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diary entries of Franz Ferdinand

In See nach Sydney, 9. Mai 1893

Mit Benützung des eingetretenen Flutwasserstandes konnten wir heute bei Morgengrauen den Hafen von Thursday Island, nachdem wir einen Lotsen an Bord genommen hatten, endlich verlassen. Durch die Prince of Wales Passage, an Hammond und Goode Island vorbeisteuernd, wendeten wir uns nordöstlich, um bald darauf südöstlichen Kurs zu nehmen und an der Nordküste von Wednesday Island gegen Cap York und die Albany-Passage zu schiffen. Diesmal kamen wir ganz nahe an dem Wrack des deutschen Dreimasters „Olga“ vorbei, welches auf dem Northwest Reef festsaß. Bekannte Gegenden waren es, die wir bei Cap York wiedersahen.

Als wir, die Albany-Passage durchfahrend, Somerset passierten, ließen wir die Dampfpfeife ertönen und winkten lebhaft mit den Taschentüchern, um unsere Freundin, die „Nichte des Königs von Samoa“, zu begrüßen, doch leider erschien nicht sie, sondern, wie wir durch das Fernrohr wahrnehmen konnten, ein älterer Herr, vermutlich der seinerzeit verborgen gebliebene Hausvater, und hisste die englische Flagge. Auf Fly Point wurden mächtige Säulen, eine ganze Reihe kolossaler Termitenhügel von hellrostbrauner Farbe sichtbar.

Von der Torresstraße nach Sydney führen zwei Seewege. Der eine in offener See im großen Ozean, der andere im westlichen Teile des Korallenmeeres die Küste entlang zwischen dieser und dem großartigen Korallenriff, welches sich der Ostküste Australiens parallel etwa von Cap York bis zum Sandy Cap, das ist vom 10. bis zum 25. Grad südlicher Breite, hinzieht. Dieses Barrier Reef bildet eine beiläufig 1200 km lange, nach Osten hin scheitelrecht ins Meer abfallende Wand wider die Brandung des großen Ozeans und schließt die an der Küste gelegene, durchschnittlich etwa 30km breite Passage gegen den Ostwind vollkommen ab, so dass die See hier fast stets ruhig ist. Dieser von der Natur gebildete Kanal bietet seichtes, von einzelnen tiefen Strömungen durchzogenes Fahrwasser, und zahllose Korallenfelsen, Klippenreihen, Sandbänke, Inselchen engen die Passage an vielen Stellen auf das äußerste ein.

Auch ist die Lotung noch nicht überall vollkommen durchgeführt und hinlänglich verlässlich, so dass vor kurzem erst ein Dampfer an einer nach der Seekarte passierbaren Stelle auf einen Felsen auffuhr und mit Verlust zahlreicher Menschenleben sank. Einzelne Klippen und Untiefen sind zwar mit Baken und Zeichen besetzt; immerhin ist aber ununterbrochene und gespannte Aufmerksamkeit erforderlich und bei eintretender Dunkelheit der Dienst eines Lotsen unentbehrlich, weil sowohl die in den Seekarten als auch die in den Segelhandbüchern enthaltenen Daten über die Strömungsverhältnisse unzureichend sind und die Baken, sowie die Zeichen meist nur aus Stangen mit Körben oder aus hölzernen Pyramiden mit Rösterwerk bestehen, die nachts nicht wahrgenommen werden können. Der Kommandant entschloss sich zur Fahrt durch die Riffe, der Route folgend, welche von manchen Dampfern eingeschlagen wird. Ich wusste ihm viel Dank dafür; denn diese Fahrt ist landschaftlich weit schöner und interessanter als jene in offener See, wo uns außerdem der sehr frische Südost-Monsun tüchtig umhergeschaukelt hätte und wir wahrscheinlich den größten Teil der Reise bei steifem Gegenwind gegen hohe See hätten aufdampfen müssen.

Kaum hatten wir die Albany-Passage hinter uns und die Newcastle Bay erreicht, so frischte der Wind bedeutend auf, ohne sich jedoch recht entwickeln zu können, so dass die See verhältnismäßig ruhig blieb. Im Osten stiegen Gewitterwolken auf, die sich aber bald verzogen und uns ungestört ließen.

Die in Thursday eingeschiffte australische Kohle machte sich durch ihre schlechte Qualität sehr unangenehm bemerkbar, so dass das Schiff unaufhörlich in einen dichten Qualm gehüllt und am Achterdeck, unserem gewöhnlichen Aufenthaltsort, ein Verweilen unmöglich war; ja selbst in alle Kabinen drang Kohlenstaub ein. Dafür wurden wir durch das schon recht fühlbare Sinken der Temperatur sehr angenehm berührt und konnten uns nach langer Zeit endlich wieder eines angenehmen Schlafes in den Kabinen erfreuen.

Die Fahrt längs des Barrier Reefs gestaltete sich sehr interessant: denn steuerbord war in der Entfernung weniger Meilen stets die Ostküste des australischen Kontinents mit den ihr vorlagernden Eilanden, Korallenriffen und Banken sichtbar, welche zumeist nur nackte. vom Salzwasser geschwärzte Felsen oder hellfarbige Sanddünen, zuweilen aber auch die grünliche Decke niederen Buschwerks aufwiesen. Um dieses Gewirr von Bänken, Klippen und Inseln ohne Unfall passieren zu können, mussten wir den Kurs sehr häufig wechseln. Die Küste des Festlandes selbst erschien anfangs ziemlich flach und zeigte bald ödes, spärlich bewachsenes Land, bald wieder lange, nur mit weißem Sande bedeckte Strecken, die bei Sonnenglanz wie Schneefelder glitzerten. Späterhin zeigten sich Hügel mit reicherem Baumwuchs.

Gegen 1 Uhr nachmittags fuhren wir an den kleineren Inseln Hushy und Cairncross vorbei, welche in den Herbstmonaten zahlreichen Taubenschwärmen als Aufenthalt dienen sollen; später wurden die Inseln Halfway, Macarthur und Bird passiert. Hierauf kam das vorspringende Gap Grenville mit der Gruppe der Home-Inseln, links das langgestreckte Cockburn-Riff in Sicht.

Wir waren eifrig damit beschäftigt, die tagszuvor gefischten Korallen, welche in acht großen, mit Süßwasser gefüllten Bottichen aufbewahrt waren, zu reinigen und zu sortieren; jetzt erst, nachdem der Schlamm und die vielen anhaftenden Schmarotzer-Tiere und -Pflanzen entfernt waren, konnten wir genau ermessen, welch reichen Beutezug an schönen und mannigfaltig geformten Kuriositäten wir auf dem Korallenriffe gemacht hatten.

Nach 7 Uhr abends kam eines der wenigen in dieser Straße befindlichen Leuchtfeuer in Sicht, welches am Nordrand des Ai Reef gegenüber den Piper-Inseln angebracht ist. Obwohl die Nacht sternenhell war, unterschieden wir doch die kleineren Inseln und Riffe nicht mehr und mussten, nur auf Kurs und Peilung angewiesen, knapp an einem gefährlichen Riffe Kurs wechselnd, direkt auf das Leuchtfeuer zusteuern, das wir auf wenige hundert Meter passierten. Da auch die Baken und Zeichen nicht mehr sichtbar waren und wir in enge Passagen kommen sollten, war es ein Gebot der Vorsicht, um 9 Uhr zwischen der Insel Forbes und Fair Cap und den Kangaroo Shoals vor Anker zu gehen, um hier den Tagesanbruch abzuwarten.

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At Sea to Sydney, 9 May 1893

Using the water level of the coming tide we could finally leave the harbor of Thursday island at dawn having taken a pilot on board. Through the Prince of Wales passage, past Hammond and Goode Island, we turned towards the North-East only to turn South-East soon thereafter to drive along the north coast of Wednesday Island towards Cap York and the Albany passage. This time we passed very close to the wreck of the German three mast ship „Olga“ which had run aground on the Northwest Reef. Familiar territory it was which we saw again at Cap York.

When we passed Somerset, driving through the Albany passage, we sounded the steam whistle and waved furiously with the kerchiefs to greet our friend, the „niece of the King of Samoa“ but unfortunately she did not show up but through the spyglass we could see an older gentleman, probably the then hidden pater familias who hoisted the English flag. At Fly Point we saw mighty pillars, a full row of colossal termite mounds of a rusty light-red color.

From the strait of Torres there are two sea lanes to Sydney. The first is in the open sea in the great ocean, the other is in the western part of the coral sea along the coast between them and the great coral reef which is located parallel to the East coast of Australia from about Cap York to Sandy Cap, that is from the 10th to the 25th degree of southern latitude. This Barrier Reef constitutes by the way a 1200 km long wall that falls vertically down into the sea against the waves of the great ocean and fully closes off the about on average 30 km wide passage from the East wind so that the sea here is almost always calm. This natural canal offers shallow water criss-crossed by individual deep currents and countless coral rocks, rows of cliffs, sand banks and small islands that narrow the passage in many places to the utmost.

Also the sounding has not been completed everywhere and it is not totally reliable so that only a short time ago a steam boat struck a rock at a spot marked clear on the nautical chart and sank with the loss of numerous lives. Some cliffs and shallow waters are in fact with buoys and signs; nevertheless it requires constant tight attention and when it becomes dark the services of a pilot are indispensable as both on the nautical charts and the data contained in the sailing hand books about the currents are incomplete and the buoys and signs are made out of only poles with baskets or out of wooden pyramids with wooden frames that are invisible at night. The commander decided to take the route through the reefs, following the route used by many steam ships. I thanked him much for this decision as this route is much more beautiful due to the scenery and more interesting than the one on the open sea where we would have been swung around intensively by the very fresh South-Eastern monsoon and we would have had to use much steam to fight against the headwind and the high sea waves for the largest part of the journey.

Soon after having left the Albany passage behind us and having reached Newcastle Bay, the wind became much stronger without however the possibility to really develop itself so that the sea remained fairly calm. In the East storm clouds were rising that soon cleared away and did not bother us.

The Australian coal loaded in Thursday Island proved to be of bad quality so that the ship was clouded permanently in a thick smoke and staying on the afterdeck, our usual position, became impossible. Even into all the cabins the coal dust entered. In compensation the lowering of the temperature which could be felt rather markedly was an agreeable feature and we could finally again sleep comfortably in the cabins after a long time.

The drive alongside the Barrier Reef was highly interesting: on starboard the east coast of the Australian continent was always visible at a distance of only a few miles with its offshore islands, coral reefs and banks. The coast had mostly only naked rocks blackened by the salt water or light-colored sand dunes, sometimes also a green cover of low bushes. To pass through this labyrinth of banks, cliffs and islands without accident the course had to be changed very often. The coast of the mainland itself at first appeared rather plain and showed either bare, sparsely covered land or long stretches of white sand only that glittered in the sunshine like fields of snow. Later hills with richer vegetation of trees presented themselves.

