Badgery Station, 24. Mai 1893

Heute sollte auf Felsen-Wallabies gejagt werden. Bei dichtem Nebel und empfindlicher Kühle wurde am Ufer des die Gegend in mäandrischen Krümmungen durchziehenden Flusses, in welchem tagsvorher der Wagen stecken geblieben war, halt gemacht, da ich mit einem der Jäger eine abgelegene Stelle aufsuchen wollte, wo zuweilen, wie man mir gesagt hatte, Schnabeltiere anzutreffen sind. Durch ein kleines Nadelgehölz schleichend, kamen wir an den Rand des Wassers, konnten aber außer einer Ente keinerlei Wild erspähen. So saßen wir denn bald wieder im Sattel, durchquerten den Fluss und erstiegen die jenseitigen Höhen, bis wir an ein tief eingeschnittenes, sehr felsiges Tal mit steilen, aufsteigenden Wänden gelangten, in dessen Sohle ein Fluss sich schäumend Bahn durch das Gestein brach. Das Tal oder, besser gesagt, die Schlucht bot dank den mächtigen, vom Wasser umspülten Felsblöcken, zwischen welchen überall Bäume und Sträucher hervorwuchsen, einen pittoresken Anblick.

Diese Schlucht, ein Lieblingsaufenthalt der Felsen-Wallabies, sollte der Schauplatz der heutigen Jagd sein. Ursprünglich hatte mir Mr. Badgery einen nicht glücklich gewählten Stand angewiesen, und überdies jagten die Treiber zu früh an, so dass mir, als ich endlich zu einem besser gelegenen Stand emporgeklettert war, Felsen-Wallabies bereits in voller Flucht entgegenkamen. Diese leben, wie schon der Name andeutet, auf felsigem Terrain, indem sie sich tagsüber unter überhängenden Felsen und in Felslöchern verborgen halten, während
der Nacht aber in die nächste Umgebung auf Äsung ausgehen. Sie wagen sich nicht weit von ihren Schlupfwinkeln hinweg, da sie auf ebenem Boden nicht sehr flüchtig sind; hingegen ist die Schnelligkeit, mit der sie in ihrem Element, den Felsen, umherhüpfen, ebenso erstaunlich wie die Größe der Sprünge, welche sie ausführen. Sind schon die Bewegungen der Känguruhs überaus drollig, so sind es jene der Wallabies, deren ich einige im Sprung erlegte, noch viel mehr. Letztere sind ziemlich klein, haben aber unter allen Känguruhs das schönste Fell; denn dieses ist tiefbraun, am Bauch gelb gefärbt und bei den älteren Tieren schimmern die Spitzen der Haare silberweiß durch.

Die ersten Stücke, welche ich erlegte, sprangen wie Gemsen den Fluss entlang über die Felsblöcke. Nach den ersten Schüssen hatten die scheuen Tiere sehr bald die Richtung, aus der ihnen Gefahr drohte, entdeckt, da ich frei auf dem Hauptwechsel stand, weshalb ich nun, einen anderen Platz wählend, mich tiefer in der Schlucht hinter Felsen aufstellte, so dass ich nun ein Stück nach dem andern erlegen konnte. Diese Jagd gestaltete sich äußerst lebhaft; längs der Reihe der Schützen krachten, wie bei einer guten Hasenjagd, ununterbrochen die Schüsse, deren Echo an den Talwänden wiederhallte; dazu sekundierten die Treiber, die hier nur zu Fuße weiter kommen konnten, mit ihren Peitschen. Bald waren 51 Stück Felsen-Wallabies, deren 26 auf mich entfielen, zur Strecke gebracht.

Ein zweiter Trieb fand flussabwärts in derselben Schlucht statt, nachdem wir das Gewässer zu Pferde durchwatet und am jenseitigen Ufer Stellung genommen hatten. Ich war am tiefsten in der Schlucht postiert, vor mir lagen in wildem Gewirr übereinander abgestorbene Bäume, und links von mir spiegelten sich in einem tiefen Wasserbecken gewaltige Baumriesen. Die nur vom Rauschen des Wassers unterbrochene Stille, die reizende landschaftliche Szenerie des Plätzchens fesselten mich derart, dass ich, in Befrachtung versunken, des Waidwerks fast vergessen hätte, und doch gab es hier nicht bloß für den Naturfreund zu schauen, sondern auch für den Jäger zu tun; denn das Wild kam gleichzeitig auf zwei Wechseln flüchtig an meinem Stande vorbei. Obgleich der Trieb viel rascher beendet war, als der erste, war das Ergebnis desselben — 33 Felsen-Wallabies, wovon ich 10 erlegt hatte — recht befriedigend.

Ein rascher Ritt brachte uns hierauf in die Farm zurück, wo dem Jagdgefolge eine kurze Mittagsrast gegönnt wurde, während wir uns der Sortierung der zahlreichen Felle widmeten.

Es verdient bemerkt zu werden, dass die Pferde auch dieser Farm sich durch ihre Ausdauer und die Geschicklichkeit, mit der sie in schwierigem Terrain vorwärts kamen, als trefflich erwiesen haben, was wohl am besten dadurch dargetan ward, dass der Braun, welcher Mr. Badgerys respektables Gewicht von 160 kg trug, die ganze Zeit hindurch in flottem Galopp gegangen war, ohne einen Augenblick hinter den anderen Pferden zurückzubleiben.

Nachmittags jagten wir in demselben Gebiete wie tagszuvor, und sahen, obschon dasselbe am Vortage scharf abgejagt worden war, doch wieder sehr viel Wild, so dass von mir fünf Wallabies, von meinen Herren aber deren 17 und ein Känguruh geschossen wurden.

Da es mein sehnlicher Wunsch war, eines der seltenen Schnabeltiere. dessen Erlegung nur wenigen europäischen Jägern geglückt ist, zu erbeuten, ritt ich, vom Ehrgeiz gestachelt, obschon wenig Aussicht auf Erfolg eröffnet wurde, nach 4 Uhr mit einem Führer an den Fluss, um mich hier auf den Anstand zu legen. Unterwegs schoss ich einen Australischen Bären, der hoch auf einem Eucalyptus-Stamme saß. Der Fluss, der sonst ziemlich reißend über Felsen dahinstürzt, zieht dort, wo sich die Schnabeltiere befinden sollten, eine Strecke weit ganz ruhig dahin, so dass man beinahe glauben könnte, man befinde sich an einem stehenden Wasser. Die das Flusstal einschließenden Höhen fallen in steinigen Hängen an das Ufer ab; Randbäume ragen von hier weit über den Wasserspiegel hinaus. Lautlose Stille kennzeichnet diesen Platz.
Vorsichtig schlichen wir uns heran, konnten aber geraume Zeit hindurch keinerlei Wild wahrnehmen, bis endlich mein Begleiter mir leise auf die Schulter klopfte und nach einer Stelle unter dem überhängenden Ufer deutete, wo ich an der Oberfläche des trüben Wassers nur eine schmale, schwarze, sich bewegende Linie erblickte. Ich gab Feuer und sah zu meiner größten Freude gleich darauf ein Schnabeltier verendend sich überschlagen. Mittels einer Stange fischten wir die seltene Beute, ein ausgewachsenes, großes Männchen von Ornithorhynchus paradoxus, heraus.

Dieses Tier ist in der Tat äußerst merkwürdig. Seit einigen Jahren erst weiß man, dass das Schnabeltier thatsächlich Eier zur Welt bringt, — dies wurde früher in den Bereich der Fabel verwiesen — welche dann in einem Nest zur Ausbrütung gelangen. Das Schnabeltier erinnert seinem Körperbau sowie seinem Benehmen im Wasser nach am meisten an die Otter oder den Biber, erreicht durchschnittlich eine Länge von 50 cm und besitzt an den kurzen Füßen zwischen den scharfkralligen Zehen Schwimmhäute, die an den Vorderfüßen sogar über die Zehen hinausreichen; an den Hinterfüßen hat das Männchen nach innen eine große, bewegliche Kralle, einen Sporn, über dessen Bedeutung noch nichts Näheres bekannt ist, während früher angenommen wurde, dass derselbe giftig und zur Waffe bestimmt sei.

Eigentümlich ist der an den Rändern weiche Entenschnabel, womit das Tier sehr geschickt im Wasser lebende Insekten fängt; der Schwanz ist glatt, ähnlich jenem des Bibers, abgestutzt und zumeist wenig behaart; der Pelz ist besonders schön, da er aus dichten Grannen von dunkelbrauner Färbung mit silberweißer Schattierung besteht; an der Kehle, der Brust und dem Bauch fühlen sich die Haare seidenartig an; die Augen sind ganz klein, die Ohren kaum sichtbar. Das Schnabeltier lebt zumeist an ruhigen Stellen fließender Gewässer und gräbt sich daselbst am Uferrand einen Bau, der häufig bis zu 10 m lang ist und in einen Kessel mündet; dieser hat meist zwei Eingänge, einen über dem Wasserspiegel, den anderen unter demselben. Morgens und abends schwimmt das Tier fischend in dem ruhigen Wasser umher, ab und zu untertauchend und in kurzen Intervallen, da es nicht lange unter Wasser verbleiben kann, wieder an der Oberfläche erscheinend, um Luft zu schöpfen. Äußerst scheu und vorsichtig, fährt das Schnabeltier bei dem geringsten verdächtigen Geräusch in den Bau oder verbirgt sich hinter Büschen und Wasserpflanzen. In der Regel sieht man schon, bevor das Tier auftaucht, Blasen im Wasserspiegel aufsteigen, worauf es zunächst mit Schnabel und Kopf, dann mit dem Rücken zum Vorschein kommt.

Mein Begleiter drängte, noch eine andere flussaufwärts gelegene Stelle zu besuchen, wo er gleichfalls Schnabeltiere zu finden hoffte. Hier sah ich, durch einen Baum gedeckt, in der Tat bald, wie sich Ringe im Wasser bildeten und darauf der Schnabel, der Kopf, der Rücken eines Schnabeltieres auftauchten, doch war die Entfernung ziemlich groß und das Thier von mir abgewandt. Als es sich nun, einer Otter gleich ruhig schwimmend, noch weiter entfernte, versuchte ich auf Anrathen meines Begleiters einen wenig Erfolg versprechenden Schuss; die Schrot schlugen zwar in der Richtung des Schnabeltieres gut ein, dieses tauchte jedoch in den Fluten unter, um noch einmal auf einen Moment zu erscheinen und dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Nicht besser ging es mir mit einem zweiten Schnabeltiere, welches ich von demselben Standpunkt aus ebenfalls auf bedeutende
Distanz entdeckte. Da es schon dunkelte und daher in keinem Fall auf anderweitige Beute gerechnet werden konnte, riskierte ich den Schuss, der, wie der Jäger versicherte, gut getroffen hatte; doch musste das Tier entweder gesunken oder in den Bau gefahren sein, da wir seiner nicht mehr ansichtig wurden.

In der Farm angelangt, wurde ich von Mr. Badgery zu dem erbeuteten Schnabeltiere äußerst lebhaft beglückwünscht, wobei er versicherte, dass die Erlegung eines Schnabeltieres zu den größten Seltenheiten gehöre und sich von je hundert Jägern kaum einer solcher Beute rühmen könne.

Bei dem Diner, das in sehr animierter Stimmung aller Teilnehmer verlief, brachte ich die Gesundheit der Königin aus, deren Geburtstag heute im ganzen Lande festlich begangen wurde, worauf Mr. Badgery eine lange Ansprache an mich hielt, die ich freudig und herzlich erwiderte.

