausgebracht, die unsererseits stets im Entzücken über Sydney ausklangen. Der weiteren Ausdehnung des schönen Ausfluges war dadurch ein Ziel gesetzt, dass der Weihbischof um 5 Uhr zu mir in Audienz an Bord kommen sollte.

Zu einem abendlichen Gala-Diner, welches der Stellvertreter des Gouverneurs im Government House gab, waren die Spitzen sämtlicher Behörden geladen. Als einen Akt dankenswerter Zuvorkommenheit muss ich erwähnen, dass der Governor Lieutenant, obwohl des Deutschen nur unvollkommen mächtig, das Wohl Seiner Majestät des Kaisers dennoch in dieser Sprache ausbrachte — das erste Mal in der Reihe der zahlreichen Diners, denen ich bisher auf dem Boden britischer Kolonien beigewohnt habe.

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  • Ort: Sydney, Australien
  • ANNO – am  21.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater ist am Pfingstsonntag geschlossen, während das k.u.k. Hof-Operntheater eine Soloaufführung mit Personal der Mailänder Scala von “Falstaff“ darbietet.

Mullengudgery, 20. Mai 1893

In der Nacht waren wir von Narromine nach Mullengudgery gefahren, wo wir auf den Besitzungen mehrerer Farmer jagen sollten, welche beabsichtigten, uns hiebei Gesellschaft zu leisten. Als die bedeutendsten unter ihnen sind Mr. Alison und Mr. Campbell zu nennen.

Zunächst war eine Wagenpürsche auf Australische Trappen beabsichtigt, welcher ich mit Interesse entgegensah, da ich diese Art Wild noch nicht kennen gelernt und naturgeschichtlich noch nicht beschrieben gefunden hatte. Bej Morgengrauen holte mich Mr. Campbell in einem kleinen Wagen ab, auf dem ich mit Clam Platz nahm, und nun ging es in der uns schon bekannten, australischen Manier alsbald in scharfem Tempo querfeldein bis zu einer großen Heide, die als Schafweide dient und mit Grasbüscheln sowie mit einzelnen Baumgruppen bestockt war.

Bald zeigte mir Mr. Campbell einen großen Vogel, der mit erhobenem Hals in der Heide stand und den ich, während wir versuchten, ihn anzufahren, als Trappen erkannte. Der Australische Trappe scheint die gleichen Eigenschaften, vor allem dieselbe Scheu zu besitzen, wie sein europäischer Bruder; denn auch hier hielt er nicht stand. Ein auf weite Entfernung abgegebener Kugelschuss blieb erfolglos. Wir fuhren nun unausgesetzt auf der Heide umher und sahen auch noch viele Trappen; doch strichen diese immer schon auf viele hundert Meter vor unserem Wagen ab, so dass ich nur einmal auf Kugeldistanz an einen Trupp herankommen und ein schönes Exemplar erlegen konnte, welches aber leider durch die 500er Kugel stark zerschossen wurde. Das Gefieder des Australischen Trappen ist von jenem des europäischen verschieden, da der Hahn einen großen schwarzen Schild auf der Brust trägt, während die Rückenfedern geperlt sind; auch fehlt ihm der Bart unseres Trappen.

Diese Morgenpürsche war sehr anregend, weil ich außer den vielen Trappen noch Vertreter verschiedener anderer, mir noch neuer Vogelgattungen beobachten konnte, so den Australischen Kranich, der unter fortwährendem Geschrei Nahrung suchend umherstolziert; einen solchen schoss ich mit der Kugel, ohne desselben jedoch habhaft zu werden. Auf einem dürren Baume saß ein ganzer Flug Ibisse, und an anderer Stelle erblickte ich zum ersten Mal ein Pärchen der so schönen, rosaroten Kakadus mit der roten Haube, die sie jeden Augenblick herausfordernd aufstellen. Während der Rückfahrt fiel mir ein schöner Falke (Hieracidea berigora) zur Beute.

Wieder auf der Station angelangt, fand ich daselbst die anderen Herren, mit welchen ich nun gemeinsam vorerst auf Wasserwild und nachmittags auf Emus auszog.

Mit einiger, landesüblicher Verzögerung setzten wir uns in Bewegung, gefolgt von einer Anzahl Berittener. Diesmal stellte sich unser Wagen als ein noch gewaltigeres Fuhrwerk denn jenes in Narromine dar; derselbe war eigentlich ein Streifwagen von ungeheuerlichen Dimensionen und pyramidaler Höhe, doch bewährte sich dieses von dem gleichfalls anwesenden Mr. Mack gesteuerte Gefährte vortrefflich. Letzterer lenkte das Ungetüm zur Abkürzung des Weges mitten durch Nadeljungholz von wenigstens 3 m Höhe hindurch, so dass der Wagen zufolge seiner Wucht die Bäume knickte und darüber hinwegdonnerte, was mit einem anderen, leichteren Gefährte kaum tunlich gewesen wäre. Außerordentlich geschickt benahmen sich hiebei die vier vorgespannten Pferde, indem sie in Sprüngen und Windungen durch das Dickicht drangen.

Unmittelbar nach der Abfahrt sahen wir große Mengen von Trappen, die überall in kleinen Trupps in dem offenen Terrain standen oder an uns vorbeizogen; ebenso huschten allenthalben Kaninchen umher oder saßen vor den Bäumen zu Sechsen oder achten beisammen. Diese Tiere bilden wohl die schlimmste Landplage Australiens; denn sie haben sich, seinerzeit importiert, in erschreckender Weise vermehrt und sind nun unausrottbar. In welcher Zahl die Kaninchen vorkommen, beweist die Mitteilung Mr. Campbells, dass er auf seiner Farm in einer Nacht oft über 8000 Stücke in Fallen fange, ohne dass eine Abnahme zu bemerken sei; ja mehrere Nachbarfarmer von Mullengudgery waren sogar gezwungen gewesen, auszuwandern, da sie sich dieser Thiere nicht mehr erwehren konnten. Die Zahl der Kaninchen hatte im Jahre 1883 so ungeheuer zugenommen, — es waren in einem einzigen Jahre 102.300 km2, ein den Flächeninhalt von Böhmen, Mähren, Schlesien und Niederösterreich noch übertreffendes Gebiet, durch die „Kaninchenpest“ zerstört worden — dass die Regierung von 1883 bis 1890 bedeutende Subsidien bewilligte, um dem Weitergreifen der Kaninchen
Einhalt zu thun.

Die Beträge, welche die Regierung für die Ausrottung der Kaninchen verausgabt hat, werden auf mehr als 12,000.000 fl. ö. W. geschätzt. Das einzig wirksame Mittel hiezu stellt die Absperrung der bedrohten Gebiete durch Drahtnetze, Wire netting, dar, deren die Regierung im ganzen 1688 km errichtet hat, während die Länge der von den einzelnen Herdenbesitzern des Landes hergestellten Drahtnetze auf nahezu 21.500 km beziffert wird.

Als wir in ein kleines, ziemlich dichtes Wäldchen gelangt waren, wurden plötzlich einige Emus flüchtig, welchen die Reiter sofort nachsetzten, bis sie dieselben in eine von Drahtnetzen gebildete Ecke getrieben hatten. Leider aber war es den Vögeln, bevor wir noch mit
den Gewehren herbeigekommen waren, nach mehrfachen Versuchen gelungen, die Einzäunung zu übersetzen und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Die Nähe eines großen Sumpfes machte sich durch eine Unzahl von Kranichen bemerkbar, welche in dem niederen Röhricht umherstanden und die Luft mit heiserem Geschrei erfüllten. Die Jagdleiter hatten die Absicht, uns an verschiedenen Punkten, wo sich freiere Wasserflächen befanden und Enten einzufallen pflegen, zu verteilen und dann das Wild wieder zu Pferd aufzutreiben. Wurmbrand und Clam blieben am Beginne des Sumpfes stehen, während ich noch ungefähr 7 km weiterfuhr und, auf dem Weg an offenen Tümpeln vorbeikommend, einige Stücke Wild schoss, darunter eine seltene Weihe. Ein ziemlich tiefer Wasserarm wurde mit dem Wagen im Galoppe genommen, worauf ich mich auf meinem Stand befand, an einem kleinen Teich, der zwischen zwei größeren Sumpfadern gelegen war; hier wählte ich mir einen günstigen Platz unter einem starken Weidenstrunk und überblickte mit gespannter Aufmerksamkeit das umliegende Terrain.

Nach und nach strichen einzelne Flüge von Enten heran, aber meist in solcher Höhe, dass ich nicht schießen konnte. In weiter Ferne hörte ich Schüsse fallen, hin und wieder auch das Knallen der Peitschen; doch schien das Wild eine andere Richtung eingeschlagen zu haben und meinen Standplatz zu meiden. Die Jagdleiter hatten offenbar irrig kombiniert und die Schützen zu weit von einander aufgestellt, so dass sich das Wild verteilen und bereits nach den ersten Schüssen in alle Weltgegenden abstreichen konnte; auch waren im Verhältnisse zu der Anzahl von Schützen zu viel Einfallstellen unbesetzt geblieben, welche das Wild, uns das Nachsehen lassend, vorgezogen hatte. Ich wartete zwei Stunden lang und musste mich im Verlaufe dieser Zeit mit vier Enten begnügen, bis meine Ausdauer gegen Schluss der Jagd hin ihren Lohn fand, indem ich zwei Vögel erlegte, welche eine schöne Vermehrung meiner Sammlung darstellten: einen Ibis, welchen ich aus einem über meinen Kopf hinwegstreichenden Schwarme herausschoss, sowie einen Australischen Kranich. Dieser war in meiner Nähe auf ungefähr 200 Schritte eingefallen, worauf ich ihn zuerst zweimal mit der Kugel fehlte, und endlich, da er, nicht wissend, woher die Schüsse kamen, noch immer sitzen blieb, mit der dritten Kugel erbeutete.
Die Herren meiner Gesellschaft waren ebenfalls nicht leer ausgegangen und brachten zwei schöne Trappen, welche sie in der Nähe des Sumpfes in sandigem Terrain angetroffen hatten.