Towards 1 o’clock in the afternoon we drove past the small islands of Hushy and Cairncross which during the autumn months provide residence for numerous flocks of doves. Later the islands of Halfway, Macarthur and Bird were passed. Then came into view the protruding Cape Grenville with the group of the Home islands and to the left the long-winded Cockburn reef.

We were busily occupied with cleaning and sorting the corals fished the day before that were stored in eight large kegs filled with fresh water. Now after removing all the mud and the many parasites stuck on them we could really assess exactly what a rich catch of beautiful and diversely formed curiosities we had made at the coral reef.

After 7 o’clock in the evening one of the few light houses in these straits came into view which is located at the northern end of the Ai reef opposite the Piper islands. Even though the night was starry, we could not distinguish the smaller islands and reefs and had to steer directly towards the light house, relying only on our course and sounding, changing course close to a dangerous reef and passing by the light house by a few hundred meters. As the buoys and signs were also no longer visible and we were coming into narrow passages, it was out of prudence to anchor at 9 o’clock between Forbes island and Fair Cap and the Kangaroo Shoals to await the daybreak.

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Port Kennedy, 8. Mai 1893

Die Art der Kohlenverladung war eine so primitive und daher zeitraubende, dass wir am Morgen, obschon ununterbrochen und mit dem größten Fleiß gearbeitet worden war, noch immer nicht den nötigen Bedarf an Bord hatten und erst gegen Mittag mit dem Verladen fertig wurden. Da sich um diese Zeit die Ebbe und starke Gegenströmung fühlbar machten und wir nur mehr 1 Fuß Wasser unter dem Kiel hatten, so hieß es noch einen Tag warten, bevor die Weiterreise nach Sydney angetreten werden konnte.

Den Vormittag verbrachte ich an Bord und erlegte vom Eisendeck aus einen Seeadler, — ein sehr schönes Exemplar von Haliaetus leucogaster — der auf ein im Wasser schwimmendes Stück Fleisch gestoßen hatte.

Nachmittags stand uns die Wahl offen, der Jagd zu obliegen oder nach Korallen und Muscheln zu fischen.

Ich entschloss mich zu letzterem und so fuhren der Kommandant und ich auf ein in der Karte verzeichnetes Riff zwischen Goode Island und Hammond Island, während die anderen Herren auf Hammond Island, einer bis jetzt von uns noch nicht betretenen Insel, landeten, um dort zu jagen. Wir versahen uns mit allem, was zum Fischen der Korallen erforderlich ist, mit Hauen, Hämmern und Brechstangen, und fuhren im Jollboot dem Riffe zu.

Wie unvollkommen die Leute von Port Kennedy die Umgebung ihrer Stadt kennen und wie schlecht orientiert sie im allgemeinen sind, hatte uns schon der Jagdkundige von Prince of Wales Island bewiesen. Heute sollten wir in dieser Richtung abermals Erfahrungen machen; denn obgleich der Resident und alle anderen, die wir befragt, erklärt hatten, dass es hier keine Korallen gebe. — allerdings kommt in den tropischen Meeren die wertvolle rote Edelkoralle gar nicht vor sahen wir uns, kaum nachdem wir das Riff angelaufen hatten, von den schönsten und interessantesten Korallen umgeben. Das ganze Riff, welches bei der tiefsten Ebbe durch einzelne aus dem Wasser hervorragende Punkte deutlich erkennbar ist, mochte ungefähr 100 m lang sein und fiel nach der einen Seite schroff in tiefes Wasser ab, während es nach der anderen Seite, sich allmählich verflachend, gegen das Land zu verlief. An der tiefen Stelle verankerten wir das Boot und sprangen auf das Riff, wo uns das Wasser nur bis zu den Knien reichte.

Wir befanden uns hier an einem der für den Sammler entzückendsten Punkte, die ich je gesehen. Obwohl ich zahlreiche Abbildungen derartiger Korallenriffe in der Hand gehabt und manche Beschreibung derselben gelesen hatte, fand ich meine Erwartungen hier weit übertroffen und war durch das, was ich hier an Ort und Stelle in Augenschein nehmen konnte, auf das freudigste überrascht. Das Korallenriff glich einem mit Blumen der verschiedensten Art und Farbe gefüllten Gartenbeete, hervorgezaubert durch eine in unfassbarer Menge und Mannigfaltigkeit auftretende Tierwelt. Da gab es zunächst Korallenstöcke, die in ihrem vielfach verästelten Bau an Geweihe erinnerten; armdicke Stämme, die baumartiges Gezweige trugen; fächerförmige Platten, grosse Klumpen, die trotz ihres groben Aussehens bei näherer Betrachtung eine äußerst zarte und feine Gliederung aufwiesen; dann in zahllosen Arten Schwämme, Mollusken, Holothurien und andere Tiere niederer Ordnung, die sich alle durch bunte, grelle, intensiv leuchtende Färbung auszeichneten. Kein Maler — und besäße er die Palette eines Makart — vermöchte die prismatischen Farbeneffekte, die schimmernde Pracht, den Glanz, die Leuchtkraft, die unendliche Skala der Farbentöne darzustellen, mit denen diese Kinder der See so herrlich geschmückt sind.

An dem grauen Gerüst einer Madrepore zum Beispiel hängen Hunderte und aber Hunderte von Stachelhäutern und Weichtieren, die in den feinsten Nuancen des Regenbogens, in allen Schattierungen des Farbenspieles erglänzen. Zwischen den Sträuchern, Vasen, Kugeln, Ästen jener Polypenstöcke, den so vielgestaltigen, kalkigen Skeletten der Korallentierchen, erscheinen allerlei merkwürdige Fischchen, Seesterne, Krebse, Schnecken, und selbst in den Stöcken der Korallen ist noch allerlei Getier verborgen und vergraben. Lind hier und da und dort; über, neben, unter einander; an hundert, an tausend Stellen des Korallenriffes: immer wieder eine überwältigende Unzahl organischer Wesen — ein ungekanntes, unfassbares Schauspiel!

Der Kommandant, die Matrosen und ich wateten unablässig in dem seichten Wasser über Korallen hinweg und bei jedem Schritt entdeckten wir etwas Neues, das ins Boot wanderte, um der Sammlung an Bord einverleibt zu werden. Wir kamen in solchen Eifer, dass nur das allzu schnelle Sinken der Sonne uns veranlasste, an die Rückkehr zu denken und unser bis an den Rand vollgefülltes Boot von der Dampfbarkasse in Schlepp nehmen zu lassen. Das Verlassen des Riffs gestaltete sich schwierig: die Strömung war eine gewaltige und überdies hatte sich der Anker inmitten der Korallen derart verfangen, dass wir schließlich mit voller Kraft anfahren mussten, um Schaft und Flügel loszureißen. Eine so starke Strömung wie jene in den Kanälen zwischen den Inseln der Torresstraße habe ich noch nicht gesehen und glaube. dass ein Ruderboot gegen dieselbe sicherlich nicht aufgekommen wäre. da ja selbst die Dampfbarkasse uns nur sehr langsam an Bord zu bringen vermochte.

Erst spät abends kehrten die Herren der anderen Partie von der Hammond-Insel zurück, nachdem sie nur geringe Beute gemacht hatten, weil der Wald zu dicht war und daher nur wenige Vertreter der Vogelwelt wahrgenommen werden konnten. Auch diese Partie musste bei der Einschiffung Schwierigkeiten bestehen und sogar einen der Anker preisgeben.

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  • ANNO – am  08.05.1893 in Österreichs Presse. Der Kaiser ist zurück aus Budapest.
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Port Kennedy, 8 May 1893

The method of loading the coal was so primitive and so time consuming that in the morning, despite working without interruption and with great effort, the required quantity was still not on board and only towards noon the loading was complete. As the low tide and the strong counter current were noticeable at that time and we only had 1 foot of water below the keel we had to wait until the next day to continue our voyage to Sydney.

The morning I spent on board and killed a sea eagle from the iron deck — a beautiful specimen of Haliaetus leucogaster — it had snatched a piece of meat swimming on the water surface.

In the afternoon we had the choice of either to go hunting or fishing for corals and shells.

I decided to do the latter and thus the commander and I drove to a reef marked on the map between  Goode Island and Hammond Island, while the other gentlemen landed on Hammond Island, which nobody among us had yet set foot upon, to hunt there. We equipped ourselves with everything necessary to fish corals, with hoes, hammers and crowbars, and drove in the dinghy to the reef.

How incompletely the people of Port Kennedy know the surroundings of their town and how badly they are informed about it had already been proven by the hunting expert of Prince of Wales Island. Today we would make similar experiences. Even though the resident and all others we had asked about it had declared that there are no corals here — though the valuable red precious coral is not present in the tropical seas —  we saw ourselves surrounded shortly after we had arrived at the reef by the most beautiful and interesting corals. The whole reef that can be clearly seen during the lowest tide by individual points emerging out of the water might be about 100 m long and descended sharply down into the deep sea on one side while on the other side it flattened out by and by towards the land. At its deepest spot we anchored the boat and jumped onto the reef where the water only reached up to our knees.

We found ourselves in the most delightful spot for a collector I have ever seen. Even though I have held numerous illustrations of such coral reefs in my hand and read many descriptions of them, I found that my expectations were surpassed here by a wide margin and I was gladly surprised by what I could see here on the spot. The coral reef resembled a flower bed filled with flowers of all kinds and colors, magically produced by the unimaginable quantity and diversity of the animal kingdom present. There were first coral stocks that remind of antlers in their multiple branching; trunks thick as an arm that carry tree-like branches, fan-formed plates, large lumps that have at a closer glance a very delicate and fine composition despite their rough appearance. Then countless species of sponges, mollusks,  sea cucumbers and other animals of the lower order that are all notable by their colorful intensive flashy glowing color. No painter — and even if he had the palette of Makart — could represent the prismatic color effects, the glittering splendor, clarity, brilliance, the never ending scale of color tones with which these children of the sea are so splendidly ornamented.

On the gray frame of a Madrepore for instance hang hundreds and hundreds of echinoderms and mollusks that enhance in the finest nuances of the rainbow in all the shades the game of color. Between the bushes, vases, globes, branches of these polyps those so diverse limy skeletons of the coral animals, appear all kinds of strange fish, starfish, crabs, snails and even in the shaft of the corals all kinds of animals are hidden and buried. And here and there and there, over, beside, under each other, in hundreds and thousands of places in the coral reef, always an overwhelming number of organic beings — an unknown incomprehensible spectacle!

The commander, the sailors and I waded without interruption in the shallow water over corals and discovered something new at every step and put it into the boat for the collection. We were so eager that only the fast setting sun made us think about our return and have the boat filled up to rim taken in two by the steam barge. Leaving the reef proved to be difficult. The current was very strong and the anchor had been caught amongst the corals too so that we had to drive at full speed to free the shaft and the wings. Such a strong current as that between those canals between the strait of Torres I have not yet seen and believe that a rowing boat surely would not be able to keep up against it as even the steam barge managed to bring us on board only very slowly.

Only late in the evening the gentlemen of the other party returned from Hammond island having bagged but little prey as the woods were too dense and only a few representatives of the bird world could be seen. This party too had difficulties in embarking and had to leave behind one anchor.