Der Abend war herrlich, der Mond stand in vollem Glanz am Himmel — so konnte das Programm erschöpft und mit einer Jagd aut Kusus beschlossen werden. Ich jagte in entgegengesetzter Richtung von jener, die tagszuvor eingeschlagen worden war, innerhalb drei Stunden einen großen Bogen um die Farm beschreibend, und kehrte mit der reichen Strecke von zehn Kusus heim, um nach diesem in jeder Beziehung so gelungenen Tage bald in erquickenden Schlaf zu sinken.

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  • Ort: Badgery Station, Australien
  • ANNO – am 24.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Aus der Gesellschaft“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Die Walküre“ darbietet.

Badgery Station, 24 May 1893

Today rock wallabies were to be hunted. In a dense fog and severe cold we stopped at the shore of the meandering river where the day before the wagon had been stuck, as I wanted to go and have a look with one of the hunters at a remote spot where it was said platypus happen to be seen. Sneaking through a small pine forest we arrived at the edge of the river but could not see any game except for a duck. Thus we were soon back on horseback and crossed the river and ascended the heights on the opposite side until we reached a deeply cut rocky valley with steep faces in whose bed a spumous river formed a path through the stone. The valley or better the gorge presented a picturesque view thanks to the rocks in the water and the trees and bushes that were growing between them.

This gorge was a favorite spot of the rock wallabies and would serve as the location of today’s hunt. At first, Mr. Badgery had assigned me to a not very well chosen position and the drivers started their drive too early so that, when I finally managed to climb into a better position, rock wallabies already were fleeing towards me at great speed. As their name indicates, they live on rocky ground where they are hiding during the day below projecting rocks or in rock holes while they emerge to feed in the surrounding areas during the night. They do not dare to go out from their hiding place, as they can not flee were well on the ground. The speed they jump around on the rocks, their element, is as surprising as the size of the jumps they execute. While the movements of the kangaroos may be very funny, those of the wallabies are even more so. I have killed some of them in the midst of them jumping. The rock wallabies are rather small but have the most beautiful fur among all kangaroos as it is of a rich brown, and on the belly yellow. Older animals have glittering silver gray streaks in the fur.

The first pieces I bagged jumped like chamois alongside the river from rock to rock. After the first shots the timid animals quickly had discovered the direction out of which peril threatened as I was standing in an open clearing. Therefore I chose another spot and stood deeper down in the gorge behind a rock, so that I could thus kill one piece after the other. This hunt was very lively. Along the line of shooters the shots rang out without interruption like at a good hare hunt and the echo reverberated from the walls of the valley. The drivers also assisted with their whips as they could advance here only on foot. Soon we had bagged 51 rock wallabies of which 26 I accounted for personally.

A second drive took place further downriver in the same gorge after we had waded across the water on horseback and taken up position on the other shore. My position was the furthest one in the gorge. In front of me lay a wild mixed pile of dead trees and to my left a deep water pool reflected huge giant trees. The silence was only broken by the noises of the river. The lovely scenery of the location fascinated me so much that I had almost forgotten to hunt, being lost in thought. There was not only much to see for any friend of nature but also much to do for a hunter. The game appeared at the same time at my position out of two clearings. Even though the drive ended much more quickly than the first one, the result was very satisfying — 33 rock wallabies of which I personally bagged 10.

A quick ride brought us back to the farm where we enjoyed a quick noon break due to the hunting success which we used to sort the numerous furs.

It merits to be noted that the horses of this farm also excelled by their endurance and their skill in moving in very difficult terrain. This can be best exemplified by the brown horse that carried  Mr. Badgery’s respectable weight of 160 kg the whole time and galloped at quick speed without falling back once behind the other horses.

In the afternoon we hunted in the same area as the day before and saw much game even though we had hunted intensively there the day before. I shot five wallabies and my gentlemen 17 as well as a kangaroo.

As it had been my most burning desire to bag one of the rare platypus whose killing had been achieved only by a few European hunters I rode with a burning ambition even though there was only a small chance of success after  4 o’clock with my guide to the river to take up my position. On the way I shot an Australian bear who sat high up on eucalyptus tree. The river that otherwise splashes over the rocks is rather calm for some distance where the platypus should be found, so that one could believe one was at a standing water The heights enclosing the river valley dropped in stony faces down to the shore. Trees at the edge reached out widely into the water. Silence marked this place.

We carefully sneaked up but could for the longest time not see any game until my companion tapped on my shoulder and pointed to a spot below the overhanging shore where I could only distinguish a small black moving line at the surface of the muddy water. I fired and to my greatest joy I saw a dying platypus turn over. With a pole we fished the rare prey out, a fully grown large male of  Ornithorhynchus paradoxus.

This animal is indeed very strange. For a few years one has known that the platypus in fact is laying eggs — this was once been deemed a fairy tale — which are then kept in a nest to be hatched. The platypus reminds in its build as well its behavior in the water most closely of an otter or a beaver, attains an average length of 50 cm and possesses webbing between the very sharp clawed toes on its short feet. On the front legs it even reaches above the toes. At the rear legs the male has also a very large moveable claw about whose precise function nothing is known. Earlier is was assumed that it was poisonous and used as a weapon.

Strange is the duck bill which is soft at the edge. The animal uses it to catch insects living in the water. The tail is smooth similar to that of the beaver and mostly not very hairy. The fur is especially beautiful as it consists of dense beards of a dark brown color with a silver white shading. On the neck, the breast and the belly the fur feels like silk. The eyes are very tiny. The ears barely visible. The platypus lives mostly in calm spots of running water and constructs a lair at the shore that is often up to 10 m long and ends in a chamber. It usually has two entrances, one above the water surface the other below it. In the morning and the evening the animal goes fishing in the surrounding calm water, diving from time to time and reappearing in short intervals on the surface as it can not stay for long under water without catching air. Extremely timid and cautious the platypus returns to its lair at the slightest suspicious noise or hides under bushes and water plants. Usually one can see bubbles rise to the water surface before the animal emerges first with its bill and head then with its back.

My companion urged to visit a spot a bit upriver where he hoped to find other platypus. Here I indeed saw soon, covered by a tree, that rings formed in the water and then a bill, the head and the back of a platypus emerge but the distance was rather great and the animal was not facing me. When it was calmly swimming further away like an otter I tried on the advice of my companion to fire a low probability shot. The grain hit in the right direction of the platypus but it dove below the surface and, appearing again for a fleeting moment, then disappeared for forever. I did not have more luck with a second platypus that I had discovered from the same position also at a considerable distance. As it was already getting dark and thus it was unlikely to catch another prey, I risked a shot that hit well as the hunter assured me but the animal must have sunken or swam into its nest as we did not see it again.

Having reached the farm Mr. Badgery very lively congratulated me  for having bagged the platypus and assured me that bagging a platypus was a great rarity and only one in a hundred hunter is able to boast about such a prey.

At the dinner which took place in very animated mood of all participants I offered a toast to the Queen’s health whose birthday today was celebrated everywhere in the country. Mr. Badgery then gave a long speech in my honor which was kindly replied by me.

The evening was splendid, the moon was up in the sky in full splendor — thus the program could be completed with a hunt for possums. I hunted in the opposite direction as the one the day before. In three hours we circled around the farm in a great arc and returned with good results of ten possums and then after this so successful day in any dimension fall quickly into a refreshing sleep.

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  • Location: Badgery Station, Australia
  • ANNO – on 24.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Aus der Gesellschaft“. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera „Die Walküre“.

Badgery Station, 23. Mai 1893

Da die Farm, Arthur’s Leigh Badgery Station, welche uns während der Jagdtage beherbergen sollte, 34 km von Moss Vale entfernt ist, wurde der Weg dahin von der ganzen Gesellschaft zu Wagen zurückgelegt. Leider hatten wir aber nicht mehr die guten Pferde Mr. Macks, sondern im Gegenteil recht lebensmüde Gäule, so dass wir zu der Fahrt, die in dritthalb Stunden hätte bewerkstelligt werden können, über vier Stunden brauchten.

Das Wetter war günstig, die Temperatur niedrig. Wir kamen durch das eine Bevölkerung von 1240 Einwohnern zählende Städtchen Moss Vale, das sich mit seinen Villen weit ins Land erstreckt und ein dem jeweiligen Gouverneur von Sydney zur Verfügung stehendes Landhaus enthält, welches von jenem in der Regel während der heißen Monate bezogen wird. Der Straße, die über hügeliges Terrain hinwegführt, folgend, durchzogen wir einzelne kleine Ortschaften, aus Wellblech und Holz in dem uns schon bekannten „australischen“ Stil erbaut, und kamen an zerstreut liegenden Farmen vorbei, zwischen welchen sich mit dürren, mächtigen Eucalyptus-Stämmen bewachsenes Weideland hinzieht. Unter den Bäumen flogen bunte Papageien hervor. Mehrere Exemplare des Pennant-Sittichs (Platycercus elegans), in dem karminroten Federkleid mit himmelblauen Flügeln und Stößen farbenprächtig anzusehen, fielen mir zur Beute. Nach etwa 13 km traten wir in den Wald, den Busch, ein, welcher doch noch, obgleich von der Axt des Farmers stark gelichtet, schöne, hohe Bäume aufwies, größtenteils wieder Eucalyptus mit Nadelholz untermischt.

An einer Stelle des Waldes machte uns Mr. Badgery auf einen Baum aufmerksam, dessen Äste weit über die Straße ragten; ich blickte empor und sah auf dem Baum ein größeres Tier, nach Art des Faultieres zusammengekauert, an einem Ast hängen.

Ohne über die Art, welcher das Tier wohl angehören könne, klar zu sein, schoss ich mit starkem Schrot danach; der Schuss brachte, obgleich ich, da viel Wolle aus dem dichten, grauen Felle stob, offenbar ganz gut getroffen hatte, wenig Wirkung hervor, denn das Tier klammerte sich mit den Armen nur noch fester an den Ast und schien erst auf den dritten Schuss verendet zu sein, ohne sich vorher merklich geregt zu haben. Eben wollten wir den Baum ersteigen lassen, als das Tier mit einem Mal auf die Straße herabfiel und ich in ihm nun den sogenannten Australischen Bären (Phascolarctus cinereus) erkannte. Derselbe gehört zur Ordnung der Beuteltiere und erinnert in seinem Äußeren an einen kleinen Bären; das ausgewachsene Tier erreicht kaum einen Meter Länge; der Körper ist gedrungen gebaut und mit einem sehr dichten, weichen Felle bedeckt, das am Rücken grau, auf dem Bauch und den Innenseiten der Extremitäten aber weiß ist; der Kopf ist rund wie eine Kugel, die Schnauze abgeplattet; die Ohren tragen Büschel und stehen aufrecht ab; die fünf Zehen der Vorderfüße sind in zwei Gruppen geteilt, die Hinterfüße durch Verwachsung der zweiten und dritten Zehe ausgezeichnet; die beim Klettern wichtige Dienste leistende Daumenzehe der Hinterfüße ist nagellos. Das von mir erlegte Tier hatte ein Junges, welches ihm beim Sturz vom Baum aus dem Beutel gefallen war.

Eine Eigentümlichkeit des Australischen Bären ist dessen Trägheit und Apathie, seine einzige Geschicklichkeit das Klettern; doch erfolgt auch dies mit erstaunlicher Langsamkeit. Wir versuchten einige Zeit danach einen ziemlich tief an einem Baum hängenden Beutelbären durch Schreien und Lärmen zur Flucht oder doch mindestens zu einigen rascheren Kletterbewegungen zu veranlassen; allein derselbe nahm geraume Zeit hindurch keinerlei Notiz von uns, blickte endlich mit lässiger Wendung des Kopfes herab, kletterte wenige Zentimeter höher und blieb dann wieder ruhig auf dem Ast hängen, von dem ich ihn schließlich herabschoss.

