Livingston—Mammoth Hot Springs Hotel, 21. Sept. 1893

Unsere Nachtruhe wurde durch das beständige Verschieben unseres Waggons, welches unter rücksichtslosen Stößen bewerkstelligt wurde, sowie durch das unaufhörliche Pfeifen und Glockengeläute der Lokomotiven empfindlich gestört, so dass wir das Abgehen des Zuges, der uns nach dem Endpunkt der Strecke, der Station Cinnabar, bringen sollte, freudig begrüßten.

Die zweistündige Fahrt führte längs des Yellowstone-Flusses in einem Tal, das sich nach Passierung einer Schlucht, des Gate of the Mountains, erweitert und Paradise Valley genannt wird; hohe Berge mit schneebedeckten Gipfeln, darunter der 3340 m hohe Emigrant Peak, ragen zu beiden Seiten empor. Eine halbe Stunde vor Cinnabar verengt sich das Tal wieder und bildet eine felsige, romantische Schlucht mit Sandsteinwällen, die sich bis zu einer Höhe von 600 m den Berg hinanziehen; schon hier tritt der vulkanische Charakter des Gebietes in manchen Gesteinsarten und Formen zutage.

In Cinnabar harrten der ankommenden Passagiere große, mit vier bis sechs sehr guten Pferden bespannte Coaches, in welchen die Fahrt nach dem ersten interessanten Punkt im Yellowstone-Park, den Mammoth Hot Springs, angetreten wurde. Beim Verlassen des Waggons begrüßte uns empfindliche Kälte, und nach kaum einem halben Kilometer Weges befanden wir uns in einer Schneelandschaft. Die Vegetation war, der hohen Lage — etwa 1600 m über dem Meer — entsprechend, ziemlich spärlich, doch fanden sich an den Wasserläufen und Berglehnen Tannen, eine kleine Thuja, Pappeln und besonders ein graugrüner Ginsterstrauch, der hier vorherrschend ist; sehr erstaunt war ich, allenthalben einen mit langen Stacheln bewehrten Zwergkaktus zu sehen, der am Boden kriechend wächst.

Die Straße war stellenweise ziemlich steil geführt, da sie in der zurückzulegenden Distanz von etwa 13 km um 368 m aufsteigt. Bei der kleinen Ansiedlung Gardiner, welche an der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Yellowstone River liegt, fielen mir die zahlreichen umherliegenden Wapiti-Geweihe auf. Hier erreichten wir das Gebiet des Yellowstone-Nationalparks.

Dieser berühmte und vielbesuchte Park, dessen Areal 22.560 km2 beträgt, wurde durch Kongressakt vom Jahre 1872 als öffentlicher Park erklärt und darf als solcher in keiner Weise angetastet werden: das Holzfällen, die Jagd, der Betrieb von Bergwerken u. dgl. m. ist untersagt. Dieser löbliche Beschluss erhält die Originalität des durch seine Naturschönheiten sowie durch die eigentümlichen vulkanischen Erscheinungen ausgezeichneten Landstriches und schützt denselben vor der Verwüstung durch Menschen. Das ganze Gebiet ist vulkanischer Bildung, welche durch die große Zahl von Geysern, heißen Quellen, Terrassen- und Kraterbildungen, Obsidianfelsen und Schwefelhügeln das Erstaunen und die Bewunderung des Besuchers wachruft; sollen doch beispielsweise die hiesigen Geyser jene Islands weit übertreffen.

Etwa dritthalb Kilometer von dem Punkt entfernt, bei dem man den Park erreicht, wird die Grenze von Wyoming überschritten, auf welches der größte Teil des Parkes entfällt, während Montana und Idaho mit weit kleineren Landstrichen an dessen Areal partizipieren.

Nach Überwindung der letzten Steigung lag das Mammoth Hot Springs Hotel, fast 2000 m über dem Meer, vor uns, ein unförmlicher, riesiger Holzbau mit mehreren Annexen, in roter und gelber Farbe prangend; einige rechts hievon gelegene Pavillons dienen als Kasernen und Stallungen einer Kavallerieabteilung, welche für die Bewachung des Parkes und die Aufrechthaltung der Ordnung daselbst zu sorgen hat. Das Sternenbanner auf einem hohen Mast bezeichnet den Rallierungsplatz dieser Truppe.

Der Park wird alljährlich mit Ende September für den Fremdenverkehr geschlossen, so dass jetzt die Saison schon ihrem Ende nahegerückt war; dennoch zählte das Hotel noch viele Gäste und unter diesen eine beträchtliche Zahl übellauniger Deutscher, die anscheinend von der Ausstellung in Chicago hieher gekommen waren. Obgleich das Hotel Raum für 400 Betten besitzt und das beste des Parkes sein soll, mangelte es dennoch an jedem Komfort und an jeglicher Bequemlichkeit für die Reisenden, ein Übelstand, welcher durch die Bedienung noch verschärft wurde, die eine recht nachlässige war, soweit sie nicht gänzlich fehlte.