Schon während des Triebes hatte ich in weiter Entfernung mehrere Emus vorbeiwechseln gesehen, und drängte nun, da es mir hauptsächlich darum zu thun war, eines dieser seltenen Tiere zu erlegen, die Farmer, den Nachmittag zum Treiben auf dieselben zu verwenden. Bereitwilligst leisteten sie dieser Bitte Folge und stellten mich längs eines Zaunes in einer mit verkrüppelten Bäumen und Büschen bedeckten Ebene an, während die Reiter einen großen Bogen machten, um mir die etwa vorhandenen Emus zuzutreiben. Vor mir standen einige ganz niedrige Sträucher des Salzbusches, der Lieblingsnahrung weidender Schafe; hinter diesen Sträuchern suchte ich mich so gut als möglich zu decken. Ich mochte kaum 20 Minuten gewartet haben, als ich bereits die lauten Rufe der herangaloppierenden Reiter vernahm und eine Staubwolke sich auf mich zubewegen sah. Nun bot sich mir ein äußerst merkwürdiges Bild: ein Trupp von mindestens 40 Emus, die mit hocherhobenen Hälsen in vollem Lauf einherstürmten; allen voran ein beinahe schwarzer, großer Leithahn, die ganze Herde in wilder Unordnung hinterdrein. Die Tiere eilten den Zaun entlang, den sie nicht zu übersetzen wagten, und versuchten zeitweise gegen die offene Ebene auszubrechen, was jedoch von den Reitern geschickt verhindert wurde. Nur mehr auf 40 Gänge von mir entfernt, erblickten mich die ersten Stücke, und jetzt stob die ganze Herde auseinander; ich sandte dem nächsten Emu zwei Schrotschüsse nach, hörte die Schrote an das dichte Federkleid anprallen, konnte auch wahrnehmen, dass er schwer getroffen war, vermochte aber leider nicht zu hindern, dass er flüchtig abzog; hiedurch gewitzigt, griff ich rasch nach dem Stutzen und schoss einen alten Hahn, der sich eben zur Flucht abgewendet hatte. Andere Schüsse waren der nachjagenden Reiter halber nicht mehr anzubringen. Die Herde flüchtete nun in rasendem Lauf der Ebene zu, wobei von meinen Herren, welche bedauerlicherweise unrichtig, nämlich in zweiter Linie, aufgestellt worden waren, nur Clam den Emus einige Kugelschüsse auf weite Entfernung nachsenden konnte. Wären die Herren auf den richtigen Plätzen seitwärts von mir gestanden, so hätte die Strecke jedenfalls bedeutender sein müssen.

Das von mir mit Schrot angeschweißte Stück wurde bald darauf von zwei Reitern ausgemacht. Die erlegten Stücke waren selten schöne und große Exemplare, deren Erbeutung mir um so willkommener war, als behauptet wird, dass diese mächtige Vogelart ganz im Aussterben begriffen sei.

Die Reiter machten den Versuch, den Trupp noch einmal zurückzutreiben, und zwar von der anderen Seite her, so dass wir uns auf den Ständen nur umzuwenden brauchten. Nach längerer Zeit kamen auch einige Stücke auf uns zu; doch hatten sich die Emus mit ihren feinen Sinnen die gefahrdrohende Stelle genau gemerkt und brachen, ohne gewendet werden zu können, schon in weiter Entfernung vor den Ständen aus.

Mr. Campbell schlug mir nun, da die Fortsetzung der Jagd auf Emus aussichtslos war und noch Zeit erübrigte, vor, auf Kakadus und Trappen auszuziehen, und sandte, um den Aufenthaltsort eines Kakadufluges auszukundschaften, zwei seiner Reiter aus, die nach wenigen Minuten schon mit der Meldung zurückgesprengt kamen, dass sie einen Schwarm ausfindig gemacht hätten. So rasch es unser Wagen gestattete, fuhren wir in der angegebenen Richtung und sahen nach Zurücklegung einer Strecke von 2 km bereits einen Flug herrlicher rosenrother Kakadus (Cacatua roseicapilla) über die Wipfel der Bäume streichen und auf einer freien Fläche einfallen. Sofort sprangen ich und Wurmbrand vom Wagen ab, pürschten uns an und sahen 300 bis 400 der rothen Köpfe mit aufgestellter Haube aus dem Gras emporragen, späterhin die zierlichen Thiere selbst, Asung suchend, gravitätischen Schrittes einherstolzieren; als wir auf 60 Schritte herangekommen waren, stand der Flug wie auf Kommando auf, und mit zwei Schüssen holte ich drei Stücke herab, die kreischend auf dem Boden umherflatterten.

Einem eigentümlichen Triebe folgend, trennen sich Kakadus von getöteten oder verwundeten Kameraden ihres Fluges nicht so bald, sondern beschreiben um dieselben einen Kreis in der Luft und stoßen immer wieder herab, mag auch noch mehreremale auf sie geschossen werden. So erhob sich auch hier der farbenbunte Kakaduschwarm wie eine rosenrote Wolke in die Lüfte, um alsbald im pfeilschnellen Fluge herabzustürzen. Noch zehn Stücke wurden erlegt, bis der Schwarm doch höher stieg und endlich über den Wipfeln der Eucalypten verschwand.

Bald darauf schoss ich während der weiteren Fahrt noch drei reizende, kleine Papageien sowie, mit der Kugel, einen Trappen und erreichte bei vollkommener Dunkelkeit wieder die Station, wo Hodek in voller Tätigkeit war, die verschiedenen Beutestücke zu präparieren.

Nachdem wir von den freundlichen Farmern Abschied genommen, entführte uns die Eisenbahn nach Narromine, wo wir dem um unsere jagdlichen Erfolge so hochverdienten, liebenswürdigen Mr. Mack herzliches Lebewohl sagten.

Ich hatte in Narromine den Waggon für einen Augenblick verlassen, als aus der Menschenmenge, die nächst dem Bahnhof versammelt war, ein anständig, aber ärmlich gekleideter, junger Mann auf mich zuschritt, meine Hand ergriff und, sie drückend, mir zurief: „Wenn Euere kaiserliche Hoheit nach Wien zurückkommen, so bitt‘ ich den alten „Steffel“ zu grüßen und ihm zu sagen, dass ich ein treuer Österreicher geblieben bin, der seine alte Heimat nicht vergessen kann!“ Sprachs und verschwand. Ich sandte dem Unbekannten sogleich einen der Herren nach, der ihn auch nach langem Suchen fand und ihm in meinem Namen eine Unterstützung anbot. Der Landsmann aber verweigerte die Annahme einer solchen, mit dem Hinweis darauf, dass er zwar arm und ohne Arbeit sei, aber nur das Glück gesucht habe, ein Mitglied seines Kaiserhauses zu sehen. Dann verlor er sich wieder in der Menge; der Pfiff der Lokomotive ertönte, wir rollten weiter. Diese überraschende, in den Gefilden Australiens sich abspielende Szene hat mich tief ergriffen, der schlichte Mann mit seiner Liebe zum Vaterland, mit seinen wenigen, herzlichen Worten hat mein patriotisch fühlendes Herz wahrhaft gerührt. Welche Entbehrungen, welche Sorgen mag der Ärmste im harten Kampf ums Dasein ertragen haben; und doch hat sich die Erinnerung an die Heimat, hat sich die Liebe zum angestammten Kaiserhaus in ihm lebendig erhalten! Mag ihn was immer nach Australien getrieben haben, der echt österreichische Sinn hat sich in diesem geprüften Menschen auch hier — viele tausend Meilen vom teuren Vaterland — nicht verleugnet, ihm vielmehr Worte geliehen, die auf mich, den warmfühlenden Landsmann, einen nachhaltigen Eindruck hervorgebracht haben.

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  • Ort: Narromine, Australien
  • ANNO – am  20.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Maria Stuart”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Margarethe” aufführt.

Narromine, 19. Mai 1893

Mr. Mack hatte mich eingeladen, seine Farm zu besichtigen und beigefügt, sie sei auf der Fahrt nach dem Jagdplatz mit einem kleinen Umweg leicht zu erreichen. Ich folgte dieser Aufforderung mit Vergnügen, da ich gespannt war, das Haus eines Farmers kennen zu
lernen, in dem er inmitten der Herden, der unermesslichen Weiden und Wälder, so ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten, zumeist auf sich selbst und auf die Familie angewiesen, seine Tage verbringt.

