Gwalior, 29. Jänner 1893

Gegen 2 Uhr morgens wurde ich durch Musik aus tiefem Schlaf aufgeschreckt. Ein besonders zuvorkommender Radscha hatte es für angezeigt gehalten, mich in dieser Weise, allerdings zu etwas ungewohnter Stunde, zu begrüßen und mir Früchte überreichen zu lassen.

Um 6 Uhr früh fuhren wir in Gwalior ein — halb erfroren, vor Kälte klappernd. Kaum glaublich und leider dennoch wahr! Die ältesten Leuten in Gwalior erinnern sich einer ähnlichen Depression der Temperatur nicht, die wohl den bedeutenden Schneefällen zugeschrieben werden muss, welche eingelaufenen Nachrichten zufolge vor kurzem im Himalaya-Gebirge eingetreten waren. Ungeachtet zweier Mäntel, die ich beim Verlassen des Waggons angelegt hatte, fror ich empfindlich. Oberst Pitcher und zwei reich geschmückte Mitglieder des Staatsrates von Gwalior empfingen mich namens des Maharadschas und des britischen Residenten und geleiteten uns zu den Wagen, die uns sofort zu dem Palast des Herrschers brachten.

Dieser selbst, ein Jüngling von sechzehn Jahren, unter der wohlbedachten Vormundschaft und Erziehung eines Engländers stehend, war abwesend, da er mit dem britischen Residenten zu Besuch in Calcutta weilte. Der plötzliche Tod seines Vorgängers, eines schwer zu behandelnden Dynasten, welcher den Engländern viel Mühe und Sorge verursacht hatte, hat den Maharadscha in jugendlichem Alter zur Regierung berufen.

Der Ehrenwache im Palaste, den wir zunächst besichtigen wollten, schienen wir entschieden zu früh gekommen zu sein; denn, noch ganz verschlafen, traten endlich zwanzig Mann ins Gewehr, einige noch in einer Art Nachtgewand, andere in große Kapuzenmäntel gehüllt. Ein hochbejahrter Offizier bemühte sich vergeblich, Ordnung in seine Schar zu bringen.

Ähnlich wie in Haidarabad besteht auch in Gwalior die Residenz des Maharadschas aus mehreren Palästen, von welchen drei besonders hervorragen. Dieselben liegen in einem Park, der sich über mehrere Quadratkilometer erstreckt, Teiche enthält und von Bächen durchzogen ist; der größte und bedeutendste der Paläste ist zu Ehren der Anwesenheit des Prinzen von Wales in Gwalior (1873) erbaut worden und fällt durch eine eigentümliche Verquickung indischen und italienischen Baustiles auf. Über mein Befragen wurde mir des Rätsels Lösung zuteil: ein Architekt aus Florenz ist der Schöpfer des Werkes gewesen. Eine große Freitreppe führt zu dem schönsten Prunksaal empor, welcher einem florentinischen Muster genau nachgebildet, ganz in Weiß und Gold gehalten und mit kolossalen Glaslustern geschmückt ist. An den Saal schließen sich die Empfangs- und Speisezimmer an, welche teilweise mit europäischen, recht geschmacklosen Gegenständen gefüllt sind. Die Privatgemächer des Mahäradschas machen einen wenig wohnlichen, ja unfreundlichen Eindruck. Der Raum, in welchem sich jener, den größten Teil des Tages mit untergeschlagenen Beinen auf einer Decke sitzend, aufzuhalten pflegt, ist eine Halle, welche Säulen tragen, deren Kapitäle mit Bildern aus der indischen Göttersage, zumeist Darstellungen des Gottes Schiwa, bunt bemalt sind. Überall herrscht unglaubliche Verwahrlosung und arger Schmutz; Ratten, Tauben und Spatzen hatten in manchem der Vorräume, wie es schien, ungestört ihr Quartier aufgeschlagen, und von der Zweckdienlichkeit des Lüftens und Reinigens schien die Dienerschaft des Palastes keine Ahnung zu haben.

Auch in dem zweiten Palast, der nach 1876 und zwar in rein indischem Stil erbaut worden ist, betritt man einen prunkvollen Audienzsaal, dessen Hauptschmuck ein fein gemaltes Bild Schiwas und grüne, vergoldete Möbel bilden. An den beiden Stirnseiten des Saales sind vergitterte Fenster angebracht, hinter welchen die Frauen den Festen und Audienzen ungesehen beiwohnen können. Sehr originell sind die Zimmer des Harems, den wir, da sich keine weiblichen Wesen in demselben aufhielten, ebenfalls besuchen durften. Die ganze Anlage und Einrichtung rührt noch von dem verstorbenen Maharadscha her und ist von dem jetzt regierenden, der vor kurzem ein zehnjähriges Mädchen zu seiner Gattin erwählt hat, nicht verändert worden. Das Zimmer der Lieblingsfrau ist ohne jeglichen Schmuck, nur hängen an den Wänden einige wertlose europäische Farbendruckbilder; das einzige Einrichtungsstück dieses Gemaches ist ein niedriger, mitten im Zimmer stehender Diwan. Unmittelbar neben diesem Raum liegt ein überreich verziertes Gemach des gestrengen Herrschers, welches mit kostbaren Teppichen und Stoffen geschmückt und verschwenderisch mit Gold, Silber und Edelsteinen verziert ist. An den Wänden hängen Spiegel und glitzern bunte Gläser; das Bett aus schwerem Gold, ruht auf kunstvoll gearbeiteten Füßen und ist mit seidenen Decken belegt, während ein Baldachin aus gewichtiger Seide das üppige Lager überragt.