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  • ANNO – on  08.05.1893 in Austria’s newspapers. The Emperor returned home from Budapest.
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Port Kennedy, 7 May 1893

One of the gentlemen who had gone ashore to visit the town had managed to find a hunting expert. He is said to be the best hunter on Thursday Island and was willing to lead us to a good spot where we could find easy prey of winged game. The goal of our expedition that started out early in the morning from the ship was this time Prince of Wales Island which we reached by the steam barge with boats in tow. We were looking for a place to land and finally discovered a bay. The water was indeed very shallow in a large area so that the barge had to stop soon but with the help of the small dinghy and the cleaning dinghy we were able to land.

The first thing that we found was a deserted camp ground of the natives where the remains of fish and tortoises, broken bottles and fire places were visible. Our guide told us that the savages have held here a big celebration and feast a few months ago which he had also attended. The most remarkable of the place was the grave of a chief, a hill, recognizable from far away by a row of three cut angled tree trunks whose number indicated a high rank of the dead, as such rudimentary decoration seemed to be made by the natives only for the graves of the bodies of noble persons. The grave hill which we visited was strangely covered with a multitude of bottles, colorful glass pieces, tins and other glittering things. Apparently the natives have a desire to decorate the graves as richly as possible to which purpose any available object is used as long as it is colorful or shiny.

Under the leadership of the hunting expert we entered into the forest alongside a ridge, as usual spread out in a line. At the start birds of various kinds showed themselves. I shot here a rare beautifully colored Bruce’s green pigeon, Prónay an enormously large nightjar. By and by the representatives of bird life became rarer and finally when the trees stood closer together and we were in a pretty valley forge with a stream flowing in its midst the hunt came to an end.

The hunting expert showed himself astonished and promised to guide us to a lagoon with much water fowl that promised better hunting opportunities for which purpose we marched a considerable far distance. Some kingfishers flew from tree to tree crying. One of the gentlemen also saw a cockatoo. Any moment the hunting expert assured us that the lagoon with much water fowl was only a few steps away until finally, after a further half an hour, we cross-examined the man and he admitted that he had been here some time ago and the lagoon had been here but must have dried up.

Perhaps the „guide“ had perceived the good hunting opportunity of the now invisible lagoon that he had boasted about so much at that native feast under the influence of the alcoholic beverages consumed. Whatever might be the case, the honest man had in vain led us in all directions, and it weren’t exactly words of praise that we shouted at him when we started the way home.

We had marched under the burning sun for 2 km before we reached again our landing place without having fired a shot. Here we were met with another surprise.

The low tide had arrived; as the tide is very strong here we found the place where we had landed in the morning was now separated by more than 600 paces of mud from the sea. Our boats were leaning at the landing place, a sad view. The barge, however, had evaded the tide and driven far out into the sea and only appeared as  a small point on the horizon.

Thus we decided to await the return of the tide, accepting the inevitable. Our sailors had in the mean time constructed a nice tent out of straps and sun coverings under a mangrove tree where we rested during the hottest hours and ate the provisions. A true plague were the myriads of flies that followed us in swarms and made every attempt of sleeping or resting completely illusionary. With true fervor they set upon their victims so that we had to defend ourselves all the time.

Later we examined the grave of the chief. Armed only with hunting knives some of the gentlemen started opening the hill wishing to discover gems or at least the skull of the dead man. But neither the ethnographic nor the anthropological collection on board of „Elisabeth“ received any additions from this dig; When all the bottles and tins had been cleared and we had, not without effort, dug down to the interior of the grave, we found only a few burnt bones and a large stone which we took as a souvenir despite its weight.

As the time had advanced we had to think about reaching our barge. Still the desired tide waves were not visible even though many hours had passed since our return from the hunt. Thus there was nothing left to but to relinquish the use of the boats for the passage and to remove our shoes and walk the the way up to the barge. This was no light undertaking given the considerable distance. We sank down to our knee into the deep mud at every step and our naked feet were cut by sharp shells and coral pieces. After some time we finally reached the steam barge totally wet, dirty and with bleeding feet. A part of the crew we had left behind at the stranded boats. Only towards 7 o’clock in the evening the tide was high enough so that our vehicles could be put to water and return.

I used the rest of the afternoon to visit Port Kennedy that made a friendly impression from afar, that is from the harbor. Up close, this disappears. One is looking at a most recently built town which everywhere carries signs of the incomplete, of hasty work. The only building material used is corrugated iron sheets. Roofs, walls, doors, everything is made out of this material with which one naturally quickly constructs a house. The surrounding of this stiff bare tin houses offers a desolate view. There are no gardens, no tree, everywhere there are sprawling weeds, The roads and paths are only marked and the garbage is accumulating in large heaps in front of the windows.

With a number of inhabitants of only 2000 souls, the great number of hotels, restaurants and billiard rooms which can be explained by the fact that Port Kennedy serves as the place of leisure for the mother of pearl fishermen who live here or on neighboring islands. For the last few years they have spent, even wasted notable amounts of their often considerable profits in the shortest of time. As mother of pearl fishing is an industry whose profits provides the entrepreneurs and merchants large sums of profit every year and these people ignore the finer pleasures but are no stranger to luxury they seek in Port Kennedy to empty the cup of pleasure as carefree as possible, as long as gold remains in their purses. Those fishermen whom fortune only gives now and then a few sovereigns intend, as humans tend to do, to copy the behavior of the rich in their luxurious life and waste their last shilling, without regard of their uncertain future.

A conglomerate of the most diverse peoples and humans is united in this small town. Ambling through the streets we met the strangest characters. The main contingent naturally were Australians, mother of pearl fishermen and squatters, among them many debauched suspicious looking guy with the common large hat on a shaggy head and the never absent revolver in his belt. Then there are Austral Negroes, South Sea Islanders, Chinese, Japanese and even Sinhalese.

Here I made for the first time the disagreeable acquaintance of overly strict provisions of the English Sunday. After our foot march through the streets of Port Kennedy, Gratzl and I wanted to drink a refreshment in the first hotel of the town and ordered a bottle of beer from the landlady that we wanted to drink on the hotel terrace and enjoy the view of the harbor. But she immediately explained that our plan to drink beer on the terrace would not be possible as, she added, on Sundays this would be considered a public nuisance. She could in the best case only permit us to drink alcoholic beverages in a closed room, even in the case of beer. Whether we liked it or not, we had to comply and drank our beer not in the open in the cool evening air but in a hot dark room. As much as I am used to respect any kind of religious customs, this subtle rigorousness seemed to me to go too far and make no sense.

We soon turned our back to the cool tin town with its strange inhabitants and rushed on board to where I had invited the resident to dinner. At the dinner I probably opened for our national goods a new sales territory. The resident was namely were pleased with our Gießhübler water and assured that he would immediately order a batch of this excellent fizzy mineral water for his personal use.

Mattonis Gießhübler Wasser

Viennese ad for Mattoni’s Gießhübler mineral water

In the evening a delegation of three persons of mother of pearl fishers came to deliver an address to me and offer at the same time various specimens of mother of pearl among them multiple with cut figures. The business of fishing mother of pearl is highly profitable here. The people own a whole fleet of small cutters with which they drive to suitable locations to have divers get the shells. The shells are then cleaned and are packaged and shipped. The price of a ton of mother of pearl is now around 1320 fl. in Austrian currency. Only rarely are pearls found here; it is after all only mother of pearl, the inner coating of the shell of the perl oyster which is collected. As the shallow places in the surrounding of Thursday island have mostly been fished empty, the divers have to go down to the considerable depths of 30 and 40 m, where there are many accidents. It is said that every month there are five to six fatalities on average.

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Port Kennedy, 7. Mai 1893

Einer der Herren, die tagszuvor ans Land gegangen waren, um die Stadt zu besehen, hatte einen Jagdkundigen ausfindig gemacht. Dieser, wie es hieß, der beste Jäger von Thursday Island, wollte uns an eine gute Stelle führen, wo wir reiche Ausbeute an Flugwild finden sollten. Das Ziel unserer Expedition, die früh morgens von Bord abstieß, war diesmal Prince of Wales Island, auf welches die Dampfbarkasse mit Booten im Schlepptau zusteuerte. Wir suchten an der Insel einen Anlegeplatz, den wir endlich in einer Bucht fanden; das Wasser war zwar auf eine weite Strecke hin sehr seicht, die Barkasse musste bald stoppen, aber mit Hilfe des kleinen Jollbootes und der Putzjolle konnten wir landen.

Das erste, was wir da fanden, war ein verlassener Lagerplatz der Eingeborenen, auf welchem Überreste von Fischen und Schildkröten, zerbrochene Flaschen und Feuerstellen sichtbar waren. Unser Führer berichtete, dass die Wilden hier vor wenigen Monaten ein großes Fest und einen Schmaus abgehalten hätten, an dem auch er teilgenommen habe. Das Auffallendste auf diesem Platz war aber das Grab eines Häuptlings, ein Hügel, weithin kenntlich durch drei in
einer Reihe stehende abgestutzte, gabelförmige Baumstrünke, deren Zahl auf einen hohen Rang des Toten zu deuten schien; denn derartige rudimentäre Zierate pflegen in diesem Gebiete von den Eingeborenen nur auf Gräbern angebracht zu werden, welche Leichen Vornehmer bergen. Der Grabhügel, den wir besichtigten, war sonderbarerweise mit einer Menge von Flaschen, bunten Glasstücken, Blechbüchsen und anderen glänzenden Gegenständen bedeckt. Offenbar leitet die Eingeborenen das Bestreben, die Grabstätten ihrer Vornehmen so reich als möglich auszuschmücken, wozu jeder beliebige Gegenstand verwendet wird, vorausgesetzt, dass er bunt oder glänzend ist.

Unter Führung des Jagdkundigen drangen wir, in gewohnter Weise in Linie verteilt, in den Wald ein, der sich längs einer Hügelkette hinzog. Im Anfange zeigten sich Vögel verschiedener Arten. Ich schoss hier eine selten schön gefärbte Papageitaube; Prónay eine enorm große Nachtschwalbe. Allmählich jedoch wurden auch die Vertreter der Vogelwelt seltener und schließlich, als die Bäume sich enger aneinanderschlossen und wir in einer hübschen, von einem Bach durchrieselten Talschlucht standen, schien die Jagd zu Ende zu sein.

Der Jagdkundige zeigte sich sehr erstaunt und versprach uns zu einer Lagune zu führen, die viel Wasserwild enthalte und uns bessere Jagdgelegenheit bieten werde, weshalb wir eine ziemlich weite Strecke in der angegebenen Richtung vorwärtsgingen. Einige Riesenfischer flogen schreiend von Baum zu Baum; einer der Herren sah auch Kakadus. Jeden Augenblick versicherte uns der Führer, die Lagune mit dem vielen Wasserwild könne nur mehr wenige Schritte entfernt sein, bis wir endlich, nach einer weiteren halben Stunde, den Menschen in ein scharfes Verhör nahmen, wobei er dann gestand, er sei einige Zeit zuvor hier gewesen, da habe die Lagune existiert, nun aber sei sie wohl eingetrocknet.

