Bombay, 19. Jänner 1893

Früh am Tag fuhren wir in den Galakarossen des Gouverneurs, geleitet von einem Teil der Garde nach den Docks, um das zwei Tage zuvor eingelaufene Lloyd-Schiff „Elektra“ zu besichtigen. Die Docks, von Handelsgesellschaften erbaut und im Besitz von solchen, sind wahrhaft imponierende Anlagen sowohl durch ihre Ausdehnung, als durch die allen Anforderungen des Warentransportes entsprechenden Einrichtungen. Es sind Zeugnisse eines kühnen Unternehmungsgeistes, der, verglichen mit jenem der Heimat, kleinlaut stimmt. Neben den Docks stehen die Warenhäuser, durch welche sich der Strom der einlangenden und zu verladenden Güter bewegt; wie im menschlichen Organismus ununterbrochen das Blut durch das reich verzweigte Geäste der Adern dem Herzen zu- und von diesem wieder weggeführt wird, so rollen hier auf Schienensträngen ohne Unterlass Fässer und Ballen nach und von den Warenhäusern. In diesen grandiosen Magazinen fühlt man wahrhaftig den Pulsschlag der Güterbewegung. Die Dampfkräne gleichen den Armen eines Riesen, welcher den Menschen frohnend — Gulliver unter den Liliputanern — die schwersten Lasten hebt, als wär es Kinderspiel. Ohne Rast und Ruh‘, in immerwährender Bewegung, waltet in den Docks das Getriebe des Güterverkehrs; scheinbar in chaotischem Durcheinander und doch jener strengen Ordnung gehorchend, welche von der organisierenden Kraft des Kaufmannes geschaffen wird….

Die „Elektra“ war aus Schanghai vollgeladen mit Tee und Häuten eingelangt und nahm Baumwolle für Triest an Bord. Das mächtige Schiff hatte, wie alle Schiffe in den Docks, Flaggengala angelegt und präsentierte sich in seinem Schmuck. Ich kann auf Grund eingehender Besichtigung der „Elektra“ für die rühmlich bekannte, den Reisenden so bequeme Einrichtung der Lloyd-Schiffe, wie für die auf denselben herrschende Nettigkeit und Reinlichkeit nur ein neues glänzendes Zeugnis ausstellen. Es ist erfreulich zu hören, dass auch Engländer die Lloyd-Schiffe mit Vorliebe benützen. Gewiss ein sehr nachdrücklich zu Gunsten unseres Lloyd sprechendes Moment; zumal bei der auch unter den verschiedenen Schifffahrtsgesellschaften herrschenden Konkurrenz, welche kaum mehr einem wirklichen Bedürfnis entspricht, sondern sogar Gefahren für reelle Unternehmungen heraufbeschwören kann. Jeder Österreicher muss den Wunsch hegen, dass es dem Lloyd ermöglicht werde, in einer seinen überkommenen guten Traditionen und seinem spezifisch heimatlichen Charakter entsprechenden Weise jeden Wettbewerb zu bestehen. Wo dieses Ziel in Frage steht, darf man selbst vor einer noch ausgiebigeren Staatssubvention, als die jetzige ist, nicht zurückscheuen; denn dieselbe wird in den Händen einer der Wichtigkeit des Unternehmens bewussten Leitung goldene Früchte zeitigen, nicht bloß für die Aktionäre, sondern auch für die vaterländische Produktion, für das Ansehen der Monarchie, deren Flagge der Lloyd in diesen Meeren repräsentiert. Mit den wärmsten Wünschen für ein glückliches Gedeihen des Lloyd verließ ich die „Elektra“, nicht ohne ihre Ladung durch Grüße für die Heimat vermehrt zu haben.

In dem von der Munizipalität erhaltenen Victoriapark, dem wir uns nun zunächst zuwandten, besitzt Bombay eine zoologisch-botanische Gartenanlage, — ein tropisches Schönbrunn — welche die vollste Anerkennung verdient, wenn sie sich auch nicht mit dem Peradenia-Garten auf Ceylon messen kann. Tiger, Bären, Panther, Gazellen und Antilopen, Strauße und Affen betrauern den Verlust ihrer Freiheit in allerlei kleinen, eisernen Käfigen, zwischen denen in geschmackvoller Anordnung Sträucher gruppiert sind. Besondere Sorgfalt wird, dem englischen Geschmack gemäß, dem Rasen zugewendet, der infolge steter Überrieselung in erquickendem Grün, einem Samtteppiche ähnlich, prangt.

An die abermalige Plünderung von Tellery’s Schätzen schloss sich eine Fahrt — ein „Bummel“ — durch die belebtesten Straßen des Eingeborenen-Viertels.

Die Häuser sind bis zum Giebel hinauf bewohnt, ja vollgepfropft, was der Reinlichkeit bedeutenden Eintrag tut. In dem Erdgeschoss befinden sich durchwegs Kaufläden und Bazars; hier werden alle Gattungen Waren, darunter zahlreiche europäische Erzeugnisse, feilgeboten, die stets von einer schreienden Menge umlagert sind. Sehr erfreulicher Weise findet man in diesen Warenlagern viele heimatliche Fabrikate, besonders Papier, Kurz-, Hart- und Glaswaren, Wolldecken und Fez, letztere sämtlich aus Strakonitz in Böhmen. Ein schwungvoller Handel wird auch mit österreichischem Kölnerwasser getrieben, welches die Hindus fleißig an Stelle des verbotenen Weines trinken, eine Tatsache, die unbedingt für die vorzügliche Qualität sowohl der betreffenden Mägen, als auch des Fabrikates spricht.

Einzelne alte Häuser mit etwa zweihundertjährigen, verschnörkelten Holzverzierungen, kleinen Giebeln, Erkern und Pilastern, die aus dem unverwüstlichen Black wood hergestellt sind, sowie kleine Moscheen und Hindu-Tempel unterbrechen malerisch die langen Häuserreihen. Besonders in die Augen springt der bunt bemalte und mit Statuen von Affen und Fakiren geschmückte Kalbadewi-Tempel.

In den Straßen drängt sich eine lärmende Menge, zusammengewürfelt aus Völkern Asiens, Afrikas, Europas und Oceaniens, ein wandelnder Turmbau von Babel. Buntbewegte Bilder ziehen an des Betrachtenden Auge vorbei. Das Hauptkontingent stellen selbstverständlich die Hindus; dazwischen eilen Parsen und Mohammedaner geschäftig hin und her; schweigsame Araber im schwarzen Burnus kommen vom Pferdemarkte herbeigeritten; hin und wieder sieht man Afghanen und tibetanische Bettelmönche.

Bemerkenswert ist die Höflichkeit aller Eingeborenen gegen Europäer, denen sie allenthalben freundliches Entgegenkommen zeigen. Auffallend heben sich aus der Menge ab die Fakire, worunter man gewöhnt ist, jeden religiösen Bettler ohne Unterschied zu verstehen, obschon die Inder mit jenem Worte nur Bettler mohammedanischen Glaubens bezeichnen, während die frommen Bettler, welche eine der Hindu-Kasten bilden, andere Namen führen, und zwar Gosäwi (Gosain), Dschogi bei den Anhängern Schiwas, Bairagi bei jenen Wischnus. Diese Fakire nun, welche der Welt und all ihren Freuden entsagt haben, betätigen die Entsagung äußerlich dadurch, dass sie den Leib mit gelbem oder grauem Lehm bestreichen, die Stirne mit zu Pulver geriebenem Sandelholz und Zinnober bemalen. Bettelnd ziehen diese Asketen und Büßer in solch scheußlichem Aufzuge, eine Ausgeburt fanatischen Wahnes, von Haus zu Haus. Nur allzuhäufig aber ist die scheinbare Entsagung des Fakirs nur der Deckmantel für das Bestreben nach mühe- und arbeitslosem Wohlleben. Der Hindu hat für den Fakir eine stets hilfsbereite Hand und unbeschränkte Gastfreundschaft, die ihn mit dem Bettler alles teilen lässt — oft sogar das Weib. Unter der Maske des Fakirs verbergen sich manchmal auch schwere Verbrecher, die sich auf diese Weise den Augen der Polizei zu entziehen oder doch vor derselben zu schützen trachten, da bei dem Fanatismus der Hindus ein eingeborener Policeman nur schwer wagen kann, an einen Fakir Hand anzulegen. Die einheimische Polizei, kenntlich an blauer Uniform mit lichtgelben Aufschlägen und Mützen, soll übrigens, wie man mir sagte, ganz Vorzügliches leisten.

Alle erdenklichen Fahrzeuge, vom landesüblichen kleinen, mit zwei Zebuochsen bespannten Karren, dessen Wandseiten meist bemalt sind, bis zu dem eleganten europäischen Landauer, durcheilen die Straßen.

Ungemein roh behandeln die eingeborenen Lenker die schnellen Zebuöchslein; denn um sie zu möglichst raschem Laufe zu bringen, drehen ihre Peiniger ihnen die Schweife im Kreise, durch welch barbarische Prozedur oft sogar die Schweifwurzel gebrochen wird. Das Los eines heimatlichen Einspännergaules scheint im Vergleiche mit jenem der bedauernswerten Zebuochsen ein glückliches zu sein.

Nach dem Lunch im Government House, wobei ich den hoffnungsvollen Sprössling meiner Gastfreunde kennen lernte, nahte die Versuchung in Gestalt des größten Juwelenhändlers Bombays, Harichands, des ersten Lieferanten sämtlicher Radschas. Kostbarkeiten im Werte von Millionen lagen vor uns ausgebreitet: taubeneigroße Diamanten. Rubine, Smaragde, Saphire und Perlen, teils lose, teils in Colliers, in Ringe, in Diademe gefasst. Es war ein Glänzen, Glitzern und Gleißen, ein Strahlen, Flammen und Flimmern, ein in allen Farben sich brechendes Feuer von unwiderstehlicher, die Sinne berückender Anziehungskraft. Ich habe in Europa nichts Ahnliches gesehen und glaube, dass sich kein Kronschatz mit Harichands Kostbarkeiten messen kann. Der Mann ist im eigentlichsten Sinne des Wortes „steinreich“ und forderte so maßlose Preise, dass es unmöglich war, mit ihm handelseins zu werden und ich daher — mehr der Not gehorchend als dem eigenen Triebe — der Versuchung nicht erlag.

Für 5 Uhr nachmittags war eine Gartenpartie in Parel — einem Sommersitz des Gouverneurs, ungefähr 4 km von Bombay — angesagt. Daselbst konnte man auf der Straße die gesamte Bevölkerung sehen, die uns lebhaft begrüßte. Auf einer großen Wiese mitten im Park stand eine mit rotem Tuch überzogene Estrade, auf welcher die hohe Gesellschaft Bombays, Offiziere und Würdenträger, angesehene Parsen, Hindus und Mohammedaner Platz genommen hatten.

Vor der Estrade hatte man ein großes Viereck — eine Art offener Reitschule — ausgesteckt, in welchem die Leibgarde des Gouverneurs auf ihren australischen Dienstpferden eine Quadrille ritt. Die Mannschaft der Leibgarde besteht durchwegs aus Sikhs, Nachkommen jener fanatischen Krieger, deren einst Lahore und ganz Pendschab umfassendes Reich im Jahre 1849 nach hartnäckigen Kämpfen Britisch-Indien einverleibt worden ist. Diese Sikhs stellten sich uns als schöne, große Leute dar, in kleidsamer Uniform, langen, roten Röcken mit einer Reihe blanker Knöpfe und stählernen Ketten-Epauletten, dazu weißen Hosen, hohen Stulpstiefeln und auf dem Kopfe einen großen, roten Turban, umschlungen von einem bunten Überwurfstuch. Sattlung, Zäumung und Beschlag sind europäisch und in vorzüglichem Zustande. Das Aussehen der Pferde ist gut, wenn auch unter ihnen viele ziemlich alte zu bemerken sind. Die mit vollendeter Ruhe nur im Galopp gerittene Quadrille war gut einstudiert und wurde mit großer Präcision ausgeführt; besonders gut gelangen Moulinets, Aufmärsche und verschiedene schwierige Schlangentouren mit Changieren. Zum Schluss wurde den Reitern, sowie dem Arrangeur Captain Gordon allgemeiner Beifall gezollt.

In einer Zwischenpause stellte mir der Gouverneur mehrere Damen, sowie angesehene Mohammedaner und einige von Diamanten funkelnde Radschas der Umgebung vor.

Der zweite Teil der hippischen Produktion bestand aus einem Tentpegging, einem Lanzenstechen, wobei vier Pflöcke in den Boden gesteckt waren, welche von vier in voller Carriere ansausenden Reitern mit den Lanzen aufgespießt werden mussten. Auch bei dieser Übung erwiesen sich die Leute als gewandte und geschickte Reiter.

Zum Schluss des Festes zeigte mir der Gouverneur noch das Schloss von Parel, ein unschönes Gebäude, einst ein portugiesisches Kloster, sowie den Park mit einem großen, ummauerten Teich, an dessen Ufern wir einen herrlichen Sonnenuntergang genossen.

Den Abend beschlossen ein Galadiner und eine musikalische Soiree im Government House. Im Verlauf der letzteren machten einige Damen den Versuch, mehrere Liebeslieder zum besten zu geben, worauf ein Violinkünstler eine undefinierbare Weise zum Vortrag brachte. Endlich gab uns noch ein Taschenspieler Proben seiner Fertigkeit, nicht ohne dass einige derselben die lebhafteste Heiterkeit unserer liebenswürdigen Hausfrau erregt hätten.