An dieses Schlafgemach, welches einen grellen und sprechenden Kontrast zu der Einrichtung der anderen Räume bildet, reihen sich Gemächer an, bestimmt, dem Herrscher tagsüber zum Aufenthalt im Kreis seiner Schönen zu dienen. Damit keines Unberufenen Blick in diese heiligen Hallen dringe und den Mächtigen in seinen Schäferstunden belausche, besitzen diese Zimmer keine Fenster, sondern erhalten nur durch einen ins Freie mündenden Schlauch Oberlicht — eine bauliche Anordnung, welche im ersten Augenblick höchst befremdlich wirkt.

Besondere Erwähnung verdienen die aus Sandstein gehauenen, schönen Portale der Paläste. Der letztere umgebende Park ist gut gehalten und birgt eine Fülle seltener Pflanzen und Bäume, zwischen denen zahlreiche wilde Pfauen stolzieren. Im Gegensatz dazu sind der Zustand des Marstalls sowie die Wartung und Behandlung der in diesem befindlichen Pferde wenig erbaulich.

In einer Kapelle, dem Eigentum der sehr kleinen römisch-katholischen Gemeinde von Gwalior, wohnten wir sodann — es war Sonntag — der Messe an. Gleichwie in den anderen indischen Städten, die ich bisher besucht hatte, bot die Fahrt durch die Straßen auch hier anregende Szenen: eine in buntem Gewühle sich drängende und schiebende Volksmenge sowie lebhafte Bewegung in den Kaufläden und Bazars. Als charakteristisch für Gwalior fallen neben den Hütten und Häuschen, welche die ärmeren Klassen der Bevölkerung beherbergen, Bauten auf, welche sich durch beträchtliche Dimensionen und reiche, aus Stein gehauene Ornamente auszeichnen; diese sind teils auf Veranden oberhalb der Fenster und Türen angebracht, teils in die Wandfläche eingelassen.

Als Quartier war uns ein neugebautes Palais des Maharadschas, das ausschließlich für Gäste bestimmt ist und an der Peripherie der Stadt liegt, angewiesen. In den zahlreichen großen Räumen dieses Palais herrschte so fühlbare Kälte, dass ich selbst in den Zimmern den Mantel nicht ablegen konnte, und nur in jenem Raum, in welchem wir die Mahlzeiten einnahmen, dank einem anheimelnd im Kamin flackernden Feuer behagliche Wärme empfand.

Gegen Mittag erschien im Auftrag des Maharadschas eine Deputation, die mir auf 66 großen Schüsseln die verschiedenartigsten Früchte des Landes als Huldigung darbrachte. Die Abgesandten veranstalteten auf der Veranda des Palastes sozusagen eine Ausstellung von Produkten des einheimischen Feld- und Obstbaues, die so verlockend und schmackhaft waren, dass ich lebhaft bedauerte, dieselben nicht als Erinnerung mitnehmen zu können, weshalb sie denn nach Verabschiedung der Deputation in die Hände der stets esslustigen, indischen Diener wanderten.

Nach dem Diner führte uns der Stallmeister des Maharadschas, ein Eingeborener, einige Pferde aus dem Marstall vor — indisches Vollblut, ausgezeichnet durch Güte und auffallend schöne Formen, edle Tiere in reichem Schmuck und kostbarer Sattelung. Von den vier schönsten Pferden trug ein jedes Schmuck im Werte von über 100.000 Gulden an sich: je eine mit Edelsteinen besetzte Agraffe am Kopfe und ein gleichartiges Stirnband; fünf lange Schnüre, mit Goldrupien (Mohür) behängt; am Halse zwei Kehlriemen mit viereckigen Münzen aus reinem Gold besetzt; an beiden Vorderhufen Braceletten und unter dem rechten Knie eine dicke, silberne Spange. Der Sattel war panneauartig mit Seidendecken und golddurchwirktem Brocat belebt, der Schweifriemen mit großen, goldenen Kugelknöpfen in Filigranarbeit besetzt.

Goldene Hügel und Gurten vervollständigten die kostbare, von dem Vergnügen des Orientalen an verschwenderischem Prunk zeugende Ausrüstung. Der Stallmeister und einige schwarze Grooms, in ihre Nationaltracht gekleidet, ritten die scharf gezäumten Pferde ganz in der landesüblichen, fortwährend versammelnden Weise vor, wobei sie die Tiere zwar arg quälten, aber auch zu den kleinsten Pirouetten und zu einer durch Spangen und Braceletten stark behinderten Art von Piaffe zwangen. So machten die schäumenden, knirschenden Tiere in ihrer reichen, farbenprächtigen Rüstung einen zwar equestrisch wenig korrekten, aber malerisch höchst wirkungsvollen Eindruck.