Der Australische Bär kommt selten zur Erde herab, sondern lebt beinahe ausschließlich auf den Bäumen; er pflegt auf einem und demselben Stamme so lange zu verweilen, bis er alle Blätter, seine ausschließliche Nahrung, abgeäst hat, und besteigt, wenn der Baum kahl gefressen, einen anderen, der ihm zusagt, um daselbst zu bleiben, bis ihn Nahrungssorgen zu neuerlichem Wechsel des Standortes zwingen. Infolge seiner phlegmatischen Lebensweise wäre dieser Bär gewiss ein leicht zu bestätigendes Wild; er wird jedoch im allgemeinen wenig verfolgt, da sein Fell geringen Wert besitzt — ein Glück, weil dieses merkwürdige Tier sonst wohl bald ausgerottet wäre. Der Verbreitungsbezirk des Beutelbären soll ein sehr beschränkter sein und sich nur auf einzelne Gegenden von Neu-Süd-Wales, insbesondere auf die Wälder im Südwesten Sydneys, erstrecken.

Während der restlichen Fahrt durch den Busch, welche der Qualität der Pferde und der vielen Terrainschwierigkeiten halber recht langsam vonstatten ging, lugten wir eifrig nach Australischen Bären aus, welche jedoch nicht so leicht zu entdecken sind, da man sie auf den Ästen oder Stämmen, deren Färbung mit jener des Wollkleides fast ganz übereinstimmt, kaum wahrzunehmen vermag. Gleichwohl gelang es mir, noch sieben Stücke zu erlegen, wobei ich über die Passivität dieses Tieres den Schüssen gegenüber jedes Mal aufs Neue in Erstaunen geriet. Man trifft den trägen Gesellen natürlich auf den ersten Schuss; aber häufig bedurfte es sogar einer ganzen Reihe von Schüssen, bis der Bär verendet vom Baum, an den er sich mit den Vorderarmen und den Krallen geklammert hatte, herabfiel.

In einem tief eingeschnittenen Tal hatten wir den Wollondilly River mit seinem sehr steinigen Bette durch eine Furt zu übersetzen. Die beiden ersten Wagen passierten das Hindernis glücklich, der dritte aber, auf dem sich Hodek, unsere Jäger sowie ein Teil der Bagage befanden, blieb mitten im Wasser stecken, da sich die Räder zwischen den Steinen festgefahren hatten und die Pferde nicht im Stande waren, das Gefährte wieder flott zu machen; infolge des Stoßes, den letzteres erlitten hatte, flog ein kleiner Koffer ins Wasser und schwamm lustig den Fluss hinab, bis er endlich weit unterhalb der Übergangsstelle wieder herausgefischt wurde. Um den Wagen eines Teiles seiner Last zu entledigen, mussten die Insassen sich endlich entschließen, abzusteigen und das Gewässer zu durchschreiten — ein tragikomisches Bild, da sie begreiflicherweise wenig erbaut waren und nur zaghaft in die kalten Fluten tauchten. Gleichwohl gelang es erst mit Hilfe requirierter Leute, den Wagen in Bewegung zu setzen, aus dem Fluss heraus- und über die jenseitige steile Uferlehne emporzubringen.

Endlich waren wir bei der Farm Badgery Station eingetroffen, einem kleinen, niedrigen, ebenerdigen Gebäude, umgeben von Ställen und primitiven Wirtschaftsgebäuden, inmitten gerodeten Landes gelegen. Hier empfing uns Mr. Badgerys Bruder, der sonst in Moss Vale wohnt, während der nächsten Tage jedoch hier als Jagdleiter fungieren sollte. Unsere Ankunft war infolge der geringen Leistungsfähigkeit der Pferde, der unterwegs betriebenen Jagd auf Bären und derzeitraubenden Durchquerung des Flusses verspätet, nämlich erst gegen 1 Uhr erfolgt, so dass ein Frühstück unvermeidlich schien; gleichwohl stellte der Hausherr für den Rest des Tages noch eine Jagd auf Känguruhs und Wallabies in Aussicht.

Nachdem Reitpferde von der Weide eingefangen worden waren, setzte sich die Kavalkade von 25 Reitern in Bewegung, dem nahen Walde zu; hier trennten sich die berittenen Treiber von uns, während wir einem trockenen Wasserriss entlang unsere Stände bezogen: Vor
uns dehnte sich vorwiegend mit blauen Gummibäumen bewachsenes, hügeliges Terrain aus, in welchem der erste Trieb stattfinden sollte. Kaum auf unseren Plätzen, sahen wir schon allenthalben zwischen den Büschen Wallabies zum Vorscheine kommen, auf welche das Feuer von der ganzen Schützenlinie eröffnet wurde, allerdings nicht immer mit dem gewünschten Erfolge, da einzelne der Schützen sich durch bedeutenden Mangel an Treffsicherheit auszeichneten. Ich hatte keinen günstigen Stand, sah zwar viel Wild, konnte aber, weil dasselbe, eine tiefe Schlucht scheuend, meist zwischen meinen Nebenschützen durchbrach, selten zum Schuss kommen. Die berittenen Treiber wurden ihrer Aufgabe vollkommen gerecht, indem sie nicht so blindlings umherstürmten wie jene, welche bei den Jagden Mr. Macks verwendet worden waren, sondern im Schritte ritten und das Wild durch Schreien sowie durch Knallen mit den Peitschen gegen die Stände trieben. Die Gesamtstrecke betrug 15 Stücke.

Die hier erbeuteten Wallabies — mit diesem Namen werden von den Engländern alle kleineren Känguruharten bezeichnet — unterscheiden sich von dem Riesenkänguruh, das wir bisher gejagt hatten, durch lebhaftere, in das Bräunliche spielende Farbe des Felles. Die erlegten Stücke wurden nach den Trieben gleich an Ort und Stelle abgezogen und die Decken an die Sättel gehängt, um abends in der Farm dem Präparator übergeben zu werden. Das Abstreifen der Decken geschieht mit erstaunlicher, große Übung in dieser Prozedur bezeugender Geschicklichkeit und Schnelligkeit.

Der nächste Trieb fand vom Fuß eines Hügels aus die Lehne empor statt, ohne dass ich hiebei zum Schuss kommen konnte. Die übrigen Schützen hatten fünf Wallabies aufzuweisen.
In zahlreichen Hasen, die ich zu Gesicht bekam, begrüßte ich Vertreter unseres europäischen Lepus timidus, der vor einiger Zeit hier eingebürgert worden ist und sich in seiner neuen Heimat sehr wohl zu befinden scheint.

Obwohl die Sonne bereits im Untergehen begriffen war, wurde noch ein Trieb unternommen; er brachte uns eine Beute von 15 Wallabies und zwei Känguruhs. Soviel ich bemerken konnte, sind die Wallabies scheuer und vorsichtiger als die Känguruhs, denn sie werden schon flüchtig, sobald sich die Treiber nur einigermaßen bemerkbar machen und setzen sich nach wenigen Sprüngen jedes Mal aufrecht nieder, um nach allen Seiten hin zu äugen, wobei sie jede, auch die geringste Bewegung des Schützen wahrnehmen und dann sofort umschlagen oder
in tollen Sprüngen außer Schussweite vorbeisetzen. Manchmal drücken sich die Wallabies, besonders wenn sie schon in die Enge getrieben sind. vor den Treibern nieder und springen erst im letzten Augenblick auf. Einige der erlegten Weibchen trugen Junge in verschiedenen Entwicklungsstadien in den Beuteln.

Nach Schluss dieser sehr gelungenen Jagd kehrten wir in die Farm zurück, um rasch zu speisen, da uns für den Fall, als der Mond sichtbar sein würde, noch eine nächtliche Expedition auf Opossums in Aussicht gestellt war. Was hier „Opossum“ genannt wird, ist der Fuchskusu (Phalangista vulpina), während die eigentlichen Opossums (Didelphys) eine in Amerika vorkommende, aus verschiedenen Arten bestehende Gattung von Beuteltieren bilden.
In der That leuchtete Luna gegen 8 Uhr in voller Klarheit hernieder, so dass wir alsbald unter Führung zweier Australier, die in der Jagd auf Opossums Erfahrung hatten, den Marsch antreten konnten, um zunächst den Rand eines Waldes abzustreifen. Die ungewohnte Art der Jagd bei Nacht und im Mondscheine gestaltete sich interessant und spannend.

Auf Geheiß der Jagdkundigen lösten wir uns in eine Linie auf und gingen ziemlich laut vor, um die auf dem Boden äsenden Opossums zum Aufbäumen zu bewegen. Wir waren kaum einige hundert Meter vorgegangen, als mir einer der Jagdleiter durch einen Pfiff andeutete, dass er ein Opossum entdeckt habe, und mich nach einem starken Ast wies, auf welchen sich das Wild gedrückt haben sollte; doch konnte ich dasselbe durch längere Zeit nicht wahrnehmen, und erst als ich mich gegen das auf den Ast einfallende Mondlicht stellte, vermochte ich die Kontur eines Opossums zu unterscheiden, welches sich unbeweglich, nach Art des Marders, gegen den Ast gedrückt hatte. Nach dem Schuss fiel das Tier verendet vom Baum.

Der Körper des Fuchskusus ist etwa einen halben Meter lang, mit einem äußerst dichten, wolligen Felle bedeckt; die Rute ist buschig wie eine Fuchslunte; das Haupt, über das zwei schwarze Streifen laufen, ähnelt mit der spitzen Schnauze jenem des Marders; die Lichter sind groß und schön; die Lauscher stehen aufrecht. Das Tier macht in seinem Körperbau und der Zeichnung einen überaus zierlichen Eindruck. Tagsüber ist es nicht sichtbar, sondern hält sich in Höhlen und Baumlöchern auf und kommt erst mit Einbruch der Nacht hervor; es ist vorwiegend Pflanzenfresser und äst das Gras am Rande der Wälder; die Fundorte sind daher hauptsächlich Schafweiden, die mit großen Bäumen besetzt sind. Der Fuchskusu ist nicht träge wie der Australische Bär, sondern im Gegenteil recht beweglich; nur wenn er auf einen Baum geflüchtet ist, drückt er sich regungslos an einen Ast. Dieses Tier wird seines vorzüglichen und geschätzten Felles halber, sowie weil es sich räuberische Einfälle in die Hühnerställe zuschulden kommen lässt, vielfach verfolgt und dürfte auch bald zu den selteneren Tieren gehören.

Es ist eigentümlich, wie bald sich das Auge daran gewöhnt, die Tiere in dem fahlen Licht des Mondes, das sie auf den hohen Eucalyptus-Bäumen nur wie kleine, dunkle Flecken erscheinen lässt, wahrzunehmen. Wir streiften in der herrlichen, kühlen Mondnacht noch durch etwa zwei Stunden umher und kehrten endlich, nachdem ich sechs Kusus und einen Australischen Bären erlegt hatte, heim.

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  • Ort: Badgery Station, Australien
  • ANNO – am 23.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Der Marquis von Villemer“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Cavalleria Rusticana“ und das Ballet „Rouge et Noir“ darbietet.

Badgery Station, 23 May 1893

As the farm called Arthur’s Leigh Badgery Station that was to serve as our quarter during the hunting expedition is 34 km away from Moss Vale, the journey of the whole party was undertaken in wagons. Unfortunately we no longer had access to Mr. Mack’s excellent horses. To the contrary we had to make do with some nags tired of life so that the journey which could have been completed in one and a half hours took more than four of them.