Links

          • Ort: Bombay, Indien
          • ANNO – am 19.01.1893 in Österreichs Presse. In Istrien tobt der Sprachenstreit: Italienisch vs. Slawisch vs. Amtssprache Deutsch. Triest kämpft zudem mit dem Schnee.
          • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Lustspiel „Gönnerschaften“, während das k.u.k Hof-Operntheater die komische Oper „Gute Nacht, Herr Pantalon“ mit dem Ballet „Die Sireneninsel“ kombiniert.

Bombay, 19 January 1893

Early in the morning we drove in gala coaches of the governors, escorted by a part of the guard, to the docks to inspect the Lloyd ship „Elektra“ which arrived two days ago. The docks built and owned by trading companies are impressive structures both in their extent as well as their requirements for the installation of the necessary equipment for the transport of goods. It is a testament to entrepreneurship which makes one feel meek if one compares it to home. Beside the docks stand warehouses through which the stream of arriving and departing goods flows: As the blood flows without interruption in the numerous branches of the veins in a human organism, bringing blood to the heart and moving it away again, so here barrels and bales roll without interruption on rails to and from the warehouses. In these grandiose warehouses on can feel the pulse of moving goods. The steam cranes look like the arms of a giant working for mankind — Gulliver among the Lilliputians —  lifting the heaviest burdens like child’s play. Without rest and recovery, in constant motion, the dock acts as the motor of the goods trade; seemingly chaotic it is still obeying a very strict order built by the organizing force of the merchant …

„Elektra“ arrived from Shanghai  filled with tea and hides, and added cotton to its load for Trieste. The mighty ship had hoisted the flags, like all the ship the dock, and presented itself in all her glory. Having inspected the „Elektra“ closely, I can recommend the well known comfort of the Lloyd ships as they continue to set standards in friendliness and cleanliness. It is joyful to hear that Englishmen too prefer to make use of the Lloyd ships. Certainly a moment that looks very favorably to our Lloyd, especially as the competition among the different shipping companies is such that it goes beyond the true demand and poses risks for real enterprises that continue to preserve outdated traditions and specific manners of a local character. Where this goal is questionable to achieve, one may not refrain from even larger government subsidies than at present, as these subsidies will be rewarded with golden fruits by a management that appreciates the importance of the enterprise not only for the shareholders but also the national production and the monarchy’s reputation whose flag is represented by Lloyd ships in all oceans. With the warmest wishes for a happy completion of the journey I left the Lloyd ship „Elektra“ not without adding greetings for home to her cargo.

In Victoria Park which we visited next and which is maintained by the municipality, Bombay has a zoological-biological garden — a tropical Schönbrunn — that merits the fullest praise even it can not match Peradenia garden on Ceylon. Tigers, bears, panthers, gazelles and antelopes, ostriches and monkeys were mourning their loss of liberty in small iron cages that were grouped between tastefully arranged bushes. Special consideration is given, according to English taste, to the grass which due to intensive sprinkling presents itself in a lush green, like a velvet carpet.

Having plundered Tellery’s treasures again we undertook a shopping trip through the most bustling streets of the native district.

The houses which are inhabited up to the roof, even overfilled what has a very detrimental effect on cleanliness. On the ground floor one finds always merchant shops and bazaars: here all kinds of goods are sold, many European ones among them, always surrounded by a shouting crowd. It is a pleasure to see many of our national goods in these shops, namely paper, perishable goods, hardware, glassware, woolen blankets and hats, the latter all from Strakonitz in Bohemia. A bustling trade is happening also with Austrian cologne which the Hindus drink as a replacement of the forbidden wine – a fact that speaks to the excellent quality of the local stomachs as well as to that of the product.

Some of the old houses with about two hundred year old wooden decorations, small gables, bays and pillars made out of indestructible black wood as well as small mosques and Hindu temples interrupt picturesquely the long rows of houses. Especially Kalbadewi temple with its color and statues of monkeys and fakirs attracts the eye.

The noisy crowd in the street is composed of the peoples of Asia, Africa, Europe and Oceania, a moving tower of Babel. Colorful images are moving past the eyes of the visitor. The largest contingent are naturally the Hindus. Among them move busily Parsis and Muslims, silent Arabs in black burnooses ride by coming from the horse market. Sometimes one can see an Afghan and begging Tibetan monks.

Remarkable is the courtesy of all natives towards the Europeans to which they always approach in friendliness. Out of the mass stand out the fakirs that is all kinds of religious beggars without distinction, although the Indians use this word only for Muslim beggars while they use a different word for Hindu caste ones, namely Goswami (Gosain), Jogi for the adherents of Shiva, Bairagi for those of Vishnu. These fakirs who abstain from the world and all its pleasures demonstrate their abstention outwardly by covering their body with yellow or gray clay and paint their front with sandalwood and vermilion powder. These ascetics and penitents move in this hideous attire, a consequence of a fanatical belief, from house to house. All too often the supposed abstention of the fakir is but a cover for a carefree life without toil. The Hindus give the fakirs always a helpful hand and offer them unlimited hospitality, sharing everything with the beggars – often even the wife. Under the mask of a fakir one even finds hard criminals who thus evade the watchful police or are safe from them as, due to the fanaticism of the Hindu, a native policeman can hardly dare to lay hands on a fakir. Native police have blue uniforms with light yellow lapels and caps and are said to perform with distinction.

All kinds of vehicles are moving in the roads from native small wagons drawn by two zebu oxen and whose sides are most often painted to the elegant European Landau carriages.

The native drivers treat the fast zebu oxen incredibly harshly: To get them to move fast, they wind their tails in circles. This barbaric practice may even break the tail bone. The fate of a local horse team seems to be comparably fine compared to the sorry zebus.

After lunch in Government House where I met the promising son of my host, temptation was approaching in the form of one of the largest jewelry dealers of Bombay, Harichands. prime supplier to all Rajahs. Treasures valued in millions were laid out in front of us: diamonds as large as a dove egg. rubies, emeralds, sapphires and pearls, partly loose partly as necklaces, rings and diadems. The sparkling, glimmering, glittering, the shine, flame and flare of fire splitting in all colors created an irresistible attraction that overwhelmed all senses. I have not seen something of equal quality in Europe and believe no crown jewels can match the treasures of Harichands. The man is literally rich in stones and asked for prices so high that we were unable to come to an agreement, thus I resisted temptation, largely out of necessity and not out of desire.

At 5 o’clock in the afternoon, a garden party in Parel  — a summer retreat of the governor about 4 km out of Bombay — was on the program. There on the road one could see all the inhabitants who welcomed us warmly. On the green meadow in the midst of the park stands a dais covered in red cloth. On the dais sat the high society of Bombay: Officers, dignitaries, eminent Parsis, Hindus and Muslims.

In front of the dais was laid out a large square, some kind of riding school in which the life guard of the governor rode a quadrille on their Australian service horses. The members of the life guard is composed solely of Sikhs, descendants of those fanatical warriors whose lands in Lahore and all of Penjab had been made part of British India after a tough fight in 1849. The Sikhs are beautiful, tall people in fashionable uniforms, long red tunics with a row of brass buttons and steel chain epaulettes with white trousers, top boots and a large red turban on the head, wrapped in a colorful cloth. The saddles, bridles and horseshoes are European and in excellent condition. The horses look well even though many among them are rather old. The well prepared quadrille was performed with high precision: especially well executed were moulinets, deployment and various difficult winding tours with turns. At the end the riders as well as the arrangeur Captain Gordon were applauded by all.

During a break the governor introduced me to a number of ladies as well as eminent Muslims and some local Rajas sparkling with diamonds.

The second part of the equestrian production consisted of a tent pegging, a lance game in which four pegs are pushed into the ground which have to be picked up with a lance by the riders approaching at full speed. Again, they demonstrated their skill and aptitude in horsemanship.

At the end of the party, the governor showed me the park of the palace of Parel. The building is not beautiful, a former Portuguese monastery. The park has a large immured pond at whose rim we appreciated the glorious sunset.

The evening was completed by a large gala dinner and a musical soirée in Government House. Some ladies made an attempt to sing multiple love songs after which a violin player performed an undefined piece. Finally a conjurer offered some tricks, some of which might have attracted the most vivid hilarity of our amiable house wife.

Links

          • Location: Bombay, India
          • ANNO – on 19.01.1893 in Austria’s newspapers. The Neue Freie Presse informs about the struggle among Italian, Croatian and German speakers in Istria. With German being the official language for government matters, the  other two at least have a common enemy. Trieste is also battling with the snow.
          • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing a comedy „Gönnerschaften“, while the k.u.k Hof-Operntheater presents the comic opera „Gute Nacht, Herr Pantalon“, followed by a ballet „Die Sireneninsel“.

Bombay, 18 January 1893

At 6 o’clock came the wake-up call. The morning was fresh and nice. The inhabitants of the villa district Malabar Hill through which we were driving seemed to be still in deep sleep as everything was quiet in the villas and gardens. The destination of our drive was the cemetery of the Parsi, the famous “Towers of Silence”. One of the most respected Parsi, Sir Jamsedji Jijibhai Bart., as well as Mr. Nüsservanji Behramji, received us at the foot of the hill and guided us over long stone stairs to a blooming garden that did not disclose the presence of a cemetery nearby. Close to the entrance gate sits a dog that has two supplementary eyes in color above the natural ones. The dog’s comportment according to the Parsi beliefs depends whether the dead enters the other world under good or bad auspices. If the dog looks at the dead person, this is regarded as a good sign while the opposite is seen as ill fortune. Just at the entrance to the garden stands a temple in which the whole fire is burning which, they say, the Parsi have brought from their ancestral homes and which has been kept alive ever since.

Tower of Silence, p. 102

Tower of Silence, p. 102

Continuing on the garden, one meets five flashy white towers round as a circle. The tallest is 7.5 m high and has a circumference of 90 m. On its rim sit a legion of vultures and ravens. Up a few steps lies the entrance by a small iron door. One is allowed to approach the temple only up to 30 m but a model in the garden offers information about the interior of the burial place. Within the towers constructed with much effort – the largest is said to have cost over 360.000 fl in Austrian currency – is a cone-shaped platform terminating in a duct separated into ring-formed divisions. The outer division is intended for men, the middle one for women and the interior one, closest to the duct, for children. Four guardians, the only people allowed to enter the temple, undress the dead and lay them out in the proper division. Immediately hungry vultures set upon their prey and within an hour the body has been consumed except fort he bones. The sun dries the skeleton which is then lowered down the duct and poured over with water and chalk. The duct leads to four radial canals equipped with coals and sand filters ending in large pits where the last remains of the skeletons are left to their fate.

“Anyone belonging to Ahab who dies in the city the dogs shall eat, and anyone of his who dies in the open country the birds of the heavens shall eat.” (1 Kings 21:24). What the prophet Elias said to the king who had laden himself with a large guilt through his wife Jezebel, as a punishment has here become a horrible reality, a terrible truth. The birds of the sky eat the dead, devour the just and the unjust, nobles and inferiors. “Erectos ad sidera vultus“ all those who lived are now in death carrion for the birds.

From this place of human abasement bereft of all piety, where the winged gravediggers croak a dark “Lasciate ogni speranza”, thoughts are fleeing to the churchyard in the native mountains. Here, the precious dead lie in the earth that covers them protectively in order to fulfil the word: “for dust you are and to dust you will return.” Over the graves are set crosses, simple wooden crosses but built and erected with care, with the love the living have received with a smile and now with tears speaks to the dead: “Rest in peace.” Thus in thoughts, we departed from these eloquent Towers of Silence.

The next visit was to the animal hospital Pindschrapol which was founded by rich Hindus. A complete aberration of religious sentiment! Innumerable animals without owners, sick, covered in hideous eczema, with wounds of all kinds are spending their time until death – more merciful than those men in their aberration of the prohibition of spilling blood out of a feeling of pity – takes them away. In a courtyard stood, like biblical sisters announcing a famine, about four hundred cows. In the next courtyard, horses, real nags, in a third courtyard behind bars, dogs, monkeys, sheep, parrots, chicken, doves, myriads of flies and gadflies buzzing in a choir of pain and plague.

A more pleasant view was the large Crawford Market halls. They are said to cover with courtyards and gardens an area of 60 hectares and are built in the European manner out of stone, iron and glass. They are divided by a central hall with a 43 m high bell tower into two wings and a row of individual market places. The right wing of the market halls is for flowers and fruits, the left one for vegetables and spices. There our attention was caught by majestic roses, Chrysanthemum, Jasminum, a variety of exquisite bananas, trees with apple-like fruits, and mangoes. Also the strangely colored and formed pumpkins and cucumbers, Curcuma roots, Cardamom as well as spice mixtures well known to the European gourmets as curry powder. Also samples of the local smoke and chewing tobacco etc. In special halls are offered fish, cow and sheep meat as well as chicken. The large fish market displays hundreds of sea fruit, from the small Bombay ducks (Bombil) to vast monsters which the local palates will still find tasty. Living animals are sold here too. We took this opportunity to increase the ship menagerie with mynas, parrots and a green leaf bird but we could not come to terms easily with the local merchants.

While the scented, rich market hall full of vegetables of all kind with its diverse activities of supply and demand presented a picture of life, so the next encounter we witnessed, a Hindu burning, was a dark counterpart for us. Seeing the destruction of a body bereft of all sensual matters, the dissolution of matter in a handful of ash.