Bald hatten wir die Farm erreicht — ein äußerst nettes, ebenerdiges Gebäude mit einer ringsumlaufenden, offenen Veranda, ähnlich den Wohnhäusern der kleinen Gutsbesitzer in den südlichen Ländern unserer Monarchie. Das Haus ist aus getrocknetem Lehm erbaut und nur mit Wellblech überdacht, im Innern aber sehr geschmackvoll und gemütlich ausgestattet. Im Salon empfing mich die gesamte Familie Mack, in Gesellschaft einiger Freundinnen, die aus Melbourne und Sydney zu Besuch gekommen waren. Auch der wohlgepflegte, reizende Garten, in welchem ungeachtet des in Menge gefallenen Reifes die schönsten Blumen blühten und köstliche, uns zur Labung dargereichte Weintrauben an einem Laubengang prangten, wurde in Augenschein genommen. Als mir Minister Suttor plötzlich vorschlug, die im Haus anwesenden Damen zu unserem abendlichen Diner im Salonwagen einzuladen, war ich anfänglich nicht wenig betreten; da ich jedoch noch niemals Damen in einem Salonwagen bewirtet hatte, insbesondere nicht im australischen Busch, so trieb mich der Reiz der Neuheit, auf den Vorschlag einzugehen — ein Entschluss, der zum Teil durch die angenehme Aussicht erleichtert war, mich nach des Tages Mühen im Kreis schöner Damen zu befinden, unter welchen die Palme einer durch mandelförmig geschnittene, prächtige Augen ausgezeichneten, jungen Australierin gebührte.

Die Fahrt zum Jagdplatz fortsetzend, kamen wir an Gebäuden vorbei, in welchen die Schafe Mr. Macks mittels Maschinen geschoren werden, eine Prozedur, die sich so ungemein rasch vollzieht, dass ein Mann im Tage 100 Schafe zu scheren im Stande ist. Da jedoch jetzt nicht die Jahreszeit für die Schafschur war, konnten wir leider die Maschinen nicht in Tätigkeit sehen.
Auf dem Jagdplatz nahm der erste Trieb auf Känguruhs sofort seinen Anfang; doch schien leider die Passion, dem Wilde mit den Hunden nachzusetzen, die treibenden Reiter etwas zu sehr befallen zu haben, da zwar viele Känguruhs im Triebe waren, aber alle zur Seite oder rückwärts ausbrachen, so dass ich nur ein Stück erlegen konnte, während deren zwei gekillt wurden.

Mein Stand war diesmal in der Nähe eines großen Känguruhfanges, das ist eines mit hohen Zäunen umgebenen Platzes, zu dem breite, sich immer mehr verschmälernde Zugänge führen. Diese Vorrichtung dient dazu, größere Mengen Känguruhs einzufangen und dann zu erschießen oder totzuschlagen. Wenn nämlich die Känguruhs in einer Gegend stark überhandnehmen, was bei ihrer raschen Vermehrung sehr leicht geschieht, so beginnen die Farmer für ihre Weide zu fürchten, da die Känguruhs die gleiche Nahrung beanspruchen wie die Schafe; mehrere in demselben Distrikt befindliche Farmer arrangieren dann gemeinschaftlich große Treibjagden zu Pferde, wobei sie die Känguruhs rudelweise in solche Einfänge treiben und hiedurch oft unglaublich scheinende Mengen erbeuten. So sollen vor kurzem bei mehreren derartigen im Verlauf eines Jahres abgehaltenen Razzias auf Territorien von nicht mehr als 1000 bis 1300 ha bei 60.000 Känguruhs erlegt worden sein. Das Fleisch der Känguruhs wird nicht verwertet, dagegen liefert ihr Fell einen schätzbaren Artikel, besonders zur Ausfuhr nach Europa. 1892 wurden 144.712 Känguruhs und 655.598 Wallabies getötet. Was die Fruchtbarkeit der Känguruhs anbelangt, so dürfte dieselbe jener unserer Hasen gleichkommen, da sonst bei der unablässigen Verfolgung das Vorkommen so bedeutender Mengen nicht gut denkbar wäre; allerdings erhalten diese Tiere in den bewohnten Strecken stets wieder frischen Zuzug aus den noch im Urzustande befindlichen, ausgedehnten Teilen des Landes.

Der gebratene oder eigentlich nur angekohlte Hammel füllte auch heute eine Pause aus, worauf wieder eine Jagd auf Wasserwild folgte. Nach den gestrigen Erfahrungen versprach ich mir anfänglich nicht viel, wurde aber dann sowohl durch die Originalität der Jagd, wie durch die erzielte Strecke sehr angenehm enttäuscht. An einem langen, flussähnlichen Wasserarm angelangt, der sich mitten im Walde zwischen den Bäumen hindurchschlängelte, wollte das Jagdgefolge das Wasserwild von beiden Seiten zu Pferd aufjagen, so dass es seinen Zug stets in der Mittellinie des Wassers auf und ab nehmen sollte. In dem Wasser standen viele abgestorbene Eucalyptus-Bäume, welche der Örtlichkeit ein eigentümlich melancholisches Gepräge verliehen. Da der Wasserspiegel aber ungefähr 220 Schritte breit war, daher mit Schrot nicht überschossen werden konnte, erklärte mir Mr. Mack, — ein Farmer kennt keine Schwierigkeit — er werde mich mit dem Wagen in das Wasser fahren, dort die Pferde ausspannen und ich solle dann vom Kutschbock aus schießen. Gesagt, getan! Nach einigen kräftigen Peitschenhieben entschlossen sich die Pferde, den Wagen in das Wasser, das ihnen gleich anfangs beinahe bis an die Schultern reichte, hineinzuziehen und brachten denselben, in immer größere Tiefe gelangend, halb schwimmend, halb aufrecht gehend, endlich in die Mitte des Wassers. Vom Bock aus löste Mr. Mack die Stränge der Pferde, schwang sich auf den Rücken eines derselben und erreichte so das andere Ufer, während er mich meinem Schicksal überließ. Da aber auch der Kutschbock schon halb unter Wasser stand, so musste ich ein nicht gerade angenehmes Sitzbad nehmen. Das Wasser war eiskalt, — hatte es doch in den vorangegangenen Nächten gefroren — und die Jagd dauerte über eine Stunde; kleine Übelstände, auf die man jedoch in der Hitze des Gefechtes nicht achtet.

Ich war auf meinem feuchten Hochstande mit dem Laden der Gewehre eben fertig geworden, als schon ein Zug Enten nach dem andern über meinen Kopf strich, so dass ich das Feuer gleich eröffnen konnte; allerdings ohne sonderliches Ergebnis, da die Flüge ungemein hoch zogen. Wer beschreibt nun meinen Arger darüber, dass in dem Augenblick, in dem ich wieder einmal auf zu große Distanz ohne Erfolg geschossen und die Gewehre noch nicht geladen hatte, ein schwarzer Schwan vorbeistrich, ein Exemplar jener höchst interessanten Art der australischen Ornis, die ich an diesem Wasser zu finden gar nicht erwartet hatte. Zum Glücke blieb mir nicht lange Zeit zur Erwägung des misslichen Falles; denn nach wenigen Minuten schon sah ich aus der Ferne ein Paar schwarzer Schwäne heranstreichen und hatte das Waidmannsheil, beide mit Coup double zu erlegen. Es waren selten schöne Vögel mit schwarzem, geschmeidigem Leibe, weißen Schwingen und intensiv roten Schnäbeln. Gegen Ende des Triebes, der sehr geschickt ausgeführt worden war, kam mir noch ein Schwan zugestrichen, den ich aus bedeutender Höhe herabschoss. Meine Gesamtbeute bestand, abgesehen von den drei Schwänen, welche die Piece de resistance des heutigen Tages bildeten, in 12 Enten, zumeist australischen Löffelenten, ein Ergebnis, das wohl nicht im Verhältnisse zu der Anzahl der verbrauchten Patronen stand; aber die Enten strichen eben in beträchtlichen Höhen.

Nun galt es für mich, wieder aus dem Wasser herauszukommen, was jedoch große Schwierigkeiten bot. Die Pferde wurden zwar durch Berittene bis an den Wagen gebracht; doch kam man mit dem Einspannen nicht zurecht, da dasselbe vom Kutschbock aus bewerkstelligt werden musste und die Pferde sich völlig stutzig zeigten; war eines derselben endlich eingespannt, so riss sich das zweite los, das dritte wollte gar nicht mehr in die Nähe des Wagens, das vierte stieg kerzengerade empor, und schließlich begannen Wagen und Pferde sich im Kreise zu drehen, so dass endlich die Deichsel brach. Nachdem die Bemühungen lange Zeit und vergeblich gewährt hatten, sprang ich vom Kutschbock aus auf das Pferd eines der Treiber und schwamm so aus dem Wasser, worauf es nach einiger Zeit gelang, Pferde und Wagen an das Ufer zu bringen.

Den Abschluss der heutigen Jagd sollte abermals ein Känguruhtreiben bilden. Da es infolge der Episode im Wasser bereits spät geworden, drängte Mr. Mack sehr und führte uns abermals in gestrecktem Galopp quer durch den Wald über die Baumstämme hinweg, dass uns Hören und Sehen schwand. Während der Fahrt sah ich in ziemlicher Entfernung unter einem Nadelholzbaum ein Känguruh sitzen; ein glücklicher Kugelschuss streckte es im Feuer.

Mitten im Wald, in dem getrieben werden sollte, trafen wir mit den vorausgesandten Reitern zusammen, die auch nicht müßig geblieben waren, sondern einen Emu parforciert hatten. Das Thier, welches aufrecht stehend höher ist als ein erwachsener Mann, lag mit gebundenen Ständern am Boden und wurde abgeknickt, um der Sammlung einverleibt zu werden; dasselbe ist ungemein flüchtig, und die Reiter mussten den Emu mehrere Kilometer im schärfsten Run hetzen, bis sie ihn abgefangen hatten, so dass die Pferde vollständig ausgepumpt waren.
Der Trieb auf Känguruhs misslang und zwar wohl aus demselben Grund, wie der vormittags unternommene; denn es gab zwar sehr viele Känguruhs, aber zu scharf gehetzt, stoben sie auseinander und brachen an den Seiten aus, so dass nur ein Stück erlegt und ein zweites von den Hunden gefangen wurde.