Vielleicht hatte der „Führer“ bei jenem großen Schmause der Eingeborenen unter dem Einfluss der hiebei genossenen Spirituosen die gute Jagdgelegenheit an der unsichtbar gewordenen Lagune wahrgenommen, welche er uns so zu rühmen gewusst hatte. Wie dem auch sein mochte, heute hatte uns der Biedermann jedenfalls ganz vergeblich kreuz und quer umhergeführt, und es waren nicht eben Schmeicheleien, die wir ihm zuriefen, als wir den Heimweg antraten.

Wir hatten im Sonnenbrand noch gegen 2 km Weges zurückzulegen, bevor wir, ohne einen Schuss getan zu haben, den Landungsplatz wieder erreichten. Hier nun erwartete uns eine neue Überraschung.

Die Ebbe war eingetreten; da diese hier ungemein stark ist, fanden wir die Stelle, an welcher wir am Morgen gelandet waren, jetzt durch eine über 600 Schritte lange Strecke tiefen Schlammes von den Wellen der See getrennt. Unsere Boote lagen, ein trübseliger Anblick, schief am Landungsplatz; die Barkasse aber, weiche der Ebbe weichend, weiter ins Meer hinausgefahren war, erschien nur noch als ein kleiner, dunkler Punkt am Horizonte.

So beschlossen wir, uns ins Unvermeidliche fügend, das Wiedereintreten der Flut abzuwarten.
Unsere Matrosen hatten inzwischen unter einem Mangrovebaum aus Riemen und Sonnenplachen ein nettes Zelt konstruiert, worin wir während der heißesten Stunden Rast hielten, die mitgebrachten Mundvorräte verzehrend. Als wahre Landplage erwiesen sich hier die Myriaden von Fliegen, die uns in Schwärmen nachzogen und jeden Versuch zu ruhen oder zu schlafen vollkommen illusorisch machten; mit wahrem Ingrimm stürzten sie sich auf ihre Opfer, so dass wir uns ihrer unablässig zu erwehren hatten.

Späterhin untersuchten wir das Grab des Häuptlings. Nur mit Hirschfängern und Messern versehen, gingen einige Herren daran, den Hügel zu eröffnen, in dem wir Schmucksachen oder doch wenigstens den Schädel des Toten zu finden hofften. Allein weder die ethnographische, noch die anthropologische Sammlung an Bord der „Elisabeth“ erfuhr durch die hier angestellten Ausgrabungen irgendwelche Bereicherung; denn, als die vielen Flaschen und Konservenbüchsen hinweggeräumt waren und wir nicht ohne Mühe bis zum Innern des Grabes vorgedrungen waren, fanden sich nur wenige verkohlte Knochenüberreste und ein großer Stein, welchen wir seines Gewichtes ungeachtet als Andenken mitnahmen.

Da die Zeit vorgerückt war, mussten wir endlich doch daran denken, die Barkasse zu erreichen. Noch immer zeigten sich die ersehnten Flutwellen nicht, obgleich seit unserer Rückkehr von der Jagd mehrere Stunden verflossen waren. So blieb denn nichts anderes übrig, als uns der Schuhe zu entledigen und, auf die Überfahrt mit den Booten verzichtend, den Weg zu der Barkasse zu Fuße zurückzulegen. Das war bei der zu durchmessenden bedeutenden Distanz kein leichtes Beginnen; wir versanken bei jedem Schritte bis über die Knie in dem tiefen Schlamm und zerschnitten uns die bloßen Füße an scharfen Muscheln und Korallenstückchen. Nach geraumer Zeit, ganz durchnässt, schmutzig und mit blutenden Füßen erreichten wir endlich die Dampfbarkasse. Einen Teil der Mannschaft hatten wir bei den trocken liegenden Booten zurückgelassen; erst nach 7 Uhr abends wurde die Flut so hoch, dass unsere Fahrzeuge wieder flott wurden und zurückkehren konnten.

Ich benützte den Rest des Nachmittages, um Port Kennedy zu besichtigen, das von weitem, das heißt vom Hafen aus gesehen, einen ganz freundlichen Eindruck macht; in der Nähe betrachtet aber verwischt sich dieser. Da steht man einer im Verlauf der kürzesten Zeit wie aus dem Boden gewachsenen Stadt gegenüber, welche überall den Stempel des Unfertigen, der Überhastung an sich trägt. Als einziges Baumaterial ist hier Wellblech verwendet; Dächer, Wände. Türen, alles besteht aus diesem Material, das freilich rasch ein Haus erstehen lässt. Die Umgebung dieser steifen, kahlen Blechhäuser bietet den Anblick arger Verwahrlosung; da ist kein Garten, kein Baum zu sehen, überall wuchert Unkraut; die Straßen und Wege sind nur markiert und der Kehricht türmt sich in großen Haufen vor den Fenstern auf.

Auffallend ist hier bei einer Einwohnerzahl von nur ungefähr 2000 Seelen die große Menge von Hotels, Restaurants und Billardzimmern, was sich daraus erklärt, dass Port Kennedy den Vergnügungsort der Perlmutterfischer darstellt, welche teils hier, teils auf den benachbarten Inseln wohnen und, seit einer Reihe von Jahren steten, häufig bedeutenden Gewinnes teilhaftig, oft in der allerkürzesten Zeit namhafte Beträge verausgaben, ja vergeuden. Da die Perlmutterfischerei einen Betriebszweig bildet, dessen Erträgnis den Unternehmern und Händlern alljährlich große Summen liefert, diesen Leuten zwar nicht der Luxus, wohl aber feinere Genüsse fremd sind, so sucht in Port Kennedy, wer Gold in seiner Börse klingen hört, den Becher der Freude so rasch und so übermütig als nur möglich bis auf die Neige zu leeren. Jene Fischer aber, welchen das Glück nur ab und zu ein Häuflein Sovereigns in den Schoß wirft, trachten, wie die Menschen eben sind, es den Reichen in üppigem Leben gleichzutun und verjubeln so, achtlos der kommenden, ungewissen Tage, selbst den allerletzten Schilling.
Ein Konglomerat der verschiedensten Völker und Menschen ist in diesem kleinen Städtchen vereint. Durch die Straßen wandernd, begegneten wir den eigentümlichsten Figuren. Das Hauptkontigent stellen natürlich Australier, Perlenfischer und Squatter, worunter manch verkommene, verdächtig aussehende Gestalt mit dem üblichen großen Hut auf dem struppigen Haupt und dem nie fehlenden Revolver im Leibgurt; daneben erscheinen Austral-Neger, Südsee-Insulaner, Chinesen, Japaner, sogar Singhalesen.

Hier machte ich zum ersten Mal unangenehme Bekanntschaft mit den übertrieben strengen Vorschriften der englischen Sonntagsfeier. Nach unserer Fußwanderung durch die Straßen Port Kennedys wollten Gratzl und ich in dem ersten Hotel der Stadt eine Erfrischung zu uns nehmen und bestellten bei der Wirtin eine Flasche Bier, welche wir auf der Hotelterrasse leeren wollten, um hier zugleich die Aussicht auf den Hafen zu genießen. Doch sofort erklärte die Wirtin unser Vorhaben, auf der Terrasse Bier zu trinken, für undurchführbar, weil derlei, wie sie beifügte, heute, am Sonntage, öffentliches Ärgernis erregen würde. Sie könne uns im besten Falle gestatten, in einem abgeschlossenen Raum alkoholisches Getränk, selbst wenn es nur Bier sei, zu uns zu nehmen. Wohl oder übel mussten wir uns fügen und unser Bier, anstatt im Freien bei kühler Abendluft, in einem heißen, dunklen Zimmer trinken. So sehr ich jeden auf religiösen Gründen beruhenden Gebrauch zu achten gewohnt bin, schien mir doch diese subtile Rigorosität zu weitgehend und ungereimt.

Wir kehrten auch der kühlen Blechstadt mit ihren sonderbaren Bewohnern bald wieder den Rücken und eilten an Bord, wohin ich den Residenten zum Speisen geladen hatte. Beim Diner verschaffte ich voraussichtlich einem unserer vaterländischen Artikel ein neues Absatzgebiet; der Resident war nämlich von unserem Gießhüblerwasser so entzückt, dass er beteuerte, er werde unverzüglich für seinen eigenen Bedarf eine Sendung dieses vortrefflichen Säuerlings bestellen.

Mattonis Gießhübler Wasser

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Abends erschien eine aus drei Personen bestehende Deputation von Perlmutterfischern, um mir eine Adresse zu überreichen und zu gleicher Zeit verschiedene Gattungen von Perlmuscheln, darunter auch mehrere mit eingeschnittenen Figuren, darzubieten. Das Geschäft der Perlmutteriischer ist hier ein sehr rentables, die Leute besitzen eine ganze Flotte von kleinen Kuttern, mit welchen sie an geeignete Plätze fahren, um dort aus bedeutender Tiefe durch Taucher die Muscheln heraufholen zu lassen. Die Muscheln werden dann geputzt und kommen sofort zur Verpackung und Versendung. Der Preis pro Tonne Perlmuscheln stellt sich jetzt auf 1320 fl. ö. W. Äußerst selten finden sich hier Perlen; es ist eben auch nur Perlmutter, die innere Schicht der Schale der Perlmuschel, welche gewonnen werden soll. Da die seichten Stellen in der Umgebung Thursday Islands schon so ziemlich ausgefischt sind, müssen die Taucher in bedeutende Tiefen bis zu 30 und 40 m hinuntergehen, wobei sich sehr viele Unglücksfälle ereignen; ja allmonatlich sollen deren durchschnittlich fünf bis sechs mit tödlichem Ausgang vorkommen.

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  • Ort: Thursday Island
  • ANNO – am  07.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Faust”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Merlin” aufführt.

Port Kennedy, 6. Mai 1893

Der Resident, welcher doch auch zur Bereicherung meiner Sammlung von Vogelbälgen behilflich sein wollte, hatte uns für den heurigen, zum Kohleneinschiffen auf der „Elisabeth“ bestimmten Tag eine Fahrt an das australische Festland proponiert und hiezu in sehr freundlicher Weise den Regierungsdampfer „Albatross“, eine kleine Yacht, zur Verfügung gestellt. Beizeiten holte uns der Resident selbst mit dem genannten Dampfer ab, und wir traten in Begleitung mehrerer Herren die Fahrt an, die sich um das Cap York herum bis in die Somerset Bay ausdehnen sollte. Als Gäste nahmen drei Herren an dem Ausflug teil: ein französischer Missionär, der eben aus Neu-Guinea gekommen war, wo er, wie seine Erzählungen bewiesen, genaue Kenntnis des Landes und seiner Leute gewonnen hatte; ferner der Kapitän eines englischen Kriegsschiffes, der seinen längeren Urlaub dazu benützte, um im Norden des australischen Kontinentes und in Neu-Guinea Schmetterlinge zu fangen, endlich ein Botaniker, dessen Ausrüstung aber auf nichts weniger denn auf seine friedlichen Zwecke hindeutete, da er statt der gewöhnlichen Berufsutensilien, als da sind: Botanisierbüchse, Schaufeln und dergleichen, nur eine Menge von Revolverpatronen umgeschnallt trug und überhaupt das Aussehen eines echten Squatters hatte.