Als wir endlich einquartiert waren, begaben wir uns zu den Mammoth Hot Springs, heißen Quellen, die durch ihre Kalksinterablagerungen Terrassen bilden, deren Colorit und malerischer Aufbau sich zu einem prächtigen Schauspiel gestalten, wie es auch in Neuseeland, in Island und Kleinasien nicht schöner gefunden werden soll. Bei heftigem Schneegestöber schritten wir das ganze Terrain ab, welches etwa 70 Quellen und 10 bis 12 Terrassen umfasst; neben der weißen, grellgelben oder braunroten Farbe der Ablagerungen nahm sich das tiefe Blau der Quellen, die brodelnd ihr heißes Wasser aus unergründlichen Tiefen bringen, umso effektvoller aus. Manche dieser Quellen, deren Temperatur zwischen 12 und 47° C. schwankt, zeigen übrigens eine ganz ruhige Oberfläche, so dass wir, wenn der beständig aufsteigende Dampf sich im Wind verflüchtigte, in den azur- oder dunkelblauen Schacht hinabsehen und die Struktur der Ablagerungen sowie des Gesteines beobachten konnten; trotz der mitunter hohen Temperatur des Wassers setzen sich dünne Schichten von Algen am Gestein an. Der bröckelige Rand der Quellen schimmert infolge der Niederschläge meist in bräunlicher oder auch zinnoberroter Farbe, während sich an den Abflüssen schöne tropfsteinartige und feinblätterige Absitzungen bilden; sind dieselben noch ganz weiß oder lichtgelb mit Schwefel durchsetzt, so gilt dies als Beweis, dass die Quelle erst vor kurzem entstanden ist.

Eine jeder vulkanischen Gegend zukommende Eigentümlichkeit, die sich aber hier besonders häufig zeigt, ist das plötzliche Verschwinden und Versiegen der Quellen und Geyser, während ebenso unvermutet neue an anderen Stellen entstellen; so zeigte man uns eine Quelle, die erst vor zwei Wochen zutage getreten war, aber doch schon ansehnliche Ausdehnung erlangt hatte.

Wie in allen von Fremden vielfach besuchten Gegenden, hat auch hier jeder bemerkenswertere Punkt, jede Terrasse und Quelle, einen Namen, der oft genug befremdlicher oder widersinniger Art und auf weißen Tafeln verewigt ist; so heißen zwei mächtige, freistehende Steinkegel erloschener Geyser, die gleich im Beginn des Rundganges besichtigt werden, das Liberty Cap und Giant’s Thumb. Nach Passierung dieser Kegel steigt man auf schneeweißem Kalk die größte der Terrassen, Minerva Terrace genannt, hinan, und nun reiht sich Terrasse an Terrasse, Quelle an Quelle. Zu den bemerkenswertesten dieser Sehenswürdigkeiten zähle ich die Jupiter Terrace, die Pulpit Bassins, die Pictured Terrace, die Narrow Gauge Terrace, die Cupid’s Cave, die Teufels- und die Bärenhöhle, — die drei letztgenannten sind kraterähnliche, tiefe Felsenlöcher, aus denen jedenfalls vor Zeiten Quellen strömten — endlich den Orange Geyser und den Weißen Elephanten. Diese beiden sind heiße Quellen, welche aber keine Terrassen bilden, sondern ihre Ablagerungen kegelförmig auftürmen; die Benennung Orange Geyser ist nur insofern richtig, als der Kalksinter dieser Quelle anscheinend eine Beimengung von Eisenoxyd besitzt und daher orangefarbig aussieht. Der Weiße Elephant gleicht tatsächlich einem riesigen Dickhäuter dieser Art, und warmes Wasser der aufbauenden Quelle rieselte, als wir auf einer der glatten Seitenflächen emporklommen und den „Rücken“ des Gebildes betraten, unter unseren Füßen hervor.

Außer den genannten gibt es noch zahlreiche kleinere Gebilde, Quellen und Sprudel, und beinahe überall, wo wir über diesen vulkanischen Boden hinschritten, klang es unter den Tritten dumpf und hohl; viele Quellen lassen auch ein Zischen, Brodeln oder dumpfes Getöse auf weite Entfernungen hin wahrnehmen.

Am Fuße der Mammoth Hot Springs hat ein unternehmender Yankee einen Laden eröffnet, in dem er verschiedene Gegenstände feilhält, die von den heißen Gewässern, ähnlich wie in Karlsbad, rasch mit einer festen Kalkschicht überzogen werden.

Der Abend war recht ungemütlich, da es in dem Hotel keinen Raum gibt, in dem man nach der Mahlzeit rauchen und plaudern könnte; man ist auf das Stiegenhaus und auf die wenig angenehme Gesellschaft umherlungernder und spuckender Cowboys und Arbeiter, die überall Zutritt haben, angewiesen, so dass wir uns schließlich in eines unserer Zimmer flüchteten.
In dem Mammoth Hot Springs Hotel ist man übrigens gezwungen, frühzeitig zu Bett zu gehen, weil um 11 Uhr ohne Rücksicht auf die Bewohner die gesamte elektrische Beleuchtung eingestellt wird.

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Livingston—Mammoth Hot Springs Hotel, 21 September 1893

Our sleep was severely disturbed by the constant moving of our wagon which happened with ruthless knocks and incessant whistling and ringing of bells of the locomotives so that we greeted the departure of the train to our final destination, Cinnabar station, with pleasure.

The two-hour drive went alongside the Yellowstone river to a valley that opens up after passing through a gorge called the „Gate of the Mountains“. The name of the valley is Paradise Valley. High mountains with snow-covered peaks, among them Emigrant Peak 3340 m high, rise on both sides of the valley. A half hour before Cinnabar the valley becomes narrower again and forms a rocky romantic gorge with sandstone walls that rise up to 600 m high towards the mountains. Here already the volcanic character of the area becomes apparent in many of its rock types and forms.

At Cinnabar, the arriving passengers had to wait for large coaches pulled by four six very good horses for the drive to the first interesting point in the Yellowstone Park, Mammoth Hot Springs. Leaving the wagon we were welcomed by the severe cold and after barely half a kilometer we arrived in a snowy landscape. The vegetation was quite sparse matching the high altitude of around 1600 m above sea level, but there were fir trees near the streams and mountain ledges, a small thuja, poplars and an especially grey-green broom that is predominant here. I was astonished to see here everywhere a dwarf cactus armed with long spines who grows crawling on the floor.