Meiner Einladung entsprechend, fand das Diner im Waggon in Gesellschaft der Damen aus dem Hause Mr. Macks statt und verlief recht unterhaltend in zwangloser Heiterkeit; des Sprichwortes, dass Würde Bürde bringt, eingedenk, widmete ich mich als Hausherr vorzugsweise den älteren Damen, während meine Herren den jüngeren Mitgliedern der Tafelrunde die Honneurs machen konnten.

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  • Ort: Narromine, Australien
  • ANNO – am  19.05.1893 in Österreichs Presse. Die Neue Freie Presse vermeldet, dass die Bank von England die Zinsen auf vier Prozent erhöht hat, um die Konsequenzen der australischen Krise zu meistern. Britische Investoren hatten in Australien empfindliche Verluste erlitten.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Das Heiratsnest”, während da k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet “Excelsior” aufführt.

Narromine, 18. Mai 1893

Als wir in den Waggons — der Train diente als unser ambulantes Quartier — erwacht waren, begrüßte uns ein herrlicher, frischer Morgen. Lange standen wir in voller Ausrüstung bereit, Mr. Macks harrend; doch ließ sich der wackere Farmer zunächst nicht blicken und kam erst gegen 9 Uhr mit einem großen Break, welchem vier gute, australische Pferde vorgespannt waren, angefahren.

Nun fand sich aber für uns, die Diener und die Gewehre nicht genügend Raum auf dem Wagen, so dass erst Reitpferde für einige der Herren von der Weide eingefangen werden mussten. Das beanspruchte abermals geraume Zeit, obschon die hiemit beauftragten Reiter sehr geschickt vorgingen: sie setzten dem Rudel weidender Pferde im Galopp nach und trieben die ausgewählten Tiere dem Gehöft zu, wo diese gesattelt und bestiegen wurden.

So waren wir denn endlich flott — voran Mr. Mack, ich und mehrere Herren auf dem großen Wagen; dann die übrigen Herren zu Pferd und eine Anzahl ebenfalls berittener Bekannter und Angestellter Mr. Macks, die uns als Treiber dienen sollten. Wir eilten zunächst durch die kleine Ortschaft Narromine, dann an Feldern vorbei, bis wir im Wald anlangten.

Das Jagdterrain lag auf der Besitzung Mr. Macks, der hier ungefähr 220.000 ha sein eigen nennt und zu den reichsten Squatters des Landes gehört; denn sein Viehstand beträgt 100.000 Schafe, 500 Stück Rindvieh und 500 Pferde. Einige Flächen seiner Besitzung hat er roden, mit solid gearbeiteten Drahtzäunen einfrieden und mit Weizen bebauen lassen; Schafe, Pferde und Rindvieh müssen sich ihre Nahrung in dem schier unermesslichen „Busch“ suchen, in dem nur einzelne, auf weite Strecken gezogene Zäune die Tiere am Verlaufen hindern.

Um die Weideplätze zu vermehren und zu verbessern, bedienen sich die Farmer eines sehr drastischen Mittels, welches in den Augen eines an rationelle Waldkultur gewöhnten Europäers als Vandalismus erscheint.

Da das Holz hier wenig oder keinen Wert besitzt und an eine Bringung desselben nicht zu denken ist, werden die prachtvollen Stämme, um deren Fällung umgehen zu können, so stark — ungefähr handbreit — geringelt, dass sie allmählich absterben, ein Verfahren, welches den Wald ungemein rasch lichtet, so dass Unterwuchs sowie Gras aufsprießen und vorzügliche Weide liefern. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich vorzustellen, welch trostlosen Anblick ein derart behandelter Wald bietet: hier ragen mächtige Bäume empor, welche vermöge ihrer unheilbaren Wunde die ersten Spuren des Siechtums zeigen; dort sind andere bereits dem Tod nahe und harren, des Blätterschmuckes beraubt, mit ihren dürren, weit in den Luftraum starrenden Ästen Gerippen gleichend, des Windstoßes, der sie zu ihren schon zu Boden liegenden Brüdern betten wird. Die Verfolgungswut der Farmer richtet sich namentlich gegen die Eucalypten, da, wie jene behaupten, deren lange, weit ausgreifende Wurzeln den Boden verderben; hingegen werden Nadelholz, Kasuarinen, blaue Gummibäume meist verschont. Infolge dieser Behandlungsart sind die Wälder, welche schon von Natur aus lichten Bestand aufweisen, noch lückenhafter, so dass man in denselben fast überall ohne gebahnte Wege fahren kann.

Zu den Fahrten in diesen Wäldern gehören jedoch widerstandsfähig konstruierte Wagen, tüchtige Pferde und eine gewisse Unempfindlichkeit gegen Stöße und Püffe, da es unausgesetzt über die gestürzten, in wildem Gewirr umherliegenden Baumstämme geht. Ich hatte Gelegenheit, diese Fahrbahn bald ebenso kennen zu lernen, wie die Bravour, mit welcher Mr. Mack im schärfsten Trab und Galopp über gefallene Waldriesen hinwegfuhr, die ich als ganz unübersteigliche Hindernisse betrachtet hätte. Allerdings mussten wir, um nicht herabgeschleudert zu werden, uns mit beiden Händen an den Wagen klammern, und bald saß Mr. Mack auf meinem Schoß, bald ich auf dem seinen; doch focht uns dies weiter nicht an und fort ging’s, immer drauf los im gleichen Tempo.

Nach einiger Zeit wurde die tolle Fahrt unterbrochen und Kriegsrat gehalten, während dessen ich drei reizende Papageien erlegte, die in der Nähe des Wagens eingefallen waren und alle Farben des Regenbogens in ihrem Gefieder aufwiesen.

Der getroffenen Bestimmung gemäß unternahm ich nun zunächst eine Pürsche zu Wagen auf Känguruhs, während die Reiter mit den Windhunden auf erhebliche Entfernung zurückblieben, und in der Tat erblickte ich bald ein Rudel Känguruhs, die, schon von weitem ausreißend, in den drolligsten Sprüngen durch den Wald flüchteten; aber die Hunde hatten das Wild bereits eräugt, waren trotz aller Zurufe der Reiter nicht mehr zurückzuhalten und setzten den Känguruhs nach. In wenigen Minuten hatten die Hunde auch ein mittelgroßes Stück abgefangen, wurden aber abgepeitscht und noch weiter zurückgeführt, worauf es mir gelang, mit dem Wagen so nahe an ein Känguruh heranzukommen, dass ich es mit der Kugel strecken konnte, als es sich eben ganz aufrecht auf die Hinterläufe gesetzt hatte. Die Erlegung des ersten Känguruhs freute mich umsomehr, als dasselbe ein schönes Exemplar der großen Art Macropus giganteus war.

Nach diesem ersten Erfolg war es aber nicht mehr möglich, sich den scheuen Tieren auf Schussdistanz zu nähern; teils weil unser Riesenwagen mit den vier Pferden im trockenen Holz zu viel Getöse verursachte, teils weil die ungebärdigen Hunde das Wild zu sehr beunruhigten, so dass Mr. Mack, die Fruchtlosigkeit unserer Bemühung einsehend, sich entschloss, einen Trieb zu versuchen.

Der Trieb war kaum eingeleitet, als ein Reiter mit der Meldung heransprengte, dass die Känguruhs aus dem Trieb ausgebrochen seien und in nachbarliches Gebiet gewechselt hätten, worauf ich und noch zwei Herren auf den Wagen sprangen, welchen Mr. Mack, um den Känguruhs zuvorzukommen, ohne jede Rücksicht auf das Terrain, über Stock und Stein im gestreckten Galopp, was die Pferde laufen konnten, quer durch den Wald lenkte. Ich hatte die Empfindung, als säße ich auf dem Protzkasten eines Geschützes, welches im vollen Lauf Hindernisse zu nehmen hat, und konnte die außerordentliche Widerstandsfähigkeit des Wagens nur bewundern. Plötzlich hielt Mr. Mack an und zeigte mir den Platz, auf dem ich mich anstellen sollte. Im ersten Moment war ich über meinen Stand nicht wenig erstaunt; denn vor mir blöckten in der Richtung, aus welcher getrieben werden sollte, 1400 Schafe, linkerhand befand sich ein hoher Drahtzaun, zur Rechten fasste auf wenige Schritte Mr. Mack mit seinem großen Wagen Posto, und hinter mir weideten Pferde. Doch hatte ich nicht lange Zeit zur Überlegung; denn die Gewehre waren kaum geladen, als ich schon das Schreien und Peitschengeknalle der reitenden Treiber vernahm und unmittelbar darauf ein großes Rudel Känguruhs geradewegs zwischen der Schafherde und dem Drahtzaun auf mich zuhüpfen sah. Sie waren noch auf ungefähr 100 Schritte entfernt, als ich hinter mir brechen höre und drei Känguruhs an meinem Stand vorbeiflüchten sehe. Mit raschem Coup double erlegte ich ein sehr starkes, altes Weibchen und ein mittelgroßes Stück. Durch die Schüsse wurde das Rudel, welches schon ganz nahe an meinen Stand herangekommen war, in Verwirrung gebracht, das Leitkänguruh sprang von einem Platz zum anderen, die Herde ihm nach, so dass ich unmittelbar nacheinander noch drei Stücke derselben erlegen konnte.

Ein größeres, in flüchtigen Sprüngen sich fortbewegendes Känguruhrudel bietet einen äußerst fremdartigen und komischen Anblick. Man sollte übrigens nicht glauben, wie behende die scheinbar unbehilflichen Tiere sind und welch gewaltige Sätze sie dank den stark entwickelten Hinterläufen und dem Schwanz, mit dem sie sich vom Boden abschnellen, auszuführen vermögen. Sie sind scheu und wachsam, namentlich das Leitkänguruh äugt und windet fortwährend nach allen Richtungen.