Der Rest des Tages war der Besichtigung der Festung Gwalior gewidmet. Gwalior liegt in dem nördlich vom Tschambal, südlich vom Sindhflusse begrenzten, von isolierten Felsblöcken durchsetzten Hügelland. Was Gwalior genannt wird, besteht eigentlich aus drei genau gegliederten Teilen: der Festung, der an ihrem nördlichen Fuß gelegenen Altstadt und der Neustadt oder Laschkar im Süden. In früheren Zeiten wohnten die Fürsten von Gwalior und die gesamte städtische Bevölkerung im Rayon der Festung selbst, wovon noch Paläste und ruinenhafte Tempel Zeugnis geben. Nach den Einfällen der Großmoguln entstand im Norden des unterhalb der Festung gelegenen Tales die mohammedanische, jetzt halbverfallene und verlassene, aber noch immer schöne Moscheen und Mausoleen enthaltende Altstadt. Die Neustadt Laschkar (»die Zeltstadt«) endlich, mit dem alten Barah-Palast und dem »Modernen Palais« Mahäradscha Sindhias, mit neuen englischen Bauten und dem lebhaften Kaufmannsviertel Sarafa, ist auf jenem Lagerplatz emporgeblüht, welchen zu Anfang des 19. Jahrhunderts Daulat Rao Sindhia im Süden der Festung aufgeschlagen hatte. Diese Teile von Gwalior überragt die Festung, welche auf einem isolierten, etwa 25 km langen, 0,3 km breiten, nach allen Seiten hin steil abfallenden Sandsteinhügel gelegen, stolz auf das etwa 100 m tief unter ihr befindliche. bebaute und besiedelte Land niederblickt.

Das Hauptinteresse der flüchtigen Besucher von Gwalior konzentriert sich, da die in der Ebene gelegenen Teile der Stadt an Sehenswürdigkeiten von Bedeutung eigentlich nur das jenseits des Flusses gelegene Grabmal Mohammed Gäus enthalten, selbstverständlich auf das, was die uralte Festung bietet.

Ein befestigter Weg, welchen der ganzen Länge nach krenelierte Mauern begleiten, führt zur Festung empor. Von Elephanten getragen, passieren wir zwei zur Verteidigung eingerichtete Tore. Dann geht es steil bergan. Bei der ersten Wegbiegung steht das älteste Denkmal der ganzen Gegend, der aus dem Felsen herausgearbeitete Wischnu-Tempel, Tschatr Bhodsch Mandir, dessen Entstehung eine der Inschriften in das Jahr 876 n. Chr. zurückverlegt. Staunen wir schon, wenn uns die Geschichte Gwaliors zu berichten weiß, dass diese unzählige Mal bestürmte Festung fast tausend Jahre lang stets der Zankapfel der Beherrscher Indiens gewesen ist, so muss uns der Anblick eines Heiligtumes, welches aus dieser Zeit erhalten ist, wahrhaftig mit pietätvoller Scheu erfüllen.

Die Felswände neben dem Weg sind mit ausgemeißelten Göttergestalten und Votivbildern, oft sehr realistischer Art, bedeckt und in beträchtlicher Höhe birgt der Felsen natürliche Grotten und Höhlen, in welchen Fakire hausen sollen. Leider bekam ich diese Einsiedler nicht zu Gesicht und vermochte sonach keinen Einblick in ihre Lebensweise zu gewinnen, die jener der Eremiten in den Felsenhöhlen von Mar Saba bei Jericho ähnlich sein dürfte.

Nach viertelstündigem Aufstieg gelangt man durch ein mit farbig emaillierten Fliesen und durchbrochenen Steinreliefs verziertes Riesenportal auf das Plateau der Festung und hier ins Innere des Rayons. Dieses Portal ist von zwei mächtigen, runden, von Säulengallerien und Kuppeln überhöhten Türmen flankiert. Rechts vom Eingang, an das Tor anschließend und mit der Außenfront einen Teil der Festungsmauern bildend, erhebt sich der von Man Singh (1486 bis 1516), dem bedeutendsten der Fürsten von Gwalior aus dem Hause Tomara, errichtete Palast — ein bewundernswertes Bauwerk. Es bildet ein zwei Höfe einschließendes Rechteck (100 m : 50 m), das an den Langseiten 33 m, an den Breitseiten 20 m hoch ist; die Nord- und die Westfront des über dem Erdgeschoss, wie unter demselben je zwei Stockwerke enthaltenden Gebäudes sind schon fast ganz zerstört. Allein vielleicht liegt gerade in dem Gegensatz dieser verfallenen Teile zu den noch erhaltenen prachtvollen Fronten ein Reiz mehr.

In die östliche Langseite sind fünf runde Türme eingebaut, welche, wie die durchaus fensterlosen Außenwände des eigentlichen Gebäudes, ungefähr bis auf halbe Höhe nur von Leisten durchzogen, im übrigen jedoch ganz glatt sind, um weiter empor in reizendster und mannigfaltigster Architektur sozusagen aufzublühen. Mit wahrhaft orientalischer Phantasie geschmückt, bald eingezogen, bald vorspringend, mit Gesimsen, Sockeln, Wandpfeilurn verziert, bilden die Türme zylindrische Unterbaue, auf welchen, von Pfeilern getragen, sich offene, hohe Kuppeln erheben. Die Mauerwände aber, in der Höhe von Pilastern und Tragsteinen durchsetzt und von Zinnen gekrönt, endigen in viereckige, von Kuppeln überdeckte Altane. Die östliche Breitseite des Palastes hat eine ähnliche, doch minder reich geschmückte, mit zierlichen Ausladungen versehene Anordnung. Hier sind nur drei Türme eingebaut.