Mr. Tribhowandas Mangaldas Nathubhai, President of the “Bombay Hindu Burning and Burial Ground Committee” and a number of its members received us when we entered the burial place. The location and even more the behavior of the mourners at the ceremony does not show any form of piety. In an oblong courtyard on whose end stand banks and chairs are moored four iron poles a meter high in a distance of every ten meters. In between, the wood for the burning of the body is stacked. Out of the rest of one of the burnt pyres, two Hindus were collecting ash and burnt bones with complete indifference to dispose those scarce remains of a human body in a vase decorated with flowers that is then thrown into the sea.

I just wanted to go when I heard singing and cymbals. A funeral procession was entering the courtyard. In front marched singers and musicians, then on two bamboo sticks, only covered with some bands, the body, borne by four men. Relatives made up the rear of the procession and showed no exterior sign of emotion or compassion, not even as lucky heirs – only indifference, terrible indifference. The music which was insulting to the ears starts even during the final hours of the dying as it is intended to assist the magic to drive away bad demons of sickness. What failed to work against these might nearly have driven us away. But we were asked to take a seat on the banks and could now observe closely the act of burning the body. The body of a very tiny young woman was covered completely in red cloth, sprinkled with a red powder and decorated with flowers. The poor woman must have died only hours ago as the body had not become stiff.

It is Hindu custom to burn the body only shortly after they had expired, a practice which makes the job of the district coroner harder to note deaths, especially in the case of high numbers during cholera epidemics when it even becomes impossible. Often Hindus only inform the authorities of a death after the burning of the body has taken place. A cholera epidemic is often a good opportunity for Hindus to poison an obnoxious person with arsenic ,which triggers symptoms similar to those of cholera, or opium, burn them quickly and announce it as a cholera death. During earlier times when the authorities were not used to examine with vigor, the killing of girls with opium was a common practice which resulted in a huge scarcity of women in some parts of India so that the remaining few resorted to polyandry.

The body of the young Hindu woman was laid on the earth, water was poured over it and carried three times around the prepared pyre by the husband and a relative, then the mourners laid down wheat and sugar on the body and set it down on the pyre with the head towards the east where she was covered with six large logs. With a fire carried along from their own hearth in an urn  the husband ignited sandalwood, walked three times around the pyre carrying the burning wood and touched each time the toes of the body which lay exposed from the shroud and finally set the kindling and the bundles of straw at the head of the dead on fire, igniting the pyre. In that moment, the husband cried out with hurt emotion, perhaps more for us than for his own feelings until his apparently less emotional relatives took him away. The pyre was burning, crackling, smoking. Eagerly the fire consumed the victim as if it wanted to take it away from the indifferent glances of the humans.

A second funeral procession approached. Again the dead was a young woman, apparently from a rich family of higher caste. Without a veil, the young deceased lay on the bier. The rosy tint on her cheeks indicated that she had only recently passed over to the empire of death.

Having seen enough of this cruel spectacle, I turned to go. At the exit of the burial place there is a house in which rich mourners of the highest caste wait for the ceremony to end and often call for dancers to shorten their waiting time – a revolting want of tact.

Quickly the dead must pass on into nothingness, making way for the coming generations: The Parsi devoured by the birds, the Hindu by the fire and thrown as ashes into the sea – in the animal hospital however the poor animals are kept artificially alive in their suffering, for them earth offer space and humans compassion.

To fully make use of the morning we visited also the Natural History Society’s museum which offers under the direction of Mr. Phipson a vivid image of India’s fauna. Right at the entrance crocodile hides, giant buffalo skulls and some living Indian squirrel catch the eye. Numerous cabinets hold the most important specimen of birds as well as countless butterflies. In containers filled with alcohol swim hundreds of different snakes and scorpion species, spiders, beetles and walking leaves which are part of the locust family. Numerous abnormalities and rarities are special attractions. Antlers of capital Sambar deer, abnormal horns of gazelles and black bucks, various skins of bears, tigers, panthers, snow leopards and other already bagged Indian cat species. A Hindu boy’s foot recovered out of the stomach of a crocodile, giant snake hides (python), scorpion twins, a collection of living snakes, a green whip-snake and two cobras that constantly start off against the walls of their glass enclosure. Special recognition is due for the installation of the objects according to the needs of science but also out of love for nature which goes beyond dry annotation and classification and always strives to bring all objects closer to the viewer’s understanding through placing them in a systematic and tasteful context, and by alternating them with trophies, pictures and photographs comprehensible to the layman.

Mr. Phipson offered kindly to supply me with a number of spare birds for my collection, an offer I gladly accepted.

Vividly satisfied from the impressions of the exhibition I drove to Mr Tellery (S. J. Tellery & Co.), a compatriot in whose shop all industrial art products of India are represented. This place is a real temptation for the eager shopper. Everything manufactured in Bombay, Madras, Haidarabad, Maisur, Agra, Dehli, Benares, Calcutta, Afghanistan and Birma has been made accessible there. Statues of gods and idols in bronze, silver and marble; vases, plates, cups made out of copper or gilded bronze, carvings in ivory, inlaid sandalwood boxes, Kashmir blankets, Fulkaris from Penjab, cloth with designs with applied wax glitter from Peshawar, printed calico from Madras with illustrations out of the great Indian epics Rämäyana and Mahabharata, tulle for dancers woven in Dakka, rugs from Bijapur with the famous peacock and shikan pattern, weapons and signs, elephant spears and halberds, musical instruments, small tables and Qur’an stands – a complete chaos of the most enticing things. Soon I gave in to temptation – a whole wagon-load was brought back on board which made the responsible officer despair.

With loving care for our material health, consul general Stocking invited me and my entourage to lunch in the house of the Bombay Yacht Club, an enticing call we willingly followed. The yacht club is situated within the “Fort” in an airy house at the edge of the harbor on Apollo Bandar, within a garden and having a lovely view on the harbor and the islands on the opposite side. This made the lunch even spicier and the rest afterwards sweeter.

Refreshed we drove in the afternoon with a fast steam launch of the navy yard from Wellington Pier across the harbor to the 10 km distant island Elephanta, famous for its rock temple.

During the trip one can enjoy the view of Bombay , of the islands and thanks to the intense light the contours of the mountains on the mainland. Going on land at Elephanta causes some difficulties as one has to transfer first into smaller boats and has to balance over different smooth and slippery concrete blocks. A non-punishing walk under palm tree brings one, after climbing long stone stairs, to the temple of Elephanta. Lingering young Hindus make up the living background and offer for purchase nests of bayas to the travelers as well as matchboxes with various beetles and cherry stink bugs that shine gloriously metallic.

Elephanta island, also called Gharapuri, city of caves, is worth a visit alone for its rich vegetation that displays itself to the visitor’s eyes drunk in colors. This island is full of palm trees, lianas, tamarinds, banana trees, bushes and flowers enchantingly formed and colored, with rare butterflies, glimmering beetles, flashy birds flying around. Even though nature has richly given treasures of the fauna to this small gem of the archiple of Bombay, the main destination of this trip to this island is an ancient home in the midst of the island for those gods that create, maintain and destroy.

The island owes its name to the ancient colossus hewn into stone in a distant time. These statues now stand in Victoria garden next to the Bombay museum, weather-beaten into chunky masses so that one can barely recognize the famous masterwork – a giant elephant fighting with a powerful tiger. The large temple caves still exist in whose shadowed light are kept safe many holy artifacts of Indian gods all with Brahmin legends of their own. Guided by an English veteran soldier with a medal of honor who serves here as Cicerone, we went down into the temple caves. Like the elephant colossus, once the guardians of the temple entrance, the lobby has become a victim of the elements during the centuries too.

Only the temple itself, guarded by mother nature herself, still exists. It is divided into different parts. The first is dedicated to the god of earth Shiva (Mahadewa), creator and destroyer at the same time. On the opposite side to the entrance to the main temple borne by a double row of pillars stands the decorated pillar of Trimurti (trinity) which shows Brahma, Vishnu and Shiva. As symbols, this trinity is carrying a drinking vessel, a mythical lotus flower and a poisonous spectacled cobra. The walls of the temple are covered with sculptures showing scenes from the life of Shiva, his birth, the marriage to Kali (Parvati) and other sometimes frightening scenes. Three smaller square domed buildings contain each a lingam, a symbol of nature created. On the left side of the main temple lies the temple of the elephant god and god of erudition, Ganesha, whose sanctuary is decorated with images of his many wives.

All pillars are arranged symmetrically and the pictures pay much respect to the anatomical relations and are in part artfully done so that the completion of these works and even more the construction of the enormous temple halls make us marvel. The rooms, covering an area of 1564 m2 constructed during a time without modern technology, machines or explosives, had to be excavated out of the hard granite rock only with hammer and chisel. A few hundred years ago these holy halls were inhabited by Brahmins, their followers and the dedicated temple singers and dancers. Without interruption, multitudes of believers, namely women seeking fertility, came and went. The Portuguese in their holy fervor chased the “tax collectors and scribes” out of the temple during their occupation of East India. If one believes the stories, they even tried to destroy the temple with cannon shots, obviously overkilling it, and thus damaging the ancient art on this monument, in part even destroying it.

Today, pious Hindus still make a pilgrimage with their families from time to time to Elephanta temple on holy days, to that witness of a majestic past. Much more eagerly are these impressive remains of a glorious art work observed by the foreign traveler who will find knowledge and pleasure there.

The end of the day was devoted to the attendance of grand official festivities in Government House. The dinner was followed by a ball to which the high life of Bombay was invited. For me this assembly of the leaders of the “upper ten” was not only interesting from a social point of view but also as a choreography because the English custom of pleasure dancing is different from the one we use. Especially one imported dance called a barn-door dance, accompanied by monotone music, straddles the middle between a haltingly dance mazurka and a bear dance. A honorary quadrille that I performed with Lady Harris did not really work as the figures performed were unknown at home. Lady Harris did not really appreciate this, while Lord Harris found the funny aspect in this situation. As in our square only the wives of the highest dignitaries and the civil servants of the top salary class were invited, multiple centuries were present in a small space, so that I thought longingly about a quadrille I danced at home. For the rest, I abstained in view of the challenges of the coming days. After midnight, a supper was served during which I had to pull crackers with Lady Harris in the center of the hall to the amusement of all.

Links

      • Location: Bombay, India
      • ANNO – on 18.01.1893 in Austria’s newspapers. Back in civilization in Bombay, the readers of the Neue Freie Presse are informed about Franz Ferdinand’s activities of almost the same day.
Notice about Franz Ferdinand's arrival in Bombay in Neue Freie Presse, 18 January 1893, p. 5

Notice about Franz Ferdinand’s arrival in Bombay in Neue Freie Presse, 18 January 1893, p. 5

      • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing Schiller’s „Maria Stuart“, while the k.u.k Hof-Operntheater is repeating „Romeo und Julie“.

Bombay, 18. Jänner 1893

Um 6 Uhr war Tagreveille. Der Morgen war frisch und angenehm. Die Bewohner des Villenviertels Malabar Hill, durch das wir fuhren, schienen noch sämtlich in Schlaf versunken zu sein; denn in den Villen und Gärten war alles still. Das Ziel der Fahrt bildeten die Begräbnisstätten der Parsen, die berühmten »Türme des Schweigens«. Einer der angesehensten Parsen, Sir Jamsedji Jijibhai Bart., sowie Mr. Nüsservanji Behramji empfingen uns am Fuße des Hügels und geleiteten uns über eine lange, steinerne Treppe in einen blühenden, schönen Garten, der in nichts die Nähe der Begräbnisstätte verriet. In der Nähe des Thores sitzt ein Hund, der über den natürlichen Augen zwei in Farbe ausgeführte Augen besitzt, und von dessen Verhalten es, wie die Parsen glauben, abhängt, ob der Tote unter günstigen oder ungünstigen Auspizien in das Jenseits gelangt; blickt nämlich der Hund den Toten an, so gilt dies als gutes Omen, während das Umgekehrte übel gedeutet wird. Knapp am Eingang des Gartens steht ein Tempel, in dem das heilige Feuer lodert, welches — so wird behauptet — die Parsen von ihrer ursprünglichen Heimat mitgebracht und stets brennend erhalten haben.

Tower of Silence, p. 102

Türme des Schweigens, S. 102

Im Garten weiter schreitend, kommt man zu fünf kreisrunden, grell weißen Türmen, deren größter 7,5m Höhe und einen Umfang von rund 90 m besitzt; auf dem Rande derselben sitzt eine Legion von Geiern und Raben; eine kleine eiserne Türe, zu der einige Stufen führen, bildet den Eingang. Man darf sich den Türmen nur auf 30 m nähern, doch gibt ein im Garten aufgestelltes Modell Aufschluss über die Einrichtung dieser Begräbnisstätten. Innerhalb der Türme, die mit bedeutendem Aufwand gebaut sind — der größte soll über 360.000 fl. ö. W. gekostet haben — befindet sich eine trichterartige, in einen runden Schacht endigende Plattform, welche in ringförmige Abteilungen geschieden ist; die äußere Abteilung dient für Männer, die mittlere für Frauen und die innere, dem Schacht zunächst liegende für Kinder. Von vier eigens dazu bestimmten Wächtern, den einzigen lebenden Wesen, welche den Turm betreten dürfen, werden die Leichname ganz entkleidet in die betreffenden Abteilungen gelegt. Alsbald stürzen sich die hungrigen Geier auf ihre Beute und binnen einer Stunde ist der Leichnam bis auf die Knochen verzehrt. Die Sonne trocknet das Gerippe, welches sodann in den Schacht versenkt und in demselben mit Wasser oder wohl auch mit Kalk begossen wird. Von dem Schacht gehen vier radiale Kanäle ab, die mit Kohlen sowie mit Sandfiltern versehen sind und in große Vertiefungen auslaufen, in welchen die letzten Überbleibsel der Gebeine ihrem Schicksal überlassen werden.