Der Morgen war schön, nur wehte ein ziemlich frischer Ost, der unseren etwas altersschwachen „Albatross“, als wir nach Passierung der Nordküste von Horn-Island in die Flinders-Passage gekommen waren, derart umherwarf, dass wir nach und nach beinahe alle von dem bösen Übel der Seekrankheit befallen wurden. Überdies war uns die starke Strömung entgegen, so dass die See sehr kurz ging, was ein bedeutendes Stampfen des Schiffes zur Folge hatte. Nach etwa vierstündiger Fahrt erst liefen wir in den Albany-Pass ein und gingen gegenüber der Insel Albany in der Somerset Bay vor Anker.

Für die etwas stürmische Fahrt und deren bedauerliche Folgen entschädigte uns zweierlei: das Bewusstsein, nun endlich das australische Festland zu betreten, und die schöne landschaftliche Szenerie der Bai. Auf der einen Seite erhebt sich die Insel Albany, auf der anderen Seite das Festland mit seinen bewaldeten Hügeln, deren einer ein großes Gebäude trägt, das, weißschimmernd weithin sichtbar ist und, von den grünen Bäumen des Hintergrundes sich wirksam abhebend, die Bai dominiert. Die Bai von Somerset hätte ursprünglich das werden sollen, was jetzt Port Kennedy ist, nämlich Hafen- und Kohlenstation für die Dampfer, welche die Torresstraße passieren, doch erwies sich späterhin der Somerset-Hafen als minder günstig gelegen, zu klein und zu seicht, so dass Thursday gewählt wurde.

Wir bestiegen den Hügel und betraten das schon vom Schiff aus wahrgenommene Gebäude. Ursprünglich, zu der Zeit nämlich, als Somerset zum Haupthafen der Torresstraße ausersehen war, zum Sitz der Lokalbehörden bestimmt, dient das umfangreiche, ringsum mit Drahtzäunen umgebene Bauwerk gegenwärtig einem reichen „Pächter“ und den Seinen als Wohnhaus. Ich nenne ihn hier »Pächter«; doch konnten wir nicht recht feststellen, wer und was er eigentlich sei. Die einen nannten ihn einen Sportsmann, die anderen bezeichneten ihn als Squatter und betonten, dass er große Viehherden besitze. Den Mann selbst bekamen wir nicht zu Gesicht, da er, wiewohl von unserem Besuch im vorhinein verständigt, es vorgezogen hatte, den Tag außer Hause zu verbringen.

Durch das Rätselhafte, welches über der Person dieses „Pächters“ waltete, neugierig geworden, befragten wir seine beiden Söhne, welche uns der Resident schon an Bord des „Albatross“ vorgestellt hatte, und die Frau des geheimnisvollen Mannes, welche uns in dem Hause aufs freundlichste empfing. Diese, Jardine mit Namen, in Farbe und Gesichtsbildung eine typische Südsee-Insulanerin, steigerte nur unsere Neugier, indem sie erklärte, sie sei die „Nichte des Königs Malietoa von Samoa“. Die beiden Knaben aber berichteten, ihr Vater sei vormals lange Jahre hindurch auf dem Meere gewesen und habe viele Schiffe besessen; jetzt aber habe er das Seefahren aufgegeben und nenne nun ungeheuere Viehherden sein eigen.

Dieser Hinweis auf den früheren Beruf und auf den Reichtum des „Pächters“; der Umstand, dass dieser unserem Besuch ausgewichen war; die Beziehungen zu Samoa durch seine Verbindung mit einer Häuptlingstochter; endlich verschiedene auffallendere Schiffsbestandteile, die wir in seinem Haus bemerkten: alles dies zusammengenommen wäre geeignet gewesen, den Glauben zu erwecken, dass der „Pächter“ vor Zeiten in den Gewässern zwischen Samoa und dem Korallenmeer kühne Schiffahrtsunternehmungen betrieben habe. Weit zurückliegende Reminiscenzen aus Cooper und aus Walter Scott, Gestalten wie „der rote Freibeuter“ und „der Pirat“ tauchten vor mir auf; ein Eindruck, der aufs neue lebendig wurde, als wir, gegen Abend von der Jagd zurückkehrend, den „Pächter“ in einem kleinen Kutter segeln und dann mit großem Geschicke pfeilschnell die Bai hereinlavieren sahen. Das mystische Dunkel, welches diese Existenz, gleich mancher anderen in Australien, umhüllt, wurde auch späterhin nicht erhellt, und um so romantischer steht die Figur des „Pächters von Somerset“ in meiner Erinnerung da.

Als Leiter der Jagd, auf die wir nun auszogen, das heißt als Führer auf derselben, hatte der Resident die beiden Söhne des „Pächters“ bestimmt. Das jugendliche Alter der beiden, von welchen der eine zwölf, der andere gar nur acht Jahre zählte, hatte mir anfangs wenig Vertrauen eingeflößt, doch wurde ich im Verlauf der Streifung durch den Wald anderer Meinung, da die beiden kleinen Halb-Samoaner. die offenbar den größten Teil des Tages in Wald und Busch zu verbringen pflegen, hier vortrefflich Bescheid wussten.

Sobald wir den Jungen erklärt hatten, dass wir jagen und Vögel schießen wollten, führten sie uns an die besten Stellen, machten uns auf Fährten und Scharrplätze von Känguruhs aufmerksam, zeigten uns seltene Blumen und andere Pflanzen — alles gleich echten Kindern des Waldes. Der ältere äußerte schon eine bedeutende Energie, kommandierte und traf mit Bestimmtheit seine Anordnungen; der kleinere war ein rechter Schlingel, der uns auf die Frage, ob er die Schule besuche, mit einem gewissen Pathos antwortete: „Früher pflegte ich in die Schule zu gehen, jetzt aber habe ich es aufgegeben.“ Und dabei war er erst acht Jahre alt!

Wir trennten uns in verschiedenen Partien zu je zwei Herren und ich drang mit Regner unter Führung des älteren Knaben in den Wald, der im allgemeinen ähnlichen Charakter trug wie jener, den ich tagszuvor auf Horn Island besucht hatte. Nur erschien im Walde von Somerset an Stellen, wo mehr Feuchtigkeit vorhanden war oder kleine Bäche rieselten, die Vegetation reicher, üppiger; ja zuweilen erinnerte sie an tropischen Wald. Da fanden sich hohe, schöne Bäume, dazwischen Palmen und farnartige Kräuter; selbst Orchideen und rankende Lianen fehlten nicht. Ich erlegte Exemplare verschiedener Arten der australischen Vogelwelt, doch konnte ich leider weder Kakadus, noch Papageien zu Gesicht bekommen. Der Tag war ziemlich heiß; brennend sandte die australische Sonne ihre Strahlen auf uns herab. Endlich kam ich an einen größeren Bach, der zu meiner Freude einen heimatlich klingenden Namen: Pola River trägt und ganz dunkelbraunes, eisenhaltiges Wasser, gleich jenem unserer Hochmoorbäche führt. Hier war die Vegetation besonders reich zu nennen und die schönsten buntfarbigen Schmetterlinge, darunter manche von erstaunlicher Größe, flatterten umher.

Am Ufer des Pola River fortschreitend, kam ich mit Wurmbrand und Clam zusammen, von denen letzterer das Waidmannsheil gehabt hatte, das erste Känguruh zu erlegen — ein Zwergkänguruh aus der Gattung der Hasenspringer, das aber immerhin von der Nase bis zum Schwanzende 1,75 m maß. Der kleine Führer der beiden Herren hatte zwei Haushunde in den Wald mitgenommen; diese gaben plötzlich Laut, worauf das Beuteltier bei Clam in voller Flucht vorbeikam, so dass er es mit einem Kugelschuss strecken konnte.

Im Schatten der hohen Bäume hielten wir einen Augenblick Rast, welche Ramberg benützte, um mehrere photographische Aufnahmen zu machen. Dann ging’s wieder quer durch den Wald und an mehreren Gräbern von Eingeborenen vorbei nach Somerset zurück, wo wir bereits Prónay und Bourguignon vorfanden. Letzterem war ein Unfall zugestoßen, welcher leicht von den übelsten Folgen hätte begleitet sein können. Bourguignon hatte nämlich, da seine Patronen durch den gestrigen Regenguss feucht geworden waren, mit weißem Pulver geladene Patronen Prónays benützt, denen jedoch das Gewehr nicht gewachsen war. Nach einigen Schüssen platzte die Kammer und es bildete sich eine Öffnung von mindestens 10 cm Länge, wobei das infolge der Explosion wegspringende Stück des Laufes den Schützen ziemlich bedeutend am Arm verletzte. Hätte Bourguignon das Gewehr in etwas geneigterer Lage gehalten, so wäre eine sehr bedenkliche Verwundung unvermeidlich gewesen. Er war nach Somerset zurückgeeilt, wo die Frau des „Pächters“ seine Wunde auf das beste verband.

Überhaupt erfüllte die „Nichte des Königs von Samoa“ ihre Pflichten als Hausfrau in der allerfreundlichsten Weise; denn sie beschenkte mich mit Orchideen und Zitronen aus ihrem Garten und gestattete uns auch, die Wohnräume des Hauses zu besichtigen, in welchem alles in malerischer Unordnung und vernachlässigt durcheinanderlag; nur ein wahres Arsenal von Gewehren und Revolvern machte hievon eine Ausnahme. Diese Waffen waren sämtlich in vorzüglichem Stand, doch konnte man sehen, dass sie häufig in Gebrauch genommen worden waren. Darob befragt, erklärte unsere Wirtin, die Gegend von Somerset sei in früheren Jahren so unsicher gewesen, dass die Bewohner der Ansiedlung jeden Augenblick eines Überfalles seitens der Eingeborenen gewärtig sein und stets Waffen zur Hand haben mussten. Sogar der achtjährige Schlingel nannte zwei Gewehre sein eigen; das eine, fügte er bei, diene zum Erlegen von Vögeln, das andere im Kampf wider Menschen. Selbst Geschütze fehlten in diesem wohl armierten Hause nicht; denn ein Paar alter Schiffskanonen lag in einem der Zimmer unter dem hier aufgestellten Billard, ein zweites Paar vor der gedeckten Veranda des Hauses.
Uns von den Bewohnern dieses seltsamen Heimwesens verabschiedend, nahmen wir vor dem Einschiffen am Meeresstrand einen Imbiss ein und steuerten dann nach Thursday Island zurück.