Zu dem Reize der Linien, der Profilierung und der Steinarbeiten der beiden Fronten gesellt sich der Zauber der Farben, welche den mit vollem Recht Tschit Mandir, bemalter Palast, genannten Königsbau schmücken. Die Außenflächen aller Mauern, Türme und Gesimse der beiden Fronten sind mit emaillierten Fliesen belegt, zwischen denen aus weißem Stuck geformte, jetzt zumeist verwitterte Ornamente sich hinziehen. Allerlei Zierat, Ranken, Blumen, stilisierte Tierfiguren darstellend, schimmert und leuchtet der Schmelz der Fliesen in zartem Blau, Grün und Gold, das elegante Formenspiel der Türme, Gesimse, Altane durch die Pracht der Farben bereichernd, die sich in buntem Wechsel und doch in fein empfundener Abtönung über das Bauwerk ergießen und derart einen ebenso künstlerischen, als stimmungsvollen Eindruck hervorbringen.

Von dem rötlichen Licht der sinkenden Sonne übergossen, übt der Palast Man Singhs, einer der baulichen Schätze Indiens, eine außerordentliche, mir unvergessliche Wirkung aus. Man glaubt sich in die Zeiten zurückversetzt, wo noch mächtige Könige, umgeben von ihrem glänzenden Hofstaat und Tausenden von Sklaven, hier gehaust haben; wo Reiter und farbenprächtige Festzüge den Berg heraufkamen und die königliche Feste von regem Kriegslärm erfüllt war.

Wie das Äußere, so ist auch das Innere des Palastes in allen Details äußerst kunstvoll gearbeitet. Alle Wände der Innenräume sind mit den feinsten durchbrochenen Steinarbeiten und bunter Emailglasur geschmückt. Natürlich ist der Palast unbewohnt und in seinem jetzigen Bauzustand auch unbewohnbar.

Ich war sehr erstaunt, in dem alten indischen Obersten Sita Ram, der uns als Cicerone diente, einen Mann zu finden, der sich — ein weißer Rabe unter seinen Landsleuten — nicht mit der Zerstörung, sondern im Gegenteil mit der Erhaltung dieser historischen Kunstwerke beschäftigt. Überall erkennt man seine fürsorgliche Hand; denn bald da, bald dort ist ein frischer Stein eingesetzt, eine ins Schwanken geratene Wand gestützt, dies und jenes Relief restauriert.

Nebst Man Singhs Palast trägt der Burgberg von Gwalior noch fünf zum Teil ganz schmucklose Paläste. Beachtung verdient unter ihnen nur der Gudschari-Palast, ein umfangreiches und stattliches, aus Hausteinen errichtetes Gebäude, und der Karan-Palast mit seinem von einer originellen Hindu-Kuppel überdeckten großen Saale.

Unser lebhaftes Interesse erregten dagegen die alten, noch immer von Hindu-Pilgern besuchten Tempel sowohl durch ihre Bauart als auch durch ihre Skulpturen. Die Festung birgt im ganzen eilf solcher Hindu-Tempel, unter welchen besonders zwei auffallen: der Teli-ka Mandir und die beiden Säs Bahu-Tempel.

Der Teli-ka Mandir, d. i. »der Tempel des Ölhändlers«, vor mehr als einem Jahrtausend erbaut, hat im Lauf der Zeiten seine Kuppel verloren. Heute hat er etwa die Form eines an der Spitze abgeplatteten Zuckerhutes, eine Gestalt, die sich daraus erklärt, dass das jetzt noch 25 m hoch emporstrebende Gebäude dem Bauplane gemäß nach oben zu abnimmt und die Nischen der durch Vorsprünge belebten Fassaden in spitzige Aufsätze zulaufen. Überdies verjüngt sich der einen quadratischen Raum einschließende, turmförmige Tempel auch dadurch, dass gerade der Oberteil, der einst die Kuppel getragen, viel von seinem architektonischen Schmuck verloren hat. Die Außenwände des Tempels sind über und über mit den interessantesten, aus Sandstein gemeißelten Reliefs bedeckt. An der Südseite sind diese noch in beträchtlicher Höhe wohl erhalten, indessen die Ostseite oberhalb der stattlichen, von Bäumen beschatteten Eingangspforte schon in halber Höhe fast nur mehr Trümmer zeigt. Ursprünglich Wischnu heilig, ist der Teli-ka Mandir späterhin dem Gotte Schiwa geweiht worden. Rings um den Tempel stehen, eine Art kleines Museum im Freien bildend, eine Menge der schönsten Reliefs, Statuen und Bildwerke, die Reste ehemaliger Tempel.