„Stirbt Achab in der Stadt, so sollen ihn die Hunde fressen, stirbt er aber auf dem Land, so sollen ihn die Vögel des Himmels fressen.“ Was der Prophet Elias dem König, der durch Jezabel, sein Weib, übel beraten schweres Verschulden auf sein Haupt geladen hatte, als Strafe angedroht, hier ist es zur schauerlichen Wahrheit, schrecklichen Regel geworden. Die Vögel des Himmels fressen Tote, fressen Gerechte und Ungerechte, Vornehme und Niedere. „Erectos ad sidera vultus“ sie alle durchs Leben schritten; Aas für die Vögel liegen sie hier im Tod.

Von dieser jeder Pietät baren Stätte menschlicher Erniedrigung, wo die geflügelten Totengräber ein düsteres „Lasciate ogni speranza“ krächzen, flüchten die Gedanken auf einen Kirchhof in den heimatlichen Bergen. Hier ruhen die teuren Toten in der Erde, welche schützend verbirgt, wie sich das Wort erfüllt: »Du bist Staub und sollst zum Staub wiederkehren«. Über den Gräbern stehen Kreuze; einfache Holzkreuze, aber errichtet, geschmückt von der Liebe; von der Liebe, welche lächelnd die Lebenden umfangen hat und nun weinend zu den Toten spricht: »Ruhet in Frieden« So sinnend, verließen wir diese beredten Türme des Schweigens.

Der nächste Besuch galt dem Tierspital Pindschrapol, welches Stiftungen reicher Hindus seine Entstehung verdankt. Eine vollkommene Verirrung religiösen Empfindens! In ungezählter Menge fristen in Pindschrapol herrenlose, kranke, mit ekeln Gebresten behaftete, mit Wunden aller Art bedeckte Tiere ein trauriges Dasein, bis der Tod — barmherziger als jene Menschen, denen ein Irrwahn verbietet, sei es auch nur aus Mitleid Blut zu vergießen — diesen bedauernswerten Geschöpfen naht. In einem Hof etwa vierhundert Kühe, jede, den biblischen Schwestern gleich, geeignet, Hungersnot zu verkünden; in einem zweiten Hof Pferde, wahre Mähren; in einem dritten, hinter Gittern, Hunde, Affen, Schafe, Papageien, Hühner, Tauben. Myriaden von Fliegen und Bremsen summen einen Chor von Pein und Plage.

Einen genussreichen Eindruck boten die grandiosen Markthallen (Crawford Market). Sie sollen mit den Höfen und Gärten eine Fläche von 60 ha bedecken und sind nach europäischer Art lediglich aus Stein. Eisen und Glas gebaut; sie teilen sich in eine von dem 43 m hohen Glockenturm überhöhte Zentralhalle mit zwei Flügeln und eine Reihe einzeln stehender Markträume. Der rechte Flügel der Markthallen ist für Blumen und Früchte, der linke für Gemüse und Spezereien bestimmt. Dort erregten die herrlichen Rosen, Chrysanthemen, Jasmineen, die Fülle köstlicher Bananen, Bäume mit apfelartigen Früchten, Mangos unsere Aufmerksamkeit; hier die seltsam gefärbten und geformten Kürbisse und Schlangengurken, die Curcumawurzeln, Cardemomen, die in Indien so beliebten und auch den europäischen Feinschmeckern als Curry powder wohlbekannten Gewürzmischungen, die Proben der einheimischen Rauch- und Kautabake u. a. m. In besonderen Räumen werden Fische, Rind- und Schaffleisch, sowie Geflügel feilgeboten. Der große Fischmarkt beherbergt hunderterlei Früchte des Meeres, von den kleinen Bombay ducks (Bombil) an, bis zu den Ungeheuern, welche dem Gaumen der landsässigen Leute noch lecker dünken. Auch lebende Tiere werden hier feilgeboten. Wir nahmen diese Gelegenheit wahr, um unsere Schiffsmenagerie mit mehreren Mainas, Papageien und einem grünen Laubvogel zu bereichern; doch wurden wir nicht ohne Schwierigkeiten mit den eingeborenen Verkäufern handelseins.

Hatte uns die duftende, üppige, Gemüse aller Art bergende Markthalle mit ihrem durch Angebot und Nachfrage hervorgerufenen, bewegten Treiben ein Bild des Lebens geboten, so lag in dem Schauspiele, dem wir hierauf beiwohnten, einer Hinduverbrennung, ein düsteres Gegenstück vor uns: die Zerstörung des nunmehr allem Sinnlichen entrückten menschlichen Körpers, die Auflösung der Materie in eine Handvoll Asche.

Mr. Tribhowandas Mangaldas Nathubhai, der Präsident des »Bombay Hindu Burning and Burial Ground Committee«, nebst einigen anderen diesem Verein angehörigen Mitgliedern empfing uns, als wir die Verbrennungsstätte betraten. Die Anlage derselben und mehr noch das Verhalten der Leidtragenden bei der Ceremonie lassen jede Pietät vermissen. In einem länglichen Hofe, an dessen einer Rückwand Bänke und Stühle stehen, sind alle 10 m je vier eiserne, meterhohe Ständer eingemauert; zwischen diesen wird das Scheitholz für die Verbrennung der Leichen aufgehäuft. Aus einem eben verkohlten Scheiterhaufen sammelten zwei Hindus mit vollkommenster Indifferenz Asche und kalzinierte Knochen, die letzten spärlichen Überreste eines menschlichen Körpers, um sie in einer blumengeschmückten Vase zu bergen und ins Meer zu werfen.

Eben wollten wir uns wieder zum Gehen wenden, als Gesang und Tschinellenklang ertönte. Ein Leichenzug bog in den Hof. Voran die Sänger und Musikanten; dann auf zwei Bambusstöcken, nur mit einigen Bändern umschlangen, der Leichnam, von vier Männern getragen; zum Schluss die Verwandten, ohne Äußerung des Schmerzes oder der Teilnahme, auch nicht als lachende Erben, nur gleichgültig, schrecklich gleichgültig. Die ohrenbeleidigende Musik hebt schon während der letzten Stunde des Sterbenden an, da sie die Bemühungen des Zauberers unterstützen soll, welcher die Dämonen der Krankheit zu verscheuchen sucht. Was gegen diese nicht gewirkt, hätte fast uns vertrieben. Doch wurden wir aufgefordert, uns auf die Bänke niederzulassen und konnten nun mit Muße und aus nächster Nähe den Act der Verbrennung beobachten. Die Leiche, jene einer jungen, äußerst schmächtigen Frau, war völlig in ein rotes Tuch gehüllt, mit rotem Pulver bestreut und mit Blumen bedeckt. Das arme Wesen mochte vor wenigen Stunden erst verschieden sein; ihr Körper wies noch nicht den Zustand der Todesstarre auf.

Es ist Sitte der Hindus, ihre Toten, kaum dass sie den letzten Seufzer getan, sogleich den Flammen zu übergeben, eine Sitte, die dem Distrikts-Arzt die rechtzeitige Feststellung des Todes ungemein erschwert, ja zuweilen dieselbe, besonders wenn bei stärker auftretenden Cholera-Epidemien die Todesfälle sich häufen, oft unmöglich macht. Nicht selten melden die Hindus den erfolgten Tod einer Person erst nach deren Verbrennung an. Eine Cholera-Epidemie ist für Hindus häufig die erwünschte Gelegenheit, eine lästige Person durch Arsenik, welches ja choleraähnliche Symptome hervorruft, oder durch Opium aus dem Leben zu schaffen, rasch zu verbrennen und bei der Todesanzeige als an Cholera verstorben anzumelden. In früherer Zeit, in welcher die Regierung noch nicht wie jetzt mit voller Strenge einschritt, war besonders das Töten der Mädchen durch Opium sehr im Schwang; infolge dessen trat in manchen Gegenden Indiens ein derartiger Mangel an Frauen ein, dass die wenigen zurückgebliebenen der Polyandrie verfielen.

Der Leichnam der jungen Hindu wurde auf die Erde gelegt, mit Wasser übergossen und von dem Gatten und einem der Verwandten dreimal um den vorbereiteten Scheiterhaufen getragen, dann legten die Leidtragenden Weizen und Zucker auf die Leiche nieder und lagerten diese, mit dem Antlitze nach Osten, auf den Scheiterhaufen, wo sie mit sechs großen Balken bedeckt wurde. An einem Feuer, das, vom häuslichen Herde stammend, in einer Urne mitgebracht worden, entzündete der Gatte Sandelholz, ging, die Späne vor sich tragend, dreimal um den Scheiterhaufen herum, berührte jedes Mal die unter dem Bahrtuche hervorlugenden Zehen der Leiche und setzte endlich durch brennende Späne und Strohbüschel zu Häupten der Toten den Holzstoß in Brand. In diesem Augenblick äußerte der Gatte schmerzliche Ergriffenheit, vielleicht mehr uns, als seinen Gefühlen zu Ehren, bis ihn ein, wie es schien, minder weichmütiger Verwandter beiseite schob. Der Scheiterhaufen flammte, prasselte, qualmte. Gierig fraß das Feuer, als wollte es sein Opfer den teilnahmslosen Blicken der Menschen entziehen.

Ein zweiter Leichenzug nahte. Abermals war die Tote eine junge Frau, offenbar aus reichem Haus, aus höherer Kaste. Unverschleiert lag die früh Verblichene auf der Bahre. Der rosige Hauch auf den Wangen verriet, dass auch diese Verstorbene kaum die Schwelle des Todes überschritten.

Es war genug des grausigen Schauspiels; ich wandte mich zum Gehen. Am Ausgang der Verbrennungsstätte steht ein Haus, in dem reiche Leidtragende der höchsten Kasten das Ende der Zeremonie abzuwarten pflegen und nicht selten — eine empörende Gefühlsrohheit — Tänzerinnen hieher berufen, die Wartezeit zu verkürzen.

Rasch muss der Tote, dem nachdrängenden Geschlechte weichend, diese Erde räumen, in das Nichts hinübereilen: der Parse von Vögeln gefressen, der Hindu vom Feuer verzehrt und als Asche ins Meer geworfen — im Tierspital aber werden jämmerliche Geschöpfe künstlich ihren Leiden erhalten; für diese hat die Erde Raum, der Mensch Gefühl.

Um den Vormittag vollständig auszunützen, fuhren wir noch ins Museum — Natural History Society’s Museum — das unter der Direktion Mr. Phipsons steht und ein anschauliches Bild der Fauna Indiens gewährt. Gleich beim Eingange fallen abgehäutete Krokodile, riesige Büffelschädel und einige lebende, indische Eichhörnchen ins Auge. Zahlreiche Schränke bergen die wichtigsten Vertreter der Ornis, sowie alle möglichen Schmetterlingsarten; in mit Spiritus gefüllten Behältern schwimmen da etwa hundert verschiedene Schlangen- und Skorpionarten; Spinnen, Käfer und die in die Ordnung der Heuschrecken gehörigen, sogenannten wandelnden Blätter sind hier zu sehen. Zahlreiche Abnormitäten und Raritäten bilden besondere Anziehungspunkte: Geweihe von capitalen Sambarhirschen, abnorme Gehörne von Gazellen und Black-bucks; verschiedene Felle von Bären, Tigern, Panthern, Schneeleoparden und anderer schongezeichneter indischer Katzenarten; der dem Magen eines Krokodils entnommene Fuß eines Hindu-Knaben; die Häute von Riesenschlangen (Python); Skorpion-Zwillinge; eine Sammlung lebender Schlangen, eine grüne Peitschenschlange-und zwei Cobras, die fortwährend gegen die Wände ihrer gläsernen Behausung losfahren. Besondere Anerkennung verdient die Anordnung der Objekte, welche den Anforderungen der Wissenschaft entspricht, aber auch jene Liebe für die Natur zeigt, die sich nicht mit trockener Nummerierung und Etikettierung begnügt hat, sondern zu dem Bestreben drängt, die gesamten Objekte durch systematische und doch geschmackvolle Gruppierung, sowie durch belebende Abwechslung mit Trophäen. Bildern und Photographien auch dem Laien anschaulicher zu machen und seinem Verständnisse näherzurücken.

Mr. Phipson hatte die Freundlichkeit, mir für meine Sammlung eine Anzahl Vogel-Doubletten anzubieten, die ich mit Dank annahm.

Lebhaft befriedigt von dem Gesehenen fuhr ich nun zu Herrn Tellery (S. J. Tellery & Co.), einem Landsmann, in dessen Niederlage sämtliche kunstindustrielle Erzeugnisse Indiens vertreten sind. Dieses Warenhaus bildet eine Stätte der Versuchung für die Kauflustigen. Alles, was Bombay, Madras, Haidarabad, Maisur, Agra, Dehli, Benäres, Calcutta, Afghanistan und Birma erzeugen, ist herbeigeschafft: Göttergestalten und Götzenbilder in Bronze, Silber und Marmor; Vasen, Teller, Becher in Kupfer oder vergoldeter Bronze; Schnitzarbeiten in Elfenbein, eingelegte Sandelholzbüchsen; Kaschmirdecken, Fulkaris aus dem Pendschab; Tücher mit Dessins in aufgelegtem Wachsglimmer aus Peschawer, bedruckte Kattune aus Madras mit Illustrationen aus den großen indischen Heldengedichten Rämäyana und Mahabharata: in Dakka gewebter Tüll für Tänzerinnen; Teppiche von Bidschapur mit dem bekannten Pfauen- oder Schikanmuster; Waffen und Schilder, Elephantenspieße und Hellebarden; Musikinstrumente, Tischchen und Korängestelle — ein vollendetes Chaos der verlockendsten Dinge. Bald war ich der Versuchung erlegen — eine ganze Wagenladung wurde an Bord gebracht, worüber der Gesamt-Detailoffizier schier in Verzweiflung geriet.