Wir hatten nun die Strömung mit uns; auch hatte sich der Wind gelegt, so dass der „Albatross“ ziemlich ruhig ging und die Fahrt in der Abendkühle sehr angenehm verlief. Im Vorbeifahren zeigte mir der Resident die Stelle, auf welcher im Jahre 1862 über Befehl Bowens, des Gouverneurs von Queensland, zum Zeichen der Besitzergreifung dieses Gebietes im Namen der Königin, das erste Mal die britische Flagge gehisst worden war. Die Matrosen hatten trotz der verhältnismäßig schnellen Fahrt eine Schleppangel ausgehängt; plötzlich hieß es die Maschine stoppen, ein großer Fisch hatte angebissen und mit vereinten Kräften zogen der Kapitän und seine Leute einen mehr denn 1 m langen Fisch an Bord, der in seinem Aussehen an einen Thunfisch erinnert und hierlands Kingfish genannt wird.

An Bord der „Elisabeth“ war noch alles mit dem Einschiffen der Kohle beschäftigt, was in Port Kennedy keine Kleinigkeit war; denn sonderbarerweise besitzt dieser Hafen hiefür weder Lichterboote, noch sonstige praktische Hilfsmittel. Der Kommandant war sonach gezwungen gewesen, die „Elisabeth“ an einen kohlenführenden Hulk, der mitten im Hafen verankert war, anzulegen und die ganze Kohle über Deck einzuschiffen — eine langwierige und äußerst schmutzige Arbeit. Auch war das Anlegen an das altersschwache und bereits ganz morsche Kohlenschiff bei Seegang und Strömung keine Kleinigkeit; denn ohne die allergrößte Vorsicht hätte unser Eisenkoloss mit seinen hinausragenden Türmen die Bordwand des Hulks nur allzuleicht unversehens eindrücken können.

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  • Ort: Thursday Island
  • ANNO – am  06.05.1893 in Österreichs Presse. Das Wiener Salonblatt und die Neue Freie Presse vermerken die Ankunft Franz Ferdinands auf Thursday Island in guter Gesundheit.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Torquato Tasso”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Die Hugenotten” aufführt.

Port Kennedy, 6 May 1893

The resident wanted to assist me in adding to my collection of bird bodies had proposed a journey to the Australian mainland for today, a day used for transporting coal to „Elisabeth“, and had graciously provided the government’s steam boat „Albatross“, a small yacht. Early in the morning the resident himself came to fetch us with this steam boat and we started the journey in the company of multiple gentlemen which would take us around Cap York to Somerset Bay. Three gentlemen participated as guests in the journey: a French missionary who had just arrived from New Guinea where he had gained exact information about the country and its people as his stories revealed. Then a captain of an English warship who used his extended holiday to catch butterflies in the north of the Australian continent and in New Guinea. Finally a botanist whose equipment did not reveal his peaceful goal as instead of the usual professional equipment such as a botanical box, shovel etc. he had only belted on revolver bullets and overall had the look of a true squatter.

The morning was beautiful but there was a stiff eastern wind blowing which threw around our somewhat aged „Albatross“ after we had passed the northern coast of Horn island and entered into the Flinders passage that we were by and by nearly all attacked by the mean evil of sea sickness. Furthermore we had the strong current against us so that the sea waves were short and caused a heavy pitch of the ship. After a drive of around four hours we finally entered into the Albany pass and set the anchor opposite the island of Albany in Somerset Bay.

The somewhat stormy journey and its regrettable consequences were compensated by two elements: the realization to now finally set foot onto the Australian mainland and the beautiful scenery of the land of the bay. On one side rises the island of Albany, on the other the mainland with its wooden hills one of which has a large building that is visible from afar and in its white color stands out very effectively from the green trees in the background and thus dominates the bay. Somerset Bay was originally intended to become what now is Port Kennedy, namely the harbor and coaling station for steam ships that pass the strait of Torres but the harbor of Somerset proved to be less well situated, too small and too shallow, so that Thursday island was selected.

We ascended the hill and entered the building we had already seen from the ship. Originally during the time when Somerset was intended to be the main harbor in the strait of Torres this building was to be the seat of the local government but now surrounded with wire fences serves a rich „leaseholder“ and his family as their accommodation. I call him here „leaseholder“ as we could not really determine who and what he actually was. Some called him a sportsman, others a squatter and stressed that he owned large cattle herds. The man himself we did not meet as he had preferred to spend the day out of the house despite his having been informed prior about our visit.

Grown curious about the person of the „leaseholder“ by this strange behavior we asked his two sons who the resident had presented to us already on board of the „Albatross“  and the wife of this strange man who received us most kindly in the house. She, named Jardine, in color and face a typical South Sea islander, only increased our curiosity by her declaration that she was the „niece of the King Malietoa of Samoa“. The two boys, however, told that their father had been at sea during many long years and owned many ships. Now he had quit going out to sea and now calls huge cattle herds his own.

This mention of his former trade and the wealth of the „leaseholder“, the circumstance that he had evaded our meeting, the connection to Samoa with his union to a chief’s daughter, finally many different conspicuous ship parts we noticed in his house, all this together could have been useful to create the impression that the „leaseholder“ had been once engaged in audacious pursuits between Samoa and the coral sea. Distant memories from Cooper and  Walter Scott, figures such as the „red swashbuckler“ or the „pirate“ came to my mind. An impression that was vividly refreshed after we returned from the hunt in the evening and saw the „leaseholder“ sail in a small cutter and maneuver swift as an arrow into the bay with great skill. The mythical cloud of his existence that surrounds so many others like him in Australia was never lifted and thus the romantic figure of the „leaseholder of Somerset“ looms all the stronger in my memory.

As leaders of the hunt to which we were now undertaking, that is as guides, the resident had appointed the two sons of the „leaseholder“. The youthful age of the two, one was twelve, the other not yet eight, did at first not offer me much confidence but during the hunt through the forest I changed my opinion as the two half-Samoans had expert knowledge as they apparently spent most of their days in the forest and bush.

As soon as we had told the boys that we wanted to hunt and shoot birds, they led us to the best spots, showed us tracks and scratching places of kangaroos, pointed out rare flowers and other plants — all like true children of the woods. The older already displayed a considerable drive, commanded and decided with assurance; the younger one was a true rascal who answered our question about which school he was attending with a certain pathos: „I used to go to school but now I have given it up.“ And he was still only eight years old!

We separated into various parties of two gentlemen each and I entered the forest with Regner led by the older boy. The forest was similar in character as the one visited the day before on Horn island.  Only the vegetation in the forest of Somerset seemed to be richer, more luxurious in those parts where more humidity was present or small streams were flowing and at times reminded me of a tropical forest. There were tall beautiful trees, in between palm trees and fern-like herbs; even orchids and entwining lianas were not missing. l bagged specimens of various species of the Australian birds but I failed to see a cockatoo or parrots. The day was fairly hot, the Australian sun was sending down its burning rays upon us. Finally I came upon a larger stream with a name reminding me of home to my joy, Pola River, and contained very dark brown water rich in iron like that of our highmoor streams. Here the vegetations had to be called especially rich and the most beautiful butterflies among them many of an astonishing size were flying around.

Following the shore of the Pola River I met Wurmbrand and Clam the latter of which had had hunter’s luck and bagged the first kangaroo — a dwarf kangaroo of the species of jumping hares which still had a length of  175 m from the nose to the tail. The small guide of the two gentlemen had taken along two house dogs into the forest. These suddenly had barked whereas the prey passed Clam in full flight so that he could kill it with a bullet.

In the shadow of tall trees we paused for a moment which Ramberg used to take a few photographic images. Then we went back through the forest and multiple graves of the natives to Somerset where already Prónay and Bourguignon were waiting. The latter one had an accident which could have easily had the gravest of consequences. Bourguignon had namely, as his bullets had become wet during the rain the day before, used Prónay’s cartridges with white powder that proved too much for his rifle. After some shots the chamber burst and created an opening of at least 10 cm in length, whereas the piece of the barrel blown away had considerably wounded the shooter in the arm. Had Bourguignon had the rifle at a greater angle then a very critical wound would have been inevitable. He had returned to Somerset where the wife of the „leaseholder“ had expertly bound his wound.

Actually the „niece of the King of Samoa“ performed her duties as a house wife most graciously. She had given me orchids and lemons from her garden and permitted us to view the rooms of the house in which everything was in a picturesque disorder and neglected mess. Only a real arsenal of rifles and revolvers was an exception to this. These weapons were all in excellent condition but one could see that they had been often used. Asked about this, our hostess explained that the territory of Somerset had been very insecure a few years ago so that the inhabitants of the settlement had to be prepared at any moment for a raid by the natives and thus always have weapons within reach. Even the eight year-old rascal had two rifles in his own name; one of which was for killing birds the other for the fight against humans. Even guns were not absent in this well armed home as a pair of old ship cannons  were laying under the billiard table in one room, a second pair was situated on the covered veranda of the house.

Saying good-bye to the occupants of this strange home we ate a miserable snack at the sea shore before embarking and steered back to Thursday Island.

We now had the current working for us; the wind too had abated so that „Albatross“ moved fairly calmly and the journey was very agreeable in the cool evening. While we drove past the resident pointed out the spot to me where in the year 1862 on the order of Bowens, the governor of Queensland, the British flag had been hoisted for the first time in order to take possession of this territory in the name of the Queen.  The sailors had posted a fishing tow line despite the relatively fast drive. Suddenly it was asked to stop the machines, a large fish had been hooked and with united force the captain and his men drew a fish of over 1 m length on board. The fish’s look was similar to a tuna and is called here a king fish.

On board of „Elisabeth“ everybody was still occupied with loading the coal which was no small activity at Port Kennedy as this harbor strangely did not possess lighters for this task nor other practical tools. The commander thus was forced to move „Elisabeth“ close to the coal-carrying hulk in the middle of the harbor and transport the whole coal over the deck — a long-winded and very dirty task. Also the maneuvering to the aged and already rotten coaling ship was not easy in the swelling sea and the currents. As without the greatest precaution our iron colossus with its protruding towers might have all too easily penetrated the hull of the hulk without warning.

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  • Location: Thursday Island
  • ANNO – on  06.05.1893 in Austria’s newspapers. The Wiener Salonblatt and die Neue Freie Presse note the arrival of Franz Ferdinands at Thursday Island in good health.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing Goethe’s „Torquato Tasso“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Die Hugenotten”.

Port Kennedy, 5 May 1893

Somewhat excited I ran up to the bridge this morning. We were just looking around the eighth hour upon the new continent of Australia that was discovered last and claimed by science to be the oldest. First, however, the island continent remained hidden from our view. Instead we sw a small part of Oceania, the northern tip of the Australian mainland, Prince of Wales island that lies in front of Cap York and Booby island with its light house that can be seen from far away. We were approaching it from south-west to enter into the Normanby sund.

With time the contours of these islands became more pronounced. Then more and more green islands emerged out of the blue sea until we could clearly distinguish the entrance between Goode island and Friday island. North of Goode island the sad remains of a sunken ship, the German full rigged ship „Olga“ starred at us Even though three years have gone since the catastrophe, the wreck is very well preserved and the three masts as well as the yards rise out of the surging sea.