Die verschiedenartigsten Göttergestalten, als Ganescha, Hanuman und Schiwa sind hier vertreten. Mit großer Mühe hat der alte Oberst diese Stücke ehemaliger Herrlichkeit auf dieser Stelle zusammengetragen und versicherte uns, man brauche nur wo immer in der Festung nachzugraben, um überall derlei Dinge zu finden; denn der ganze Raum müsse dereinst mit Tempeln und Palästen bedeckt gewesen sein. Zu meiner großen Freude schenkte er mir drei der schönsten Reliefs, darunter eines von geradezu künstlerischer Ausführung.

Das dem Gotte Wischnu geweihte Heiligtum Säs Bahu (Sahasra Bähu), aus dem 12. Jahrhundert stammend, besteht aus zwei vom Rädscha Mahipal erbauten Tempeln. Der große Säs Bahu-Tempel ist etwa 30 m lang und 20 m breit. Einst über 30 m hoch, misst er heute, da seine Kuppel längst abgestürzt ist, noch etwa 20 m Höhe. Das oberste seiner drei Stockwerke ist fast gänzlich verfallen, so dass seine gegenwärtige Spitze einer abgestumpften, regellosen Pyramide gleicht. Im Innern erheben sich vier große, massive, gemeißelte Steinsäulen; diese tragen die pyramidal aufstrebende, eine merkwürdige Verquickung abwechselnd kreisförmiger und quadratischer Steinbänder darstellende Decke, die an ihrem höchsten Punkte in ein Viereck endet. Die Basis der eben genannten Steinsäulen besteht aus großen Steinblöcken: Säulen und Wände sind wieder mit Götterskulpturen bedeckt. Das Ganze sieht aus, als hätte es ein Riese aus ornamentiertem Papier-mache geformt, aber gleichwohl erweckt dieser Tempel, ein geschmackvolles Erzeugnis alter Kunst und Technik, keineswegs andere Gefühle als jene der Bewunderung.

Der kleine Tempel Säs Bahu, in Kreuzesform und nach allen vier Seiten hin offen, ist, wenn auch weniger reich, so doch gleichfalls mit großem Geschmack verziert.

Außer diesen beiden hervorragenden Tempeln gibt es noch neun kleinere Tempel, von denen jeder vom andern verschieden und in seiner Art beachtenswert ist, wiewohl sie alle die Spuren der nivellierenden Hand der Besatzung deutlich an sich tragen. Die Aufzählung aller dieser Wunderbauten würde zu weit führen.

In die senkrecht aufsteigenden Felswände des Hügels, der die Feste Gwalior trägt, sind die ob ihrer Zahl und Größe berühmten Reliefs von Urwähi eingemeißelt. Diese Hochreliefs, welche Göttergestalten aus dem indischen Sagenkreis des Dschaina-Kultus darstellen, erinnern einigermaßen an die ägyptischen Reliefs und sind hier aus der Fläche der Sandsteinwände ausgehauen worden. Einzelne Gruppen dieser Skulpturen liegen in natürlichen oder künstlich hergestellten Grotten, Höhlen und Nischen, über deren Oberkante die Felswand teils senkrecht aufsteigt, teils überhängt. Manche dieser Steinbilder stellen Göttergestalten in zwanzigfacher Vergrößerung des menschlichen Maßes dar. Die Provenienz dieser Skulpturen von den Dschainas ist für den Fachmann unschwer erkennbar, da nur diese Sekte ihre Göttergestalten stets unbekleidet dargestellt und überdies weit rohere Arbeit geliefert hat, als die andern Hindu-Sekten. Den Rahmen der Figuren bilden allerlei Ornamente, sowie Halbreliefs, welche Tiere und genrehafte Bilder aus der Götterlehre der Dschainas darstellen, einer Sekte, die sich um die Zeit der Entstehung des Buddhaismus vom Hinduismus abgezweigt hat. Beschauliches, der Welt entfremdetes Klausnerleben im Innern der Heiligtümer oder, wie in Gwalior, in Steinhöhlen, ist für die Dschaina-Sekte charakteristisch, und diese Lebensführung im Verein mit dem tief religiösen Sinn der Dschainas ließ aus den ursprünglich wohl nur als Wohnzellen benützten Grottenbauten mit der Zeit Heiligtümer entstehen, deren Ausschmückung durch — dem Steine abgewonnene — Reliefs die Frucht vieljähriger, mühsamer Arbeit war. Die Reliefs von Urwahi allerdings sind nicht auf solche Art, sondern auf Befehl zweier Herrscher von Gwalior aus der Tomara-Dynastie entstanden. Unter Dimgar Singh (1425) sind diese Arbeiten begonnen worden; unter Kirti Singh (1454) sind sie schon vollendet gewesen. Die Mehrzahl der Reliefs ist wenige Dezennien später (1527) aus religiösem Fanatismus durch den Großmogul Babur zerstört worden.

Von den Glacis der Festung aus genießt man, da keine der benachbarten Höhen den Burgberg von Gwalior überragt, einen Rundblick weithin auf das Land. Dürr und braun liegt es da, wenn nicht die Regenzeit auf Hügel und Ebene frisches Grün erweckt hat. Basaltkegel, rote Sandsteinblöcke, endlose Hügelketten steigen vor unseren Blicken auf, und uns zu Füßen liegt die verödete Altstadt, die bunte Neustadt Laschkar sowie die Ebene, welche sich gegen Süden hin bis zum Horizont erstreckt. Die Bauten der Städte, die weiß schimmernden Paläste der Radschas, die Dörfer der Ebene beleben das Bild, dessen Reiz die eben im Untergehen begriffene Sonne durch seltsame Farbeneffekte erhöht.