The road was at times very steeply laid out as it had to rise 368 m over a distance of only about 13 km. At the small settlement of Gardiner that lies at the place where the eponymous river flows into the Yellowstone River I noticed numerous wapiti antlers lying around. Here we reached the territory of the Yellowstone national park.

This famous and much visited park that covers an area of 22.560 km2 was established by an act of congress in 1872 and declared a public park that may not be changed in any way: logging, hunting, mining etc. are all prohibited. This commendable act preserves the originality of the landscape distinguished by its natural beauty and its strange volcanic forms and protects it from destruction by humans. The whole are is of volcanic origin that causes a large number of geysers, hot springs, terraces an crater formations, obsidian rocks and sulphur hills that are both astonishing and admired by the visitors. For example, the geysers are said to surpass those in Island by far.

About one and a half kilometers from this point where one enters the park, one crosses the border to Wyoming on which lies the largest part of the park while Montana and Idaho participate with far smaller areas in this park.

Having conquered the last slope, the Mammoth Hot Springs Hotel, nearly 2000 m above sea level, lay in front of us, a formless giant wooden building with multiple annexes, resplendent in red and yellow color. Some of the pavilions at the right served as barracks and stables for a cavalry battalion that is responsible for guarding the park and keeping up the order. The star-spangled banner on a high mast marked the assembly place of this formation.

The park is closed for visitors every year at the end of September so that the season was already coming to a close. Still there were many guests in the hotel and among them a considerable number of cantankerous Germans who had apparently come here from the exposition in Chicago. Even though the hotel offers space for 400 beds and is said to be the best of the park, it was nevertheless lacking in all comforts and an all the amenities for the travellers. A deficit that was further increased by the careless if not completely missing service.

After we finally had settled in our quarters, we went to the Mammoth Hot Springs, hot springs that form terraces by their lime deposits whose coloring and picturesque structure create such a splendid spectacle that can not be found in as beautiful manner in New Zealand, Island or Asia Minor. In a heavy snowfall we walked across the whole area consisting of around 70 springs and 10 to 12 terraces. Besides the white, flashy yellow or brown-red color of the depositions the deep blue of the springs that were bubbling and transporting their hot water out of unfathomable depths was all the more effective. Many of these sources whose temperature was fluctuating between 12 and 47° C. show, by the way, a totally clear surface so that we could look down the azure or dark-blue funnel, when the constant rising steam drifted away in the wind, and observe the structure of the deposits and the rocks. Despite the sometimes quite high temperatures of the water there was a thin layer of algae on the rocks. The crumbling edge of the springs was glittering due to the precipitations mostly in a brownish or vermilion color while at the drains  beautiful dripstone and fine-leafed deposits were developing. If these are still fully white or light yellow mixed with sulphur, then it is seen as a proof that the spring had been in existence for a short time.

One strange characteristic of every volcanic area which is on display here especially frequently is the sudden disappearance and drying up of springs and geysers while just as unexpected they emerge anew in other places. Thus we were shown a spring that had existed only for two weeks but had already developed to quite a substantial size.

As in all places visited often by foreigners so here too every remarkable point, every terrace and spring had its own name that was preserved for eternity on white boards and often quite strange or absurd. Thus two mighty stone cones of dried up geysers standing in the open that are visited right at the beginning of the tour carry the names of Liberty Cap and Giant’s Thumb. Having passed these cones one climbs on snow-white lime up to the largest terrace called Minerva Terrace and then one terrace follows the next, spring follows spring. Among the most remarkable sights I count Jupiter Terrace, Pulpit Basins, Pictured Terrace, Narrow Gauge Terrace, Cupid’s Cave, Devil’s Cave and Bear Cave, — the last three named are deep crater-like holes in the rock out of which once springs flowed a long time ago — finally Orange Geyser and the White Elephant. These are two hot springs that do not form terraces but pile up their deposits as a cone. The name of Orange Geyser is correct in so far as the lime of this spring apparently includes a mixture of iron oxide and thus provides it with an orange-like appearance. The White Elephant in fact resembles a giant pachyderm of that species and hot water was gushing out from under our feet when we climbed up on one of the smooth sides and stepped on the „back“ of the formation.

Except for those already named there were numerous smaller structures, sources and springs. And nearly everywhere we stepped on this volcanic ground, it sounded dull and hollow under our steps. Many springs are noticed from far away by their whizzing, bubbling or dull noises.

At the foot of Mammoth Hot Springs an enterprising Yankee had opened up a shop where he offers various objects for sale that have been quickly covered by the hot waters with a hard lime layer similar as in Karlsbad.

The evening was quite unpleasant as there was no space in the hotel where once could smoke and talk after the dinner. One is limited to use the staircase and is faced with the presence of the less agreeable company of idling and spitting cowboys and workers who have access to all places, so that we finally fled to one of our rooms.

In the Mammoth Hot Springs Hotel one is, by the way, forced to go to bed early as at 11 o’clock all electric lighting is turned off without any consideration for the guests.

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Spokane — Livingston, 20. Sept. 1893

Der Morgen brachte uns eine Fahrt durch trostlose Gegend. in der kahle, mit gelbem Gras bedeckte Hügel und im Hintergrund vom Neuschnee erglänzende Berge mit spärlichem Baumwuchs aufragen. Wir sahen nur wenige Farmen, dafür häufiger Indianer, deren in einer Station ein ganzer Trupp geschliffene Büffel- und Ochsenhörner zum Kauf anbot. Männer und Weiber hatten das Gesicht rot oder chromgelb tätowiert, das Haar in Zöpfe geflochten und in den Ohren Ringe aus Muschelschalen; die Kleidung der Männer erschien als ein Gemisch der nationalen und der europäischen Tracht, und es entbehrte nicht der Komik, einen Sohn der Wildnis vor sich zu sehen, der zwar Mokassins und originale Lederhosen trug, aber den Oberleib in ein abgetragenes, schwarzes Jacket gehüllt und das Haupt statt durch Adlerfedern mit einem eingetriebenen Zylinder geschmückt hatte; die Weiber waren in bunte Kotzen gehüllt und blickten starr auf die dem Zug entsteigenden Reisenden. Welch ein Unterschied zwischen diesen von der Kultur angekränkelten Indianern und deren wilden, freien, stolzen Vorfahren, die noch vor nicht allzu langer Zeit die Herren des Landes waren!