The weather was favorable, the temperature low. We passed through the small town of Moss Vale which has a population of 1240 inhabitants. Its villas extend far out into the land and it contains a country retreat put at our disposition by the governor of Sydney who usually stays there during the hot months. Following the road that leads across this hilly terrain  we passed through a number of smaller villages built in the already familiar „Australian“ style of corrugated iron and wood and passed by isolated farms. In between scrawny mighty eucalyptus trunk alternate with overgrown pasture land.  Under the trees colorful parrots were flying around. I bagged multiple specimens of  crimson rosellae (Platycercus elegans), a splendid sight with their crimson feathers with sky blue wings and tail. After about 13 km we entered into a forest, the bush that still had, despite being much cleared by the farmer’s axe, tall beautiful trees, mostly eucalyptus again mixed with pinewood.

In one spot of the forest Mr. Badgery pointed out one tree whose branches extended wide over the road. I looked up and saw a larger animal hang from a branch in the cowering manner of a sloth.

Without being certain about the species this animal might be part of, I shot at it with strong grain. The shot had little effect despite much fur fell out of  the dense gray skin which showed that I had apparently hit it quite well. The animal continued to cling with its arms even harder to the branch and seemed only have perished due to the third shot, without making any noticeable move. We just wanted to climb the tree when the animal suddenly crashed down onto the road and I recognized the so called Australian bear (Phascolarctus cinereus). It is part of the group of marsupials and resembles a small bear in its exterior. The grown animal barely reaches a height of one meter in length, the body is compactly built and covered in a very dense and smooth fur that is gray on the back an white on the belly but the interior sides of the extremities is white. The head is round like a bullet. The tails is flattened. The ears have bushels and extend upright. The five toes of the front leg are divided into two groups, the rear legs are marked by a fusion of the second and third toe. The thumb is most important for climbing, the rear legs do not have nails. The animal I had killed had a child that had fallen out of the pouch during the fall.

A peculiarity of the Australian bear is its indolence and apathy. Its only skill is climbing which it executes astonishingly slowly. We tried some time afterwards to make a koala hanging on a tree flee or at least climb faster by shouting and making noises. Only it did not take notice for a long time, finally coolly turned its head and looked at us, climber a few centimeters higher and again remained quiet hanging from the branch out of which I finally shot it down.

The Australian bear seldom descends down to the ground but lives almost exclusively on trees. It tends to stay on the same trunk until it has eaten all the leaves, its only food source. Having eaten everything, it moves to another it likes and stays there until the quest for new food forces it so seek a new location. Its phlegmatic way of life makes it game that is easy to track. It is usually not hunted much as its fur has little value — fortunately, as otherwise this strange animal would have been soon extinct. The koala’s distribution is said to be limited to a fairly small area and extends only to a few regions in New South Wales, especially the forests in the South-west of Sydney.

During the remaining drive through the bush which took quite some time due to the quality of the horses and the many obstacles in the terrain, we eagerly watched out for Australian bears that are however not easy to spot as they are difficult to identify on the branches and trunks as their coloring almost completely matches those of the fur. Still I managed to bag seven pieces whereas I was each time surprised about the passivity of these animals in regard to the shots. One hits the lazy fellow naturally with the first shot but often ir required a number of shots until the dead bear still holding on with its arms and claws  tumbled down from the tree.

In a deeply cut valley we crossed the Wollondilly River with its very stony bed in a ford. The first two wagons crossed the obstacle successfully but the third one on which were Hodek, our hunters and part of the baggage bogged down in the middle of the water as the wheels got stuck between the rocks and the horses were unable to draw the vehicle out. Due to a jolt a small bag fell into the water and happily drifted off in the river until it could finally be recovered quite a distance from the crossing. To lessen the weight of the wagon, the occupants had finally to decide to dismount and wade through the water — a tragicomic view as they understandably were not happy about this and dove only with hesitation into the cold water. Still only with the assistance of gathered helpers was it possible to move the wagon and get it out of the river and up the steep ledge of the shore.

Finally we arrived at the farm of Badgery Station, a small low-rise single storey building surrounded by barns and primitive estate buildings in the middle of cleared land. Here we were received by Mr. Badgery’s brother who usually lives in Moss Vale but would serve as our hunting guide during the next days. Our arrival was delayed only towards 1 o’clock due to the low performance of the horses, the bear hunting undertaken during the journey and the time-consuming crossing of the river, so that a breakfast could not be avoided. Still, our host announced a hunt for kangaroos and wallabies during the remainder of the day.

After riding horses had been caught from the meadow, a cavalcade of 25 riders moved out to the forest nearby. Here the mounted drivers split off while we assumed our positions alongside a dry stream.  In front of us was a hilly terrain covered mostly with blue rubber trees where the first hunt was to take place.  Hardly arrived in our position we already spotted wallabies appear everywhere between the bushes. The whole line of shooters opened fire but not always with the desired effect as some of the shooters were very lacking in marksmanship. I was not in a good position, though I saw quite many animals I could only rarely shoot as the game was fearful of a deep gorge and preferred to escape between my fellow shooters. The mounted drivers performed their duty well and did not blindly ride around as those use during the hunts of Mr. Mack. They rode at a walk and drove the game with shouts and cracking whips towards the position. The result of the drive was 15 pieces.

The wallabies bagged here — the name used by the English to designate all smaller kangaroo species — differ from the large kangaroo that we had hitherto hunted by a more vivid color of the fur which is more brownish. The bagged pieces were stripped in place after the hunt and the hides hung onto the saddles. In the evening they were handed over to the taxidermist. The removal of the hides is done with astonishing skill and speed revealing a practised hand in this procedure.

The next hunt took place at the foot of a hill up the ledge without me getting a chance to fire. The other shooters could show off five wallabies. In numerous hares that I saw I greeted the representatives of our European Lepus timidus that had been introduced a while ago and seems to like its new homeland very well.

Even though the sun was already setting, another drive was undertaken. It resulted in 15 wallabies and two kangaroos. As much as I could observe the wallabies are more timid and more prudent than the kangaroos as they already start to flee when the driver becomes even a little visible and they always crouch after only a few jumps to watch out all around. If they notice any movement of the shooter they immediately turn or jump madly out of shooting distance. . Sometimes the wallabies hide on the ground if the are driven into a corner by the drivers and only jump at the last moment. Some of the bagged females carried young ones in various development stages in their pouches.

After the conclusion of this very successful hunt we returned to the farm to dine quickly as a night opossum hunting expedition had been promised in the case the moon was visible. What is called „opossum“ here is a common brushtail possum (Phalangista vulpina), while the true opossums (Didelphys) are living in America and consist of various species of marsupials. In fact Luna was lighting in full clarity towards 8 o’clock so that we could march out led by two Australians experienced in hunting opossums. First we hunted at the edge of a forest. The unusual night hunt in moonshine was interesting and exciting.

On the order of the hunting experts we formed an open line and advanced quite loudly to get the opossums feeding on the ground to stand up. We had barely advanced a few hundred paces when one of the hunting masters indicated with a whistle that he had discovered an opossum. He pointed a strong branch out to me on which the game should be hiding itself but I failed to see it for quite some time. Only when I moved my back to the moonlight shining on the branch I could distinguish the contours of an opossum which pressed itself motionless against he branch like a marten. After the shot, the dead animal dropped from the tree.

The body of the common brushtail possum is about half a meter long with a very dense woolen fur. The tail is bushy like that of a fox. The head which has two black running strings resembles with its pointed muzzle that of a marten. The eyes are large and beautiful. The ears stand out erect. The animal makes a very delicate impression in build and figure. During the day it is not visible as it hides in caves and tree holes and only emerges at the start of the night. It is mostly a herbivore and grazes at the edge of the forest. It is thus found mostly near sheep pastures with large trees. The common brushtail possum is not lazy like the koala but rather quite agile. Only after it has fled onto a tree it clings motionless to a branch. This animal is often hunted for its excellent and valuable fur as well as it is guilty of raiding the chicken coop. It must be counted among the rarer animals.

It is strange how quickly the eye gets accustomed to see animals in the dim moon light that appear only as small dark blurs on the tall eucalyptus trees. We hunted in the gorgeous cool moon night for about another two hours and then returned home after I had bagged six possums and one Australian bear.

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  • Location: Badgery Station, Australia
  • ANNO – on  23.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Der Marquis von Villemer“. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera „Cavalleria Rusticana” and the ballet „Rouge et Noir“.

Sydney — Auburn — Moss Vale, 22. Mai 1893

Nachdem ich — es war Pfingstmontag — dem Gottesdienst an Bord angewohnt hatte, besuchte ich in dem westlich von Sydney in der Richtung gegen Parramatta gelegenen Ort Auburn eine daselbst befindliche große Fabrik, in welcher Fleischkonserven erzeugt werden. Diese Fabrik wird von einer Anzahl von Schafzüchtern gemeinsam betrieben und versieht die englische sowie die belgische Armee mit Konserven. Neu-Süd-Wales ist der klassische Boden der Fleischkonserven (Meatcanning) Industrie. Diese heute zu so großer Bedeutung gelangte Verwertung des Fleisches der vielköpfigen Herden Australasiens ist vor etwa 50 Jahren von Mr. Sizar Elliott aus Charlotteplace zuerst in Betrieb gesetzt worden; bereits 1892 wurde aus Neu-Süd-Wales Fleisch im Werte von 3,408.144 fl. ö. W. exportiert.

Auf freiem Wiesengrund erbaut, liegt die Fabrik in der Nähe des großen Rinder- und Schafmarktes, auf welchem allwöchentlich viele Tausende von Rindern und Schafen aus allen Teilen des Landes verkauft werden. Große eingefriedete Plätze in der Nähe des Etablissements haben die Bestimmung, das Rind- und Schafvieh vor dem Schlachten aufzunehmen.

Der Rundgang begann mit jener Abteilung der Fabrik, in welcher die zur Verpackung der Konserven bestimmten Schachteln und Büchsen aus Weißblech erzeugt werden. Alle wie immer gearteten Verrichtungen, als das Schneiden, Biegen und Löten des Materials, werden hier mit enormer Schnelligkeit von Maschinen besorgt.

Den wichtigsten Teil der Fabrik bildet die in einer Halle untergebrachte Schafschlächterei, welche Zwinger, in Gruppen von je zehn, zur Aufnahme der Schafe enthält. Der Schlächter tötet jedes Schaf in der Weise, dass er dem Tiere die Kehle durchschneidet und gleichzeitig, dessen Kopf über sein Knie zurückbeugend, das Genick bricht; hierauf wird das derart geschlachtete Stück sofort von zwei Gehilfen übernommen, welche demselben die Haut abziehen, Kopf und Füße abtrennen und den Rumpf, nachdem er ausgeweidet worden ist, auf eine kleine Rollbahn, die ihn den Ausschrotern zuführt, verladen. Die Arbeit vollzieht sich, dank der Übung der Arbeiter in ihrem blutigen Handwerk, mit solcher Raschheit, dass für die gesamte Prozedur, von der Schlachtung eines Schafes angefangen bis zu dessen Verladung, nur ungefähr zwei Minuten erforderlich sind, woraus sich erklärt, dass ein tüchtiger Arbeiter täglich ungefähr 160 Schafe „bearbeiten“ kann.

Die abgezogenen Felle gleiten durch eine Öffnung in einen tiefer gelegenen Raum, wo sie verpackt werden, um ungegerbt zum Verkaufe zu gelangen. Köpfe, Füße und Eingeweide finden bei der Talggewinnung Venvendung.