Zwei der Weibchen trugen in den Taschen je ein Junges, die, als die Mütter erlegt waren, herauskrochen; das eine derselben war behaart, das andere noch nackt, doch zeigten sich beide lebensfähig.

Meine beiden Nachbarschützen hatten ebenfalls geschossen, doch gefehlt. Die inzwischen angelangten Reiter brachten drei Känguruhs, welche von den Windhunden gefangen worden waren, was übrigens nicht so glatt ablief, da sich besonders ältere Känguruhs gegen Hunde zur Wehr setzen und ihnen tiefe Wunden mit den scharfen Krallen der Hinterläufe beibringen, so dass auch diesmal zwei Hunde stark geschlagen waren.

Während wir die erlegten Stücke betrachteten und deren Felle abgestreift wurden, tauchten hinter uns abermals Känguruhs auf, welche, obgleich die Reiter alsbald im Sattel waren, nicht mehr gewendet werden konnten.

Wie in Indien, so huldigen die Söhne Albions auch im australischen Busch der Sitte des Luncheons, welcher wir uns nun zu unterwerfen hatten; doch ließ sich das Lunch wenigstens waidgerechter an, da es keinen Champagner, noch auch silbernes Essgerät oder eine gedeckte Tafel gab, sondern nur am offenen Feuer über einem Rost ein Hammel gebraten und dann halb roh, halb verbrannt, verzehrt wurde. Die Zeit, welche diese kulinarische Prozedur erforderte, benützte ich, um einige Vertreter mir neuer Vogelarten zu erlegen.

Über Proposition Mr. Macks wurde noch ein Trieb in einem licht bestockten Eucalyptus-Wald, der von hohem, gelbem Gras unterwachsen war, durchgeführt, wobei die Reiter zuerst zwei auffallend starke Känguruhs auftrieben, deren eines von Clam, das andere — in tollster Flucht — von mir mit der Kugel erlegt wurde. Zum Schluss kam mir längs eines Zaunes noch ein Känguruh angesprungen, das ich schoss, als es den Arm eines Wasserlaufes passierte.
Da die Zeit für einen weiteren Trieb schon zu sehr vorgerückt war. führte mich unser Jagdherr quer durch den Busch an einen Wasserriss, der, mitten im Walde gelegen, ein beliebter Einfallplatz für Wasserwild, besonders für Pelikane, sein sollte. Ich bat Mr. Mack, nicht bis an das Wasser anzufahren, sondern früher zu halten, so dass wir uns anpürschen könnten; er aber meinte, dass das Wild gar nicht scheu sei und auch angesichts des Wagens ganz gut standhalten würde. Meine Befürchtung erwies sich jedoch als begründet; denn als wir mit diesem vorsintflutlichen Wagen an das Wasser angedonnert kamen, strich eine große Kette der schönsten Pelikane mit schwerem Hügelschlag ab und war alsbald hoch in den Lüften; gleichwohl gelang es mir und Wurmbrand, die wir schnell abgesprungen waren, zwei dieser mächtigen Vögel (Pelecanus conspicillatus) herabzuholen, die mit dumpfem Fall in das hoch aufspritzende Wasser stürzten. Da ich hoffte, dass die den Wasserarm noch immer umkreisende Kette wieder einfallen würde, verbarg ich mich hinter einem großen Baum, und in der Tat senkten sich die Pelikane immer tiefer und tiefer. Leider verdarb aber der gute Mr. Mack in der besten Absicht alles; denn im entscheidenden Augenblick kam er mit seinem Wagen wieder angefahren, um mir zu sagen, ich solle nur ja recht grobe Schrot nehmen.

Selbstverständlich verschwanden die scheuen Vögel auf Nimmerwiedersehen. Dafür hatte wenigstens allerlei Wasserwild anderer Arten, welches den schmalen Wasserriss auf und ab strich, ausgehalten. Ich konnte hier Kraniche (Antigone australasiana), ferner Löffelreiher (Platalea regia), graue Reiher (Ardea paeifica), Cormorane und Schlangenhalsvögel (Plotus novae hollandiae) sowie mehrere Exemplare einer australischen Ibisart und zahlreiche Enten beobachten und einzelne Vertreter dieser reichen Ornis erlegen.

Aber auch jetzt konnte Mr. Mack sich nicht gedulden; er kam mit dem Wagen und einigen Reitern bald wieder in meine Nähe, so dass ich, endlich das Nutzlose weiteren Wartens einsehend, die Jagd aufgab und meinen Sitz auf dem Kutschbock einnahm — nicht ohne Bedauern; denn das stille Wasser im Wald bildete nicht nur landschaftlich ein hübsches Plätzchen, sondern hätte mir auch Gelegenheit geboten, noch manch interessantes Stück zu erbeuten. Ungefähr 6 km weit gings nun im Wagen, gefolgt von der ganzen Kavalkade, durch den Wald zurück, bis wir nach Sonnenuntergang wieder in Narromine anlangten.

Die Ausdauer der heute in unseren Dienst gestellten australischen Pferde war geradezu bewundernswert; denn diese mussten mit Ausnahme der Frühstückspause fortwährend im flotten Jagdgalopp gehen, ohne dass die Reiter sie hiebei etwa geschont hätten. Ja, während des Rückweges trieben einige der Reiter noch allerlei Scherze, indem sie einander nachjagten und eine Art Jeu de barre aufführten. Auch unser Viererzug hatte den schweren, mit sechs Personen beladenen Break den ganzen Tag über querfeldein in scharfem Trab oder Galopp gezogen — Leistungen, die um so höher anzuschlagen sind, als die Pferde hier nie Hafer oder ein anderes Körnerfutter erhalten, sondern ausschließlich auf die Weide angewiesen sind, da sie, sobald man ihrer nicht mehr bedarf, freigelassen werden und für sich selbst zu sorgen haben. Die Pferde sind meist groß, haben keine schönen Formen, aber knochigen, ungemein kräftigen Bau. Jeder Farmer hält eine bedeutende Anzahl von Pferden, so dass jeden Augenblick im Busch Rudel von sechs bis acht Stücken zu sehen sind; werden nun deren einige gebraucht, so treibt man sie entweder in eine Einzäunung oder fängt sie mit dem Lasso ab.

Nicht selten geschieht es, dass ein Farmer sich genötigt sieht, die Anzahl der Pferde zu verringern; dies ist namentlich in den traurigen Jahren der Dürre, die sich von Zeit zu Zeit im ganzen Land einstellt, der Fall; dann handelt es sich darum, den spärlichen Weideertrag wenigstens einem Teil der Schafherde dadurch zu sichern, dass der übrige Viehstand möglichst eingeschränkt wird; so wurden auf mehreren der großen Farmen anlässlich der letzten Dürre an 6000 Pferde im Wald erschossen. Die Dürre bildet den ärgsten Schrecken für den australischen Farmer, da infolge derselben alle Quellen, Bäche und stehenden Wasser versiegen, der Graswuchs verdorrt, das Vieh an Hunger und Durst zugrunde geht. Die Farmer müssen dann darauf bedacht sein, mindestens einen kleinen Stamm ihrer Schafherde zu erhalten, um hiemit im nächsten Jahre die Aufzucht von neuem beginnen zu können; alles übrige Vieh aber, Rinder, Pferde und Schafe, ist verloren. Heuer war ein besonders regenreiches Jahr und daher die Weide allenthalben sehr üppig, so dass wir überall im Walde gesunden und wohlgenährten Herden begegneten.

Hodek, welcher den ganzen Tag über wacker mit den Treibern geritten war, hatte ebenfalls seine Strecke, indem er zwei von dem großen Trupp abgetrennten Känguruhs so lange nachsetzte, bis er sie glücklich gefangen hatte; doch verirrte er sich bei dieser wilden Jagd im Busch, so dass wir nach Abbruch der Jagd einige Reiter auf die — binnen kurzem erfolgreiche — Suche nach ihm aussenden mussten.

Während der Durchfahrt durch Narromine lernte ich Mrs. Mack kennen, die mit ihrer Tochter und mehreren anderen Damen in mit Ponies bespannten Wagen des Weges kam. Der elfjährige Sohn Mr. Macks, George, ein prächtiger Bursche und tüchtiger Naturreiter, hatte tagsüber als wackerer Treiber fungiert.

Den Abend und die Nacht verbrachten wir wieder in unserem Extrazug.

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  • Ort: Narromine, Australien
  • ANNO – am  18.05.1893 in Österreichs Presse. In Wien wird über den Standort des Goethe-Denkmals diskutiert, nachdem genügend Geldmittel dafür gesammelt worden sind. Tatsächlich sollte das Denkmal erst um 1900 an seinem heutigen Standort errichtet werden.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Der Hüttenbesitzer”, während da k.u.k. Hof-Operntheater “Merlin” aufführt.

Sydney, 17. Mai 1893

Der lohnendste, weil in den schönsten Teil von Neu-Süd-Wales führende Ausflug von Sydney aus ist jener in die Blauen Berge — eine Partie, die an landschaftlichen Reizen in der Tat unvergleichlich ist.