Die architektonische Physiognomie der Festung wird durch die von der englischen Besatzung erbauten, langgestreckten Offiziers- und Mannschaftsbaracken einigermaßen beeinträchtigt. Allein auch diese Steine reden! Unzählige Male haben kriegerische Stürme diese Felsenfeste umbraust, seitdem Gwalior, mehr als anderthalb Jahrtausende auf dieser Sandsteinklippe fußend, dem Gläubigen heilig, dem Krieger kostbar dünkt. Endlich, im Jahre 1779, fiel die so heißumstrittene Feste in die Hände der Engländer. Von den Maharatten zurückerobert, doch diesen im Jahre 1803 abermals entrissen, um später neuerdings den englischen Händen entwunden zu werden, ist Gwalior im Jahre 1844 nach harten Kämpfen wiederum britischer Besitz geworden.

In dem großen ostindischen Aufstande der Jahre 1857 bis 1859 hat Gwalior eine bedeutende Rolle gespielt. Im Juni 1858 von Sir Hugh Rose nach verzweifeltem Kampf mit dem Schwert in der Hand erstürmt, blieb die Festung von Gwalior bis zum Jahre 1886 von englischen Truppen besetzt. Die britische Besatzung hoch über seiner Residenz im Besitz des Schlüssels des Landes zu sehen, war wohl danach angetan, den Maharadscha Sindhia, den streitbarsten aller englischen Vasallenfürsten, in ein sehr gespanntes Verhältnis zu den Gewalthabern der Kaiserin von Indien zu bringen. Nach dem Tod Sindhias (1886) wurde die Festung dem rechtmäßigen Herrscher zurückgestellt, die englischen Besatzungstruppen wurden zurückgezogen und die frei gewordenen Baracken und Batterien mit Truppen des Maharadschas belegt.

Als wir, durch das Gesehene äußerst befriedigt, die Festung verließen und am Fuß des Hügels zurückblickten, stand der Mond am Himmel und ergoss sein volles Licht auf die kühne Silhouette des Burgberges, auf die Türme und Zinnen des Man Singh-Palastes, dessen wundersame Emailwände im Widerschein erglänzten.

Links

  • Ort: Gwalior, Indien
  • ANNO – am 29.01.1893 in Österreichs Presse. Die Neue Freie Presse berichtet via San Francisco, dass in Hawaii nach einer Revolution die Königin gestürzt worden ist. Die Vereinigten Staaten haben dazu Marine-Infantrie auf die Insel geschickt. Ein paar Jahre später haben die Vereinigten Staaten Hawaii annektiert. 1993 hat sich Präsident Clinto im Namen des amerikanischen Volkes bei der Urbevölkerung für diese Einmischung entschuldigt.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt am Nachmittag Grillparzers Tragödie “Die Jüdin von Toledo” und am Abend das Lustpiel von Sardon,  “Der letzte Brief”, während das k.u.k Hof-Operntheater Jules Massenets Oper “Manon” aufführt.

Gwalior, 29 January 1893

At 2 o’clock in the morning, I was torn out of my sleep by music. An overeager raja had deemed it important to welcome me in this way at a rather unexpected hour and have me sent fruits.

At 6 o’clock, we arrived in Gwalior — half frozen, chattering with cold. Hard to believe and unfortunately still true! The oldest people in Gwalior could not remember a time of such a low temperature that has to be attributed to the large snowfalls which have recently occurred according to the news in the Himalaya.  Despite two overcoats that I had put on before leaving the carriage I was bitterly cold. Colonel Pitcher and two richly decorated members of the state government council of Gwalior received me in the name of the Maratha and the British resident and accompanied us to the carriage which would take us to the ruler’s palace.

The ruler, a youth of sixteen years, under the well-considered custody of and educated by an Englishman, was absent, as he was visiting the British resident in Calcutta. The sudden death of his predecessor, an obstinate hereditary ruler who had caused the English much pain and trouble had elevated the Maratha into the government.

The palace honor guard which we inspected first seemed to be surprised by our early arrival. Still deep in sleep, twenty men finally assembled with their rifles, some still wearing their kind of nightgown, others in large hooded coats. A very old officer tried in vain to get the bunch into formation.

Similar to that in Hyderabad, the residence of the Maratha in Gwalior consists of multiple palaces of which three are particularly noteworthy. They are in a park which covers many square kilometers and which contains ponds and is criss-crossed by streams. The largest and most important palace has been built in honor of the presence of the Prince of Wales in Gwalior (1873) and catches the eye by its mixture of Indian and Italian style. When I asked about this, the riddle was solved: The architect came from Florence. Large open stairs lead to a most beautiful ceremonial hall closely built after a Florentine pattern, all in white and gold with huge glass candelabra. To the side of this hall are reception and dining rooms which are partly filled with  tasteless European objects. The private rooms of the Maratha have a rather uncomfortable even unfriendly look. The room where he spends most of the time of the day kneeling on rug is a hall with pillars whose capitals are ornamented with scenes from Indian mythology, mostly colorful illustrations of the God Shiva. Everywhere there is an almost unbelievable neglect and much dirt: Rats, pigeons and sparrows, it seems, have turned many of the antechambers  into their own quarters and the servants did not seem to be convinced of the necessity of airing and cleaning the rooms of the palace.

