Salt Lake City — Colorado Springs, 29. Sept. 1893

Ein fruchtbares Tal weist Getreide- und Obstbau, vor allem aber ausgedehnte Kürbis- und Melonenkultur auf, doch sind die Lehnen ebenso kahl, wie die am Vortag passierten. Bald entdeckten wir den großen Salzsee, welcher 129 km lang und 48 km breit ist und sich durch seinen hohen Gehalt an Salz auszeichnet; letzterer beträgt 22,4 Prozent gegen 3,5 Prozent im Meerwasser und wird nur von jenem des Toten Meeres mit 25 Prozent übertroffen. Kurz vor Salt Lake City näherten wir uns dem Seeufer und passierten mehrere Badestellen, so auch die heilkräftigen Beck’s Hot Springs. Zinnoberrote Büsche, welche die sonst kahlen Bergabhänge bedeckten, brachten einige Abwechslung in das recht monotone Landschaftsbild.

In Salt Lake City bestiegen wir sogleich Wagen, um an die Besichtigung des “Tabernakels”, des Hauptheiligtums der Mormonen, und der sonstigen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu gehen.

Stifter der Mormonen-Sekte ist Joseph Smith, der in seinem 25. Lebensjahr am 6. April 1830 zu Fayette, einem Städtchen des Staates New York, seine Anhänger zu einer Gemeinde organisiert hatte; im nächsten Jahr war diese nach Ohio und 1833, von hier verjagt, nach Missouri übersiedelt. Auch aus diesem Staat ausgewiesen, wandten sich die Mormonen über County Caldwell nach Illinois, woselbst sie im Jahre 1840 in der Grafschaft Hancock die Stadt Nauvoo und einen schönen Tempel erbauten, doch mit den übrigen Einwohnern in Feindseligkeiten gerieten, die vier Jahre nach der Gründung Nauvoos zu dessen Zerstörung und zu offenem Kampf führten, bei dem Smith den Tod fand. Brigham Young, der Nachfolger Smiths im Prophetentum, wanderte mit 1500 Mann aus und zog auf beschwerlichen Pfaden über die Rocky Mountains bis zum Großen Salzsee, woselbst die Gemeinde sich 1847 niederließ und den Staat Utah begründete, Als dieser schon nach drei Jahren als Territorium anerkannt wurde, ernannte die Unionsregierung Brigham Young zu dessen Gouverneur. worauf trotz mancher Konflikte eine Zeit besonderer Blüte der Kolonie folgte; in unseren Tagen ist aber ein Rückgang bemerkbar, die Zahl der Gentiles — Nichtmormonen — hat sehr zugenommen, wodurch die sozialen Verhältnisse wesentlich verschoben erscheinen. Überdies hat auch die Gesetzgebung der Vereinigten Staaten die Vielweiberei der Mormonen verurteilt und sie zum Aufgeben dieser Institution gezwungen.

Eine Rundfahrt durch die Stadt zeigte uns, was hier geleistet worden ist und wie die Mormonen es verstanden haben, den sterilen Boden durch unermüdliche Arbeit urbar zu machen. Im angenehmen Gegensatz zu Vancouver und Butte City erblickten wir hier Alleen, welche die Straßen einsäumen, und rings um die Häuser geschmackvolle Gärtchen mit immergrünem, üppigem Rasen; an den Wänden der Gebäude ranken sich verschiedene Schlingpflanzen empor, so dass jede Behausung in erfreulicher Weise die Vorliebe der Bewohner für Nettigkeit und deren Wohlgefallen an grünendem Schmuck dartut. Bäume und Gärten lassen die schachbrettartige Anlage der Stadt weniger monoton erscheinen, und einzelne Bauten sind ganz geschmackvoll ausgestattet; durch die schnurgerade gezogenen Straßen saust eine ewig klingelnde Tramway mit elektrischem Betriebe, doch sieht man auch viele gute Traber vor leichte Wagen gespannt.

Das Tabernakel ist ein riesenhafter Bau von elliptischer Form. 76m lang, 45 m breit und 21 m hoch; das Dach, von 44 schlanken Sandsteinpfeilern getragen, ist aus Holz konstruiert, mit eisernen Schindeln bedeckt und stellt eine der größten freien Bogenwölbungen der Welt dar. Der große Innenraum, welcher für die gottesdienstlichen Handlungen der Mormonen bestimmt ist, gleicht einem gigantischen Theater; das Parquet und die hölzerne Galerie umfassen 8000 Sitzplätze, während im ganzen 12.000 Personen Raum finden können; am Westende befindet sich eine Plattform mit Stühlen für den Präsidenten, die Bischöfe, die 12 Apostel und die Redner sowie für den Chor, der um eine mächtige Orgel angeordnet ist. Von außen erinnert das vollständig schmucklose Tabernakel an eine ungeheuerlich große Schildkröte.

Da nur jeden Sonntag um 2 Uhr nachmittags ein feierlicher Gottesdienst stattfindet, konnten wir einem solchen nicht beiwohnen, was wir lebhaft bedauerten. Die Akustik dieses gewaltigen Baues ist eine vorzügliche; man hört, trotz der Länge des Saales, jedes am entgegengesetzten Ende im Flüstertone gesprochene Wort und vernimmt sogar das Niederfallen einer Stecknadel auf die Galeriebrüstung, ein Experiment, welches unser Führer mit Stolz produzierte.

Östlich vom Tabernakel liegt der neue, im Jahre 1862 vollendete Tempel, ein stattlicher Bau aus lichtgrauem Granit mit je drei Türmen an den beiden Schmalseiten; der mittlere Turm der ostwärts gewandten Hauptfassade ist von einer Kolossalfigur aus reichvergoldetem Kupfer, den Mormonen-Engel Moroni darstellend, gekrönt. Da meiner Ansicht nach die Höhenverhältnisse dieses Gebäudes mit dessen Breite nicht in harmonierenden Einklang zu bringen sind, kann ich dasselbe nicht schön nennen; doch wirkt es durch seine Größe imposant. In dem Tempel werden geistliche Handlungen, so Trauungen, Taufen und die Konsekrationen zu Priestern und Bischöfen vollzogen, sowie Predigten gehalten und besondere Gebete verrichtet. Der neue Tempel hat bis nun 4,000.000 Dollars gekostet und soll in seinem Innern reich dekoriert sein; leider ist jetzt der Eintritt nur den Mormonen gestattet, weshalb wir uns mit der Besichtigung der Außenseite begnügen mussten.

Unweit des Tempels sahen wir das Tithing Storehouse, woselbst die Mormonen den ziemlich bedeutenden Zehnten in natura entrichten müssen und eben Gefährte mit abzuliefernden Waren standen. An diesen prosaischen Bau schließt sich ein kleiner Stadtteil, welcher ehedem Brigham Young, der seine Gemeinde wie ein kleiner Tyrann beherrscht hat, zu eigen war; hier sind das Bienenkorb- und das Löwenhaus, mit entsprechenden symbolischen Emblemen geschmückt, erwähnenswert, da in diesen Gebäuden zehn Frauen des Propheten wohnten, während dessen Lieblingsgattin eine gegenüberliegende Villa für sich allein besaß. Brigham Young hatte 42 Frauen und erfreute sich gesegneter Nachkommenschaft, deren Zahl, nach differierenden Mittheilungen, auf 56 bis 76 angegeben wird; wenn auch nur die erstgenannte Ziffer der Wahrheit entspricht, dürfte der seltene Familienvater nicht geringe Schwierigkeiten bei der Ernährung seines Hausstandes und der Erhaltung des häuslichen Friedens gefunden haben.

Unter den Gentiles cursieren sehr drastisch aufgefasste, photographische Karikaturen über das Eheleben Brigham Youngs, welche allein schon genügen würden, von dem Beitritt zu dieser Sekte abzuhalten. Gegenwärtig leben noch drei Witwen des vielbeweibten Mannes, sowie einige Söhne; einem dieser Sprossen begegneten wir in den Straßen.

An der Stelle, wo Brigham Young mit seiner Mormonenschar nach langer Wanderung halt gemacht, das umliegende Terrain verteilt und die Anlage der Stadt angeordnet hat, erhebt sich ein wenig geschmackvolles Standbild, einen Adler darstellend, welcher, einer brütenden Henne gleich, auf vier plumpen, eisernen Bögen sitzt. Das Grab des 1877 verstorbenen Brigham Young und mehrerer seiner Frauen liegt, nur mit einem schmucklosen Stein überdeckt, auf einem Rasenplatz, welcher von Pappeln und einem schmiedeisernen Gitter umgeben ist.