All along the strait of Torres, a canal about 90 km wide with a rapid current, there were many wrecks such as this one to offer testimony how fatal these numerous often completely hidden coral reefs, granite cliffs and sand banks could be to ships in these waters that Luis Vaz de Torres crossed for the first time in 1606. In the dark depths of the strait many lost ships will be resting that had sunk here with all hands into the gurgling abyss of the sea.

At the same time as we a large steamship entered. At Goode Island the pilot appeared in a small boat. This one proved to be a son of Albion whose nose had turned so red and been transformed into a perpetual lighthouse probably by the consumption of the national whisky.

At the entrance of ships into Port Kennedy on Thursday Island there is the custom of letting the vehicles wait below the signal station of Goode Island until permission is granted by Port Kennedy to enter into the actual harbor. We had to comply with this custom too and thus we stood still with stopped machines and had to wait for the signal which finally came after some time while a mighty sea eagle was circling over us. Even though larger warships usually have to anchor in the outer harbor, the pilot still led us through a very small passage into the inner harbor where we anchored in front of the city at a very low depth,

At first glance the harbor appears friendly as it is surrounded by ring of green islands covered with trees but here the vegetation is not as luxurious as on the islands of the Malayan archipelago despite it being part of the equatorial zone. The Australian vegetation is missing the diversity of forms, the colorful mix of plants. Monotonous calm is its signature.

In front of us lies the island of Horn; to our right is the largest island of the archipelago, the island of the Prince of Wales; to our left is the smaller Thursday island with Port Kennedy. The individual islands in the row part of which the latter is carry mostly the names of the week days perhaps in memory of the days they have been discovered. Thus we find from the east in quick succession the following islands: Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday.

Port Kennedy offers us an example of the true British-Australian entrepreneurial spirit and industry which has managed to create in a surprisingly short time much of importance on the coasts of the continent we were approaching.

In the year 1878 the settlement of Somerset had been moved from Cap York where it had been before to Thursday island. Eight years before, as the sailing hand books note, it had only five houses, it has since grown into a rather respectable community which included as the pilot told with pride a government building, five hotels and 36 — billiards. To this banal statistics of the old sea dog may be added the information that currently fortifications are being erected on Thursday Island; already there are barracks and the foundations of a fort. This is still organized for the present with old guns; but already the next English steam ship is said to bring modern cannons and the future garrison troops of 30 artillerymen.

Port Kennedy’s rapid development is due on the one hand that the island is more conveniently located for the ships passing through the strait of Torres than Cap York, on the other hand it lies in the middle of the territory used for the important fishing of mother of pearl. The harbor is called by many steam ships partly to replenish coal partly to receive passengers for the line from Singapore to Hong Kong.

The first man who came on board after we had set the anchor was the British resident Mr. Douglas, a very old gentleman who had spent most of his life in Australia and New Guinea. We assailed him with questions how the surrounding of Port Kennedy was for hunting and how we could buy mother of pearl and corals, he did not know much about this and only spoke about an afternoon tea he would organize in my honor. Thus I decided to set up on my own an expedition to the island of Horn which was somehow wrongly marked as uninhabited on our map.

Multiple gentlemen joined me and in a boat drawn by the steam barge we set off from our ship. For safety purposes we also had taken along the cleaning dinghy for shallow water areas. At first we had to drive around two long-winded coral reefs whose presence was clearly visible by their clear coloring in the sea. Then landing proved very difficult. As it was low tide, there were long mud banks along the coast. Also dense strips of mangroves prevented the passage with their roots in the air. After we failed three times to land, our boat was finally stuck in the mud and had to liberated by the steam barge. Fortunately we finally found a small foot path in the mud close to a small settlement. Due to it we managed to land with the assistance of the cleaning dinghy.

With great astonishment the inhabitants of the huts at the shore noticed our appearance. They were Austral Negroes, the first we saw. Truly strange humans with horribly ugly faces with bulging curled lips and the not wooly but curly hair. These people seemed to have absorbed some of civilization. As they were not like most of their tribes painted and also wore some parts of European clothing such as flashy jackets and the most incredible head dresses such as black conical felt hats, railway caps etc. The women and children had timidly withdrawn into their huts as soon as we had landed.

These huts were probably the strangest accommodation that I have yet seen. They actually consisted only of crutches covered by parts of bark and offered almost no protection against the weather. Only by crouching the people could move in it. And such a hut with a length of barely 2 m and a height of 1 m is filled with humans, dogs, cats and pigs — everything lives in the same limited space in intimate communion. In the huts too the fish and tortoises are dried which provide the food reserves for the human inhabitants and give the interior of the huts a horrible smell. Countless flies whizzed around in it. As decoration of the external walls served empty petrol cases, bottles, tins etc. The disorder and the strangeness of a gipsy camp is not even close to the chaos and eccentric design of such a Negrito settlement.

The people hardly work, their only trade is fishing for which they use strangely constructed boats covered with colorful cloths. With these canoes they often venture out for many miles between the reefs and sand banks of the strait of Torres, mostly hunting giant tortoises that go to the sand banks during the night to lay their eggs.

A large dark-colored guy who seemed to be the chief of the settlement came towards us and spoke with us in broken English. We asked him to show us the spot where we could cross a wide stream that was situated a hundred paces from the coast. He agreed and we first crossed the stream under his guidance and then entered spread out in a long line into the interior of the island. Here it was much easier to advance than in the tropical jungle of Pulu Besar where we had also undertaken an island expedition, as the forest on the island of Horn had a very strange imprint: low trees that were spaced very far from each other with fixed leathery leaves set off from the axes. The trees themselves were ugly. Their trunks did not have any of the tropical ornament of lianas. The color was no intensive green but grey-blue or blue-green. Few flowers, the soil without sprawling undergrowth, with only a puny level of earth and yellow grass or bare and sandy. Everywhere there was a lack of shade, lifeless rigidity, monotony in forms and colors. Of forest trees I noticed namely the sad horsetail-like Casuarina, myrtles and eucalyptus.

The sad character of this forest was consistent in its animals. We found no mammals, only a limited number of birds. At the shore we observed a few waders, as well as bee eaters, a species of Drongo (Chibia bracteata) and a few small singers: Representatives of two species were especially remarkable: one of which looked like small hornbills but were part of the very diverse and rich in forms family of honey eaters (Meliphagidae) characteristic for Australia and were determined to be Philemon argenticeps; the members of the other species were Australian giant kingfishers or blue-winged Kookaburra (Dacelo leachii) that reach a height of over 50 cm and are amongst the most well known kingfishers. The Australian giant kingfisher also carries the name of „Laughing Jackass“ as its loud cries in the woods betray its presence from afar.

We had advanced about 3 km into the interior of the island, the black „mayor“ as well as a hunter who had joined us as a guide during our hike having vanished, when suddenly the rain poured down on us which had been looming in the sky for quite some time and made us soaking wet in a few minutes.  Such sudden torrential rains is a feature this part of Australia shares with all equatorial areas. With an intensity that we in Europe can hardly imagine the rain pours down and in an instance everything is under water; everywhere there are streams and watercourses as the soil is unable to absorb such enormous quantities of water that was pouring down despite its extraordinary porousness. Now it was time to think about our way back because it was high time. We thus waded back to the beach where Mallinarich had in the mean time gathered a nice collection of shells and insects.

When we returned to our ship, the rain still continued so that we were unable to dine as usual on the afterdeck. Only towards 10 o’clock the storm relented and the moon arduously pierced its way through the thick clouds.

Links

  • Location: Thursday Island
  • ANNO – on 05.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing the comedy „Das Hochzeitsnest“, while the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the ballet „Die goldene Märchenwelt“.

Port Kennedy, 5. Mai 1893

In einer gewissen Aufregung eilte ich heute morgens zu der Brücke empor. Erblickten wir ja doch um die achte Stunde einen neuen, den zuletzt entdeckten und, wie die Wissenschaft behauptet, den allerältesten Weltteil, Australien. Vorerst blieb uns allerdings der insulare Kontinent noch verborgen; dagegen kam uns aber ein, wenn auch kleines Stück Ozeaniens zu Gesicht: die der Nordspitze des australischen Festlandes, dem Cap York vorliegende Prince of Wales-Insel und das Booby Island mit seinem weithin sichtbaren Leuchtturm, den wir von Südwesten anliefen, um in den Normanby-Sund zu steuern.

Allmählich waren die Konturen dieser Inseln bestimmter hervorgetreten. Dann tauchten aus der blauen See immer wieder neue, grüne Eilande empor, bis wir endlich die Einfahrt zwischen der Goode-Insel und Friday Island deutlich wahrnehmen konnten. Nördlich von Goode Island starrten uns die traurigen Überreste eines zugrunde gegangenen Schiffes, des deutschen Vollschiffes „Olga“, entgegen: obgleich seit der Katastrophe drei Jahre vergangen sind, ist das Wrack doch noch gut erhalten und ragen die drei Masten, sowie die Raaen hoch aus der brandenden See.

Wie hier, legt längs der ganzen Torresstraße, eines etwa 90 km breiten Kanals mit reißender Strömung, manches Wrack Zeugnis dafür ab, wie verhängnisvoll dieses von zahllosen, oft ganz verborgenen Korallenriffen, Granitklippen und Sandbänken erfüllte, von Luis Vaz de Torres im Jahre 1606 zum ersten Mal durchquerte Fahrwasser den Schiffen werden kann. In den dunkeln Tiefen der Straße schlummern die Trümmer so mancher verschwundener Schiffe, die mit Mann und Maus in stürmischen Zeiten hier hinabgezogen worden sind in die gurgelnden Schlünde der See.

Zugleich mit uns lief ein zweiter großer Dampfer ein. Bei Goode Island erschien in einem kleinen Boot der Lotse. Dieser erwies sich an Bord als ein Sohn Albions, welchem wohl der nationale Whisky die Nase gar so rot gefärbt und „in ein unverwischbares Leuchtfeuer verwandelt“ hatte.

Bei der Einfahrt von Schiffen nach Port Kennedy auf Thursday Island besteht die Sitte, die Fahrzeuge unterhalb der Signalstation von Goode Island so lange warten zu lassen, bis von Port Kennedy aus die Erlaubnis zur Weiterfahrt in den eigentlichen Hafen signalisiert worden ist. Dieser Gepflogenheit mussten auch wir uns fügen und so standen wir, indes ein mächtiger Seeadler uns umkreiste, mit gestoppter Maschine still und warteten das Signal ab, das uns nach längerem Harren endlich zukam. Obgleich größere Kriegsschiffe sich in der Regel im Außenhafen verankern müssen, führte der Lotse uns doch durch eine sehr schmale Passage in den Innenhafen, wo wir vor der Stadt in unbedeutender Tiefe vor Anker gingen.

Der erste Anblick des Hafens ist ein freundlicher, da ihn ein Kranz grüner Inseln umgibt, welche mit Baumwuchs bedeckt sind, doch ist hier die Vegetation, obwohl noch der Äquatorialzone angehörend, nicht mehr so üppig wie auf den Inseln des malayischen Archipels. Der australischen Vegetation mangelt der Reichtum, die Mannigfaltigkeit der Formen, das bunte Durcheinander der Gewächse; eintönige Ruhe ist ihr Kennzeichen.