Nachmittags überschritten wir zum zweiten Mal den Hauptrücken der Rocky Mountains, diesmal im Mullan-Pass, mittels eines in 1691 m Seehöhe liegenden, über einen Kilometer langen Tunnels; der Scheitel des Gebirgskammes erhebt sich bis zu 1789 m. Der Kontrast zwischen der West- und der Ostseite dieser Wasserscheide ist ein auffallender; die gelben Lehnen der Westseite werden durch eine zerrissene Felsenlandschaft ersetzt, in der sich die Bahn mittels bedeutender Krümmungen und scharfer Kurven dahinwindet; die Felsen nehmen nicht selten phantastische Gestaltung an; die Vegetation lässt im Westen wie im Osten gleich viel zu wünschen übrig.

Kurze Zeit nachher rast der Zug über eine Art Hochprairie, ein sehr breites, flaches Tal; eine Bergkette, auf deren Gipfel hoher Schnee liegt, steigt schroff empor. Halbwilde Viehherden treiben sich auf der Prairie umher und häufig muss der Lokomotivführer den langgezogenen Ton der Dampfpfeife erschallen lassen, um die Tiere von den Schienen zu verjagen; zahlreiche Skelette verendeter Stücke bleichen zu beiden Seiten der Trace. Da die Gegend sehr erzreich, insbesondere goldhaltig ist, sahen wir zahlreiche Minen und Bergwerke, um die sich Ansiedlungen, Städte genannt, gruppieren, deren bedeutendste Helena ist, die Hauptstadt von Montana. Rings um die an Spokane erinnernde Ortschaft finden sich ergiebige Gold- und Silberlager in Ouarzgestein, nebstbei auch Kupfer-, Eisen- und Bleierze. Mit bedeutender, auf amerikanischen Bahnen fast zur Regel erhobenen Verspätung kamen wir in Livingston an, wo wir im Waggon übernachteten, da auf den kleineren Strecken leider keine Nachtzüge verkehren, so dass man gezwungen ist, die Nacht in einem Hotel oder im Schlafwagen zu verbringen.

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Spokane — Livingston, 20 September 1893

The morning brought us a drive through a desolate area in which bare hills covered with yellow grass rise while the mountains whose peaks were glittering with new snow were only sparsely covered with trees. We saw only a few farms but instead quite frequently Indian of which one offered a whole group of polished buffalo and ox horns for sale at a station. Men and women had their faces tattooed red or chrome yellow, the hair braided and rings made out of shells in their ears. The dress of the men seemed to be a mixture of national and European pieces. It was not without a comical element to see a son of the wilderness who still wore moccasins and original leather pants but covered his body in a worn black jacket and his head with a crushed top hat instead of eagle feathers. The women were clad in colorful capes and stared at the travellers emerging from the train. What a difference between these Indians weakened by culture and their wild free and proud ancestors who not long ago were the masters of this land!

In the afternoon we crossed for the second time the continental divide of the Rocky Mountains, this time at Mullan Pass, through a one kilometer long tunnel at an altitude of 1691 m above sea level. The crest of the mountain range rises to 1789 m. The contrast between the Western and Eastern side of this watershed is remarkable. The yellow ledges of the Western side are replaced by a broken rock landscape in which the railway twists its way up by important bends and sharp curves.  The rocks appear not seldom in fantastic forms. The vegetation leaves much to be desired both in the West and the East.

A short time later the train dashes over a sort of high prairie, a very wide flat valley; a mountain range on whose peaks lies much snow rises steeply. Half-wild cattle herds ran around on the prairie and the locomotive driver often had to use the steam whistle in order to chase the animals from the tracks. Numerous carcasses of dead pieces are bleaching on both sides of the tracks. As the territory is very rich in ores especially in gold, we saw a lot of mines around which settlements, called cities, were grouped among which Helena is the most important and the capital of Montana. Around this place that reminded me of Spokane are rich gold and silver deposits in quartz stone, besides copper, iron and lead. With considerable delay that is almost regular on American railways we arrived in Livingston where we passed the night in the wagon as no night trains were allowed to move on the smaller lines, so that one is forced to spend the night either in a hotel or in the sleeping car.

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  • Location: Livingston, Montana, United States
  • ANNO – on 20.09.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing Schiller’s tragedy „Die Räuber“. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera „Carmen“.

 

Northport — Spokane, 19 September 1893

Early in the morning close to Fort Shepherd we crossed the border between British Columbia and the United States and are now on the territory of the state of Washington.

In the morning the steamer moored at Northport, the final destination of our river journey. As there existed a wise custom of letting a train depart only on those days that there was no steamer, I was forced to take a special train that consisted only of the machine,  baggage wagons and a Pullmann salon wagon. I just then rented the latter one for the full journey onward. This wagon had a kitchen, comfortable sleeping spots and offered the advantage that we could hope to stay among ourselves and thus be spared to come into contact with unkind fellow passengers.