Die schönste Aussicht über Stadt und Umgebung bis zur weiten Fläche des Salt Lake bietet sich vom Prospect Hill dar; mit Freude ruht das Auge auf den zahlreichen Pappel-, Akazien- und Ahornalleen sowie auf den Gärten, über welche der Tempel und das Tabernakel unförmlich groß emporragen. Von hier ist auch das Fort Douglas zu sehen, welches vom “Uncle Sam” erbaut wurde, als die Mormonen mit den Gesetzen und Einrichtungen der Union allzu sehr in offenen Widerspruch geraten waren.

Unser redseliger Kutscher, der mit Freund “Whisky” auf recht intimem Fuße zu stehen schien, führte uns dann noch in der ganzen Stadt umher, zeigte uns die Häuser der hervorragendsten Mormonen und die schönsten Hotels, darunter das Templeton-Hotel, in dem ich mittels Lifts in das vierte Stockwerk fuhr, um auch von hier den Rundblick zu genießen.

Schließlich besuchten wir einige Curio Shops, in welchen sehr hübsche Objekte, besonders Mineralien aus den zahlreichen umliegenden Bergwerken, Erzeugnisse von Indianern und Felle feilgehalten wurden. Die Mormonen, welche ich bei dieser Gelegenheit sprach, machten kein Hehl daraus, dass sie sich durch die stete Zunahme der Gentiles sehr gedrückt fühlten und dass die Polygamie, obzwar sie gesetzlich nicht anerkannt sei, insgeheim doch fortbestünde.
Den Rest des Nachmittages verbrachte ich, während meine Herren nochmals in die Stadt fuhren, schreibend in meinem rollenden Haus, dem Pullmann Car. Gegen Abend entlud sich unter Donner und Blitz bei strömendem Regen ein arges Unwetter, welches uns bei der Abfahrt nach Colorado Springs das Geleit gab.

Links

  • Ort: Salt Lake City, Utah, USA
  • ANNO – am  29.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück “Pitt und Fox”, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Die Walküre” aufführt.

Salt Lake City — Colorado Springs, 29 September 1893

A fertile valley features the cultivation of grain and fruit but most of all pumpkins and melons, but the ridges are as bare as those we passed on the day before. Soon we discovered the great salt lake that is 129 km long and 48 km wide and stands out by its high salinity of 22,4 percent compared to 3,5 percent of sea water. Only the water of the Dead Sea at 25 percent surpasses it. Just before Salt Lake City we came close to the lake shore and passed multiple bathing places such as for instance the sanative Beck’s Hot Springs. Vermilion bushes that cover the otherwise bare ledges added some variety into the quite monotonous landscape.

In Salt Lake City we at once got in a carriage to visit the “tabernacle”, the main sanctuary of the Mormons and the other sights of the city.

The founder of the Mormon sect was Joseph Smith who organized his followers into a congregation in the 25th year of his life on 6th April 1830 in Fayette, a small town in the state of New York. In the next year they relocated to Ohio and chased away from there in 1833 to Missouri. Evicted out of this state too, the Mormons turned by the way of Caldwell county to Illinois where they built in Hancock county the city of Nauvoo and a beautiful temple in 1840. But they came into conflict with the other inhabitants that led to its destruction four years after Nauvoo’s foundation and to an open fight in which Smith perished. Brigham Young, Smith’s successor in the prophet’s position, emigrated with 1500 men and trekked on trying roads over the Rocky Mountains to the Great Salt Lake where the congregation settled in 1847 and founded the state of Utah. After it had already been recognized as a territory after three years, the federal government appointed Brigham Young as its governor which led to a special boom time for the colony despite many conflicts. In our days, however, one remarks a decline. The number of gentiles — non-Mormons — has increased very much which seems to have markedly changed the social relations. Furthermore the legislative of the United States has condemned the Mormons’ polygamy and forced them to give up this practice.

A tour of the city showed us what has been achieved here and how the Mormons have managed to turn the sterile ground fertile by untiring labor. In an agreeable contrast to Vancouver and Butte City we saw here avenues that line the streets and tasteful gardens around the houses with evergreen luxurious lawns. On the building’s walls various climbing plants are entwining themselves so that each house displays in a pleasant way the preferences of its occupants for neatness and their enjoyment of green ornaments. Trees and gardens make the chessboard-like structure of the city look less monotonous and some buildings are quite tastefully designed. Through the streets drawn straight as an arrow dashes a continuously ringing electric tramway but one also still sees many good trotters pulling light wagons.

The tabernacle is a giant elliptical building. 76 m long, 45 m wide and 21 m high. The roof carried by 44 slender sandstone pillars is constructed out of wood and covered with iron shingles. It constitutes one of the largest open vaults of the world. The large interior space that is intended for church service activities of the Mormons resembles a gigantic theater.  The floor and the wooden gallery contain 8000 seats, while there would be room for 12.000 persons in total. At the Western end is a platform with chairs for the president, the bishops, the twelve apostles and the speakers as well as the choir that is arranged a mighty organ. From the outside the completely unadorned tabernacle is reminiscent of an incredible large turtle.

As there is a festive church service only every Sunday at 2 o’clock in the afternoon we could not attend one which we vividly regretted. The acoustics in this huge building are excellent. Despite the length of the hall one hears every word whispered at the opposite end and can even hear the fall of a pin onto the gallery balustrade, an experiment our guide proudly demonstrated.

To the East of the tabernacle lies the new temple completed in 1862, a stately building of light-grey granite with three towers each on both narrow sides. The middle tower of the Eastward facing main façade is crowned by a colossal statue made out of richly gilded copper that represents the Mormon angel Moroni. As, in my view, the proportions of this building’s height to its width can not be brought into harmonic accord, I can not declare it beautiful. But due to its size it has a commanding look. In the temple religious acts are performed such as marriages, baptisms and consecrations of priests and bishops as well as sermons preached and special prayers held. The new temple did cost 4,000.000 dollars up to now and is said to be richly decorated in its interior. Unfortunately the entrance is permitted only to Mormons. That’s why we had to make do with viewing only its exterior.

Not far from the temple we saw the tithing storehouse where the Mormons have to deliver the quite considerable tithe in kind and for this purpose there were vehicles with goods to be delivered. Next to this prosaic building was a small district owned once by Brigham Young who ruled his congregation like a small tyrant. Here there are the hive house and the lion house ornamented with their respective symbolic emblems. They are worth mentioning as in these buildings lived ten wives of the prophet while his favorite wife owned a villa for herself alone on the opposite side.  Brigham Young had 42 wives and was blessed with children whose numbers according to different sources are said to be 56 to 76. Even if the former number is the right one, the unusual head of the family must have had not inconsiderable difficulties in providing food for his household and upholding domestic tranquillity.

Among the gentiles very drastically interpreted photographic caricatures are circulating about the marital life of Brigham Young which would in itself be a sufficient deterrent to join this sect. Currently three widows of the the much-married man are still alive as well as some sons. One out of this offspring we encountered in the streets.

At the spot where Brigham Young and his band of Mormons ended their long trek and divided the surrounding terrain and organized the planning of the city rises a not very tasteful statue showing an eagle that sits like a brooding hen on four plump iron arches. The grave of Brigham Young who died in 1877 and those of many of his wives are covered only with an unadorned stone in a lawn surrounded by poplars and a wrought iron gate.

The most beautiful view upon the city and its surroundings to the wide area of the salt lake is offered from Prospect Hill. With pleasure the eye is resting on the numerous poplar, acacia and maple avenues as well as the gardens over which the temple and the tabernacle are towering in their huge bulkiness. From here one can also see Fort Douglas that “Uncle Sam” has built after the Mormons had come into too much open contradiction of the laws and institutions of the United States.

Our talkative driver, who seemed to have been a very intimate friend of “Whisky”, then guided us across the whole city and showed us the houses of the most important Mormons and the most beautiful hotels, among them the Templeton Hotel where I took the elevator to the fourth floor to enjoy the panorama from there too.

Finally we visited some curio shops in which very pretty objects, especially minerals from the numerous mines in the vicinity, Indian objects and furs were offered. The Mormons with which I spoke during this encounter made no secret about their feeling much pressure from the constant increase of gentiles and that the polygamy was still continuing despite it being no longer recognized by law.

The remaining time of the afternoon I spent writing in my rolling home, the Pullman car while my gentlemen drove again into the city. Towards the evening a bad tempest unloaded itself in pouring rain with thunder and lightning which escorted us out of the city during our departure  to Colorado Springs.