Vor uns liegt die Insel Horn; zur Rechten das größte Eiland dieses Archipels, die Prince of Wales-Insel; zur Linken die kleine Insel Thursday mit Port Kennedy. Die einzelnen Inseln aus der Reihe, deren Glied das letztgenannte Eiland bildet, tragen, vielleicht zum Gedächtnis der Tage, an welchen sie entdeckt wurden, vorwiegend Namen der Wochentage; so finden wir von Osten her in rascher Folge die Inseln: Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday.

Port Kennedy bietet uns sofort ein Beispiel für den echt britisch-australischen Unternehmungsgeist und Eifer, welcher an den Küsten des Kontinents, dem wir uns nähern, in überraschend kurzer Zeit verhältnismäßig Bedeutendes zu schaffen gewusst hat.

Im Jahre 1878 ist die Ansiedlung Somerset von Cap York, wo sie sich bis dahin befunden hatte, auf die Thursday-Insel verlegt worden. Vor acht Jahren, wie die Segelhandbücher besagen, nur fünf Häuser zählend, ist Port Kennedy seither zu einem ziemlich ansehnlichen Gemeinwesen emporgeblüht, welches, wie der Lotse mit Stolz erzählte, ein Regierungsgebäude, fünf Hotels und 36 Billards besitzt. Diese lapidare Statistik des alten Seebären sei durch die Mitteilung ergänzt, dass gegenwärtig auf Thursday Island Fortifikationen erbaut werden; schon erheben sich Militärbaracken und die Grundfesten eines Forts. Dieses ist zwar vorläufig noch mit alten Geschützen bestückt; aber schon der nächste englische Dampfer soll moderne Kanonen und die zukünftige Garnison, 30 Artilleristen, hier ans Land setzen.

Seine rasche Entwicklung verdankt Port Kennedy einerseits dem Umstand, dass die Insel den die Torresstraße passierenden Schiffen viel bequemer liegt als Cap York; andererseits jenem, dass sie den Mittelpunkt der in diesem Gebiete sehr bedeutenden Perlmutterfischerei darstellt.
Der Hafen wird von vielen Dampfern angelaufen, teils um hier die Kohlenvorräte zu ergänzen, teils um Passagiere für die Linie Singapur—Hongkong aufzunehmen.

Der erste, der, sobald wir Anker geworfen hatten, an Bord erschien, war der britische Resident Mr. Douglas, ein sehr alter Herr, welcher den größten Teil seines Lebens in Australien und auf Neu-Guinea verbracht hatte. Wir bestürmten ihn alsbald mit Fragen, wie es in der Umgebung von Port Kennedy mit der Jagd aussähe und wie wir Perlmuscheln und Korallen zu erwerben vermöchten, doch zeigte er sich auf diesem Gebiete gar nicht versiert und sprach nur von einem Afternoon tea, den er mir zu Ehren veranstalten wolle. So beschloss ich denn, am Nachmittag auf eigene Faust eine Expedition nach der Insel Horn auszurüsten, welche auf unserer Karte irrigerweise als unbewohnt bezeichnet war.

Mehrere Herren schlossen sich mir an und in einem Boot, von der Dampfbarkasse geschleppt, stießen wir von Bord ab; der Sicherheit halber hatten wir auch noch für seichtes Wasser die Putzjolle mitgenommen. Anfänglich mussten wir zwei langgestreckte Korallenriffe, deren Vorhandensein sich durch die lichte Färbung der See deutlich zu erkennen gab, umfahren. Dann bereitete uns das Landen große Schwierigkeiten; denn die Ebbe war eingetreten und lange Schlammbänke zogen sich längs der Küste hin; auch verwehrten dichte Streifen von Mangrovebäumen mit ihrem Labyrinth von Luftwurzeln die Passage. Nachdem wir dreimal vergebens versucht hatten, ans Land zu kommen, saßen wir endlich mit dem Boot im Schlamm fest und mussten von der Barkasse wieder flott gemacht werden; doch zum Glück fanden wir endlich in der Nähe einer kleinen Ansiedlung in dem Schlamm eine Art Treppelweg, auf dem wir mit Hilfe der Putzjolle die Landung bewerkstelligen konnten.

Mit großem Erstaunen sahen die Bewohner der am Ufer gelegenen Hütten unserem Beginnen zu. Es waren Austral-Neger, die ersten, welche wir zu Gesicht bekamen; ganz merkwürdige Menschen mit ihren entsetzlich hässlichen Gesichtszügen, ihren wulstigen, autgeworfenen Lippen und dem nicht wolligen, aber krausen Haare. Diese Leute schienen schon einiges von der Zivilisation angenommen zu haben; denn sie waren nicht, wie die meisten ihres Stammes, bemalt und trugen auch schon einzelne Stücke europäischer Kleidung, so grellfarbige Jacken und die unglaublichsten Kopfbedeckungen schwarze, spitze Filzhüte, Eisenbahnkappen u. dgl. Die Weiber und Kinder zogen sich, sobald wir das Land betreten hatten, scheu in die Hütten zurück.

Diese Hütten waren wohl die sonderbarsten Wohnungen, die ich bisher gesehen; sie bestanden eigentlich nur aus Gabelästen, die mit Stücken von Baumrinde bedeckt waren und gegen Witterungseinflüsse beinahe gar keinen Schutz boten. Nur in kriechender Stellung konnten sich die Leute darin fortbewegen. Und so eine Hütte, die kaum 2 m Länge, 1 m Höhe hat, ist mit Menschen, Hunden, Katzen, Schweinen vollgefüllt — alles das lebt in demselben beschränkten Raum in trauter Gemeinschaft. In den Hütten werden auch die Fische gedörrt und die Schildkröten getrocknet, welche den Mundvorrat der menschlichen Insassen bilden und den Innenraum der Behausungen durch ihren abscheulichen Geruch verpesten. Unzählige Fliegen surren darin umher. Als Schmuck der Außenwände waren leere Petroleumkisten, Flaschen,
Blechbüchsen u. dgl. m. angebracht. Die Unordnung und Bizarrerie eines Zigeunerlagers reicht nicht im entferntesten an das Chaos und die exzentrische Gestaltung solch einer Negrito-Ansiedlung heran.

Die Leute arbeiten fast gar nicht, ihr einziger Lebenserwerb ist die Fischerei, bei welcher ihnen merkwürdig konstruierte und mit bunten Lappen geschmückte Boote als Fahrzeuge dienen. Mit diesen Kanus schiffen sie oft viele Meilen weit zwischen den Riffen und Sandbänken der Torresstraße umher, hauptsächlich auf den Fang von Riesenschildkröten bedacht, die zur Nachtzeit die Bänke besuchen, um dort ihre Eier zu legen.

Ein großer, dunkelfarbiger Kerl, wie es schien der Häuptling der Ansiedlung, kam uns entgegen und unterhielt sich mit uns in gebrochenem Englisch. Wir baten ihn, uns eine Stelle zu zeigen, wo wir einen breiten Wasserarm, der sich auf hundert Schritte von der Küste im Lande hinzog, passieren könnten; er zeigte sich bereit und unter seiner Leitung wurde zunächst der Wasserarm übersetzt, worauf wir, in einer langen Linie verteilt, in das Innere der Insel eindrangen. Hier war es nun freilich leichter vorwärts zu kommen, als in dem tropischen Urwald von Pulu Besar, wo wir ja auch eine ähnliche Inselexpedition unternommen hatten; denn der Wald der Insel Horn hatte bereits völlig das den meisten nördlichen Territorien des australischen Festlandes eigentümliche Gepräge: niedrigere, weit von einander abstehende Bäume mit starren, lederartigen, von den Achsen abgewendeten Blättern; die Bäume selbst unschön; ihre Stämme des tropischen Schmuckes, der Lianen, entbehrend; die Färbung kein intensives Grün, sondern graublau oder blaugrün; wenige Blüten; der Boden ohne wuchernden Unterwuchs, mit kümmerlicher Humusschichte und gelblichem Riedgras bedeckt oder kahl und sandig. Überall Schattenlosigkeit, leblose Starrheit, Einförmigkeit in Form und Farbe.
Von Waldbäumen bemerkte ich hier namentlich die traurigen, schachtelhalmartigen Casuarinen, Myrtengewächse und Eukalypten.

Dem trübseligen Charakter dieses Waldes entsprach hier auch die Tierwelt. Säugetiere fanden wir nicht, Vögel in geringer Anzahl. Am Strand beobachteten wir einige Uferläufer; weiterhin Bienenfresser, eine Drongo-Art (Chibia bracteata) und einige kleine Sänger: Vertreter zweier Spezies fielen uns besonders auf: jene der einen sahen wie kleine Nashornvögel aus, gehörten jedoch in die für Australien charakteristische, überaus formenreiche Familie der Honigfresser (Meliphagiden) und wurden als Philemon argenticeps bestimmt; die Angehörigen der anderen Spezies waren australische Riesenfischer oder Jägerlieste (Dacelo leachii), welche eine Höhe von über 50 cm erreichen und zu den größten aller bekannten Fischer zählen. Der australische Riesenfischer führt auch den Namen „Laughing Jackass“ (lachender Hans), da ihn sein lautes Geschrei im Wald schon aus weiter Ferne verrät.

Wir waren ungefähr 3 km in das Innere der Insel vorgedrungen, der schwarze „Bürgermeister“ aber sowie ein Jäger, den er uns im Verlauf der Wanderung als Führer beigesellt hatte, bereits seit einiger Zeit verschwunden, als unversehens ein Platzregen, der schon längst drohend am Himmel gestanden, niederging und uns in wenigen Minuten ganz durchnässte. Solche plötzliche, wolkenbruchartige Güsse hat ein Teil Australiens mit sämtlichen Äquatorialgegenden gemeinsam. Mit einer Heftigkeit, die wir in Europa kaum zu ahnen vermögen, stürzt das Ungewitter nieder und im Nu ist alles unter Wasser; überall bilden sich Bäche und Wasserläufe, da der Boden trotz seiner außerordentlichen Durchlässigkeit nicht vermag, so ungeheuere, jäh niederfallende Wassermengen aufzunehmen. Nun hieß es an die Rückkehr denken, denn es war schon hoch an der Zeit; wir wateten also an den Strand zurück, wo inzwischen Mallinarich eine hübsche Kollektion von Muscheln und Kerbtieren gesammelt hatte.

Auch als wir uns wieder auf unserem Schiff befanden, dauerte der Regen noch immer an, so dass wir nicht einmal wie gewöhnlich auf dem Achterdeck speisen konnten. Erst gegen 10 Uhr ließ das Unwetter nach, und mühsam genug brach sich der Mond Bahn durch die dichten Wolkenschichten.

Links

  • Ort: Thursday Island
  • ANNO – am  05.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Das Hochzeitsnest“, während da k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet „Die goldene Märchenwelt“ aufführt.