In liebenswürdiger Fürsorge für unser leibliches Wohl hatte Generalkonsul Stockinger die Freundlichkeit, mich und meine Suite zu einem Lunch im Haus des »Bombay Yacht Club« zu laden, welchem lockenden Ruf wir willig folgten. Der Yacht Club hat seinen Sitz innerhalb des »Forts« in einem luftig gebauten Haus, welches am Rand des Hafens, auf dem Apollo Bandar, in einem Garten gelegen, einen reizenden Ausblick auf die Hafenanlage und die gegenüber befindlichen Inseln gewährt, durch welchen das Mahl gewürzt und die Ruhepause versüßt wurde.

Neu gestärkt fuhren wir nachmittags mit einer raschen Dampfbarkasse des Marine-Arsenals vom Wellington Pier aus quer durch den Hafen nach der durch ihre Felsentempel berühmten, etwa 10 km entfernten Insel Elephanta.

Während der Seefahrt genießt man den Anblick Bombays, jenen der Inseln und der vermöge der scharfen Beleuchtung deutlich hervortretenden Gebirge des Festlandes. Das Landen auf Elephanta ist mit einigen Schwierigkeiten verbunden, da man zu diesem Zwecke kleine Boote benützen und über verschiedene glatte und obendrein vom Meereswasser schlüpfrig gemachte Cementwürfel balancieren muss. Ungestraft unter Palmen wandelnd, erreicht man, nach Überwindung einer langen steinernen Treppe, die Tempel Elephantas. Junge Hindus bilden, überall umherlungernd, die lebende Staffage und bieten den Reisenden Nester von Webervögeln, sowie in Schachteln für Zündhölzchen die verschiedenartigsten Käfer und prächtig metallisch glänzende Baumwanzen zum Kauf an.

Die Insel Elephanta, auch Gharapuri, Stadt der Höhlen, genannt, ist schon durch den Reiz des Vegetationsbildes, das sie vor dem farbentrunkenen Auge des Besuchers entfaltet, eine Sehenswürdigkeit. Palmen, Lianen, Tamarinden, Banianen; Bäume, Buschwerk und Blumen reizvoll geformt und gefärbt, von seltenen Schmetterlingen, schillernden Käfern, bunten Vögeln umflattert, schmücken dieses Eiland. Doch, ob auch die Natur dieses Kleinod des Archipels von Bombay verschwenderisch mit Schätzen der Pflanzenwelt überschüttet hat, das Hauptziel der Fahrt an dieses Gestade bildet dennoch die uralte, im Schoße der Insel ruhende, seltsam ausgeschmückte Heimstätte jener Gottheiten, die da schaffen, erhalten, vernichten sollen.

Ihren Namen verdankt die Insel dem in altersgrauen Zeiten in den Felsen gehauenen Kolosse, welcher heute, im Victoriagarten nächst dem Museum von Bombay aufgestellt, zur unförmlichen Masse verwittert, das einst so berühmte Bildwerk — einen riesenhaften Elephanten im Kampfe mit einem mächtigen Tiger — kaum mehr ahnen lässt. Noch aber sind die gewaltigen Tempelgrotten erhalten, in deren Dämmerschein allerlei von brahmanischen Legenden umwobene Heiligthümer indischer Gottheiten geborgen sind. Von einem mit Ehrenzeichen geschmückten Veteranen der englischen Armee geleitet, der hier als Cicerone fungiert, stiegen wir zu den Tempelgrotten nieder. Wie der Elephantenkoloss, einst der Wächter der Tempelpforte, so ist nun auch die Vorhalle des Felsentempels den Unbilden der Jahrhunderte zum Opfer gefallen.

Erhalten ist nur noch, weil von der Mutter Erde beschützt, der Tempel selbst. Er gliedert sich in verschiedene Theile. Der erste derselben ist dem »Gott der Erde« Schiwa (Mahadewa), dem Befruchtenden und zugleich Zerstörenden, geweiht. Dem Eingange dieses von doppelten Säulenreihen gestützten Haupttempels gegenüber erhebt sich in dessen Innerem zunächst die Bildsäule derTrimurti (Dreigestalt), welche Brahma. Wischnu und Schiwa darstellt. Als Symbole trägt diese Trinität ein Trinkgefäß, die mystische Lotosblume und die Cobra, die giftige Brillenschlange. Die Wände des Tempelraumes sind mit Skulpturen bedeckt, welche den Lebenslauf Schiwas, seine Geburt, die Vermählung mit Kali (Pärwati) und andere, zum Theile ungeheuerliche Szenen schildern. Drei kleinere, viereckige, gewölbte Gehäuse enthalten je einen Lingam, das Symbol der erschaffenden Natur. Linkerhand von diesem Haupttempel liegt der Tempel des Elephantengottes und Gottes der Gelehrsamkeit, Ganescha, dessen Heiligthum mit Bildern seiner zahlreichen Frauen geziert ist.

Die durchwegs symmetrisch angeordneten Säulen, sowie die von Verständnis für anatomische Verhältnisse zeigenden Bildwerke sind zum Teile künstlerisch schön, so dass die Ausführung dieser Arbeiten und mehr noch die Herstellung der enormen Tempelräume unser Staunen erregen. Mussten doch die 1564 m2 bedeckenden Räume, da die Epoche, in welche ihre Ausgestaltung fällt, der Hilfsmittel der modernen Technik, der Maschinen und Sprengstoffe, entbehrte, dem harten Granitfelsen lediglich mit Meißel und Hammer abgerungen werden. Vor einigen Jahrhunderten noch waren diese heiligen Hallen von Brahmanen und deren ganzem Gefolge und den dem Tempeldienste geweihten Sängerinnen und Tänzerinnen bevölkert; ununterbrochen zogen Scharen von Gläubigen, namentlich Kindersegen erflehende Frauen, hier zu und ab. Die Portugiesen haben zur Zeit ihrer Oberherrschaft über Ostindien in ihrem heiligen Eifer die brahmanischen »Zöllner und Schriftgelehrten« aus dem Tempel vertrieben, ja, wenn man der Überlieferung Glauben schenken darf, des Guten zu viel tuend, auch die Tempel selbst durch Kanonenschüsse zu zerstören versucht und so diese Denkmäler alter Kunst arg beschädigt, zum Theile sogar vernichtet.

Heutzutage pilgern an hohen Feiertagen noch hin und wieder fromme Hindus mit ihren Familien zum Tempel Elephanta, dem Zeugen vergangener Herrlichkeit. Weit eifriger jedoch als jene betrachtet die imposanten Überreste des einst so prächtigen Kunstwerkes der fremdländische Wanderer, der hier Belehrung und Genuss findet.

Der Schluss des Tages war der Teilnahme an großen, offiziellen Festlichkeiten im Government House gewidmet. Dem Diner folgte ein Ball, zu dem das High life von Bombay geladen war. Für mich war die Vereinigung der Spitzen der »Upper ten« nicht nur gesellschaftlich, sondern namentlich auch vom choreographischen Standpunkt aus von großem Interesse, da die englische Art, dem Vergnügen des Tanzes zu huldigen, in manchen Beziehungen von der bei uns üblichen abweicht. Besonders ein neu importierter Tanz, der sogenannte Barndoor dance, der von einer einförmigen Musik begleitet, die Mitte zwischen einer schleppend getanzten Mazurka und einem Bärentanz hält, fiel mir sehr auf. Ein Ehren-Lancier, den ich mit Lady Harris tanzte, wollte nicht recht klappen, da hier Figuren ausgeführt werden, die bei uns unbekannt sind. Lord Harris schien hiemit durchaus nicht einverstanden, während Lady Harris die Situation von der heiteren Seite auffasste. Da sich in unserem Carre nur die Gemahlinnen der höchsten Würdenträger und der Beamten oberster Diätenklasse beteiligten, waren auf dem kleinen Raum Jahrhunderte vertreten, so dass ich mit Wehmut manches in der Heimat getanzten Lanciers gedachte. Im übrigen legte ich mir Enthaltsamkeit auf, den Anforderungen der kommenden Tage Rechnung tragend. Nach Mitternacht wurde ein Souper serviert, in dessen Verlauf ich mit Lady Harris, über deren Wunsch, in der Mitte des Saales Knallbonbons ziehen musste, was die lebhafteste Heiterkeit der Anwesenden erregte.

Links

      • Ort: Bombay, Indien
      • ANNO – am 18.01.1893 in Österreichs Presse. Die gute telegraphische Verbindung mit Bombay lässt die Neue Freie Presse fast zeitgleich über Franz Ferdinands Ankunft in Bombay berichten.
Notice about Franz Ferdinand's arrival in Bombay in Neue Freie Presse, 18 January 1893, p. 5

Nachricht über Franz Ferdinands Ankunft in Bombay in der Neue Freie Presse, 18. Jänner 1893, S. 5

    • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt Schillers „Maria Stuart“, das k.u.k Hof-Operntheater wiederholt „Romeo und Julie“.

Bombay, 17 January 1893

A thick fog covered the sea during the morning and only with great effort did the sun finally win. When the veil was lifted, the profile of the city of Bombay and the surrounding hills and mountains became visible in the distance. More and more precisely did the contours reveal themselves, more and more did the tropical light illuminate the image. Soon we could appreciate the view of the wide ranging city with its large public buildings, its numerous towers, its factory chimneys and its imposing harbor which contained uncountable numbers of the largest passenger and good steamboats as well as local coastal ships.

Bombay is the capital city of the regency of the same name. It and the regencies of Bengal and Madras, the Northwest provinces, Oudh, the Punjab, the central provinces in Dekhan, as well as the provinces of Assam and Birma are all direct possession of England. The indirect possessions are the vassal, tributary and interest-free states under the protection and the subsidiary states under protection. Among the protectorates are the Rajputana Agency, the Central India Agency, the local tributary states Baroda, Haidarabad, Maisur, Kaschmir, Sikkim etc.

The multidimensional government of the Indo-British Empire (with the exception of Ceylon and the Molucca Strait settlements) is led by the governor general (vice king). Madras with the Lakedives and Bombay (with Sindh, Aden, Perim) is led by special governors; Bengal, , the Northwest provinces, Oudh and the Punjab are led by lieutenant governors; Assam, the central provinces and Birma are under chief commissioners. British India covers an area of 4,032.141 km2 and counts according tot he 1891 census 287,223.431 inhabitants.

Bombay had been transferred as a dowry of Princess Katharina of Portugal to King Charles II of England in 1661 and has been under English rule since then. The name Bombay is said to be derived from the Portuguese böa bahia — good harbor — while others say that it is derived from Mumbai, the wife of Shiva.

May it be one of India’s protective goddesses or the maritime perspicacity of the Portuguese that has given this important East-Indian city its name, it is beyond doubt that Bombay’s maritime trade and traffic has grown to epic dimensions. In the year 1892, 757 steamers with 1,325.039 t, 410 sailing ships with 54.685 t and 48.602 coastal vessels with 1,393.676 t have entered or left the harbor. The value of total imports of Bombay in the year 1892 was 367,323.303 rupees = 277,329.094 fl. In Austrian currency, that of the total exports was 367,323.303 Rupees = 277,329.094 fl. In Austrian currency. The word rupee comes from Sanskrit rüpya which means beautiful and also silver. The value of a rupee circulating in the Indian possessions of England, a silver currency (à 16 Annas), is equivalent to the value of 75.5 Kreuzer in Austrian currency in the year 1892.

At the moment, the city has a population of 800.000 souls, lies in the south of the 18.4 km long and up to 6.4 wide island of the same name. This island borders in the north on the large island of Sasashti (Salsette) which is connected by dams with it and over which a railway leads from Bombay to the mainland. In the south, the island splits into two hooks which encircle a large bay, called Back Bay. The smaller more Western of these hooks is Malabar Hill, the long extending Eastern one is called Colaba. Malabar Hill which has given its name to the Western hook is the southern end of the western of the two basalt stone ridges that cross the islands on their long sides parallel to the coast. The Eastern hook Colaba is fully flat and ends in the south in reefs which carry lighthouses.

These two hooks and the area that covers the plain north to them up to the plains called “the flats” and stretches out beyond the suburbs of Byculla and Mazagon is the area on which Bombay stands.

On the south-western end of Malabar Hill stands  Government House, then the Walkeshwar temple and at the highest point of the whole peninsula the crowning “tower of silence”. It is the place where many rich Europeans as well as rich natives of Bombay are living where they have constructed charming manors among gardens and trees in a healthy air cooled by the light wind coming from the sea. Part of this city of villas that reaches beyond Camballa Hill faces towards the water surface of the Indian Ocean. Colaba hook is occupied by barracks of an English infantry regiment and fortress artillery.

To the north of this part of Bombay lies, between Back Bay on the one side and the harbour in the east on the other side, the European city called “Fort”. Here the old town encircles in the form of a semi-circle the former now partially dismantled castle as well as the newer city districts among whom it is important to mention Elphinstone Circle (the Green) with the cathedral and the Town Hall and the districts along Elphinstone Road and Mayo Road.