Die Blauen Berge sind ein der Küste in der Entfernung von 40 km bis 200 km so ziemlich parallel laufendes, im Norden an die quer, das heißt von West nach Ost liegenden Bergzüge der Liverpoolkette, im Süden an die Australischen Alpen stoßendes Bergland, dessen bedeutendste Erhebung der Mount Beemarong (1230 m) bildet. Dieses Bergland steigt schroff aus der Ebene auf, um sich dann zu Hochebenen auszubreiten, auf welche einzelne Höhenzüge aufgesetzt sind. Mit Wald bedeckt, im übrigen unfruchtbar, jedoch reich an mineralischen Schätzen, scheiden die Blue Mountains die welligen, grasreichen Weidegründe des Innern von dem mit fruchtbarem Alluvium ausgestatteten, üppigen Landstriche der Ostküste.

An der ziemlich entlegenen Redfern Station der Western Line, welche von Sydney aus in westlicher Richtung die Blauen Berge übersetzt, erwarteten uns der Minister für öffentlichen Unterricht, Mr. F. B. Suttor, der Leiter und Arrangeur der Fahrt, sowie der deutsche Generalkonsul Pelldram.

Der Tag war wunderbar schön, die Atmosphäre klar und rein. Obgleich der Extrazug mit englischer Geschwindigkeit fährt, braucht er doch geraume Zeit, um Sydney und die weithin sich ausdehnenden Vorstädte und Vororte zu durchfahren, so dass der Reisende einen annähernden Begriff von der räumlichen Ausdehnung und von dem Aufschwung erhält, den diese junge Stadt innerhalb der letzten Dezennien genommen hat. Überall herrscht Reinlichkeit und Nettigkeit, die Häuser in den Vorstädten sind zumeist ebenerdig, klein und mit Wellblech gedeckt. Hat der Zug endlich dieses Häuserlabyrinth verlassen, so treten große Orangengärten und weiterhin Eucalyptus-Haine an die Bahn heran, welche nun an einer mit Nadelholz bedeckten Hügelkette emporzusteigen beginnt. Wir finden hier kalifornische Pinien (Pinus insignis), Pinus Strobus (Weymouthskiefer) und hin und wieder mächtige Gummibäume.

Auch in diesen Wäldern fehlt es nicht an zahlreichen Ansiedlungen, da die Ausläufer der Blauen Berge den Sydneyern als Sommerfrische dienen und jeder reichere Bewohner der Stadt hier sein Landhaus hat, so dass man alle hübschen Aussichtspunkte, alle idyllisch gelegenen Stellen in den Tälern und Schluchten mit Villen besäet findet, welche den Stempel der Gemütlichkeit und des Frohsinns an sich tragen. In den Gärten der Villen blühen überall in den mannigfachsten Varietäten Chrysanthemen und Spätrosen.

Nach Passierung eines langen Tunnels beginnt die Bahntrace stärker zu steigen und die Szenerie nimmt den Charakter der Gebirgslandschaft an; Täler wechseln mit bewaldeten Höhenzügen und von Zeit zu Zeit treten groteske Felsformationen hervor. Infolge der Reinheit der Atmosphäre nehmen die entfernteren Hügel und Bergketten eine intensiv bläuliche Färbung an, woraus sich der Name „Blaue Berge“ erklärt; dieser zartbläuliche Hauch liegt auch über den Tälern — ein seltsames Naturspiel, das ich hier zum ersten Mal zu beobachten Gelegenheit hatte.

Gegen 1 Uhr kamen wir in der Station Wentworth Falls, 871 m über dem Meer gelegen, an, bestiegen bereitgehaltene Wagen und fuhren, wie sich unsere Begleiter bescheiden ausdrückten, zu einem schönen Aussichtspunkt. Eine halbe Stunde mochte die Fahrt durch Eucalyptus-Wälder gegangen sein, als plötzlich bei einer Biegung des Weges ein Gebirgspanorama vor uns lag, das in seiner Originalität und effektvollen Wirkung wohl nicht seinesgleichen haben dürfte.

Umgeben von steilen, schroffen Höhen, breitet sich zu unseren Füßen ein weiter, tiefer Talkessel aus, bedeckt von mächtigen Bäumen und Farnen, gebadet in duftigem Blau. Ein klarer Gebirgsbach stürzt als imposanter Wasserfall mit gewaltigem Rauschen und Brausen über drei Absätze die Felsabhänge hinab in eine Tiefe von 300 m, um sich daselbst in einer Mulde zu einem See zu sammeln und sprudelnd seinen Weg in der Talsohle weiter zu eilen; feiner Wasserstaub überwölbt, einer zitternden, schwingenden, schwebenden Wolke gleich und weithin im Sonnenlicht als farbenprächtiger Regenbogen erglänzend, das abstürzende Wasser.

„Über allen Wipfeln ist Ruh'“, und nur wenn ein Windhauch über die Baumkronen zieht, nicken sie mit leisem Flüstern ihren Beifall zu den tosenden Akkorden des Wasserfalles; kein Vogelgezwitscher ist vernehmbar und nur hin und wieder zieht einsam ein Raubvogel seine Kreise im blauen Äther.

Auf einem schmalen, vorspringenden Felsen bis an den Rand der mehrere hundert Meter senkrecht zu Tal stürzenden Steinwand vorschreitend, genießen wir in vollen Zügen das entzückende Schauspiel. Die Größe des Niveauunterschiedes zwischen unserem Standpunkt und der Talsohle wird am besten durch den Umstand veranschaulicht, dass die riesigen, wohl zu hundert Meter emporwachsenden Gummibäume, welche vorzugsweise den Bestand des Waldes im Tal bilden, wie kleines Buschwerk erscheinen. Der jungfräuliche Wald steht dort so dicht, dass kein Fleckchen des Bodens bloß liegt und das Auge nur über einen Teppich von Baumkronen schweift; allenthalben sprießt üppiges Pflanzenleben hervor; Epacrideen und Farne lugen neugierig aus den Felsspalten nach den Wundern der Natur; ja selbst der sterilste Boden schmückt sich mit allerlei Grün und trägt sein Scherflein bei, den Anblick zu verschönern. Starker Tau, welcher des Morgens gefallen war, hatte sich unter der Kraft der Sonnenstrahlen in viele Millionen Perlen verwandelt, die nun in allen Farben spielend an jedem Halme glitzerten.

Unter den überhängenden Partien einer das Tal begleitenden Felswand sind schmale Steige hergestellt; sie führen zu verschiedenen Felsspitzen und Vorsprüngen, welche die wunderbarsten Bilder in immer neuer, wechselvoller Umrahmung zeigen.

Nur das stete Drängen unserer Begleiter, welche die mögliche Verspätung des Extrazuges mit Besorgnis zu erfüllen schien, konnte uns dazu bewegen, von dem majestätisch schönen Gemälde Abschied zu nehmen.

Der Zug führte dann an einer Reihe lieblicher Punkte, darunter auch an dem kleinen Orte Katoomba vorbei, welcher am Zusammenlaufe mehrerer anmutiger Täler liegt und eine der beliebtesten Sommerfrischen von Sydney ist.

In der Station Blackheath machten wir abermals halt, um an reizend gelegenen Villen vorbei zu dem 5 km entfernten Wasserfall Govett’s Leap zu gelangen, wo unser ein ähnliches Bild harrte, wie bei den Wentworth Falls.

Auch hier blicken wir vom Rand einer senkrecht abfallenden Felswand in ein tief unten gebettetes Tal, das von scharfgezackten, felsigen Höhen umsäumt und weithin von einer Matte grüner Baumwipfel bedeckt ist. Die Riesen dieses Tales dünken uns noch kleiner als jene von Wentworth Falls, da die Wand, wie von Menschenhand abgemeißelt, noch tiefer abfällt. In einem Bogen stürzt auch hier ein Gebirgswasser hinab, während ein zweites, kleineres Gewässer, in Myriaden von Tröpfchen zerstäubt, einem Schleier ähnlich zutal flattert. Die letzten Strahlen der sinkenden Sonne brachten zauberhafte Lichteffekte hervor; das zarte Blau der Atmosphäre verschwamm mit dem rosigen Hauch der beleuchteten Bergspitzen, und über dem dunkelgrünen Wald lagerte sich allmählich veilchenblauer Duft. Selbst der kühlste Kritiker der Natur muss von Wentworth Falls und Govett’s Leap begeistert sein; denn ich glaube — ganz abgesehen von meiner Vorliebe und Empfänglichkeit für landschaftliche Schönheit — kühnlich behaupten zu dürfen, dass der Genuss allein, welchen der Anblick der Blauen Berge gewährt, jeden für die Mühen langer Seefahrt nach Sydney reichlich entschädigen muss.

Außer Wentworth Falls und Govett’s Leap gibt es hier übrigens noch eine Reihe anderer Punkte, die sich durch hohe landschaftliche Schönheit auszeichnen; doch reichte die kärglich bemessene Frist unseres Aufenthaltes in Neu-Süd-Wales leider nicht hin, alle diese lohnenden Stellen seines Bergreviers in Augenschein zu nehmen.

Wieder im Zug, erreichten wir bald den höchsten, 1025 m über dem Meer und unmittelbar vor der Zigzag Station befindlichen Punkt der Bahn. Bei dem das Gebirg überschreitenden Teil der Western Line — Zigzag Railway genannt — hat sich der Erbauer Mr. John Whitton in einer ähnlichen Weise geholfen, wie dies bei der nach Dardschiling führenden Bergbahn der Fall war, da auch hier die Trace im Zickzack geführt ist. Die Zigzags beginnen bei Lapstone Hill und setzen sich bis zu einer 31 m unter dem höchsten Punkt der Bahn gelegenen Stelle fort, von wo die Trace nach Bathurst absteigt.