The transfer from the landing to the station at Northport is strange as the track runs straight into the river. The steamer moves so close to it that it is beached. The train literally drives into the water up to half its axis height. The traveller thus takes a big step from the ship to the train wagon while tiny fishes are swimming around the steamer and the train. Our baggage was quickly loaded into the train and now the journey went very quickly, despite the construction of the Spokane Falls and Northern Railway not inspiring much confidence, alongside the steeply falling lake shore to Marcus where the train leaves the lake behind and turns towards Spokane.

The landscape here is markedly different than that of the day before. Not very tall pine trees growing at considerable distance from each other. The ground is covered by dry yellow grass. Instead of the earlier so numerous burnt places there are here corn [maize], oats and wheat fields. Close to the farms herds of beautiful cattle and studs of well formed horses are cavorting. Noticeably many steam saws lay next to the tracks and giant stacks of cut and planed boards prove that here the value of wood is much appreciated. The possessions of the individual farmers were enclosed by barbed wire. We saw some game too as from smaller lakes and reed covered ponds rose flocks of ducks into the air an flew swift as an arrow past the windows of our compartment.

Already in Northport I had received a telegram from Colonel Cook who asked me to his regiment and camp located near the city of Spokane as there would be a two hour stop in that place. I thankfully declined this somewhat strange invitation in consideration of my incognito which led to a vituperative article in the Spokane evening newspaper that was handed to us in the wagon. The article had the laconic title „Franz is here„, illustrated with my image and was filled with mean falsehoods that did in no way attain their intended goal of offending me.  To the contrary, I found this old canard only ridiculous all the more so as various parts were unintentionally funny. Thus, for example,  the bad tempered reported exerted himself about our too numerous pieces of baggage and posed the question how this would be after I had been married . Then he criticized the „nonchalant“ knocking off of the cigar and other nonsense of this kind.

Instead of attending the parade I used the stay for a visit of the city of Spokane whose tasteless buildings painted green or red presented a not so pleasing sight. The center of a rich agricultural district, Spokane was founded in 1878 and rebuilt after a great fire in 1889. Traces of the latter can still today be perceived in the city center. The streets were full with an extraordinary amount of droppings, a situation that reminded me of small villages in Eastern Europe (Halbasien).

The two waterfalls within the city, Spokane Falls, are praised as natural beauties but are actually only weirs from which the water drops out of a total height of 45 m and which powers an lighting system numerous factories and other enterprises in the vicinity.

After a two hour stay out wagon was coupled to the main train that was fully packed with passengers despite its length and the journey onward started on the Northern Pacific Railway.

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Northport — Spokane, 19. Sept. 1893

Früh morgens passierten wir in der Nähe von Fort Shepherd die Grenze zwischen Britisch-Kanada und den Vereinigten Staaten und befanden uns jetzt im Gebiet des Staates Washington.

Vormittags legte der Dampfer in Northport, der Endstation unserer Flussfahrt, an; da aber hier die weise Einrichtung besteht, dass nur an jenen Tagen, an welchen der Dampfer nicht verkehrt, ein Eisenbahnzug abgeht, war jch gezwungen, einen Extrazug zu nehmen, der nur aus Maschine, Gepäckswagen und einem Pullmann-Salonwagen bestand, welch letzteren ich gleich für die ganze weitere Reise mietete. Dieser Wagen hatte eine Küche, bequeme Schlafstellen und bot den Vorteil, dass wir hoffen durften, unter uns zu bleiben und so der Berührung mit unliebenswürdigen Reisegefährten überhoben zu sein.

Der Übergang von der Landungsstelle zum Bahnhof von Northport ist eigenartig; denn das Gleis ist in den Fluss hineingeführt, der Dampfer kommt so nahe an dieses heran, dass er aufsitzt, der Zug aber fährt buchstäblich bis über die halbe Achsenhöhe ins Wasser, und der Reisende gelangt, während kleine Fischchen rings um den Dampfer und den Zug schwimmen, großen Schrittes vom Schiff in das Coupe. Unser Gepäck war rasch umgeladen, und nun ging es, trotz des wenig vertrauenerweckenden Baues der Spokane Falls and Northern Railway, sehr schnell das steil abfallende Seeufer entlang bis Marcus, wo die Bahn den See verlässt, um sich nach Spokane zu wenden.

Die Gegend zeigt hier ein wesentlich anderes Gepräge als tags zuvor; nicht besonders hoch entwickelte Kiefern wachsen in ziemlicher Entfernung von einander, den Boden bedeckt trockenes, gelbes Gras, statt der früher so häufigen Brandstellen zeigen sich mit Mais, Hafer und Weizen bebaute Felder, und in der Nähe der Farmen tummeln sich Herden schöner Rinder sowie Rudel gut gebauter Pferde. Auffallend viele Dampfsägen liegen an der Bahn und riesige Stöße zugeschnittener, gehobelter Bretter beweisen, dass man hier den Wert des Holzes sehr zu schätzen weiß. Die Besitzungen der einzelnen Farmer waren von Zäunen umschlossen oder mit Stacheldraht umfriedet. Wir erblickten auch etwas Wild, indem von kleinen Seen und rohrbewachsenen Tümpeln größere Kitten Enten aufstiegen und pfeilschnellen Fluges an den Coupefenstern vorbeizogen.

Schon in Northport hatte ich ein Telegramm des Obersten Cook erhalten, der mich aufforderte, sein in der Nähe der Stadt Spokane befindliches Regiment und Lager zu inspizieren, da wir uns im genannten Ort zwei Stunden aufhalten müssten. Ich lehnte mit Rücksicht auf mein Incognito die etwas eigenartige Einladung dankend ab, was Veranlassung zu einem Schmähartikel im Spokaner Abendblatte gab, das uns in den Waggon zugestellt wurde. Dieser Artikel trug den lakonischen Titel: „Franz is here“, war mit meinem Bildnisse verziert und strotzte von böswilligen Unwahrheiten, die aber keinesfalls den beabsichtigten Zweck, mich zu ärgern, erreichten; ich fand im Gegenteil diese Zeitungsblüte nur lächerlich, umsomehr als sich verschiedene Stellen von unbeabsichtigt komischer Wirkung eingeschlichen hatten. So hielt sich beispielsweise der übellaunige Reporter über unsere allzu zahlreichen Gepäckstücke auf und stellte die Frage, wie dies erst sein würde, wenn ich verheiratet wäre; dann bemängelte er das „nonchalante“ Abstreifen der Zigarrenasche und brachte noch allerlei anderen Unsinn vor.