The second palace too which had been built after 1876 in a pure Indian style is entered by a majestic reception hall whose main decorations are a well executed painting of Shiva and green gilded furniture. On both narrow sides of the hall are windows with bars behind which the women can unseen watch the festivities and audiences. Very original are the rooms of the harem which we could visit too as no women were currently present. The whole site and content dates back to the deceased Maratha and has not yet been changed by the current ruler who has recently chosen a ten-year-old as his future bride. The room of the favorite wife is without any decoration, only a few worthless European color prints hang on the walls. The only piece of furniture in this room is a low divan in the middle of the room.  Just next to this room is a richly decorated room of the strict ruler which is decorated with valuable rugs and cloths and sumptuously decorated with gold, silver and gemstones. On its walls hang mirrors and sparkle colorful vases. The bed made out of heavy gold rests on skilfully designed feet and is covered by silk blankets while a baldachin made out of heavy silk overhangs the luxurious place of rest.

Next to this bedroom which is a gaudy and descriptive contrast to the design of the other rooms are those used by the ruler’s beauties during the day. In order that nobody unbidden may observe these holy places and listen in on the mighty one’s  amorous activities, these rooms have no windows but only a skylight supplies light via a direct shaft to the outside — a construction detail that at first looks strange.

A special mention is merited for the sandstone portals of the palaces. The park which contains the palaces is well maintained and filled with rare plants and trees between which numerous peacocks are strutting around. In contrast, the condition of the stable and its maintenance and treatment of the horses within are not at all uplifting.

In a chapel, owned by the very small Roman Catholic community of Gwalior, we attended mass, as it was Sunday. As in the other Indian cities I have already visited the drive through the streets offer many exciting scenes: a colorful mix of a pushing and shoving crowd as well as vivid activity in the shops and bazaars. Characteristic for Gwalior are, besides the huts and small houses of the poorer classes of the population, buildings of huge dimensions and rich stone decorations. These decorations are applied partly on verandas above the windows and doors partly inlaid into the walls.

Our quarters were a newly built palace of the Maratha reserved for guests and located at the city’s periphery. The palpable cold in the numerous large rooms of this palace was so intense that I could not remove the coat even in the rooms and only felt a comfortable warmth in the room where we took our meals thanks to a flickering fire in the fireplace,

Towards noon, a delegation of the Maratha presented itself and offered on 66 large dishes a most diverse mix of local fruits as a tribute. The members of the delegation created an improvised exhibition of the local agricultural products on the palace’s veranda. They looked and were so tasty that I felt very sorry of being unable to take it home as a souvenir. After the departure of the delegation, the fruit thus was handed over to the always hungry Indian servants.

After the dinner, the Maratha’s equerry, a native, presented some horses from the stable — Indian thoroughbreds remarkable by their gentleness and beautiful form, noble animals in rich decoration and expensive saddles. Each of the four most valuable horses carried jewelry of a value of more than 100.000 guilders: each had one agraffe with gemstones on its head and a similar headband; five long strings hanged with golden rupees (Mohür); on the neck two gorge straps with square coins made out of pure gold; on both front legs bracelets and below the right knee a thick silver clasp. The saddle was covered with rectangular silk blankets and brocade shot through with gold, the tail belt studded with large, golden filigree ball buttons. Golden stirrups and belts completed the precious equipment, a testament to the Oriental love for lavish displays of pomposity. The equerry and some black grooms, dressed in their national costumes, rode the sharply tethered horses in circles in the manner of their country. While they tortured the animals badly, they also made them perform the smallest pirouettes and force one into a piaff despite the horse being hindered by clasps and bracelets. Thus the frothing and gnashing animals in their rich colorful attire made a incorrect from an equestrian point of view but  picturesquely highly effective impression.

The rest of the day was devoted to the visit of the fortress of Gwalior. Gwalior is located on a boulder filled hill limited in the North by the Tschambal and in the South of the Sindh river. What is called Gwalior, actually consists of three closely different parts: the fortress, the old town situated at the Northern foot and the new city or Lashkar in the South. The Prince of Gwalior and the total urban population used to live in the rayon of the fortress itself, which is witnessed by the presence of palaces and ruined temples. After the incursions of the great Mughals, the Muslim old town, now half ruined and deserted but still containing beautiful mosques and mausolea, was established in the Northern valley below the fortress

The new city Lash Kar (“the tent city”), finally,with the old Barah palace and the “modern palace” of Maratha Sindhia, with English buildings and the vibrant merchant quarter Sarafa emerged from the old camping ground which had been pitched at the beginning of the 19th century by Daulat Rao Sindhia in the South of the fortress. These parts of Gwalior tower over the fortress, which, about 2.5 km long, 0.3 km wide, stands isolated on a sandstone hill which drops steeply on all sides, proudly looks down on the built-up and inhabited land about 100 m below.