Mit erstaunlicher Fertigkeit walten auch die Ausschroter ihres Amtes, indem sie den Rumpf zunächst in zwei Teile zerlegen, dann die von Fett und Knochen freien Stücke, nämlich Rücken und Schlegel, wenn sie makellos sind, auslösen und zu den Sudkesseln befördern, während die übrigen Teile in die Pfannen wandern, in welchen der Talg gewonnen wird. Dieser rinnt aus den Pfannen durch eigene Leitungen in Kühlapparate und von hier unmittelbar in Fässer. Die Überreste der Talgfabrikation, namentlich die Knochen, werden zu Dungstoffen verarbeitet.
Die zur Konservierung bestimmten Fleischteile werden in den Sudkesseln durch kurze Zeit gekocht, hierauf in Maschinen zerkleinert und in Weißblechbüchsen gepresst, welche, nachdem die Fleischmasse durch Arbeiter noch zurechtgedrückt worden ist, verlötet und in Eisenwannen einem Siedeprozess unterzogen werden, zu dessen Beschleunigung das Wasser mit chemischen Substanzen versetzt ist.

Nach Beendigung dieses Verfahrens ist die Ware marktfähig. Die ganze Prozedur dauert von dem Moment angefangen, in dem mit der Schlachtung des Schafes begonnen wird, bis zu dem Augenblick, in welchem es in den Konservenbüchsen verschwunden ist, nur wenige Stunden.

In ähnlicher Weise werden das Rindfleisch und die Schafzungen konserviert, nur tötet man die Rinder nicht nach der bei uns üblichen Methode durch Schläge auf den Kopf, sondern durch Erschießen, zu welchem Zweck mehrere Stücke in Kammern, in deren Wänden kleine Einschnitte angebracht sind, getrieben werden. Diesen Einschnitten nähert sich sodann der Schlächter, welcher durch dieselben, nach der Stelle des Kopfes zwischen den Hörnern zielend, ein Rind nach dem andern mit einem Gewehre kleinsten Kalibers, beinahe einem Flaubert, erschießt.

Die Fabrik verarbeitet täglich 4000 Schafe und 26 Rinder bei einem verhältnismäßig geringen Stand von Arbeitern, die gut entlohnt sind, da der Wochenverdienst im Durchschnitte 26,4 fl. ö. W. beträgt, Ich verkostete die verschiedenen Konserven und fand namentlich die für das Militär bestimmten recht schmackhaft; am besten mundete mir das für die belgische Armee konservierte Rindfleisch.

Nach Sydney zurückgekehrt, nahmen wir an einem Frühstück bei dem liebenswürdigen und zuvorkommenden Generalkonsul teil, der ein nettes Haus in einer der Vorstädte bewohnt und eine große Anzahl interessanter Gegenstände besitzt, die er während des Aufenthaltes auf früheren Dienstposten in Asien erworben hatte.

Da mein Sammeleifer nicht ruhte, fuhr ich nachmittags zu mehreren Händlern, die mir empfohlen worden waren, um Vogelbälge, ethnographische Gegenstände sowie Schnabeltierhäute zu erwerben, und fand hiebei auch eine Spezialität Sydneys, nämlich Emu-Eier, auf welchen recht originelle Darstellungen von Känguruhs, Leiervögeln, Emus, Kusus u. dgl. m. eingraviert sind.

In fünfstündiger Fahrt brachte uns die Bahn nach Moss Vale an der Southern Line, 138 km südlich von Sydney gelegen, dem Ausgangspunkt einer neuen, dreitägigen Jagdexpedition. Mr. Badgery, ein Farmer, auf dessen ausgedehnten Besitzungen diesmal gejagt werden sollte, gab uns das Geleit. In dem Stationsgebäude zu Moss Vale harrte unser ein üppiges Souper, nach dessen Bewältigung ich mich im abgekoppelten Salonwagen zur Ruhe begab, während meine Begleiter ein nahegelegenes Hotel bezogen.

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  • Ort: Moss Vale, Australien
  • ANNO – am  22.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Die kluge Käthe“, während das k.u.k. Hof-Operntheater eine Soloaufführung mit Personal der Mailänder Scala von “Falstaff“ darbietet.

Sydney — Auburn — Moss Vale, 22 May 1893

After I had attended mass on board — it was Whit Monday, I visited a large factory in Auburn, situated West of Sydney in the direction of Parramatta. The factory produces meat tins. It is managed by a group of sheep breeders  and supplies the English and the Belgian army with tins. New South Wales is the classic territory of the meat canning industry. Its importance today in meat production from the numerous herds of Australasia has been started 50 years ago by a Mr. Sizar Elliott from Charlotteplace. In 1892 New South Wales was already exporting meat valued at 3,408.144 fl. in Austrian currency.

Built in open meadows the factory lies close to the large cattle and sheep market on which every week many thousands of cows and sheep from all parts of the country are sold. Large enclosed spaces near the factory are intended to keep the cattle and sheep prior to being butchered.

The tour started in that department responsible for the packaging of the containers and cases are produced out of tin. All these processes such as cutting, turning and soldering are done by machines at enormous speed.

The most important part of the factory is butchering sheep located in a hall that contains compartments for groups of ten sheep each. The butcher kills each sheep by slashing the throat of each animal and at the same time breaking the spine by bending the animal’s head over his knee. Then the butchered piece is taken by two assistants who remove the skin, cut off head and feet and put the gutted body on a rolling band which feeds it into a line. The work proceeds at such a speed thanks to the workers‘ practice in their bloody trade that the whole procedure from the butchering of a sheep to its loading takes only about two minutes, which explains why a good worker can „handle“ about 160 sheep on a daily basis.

The removed skins glide through an opening to a room below where they are packaged to be sold untanned. Heads, feet and entrails are used for producing tallow.

With astonishing skill the workers on the line execute their work in first splitting the body into two parts then removing the parts free of fat and bones, namely loin and ham if they are spotless and move them into cooking cauldrons while the other parts go into pans to produce tallow. It runs out of the pans by special tubes through cooling machines and then directly into barrels. The remainders of the tallow production, namely the bones are used to produce fertilizer.

The pieces of meat intended for preservation are boiled for a short time in cauldrons, then cut into small pieces by machines and pressed into tins that are soldered close after a worker has properly adjusted the mass of meat in the tin. It is then cooked in a water bath in an iron tub. To increase the speed of the process chemical substances are added to the water.

After the completion of this procedure the goods are ready for the market. The whole procedure takes only a few hours from the moment the butchering of the sheep begins to the moment when it disappears into a tin.

In a similar manner beef and sheep tongues are preserved, only the cows are not killed in the manner practised in our country by hitting it on the head. They are shot here. For this purpose cattle are driven into chambers on whose walls are small slits. A butcher approaches to one of the slits, aims for the head’s spot between the horns and shoots one cow after the other with a small caliber rifle, almost a Flaubert.

The factory processes 4000 sheep and 26 cows daily with a relatively low number of workers who are well paid as the weekly earnings are on average around 26,4 fl. in Austrian currency. I tasted various tins and found especially those intended for the military quite tasty. I liked best the beef preserved for the Belgian army.

Back in Sydney we ate breakfast at the amiable and very obliging consul general’s who lived in a very lovely house in one of the suburbs and possesses a large number of interesting objects that he had acquired on his earlier missions in Asia.

As my collection efforts had not abated, I drove in the afternoon to various dealers who had been recommended to me to acquire bird bodies, ethnographic objects as well as platypus hides and there discovered a speciality of Sydney, emu eggs on which were engraved inventive depictions of kangaroos, lyrebirds emus, brushtail possums etc.

A five hour railway drive brought us to Moss Vale, on the Southern Line, 138 km south of Sydney, the starting point for another three days‘ hunting expedition. Mr. Badgery, a farmer, on whose extensive property the hunt would take place this time was our guide. In the station of Moss Vale a rich evening meal was waiting for us. Having conquered it, I retired to the salon wagon that had been decoupled while my entourage booked rooms in a nearby hotel.

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Sydney, 21. Mai 1893

Nach einer recht kühlen, im Waggon verbrachten Nacht langten wir am Pfingstsonntag morgens nach 7 Uhr wieder in Sydney an. Die sonst so schöne und belebte Stadt bot jedoch ein totes Bild, da zufolge der strengen englischen Sonntagsheiligung alle Verkaufsläden geschlossen waren und sich, einige schlaftrunkene Straßenkehrer ausgenommen, niemand in den Straßen zeigte.

An Bord erledigte ich die Post und nahm noch von Schleinitz Abschied, der mit Leopold nach Wien zurückkehren sollte.

Die katholische St. Mary’s-Kathedrale, in der ich dem feierlichen Hochamt beiwohnen wollte, war mit Andächtigen überfüllt; im gotischen Stil erbaut und bis auf Dach und Türme vollendet, wird das Gotteshaus, dessen künstlerisch ausgeführte Glasfenster bemerkenswert sind, einstweilen von einem provisorischen Holzdach bedeckt. Das Amt wurde, da der erste katholische Kirchenfürst Australiens, der Kardinal und Erzbischof Patrick Francis Morran, in Rom weilte, vom Weihbischof mit großer Assistenz zelebriert. Die Feierlichkeit währte geraume Zeit, nämlich von Schlag 11 Uhr vormittags bis gegen halb 2 Uhr nachmittags; auch hatte ich noch niemals einer so lang andauernden Predigt beigewohnt, gewiss aber keiner solchen, die ich, wie die heutige, in englischer Sprache gehaltene, nicht verstand.

Nach Schluss des Gottesdienstes versammelte sich vor der Kirche eine große Menschenmenge, die sich dergestalt um mich drängte, dass ich kaum zum Wagen gelangen konnte; eine Anzahl von Personen, darunter namentlich Irländer, berührte meine Kleider, da dies, wie ich mir erzählen ließ, Glück bringen soll. Von dieser mir innewohnenden, übernatürlichen Kraft, die ich bisher nie geahnt, sehr erfreut, musste ich, während die Menge ein Hurrah nach dem anderen ausbrachte, noch einige Zeit im Wagen an Ort und Stelle verweilen, weil der Gaul meines Cabs durch das Geschrei komplett stutzig geworden war und nicht von der Stelle wollte, bis man ihn am Zügel anführte. In diesem Moment stürzte unter großem Gepolter eine Holzestrade, auf welcher eine bedeutende Anzahl Menschen Platz gefunden hatte, neben meinem Wagen zusammen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt; nur ein besonders vorwitziger Junge flog mit dem Kopf voraus in ein nebenstehendes, leeres Fass, was einen allgemeinen Heiterkeitsausbruch zur Folge hatte. Die Szene wäre des Griffels eines Wilhelm Busch würdig gewesen!

Kaum wieder an Bord, empfing ich den Besuch sämtlicher Minister der Kolonie Neu-Süd-Wales, wobei Generalkonsul Pelldram als Dolmetsch fungierte. Mit gutem Gewissen konnte ich den Herren mein Entzücken über das schöne Land und die reizende Stadt aussprechen, was große Befriedigung zu erregen schien; wenigstens war die Stimmung bei der Audienz eine sehr animierte; besonders als der Generalkonsul sich irrte und mir beharrlich in englischer Sprache statt in deutscher antwortete, wollte das Lachen kein Ende nehmen. Der Premierminister Sir G. R. Dibbs, ein stattlicher, hoch gewachsener Mann, Vater von sechs blühenden Töchtern, machte mir nicht bloß durch sein imponierendes Äußere, sondern auch durch sein Wesen einen sympathischen Eindruck. Die Herren waren in einer kleinen Dampf-Yacht gekommen und luden mich ein, eine Fahrt an die schönsten Punkte des Hafens zu machen — ein Anerbieten, das ich umso weniger Ursache hatte auszuschlagen, als mir ja schon das Wenige, was ich bisher gesehen, so außerordentlich gut gefallen hatte.