Statt der Parade beizuwohnen, benützte ich den Aufenthalt zu einer Besichtigung der Stadt Spokane, die mit ihren geschmacklosen, grün oder rot angestrichenen Bauten ein wenig erfreuliches Bild darbietet. Mittelpunkt eines reichen Agrikulturdistriktes, wurde Spokane im Jahre 1878 gegründet und 1889 nach einem großen Brande umgebaut; Spuren des letzteren sind noch jetzt im Stadtzentrum wahrnehmbar. Die Straßen wiesen ganz außerordentliche Kotmengen auf, die mich an Zustände in kleinen Ortschaften Halbasiens erinnerten.

Die beiden innerhalb der Stadt gelegenen Wasserfälle, Spokane Falls, werden als Naturschönheit gerühmt, sind aber in der Tat nur Wehre, über die das Wasser aus der Gesamthöhe von 45 m abfällt und dessen Kraftäußerung einer Beleuchtungsanlage sowie zahlreichen Fabriken und anderen Unternehmungen dienstbar gemacht wurde.

Nach einem zweistündigen Aufenthalt wurde unser Waggon an den Haupttrain, der trotz seiner Länge von Passagieren dicht besetzt war, angehängt und die Weiterreise mit der Northern Pacific Railway angetreten.

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Revelstoke — Northport, 18. Sept. 1893

Lärmen, Gepolter und das klägliche Geheul der Dampfpfeife zeigten uns nach 4 Uhr morgens das Abgehen des Dampfers an, und wir steuerten, als ich bald darauf die Galerie betrat, bereits mit voller Fahrgeschwindigkeit im Columbia-Fluss. Dieser ist im allgemeinen ziemlich schmal und läuft in zahlreichen, oft sehr scharfen Windungen durch ein enges, zu beiden Seiten von steilen Hügeln und Bergketten eingeschlossenes Tal; die Navigation wird außerdem durch viele Bänke und Felsen des Flussbettes erschwert. Ich musste daher die Geschicklichkeit und Kühnheit des Kapitäns bewundern, der auf seinem mangelhaft steuernden Schiffe mit ganzer Kraft durch diese Hindernisse fuhr; allerdings ist der Tiefgang des Dampfers gering, wodurch die Schwierigkeit der Navigation etwas verringert und die Gefahr vermindert wird, und andererseits ist das Fahrzeug, wie bemerkt, mit zahlreichen Rettungsringen ausgestattet, was wohl für alle Eventualitäten als genügend erachtet wird, da ja bekanntlich in Amerika Menschenleben nicht allzu viel gelten.

Bald verließen uns die vom Feuer verheerten Wälder, und wir traten in Gebiete ein, die von solchen Verwüstungen bisher verschont geblieben sind; sollte auch hier eine Eisenbahn gebaut werden, so wäre wohl die schöne Zeit der prächtigen Waldungen zu Ende. Das Gebiet des Columbia Rivers gehörte bis vor kurzem zu den wenigst bekannten und erforschten Teilen Nordamerikas, und Weiße kommen erst seit Beginn der Flusschiffahrt in diese Wildnis; gegenwärtig sind es zumeist Goldgräber, welche als erste Pioniere vordringen und ihr Dasein fristen, indem sie teils im Fluss Gold waschen, teils in den Gebirgen Erze suchen. Auch einzelne Farmer trachten hier dadurch ihr Glück zu begründen, dass sie zuerst ein Stückchen Wald roden und dieses dann bebauen; unser Dampfer brachte einem dieser Farmer seinen ersten Pflug. Die Ansiedler finden anfänglich ihren Lebensunterhalt nur in der Jagd, die sehr ergiebig sein soll, da viel Hochwild und zahlreiche Bären vorkommen.

Mitunter fuhr unser Dampfer mitten im Wald, ohne dass sich eine Ansiedlung in der Nähe befand, gegen das Ufer und schiffte daselbst einige Goldgräber aus, die sofort in den Urwald eindrangen. Man kann sich daher unschwer vorstellen, welch eigenartige Gesellschaft an Bord vereinigt war; wüste und rohe Gesellen trieben sich in abgeschabter, zerrissener Kleidung, den großen Hut auf dem Kopf und den Revolver zur Hand, auf Deck und in den Salons umher, uns Gelegenheit bietend, schon hier mit der amerikanischen Rücksichtslosigkeit bekannt zu werden. Allenthalben lümmelten diese Kumpane umher, legten die Füße auf Sofas und Stühle, spuckten überall hin und nahmen Bücher, die nur einen Augenblick im Salon liegen geblieben waren, einfach an sich.

Der Fluss geht noch innerhalb Kanadas zweimal in Seen, in den Upper und den Lower Arrow Lake, über, was wir jedoch nur an der lichteren Färbung des Wassers wahrnahmen, da wir sonst die Seen nur für eine Verbreiterung des Flussbettes gehalten hätten.