Links

  • Location: Salt Lake City, Utah, USA
  • ANNO – on 29.09.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing the comedy “Pitt und Fox”. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Die Walküre”.

Livingston — Butte City, 28. Sept. 1893

Der Zug führte uns auf einer Zweiglinie der Northern Pacific Railway in südöstlicher Richtung durch eine öde und traurige Gegend, durch unkultiviertes, hügeliges Terrain, und nur in der Ferne waren die Gipfel der Rocky Mountains zu erblicken; allenthalben sahen wir Vieh in großer Zahl, welches trotz des ärmlichen Bodens gut genährt schien. Anderthalb Stunden vor Butte City wurde das Land gebirgig, die Eisenbahn übersetzte auf hohen Holzbrücken tief eingeschnittene Täler und Schluchten; zahlreiche rundliche Felsblöcke auffallender Größe lagen überall umher, spärlichem Baumwuchse nur wenige freie Stellen einräumend.

An vielen Punkten nahmen wir deutliche Anzeichen des Bergbaues wahr, welcher in diesem erzreichen Distrikt der Rocky Mountains lebhaft betrieben wird und dessen Zentrum Butte City ist. Diese, eine Minenstadt im vollsten Sinne des Wortes und in einem bergumrandeten, kahlen Tal gelegen, ist schon aus der Ferne an den rauchenden Schloten kenntlich. Im Mittelpunkt des städtischen Weichbildes ragt ein erzreicher Hügel auf, dessen Kupfer- und Silberschätze durch mehrere Minen erschlossen sind; die zu diesen gehörigen Maschinenhäuser, verschiedene Wäschereien und große Haufen tauben Gesteines bedecken des Hügels Oberfläche; kleine Bahnen, auf denen Wagen und Hunde mit den gewonnenen Erzen rollen, führen von Werk zu Werk; überall dampft, hämmert und pocht es.

Um diesen Hügel reihen sich die Stadt und einzelne Ansiedlungen, welche im Laufe der Zeiten zu Vorstädten geworden sind, so dass Butte gegenwärtig 40.000 Einwohner zählt. Wenn amerikanische Städte schon überhaupt den Ruf genießen, geschmacklos erbaut zu sein und einen ernüchternden Eindruck hervorzubringen, so leistet Butte City hierin wohl das Ärgste.

Man denke sich ein Gemeinwesen von beträchtlicher Ausdehnung, in dem nicht ein Baum, nicht ein grünender Fleck das Auge erfreut, die Häuser kunterbunt auf den Lehm oder Sand hingebaut sind, in den entlegeneren Straßen beinahe an Zigeunerwagen gemahnen, überall aber das Non plus ultra der Geschmacklosigkeit erreichen; die Straßen sind holperig wie elende Landwege. Und doch leben in der Stadt zahlreiche Millionäre, die sich aber hier keinerlei Annehmlichkeit gönnen, ihr trauriges Heim nicht zu verschönern verstehen und nur Dollar auf Dollar häufen.

Ein dichtes Netz von Drähten breitet sich über den Dächern aus und grellfarbige Annoncen mit aufdringlicher Reklame bedecken die Fronten und Seitenwände aller Gebäude. Innerhalb einer zweistündigen Rundfahrt habe ich nie abstoßendere Eindrücke empfangen als hier, bin aber doch befriedigt, Butte City gesehen zu haben, weil meine Ansicht, dass man selbst sehen muss und sich sein Urteil nicht durch Beschreibungen formen lassen darf, neuerlich bekräftigt wurde.

Es interessierte mich noch, eines der Bergwerke kennen zu lernen, und ich fuhr daher zu einer Mine, woselbst mir bedeutet wurde, dass Beamte und Arbeiter beim Lunch seien und der Betrieb eingestellt wäre, was den Schluss zuließ, dass europäische Schichteneinteilung, bei welcher eine Stockung in der Arbeit vermieden bleibt, hier im “freien” Land wohl nicht durchführbar ist. Nach längeren Pourparlers erklärte sich ein Arbeiter bereit, uns das Bergwerk zu zeigen, das auf 335 m abgeteuft sein soll und in das wir zu sieben auf einer Schale einfuhren. die eigentlich nur für vier Personen bestimmt ist. Zum Glück machten wir schon im zweiten Horizont halt und verfolgten, jeder mit einer flackernden Kerze versehen, einen Stollen, bis wir, über mehrere Leitern kletternd, an die Arbeitsplätze kamen. Hier zeigten sich die kupfer- und silberhältigen Adern in einem Gestein, das merkwürdigerweise auf eine lehmartige Masse führt.

Der Abbau geschieht in Terrassen, welche übereinanderliegen und durch starke Holzpfeiler gestützt sind, wie denn auch an anderen Stellen mit dem hierlands so wohlfeilen Holze nicht gespart wird. Der Ertrag des Bergwerkes dürfte ein mäßiger sein, weil es nur 60 Arbeiter beschäftigt und ziemlich verwahrlost aussieht; ich verzichtete daher auf den Besuch der zur Zeit ebenfalls feiernden Wäscherei und Schmelzerei und kehrte zum Bahnhof zurück.

Daselbst begann eben eine geraume Zeit währende Verschiebung unseres Waggons, wobei, wie wir schon öfter zu erfahren Gelegenheit hatten, die Maschinen so heftig anprallten, dass die Waggons nur durch ihre vortreffliche Konstruktion vor Beschädigung bewahrt wurden.

Leichten Herzens schieden wir von Butte City und fuhren bis zum Einbruch der Dunkelheit südwärts gegen Salt Lake City durch ein kahles Tal mit zahlreichen kleinen Stationen; längs der Bahn tummelten sich vielköpfige Herden. Einige schöne Lichteffekte, welche die scheidende Sonne in den Bergen hervorzauberte, entschädigten einigermaßen für die Eintönigkeit der Gegend.

Links

  • Ort: Butte City, Idaho, USA
  • ANNO – am  28.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück “Das Heiratsnest”, während das k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet “Die goldene Märchenwelt” aufführt.

Livingston — Butte City, 28 September 1893

The train led on a branch line of the Northern Pacific Railway in a Southeastern direction across a bare and sad area, through uncultivated hilly terrain and only in the distance the peaks of the Rocky Mountains were visible. Everywhere we saw cattle in great numbers that seemed to be well nourished despite the poor soil. One and a half hour before Butte City the land turned mountainous. The train crossed deeply cut valleys and gorges on tall wooden bridges. Numerous round rock blocks of considerable size were laying around everywhere allowing only sparse tree growth in the few open places.

At many points we could see clear signs of mining that is very actively undertaken in this Rocky Mountain district rich in ore and centered on Butte City. This mining city in the purest sense of the word is situated in a bare valley surrounded by mountains and is recognizable from afar by its smoking stacks. In the middle of the surrounding area of the city rises a hill rich in ore whose copper and silver deposits are extracted by several mines. The attached machine houses, various laundries and large heaps of dead rocks covered the surface of the hill. Small tracks on which wagons and sledges with the mined ore moved led from site to site. Everywhere there was smoke, hammering and knocking.

Around this hill are arranged the city and some settlements that have in time become suburbs, so that Butte currently has 40.000 inhabitants. If American cities in general are known to have been built without taste and present a chilling sight, then Butte City must count to be among the worst.

One should imagine a community of a considerable extent where not one tree, not one spot of green, the motley houses are built on clay or sand and in the more distant roads are reminiscent of gypsy wagons. Everywhere the Non plus ultra of tastelessness is achieved. The roads are bumpy like a miserable country road. And still there are millionaires living in the city but they do not indulge in any luxuries here and do not embellish their sad homes and only amass dollars.

A dense network of wires extended over the roofs and bright boards with obtrusive ads covered the front and side walls of all buildings. In a two-hour tour I have never receiver viler impressions than here but am still satisfied to have seen Butte City as my opinion that one has to see for oneself and not let one’s judgement be formed only by descriptions was confirmed once more.

I was interesting in visiting one of the mines and thus I drove to a mine where I was informed that the officials and workers were at lunch and the mine at rest which made me conclude that a European shift organization that prevented the interruption of the work flow was not possible to install in this “free” country here. After longer discussions, one worker was ready to show us the mine which was said to go down 335 m and we entered as seven on a sledge intended for four persons. Fortunately we stopped already at the second level and, each equipped with a flickering candle, followed a gallery until we arrived at the work place after we had climbed over multiple ladders. Here the copper and silver veins in the rock were visible in a strange clay mass.

Mining is done in terraces that lie one above the other and are supported by wooden pillars and as elsewhere, they do use plenty of the cheap wood here. The profit  of the mine seems to be small as only 60 workers were employed and everything looked quite shabby. I thus refrained from visiting the likewise resting laundry and smeltery and returned to the station.