Fährt man den einzelnen Buchten entlang, gewissermaßen an die intimeren Details der Szenerie heran, so entrollen sich dem staunenden Auge Panoramen von einer Lieblichkeit, die geradezu hinreißend ist. Überall in bunter Folge und Abwechslung Wasser und Land, Schiffe, Gärten und reizende Villen; azurblaue Wogen bespülen das Gestade des Festlandes und der Inseln; Ufergelände und Eilande sind bedeckt mit reicher Vegetation und umrahmt von schimmernden Felsen; tiefe Buchten dringen ins Land, während weithin sich streckende Landzungen in die dunkle Flut vorspringen, welche zahlreiche Schiffe und Boote durchfurchen; über all dem der heitere, klare Himmel und die köstliche, frische Luft.

Die Yacht nahm den Kurs zuerst um Dawes Point an dem tief in die Südküste einschneidenden Darling-Hafen vorbei, in welchem die großen Merkantilschiffe vertäut sind. Den Windungen der nordwestlich von Darling Harbour liegenden Buchten Waterview Bay und der Bai nördlich von Morts Dock folgend, gelangten wir bis nach der Insel Cockatoo, wo wir das große Trockendock besichtigten, welches, mit dem Aufwand vieler Millionen vor kurzem erbaut, zwei Schiffen von der Größe unserer „Elisabeth“ hinlänglich Raum bietet. Von dieser Insel aus genossen wir eine entzückende Aussicht auf die ausgedehnte Stadt, auf die grünen Hügel mit den zahllosen Villen, die traulich zwischen großen Bäumen hervorlugen. An verschiedenen Stellen der Buchten liegen ausrangierte Kriegs- oder Handelsschiffe, die in beschaulichem Dasein das Ende ihrer Tage erwarten und vorläufig noch als Depots und Magazine verwendet werden. Von Cockatoo Island steuerten wir in den Parramatta River, den westlichen Arm von Port Jackson. Am Ende dieser sich 29 km weit ins Land erstreckenden Bucht, in welche das unbedeutende Flüsschen Parramatta mündet, liegt an blühendem Gelände die Stadt gleichen Namens. Durch die Schönheit der landschaftlichen Szenerie, sowie durch prächtige Orangerien und Obstgärten sind namentlich die am Ufer der Bucht gelegenen Ortschaften Hunters Hill und Gladesville berühmt. Aus dem Parramatta River herausfahrend, wendeten wir uns nördlich und erreichten, die Landzunge Greenwich passierend, die Woodford Bay, welche den landschaftlich schönsten Teil der Umgebung Sydneys darstellt und mich glauben machte, ich sei plötzlich an die Gestade eines unserer heimatlichen Seen versetzt. Bei perlendem Champagner wurde hier eine Reihe von Toasten ausgebracht, die unsererseits stets im Entzücken über Sydney ausklangen. Der weiteren Ausdehnung des schönen Ausfluges war dadurch ein Ziel gesetzt, dass der Weihbischof um 5 Uhr zu mir in Audienz an Bord kommen sollte.

Zu einem abendlichen Gala-Diner, welches der Stellvertreter des Gouverneurs im Government House gab, waren die Spitzen sämtlicher Behörden geladen. Als einen Akt dankenswerter Zuvorkommenheit muss ich erwähnen, dass der Governor Lieutenant, obwohl des Deutschen nur unvollkommen mächtig, das Wohl Seiner Majestät des Kaisers dennoch in dieser Sprache ausbrachte — das erste Mal in der Reihe der zahlreichen Diners, denen ich bisher auf dem Boden britischer Kolonien beigewohnt habe.

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  • Ort: Sydney, Australien
  • ANNO – am  21.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater ist am Pfingstsonntag geschlossen, während das k.u.k. Hof-Operntheater eine Soloaufführung mit Personal der Mailänder Scala von “Falstaff“ darbietet.

Sydney, 21 May 1893

After a quite cool night spent in the wagon, we returned to Sydney after 7 o’clock on Whit Sunday. The otherwise beautiful and vibrant city, however, looked quite dead as due to the strict Sunday laws all shops were closed and nobody was in the streets, some sleepy street cleaners excepted.

On board I answered the mail and said good-bye to Schleinitz who would return to Vienna with Leopold.

Catholic St. Mary’s Cathedral where I wanted to attend High Mass was packed with devouts. Built in the Gothic style and complete except for the roof and the towers, the Lord’s house whose artistically designed glass windows are remarkable is in the mean time covered with a provisional wooden roof. Mass was celebrated by the auxiliary bishop with many assistants as the most prominent church dignitary of Australia, Cardinal and Archbishop Patrick Francis Morran was currently in Rome. The celebration took quite some time: namely from 11 o’clock sharp in the morning to half past 1 o’clock in the afternoon. I had not yet attended such a long sermon and certainly not one in a language I did not understand like today’s in English.

After the conclusion of the service, a great crowd assembled in front of the church. The throng around me was so thick that I hardly managed to reach the wagon. A number of persons, among them many Irish, touched my clothes as this was said to bring luck. Very pleased about this innate power that I had not divined before, I had to remain in place in the wagon while the crowd shouted one „Hurrah“ after the other, as the horse of the cab was totally perplex due to the great shouting and would not move until it was led by the reins. At that moment a wooden dais with a considerable number of humans on it collapsed with a big noise beside my wagon. Fortunately nobody was hurt. Only a particularly cheeky boy was thrown head first into an empty barrel standing nearby which created a moment of hilarity. The scene would have been worthy of Wilhelm Busch’s pen!

Hardly back on board, I received a visit of all the ministers of the colony of New South Wales during which consul general Pelldram acted as interpreter. With good conscience I could tell the gentlemen about my enchantment with the beautiful country and the lovely city which seemed to be received with great satisfaction. At least the mood during the reception was very animated, especially when the consul general made a mistake and continued to answer in English instead of in German the laughter seemed to go on forever. The prime minister Sir G. R. Dibbs, a stately tall man and father of six blooming daughters made a very sympathetic impression on me not only by his imposing physique but also by his character. The gentlemen had arrived in a small steam yacht and invited me to a drive to the most beautiful spots of the harbor — an offer I could hardly refuse, all the more so as the little I had already seen I have found to be extraordinarily pleasant.

If one drives alongside the individual bays, to a certain extent to get closer to the intimate details of the scenery, one’s wondering eyes see the development of panoramas that are so enchantingly lovely. Everywhere a colorful mix and variety of water and land, ships, gardens and lovely villas. Azure blue waves crash into the mainland’s shore and the islands. The shore and the islands are covered with rich vegetation and surrounded with glittering rocks. Deep bays intrude into the land while extended land tongues jut out into the dark sea plowed by numerous ships and boats. Above all this stands the serene clear sky and the clean fresh air.

The yacht set course first around Dawes Point past the Darling harbor that cuts deeply into the Southern coast where the large merchant ships are moored. Following the turns of the bays North-West of Darling Harbour to Waterview Bay and the bay to the North of Morts Dock we reached Cockatoo island where we visited the large dry dock that had recently been built at the expense of many millions and offered easily enough space for two ships of the size of our „Elisabeth“. This island presented a lovely view of the extended city, the green hills with their countless villas that peeked out between large trees. In various places in the bays lay decommissioned war and merchant ships that are contemplatively awaiting their end of the days and provisionally serve as depots and magazines. From Cockatoo Island we drove into the Parramatta River, the Western branch of Port Jackson.

At the end of this bay that extends 29 km into the land into which the unimportant small Parramatta river flows lies the city of the same name at a blooming shore. The two villages Hunters Hill and Gladesville are famous for the beauty of their landscape as well as their splendid orangeries and fruit gardens situated in the bay. Exiting the Parramatta River we turned north and reached Woodford Bay, passing by the land tongue of Greenwich. Woodford Bay forms as far as the scenery is concerned the most beautiful part of the surroundings of Sydney and made me believe to be at the shore of our own country’s lakes.  With sparkling champaign a number of toasts were given that for us always ended in praise for the charms of Sydney. The extension of the beautiful excursion was constrained by the announced visit of the auxiliary bishop who was to come on board for an audience with me at 5 o’clock.

The heads of all administrative departments had been invited to an evening gala dinner hosted by the lieutenant governor in Government House. I need to mention one act of gracious hospitality by the lieutenant governor who announced the toast to His Majesty the Emperor in German despite being only partially conversational in German — for the first time in a long row of dinners I attended up to now in British colonies.

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Mullengudgery, 20. Mai 1893

In der Nacht waren wir von Narromine nach Mullengudgery gefahren, wo wir auf den Besitzungen mehrerer Farmer jagen sollten, welche beabsichtigten, uns hiebei Gesellschaft zu leisten. Als die bedeutendsten unter ihnen sind Mr. Alison und Mr. Campbell zu nennen.

Zunächst war eine Wagenpürsche auf Australische Trappen beabsichtigt, welcher ich mit Interesse entgegensah, da ich diese Art Wild noch nicht kennen gelernt und naturgeschichtlich noch nicht beschrieben gefunden hatte. Bej Morgengrauen holte mich Mr. Campbell in einem kleinen Wagen ab, auf dem ich mit Clam Platz nahm, und nun ging es in der uns schon bekannten, australischen Manier alsbald in scharfem Tempo querfeldein bis zu einer großen Heide, die als Schafweide dient und mit Grasbüscheln sowie mit einzelnen Baumgruppen bestockt war.

Bald zeigte mir Mr. Campbell einen großen Vogel, der mit erhobenem Hals in der Heide stand und den ich, während wir versuchten, ihn anzufahren, als Trappen erkannte. Der Australische Trappe scheint die gleichen Eigenschaften, vor allem dieselbe Scheu zu besitzen, wie sein europäischer Bruder; denn auch hier hielt er nicht stand. Ein auf weite Entfernung abgegebener Kugelschuss blieb erfolglos. Wir fuhren nun unausgesetzt auf der Heide umher und sahen auch noch viele Trappen; doch strichen diese immer schon auf viele hundert Meter vor unserem Wagen ab, so dass ich nur einmal auf Kugeldistanz an einen Trupp herankommen und ein schönes Exemplar erlegen konnte, welches aber leider durch die 500er Kugel stark zerschossen wurde. Das Gefieder des Australischen Trappen ist von jenem des europäischen verschieden, da der Hahn einen großen schwarzen Schild auf der Brust trägt, während die Rückenfedern geperlt sind; auch fehlt ihm der Bart unseres Trappen.

Diese Morgenpürsche war sehr anregend, weil ich außer den vielen Trappen noch Vertreter verschiedener anderer, mir noch neuer Vogelgattungen beobachten konnte, so den Australischen Kranich, der unter fortwährendem Geschrei Nahrung suchend umherstolziert; einen solchen schoss ich mit der Kugel, ohne desselben jedoch habhaft zu werden. Auf einem dürren Baume saß ein ganzer Flug Ibisse, und an anderer Stelle erblickte ich zum ersten Mal ein Pärchen der so schönen, rosaroten Kakadus mit der roten Haube, die sie jeden Augenblick herausfordernd aufstellen. Während der Rückfahrt fiel mir ein schöner Falke (Hieracidea berigora) zur Beute.

Wieder auf der Station angelangt, fand ich daselbst die anderen Herren, mit welchen ich nun gemeinsam vorerst auf Wasserwild und nachmittags auf Emus auszog.