Die einzige größere Ansiedlung an unserer Route verdankt ihre Entstehung einer Silbermine, welche in der Selkirk Range erschlossen wurde und ziemlich reichhaltig sein soll; infolge der gegenwärtigen Entwertung des Silbers fand eine Verminderung des Betriebes statt, und man verwendet daher die vorhandenen Arbeitskräfte zur Erbauung einer vom Bergwerk zum Seeufer führenden Eisenbahn. Bei dieser Ansiedlung, die aus mehreren kleinen Bretterhäuschen mit dem unvermeidlichen Kramladen und aus einer Dampfsäge besteht, sahen wir alle Arbeiter am Landungsplatz versammelt, weil eben Zahlungstag war und unser Dampfer das Geld brachte. Das Einschiffen des Holzes für unsere Kesselfeuerungen zog sich schier endlos hinaus: große Holzscheite lagen am Rand des Waldes aufgeschichtet, der Kapitän ließ den Dampfer in deren Nähe im Schlamm aufsitzen und schickte ein paar Leute ans Land, welche die Klötze einzeln an Bord trugen.

Schlechtes Wetter verfolgte uns auch hieher, und während vormittags dichter Nebel über den Bergen lagerte, jede Fernsicht benehmend, fing es nachmittags überdies zu regnen an; es wurde bitter kalt, so dass ein Verweilen im Freien unmöglich wurde und wir bei den spuckenden Söhnen der Wildnis im Salon verweilen mussten. Erfreulicherweise hatte eine mitreisende, nebenbei bemerkt, auch sehr hübsche Amerikanerin hinlängliche Nachsicht, uns das Rauchen zu gestatten, wofür wir ihr herzlich dankbar waren.

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  • Ort: Nahe der US-Grenze, Kanada
  • ANNO – am 18.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt die Tragödie „Arria und Messalina“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Don Juan“ aufführt.

Revelstoke — Northport, 18 September 1893

Noise, rumbling and the whiny howls of the steamer’s whistle announced the departure of the steamer to us at 4 o’clock in the morning, and we steered already at full speed in the Columbia river when I entered the gallery. The river is in general very narrow and runs in numerous often very sharp turns through a narrow valley enclosed on both sides on steep hills and mountain ranges. The navigation is furthermore made more difficult by banks and rocks in the river bed. I thus had to admire the skill and audacity of the captain who drove on his hard to steer ship at full speed through these obstacles; the depth of the steamer however was shallow which reduced the difficulties of navigation a bit and lessens the danger. On the other hand the vehicle is equipped with numerous life-belts which was apparently deemed sufficient for all eventualities as it is well known that human lives do no to count for all that much in America.

Soon the fire-burnt woods left us and we entered into a region that had been spared such destruction up to now. Here too a railway was to be built, thus putting an end to the splendid forest. The territory of the Columbia River used to be up to recent times one of the least known and explored parts of North America and white people only have been entering this wilderness since the establishment of river shipping. Currently they are mostly gold diggers who enter as the first pioneers and spend their days partly by washing for gold in the river partly by prospecting for metals in the mountains. Some farmers too have tried their fortune in clearing a wood lot and then cultivating the ground. Our steamer was transporting the first plow for one of these farmers. The settlers at first can sustain their life only by hunting which is said to be very plentiful as there is much big game and numerous bears.

For some time our steamer was driving in the midst of the forest without a settlement in the vicinity and stopped at the shore to disembark some gold diggers there who then entered into the wilderness. One can thus imagine without difficulty the strange company assembled on board. Ugly and rough fellows were milling around on deck and in the salons in threadbare torn clothes with large hats on their heads and a revolver near their hands. This gave us the opportunity to acquaint ourselves already here with the American ruthlessness. Everywhere these fellows were lounging around, putting their feet upon couches and chairs, spitting everywhere and taking possession of books that had been left for just a moment in the salon.

The river runs, still in Canada, twice into lakes called the Upper and Lower Arrow Lake what we could however perceive by the lighter color of the water as we would have taken the lakes to be just a wider river bed.

The only bigger settlement along our route owes its existence to a silver mine that had been opened in the Selkirk Range and is said to be quite rich. Due to the current devaluation of silver the level of activity had been reduced and one employs the workers present to build a railway line from the mine to the lake shore. In this settlement that consisted of multiple small log huts with the inescapable shop and a steam saw we saw all workers united at the landing pier as it just was pay day for which our steamer brought the money. The loading of the wood for our boiler furnace seemed to go on forever. Large wood logs were stacked at the edge of the forest, the captain beached the steamer nearby into the mud and sent a few people on land who carried the logs piece by piece on board.

Bad weather was following us here too. And while dense fog lay over the mountains in the morning that prevented any clear view, it even started to rain during the afternoon. It turned bitterly cold so that staying outside became impossible and we had to remain together with the spitting sons of the wilderness in the salon. Fortunately a fellow travelling American woman who was by the way very pretty had sufficient mercy with us and permitted us to smoke for which we were greatly thankful.

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Priests‘ Landing—Revelstoke, 17. Sept. 1893

Während der Nacht hörte der Regen wieder auf; ein frischer, von den Bergen herabwehender Wind brachte schöne, wenngleich kühle Witterung. Des heutigen Sonntags wegen sollte kein Train verkehren und ich konnte daher nur durch die besondere Gefälligkeit der Bahnverwaltung einen Extrazug erhalten, der gegen 3 Uhr nachmittags abzugehen hatte. Ich blieb bis dahin der Erkältung wegen, an der ich noch immer litt, an Bord, während meine Herren einen bewaffneten Spaziergang auf die oberhalb der Station liegenden Höhen unternahmen und einige Grouse einer kleineren Art heimbrachten. Später versuchten wir in der Nähe des Schiffes mit Angeln zu fischen, was jedoch ziemlich erfolglos blieb, obgleich einigen Engländern, die wir des Abends zuvor an derselben Stelle beobachtet hatten, schöne Lachsforellen zur Beute gefallen waren.