Then started an extended period of shifting our wagons in which they were pushed together so forcefully that only their excellent construction prevented damage, as we often had had the opportunity to observe this.

Light-heartedly we parted from Butte City and drove up to dusk to the South towards Salt Lake City through a bare valley with numerous small stations. Alongside the tracks numerous herds were mingling. Some beautiful light effects were produced by the setting sun in the mountains and compensated for the strong monotony of the area.

Links

  • Location: Butte City, Idaho, USA
  • ANNO – on 28.09.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing the comedy “Das Heiratsnest”. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the ballet “Die goldene Märchenwelt”.

Mammoth Hot Springs Hotel — Livingston, 27. Sept. 1893

Da auch mit dem Morgenzug noch immer keine Postsendung eingelangt war, machte ich, die Zeit bis zur Abfahrt nach Cinnabar benützend, dem Captain Anderson, Kommandanten der hier bequartierten Kavallerieabteilung, einen Besuch, um dessen kleine, zur Absendung nach Washington bereitgehaltene Menagerie zu besehen. Captain Anderson hatte mich am Abend vorher in gelinde Verzweiflung versetzt, als er mir versicherte, dass er uns, wenn ihm unsere Wünsche nur wenige Tage vorher bekannt geworden wären, die Erlaubnis hätte erwirken können, im Park Raubwild schießen zu dürfen. Wie leicht hätte ich da einen der konservenlüsternen Bären erlegen können!

Der Kapitän bewohnt ein nett eingerichtetes Holzhaus und wusste mir manch interessantes Detail über die Verhältnisse im Park zu erzählen. Seine Escadron hat einen sehr anstrengenden Dienst, da viele Posten und Patrouillen zu versehen sind, die hauptsächlich auf die zahlreichen Wilddiebe zu fahnden und bei deren Keckheit wohl auch manche Gefahr zu bestehen haben. Einem Wilderer wurde kürzlich ein nettes Pony abgenommen, das in der Nähe des Wohnhauses stand.

Die Menagerie war klein, zählte aber bemerkenswerte Stücke, so ein Stachelschwein, einen jungen Bussard, ein dachsartiges, mir unbekanntes Tier, drei ziemlich zahme Biber, die sich sogar aus dem Käfig herausnehmen ließen und frei umherspazierten. In einem eisernen Käfige saß ein schwarzer Bär, welcher erst vor wenigen Tagen gefangen worden war und nun auch die Reise nach Washington antreten sollte. Vier reizende Wapiti-Kälber waren ganz zahm, kamen auf einen Ruf herbei, uns neugierig beschnüffelnd, während ein Fuchs schleunigst seinen künstlichen Bau aufsuchte und von Zeit zu Zeit mit schlauem Blick aus einer Röhre hervorlugte, sich aber bei jeder Annäherung sofort wieder zurückzog.

Im Lauf des Vormittags langten einige Karawanen von “Sauerteig-Touristen” an, welchen Namen hier die mit hochbepackten Wagen, mit Kind und Kegel den Park durchziehenden und ihn nun verlassenden Familien führen, deren mehreren wir bereits am ersten Tag unserer Tour begegnet waren. Gefährte, Gepäck und Insassen trugen deutlich wahrnehmbare Spuren des zigeunerhaften Umherstreifens an sich. Die Art, in der diese Naturschwärmer den Park bereisen, ist zweifellos eine höchst eigentümliche und uns kaum verständliche Form, Sommerfrische zu genießen. Irgendwelchen Ansprüchen an Komfort dürfen die Reisenden nicht huldigen, und ob sie für die mannigfachen Entbehrungen der mühseligen Fahrt in der Ungebundenheit des Daseins Ersatz linden, da dieses doch von der Gunst des Zufalles und von der Laune des Wetters abhängig ist, mag dahingestellt bleiben, scheint aber der Fall zu sein.

Auf dem kleinen Platze besichtigte ich noch eine Abteilung Kavallerie, ungefähr eine halbe Escadron, welche unter Kommando eines Offiziers exerzierte. Die Truppe übte Aufmärsche und Bewegungen, die etwas komplizierter als bei uns ausgeführt wurden; die Entwickelung einer Schwarmlinie, bei welcher zu Pferde der Karabiner ergriffen wird, scheint eine der wichtigeren Evolutionen zu sein. Die Pferde waren auffallend groß, stark und auch gut, zumeist Schimmel; das Reiten der Leute und besonders die rüde Behandlung der Pferde waren mir weniger sympathisch. Die Reiter trugen einheitlich dunkelblaue Uniformen mit gelben Lampassen auf den Beinkleidern, hiezu graue Schlapphüte und hohe, schwere Stiefel; die Bewaffnung bestand aus Säbel, Revolver und Karabiner; dieser und der Säbel waren am Sattel befestigt.

Nach Cinnabar kamen wir diesmal rascher als bei der Herfahrt, weil die Wege in besserem Zustande waren und es größtenteils bergab ging. In dem genannten Ort mussten wir noch lange auf den Abgang des Zuges der Northern Pacific Railroad warten, welcher uns
über Livingston nach Butte City bringen sollte, von wo aus wir das Zentrum des Mormonentums, Salt Lake City, unser nächstes Reiseziel, zu erreichen gedachten.

Während der Wartezeit in Cinnabar unterhielten wir uns mit einem alten Sachsen, der vor 30 Jahren seiner Heimat entlaufen war, um in Amerika ein freies Jäger- und Trapperleben zu führen, das ihm anscheinend sehr gut anschlug; gegenwärtig betreibt der Mann einen schwunghaften Handel mit Bärenfellen und versteinertem Holz. Mit besonderer Begeisterung erzählte er von seinen Jagdzügen, auf welchen er das aus dem Park auswechselnde Wild schießt, that jedoch, als ich ihn fragte, ob er verheiratet sei, sehr entrüstet und bekannte sich somit als überzeugungstreuer Hagestolz.

Infolge eines günstigen Zufalles bekam ich hier auch die kühnste Reiterin der Gegend zu Gesicht, welche selbst das stützigste und wildeste Pferd zu bändigen vermag, dafür aber, was Schönheit und weibliche Anmut betrifft, von der Natur sehr stiefmütterlich behandelt worden ist.

In Livingston mussten wir unseren Pullmann Car auch als Nachtquartier beziehen, weil der Zug nach Butte City erst um 4 Uhr morgens eintreffen sollte. Erstere Stadt ist ein bekannter Handelsplatz für Felle und Pelze; in den Läden sind käuflich: Puma-, Bären-, Wolf-, Fuchs-, Katzen- und Marderfelle, Büffeldecken, zahlreiche Geweihe, unter welchen sich capitale, vom Wapiti- und Black-tail-Hirsche sowie vom Bergschafe stammende Exemplare befanden; weiters eine Menge Indianerkuriositäten, als Waffen, Schmuck und verschiedene Erzeugnisse der Hausindustrie.

Die Preise, welche die Händler forderten, waren geradezu unverschämt; doch nicht genug an dem, mussten wir es gewissermaßen als einen Akt der Gnade erbitten, das gewünschte Stück um unser gutes Geld kaufen zu dürfen oder gar eine Emballage zu erhalten. Ein einfacher Indianerkotzen kostete 10 Dollars, ein schlecht ausgestopftes Büffelhaupt 600 Dollars und ein Paar Wapiti-Stangen bis zu 200 Dollars; doch ward trotz alledem unsere Kauflust eine sehr rege, weil wir manche schöne Objekte ausfindig machten.

Als ich abends zwei meiner Herren mit allen nötigen Attesten und Beglaubigungen zum Postmeister sandte und diesen ersuchen ließ, die für uns bestimmte und mit uns fast gleichzeitig eingelangte, nach Mammoth Hot Springs Hotel adressierte Postsendung hier in Livingston auszufolgen, musste ich einen neuerlichen Beweis amerikanischer Unfreundlichkeit erleben, der unsere gute Laune arg trübte. Obschon die Herren überdies ein Schreiben des Postmeisters von Mammoth Hot Springs Hotel vorwiesen, worin dieser seinen Kollegen ersuchte, uns die verspätet eingelangte Post einzuhändigen, und letztere eben auf dem Schalter lag, so dass einzelne Adressen lesbar waren und sich konstatieren ließ, dass sich unter den Briefen auch solche befanden, deren baldiger Empfang für mich von Wichtigkeit war, wollte der unhöfliche Postmeister unsere Post um keinen Preis herausgeben, sondern beharrte, aller zur Umstimmung angewandten Mittel ungeachtet, darauf, dieselbe nach ihrem Adressort weiterzusenden; schließlich stülpte er den Hut auf und verließ, ohne weiter ein Wort zu sagen, sein Bureau.