Mit einiger, landesüblicher Verzögerung setzten wir uns in Bewegung, gefolgt von einer Anzahl Berittener. Diesmal stellte sich unser Wagen als ein noch gewaltigeres Fuhrwerk denn jenes in Narromine dar; derselbe war eigentlich ein Streifwagen von ungeheuerlichen Dimensionen und pyramidaler Höhe, doch bewährte sich dieses von dem gleichfalls anwesenden Mr. Mack gesteuerte Gefährte vortrefflich. Letzterer lenkte das Ungetüm zur Abkürzung des Weges mitten durch Nadeljungholz von wenigstens 3 m Höhe hindurch, so dass der Wagen zufolge seiner Wucht die Bäume knickte und darüber hinwegdonnerte, was mit einem anderen, leichteren Gefährte kaum tunlich gewesen wäre. Außerordentlich geschickt benahmen sich hiebei die vier vorgespannten Pferde, indem sie in Sprüngen und Windungen durch das Dickicht drangen.

Unmittelbar nach der Abfahrt sahen wir große Mengen von Trappen, die überall in kleinen Trupps in dem offenen Terrain standen oder an uns vorbeizogen; ebenso huschten allenthalben Kaninchen umher oder saßen vor den Bäumen zu Sechsen oder achten beisammen. Diese Tiere bilden wohl die schlimmste Landplage Australiens; denn sie haben sich, seinerzeit importiert, in erschreckender Weise vermehrt und sind nun unausrottbar. In welcher Zahl die Kaninchen vorkommen, beweist die Mitteilung Mr. Campbells, dass er auf seiner Farm in einer Nacht oft über 8000 Stücke in Fallen fange, ohne dass eine Abnahme zu bemerken sei; ja mehrere Nachbarfarmer von Mullengudgery waren sogar gezwungen gewesen, auszuwandern, da sie sich dieser Thiere nicht mehr erwehren konnten. Die Zahl der Kaninchen hatte im Jahre 1883 so ungeheuer zugenommen, — es waren in einem einzigen Jahre 102.300 km2, ein den Flächeninhalt von Böhmen, Mähren, Schlesien und Niederösterreich noch übertreffendes Gebiet, durch die „Kaninchenpest“ zerstört worden — dass die Regierung von 1883 bis 1890 bedeutende Subsidien bewilligte, um dem Weitergreifen der Kaninchen
Einhalt zu thun.

Die Beträge, welche die Regierung für die Ausrottung der Kaninchen verausgabt hat, werden auf mehr als 12,000.000 fl. ö. W. geschätzt. Das einzig wirksame Mittel hiezu stellt die Absperrung der bedrohten Gebiete durch Drahtnetze, Wire netting, dar, deren die Regierung im ganzen 1688 km errichtet hat, während die Länge der von den einzelnen Herdenbesitzern des Landes hergestellten Drahtnetze auf nahezu 21.500 km beziffert wird.

Als wir in ein kleines, ziemlich dichtes Wäldchen gelangt waren, wurden plötzlich einige Emus flüchtig, welchen die Reiter sofort nachsetzten, bis sie dieselben in eine von Drahtnetzen gebildete Ecke getrieben hatten. Leider aber war es den Vögeln, bevor wir noch mit
den Gewehren herbeigekommen waren, nach mehrfachen Versuchen gelungen, die Einzäunung zu übersetzen und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Die Nähe eines großen Sumpfes machte sich durch eine Unzahl von Kranichen bemerkbar, welche in dem niederen Röhricht umherstanden und die Luft mit heiserem Geschrei erfüllten. Die Jagdleiter hatten die Absicht, uns an verschiedenen Punkten, wo sich freiere Wasserflächen befanden und Enten einzufallen pflegen, zu verteilen und dann das Wild wieder zu Pferd aufzutreiben. Wurmbrand und Clam blieben am Beginne des Sumpfes stehen, während ich noch ungefähr 7 km weiterfuhr und, auf dem Weg an offenen Tümpeln vorbeikommend, einige Stücke Wild schoss, darunter eine seltene Weihe. Ein ziemlich tiefer Wasserarm wurde mit dem Wagen im Galoppe genommen, worauf ich mich auf meinem Stand befand, an einem kleinen Teich, der zwischen zwei größeren Sumpfadern gelegen war; hier wählte ich mir einen günstigen Platz unter einem starken Weidenstrunk und überblickte mit gespannter Aufmerksamkeit das umliegende Terrain.

Nach und nach strichen einzelne Flüge von Enten heran, aber meist in solcher Höhe, dass ich nicht schießen konnte. In weiter Ferne hörte ich Schüsse fallen, hin und wieder auch das Knallen der Peitschen; doch schien das Wild eine andere Richtung eingeschlagen zu haben und meinen Standplatz zu meiden. Die Jagdleiter hatten offenbar irrig kombiniert und die Schützen zu weit von einander aufgestellt, so dass sich das Wild verteilen und bereits nach den ersten Schüssen in alle Weltgegenden abstreichen konnte; auch waren im Verhältnisse zu der Anzahl von Schützen zu viel Einfallstellen unbesetzt geblieben, welche das Wild, uns das Nachsehen lassend, vorgezogen hatte. Ich wartete zwei Stunden lang und musste mich im Verlaufe dieser Zeit mit vier Enten begnügen, bis meine Ausdauer gegen Schluss der Jagd hin ihren Lohn fand, indem ich zwei Vögel erlegte, welche eine schöne Vermehrung meiner Sammlung darstellten: einen Ibis, welchen ich aus einem über meinen Kopf hinwegstreichenden Schwarme herausschoss, sowie einen Australischen Kranich. Dieser war in meiner Nähe auf ungefähr 200 Schritte eingefallen, worauf ich ihn zuerst zweimal mit der Kugel fehlte, und endlich, da er, nicht wissend, woher die Schüsse kamen, noch immer sitzen blieb, mit der dritten Kugel erbeutete.
Die Herren meiner Gesellschaft waren ebenfalls nicht leer ausgegangen und brachten zwei schöne Trappen, welche sie in der Nähe des Sumpfes in sandigem Terrain angetroffen hatten.

Schon während des Triebes hatte ich in weiter Entfernung mehrere Emus vorbeiwechseln gesehen, und drängte nun, da es mir hauptsächlich darum zu thun war, eines dieser seltenen Tiere zu erlegen, die Farmer, den Nachmittag zum Treiben auf dieselben zu verwenden. Bereitwilligst leisteten sie dieser Bitte Folge und stellten mich längs eines Zaunes in einer mit verkrüppelten Bäumen und Büschen bedeckten Ebene an, während die Reiter einen großen Bogen machten, um mir die etwa vorhandenen Emus zuzutreiben. Vor mir standen einige ganz niedrige Sträucher des Salzbusches, der Lieblingsnahrung weidender Schafe; hinter diesen Sträuchern suchte ich mich so gut als möglich zu decken. Ich mochte kaum 20 Minuten gewartet haben, als ich bereits die lauten Rufe der herangaloppierenden Reiter vernahm und eine Staubwolke sich auf mich zubewegen sah. Nun bot sich mir ein äußerst merkwürdiges Bild: ein Trupp von mindestens 40 Emus, die mit hocherhobenen Hälsen in vollem Lauf einherstürmten; allen voran ein beinahe schwarzer, großer Leithahn, die ganze Herde in wilder Unordnung hinterdrein. Die Tiere eilten den Zaun entlang, den sie nicht zu übersetzen wagten, und versuchten zeitweise gegen die offene Ebene auszubrechen, was jedoch von den Reitern geschickt verhindert wurde. Nur mehr auf 40 Gänge von mir entfernt, erblickten mich die ersten Stücke, und jetzt stob die ganze Herde auseinander; ich sandte dem nächsten Emu zwei Schrotschüsse nach, hörte die Schrote an das dichte Federkleid anprallen, konnte auch wahrnehmen, dass er schwer getroffen war, vermochte aber leider nicht zu hindern, dass er flüchtig abzog; hiedurch gewitzigt, griff ich rasch nach dem Stutzen und schoss einen alten Hahn, der sich eben zur Flucht abgewendet hatte. Andere Schüsse waren der nachjagenden Reiter halber nicht mehr anzubringen. Die Herde flüchtete nun in rasendem Lauf der Ebene zu, wobei von meinen Herren, welche bedauerlicherweise unrichtig, nämlich in zweiter Linie, aufgestellt worden waren, nur Clam den Emus einige Kugelschüsse auf weite Entfernung nachsenden konnte. Wären die Herren auf den richtigen Plätzen seitwärts von mir gestanden, so hätte die Strecke jedenfalls bedeutender sein müssen.

Das von mir mit Schrot angeschweißte Stück wurde bald darauf von zwei Reitern ausgemacht. Die erlegten Stücke waren selten schöne und große Exemplare, deren Erbeutung mir um so willkommener war, als behauptet wird, dass diese mächtige Vogelart ganz im Aussterben begriffen sei.

Die Reiter machten den Versuch, den Trupp noch einmal zurückzutreiben, und zwar von der anderen Seite her, so dass wir uns auf den Ständen nur umzuwenden brauchten. Nach längerer Zeit kamen auch einige Stücke auf uns zu; doch hatten sich die Emus mit ihren feinen Sinnen die gefahrdrohende Stelle genau gemerkt und brachen, ohne gewendet werden zu können, schon in weiter Entfernung vor den Ständen aus.

Mr. Campbell schlug mir nun, da die Fortsetzung der Jagd auf Emus aussichtslos war und noch Zeit erübrigte, vor, auf Kakadus und Trappen auszuziehen, und sandte, um den Aufenthaltsort eines Kakadufluges auszukundschaften, zwei seiner Reiter aus, die nach wenigen Minuten schon mit der Meldung zurückgesprengt kamen, dass sie einen Schwarm ausfindig gemacht hätten. So rasch es unser Wagen gestattete, fuhren wir in der angegebenen Richtung und sahen nach Zurücklegung einer Strecke von 2 km bereits einen Flug herrlicher rosenrother Kakadus (Cacatua roseicapilla) über die Wipfel der Bäume streichen und auf einer freien Fläche einfallen. Sofort sprangen ich und Wurmbrand vom Wagen ab, pürschten uns an und sahen 300 bis 400 der rothen Köpfe mit aufgestellter Haube aus dem Gras emporragen, späterhin die zierlichen Thiere selbst, Asung suchend, gravitätischen Schrittes einherstolzieren; als wir auf 60 Schritte herangekommen waren, stand der Flug wie auf Kommando auf, und mit zwei Schüssen holte ich drei Stücke herab, die kreischend auf dem Boden umherflatterten.

Einem eigentümlichen Triebe folgend, trennen sich Kakadus von getöteten oder verwundeten Kameraden ihres Fluges nicht so bald, sondern beschreiben um dieselben einen Kreis in der Luft und stoßen immer wieder herab, mag auch noch mehreremale auf sie geschossen werden. So erhob sich auch hier der farbenbunte Kakaduschwarm wie eine rosenrote Wolke in die Lüfte, um alsbald im pfeilschnellen Fluge herabzustürzen. Noch zehn Stücke wurden erlegt, bis der Schwarm doch höher stieg und endlich über den Wipfeln der Eucalypten verschwand.

Bald darauf schoss ich während der weiteren Fahrt noch drei reizende, kleine Papageien sowie, mit der Kugel, einen Trappen und erreichte bei vollkommener Dunkelkeit wieder die Station, wo Hodek in voller Tätigkeit war, die verschiedenen Beutestücke zu präparieren.

Nachdem wir von den freundlichen Farmern Abschied genommen, entführte uns die Eisenbahn nach Narromine, wo wir dem um unsere jagdlichen Erfolge so hochverdienten, liebenswürdigen Mr. Mack herzliches Lebewohl sagten.