Während wir uns talwärts senkten, fehlte es nicht an Anzeichen, dass wir uns gegen das Innere des Landes bewegten, uns dessen großen Farmen näherten; denn die Lastzüge bestanden fast durchwegs aus langen Reihen von Viehwaggons; jeder dieser Waggons war mit lebenden Schafen vollgepfropft, und so beladen rollte Zug für Zug den Docks und den Schlächtereien von Sydney zu. Die trockenen Schafweiden des Innern haben die Züchter zwar darauf angewiesen, zunächst feine Wolltiere und erst in zweiter Linie Fleischschafe zu produzieren; allein trotz dieses vorwiegend auf Produktion von Zuchtschafen und von Massen wertvoller Wolle gerichteten Betriebes ist in Neu-Süd-Wales immerhin auch der Export von Fleischschafen ein bedeutender. Für den Umfang, welchen der Handel dieser Kolonie mit Schafvieh überhaupt angenommen hat, spricht, dass im Jahre 1892 1,583.666 Stück Schafe von hier ausgeführt und 520.660 Stücke nach Neu-Süd-Wales eingeführt worden sind.

Bei Sonnenuntergang waren wir am jenseitigen Fuß der Blauen Berge angelangt. Bevor die Bahn wieder völlig in die Ebene tritt, durchzieht sie ein ausgedehntes Gebiet reichhaltiger Kohlengruben, in welchem die Kohle in mächtigen Flötzen liegt und allenthalben Förderungsschächte, Kennzeichen eifrigen Bergbaubetriebes, zu sehen sind; rings um die Schächte wimmelt es von rasch emporgewachsenen Ansiedlungen, die Wohnhäuser der Arbeiter und Werksbesitzer umfassend. Einige Wände aus Wellblech oder Holz, das Dach manchmal bloß aus der starken, holzartigen Rinde des Gummibaumes gefügt — und die Behausung ist fertig. In dieser Art entstehen in Australien Städte und Ortschaften in unglaublich kurzer Zeit, fast wie aus dem Boden hervorgezaubert.

Bei der Station Bathurst wurde das Diner im Zug eingenommen, und gegen Mitternacht waren wir am Ziel unserer Fahrt, in Narromine, von wo aus wir unter der Leitung des Farmers Mr. Mack drei Tage hindurch Jagdzüge unternehmen sollten.

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  • Ort: Narromine, Australien
  • ANNO – am  17.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Torquato Tasso”, während da k.u.k. Hof-Operntheater “Der Wildschütz” aufführt.

Sydney, 16. Mai 1893

Der jüngste Kontinent wollte die Söhne der alten Welt nicht bei schlechtem Wetter empfangen; denn als ich um halb 7 Uhr morgens auf Deck kam, fand ich den Himmel klar und heiter; die Sonne war eben im Aufgehen begriffen; die See hatte sich einigermaßen beruhigt; verschiedenartige Möven und Seeschwalben, sowie große Alken oder Pinguine umschwärmten unser Schiff, welches sich der Einfahrt nach Sydney, Port Jackson, näherte. Der Tag war prächtig, doch herrschte so niedrige Temperatur, dass wir warme Mäntel wohl vertragen konnten. Aus weiter Ferne blicken uns schon die beiden Caps oder Halbinseln — Outer North and South Head — weiß leuchtend entgegen, zwischen welchen hindurch die Fahrt in den Hafen geht; diese Halbinseln fallen mit steilen Felswänden und Klippen scharf ins Meer, und schäumend bricht sich die Brandung an ihren Ufern; Hunderte von Felsen- und Mauerschwalben umkreisen da zwitschernd ihre Nistplätze. Outer South Head trägt einen Leuchtturm; die Einfahrt ist reich an grellen Direktions-Obelisken. Auf einem kleinen Dampfer kam uns der Lotse entgegen, um die Stelle unseres alten Kapitäns von Port Kennedy einzunehmen.

Alle Häfen, die ich bisher gesehen, werden an landschaftlicher Schönheit durch jenen von Sydney übertroffen — eine Ansicht, die auch die anderen Herren teilten, welche denselben zum ersten Mal sahen.

Trotz mancher begeisterten Schilderung von Port Jackson, die uns gegeben worden, überraschte uns die Szenerie, welche sich hier dem Auge darbot, und von Minute zu Minute wuchs unser Erstaunen, unsere Bewunderung.

Nach Passierung der genannten Vorgebirge tritt das Schiff in einen engen Kanal, wendet dann scharf gegen Südwest — und nun liegt ein reizender Sund vor uns. In der Ferne schimmert das Häusermeer von Sydney, rechts und links öffnen sich kleine Baien, umrahmt von grünenden, mit Bäumen bedeckten Hügeln, die mit zahllosen Villen und Landhäusern, deren Gärten trotz der kalendarischen Herbstzeit im Blütenschmuck prangen, besäet sind und so ein äußerst lebendiges, heiteres Bild darstellen. Die Baien sind bevölkert von Dampfern, Yachten und Booten aller Art, deren Insassen der einfahrenden „Elisabeth“ Grüße zuwinken. Wahrlich, Australien hätte uns einen freundlicheren Empfang nicht bereiten können! Wir alle erblickten hierin ein gutes Vorzeichen für unseren Aufenthalt, dem wir in gehobener Stimmung entgegensahen.

Nicht wenig trug zu dem gewinnenden ersten Eindruck die herrlich klare, kühle Luft bei, die uns erfrischend umwehte, — doppelt willkommen nach dem drückend heißen, feuchten Klima Javas, das auf Geist und Körper gleich erschlaffend wirkt.

Unsere freudige Stimmung wurde aber noch wesentlich dadurch gesteigert, dass der deutsche Generalkonsul Pelldram, welcher derzeit auch mit der Vertretung Österreich-Ungarns betraut ist und uns zur Begrüßung entgegengefahren war, drei Posten auf einmal überbrachte.

Die ganze Strenge, mit welcher die sanitätspolizeilichen Vorschriften, namentlich gegen die aus Batavia kommenden Schiffe, gehandhabt werden, hatten auch wir zu empfinden; denn wir mussten bis zur Konstatierung des Gesundheitszustandes in der Watson Bay vor Anker gehen — ein Aufenthalt, den zu bereuen wir keine Ursache hatten, weil wir mit Entzücken an der Landschaft hingen, die uns umgab.

Nachdem wir freie Prattica erhalten hatten, setzte die „Elisabeth“ die Fahrt längs der malerischen Ufer der Bai, deren Vorsprünge kleinere Forts und Batterien — von wie es schien untergeordneter fortifikatorischer Bedeutung — krönen, fort. Wir passierten noch Garden Island, mit dem Arsenal und den Werften der australischen Kriegsflotte sowie die Woolloomooloo Bay und gingen dann in der zwischen Lady Macquarie’s Chair und Fort Macquarie gelegenen Farm Cove mitten unter den Kriegsschiffen der australischen Escadre an eine Vertäuboje.

Die Küstenverteidigung wird von in den australischen Gewässern stationierten Schiffen der britischen Kriegsflotte, von der Australian Auxiliary Squadron und von Kriegsfahrzeugen, welche Eigentum der Kolonien sind, besorgt. Kraft des Australasian Naval Force Act vom Jahre 1887 zahlen nämlich die australischen Kolonien eine jährliche Subvention von 1,092.000 fl. ö. W. an die britische Regierung, wofür diese die „Australische Hiitsflotte“ zu erhalten hat; überdies werden die von der britischen Regierung getragenen Baukosten der Schiffe dieser Flotte von den Kolonien mit 5 Prozent verzinst, doch dürfen die Zinsen den Betrag jährlicher 420.000 fl. ö. W. nicht überschreiten. Diese Hilfsflotte setzt sich aus 5 schnellen Kreuzern und 2 Torpedokanonenbooten zusammen und steht unter dem Befehl eines britischen Contre-Admirals, welcher außerdem die in den australischen Gewässern stationierte, aus Schiffen der britischen Kriegsmarine zusammengestellte Escadre kommandiert. Diese Escadre wird aus 1 Panzerschiff, 3 Kreuzern, 3 Kanonenbooten und 1 Schrauben-Yacht gebildet; die Hauptstation derselben ist Sydney. Die Kriegsflotte, welche den australischen Kolonien gehört, besteht im ganzen aus: 1 Panzerschiff, 2 Kreuzern, 4 Kanonenbooten, 13 Torpedobooten, 2 Torpedobarkassen und 7 Dampfern; die Mehrzahl dieser Schiffe entfällt auf Victoria und Queensland, während Neu-Seeland kein Kriegsschiff besitzt.

Uns zunächst lag das stolze britische Admiralsschiff, der Panzerkreuzer „Orlando“, mit 5600 t; diesem reihten sich der Kreuzer „Royalist“ und von der Australian Auxiliary Squadron der Kreuzer „Mildura“ nebst dem Kanonenboote „Boomerang“ sowie das der Kolonie Queensland gehörige Kanonenboot „Paluma“, welches auf gemeinsame Kosten der Kolonie und der britischen Regierung zur Küstenvermessung verwendet wird, an. Auf diesen Schiffen erklang, von dem Donner der Geschütze begleitet, unsere Volkshymne.

Es währte nicht lange, so erschienen der Lieutenant Governor Sir F. M. Darley, von seinem Adjutanten und Kabinetssekretär begleitet, und bald nachher der Kommandant der königlichen Escadre, Contre-Admiral Bowden-Smith, sowie der Bürgermeister von Sydney, Mr. Manning, an Bord, um mich zu begrüßen. Der Gouverneur selbst war nach nur zweijähriger Dienstzeit nach England abberufen worden; sein Nachfolger soll demnächst eintreffen. Zahlreiche Landsleute, namentlich Istrianer und Dalmatiner, die in Sydney ihrem Erwerb nachgehen, fanden sich auf der „Elisabeth“ ein, um Freunde und Bekannte zu suchen und zu finden.