Links

  • Ort: Livingston, Montana, USA
  • ANNO – am 27.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück “Der Meister von Palmyra”, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Romeo und Julie” aufführt.

Mammoth Hot Springs Hotel — Livingston, 27 September 1893

As the mail still had not arrived on the morning train, I used the time up to the departure to Cinnabar to pay a visit to Captain Anderson, commander of the cavalry detachment stationed here in order to have a look at the menagerie he had assembled which was to be sent to Washington. Captain Anderson had sent me into a fit of despair the evening before when he assured me that he could have arranged for a permission to hunt some predators in the park if we had announced our wishes a few days earlier. How easy it would have been to kill one of those tin-loving bears!

The captain was living in a nicely equipped log house and knew many interesting details about the affairs in the park. His squadron has a very demanding job as it requires many guards and patrols that mainly have to look out for poachers and who have to overcome many dangers given the audacity of the poachers. A poacher was just recently relieved of a nice pony that was standing near the log house.

The menagerie was small but counted among it many remarkable pieces, thus a porcupine, a young buzzard, a badger-like animal unknown to me, three rather tame beavers that could be taken out of the cage and wandered around freely. In an iron cage sat a black bear that had been caught only a few days before and was to undertake a journey to Washington. Four delightful wapiti calves were totally tame, and came running on call, sniffing us curiously, while a fox fled into its artificial cave only to peek out of a tube with a cunning glance from time to time but immediately retiring at every approach.

During the morning some caravans of “sour dough tourists” arrived which refers to the families that move through and now out of the park with a fully packed wagon, with their children and their stuff. We had encountered several of them already on the first day of our tour. The vehicle, their baggage and the passengers showed clearly visible marks of their gypsy-like roaming. The way these nature lovers visit the park is without doubt a very strange one and a hardly comprehensible way for us to enjoy the summer time. Any demands for comfort these travelers may have to forsake, and whether they find compensation for their many deprivations of their exhausting journey in their boundless existence is dependent on the favor of hazard and the weather’s caprices and thus can not be predicted but seems to be the case.

On the small square I then inspected a cavalry detachment, about half a squadron that performed exercises to an officer’s command. The troop exercised developments and movements that were a bit more complicated than those used at home. The development of a skirmish line where the carbine is grabbed while mounted seems to be one of the most important evolutions. The horses were noticeably tall, strong and also good, mostly white horses. The riding of the soldiers and the rough treatment of the horses I found less sympathetic. The riders wore standard dark-blue uniforms with yellow lacing on the pants and gray slouch hats and tall heavy boots. The armament consisted of saber, revolver and carbine. The latter and the saber were attached on the saddle.

To Cinnabar we came faster this time than the outward journey as the route was in a better condition and was mostly downhill. In this place we had to wait for a long time for the departure of the train of the Northern Pacific Railroad which would take us to Butte City by the way of Livingston. We then intend to travel on to the center of Mormonism, Salt Lake City, our next destination.

During the waiting time in Cinnabar we spoke with an old Saxon who had run away from his homeland to lead a free life in America as a hunter and trapper that apparently pleased him very much. Currently the man engages in a very brisk trade in bear furs and fossilized wood. With special enthusiasm he told us from his hunting expeditions on which he shoots the game emerging from the park but became very agitated when I asked him whether he was married and professed himself as a confirmed bachelor (Hagestolz).

Due to a happy coincidence, I was able to see the most audacious female rider of the area who is able to tame even the most intractable and wild horse, but has been quite neglected by nature as far as beauty and female grace are concerned.

In Livingston we had to use our Pullmann Car also as our night’s lodging as the train to Butte City was only to arrive towards 4 o’clock in the morning. The former city is a known trading place for furs and hides. In the shops one may buy the following: puma, bear, wolf, fox, cat and marten furs, buffalo hides, numerous antlers among them capital ones from wapiti and black-tail deer as well as from mountain sheep. Furthermore a lot of Indian curiosities such as weapons, jewellery and various products of the local industry.

The prices demanded by the merchants were completely outrageous. Furthermore we had to accept it as a kind of grace that they sold us the desired piece for our good money or even receive some sort of packaging. A simple Indian shawl cost 10 dollars, a badly stuffed buffalo head 600 dollars and a pair of wapiti antlers up to 200 dollars. Still our shopping craze was great as we had found many beautiful objects.

When I sent two of my gentlemen with all the necessary attestations and certifications to the post master in the evening and asked him to hand out my mail here in Livingston that had arrived at almost the same time as we and was addressed to Mammoth Hot Springs Hotel, I had to experience another proof of American unfriendliness that was very detrimental for our mood. Even though the gentlemen also presented a letter from the post master at Mammoth Hot Springs Hotel in which he asked his colleague to hand us out the late-arriving mail which was just then laying on the counter so that individual addresses could be read and one could note that among the letters there were also some whose quick reception was important for me, the impolite post master did not want to give us our mail at any price and insisted to send it on to the place of address despite all our means used to change his opinion.Finally he put on his hat and left his office without a word.

Links

  • Location: Livingston, Montana, USA
  • ANNO – on 27.09.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing the drama “Der Meister von Palmyra”. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Romeo und Julie”.

Mammoth Hot Springs Hotel, 26. Sept. 1893

Da ich die Wunder des Great Canons noch einmal schauen wollte, eilte ich bei Sonnenaufgang zu einem anderen Aussichtspunkt, dem Look-out Point. Die Sonne leuchtete grell in das Farbenlabyrinth und ließ besonders die gelben Töne intensiv hervortreten; in der Schlucht strich ein Fischadler auf und nieder, und über uns auf steiler Spitze war abermals ein Adlerhorst zu sehen. Vom Look-out Point stieg ich einen sehr steilen und für unsere städtischen Stiefletten ziemlich wenig geeigneten Weg gegen den Großen Wasserfall bis zu einer Klippe hinab, welche über demselben liegt und einen guten Überblick über die Stromschnellen und den Kessel des Falles ermöglicht, in dem starke Baumstämme umherwirbelten.

Da die Coach noch nicht zur Stelle war, beschlossen wir, eine kleine Jagd auf die allerliebsten, gestreiften Eichhörnchen, welche auf den Bäumen und dem Boden umherhuschten, zu veranstalten; es gab deren sehr viele, doch konnten wir, da Stöcke und Steine unsere einzigen Waffen bildeten, nur ein Exemplar erbeuten.

Die bald nach diesem verpönten Vergnügen angetretene Fahrt gieng in westlicher Richtung durch waldiges Hügelland und bot wenig Abwechslung; unmittelbar bevor wir das Norris-Hotel erreichten und wieder auf die uns schon bekannte Route kamen, ersahen wir in einer Schlucht Basaltfelsen von abenteuerlicher Gestaltung, darunter als hervorragendsten einen großen Block, “des Teufels Ellbogen”.

Bei dem drolligen Irländer frühstückten wir wieder in dem fliegenreichen Zelt und unternahmen, da die Kutscher erklärten, sie müssten die Pferde hier wenigstens anderthalb Stunden rasten lassen, in der Umgebung, möglichst gedeckt vor den aufmerksamen Augen der Soldaten, eine Fortsetzung der vormittagigen Jagd auf Eichhörnchen.

Eine Unzahl gestürzter Bäume und Holzstücke, unter welche sich die überaus flinken Tierchen blitzschnell verkrochen, und Erdbau mit weitverzweigten Gängen, die gleichfalls als Schlupfwinkel dienten, erschwerten unser Beginnen. Nachdem wir jedoch einige Zeit tüchtig umhergelaufen waren, hatten wir endlich fünf Stück auf der Strecke, darunter eines in lebendem Zustande, das, arg bedrängt, in eine leere Konservenbüchse geflüchtet war.