The main ornament of Bombay and the pride of its British citizens is the row of grandiose public buildings in the west of Back Bay. Among these are most prominent: Government (Presidential) Secretariat; University Hall and the large bell tower of the university library; the colossal building of the Courts of Justice; the Public Work’s Secretariat; the Post Office and telegraph building, Elphinstone College. The Royal Alfred Sailor’s Home lies in the harbor with a view towards Bombay’s east close to Wellington Pier (Apollo Bandar). From here rise on the Eastern coast in a northern succession the yacht club, the government docks, the custom house, the armory, the castle, the mint,  the Victoria and Prince’s docks, the P. & O. company dockyards.

Where the relatively small Colaba hook widens towards the north, beyond the esplanade district and Victoria station, the native or black town is situated in the form of a triangle whose shortest side is turned towards the European city. This town, about 15 km north of “Fort”, seems like a world of its own. Black Town, enclosing Crawford Market and Pindshrapol, the animal hospital), constitutes with its strange customs and activities, its color and squalor a stark contrast to the European city with its international business life, its banks, clubs, merchant houses, palaces and squares in the British manner. Here in the European city, as well as in the native district whose narrow living homes offer but the most scare minimum of existence to the most populated areas which is almost unbelievable for our imagination – on 10 km2 live almost 400.000 people creating a enormous range of activities in the streets and narrow lanes. In the bazaars, the small shops, the workshops all kinds of cries, sounds, creaks, hammering, shouts of merchants and coachmen are heard. The colourful crowd is busy at work, enjoys and talks.

The Back Bay which is situated between the hooks of Malabar Hill and Colaba is rather shallow and thus cannot be used by ships. In contrast the harbor east of the city is rather deep and large. In the East of Bombay, multiple islands large and small rise out of the sea. One can also see the bizarre forms of the pointy ridges of the mountains of the mainland.

All warships displayed the full complement of flags (“große Flaggengala”) and saluted the hoisted flag of the entering “Elisabeth”. After we had anchored, the acting officer of the consulate general, vice consul Prumler, came on board and brought the mail.

Two very friendly telegrams from the vice king and governor general of the Indian domain, Lord Landsdowne and from the chief commander of India and commander oft he troops of Bengal, General Lord Roberts were welcoming on Indian territory. Then my entourage supplied by Her Majesty the Queen for my trip presented itself. It consisted of the gentlemen General Protheroe, Captain W. E. Fairholme and Mr. J. A. Crawford.  They presented the program for the next two months that starts with a journey to Haidarabad. At 5 o’clock, the governor of Bombay, Lord Harris, with his entourage came on board for his official visit of me and to offer me an apartment in Government House for my stay. Lord Harris who has been occupying this position for three years was received by the British anthem and all honors and escorted into my cabin where we had an extended conversation.

After the return of the governor back to the mainland, I took leave of “Elisabeth” and its staff for the next two months, I once more inspected the troops and to the sound of the guns and the salutes of all warships in the harbour, went on land at Wellington Pier (Apollo Bandar) which was decorated most festively with flags, cloths and flowers. There I was received by the governor and the heads of all administrative departments. An English honor guard consisting of strong and tall guys with red headdress and ancient rifles presented arms while the fashionable governor’s life guards were waiting by the side of the wagon to accompany us through the city. Many ladies had assembled in a reception tent, small girls were scattering flowers onto my path. Like a victorious triumphator I progressed to the visible pleasure of the governor.

In a government wagon with Australian horses à la Daumont we continued the triumphal procession across the city being everywhere greeted vividly by the crows behind the screen of soldiers along the road. The windows up to the fourth floor were all filled with people which cried out and waved. The part called “Fort” offers the impression of a large European city. The government buildings alternate with large private houses, parks, monuments, cricket fields. The streets are very wide and have very comfortable sidewalks. Everywhere there are tramways – without congestion – and European wagons. Only the strange not always tasteful design of the public buildings, the “Indian style” a mixtum compositum of all the various oriental and European styles as well as the very colorful activities of the members of all the different races and nations made one think of the orient, of India.

The largest part of the population of Bombay is constituted by Hindus, of which there are 543.276. They are divided into a number of castes whose signs in flashy red, yellow or white spots on the forehead can easily be distinguished at considerable distance. The richer wear white clothes, the poor wear only a loincloth with the feet always naked. The head is covered with a turban in numerous colors. The Hindu do not look like beefy. They grow tall, thin and nothing less than muscular. The Hindu women seem to love gems as even the poorest among them who serve as carriers in the city have their noses and ears pierced with small stones with filigrane silver and gold ornaments of often considerable weight. The nose rings disfigure the whole face as they hang down to the mouth which must make kissing a rather uninviting proposition and in any case rather more difficult.

A much nobler class than the Hindus are the Muslims of Bombay, numbering 155.247 persons, which distinguish themselves from the Hindus by always wearing trousers. The very religious women cover their faces but most have given up this annoying custom and look Europeans in the face in a very friendly manner.

The most respected and at the same time richest element of Bombay are the Parsi. As their name indicates they are of Persian origin, they are even assumed to be the first native population of Old Persia. The conquest of Persia by the Arabs in the year 641 and the fanatical conversion of the natives to Islam with fire and sword forced a majority of these adherents of Zorroaster into emigration to Gujarat, a coastal district to the north of Bombay. A small part of Persians remains to this day in the Irak province of Adjemi.

The Parsi are fire worshippers which they worship as the most important purification in contrasting the spirit of the light (Ormusd) to the lord of darkness (Ahriman), according to the moral of good and evil based on the saying of Zoroaster.  The adherents of these doctrines opposed by Islam found refuge and peace in Gujarat. Their ancestral language, however, they switched for a Hindu one and made it so much their own that they prefer to speak it today. From here the Parsi spread out across all of India, namely they constitute a large number among the inhabitants of the rich and large harbor city of Bombay where they have always represented capital and industry. Their main trade is shipbuilding. As director of the naval yard in Bombay up until recently acted a Parsi whose ancestors held the same position since the foundation of that institution. Among all the peoples of India, the Parsi were the first to cooperated with the Europeans and until now still have the closest connection with them.

The dress of the Parsi does not differ much from that of the other Indian natives. In recent times, the fashion of the Parsi dress has approached European styles so that some of them wear clothes completely in the French style. As headdress the men use either a tall strangely pointed cap made out of oilcloth or silk whose form they have adapted from the headdress common in Gujarat, or they use a modernized version of the Persian felt cap with a colorful shawl wrapped around. The women of the Parsi use silk or woolen colored trousers and flashy colored body dresses made out of one piece that is tied around the waist and then thrown across head and shoulders.

Most Parsi women have beautiful eyes but long crooked noses, bad posture, either too flat or two fat forms as well as a gangly, sleepy gait. The girls wear the same clothes as the women with the difference of a plaid reserved to girls of nubile age.

Among the foreign looking Orientals one can see on the streets of Bombay also Arabs and Persians who are engaged in the business of importing horses, peddling Jews from Baghdad and Afghans who work solely as knife grinders in Bombay just as they do in Ceylon.

The so called Portuguese of Bombay are descendants of the Portuguese conquerors and natives converted to Christianity and carry the names of Portuguese noble families as all inhabitants of a village did acquire the name of their new rulers. The occupations of the Portuguese are mostly domestic servants, cooks, as well as some administrative assistants in trading houses. They are a mushy degenerate people, instantly recognizable by their type and their neglected superficial European dress.

Industry and wholesale trading are divided among the three main groups, the Hindus, the Muslims and the Parsi, in rather sharply drawn boundaries. Thus the Parsi are, for example, the owners of the 72 cotton factories of Bombay. The Muslims are the largest importers, the Hindus the largest exporters, the latter one under the mediation of European trading houses. During recent years, the Muslims as well as the Hindus have become more and more emancipated from the Europeans and enter into direct contact with European merchants and factories. This trade can hardly be to the Europeans’ advantage as the commercial ideas of morality and firmness of the Orientals are of the vaguest nature and the European trader will find it hard to procure legal assistance in an emergency than Europeans located in Bombay.

By Queen’s Road, a very broad road close to the sea, we drove to Malabar Hill where, as mentioned before, are situated a number of villas, small airy bungalows, half hidden in cleanly maintained gardens under palm trees, tamarinds and numerous blooming climbing plants. Right at the top of the hook lies Government House, a row of single story bungalows in whose midst stands a somewhat taller building which serves only as a dinning and ball room and which is enclosed by an airy veranda. The governor and his family as well as a number of secretaries and adjutants are living there, almost each of which has his own bungalow equipped with all comforts. Fitting to the local climate, these bungalows are constructed very airily, the walls are made out of paper, doors, windows and verandas everywhere so that time and again I imagined myself to be in a big bird cage. If these bungalows can not provide enough space for a larger number of guests, tents are pitched which turns Government House and all its annexes into a large tent city below large tamarinds and ficus trees.

A couple of servants in scarlet livery were assembled in a row up to the veranda where we were received in a most pleasant manner by Lady Harris and two of her lady friends, Lady Brodrick and Miss Smith. After a longer lively conversation during which I answered the ladies a number of questions (why I wasn’t yet engaged, when I intended to marry etc.), we retired to our various bungalows to change into dress uniforms for dinner. This was set for half past eight o’clock according to English custom. Lord and Lady Harris were waiting for me in the antechamber to accompany me to the reception hall where all invited guests stood in rows alongside the walls. In total, there were 54 persons invited to the dinner, numerous ladies, among them also a Parsi lady peppered with diamonds, the highest dignitaries and the commander general of Bombay, various higher officers, judges, municipal and government employees, all consular agents located in Bombay and the captains of all warships currently at anchor in Bombay. Soon after all the invited had been presented to me, we entered the hall to the sound of the Emperor’s Hymn. The table was tastefully ornamented with flowers, black-yellow ribbons and silver decorations.

The continental protocol requires that, during an official dinner given to a member of the ruling family of a foreign power, the toast is mostly given to salute the health of the sovereign of the guest. The British protocol, however, differs in this custom as I could observe with curiosity during the dinner in Government House in Kandy. At least, Lord Harris asked me first to toast to the health of Her Majesty the Queen and then he himself announced a toast to the health of His Majesty our Emperor.

The dinner was followed by a long reception. After its end, tired from all the new impressions of the first day in India, we went to look for our place to rest.

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      • Location: Bombay, India
      • ANNO – on 17.01.1893 in Austria’s newspapers. Baroness Bertha von Suttner who died just before the start of the First World War has given a speech „Down the arms!“ at the Hotel Intercontinental. Budapest is reporting two new case of cholera. The German Emperor is slightly ill as well and thus could not accompany the Empress on official duties. Northern Italy has been blanketed by a mass of snow too, interrupting traffic, while Trieste is experiencing a severe storm. The Banque de France continues to be in turmoil.
      • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing Gustav Freytag’s comedy „Die Journalisten“, while the k.u.k Hof-Operntheater is playing Giuseppe Verdi’s Aida.

Bombay, 17. Jänner 1893

Dichter Nebel bedeckte am Morgen die See und nur mit Mühe trug endlich die Sonne den Sieg davon. Als der Schleier zerrissen war, tauchten in der Ferne die Umrisse der Stadt Bombay, die umliegenden Hügel und Berge auf. Immer schärfer und schärfer bildeten sich die Konturen, immer deutlicher ließ die tropische Beleuchtung das Bild hervortreten. Bald genossen wir den Anblick der weit ausgedehnten Stadt mit ihren großen, öffentlichen Gebäuden, ihren vielen Türmen und Fabrikschloten, ihrem imposanten Hafen, in dem sich unzählige der größten Passagier- und Warendampfer, einheimische Küstenfahrer und Yachten befanden.

Bombay ist der Hauptort der gleichnamigen Präsidentschaft. Diese und die Präsidentschaften Bengalen und Madras, die Nordwestprovinzen, Audh (Oudh), das Pendschab, die Zentralprovinzen in Dekhan, dann die Provinzen Assam und Birma bilden die unmittelbaren Besitzungen Englands. Die mittelbaren Besitzungen sind die Vasallen-, tributären und zinsfreien Schutzstaaten und die Subsidien-Schutzstaaten. Zu den Schutzstaaten gehören die Rajputana Agency, die Central India Agency, die tributpflichtigen einheimischen Staaten Baroda, Haidarabad, Maisur, Kaschmir, Sikkim u. s. w.

Die vielumfassende Regierung des indo-britischen Reiches (mit Ausnahme Ceylons und der Straits Settlements an der Malakkastraße) führt der Generalgouverneur (Vizekönig). Madras mit den Lakediven und Bombay (mit Sindh, Aden, Perim) stehen unter besonderen Gouverneuren; Bengalen, die Nordwestprovinzen und Audh, das Pendschab unter Lieutenant-Gouverneuren; Assam, die Zentralprovinzen und Birma unter Chief-Commissioners. Britisch-Indien umfasst eine Fläche von 4,032.141 km2 und nach der Zählung des Jahres 1891 287,223.431 Einwohner.

Bombay ist im Jahre 1661 als Mitgift der Infantin Katharina von Portugal an König Karl II. von England abgetreten worden und steht seit jener Zeit unter englischer Herrschaft. Der Name Bombay wird auf das portugiesische boa bahia — guter Hafen — zurückgeführt; nach anderen ist er von Mumbai, der Gemahlin Schiwas, abzuleiten.