Ich hatte in Narromine den Waggon für einen Augenblick verlassen, als aus der Menschenmenge, die nächst dem Bahnhof versammelt war, ein anständig, aber ärmlich gekleideter, junger Mann auf mich zuschritt, meine Hand ergriff und, sie drückend, mir zurief: „Wenn Euere kaiserliche Hoheit nach Wien zurückkommen, so bitt‘ ich den alten „Steffel“ zu grüßen und ihm zu sagen, dass ich ein treuer Österreicher geblieben bin, der seine alte Heimat nicht vergessen kann!“ Sprachs und verschwand. Ich sandte dem Unbekannten sogleich einen der Herren nach, der ihn auch nach langem Suchen fand und ihm in meinem Namen eine Unterstützung anbot. Der Landsmann aber verweigerte die Annahme einer solchen, mit dem Hinweis darauf, dass er zwar arm und ohne Arbeit sei, aber nur das Glück gesucht habe, ein Mitglied seines Kaiserhauses zu sehen. Dann verlor er sich wieder in der Menge; der Pfiff der Lokomotive ertönte, wir rollten weiter. Diese überraschende, in den Gefilden Australiens sich abspielende Szene hat mich tief ergriffen, der schlichte Mann mit seiner Liebe zum Vaterland, mit seinen wenigen, herzlichen Worten hat mein patriotisch fühlendes Herz wahrhaft gerührt. Welche Entbehrungen, welche Sorgen mag der Ärmste im harten Kampf ums Dasein ertragen haben; und doch hat sich die Erinnerung an die Heimat, hat sich die Liebe zum angestammten Kaiserhaus in ihm lebendig erhalten! Mag ihn was immer nach Australien getrieben haben, der echt österreichische Sinn hat sich in diesem geprüften Menschen auch hier — viele tausend Meilen vom teuren Vaterland — nicht verleugnet, ihm vielmehr Worte geliehen, die auf mich, den warmfühlenden Landsmann, einen nachhaltigen Eindruck hervorgebracht haben.

Links

  • Ort: Narromine, Australien
  • ANNO – am  20.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Maria Stuart”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Margarethe” aufführt.

Mullengudgery, 20 May 1893

During the night we drove from Narromine to Mullengudgery where we would hunt on the lands of various farmers  who planned to join us in this undertaking. The most prominent among them were Mr. Alison and Mr. Campbell.

First on the agenda was a wagon hunt on Australian bustards to which I was looking forward with interest as I had not yet known about that kind of game and had not found a natural history description of it. At dawn Mr. Campbell picked me up in a small wagon on which I and Clam took our seats and then we went off in the already familiar Australian manner at a very fast pace cross country to a very large meadow that served as a pasture for sheep and featured tufts of grass and some individual clumps of trees.

Soon Mr. Campbell showed me a big bird that stood with its high neck in the heath and which I recognized as a bustard when we tried to drive closer. The Australian bustard seems to have the same qualities as its European brother, especially the same timidity as it too did not remain standing. A shot at great distance was unsuccessful. We now drove continuously around in the heath and saw many more bustards. But these always flew away many hundreds of meters distant from our wagon so that I only managed to come within shooting distance to a flock and bag a beautiful specimen which however was totally ruined by the  500er bullet. The coat of the Australian bustard is different from that of the European one as the male has a large black badge on the breast while the back feathers are pearled. It also lacks the barb of our bustards.

Our morning hunt was very exciting because I saw many other specimens of various other bird species I had not known before beyond the many bustards. Among them the Australian crane that is parading around seeking food while crying constantly. One of them I shot with a bullet without however being able to catch it. On a dry tree sat a whole flock of ibis and at another location I saw for the first time a pair of the beautiful pink cockatoo with its red crest that they challengingly raise at any moment. During the return drive I bagged a beautiful falcon (Hieracidea berigora).

Having returned to the station I found the other gentlemen there with whom I was now to undertake a water game hunt and in the afternoon one for emus.

With the usual country-specific delay we set out, followed by a number of riders. This time our wagon was even more enormous than the one in Narromine. This one was a hunting wagon of huge dimensions and pyramidal height. But this vehicle driven again by the also present Mr. Mack proved itself splendidly. Taking short-cuts, he guided the monster through the pinewood forest of at least 3 m tall so that the wagon’s impact broke the trees and drove over them at speed which would hardly have been possible with a lighter vehicle. Extraordinarily skilled were also the four horses that drew the wagon. They jumped and turned progressing through the thicket.

Just after the departure we saw a large number of bustards that stood around in the open terrain in small groups or flew past us. Also rabbits rushed around everywhere or sat in front of trees in numbers of six or eight. These animals form one of the worst plagues of Australia. Once imported, they multiplied in a frightening way and can not be eradicated now. The number of the rabbits might be illustrated by the message of Mr. Campbell that he had caught in one night more than 8000 rabbits in traps without noticing a difference afterward. Some farming neighbors had to move away from Mullengudgery as they could not contain these animals. The number of rabbits had increased in 1883 so dramatically — during a single year 102.300 km2, an area larger than the combined size of Bohemia, Moravia, Silesia and Lower Austria, was destroyed by the „rabbit plague“ — that the government had allowed important subsidies for the capture of rabbits from 1883 to1890 to contain the expansion of the rabbits.

The sums the government spent for the eradication of the rabbits are estimated to be more than 12,000.000 fl. in Austrian currency. The only reliable measure is the enclosure of the threatened areas with wire netting of which the government has built in total 1688 km while the length of wire netting built by the individual herd owners of the country is said to amount to 21.500 km.

When we came to a small fairly dense forest, suddenly some emus starting fleeing and were immediately pursued by the riders until they had driven them into a corner created out of wire netting. Unfortunately the birds managed to get over the netting after multiple tries and disappear forever before we arrived with the rifles.

The proximity of a large swamp made itself noticeable by the presence of countless cranes that were standing in the low cane brake and filled the air with their hoarse cries. The hunting leaders intended to position us at various points where there were open water areas and ducks tended to land and then send the horses in to scare up the game. Wurmbrand and Clam remained at the beginning of the swamp while I drove on for about another 7 km, driving past some open pools where I shot some pieces of game, among them a rare harrier. A rather deep stream was overcome with the wagon at a gallop and I then was in my position at a small pool that extended between two veins of the swamp. Here I selected a more favorable spot under a strong willow bush and surveyed the surrounding area with great attention.

By and by some flocks of ducks approached but usually at a height I could not shoot at them. I could hear shots in the far distance, now and then a crack of the whips. But the game seemed to have taken another direction and avoid my position. The hunting leaders had apparently made wrong assumptions and spaced the shooters too far from each other so that the game could spread out and fly away into all parts of the world after the first shots. In relation to the total number of shooters many approaches had been left uncovered which the game used to escape, leaving us behind. I waited for two hours and had to be satisfied with four ducks during this time until my endurance paid of towards the end of the hunt. I bagged two birds that were a beautiful addition to my collection. An ibis that I shot out of a flock flying over my head as well as an Australian crane. That one had approached my position to about 200 paces when I missed it twice with my bullets. As it could not know where the shots were coming from it remained sitting so that I could bag it with the third bullet. The gentlemen of my entourage did also not return home without a catch and brought two beautiful bustards with them which they had met near the swamp in sandy terrain.

Already during the hunt I had spotted various emus at a great distance and now urged the farmers to use the afternoon to bag one of these rare animals as this had been one of the main reasons of this trip. They complied eagerly with this request and positioned me alongside a fence in a plain covered with crippled trees and bushes while the riders rode of taking a wide turn in order to drive the emus present towards me. In front of me stood some low mustard bushes, the favorite food of grazing sheep. Behind these bushes I tried to take the best possible cover. I must have waited for only about 20 minutes when I heard the loud shouts of the galloping riders and a dust cloud was advancing towards me. Now I saw a very strange image of at least 40 emus running furiously with their necks held high at full speed. In front of all of them ran an almost black large male  leading the whole unorganized herd behind. The animals rushed alongside the fence which they could not overcome, breaking out into the open area from time to time which was skilfully prevented by the riders. Only 40 steps away from me, the first animals noticed me and now the whole herd dispersed. I sent two grain shots at the closest emu and heard the grains impact against the dense coat of the bird and could determine that it had been heavily wounded but could not prevent it from taking off. Having learned from this, I took the rifle and shot an old male that had started turning to flee. Other shots I could not fire at the departing animals due to the presence of the riders. The herd fled now at a frantic speed towards the plain where my gentlemen had unfortunately been incorrectly lined up that is in a secondary line. Only Clam managed fire some shots at the emus at a great distance. If the gentlemen had been placed correctly sideways from me, the resulting catch would have been considerably bigger.

The piece wounded by me with grain was soon discovered by two riders. The bagged pieces were of a rare beauty and large specimens whose collection was even more welcome as it is said that this mighty bird species is on the way of becoming extinct.

The riders tried to drive the bustards back again, in fact from the other side so that we only had to turn around in our positions. After some time some pieces advanced toward us. But the emus with their fine senses had exactly noticed the dangerous position and escaped at a great distance from our position without a chance of reversing their direction again.

Mr. Campbell proposed to hunt cockatoos and bustards as the continuation of hunting emus was futile and there was still some time left.  He sent out two riders to find the spot of the cockatoo flocks. They returned after a few minutes with the report that they had found a flock. As fast as our wagon permitted we drove in the reported direction and after about 2 km we saw a flock of gorgeous pink cockatoos (Cacatua roseicapilla) flying above the tree tops and land in an open area. Immediately I and Wurmbrand jumped off the wagon and sneaked up to see the 300 to 400 redheads with raised crests visible above the grass. A bit later we could see the delicate animals themselves, seeking food, parading around with a grave air. When we had approached to 60 paces, the flock lifted off as if by command and with two shots I bagged three pieces that shrieking fluttered around on  the ground.

Following a strange drive cockatoos never separate themselves from dead or wounded comrades of their flock but fly around it in the air and dive down to it again, even if one shoots multiple times at them. Thus the colorful cockatoo flocks flew up into the air like a pink cloud only to dive quick as an arrow. Another ten pieces were bagged until the flock finally ascended to great height and disappeared beyond the eucalyptus tree tops.

Soon afterward I shot during another drive still three lovely small parrots and with a bullet a bustard and finally reached in complete darkness the station where Hodek was hard at work in preparing and treating the various catches.

After I said good-bye to the friendly farmers, the railway took us to Narromine where we then said a heartfelt good-bye to the kind Mr. Mack who had arranged and greatly contributed to our hunting successes.

I had left the wagon in Narromine for a moment when a decently but poorly clad young man approached me out of the crowd, took and pressed my hand and said to me: „When Your Imperial Majesty returns to Vienna, I ask you to greet the old „Steffl“ (St. Stephan’s Cathedral) and tell it that he was a faithful Austrian who will not forget his old homeland!“ Having said this, he disappeared. I immediately sent one of the gentlemen after the unknown man who after a long search found him and offered him some support in my name. The compatriot refused all kind of assistance, mentioning that he may be poor and out of work but he had only wanted to see a member of the Imperial family. Then he disappeared again in the crowd. The whistle of the locomotive was sounded and we moved on. This surprising scene in the Australian bush moved me deeply. This simple man with his love for his homeland truly aroused my patriotic heart. What sacrifices, what kind of sorrows the poor man has to bear in the hard struggle for existence and still he carries the memory of his homeland with him and keeps alive his love to his old Imperial family! Whatever might have sent him to Australia, the true Austrian spirit in this burdened man lives on too — many thousand miles away from his dear homeland — and expressed itself in words that made a profound impression on me, his warm blooded compatriot.

Links

  • Location: Narromine, Australia
  • ANNO – on  20.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Maria Stuart“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Margarethe (Faust)“.