Während wir bei der Hinfahrt die Strecke zwischen Morris Geyser Bassin und Mammoth Hot Springs im Winterkleid und bei bedeutender Kälte gesehen hatten, bot jetzt die Landschaft ein ganz anderes Bild; der Schnee war vor den wärmenden Sonnenstrahlen gewichen, so dass die bunte Färbung der Laubbäume, welche zwischen rot, gelb und grün wechselte, zur vollen Wirkung kam, insbesondere auf dem prairieartigen Hochplateau und den Lehnen um den Swan Lake. Beim Beaver Lake zeigte sich leider keiner seiner Bewohner, der emsigen Biber, wogegen wir knapp vor dem Golden Gate einen anderen seltenen Repräsentanten der amerikanischen Tierwelt, nämlich eine Gabel-Antilope, einen auffallend starken Bock, erblickten, der auf Schussdistanz vom Wagen über die freie Fläche wechselte und wiederholt ohne jedes Zeichen von Scheu stehen blieb. Diese Antilope — Amerika besitzt nur diese eine Art — erinnerte mich in Gang und Gebaren sowohl an unser Reh, wie an die Gemse; sehr originell ist das hakenartig gebogene, starke Gehörne.

Kurz darauf sah ich auf ungefähr 200 Schritte wieder ein merkwürdiges Tier durch die niederen Büsche der Prairie wechseln, das ich zuerst nach Farbe und Gang für einen Biber hielt; doch bald erkannte ich, dass es ein Stachelschwein war, welches unsere Anwesenheit bemerkt und sich bereits zur Flucht gewendet hatte. Rasch sprangen wir vom Wagen, stürmten bei möglichster Ausnützung unserer Lungen und Beine dem Tiere nach und parforcierten es nach ausgiebigem Dauerlauf; als die Distanz zwischen uns und dem Stachelschwein immer geringer wurde, warf es sich in eine Grube, in der es mit einem Jagdmesser den Fang erhielt. Das amerikanische Stachelschwein unterscheidet sich nicht unwesentlich von dem indischen; die Stacheln sind bedeutend kürzer, am vorderen Teil des Körpers hat es lange borstige Haare und ist dunkler gefärbt.

So hatten wir denn, ohne das “No Shooting” im Yellowstone-Park übertreten zu haben, doch ein Stinktier, ein Stachelschwein und sechs Eichhörnchen, nebst einem unschuldigen Finken, welcher bei der Eichhörnchenjagd durch ein Wurfgeschoss getroffen worden war, auf der Strecke und hoben, obgleich die Jagd keine sehr edle in Sanct Huberto genannt werden konnte, unsere letzte und interessanteste Beute gleichwohl freudig auf den Wagen.

Gegen Abend langten wir im Mammoth Hot Springs Hotel ein, wo unser eine arge Enttäuschung harrte; denn die lange erwartete und mit Bestimmtheit zugesagte Post war noch immer nicht eingetroffen.

Links

Mammoth Hot Springs Hotel, 26 September 1893

As I wanted to see the wonders of the Great Canyons again, I rushed at sunrise to another viewing point called Look-out Point. The sun was shining brightly into the color labyrinth and made the yellow tones stand out especially intensely. In the gorge an osprey was flying up and down and above us on a steep peak one could once again see an aerie. From Look-out Point I went up the very steep path with my quite unsuitable urban half-boots  to the great waterfall to the cliff that lay above it and offers a good overview of the rapids and the fall’s cauldron in which tree trunks were swirling.

As the coach was not yet there in place, we decided to undertake a small hunt for the most lovely striped squirrels that were scurrying around on the trees and the ground. There were many of them but we managed to bag but one as sticks and stones were our only weapons.

The drive soon after this frowned upon entertainment went in a Western direction through wooded undulating land and offered little variety. Just when we reached the Norris Hotel and returned to the already familiar road, we saw basalt rocks of adventurous forms in a gorge, among them an eminent big block called the “devil’s elbow”.

At the funny Irishman’s we ate breakfast again in the tent with numerous flies and continued the morning’s hunt for squirrels, with as much cover as possible from the watchful eyes of the soldiers, as the coachmen declared that they had to rest their horses here for at least one and a half hours.

An immense number of fallen trees and wood pieces under which the very fast animals disappeared lightning-fast and into their burrows with wide-ranging passages that served also as hiding places made our start more difficult. After we had bravely run around for some time, we had finally bagged five pieces one among them still alive as it had fled into an empty tin box when it was pursued hard.

While we had seen the road between Morris Geyser Basin and Mammoth Hot Springs in winter dress and in considerable cold weather, the landscape now offered a very different picture: The snow had given way to the warming rays of the sun, so that the colors of the broadleaf trees that were changing between red, yellow and green were put on display to the fullest, especially the prairie-like high plateau and the ledges around Swan Lake. At Beaver Lake, none of its inhabitants. the industrious beavers, showed up while just before the Golden Gate another rare representative of the American animal world, namely the pronghorn, an especially notable strong male, became visible at shooting distance from the wagon and ran across the open area and repeatedly stood still without any sign of timidity. This antelope — America possesses but this one species — reminded me in gait and behavior of both our deer and the chamois. Very original are the hook-like crooked strong antlers.

Shortly afterwards I saw another strange animal move through the low bushes to the prairie at about 200 paces. At first I considered it to be a beaver due to its color and gait, but I soon recognized that it was a porcupine that had noticed our presence and had already turned around to flee. Quickly we jumped from the wagon and stormed after the animals using our lungs and legs to their fullest capacity and cornered it after an extended run. When the distance between us and the porcupine became to small, it jumped into a ditch where it was killed with a hunting knife. The American porcupine is quite different from the Indian one: The pines are considerably shorter, the front part of the body has long bristly hairs and it is of a darker color.

So we nevertheless bagged, without breaching the “No Shooting” in the Yellowstone Park, a skunk, a porcupine and six squirrels as well as an innocent finch that had been hit by a projectile during the squirrel hunt. We still lifted, even though the hunt could not be called a noble one in honor of St. Hubert, our last and most interesting catch into the wagon with joy.

Towards the evening we arrived at the Mammoth Hot Springs Hotel where a major disappointment awaited us as the long expected mail had not yet arrived despite it being firmly promised.

Links

Grand Canon Hotel, 25. Sept. 1893

Vor Kälte klappernd verließen wir am frühen Morgen unser Lager, um unter wolkenlosem Himmel nochmals dem Fischfang zu obliegen; der Dampfschiffbesitzer, welcher neben dem Hotel wohnt und einer der wenigen zuvorkommenden Amerikaner war, die ich kennen lernte, lieh uns das nötige Angelgeräte, mit welchem ausgerüstet wir nach einer kleinen Traversade über den See bald wieder am Fluss waren. Diesmal fischte jeder von uns allein in einem Boot, und ich ließ mich weiter flussabwärts rudern, weil ich dort eine günstigere Stelle vermutete.

Während der Überfahrt konnte ich die zahlreiche Arten aufweisende Vogelwelt des Yellowstone Rivers beobachten; Entenflüge zogen unausgesetzt auf und nieder, Gänse flatterten mit lautem Geschrei auf, Möven strichen eleganten Fluges pfeilschnell einher und Bussarde, Weihen und Fischadler zogen ihre Kreise über dem Kahn, dessen Bewegungen von den Hehern, die auf dem Ufer aufgebäumt hatten, mit heiseren Lauten begleitet wurden.

In einer kleinen Bucht, die mir für den Fang günstig schien, legte ich das Boot vor Anker und ging mit großer Geduld an mein Werk: zu meiner Freude biss nach etwa einer Stunde die erste Forelle an, welcher nach längeren Zwischenräumen weitere vier Stücke folgten, deren jedes ungefähr ein Kilogramm wog; einige andere Forellen, die ich schon erbeutet glaubte, gingen mir wieder verloren, da es mitunter nicht möglich war, die an der Angel hängenden, blitzschnell umherschießenden Fische sofort ins Boot zu bringen. Man konnte deutlich erkennen, wie die Fische infolge der Kälte nur widerstrebend die lockende Fliege annahmen, die sie oftmals umspielten, ohne darnach zu schnappen. In der guten Saison muss der Fischfang hier einen sehr unterhaltenden Sport bilden, da man zu jener Zeit, wie ich hörte, binnen kürzester Frist an hundert Stücke fangen kann.

Als in der Folge keine Forelle mehr anbeißen wollte und mein Bemühen auch an einer anderen Stelle fruchtlos blieb, vereinigte ich mich mit den anderen Herren, die ebenfalls einige Beute hatten, und kehrte zum Hotel zurück, wo sieben in der Nacht gefangene und getötete Stinktiere zu sehen waren. Diese besitzen einen dachsartigen Körper und weiches, schwarz und weiß geflecktes Fell; da sie die ganze Umgebung, in der sie sich befinden, durch ihren penetranten Geruch verpesten, werden sie eifrig verfolgt.