Mag nun eine der schützenden Gottheiten Indiens oder der maritime Scharfblick der Portugiesen diesem bedeutendsten der ostindischen Häfen seinen Namen verliehen haben: gewiss ist, dass der Seehandel und der Schiffsverkehr Bombays gewaltige Dimensionen angenommen haben. Im Jahre 1892 sind hier 757 Dampfer mit 1,325.039 t, 410 Segler mit 54.685 t und 48.602 Küstenfahrzeuge mit 1,393.676 t ein- und ausgelaufen. Der Wert der Gesamteinfuhr Bombays hat im Jahre 1892 367,323.303 Rupien = 277,329.094 fl. ö. W., jener der Gesamtausfuhr 433,068.463 Rupien = 326,966.690 fl. ö. W. betragen. Das Wort Rupie kommt vom sanskritischen rüpya, welches »schön« und dann auch -Silber« bedeutet. Nach der in den indischen Besitzungen Englands geltenden Rupien-(Silber-) Währung entspricht eine Silberrupie (à 16 Annas) für das Jahr 1892 dem Werte von 75.5 Kreuzern ö. W.

Die Stadt, gegenwärtig eine Bevölkerung von mehr als 800.000 Seelen zählend, liegt im Süden der gleichnamigen 18.4 km langen und bis zu 6.4 km breiten Insel. Diese stößt im Norden an die durch Dämme mit ihr verbundene große Insel Schatschaschthi (Salsette), über welche die von Bombay ausgehende Eisenbahn nach dem Festland führt. Im Süden sendet die Insel zwei Landzungen aus, welche eine große Bucht, die Back Bay, im Halbkreis umfassen; die kürzere, westliche dieser Landzungen ist Malabar Hill, die lang ausgreifende östliche, Colaba genannt. Malabar Hill, der Hügel, welcher der westlichen Landzunge ihren Namen verliehen hat, ist das Südende der westlichen der beiden basaltischen Felsenketten, welche die Insel an ihren Längsseiten, parallel zu der Küste durchstreichen. Colaba, die östliche Landzunge, ist durchwegs flach und im Süden von Riffen begrenzt, welche Leuchttürme tragen.

Diese beiden Landzungen nun und das Terrain, welches sich im Norden derselben bis zu der Ebene »the flats« und über die Vorstädte Byculla und Mazagon hinaus erstreckt, sind der Boden, auf dem sich Bombay erhebt.

Malabar Hill enthält an der Südwestspitze das Government House, dann den Tempel Walkeschwar und die den höchsten Punkt der ganzen Insel krönenden »Türme des Schweigens«. Es bildet den Wohnort vieler wohlhabender europäischer, sowie der reichen eingeborenen Bewohner von Bombay, die sich hier zwischen Gärten und Bäumen in gesunder, von der Meeresbrise gekühlter Luft reizende Sitze gegründet haben. Ein Teil dieser Villenstadt, die bis über Camballa Hill hinaus reicht, blickt auf den Wasserspiegel des Indischen Oceans hinaus. Die Landzunge Colaba ist mit Kasernen bedeckt, in denen ein englisches Infanterieregiment und die Festungsartillerie untergebracht sind.

Nördlich von diesem Teile Bombays liegt zwischen der Back Bay einer- und dem Hafen im Osten andererseits die europäische Stadt, »Fort« genannt. Hier umgibt in der Form eines Halbkreises die Altstadt das einstige, jetzt zum Teile demontierte Castell (Castle), sowie die neueren Stadtteile, unter welchen der Elphinstone Circle (the Green) mit der Kathedrale und dem Rathause (Town Hall) und die Viertel an dem Elphinstone Road und dem Mayo Road zu nennen sind.

Den Hauptschmuck Bombays aber und den Stolz seiner britischen Einwohner bildet die grandiose Reihe der öffentlichen Gebäude, westlich von der europäischen Stadt im Angesicht der Back Bay. Unter diesen ragen besonders hervor: das Government (Presidential) Secretariat; die University Hall und der große Glockenturm der University Library; das kolossale Gebäude der Courts of Justice; das Amt für öffentliche Arbeiten (Public Work’s Secretariat); das Post- und das Telegraphenamt; das Elphinstone College. Das Seemannsasyl (Royal Alfred Sailor’s Home) liegt mit dem Blicke auf den Hafen im Osten Bombays, in der Nähe des Wellington Pier (Apollo Bandar). Von hier aus erheben sich an der Ostküste in nördlicher Reihenfolge: der Yacht Club, die Government Docks, das Zollamt (Custom House), das Arsenal, das Castle, die Münze, die Victoria und die Prince’s Docks, der Dockyard der P. & O. Company.

Wo sich die relativ schmale Landzunge Colaba gegen Norden erweitert, jenseits von dem Esplanade-Viertel und von Victoria Station, breitet sich in der Form eines Trapezes, dessen kürzere Basis der europäischen Stadt zugewendet ist, die Eingeborenenstadt (Native oder Black Town) aus. Diese, etwa 15 km nördlich vom »Fort« entfernt, erscheint völlig als Stadt für sich. Black Town, auch Crawford Market und Pindschrapol (das Tierspital) umschließend, bildet mit seinem eigenartigen Leben und Treiben, seiner Buntheit und Unsauberkeit einen frappanten Contrast zu der europäischen Stadt mit ihrem internationalen Geschäftsleben, ihren Banken, Clubs, Kaufhäusern, Palästen und Squares britischen Gepräges. Hier in der Europäerstadt, wie dort im Eingeborenen-Viertel, dessen enge Wohngebäude in den volkreichsten Quartieren den Bewohnern oft ein uns unfassbar dünkendes Existenzminimum gewähren — auf 10 km2 sind hier weit mehr als 400.000 Menschen zusammengedrängt — wogt und brandet in Straßen und Gässchen reges Leben. In den Bazars, den Kramläden, den Werkstätten ertönen allerlei Laute, Geschrei, Geknarre, Gehämmer, Rufe der Händler und der Kutscher, wirkt und schafft, genießt und schwatzt die bunte Menge.

Die zwischen den Landzungen Malabar Hill und Colaba gelegene Back Bay ist ganz seicht und daher für Schiffe nicht benützbar; dagegen ist der Hafen im Osten der Stadt ziemlich tief und von großer Ausdehnung. Im Osten Bombays tauchen mehrere große und zahlreiche kleine Inseln aus der See, weiterhin erscheinen die bizarren Formen, das scharfgezackte Gebirge des Festlandes.

Alle Kriegsschiffe hatten die große Flaggengala angelegt und salutierten beim Einlaufen der »Elisabeth« die gehisste Standarte. Nachdem wir uns verankert, kam der Gerent des Generalconsulates, Viceconsul Prumler, an Bord und brachte die Post.

Zwei sehr freundliche Telegramme vom Vizekönig und Generalgouverneur des Indischen Reiches, Lord Landsdowne, und vom Oberbefehlshaber in Indien und Kommandanten der Truppen von Bengalen, General Lord Roberts, begrüßten mich auf indischem Boden. Dann stellte sich die von Ihrer Majestät der Königin mir zugeteilte Suite, bestehend aus den Herren General Protheroe, Captain W. E. Fairholme und Mr. J. A. Crawford, vor und brachte mir das Programm für den auf zwei Monate berechneten Aufenthalt, der mit einer Reise in das Gebiet von Haidarabad den Anfang nehmen sollte. Um 5 Uhr kam der Gouverneur von Bombay, Lord Harris, mit seiner Suite an Bord, um mir seine offizielle Visite abzustatten und mir eine Wohnung im Government House anzubieten. Lord Harris, der den Posten des Gouverneurs seit drei Jahren inne hat, wurde mit der britischen Hymne und allen Ehren empfangen und in meine Kajüte geleitet, wo sich eine längere Conversation entwickelte.

Nach der Rückkehr des Gouverneurs ans Land nahm ich von der »Elisabeth« und dem Schiffsstabe auf zwei Monate Abschied, schritt noch die Front der Mannschaft ab und begab mich unter Geschütz und Raaensalut sämtlicher vor Anker liegenden Kriegsschiffe an den Landungssteg Wellington Pier (Apollo Bandar), der mit Fahnen, Tüchern und Blumen auf das prachtvollste geschmückt war. Daselbst empfing mich der Gouverneur mit den Spitzen sämtlicher Behörden. Eine englische Ehrencompagnie, bestehend aus kräftigen, hochgewachsenen Leuten, die mit rotem Kopfschmuck geziert und mit Gewehren ziemlich altertümlicher Modelle bewaffnet waren, präsentierte, während die sehr schmuck aussehende Leibgarde des Gouverneurs beim Wagen harrte, um uns das Geleite durch die Stadt zu geben. Zahlreich hatten sich Damen im Empfangszelt eingefunden, kleine Mädchen streuten Blumen auf meinen Pfad. Wie ein siegreicher Triumphator schritt ich einher, was den Gouverneur sichtlich zu ergötzen schien.

In einer mit australischen Pferden à la Daumont bespannten Staatskarosse setzten wir unseren Triumphzug durch die Stadt fort, überall von der hinter dem Militärspalier versammelten Menge lebhaft begrüßt. Die Fenster der Häuser waren bis ins vierte Stockwerk von Menschen dicht besetzt, die mir zuriefen und zuwinkten. Der »Fort« genannte Teil macht den Eindruck einer großen europäischen Stadt. Die Regierungsgebäude wechseln mit großen Privathäusern, Parks, Monumenten, Cricketplätzen ab; die Straßen sind sehr breit und mit bequemen Trottoirs versehen. Überall verkehren Tramways — ohne Überfüllung — und europäische Wagen. Nur die eigentümliche, nicht immer sehr stilvolle Bauart der öffentlichen Gebäude, der »indische Stil«, ein Mixtum compositum aus allen möglichen morgenländischen und auch europäischen Bauarten, sowie das äußerst bunte Treiben der Vertreter verschiedenartiger Rassen, Völker und Nationen, gemahnen an den Orient, an Indien.

Den größten Teil der Bevölkerung Bombays bilden die Hindus, deren es hier 543.276 gibt. Sie sind in eine Reihe von Kasten eingeteilt, deren auf bedeutende Entfernung hin sichtbare Zeichen in grellen roten, gelben oder weißen Flecken auf der Stirne getragen werden. Die Reicheren kleiden sich in weiße Gewandung, die Armen tragen auch wohl nur ein Lendentuch, während die Füße stets unbeschuht bleiben; den Kopf bedeckt ein Turban in mannigfaltigen Farben. Die Hindus machen nicht den Eindruck kräftiger Menschen; sie sehen hoch aufgeschossen, mager und nichts weniger als muskulös aus. Die Hindu-Weiber scheinen Schmuck sehr zu lieben; denn selbst bei den ärmsten, die in der ganzen Stadt die Function von Lastträgerinnen versehen, erblickt man große Nasen- und Ohrringe, die mit kleinen Steinen und Gold- oder Silberfiligran geziert sind und oft ein bedeutendes Gewicht haben. Die Nasenringe verunstalten, indem sie bis zum Munde herabhängen, das ganze Gesicht, was die Applikation eines Kusses wenig einladend machen und jedenfalls erheblich erschweren müsste.

Eine vornehmere Klasse als die Hindus bilden in Bombay die Mohammedaner, 155.247 an der Zahl, die sich in ihrem Kostüm dadurch von den Hindus unterscheiden, dass sie stets Beinkleider tragen. Die strenggläubigen Frauen der Moslemin verhüllen das Antlitz; doch haben die meisten diese lästige Sitte abgelegt und blicken den Europäern ganz freundlich ins Gesicht.

Das angesehenste, vornehmste und zugleich reichste Element ist in Bombay durch die Parsen vertreten. Wie schon ihr Name andeutet, sind sie ihrem Ursprunge nach Perser; ja sie gelten sogar als Urbewohner Alt-Persiens. Die Eroberung Persiens durch die Araber im Jahre 641 und die fanatische Bekehrung der Eingeborenen mit Feuer und Schwert zu der Lehre Mohammeds trieb — während ein kleiner Teil der Perser sich in der Provinz Irak Adschemi bis zum heutigen Tage erhalten hat — die Mehrzahl der persischen Jünger Zoroasters zur Auswanderung nach Gudscherat, einem nördlich von Bombay sich hinziehenden Küstenstrich.

Die Parsen sind Verehrer des Feuers, welches in der auf dem Gegensatze des Lichtgeistes (Ormusd) und des Herrschers der Finsternis (Ahriman), das ist des sittlich Guten und Bösen beruhenden Lehre Zoroasters als das wichtigste Reinigungsmittel verehrt wird. Für diese dem Islam widerstreitenden Lehren hatten jene Flüchtlinge in Gudscherat Schutz und Frieden gefunden, ihre angestammte Sprache jedoch mit dem hindustanischen Idiom der neuen Heimat vertauscht und dieses derart in sich aufgenommen, dass sie dasselbe noch heute mit Vorliebe sprechen. Von hier aus verbreiteten sich die Parsen über ganz Indien, namentlich in bedeutender Zahl nach der großen und reichen Hafenstadt Bombay, wo sie stets Kapital und Industrie vertraten. Hauptsächlich übten sie die Schiffbaukunst. Als Leiter des Marinearsenals in Bombay hat noch vor wenigen Jahren ein Parse fungiert, dessen Ahnen und Urahnen dieses Amt seit dessen Gründung innegehabt hatten. Unter allen Volksstämmen Indiens waren es die Parsen, welche sich zuerst den Europäern anschlossen und noch heute stehen jene mit diesen in engster Beziehung.