Im Extrazug, der aus zwei Schlafwagen und einem Ungetüm von einer Lokomotive bestand, begrüßte uns freundlich grinsend Mr. Fisher, ein Mulatte, der uns bereits von Vancouver aus während der Eisenbahnfahrt bedient hatte. Wir flogen durch die uns schon bekannte liebliche Gegend der Hauptlinie zu, welche wir bei Sicamous erreichten. Etwa eine Stunde vor dieser Station tritt die Bahn an das Ufer einer Ausbuchtung des Shuswap-Sees heran, welcher sich langgestreckt und ernst zwischen dunklen Wäldern hinzieht; nur ein von Indianern gesteuertes Rindenkanu, einzelne große Taucher und hin und wieder ein Flug Enten waren auf dem glatten Wasserspiegel zu sehen. Neuschnee, der in der Nacht gefallen, bedeckte die Kämme der Berge, und die düsteren Tannen nahmen sich im weißen Kleid, welches sie dies Jahr wohl zum ersten Mal angelegt hatten, ganz entzückend aus. Nach der Station Sicamous bogen wir alsbald von dem Seeufer in eine dicht bestockte Waldlandschaft ein, die von einem kleinen Fluss, dem Spallumsheen River, in zahlreichen Krümmungen durchzogen wird; wohltuend wirkte es, hier auf längere Strecken Wald zu blicken, an den noch nicht Feuer gelegt war.

Der Sonnenuntergang brachte uns eine Überraschung, nämlich eine Art Alpenglühen, wie ich es in dieser Weise noch nie gesehen hatte, und das an Schönheit unvergleichlich war; bei sonst bewölktem Himmel erglänzten, sich scharf von den bereits im Schatten befindlichen Teilen der Wälder abhebend, die Höhen im intensivsten Rot, das gegen unten violett verlief, während die beschneiten Spitzen zart rosa angehaucht schienen. Dieser herrliche Farbeneffekt währte beinahe eine halbe Stunde.

Spät abends waren wir in Revelstoke, wo wir die Waggons verließen und uns auf dem der Columbia and Kootenay Steam Navigation Company gehörigen Flussdampfer „Columbia“ einschifften. mit welchem wir den Columbia-Fluss zutal fahren mussten, um bei Northport wieder die Eisenbahn zu besteigen, die uns nach unserem nächsten Ziele, dem Yellowstone-Park, bringen sollte. Der „Columbia“ ist nach demselben System, wie der „Aberdeen“ erbaut, nur in allen seinen Dimensionen größer gehalten, so dass er bis zu 100 Passagiere erster Klasse aufnehmen kann; doch scheint er sehr alt und reparaturbedürftig zu sein, weil überall angeschlagen stand, dass sich die Rettungsgürtel in jeder Kabine unter den Betten befänden, und ich aus meiner Kabine durch klaffende Spalten der Bordwand blicken konnte, während es einem anderen Herrn durch das Deck aufs Bett regnete.

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  • Ort: Revelstoke, Kanada
  • ANNO – am 17.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Lustspiel „Die Welt, in der man sich langweilt“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Manon“ aufführt.

Priests‘ Landing to Revelstoke, 17 September 1893

During the night the rain stopped again. A fresh wind coming from the mountains brought beautiful if cold weather. As it was Sunday today, there would be no train today and I only managed to get a special train thanks to the outstanding courtesy of the railway administration. The train was set to depart at 3 o’clock in the afternoon. Up to then, I stayed on board due to the cold I was still afflicted with, while my gentlemen undertook an armed promenade to the heights situated above the station and returned with some grouses of a smaller species. Later we tried to fish with rods but remained mostly without success even though some Englishmen we had observed at the same spot the evening before had caught beautiful salmon trouts there.

In the special train that consisted of two sleeping cars and a monster of a locomotive we were greeted friendly by smiling Mr. Fisher, a mulatto who had served us already during the railway journey from Vancouver. We flew through the already known pretty region towards the main line which we reached at Sicamous. About an hour before this station the railway comes close to the shore of a bulge of Shuswap Lake, that lies elongated and earnest between dark forests. Only a bark canoe steered by Indians, some individual great loons and now and then a flock of ducks were to be seen on the smooth surface of the lake. New snow that had fallen during the night covered the mountain ridges. The bleak fir trees looked quite delightful in their white dress that they probably put on the first time in this year. After Sicamous station we soon turned away from the lake shore into a densely filled forest landscape that is criss-crossed in many bends of the small Spallumsheen River. It is pleasant to see large stretches of forest here that had not yet been touched by fire.

The sunset brought a surprise, namely a kind of alpenglow, I had not seen before during this week and which was incomparably beautiful. In an otherwise cloudy sky the heights were glowing in the most intense red that bled into a purple at the lower end and stood out sharply against the already shadowed parts of the forests, while the snowy peaks were tinted in light pink. This gorgeous color effect lasted for nearly half an hour.

Late in the evening we were in Revelstoke where we left the wagons and embarked on the river steamboat „Columbia“ owned by the Columbia and Kootenay Steam Navigation Company. With it we would drive down on the Columbia river in order to take the railway again at Northport that would transport us to our next destination, Yellowstone Park. „Columbia“ is built according to the same system as „Aberdeen“ only bigger in all its dimensions so that it could take in up to 100 first class passengers. But it seems to be quite old and in need of repairs, as everywhere it was posted that the life-belts were to be found under the beds in each cabin. In my cabin I discovered that I could look through yawning gaps in the ship’s side while it directly rained through the deck on the bed of one of the other gentlemen.

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  • Location: Revelstoke, Canada
  • ANNO – on 17.09.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing the comedy „Die Welt, in der man sich langweilt“. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera „Manon“.