Nachmittags machten wir uns in unserer Coach auf den Weg zum Yellowstone Canon, zuerst dem Ufer des Sees, dann jenem des Yellowstone-Flusses folgend. Bald hörte der geschlossene Wald auf und machte freien, mit Artemisia-Pflanzen bedeckten Stellen Platz, die, von Bäumen umgeben, dem Wild ein treffliches Äsungsterrain bieten; wohl manche Büffelherde dürfte einstmals diese Plätze aufgesucht haben.

Auf halbem Wege, nächst der Straße, zeigt sich eine der seltsamsten Erscheinungen des Parkes, der Mud Cauldron oder Schlammgeyser, ein tiefer Trichter, aus dessen seitlicher Öffnung unausgesetzt unter starker Dampfentwickelung und dumpfem Dröhnen blaugrauer, kochender Schaum ausgeworfen wird, was sich recht unheimlich ausnimmt. Jeder Gegenstand, der hineingeworfen wird, verschwindet in der schauerlichen Öffnung für immer, nur Holzstücke kommen manchmal für kurze Zeit, doch bereits ganz zersetzt wieder an die Oberfläche.

Das nördlicher gelegene Hayden Valley, ein völlig baumloses, ödes Tal mit wellenförmigen Hügelketten, wird von einem Bächlein in Schlangenwindungen durchflossen; ein noch sichtbarer, ausgetretener Pfad zeigt den Weg an, den einst ein ganzer Indianerstamm, nach bedeutenden Verlusten im Kampf gegen andere Stämme mit Weib und Kind aus den südlichen Gebieten in den Norden auswandernd, benützt hatte. Heutzutage ist es den Indianern untersagt, das Territorium des Yellowstone-Parkes zu betreten.

Als wir eben über eine Brücke gefahren waren, erblickte ich ein Stinktier vorbeiwechseln; dem Kutscher “Stop” zurufen, die Stöcke ergreifen und aus dem Wagen springen, war Eins, und nun begann eine sehr heitere Jagd, bei der wir Steine als Wurfgeschosse verwendeten. Das Stinktier wollte, obwohl in die Enge getrieben, durchaus nicht das Wasser annehmen, sondern lief am Ufer auf und ab, bis es sich endlich stellte und von seinem letzten Rettungsmittel, einem abscheulichen Parfüm, den ausgiebigsten Gebrauch machte, was uns aber nicht abhielt, es gleichwohl zu erbeuten. So hatten wir im Gefilde des Parkes, wenn auch ohne die Gewehre benützt zu haben, doch eine Strecke zu verzeichnen; ich gab Auftrag, diese auf dem zweiten Wagen unterzubringen, und dann fuhren wir, die lustige Stinktierjagd besprechend, fröhlich weiter.

Kaum waren wir im Grand Canon Hotel, unserer Nachtstation, angelangt, als Hodek auch schon mit der Meldung eintraf, dass der Kutscher des zweiten Wagens die Mitnahme des Stinktieres nicht zugelassen habe; er — Hodek — habe eben versucht, dasselbe an die Achse zu binden, doch sei der Kutscher vom Bocke gesprungen und habe es weit weg geschleudert, was zu einem heftigen Auftritte zwischen beiden geführt habe. Das Stinktier war daher liegen geblieben; ich wollte aber die schwer errungene Beute nicht fahren lassen, und so wurde nun Kriegsrat gehalten, was zu tun sei, umsomehr als das Tier auch nicht ins Hotel gebracht werden durfte. Endlich siegte eine bedeutendere Anzahl von Dollars über die Bedenken des Kutschers, der mit Hodek zurückritt, und bald lag der Balg unseres Stinktieres in einer Blechbüchse wohl verpackt bei den Gepäcksstücken.

Die größte Sehenswürdigkeit des Parkes ist unstreitig der große Canon des Yellowstone-Flusses, welcher allein schon eine Reise nach dem Nationalparke verlohnen würde. Durch Erfahrungen gewitzigt, hatte ich mich auch der Anpreisung dieser Naturschönheit gegenüber sehr reserviert verhalten, gestehe jedoch gerne, dass hier meine Erwartungen weitaus übertroffen worden sind.

Wir kamen gerade zu rechter Zeit an, weil der Abend kurz vor Sonnenuntergang der günstigste Moment für die Besichtigung des Canons ist, und fuhren in einem kleinen Wagen, welcher den mangelhaften Zustand des Waldweges unserer Erinnerung schonungslos einprägte, vom Hotel ab. An mehreren niedrigen Aussichtspunkten vorbeikommend, welche uns die Pracht des Tales bereits ahnen ließen, sehen wir uns endlich am Fuß des 460 m über den Yellowstone aufragenden Inspiration Points. Da liegt sie nun vor uns, die mehr als 300 m tief abstürzende Schlucht, mit steilen, fast senkrechten Wänden, welche phantastisch geformte Vorsprünge mit wild zerrissenen Spitzen und Felsennadeln aussenden, während sich der Fluss in der Talsohle einem blauen Bande gleich dahinschlängelt. Die coulissenartig nebeneinander aufstrebenden Felszacken zeigen selbst ebenfalls die kühnsten Gestaltungen und schließen kleine Schluchten sowie Schutthalden, mit abgebröckeltem Gestein erfüllt, ein; der Rhyolith, aus welchem die Felsen bestehen, unterliegt eben sehr der Verwitterung und Zersetzung, so dass sich unausgesetzt einzelne Stücke ablösen und die Zerklüftung immer weiterschreitet.

Bei weitem das Schönste und Eigenartigste des Canons sind die mannigfaltigen Färbungen, in welchen das felsige Gestein und vor allem die Schütten erglänzen; alle nur erdenklichen Farben in den verschiedensten Schattierungen sind hier vertreten, doch herrschen gelb, rot, rosa und weiß vor. Besonders in Rot finden sich alle Nuancen vom dunkelsten Blutrot bis zum zartesten Rosa, wie solche kaum ein wohlausgestatteter Farbenkasten aufzuweisen vermag; die einzigen dunklen Stellen werden von wenigen, verkrüppelten Kiefern gebildet, die sich in Felsspalten fortfristen. Vermöchte selbst der Pinsel eines Malers alle die Farben, die wir hier erschauen, in ihren Abtönungen und in ihrem Schmelz sowie die bizarren Formen des Gesteines getreu wiederzugeben, so würde doch jedermann behaupten, dass das Bild unnatürlich sei und ein ähnliches in der Natur nicht existieren könne. Selbst die detaillierteste Beschreibung von Meisterhand wäre durchaus ungenügend, um eine zutreffende Vorstellung von der hier in so überraschender Fülle entwickelten seltsamen Pracht und Herrlichkeit zu vermitteln. Wer diese in ihrer ganzen Größe erfassen will, muss hier an einem schönen Herbstabende geweilt haben, um einen Traum der kühnsten Einbildungskraft verwirklicht zu sehen.

Im Beginn der Schlucht zeigt sich der Große oder Untere Wasserfall des Yellowstones, welcher an dieser Stelle schäumend und tosend über eine senkrechte Felswand von fast 100 m Höhe herabstürzt, während der Obere Wasserfall, in weiter Ferne liegend, nur als silberweißer Punkt erscheint; gegen die andere Seite zu verliert sich die Schlucht in bewaldeten Bergen, die abends eine dunkelviolette Färbung annehmen, während hinter diesen ein schneebedeckter Bergriese die Szenerie effektvoll abschließt. Diesem herrlichen Anblick kann ich nur jene wenigen Momente, da sich in Dardschiling der Nebel zerteilte und mir die Spitzen des Himalayas in ihrer jungfräulichen Majestät enthüllte, würdig zur Seite stellen.

Der Inspiration Point, eine mitten im Canon gelegene, für Schwindelfreie nicht allzuschwierig erreichbare Felsspitze, ist für die Rundschau der günstigste Punkt; umsomehr nahm es mich Wunder, dass für den Schutz der Reisenden an diesem Ort gar nicht gesorgt ist und weder Geländer noch Stufen den immerhin gefährlichen Weg erleichtern, vor dessen Zurücklegung bis zum äußersten Punkt ich jeden, der nicht Bergsteiger ist, warnen möchte.

Je tiefer die Sonne hinter die Berge sank, um so wechselnder wurde auch das Spiel der Farben, so dass wir, in Bewunderung versunken, uns lange von dem Schauspiel nicht trennen konnten, bis die wiederholte Mahnung des Kutschers, welcher die Rückfahrt in der Dunkelheit scheute, zwang, vom Inspiration Point zu scheiden. Einige große Steine, die wir zuvor noch abrollten, sprangen donnernd von Absatz zu Absatz, durchsausten die enorme Fallhöhe in wenigen Sekunden und verschwanden aufklatschend im Fluss. Auf einer der Felsnadeln, an deren höchste Spitze geklebt, entdeckten wir einen großen Adlerhorst, dessen Erbauer sich ein wohl unersteigliches Plätzchen gewählt haben.