Die Tracht der Parsen unterscheidet sich wenig von jener der übrigen Eingeborenen Indiens. Neuerer Zeit jedoch nähert sich der Schnitt der Kleider der Parsen mehr und mehr dem europäischen, ja manche von ihnen tragen sich ganz alla franca. Als Kopfbedeckung benützen die Männer entweder eine hohe, eigentümlich zugespitzte, aus Wachstuch oder Seide verfertigte Mütze, deren Form sie der in Gudscherat landesüblichen Kopfbedeckung entlehnt haben, oder aber eine stark modernisierte Abart der persischen, mit einem bunten Shawl umwundenen Filzmütze. Die Frauen der Parsen bedienen sich seidener oder wollener, farbiger Beinkleider und grell buntfarbiger Oberkleider, welche aus einem Stück Zeug bestehen, das zuerst um die Hüften geknüpft und dann um Schultern und Kopf geworfen wird.

Die meisten Frauen der Parsen haben zwar schöne Augen, jedoch überlang gebogene Nasen, schlechten Wuchs, entweder zu mangelhafte oder zu üppige Formen, einen lässigen, schläfrigen Gang. Die Mädchen sind mit Ausnahme des Überwurfes, den nur die heiratsfähigen Mädchen tragen dürfen, in gleicher Weise gekleidet wie die Frauen.

Von fremdländischen Orientalen sieht man in den Straßen Bombays auch noch Araber und Perser, die sich mit der Einfuhr von Pferden beschäftigen, Juden aus Bagdad, die hier als Hausierer, und Afghanen, die in Bombay gleichwie in Ceylon ausschließlich als Messerschleifer Verdienst suchen.

Die sogenannten Portugiesen Bombays sind Nachkommen der von den portugiesischen Eroberern zum Christentum bekehrten Eingeborenen und führen die Namen portugiesischer Adelsgeschlechter, da seinerzeit die Bewohner ganzer Dörfer die Namen ihrer neuen Herren angenommen haben. Ihrer Beschäftigung nach sind diese Portugiesen meistens Hausdiener, Köche, auch wohl untergeordnete Gehilfen in Handlungshäusern. Es ist ein weichliches, verkommenes Volk, das sofort an seinem Typus und an seinen vernachlässigten, fadenscheinigen Kleidern europäischen Schnittes zu erkennen ist.

Industrie und Großhandel sind unter die drei Hauptstämme, die Hindus, Mohammedaner und Parsen, in ziemlich scharfgezogenen Grenzen verteilt. So sind z. B. die Parsen die Hauptbesitzer der 72 Baumwollfabriken Bombays. Die Mohammedaner treiben meist Import, die Hindus Export, diese wie jene durch Vermittlung europäischer Handelshäuser. Neuerer Zeit emanzipieren sich jedoch die Moslemin wie die Hindus mehr und mehr von den Europäern und treten in Europa selbst in direkten Verkehr mit den Kaufleuten und Fabrikanten. Dieser Verkehr dürfte dem europäischen Handel kaum zum Vorteil gereichen, da die Begriffe des Orientalen über kaufmännische Moral und Solidität von der allervagsten Natur sind und der Kaufmann von Europa aus weit weniger in der Lage ist, sich im Notfall schleunig Rechtsschutz zu verschaffen, als der in Bombay ansässige Europäer.

Über die Oueen’s Road, eine neue, am Rande des Meeres gebaute, sehr breite Straße fuhren wir nach Malabar Hill, wo, wie erwähnt, eine Reihe von Villen liegt, kleine, luftige Bungalows, halb versteckt in sauber gehaltenen Gärten, unter Palmen, Tamarinden und allerhand blühenden Schlingpflanzen. Ganz an der Spitze dieser Landzunge breitet sich das Government House aus, eine Reihe ebenerdiger Bungalows, deren Mittelpunkt ein etwas größeres Gebäude bildet, in dem sich nur der Speise und der Tanzsaal, umgeben von einer luftigen Veranda, befinden. Dort wohnt der Gouverneur mit seiner Familie und seiner Suite von Sekretären und Adjutanten, deren beinahe jeder ein ihm ausschließlich zugewiesenes, mit aller Bequemlichkeit eingerichtetes Haus inne hat. Dem Klima entsprechend sind diese Wohnstätten äußerst luftig gebaut, die Wände sind wie von Papier, überall Türen, Fenster und Veranden, so dass ich mich in einem solchen Bungalow jedesmal wie in einem großen Vogelhause wähnte. Bieten die Häuser zu wenig Raum für eine größere Anzahl von Gästen, so werden Zelte aufgeschlagen und es gleicht dann das Government House mit allen seinen Annexen einer abgeschlossenen, unter großen Tamarinden und Ficusbäumen lagernden Ansiedelung.

Eine Schar Diener in purpurroter Livree bildete bis zur Veranda hin Spalier, wo uns Lady Harris mit zweien ihrer Freundinnen, Lady Brodrick und Miss Smith, in liebenswürdigster Weise empfing. Nach längerer, reger Unterhaltung, in deren Verlauf ich den Damen auf eine Reihe von Fragen — weshalb ich noch nicht vermählt sei, wann ich zu heiraten gedächte u. dgl. m. — Rede und Antwort stand, zogen wir uns in unsere verschiedenen Bungalows zurück, um Parade-Uniform zum Diner anzulegen. Dieses fand nach englischer Sitte erst um halb 9 Uhr statt. Lord und Lady Harris erwarteten mich im Vorsaale, um mich in das Empfangszimmer zu geleiten, wo sämtliche Gäste längs der Wände in einer Reihe standen. Zu dem Diner waren im ganzen 54 Personen, zahlreiche Damen, unter diesen auch eine mit Diamanten besäete Parsi-Dame, die höchsten Würdenträger und der General-Commandant von Bombay, verschiedene höhere Offiziere, Gerichts-, Munizipal- und Governments-Beamte, alle in Bombay sesshaften Consularvertreter und die Commandanten sämtlicher im Hafen befindlichen Kriegsschiffe eingeladen worden. Bald nachdem mir all die Anwesenden vorgestellt waren, schritten wir unter den Klängen der Volkshymne in den Saal. Die Tafel war sehr geschmackvoll mit Blumen, schwarzgelben Bändern und silbernen Aufsätzen geschmückt.

Die kontinentale Etikette fordert, dass bei einem offiziellen, zu Ehren des Angehörigen einer auswärtigen Macht gegebenen Diner der Gastgeber vor allem das Wohl jenes Souveräns ausbringe, dessen Reich der Gast angehört. Die britische Sitte jedoch weicht, wie ich schon bei dem Diner im Government House zu Kandy zu meinem Erstaunen beobachten konnte, von dieser Gepflogenheit ab. Wenigstens ersuchte mich Lord Harris, zunächst auf das Wohl Ihrer Majestät der Königin zu toastieren, worauf er erst das Wohl Seiner Majestät unseres Kaisers ausbrachte.

An das Diner knüpfte sich ein langer Cercle. Nach Beendigung desselben suchten wir, ermüdet durch die Menge neuer Eindrücke, die uns der erste Tag in Indien gebracht, unser Lager auf.

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      • Ort: Bombay, Indien
      • ANNO – am 17.01.1893 in Österreichs Presse. Baronin Bertha von Suttner, die kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieg sterben wird, hielt einen Vortrag „Die Waffen nieder“ im Hotel Intercontinental. Budapest meldet zwei neue Cholerafälle. Der deutsche Kaiser ist auch leicht erkältet und konnte die Kaiserin nicht bei Repräsentationsbesuchen begleiten. Dichte Schneemassen haben sich über Norditalien gebettet während ein Sturm vor Triest tobt. Die Banque de France ist ebenso in Turbulenzen.
      • Das k.u.k. Hof-Burgtheater gibt Gustav Freytags Lustspiel „Die Journalisten“, während das k.u.k Hof-Operntheater Giuseppe Verdis Aida spielt.

At Sea to Bombay, 16 January 1893

Today we could see the Indian coast nearly without interruption. Towards noon we passed Goa, the Portuguese colony. The officer of the watch observed some snakes swimming in the sea. The weather is wonderful, the sea is as smooth as glass with an agreeable, refreshing wind. We overtook the Lloyd steamer “Elektro” which hoisted a flag salute (“kleine Flaggengala”). I used the time with Doctor von Lorenz to scientifically determine the species of all the birds and butterflies caught in Ceylon. In the evening I stood on the bridge for hours, observing the stars of the southern sky.

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      • Location: near Goa, India
      • ANNO – on 16.01.1893 in Austria’s newspapers. In a chronicle feature, the Neue Freie Presse offers updates about the where-abouts of the different archdukes and princesses such as Archduke Joseph and Archduchesses Clothilde and Maria Dorothea spending their winter retreat in Fiume. The Emperor meanwhile has received a visit from the „beer president“, a CEO and organizer of the ball of business and industry to again petition for the Emperor’s patronage of the ball. The Neue Freie Presse also publishes some secret Russian documents about Russia’s involvement in Bulgaria a few years ago. Paris is still full of turmoil.
      • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing Goethe’s „Iphigenie auf Tauris“, while the k.u.k Hof-Operntheater is repeating „Die Rantzau“.

In See nach Bombay, 16. Jänner 1893

Heute hatten wir die indische Küste beinahe unausgesetzt in Sicht. Gegen Mittag passierten wir Goa, die portugiesische Kolonie. Der Wachoffizier beobachtete einige auf dem Meer schwimmende Schlangen. Das Wetter ist wunderbar, die See spiegelglatt, dazu weht eine angenehme, wohltuende Brise. Wir fuhren dem Lloyddampfer „Elektro“ vor, welcher die kleine Flaggengala gehisst hatte. Ich benützte die Zeit, um mit Dr. v. Lorenz sämtliche in Ceylon erbeutete Vogel und Schmetterlinge naturwissenschaftlich zu bestimmen. Abends stand ich stundenlang auf der Kommandobrücke, den südlichen Sternenhimmel betrachtend.

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      • Ort: nahe Goa, Indien
      • ANNO – am 16.01.1893 in Österreichs Presse. Die Chronik der Neuen Freien Presse informiert in einem Feature über die Aufenthaltsorte diverser Erzherzoge und Prinzessinnen. So sind Erzherzog Joseph und die Erzherzoginnen Clothilde und Maria Dorothea in Fiume zu ihrem Winteraufenthalt eingetroffen. Der Kaiser hat den Bier-Präsidenten, der zugleich Organisator des Industriellenballs ist, empfangen und versichert, auch dieses Jahr die Patronanz über den Ball zu übernehmen. Die Neue Freie Presse veröffentlicht auch ein paar geheime russische Akten aus Bulgarien der letzten Jahre. In Paris kriselt’s weiterhin.
      • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt Goethes Iphigenie auf Tauris, während das k.u.k Hof-Operntheater „Die Rantzau“ wiederholt.

In See nach Bombay, 15. Jänner 1893

Die See ist ganz ruhig. Eine frische Brise fächelt Kühlung. Der Tag ist herrlich. Um 10 Uhr fand der sonntägliche Gottesdienst statt. Den ganzen Tag über wurden Briefe verfasst; denn in Bombay sollte die Post abgelassen werden. Gegen Mittag kam die indische Küste, welcher wir auf zehn Meilen Entfernung entlang fuhren, in Sicht. Das Land ist nur in bläulichen Umrissen erkennbar. Abends waren an der Küste zahlreiche Feuer sichtbar, deren Bedeutung wir uns nicht erklären konnten.

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  • Ort: nahe der Indischen Küste
  • ANNO – am 15.01.1893 in Österreichs Presse. Die Neue Freie Presse berichtet über den kaiserlichen Tourismus: Kaiserin Elisabeth hat in Malaga – zu Fuss – zwei Villen besucht und in Granada die Alhambra besichtigt. Ihr gefiel der Sommerpalast Generalife besonders gut. Per Telegramm ist Franz Ferdinands Reiseplan für Indien bis Nepal eingetroffen. Er wird in Bombay am 17. eintreffen und schon am 19. zur Reise bis nach Nepal aufbrechen.

Notice in the Neue Freie Presse 15 January 1893, p.4, about Franz Ferdinand's arrival in Bombay and his itinerary in India to Nepal.

Neue Freie Presse 15 Jänner 1893, S.4, berichtet über die geplante Ankunft Franz Ferdinands in Bombay und seine Reiseplanung bis Nepal.

  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt Grillparzers Lustspiel „Wehe dem, der lügt“, das k.u.k Hof-Operntheater führt Richard Wagners „Rheingold“ auf.

At Sea to Bombay, 15 January 1893

The sea was totally quiet. A fresh wind brought cool air. The day was glorious. At 10 o’clock Sunday mass was held. The whole day was spent writing letters as in Bombay one could mail it home. Towards noon, the Indian coast became visible as we were driving about ten miles distant from it. Only the blueish contours of the land are recognizable. In the evening, one could distinguish numerous fires on the coast whose meaning we could not explain.

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  • Location: near the Indian Coast
  • ANNO – on 15.01.1893 in Austria’s newspapers. Imperial sightseeing is covered by the Neue Freie Presse: It notes Empress Elisabeth’s visit of villas in Malaga and remarks that the Empress did it all on foot. In Granada, she saw the Alhambra and was especially charmed by the summer palace Generalife. By telegram, the world is informed about Franz Ferdinand’s travel plans in India. He is set to arrive in Bombay on the 17th and depart on the 19th on to his trip across India which will take him to Nepal.
Notice in the Neue Freie Presse 15 January 1893, p.4, about Franz Ferdinand's arrival in Bombay and his itinerary in India to Nepal.

Notice in the Neue Freie Presse 15 January 1893, p.4, about Franz Ferdinand’s arrival in Bombay and his itinerary in India to Nepal.

  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing Grillparzer’s comedy „Wehe dem, der lügt“, while the k.u.k Hof-Operntheater is offering Richard Wagner’s „Rheingold“.