Die Disposition für die nächsten Tage war bald getroffen, dann brachte mich ein Boot ans Land, den Boden der Kolonie Neu-Süd-Wales zu betreten und deren Kapitale, die älteste Stadt Australiens, zu besichtigen.

Sydney, welches an der Südküste der tief in das Land einschneidenden Jackson-Bucht liegt, erstreckt sich — durch die Anzahl und Mächtigkeit seiner Gebäude imposant — über eine Reihe von Hügeln hin, um allmählich in Villeggiaturen überzugehen und sich so in das Grün der Landschaft zu verlieren. 1788 als Sitz der Strafkolonie Neu-Süd-Wales gegründet, hat Sydney — ursprünglich Port Jackson, dann dem Staatssekretär Viscount Sydney zu Ehren mit dessen Namen belegt — namentlich in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung genommen. Das Anwachsen der Bevölkerung Sydneys wird am besten durch die folgenden Zahlen illustriert: im Jahre 1800 hatte Sydney kaum 2600 Einwohner, im Jahre 1861 95.596, im Jahre 1881 schon 237.300, am 31. Dezember 1892 einschließlich der Vororte bereits 411.710 Einwohner.

Als Handels- und Industrieplatz von großer Bedeutung, verdankt Sydney seinen Aufschwung hauptsächlich der Sicherheit und Geräumigkeit seines Hafens, über welchen mehr als drei Viertel der Gesamteinfuhr und mehr als die Hälfte der Gesammtausfuhr der Kolonie Neu-Süd-Wales ihren Weg nehmen. Hier sind im Jahre 1892 2960 Schiffe mit 2,804.549 t eingelaufen und 3067 Schiffe mit 2,842.635 t ausgelaufen; die Einfuhr der Kolonie repräsentierte in diesem Jahr einen Gesamtwert von 249,318.312 fl. ö. W., die Ausfuhr einen solchen von 263,666.964 fl. ö. W.

Das Boot landete unterhalb des Government House bei Fort Macquarie, von wo aus der Weg einen Quai entlang in die Stadt führt. An diesem Quai herrscht überaus reges, geschäftliches Leben, da hier die großen Dampfer der Peninsular and Oriental Steam Navigation Company sowie jene der Messageries maritimes vertäut werden und sich in nächster Nähe die vielstöckigen Magazine befinden, in welchen ununterbrochen Wollballen und Felle aus- und eingeladen werden. Vom Quai aus durchschneiden die zwei Hauptstraßen und Verkehrsadern Sydneys, George Street und Pitt Street, von Nord nach Süd parallel laufend, das Innere der Stadt. Obschon viele Straßen im rechten Winkel geführt sind, fällt diese monotone Regelmäßigkeit moderner Stadtanlage wenig auf, weil Sydney auf Hügeln situiert ist, was beständige Abwechslung in den Straßenzügen mit sich bringt.

Unter den öffentlichen, durchwegs aus Stein erbauten Gebäuden, an denen Sydney so reich ist, nenne ich als die hervorragendsten: die Universität, ein kolossales, mit einer grandiosen Halle ausgestattetes Bauwerk in gotischem Stile, welches sich am Nordende des schönen Victoria-Parkes erhebt, die Kathedrale und die neuerbaute katholische Marien-Kirche, das prächtige Stadthaus (Town Hall), das palastartige, mit Kolonnaden und einem hohen Turm geschmückte Post Office, das nächst dem Hydepark gelegene Museum und endlich das Parlamentshaus.

Hübsche Häuser, vielfach mit Balkonen und Veranden versehen, in den Erdgeschossen Kaufläden enthaltend, worin europäische Artikel feilgehalten werden, säumen die macadamisierten Straßen ein, in denen eine geschäftige Menge auf und nieder wogt. Die Straßen machen einen großstädtischen und dabei anheimelnden, freundlichen Eindruck; nicht zum wenigsten, weil der Ankömmling sich in eine europäische Stadt versetzt wähnt, da er nur weißen Gesichtern begegnet, darunter auffallend vielen schönen Frauen und Mädchen — ein wohltuender Anblick nach der farbigen und von unserem Standpunkt aus nicht eben anziehend zu nennenden Physiognomie der Eingeborenen jener Länder, die wir kürzlich besucht hatten.

In den Straßen herrscht, wie dies für Sydney, als einen so bedeutenden Handelsplatz, wohl begreiflich ist, lebhafter Wagenverkehr, an dem ich nur auszusetzen finde, dass man hier die Londoner Cabs eingeführt hat, schnelle, aber für die Insassen unbequeme, ungemütIiche Gefährte.

Bei den Einkäufen, welche wir zu besorgen hatten, wurde ganz nach europäischer Art vorgegangen; die Abwicklung der Geschäfte vollzog sich glatt und rasch, und wir waren angenehm berührt, nicht mehr, wie in Bombay, Calcutta, Singapur und Batavia, stundenlang suchen und feilschen zu müssen.

Sodann stattete ich dem Lieutenant Governor einen Besuch im Government House ab, das, im Tudor-Stil erbaut, sich innen durch die vornehm ruhige Eleganz der Einrichtung auszeichnet. Sir F. M. Darley, welcher des Deutschen einigermaßen mächtig ist, wodurch die Konversation wesentlich erleichtert wurde, zeigte mir den Garten des Palais, von welchem aus sich ein reizender Ausblick auf den Hafen und die gegenüberliegende Mossmans Bay mit dem Villenviertel St. Leonards darbietet. Der Garten ist wohlgepflegt und enthält eine reichhaltige Sammlung australischer Baum- und Straucharten.

Der nächste Besuch galt.— ich leide an der Museomanie — dem Museum, das, in einem imposanten Bau untergebracht, durch Reichhaltigkeit, richtige Anordnung und gute Konservierung der Objekte ausgezeichnet ist. Da mich zunächst die spezifisch australischen Formen interessierten, wandte ich mich den Säugetieren zu, um namentlich die eigentümliche Klasse der Beuteltiere zu studieren. Unter den gut ausgestopften Tieren waren die verschiedenen Känguruh- und Wallaby-Arten, vom Riesenkänguruh bis zum allerliebsten Felsen-Wallaby (Petrogale penicillata), die Beutelratten, die fliegenden Eichhörnchen, verschiedene Beutelmarder- und Kusuarten, der australische Beutelbär, der Wombat, der Dugong, der wilde Hund Dingo oder Warragal und das Schnabeltier vertreten.

Die Ornis Australiens ist vollzählig versammelt; hervorgehoben zu werden verdienen: der neuholländische Kasuar oder Emu; der seltene Leierschwanzvogel; die zahlreichen, ungemein intensiv und bunt gefärbten Kakadu- und Papageienarten, sowie die Gruppe der Sumpf- und Wasservögel, welche manche mir noch unbekannte Spezies aufwies. An Raubvögeln und Hühnerarten scheint Australien, nach dem Überblick, den ich im Museum gewann, zu urteilen, arm zu sein, während die Ordnung der Tauben schöne Formen umfasst. Je ein Exemplar jeder Vogelart ist gut ausgestopft in einem Glasschrank untergebracht; hingegen werden Tausende von Bälgen in Truhen aufbewahrt, um gelegentlich als Tauschobjekte Verwendung zu finden.

Außerdem besitzt das Museum eine reiche Sammlung von Korallen und Muscheln, von Käfern und Schmetterlingen und endlich eine solche ethnographischer, von dem Kontinent und den Inseln Australiens stammender Gegenstände, deren Besichtigung ich jedoch einem zweiten Besuch vorbehielt.

Inzwischen war es 5 Uhr geworden, die Stunde, zu welcher in den Straßen Sydneys lebhafteste Bewegung herrscht, da die Einwohner der Stadt um diese Zeit sich im Freien zu ergehen pflegen.

Diesem Beispiel folgend, schlenderten wir im Hydepark und in der George Street umher, bis die Uhr zur Table d’hote im Australian Hotel, an welcher ich teilzunehmen beabsichtigte, rief.

Dieses, in sechs Stockwerken sich auftürmende Riesengebäude ähnelt in der Anlage, in den Dimensionen und den Einrichtungen den englischen und amerikanischen Hotels, jedoch mit dem angenehm berührenden Unterschied, dass man nicht bloß auf englische Küche mit Roastbeef und verwässerten Gemüsen angewiesen, sondern mit Speis und Trank gut versehen ist. Die Table d’hôte vereinigte in einem großen Saal eine zahlreiche Gesellschaft; die Herren waren, nach englischer Sitte, im Frack, die Damen in großer Toilette, zumeist sogar decolletiert erschienen. Wenig Rühmenswertes lässt sich der Tafelmusik nachsagen, welche von einigen Künstlern bestritten wurde, die ihren Instrumenten greuliche Töne entlockten.

Da das, wie man sagt, durch gute Vorstellungen sich auszeichnende Operettentheater geschlossen war und ein Zirkus tags zuvor Sydney verlassen hatte, erübrigten uns als Stätten lang entbehrten „künstlerischen“ Genusses nur — zwei Singspielhallen, „Tivoli“ und „Alhambra“, in denen sich Volkssänger, worunter auch Neger, und Tänzerinnen vor einem Publikum produzierten, welches seinem Beifall nach Landessitte durch schrilles Pfeifen Ausdruck gab und nicht eben sehr gewählt war; es bestand größtenteils aus Arbeitern, Matrosen und Geschäftsleuten geringerer Kategorie.

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  • Ort: Sydney, Australien
  • ANNO – am  16.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während da k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet “Die goldene Märchenwelt” aufführt.