Abends stöberten drei Bären, anscheinend eine Alte mit zwei Jungen, in dem kaum 200 Schritte vom Hotel entfernt liegenden Haufen von Konservenbüchsen, bei welcher Beschäftigung ein Herr, der sich schon vorher in der Nähe des Platzes verborgen hatte, die Tiere erblickte; als aber der ganze Schwarm Reisender, darunter auch wir, herbeieilte, verschwanden die Bären leider auf Nimmerwiedersehen, weil die Hotelgäste, besonders aber die Damen, äußerst unruhig waren, schwätzten und kicherten, was wohl selbst einen zahmen Bären vertrieben hätte.

Ohne das unerbittliche “No Shooting” hätte ich mich gewiss an diesem allerdings nicht poetischen Platz angesetzt, überzeugt, dass ich im Lauf der Nacht zum Schuss gekommen wäre.

Links

Grand Canyon Hotel, 25 September 1893

Chattering from the cold we left the camp early in the morning to do once more some fishing under the cloudless sky. The owner of the steamboat who is living next to the hotel and who was one of the few polite Americans whom I’ve met loaned us the necessary fishing equipment. With it we made a short crossing of the lake and soon were again in the river. This time everybody fished alone in a boat and I had myself rowed further downriver as I expected it to be a more promising location.

During the crossing I could observe numerous species of the bird world present at the Yellowstone River. Flocks of ducks were flying up and down, geese were flapping with loud cries, seagulls flew around in elegant flight and swift as an arrow. Buzzards, harriers and ospreys were circling above the boat whose movements had caused jays at the shore to take to the air accompanied by hoarse sounds.

In a small bay that looked well suited for a catch I anchored the boat and started my task with great patience. To my joy the first trout bit after about an hour, to be followed by four more in longer intervals. Each fish weighed about a kilogram. Some other trouts that I had already believed to have caught I lost again as it was at times not possible to take in the lightning-fast moving fish hanging on the rod on board.  One could clearly see that the fish were only taking the lures with reluctance due to the cold as they often played with it without biting. In the right season, fishing here must be a very entertaining sport as during that time one could catch a hundred pieces in a very short time.

After no trout wanted to bite any more and my efforts in another place proved futile too, I reunited with my gentlemen who had also made some catches and returned to the hotel where seven skunks captured and killed during the night were on display. They have a badger-like body and soft black and white speckled fur. As they befoul the whole area where they are living with their penetrating odor, they are keenly hunted.

In the afternoon we took the route to the Yellowstone Canyon in our coach, first alongside the lake shore, then alongside the Yellowstone river. Soon the closed forest stopped and changed to an open area with Artemisia plants that were surrounded by trees and presented an excellent terrain for feeding game. Probably many a buffalo herd must once have visited these places.

At the halfway mark of the journey next to the road was one of the strangest formations in the park called Mud Cauldron , a deep mud funnel geyser out whose side opening emerged a constant blue-greyish boiling foam with an accompanying strong steam and dull humming, which looks quite  uncanny. Every object that is thrown into the funnel disappears in the horrible opening forever, only wood pieces reappear from time to time on the surface but already quite decomposed.

Hayden Valley in the North is a completely treeless waste valley with undulating ridges with a small stream winding its way through it. A still visible beaten path shows the trail where a complete Indian tribe with wives and children had used to retreat from the Southern regions to the North after they had incurred considerable losses in the fights against other tribes. Nowadays, Indians are prohibited to enter the territory of the Yellowstone Park.

Just after we had driven over a bridge I saw a skunk run past. Shouting “Stop” to the coachman, we grabbed sticks and jumped out of the wagon and now began a happy hunt in which we also threw stones. The skunk did not want to go into the water even if it was cornered but kept running up and down the shore until it finally faced us and made lavish use of its last means of salvation, its horrible perfume. This, however, did not inhibit us to slay it. Thus we had achieved a hunting trophy in the park even without using the rifles. I gave the order to store it in the second wagon and then we drove on, talking about the happy skunk hunt.

As soon as we had arrived at the Grand Canyon Hotel where we would spend the night, Hodek brought a message that the coachman of the second wagon had refused to bring along the skunk. Hodek had tried to tie it to the axle but the coachman jumped down from his seat and threw the skunk far away which led to a big commotion between the two. The skunk had been left behind. I, however, did not want to let go of this catch made with great effort and we held a war council to decide what we could do, taking into consideration that we would not be allowed to take the animal with us into the hotel. Finally a considerable amount of dollars won over the missgivings of the coachman who rode back with Hodek and soon the hide of the skunk lay well packaged in an iron tin between the other baggage pieces.

The greatest landmark of the park is without doubt the great canyon of the Yellowstone river that alone would warrant a visit to the park. Armed with experience I had very much kept my reserve during the praising of this natural beauty, but must gladly admit that my expectations have been surpassed by far.

We arrived just at the right moment as the evening shortly before sunset is the best moment for visiting the canyon. We drove in a small wagon from the hotel. Due to the bad condition of the wood path this trip imprinted itself unsparingly into our memory. Passing by multiple viewing points that let us already guess about the splendor of the valley, we finally arrived at the foot of the Inspiration Points rising 460 m above the Yellowstone river. There the gorge lay in front of us falling more than 300 m down with steep almost vertical walls that had fantastically formed protrusions with wildly jagged peaks and rock needles, while the river was meandering in a blue band through the valley bottom. The rocky peaks that rose next to each other like a backdrop showed the most audacious forms too and enclose small gorges as well as scree slopes filled with dropped off stones. Rhyolith out of which the rocks are made up is also very much exposed to weathering and decomposition so that without interruption individual pieces separate themselves and the jaggedness is continuously increasing.

The most beautiful and strange of the canyon by far are the various colorings in which the rocky stones and especially the scree are gleaming. All the colors one might think about are represented here in various shades but yellow, red, pink and white are predominant. Especially red is present in all nuances from the darkest blood red to the most delicate pink in a range hardly any well equipped paint-box will match. The few dark spots are formed by the not very numerous crippled pine trees that are enduring in the rock clefts.

Even if a painter’s brush managed to create an exact and realistic rendering of all the colors we were seeing here in all their shades and in their glazes and bizarre forms of the rocks, everyone would still believe that the image was unnatural and something close to it could not exist in nature. Even the most detailed description by a master would be insufficient to give a good representation of the surprising variety of the pomp and splendor developed here. Who wants to see it in all its great majesty needs to have stayed here at a beautiful fall evening to have a dream of the most audacious imagination turned into reality.

At the entrance to the gorge one the Great or Lower Waterfall of the Yellowstone becomes visible and falls at this spot foaming and thunderous  over a vertical rocky wall of nearly 100 m, while the Upper Waterfall lies in the far distance and appears only as a silver-white point. To the other side, the gorge loses itself into the wooded mountains that take on a dark purple coloring in the evening, while behind them a snow-covered mountain giant concludes the composition in an effective manner. This gorgeous view can only be placed on the same worthy level as the few moments when the fog parted in Darjeeling and revealed the Himalaya’s peaks in their virgin majesty.

Inspiration Point,  a rocky peak in the middle of the canyon and not very difficult to reach for those not suffering from vertigo, is the most favorable panoramic spot. All the more I was wondering why there were no safety measures installed for the visitors and there were neither railings nor steps to make the ascent easier on the quite dangerous path of whose outermost point I would like to warn everyone who is not a mountain climber.

The deeper the sun sank below the mountains the more diverse became the game of colors so that we, lost in admiration, could not separate ourselves from the spectacle for a long time, until the repeated warning of the coachman who feared to make the return trip in darkness forced us to leave Inspiration Point. Some large stones that we pushed down, jumped from ledge to ledge and fell down from the enormous height in a few seconds and disappeared with a thud in the river.  On one of the rocky needles, glued to its highest peak, we discovered a large aerie whose builder selected a probably inaccessible spot.

In the evening three bears, apparently an old female with two young ones, were rummaging through the heap of tins barely 200 paces distant from the hotel. They were discovered by gentleman who had hidden himself nearby. When the whole swarm of visitors, among them we too, however descended there from the hotel, the bears unfortunately disappeared never to be seen again as the hotel guests, especially the ladies, were very noisy, chatting and giggling, which would have driven away even a tame bear.

Without the implacable “No Shooting” I certainly would have taken up position in this not very poetic place, convinced that I would have had an opportunity for a shot during the night.

Links