The main interest of fleeting visitors to Gwalior is concentrated in, of course, on what the ancient fortress offers, because the parts of city  in the plain only contain as important places the tomb of Mohammed Gaus, located across the river.

A fortified way leads up to the fortress with crenelated walls along the whole length. Borne by two elephants, we pass two defensive gates. Then it continues steeply uphill. At the first turn stands the oldest monument of the whole area, the Vishnu temple  carved out of the rock, Tschatr Bhodsch Mandir, whose creation has been backdated in one of the inscriptions to the year 876 AD. We marvel about the fact that  the history of Gwalior reports that this fortress has been assaulted countless times. During a period of almost a thousand years, the fortress has always been the bone of contention among India’s rulers. Thus the sight of a sanctuary which is preserved from that period, must fill us really with pious awe.

The rocky walls besides the road are often covered by chiseled statues of gods and votive images, often of a very realistic nature. At considerable height the rock has natural grottoes and caves in which fakirs are said to be living. Unfortunately I didn’t see any of these hermits and could thus not take note of their way of life which seems to be similar to that of the hermits in the rock caves at Mar Saba near Jericho.

After an ascent of a quarter of an hour one reaches the giant gate which is ornamented with colorful enamel tiles and split stone reliefs and enters through pillar galleries onto the plateau of the fortress and here the inner part of the rayon. This gate is flanked by two mighty round towers surrounded by pillar galleries and towers covered by domes. On the right of the entrance next to the gate and building part of the exterior wall of the fortress stands a palace built by Man Singh (1486 to 1516), the most important prince of Gwalior from the Tomara dynasty — a marvelous building. It constitutes a rectangle which includes two courts (100 m : 50 m), that is 33 m long and 20 m high; the North and West side above the ground floor as well as the two floors below are nearly completely destroyed. Only it seems that the building’s attraction consists in the contrast of the ruined parts to the conserved splendid fronts.

The long eastern side includes five towers which are, as the windowless exterior walls of the main building, at half their height split by a band. Otherwise they are without decoration, only to explode higher up in the most attractive and diverse architecture. Ornamented with truly oriental fantasy, inlaid or projecting,  decorated with bays, plinths and wall pillars, the towers constitute the cylindrical foundation on which stand open, high domes carried by pillars. The walls are interrupted at a height by pilasters and capstones and crenelated terminating in square balconies covered by domes. The eastern side of the palace contains a similar but less ornamented structure with fragile plinths. There only three towers are included in the wall.

To the charms of the lines, the profile and the masonry of the two fronts one has to add the magic of the colors that ornament the king’s building justly called Tschit Mandir, painted palace. The exterior areas of all walls, towers and ledges on both fronts are covered with enameled tiles, between them sprawl ornaments formed out of white plaster but now quite weather-beaten. Representing all kinds of decorations, tendrils, flowers and stylized animal figures, the glaze of the tiles is glittering in a light blue, green and gold, adding to the elegant play of forms of the towers, ledges, balconies by the splendor of their colors that pour over the building in a colorful rhythm in a subtly perceived shading and thus created an as artistic as sensual impression.

Glowing in the red light of the setting sun turns the view of Man Singh’s palace, one of the architectural jewels of India,  into an extraordinary unforgettable experience. One believes to live in old times where mighty kings lived here, surrounded by their glittering court entourage and thousands of slaves; where riders and colorful processions ascended the hill and royal feasts were filled with plenty of the sounds of war.

Like the exterior so too is the interior of the palace very artistically turned out in all its details. All interior walls are decorated with outstanding split stone inlays and colorful enamel glazing. Naturally, the palace is uninhabited and also in its current state uninhabitable.

I was very surprised to find somebody like the old Indian colonel Sita Ram who serves as our Cicerone, a white raven among his compatriots, and who was interested not in the destruction but on the contrary in the conservation of this historic art works. Everywhere one recognizes his caring hand: As here and there, is set a new stone, a crumbling wall stabilized and this and that relief restored.

Besides Man Singh’s palace, the castle hill of Gwalior carries five more partly very plain palaces. Only Gudschari palace deserves recognition, only it is a vast and impressive building made out of building stones, as well as Karan palace with its large hall covered by its original Hindu dome.

Our deepest interest, however, was attracted by the ancient temples still visited by Hindu pilgrims both in terms of their construction style as well as their sculptures. The fortress contains eleven of such Hindu temples among which two are especially noteworthy: Teli-ka Mandir and the two Säs Bahu temples.

Teli-ka Mandir, i.e. “the temple of the oil merchant”, was built over a thousand years ago and has lost its dome during the years. Today it has the form of a blunted sugar cone, a form that can be explained by its modern height of 25 m  according to its construction plans and whose niches in the facade are lived up by overhanging bays that converge at the top in a sharp angle.

Even more does the square tower-like temple become narrower and narrower by its upper part which once carried the dome and now has also lost much of its architectural decoration. The exterior temple walls are covered by very interesting sandstone reliefs. On the south side they are well conserved at considerable height, but in the East above the mighty entrance gate covered by trees there is mostly only debris even at half the height. Originally dedicated to Vishnu, Teli-ka Mandir was later converted to worship Shiva. Around the temple stand in a sort of small open air museum a number of the most beautiful reliefs, statues and images, all remains from the temple.

The different statues of the gods, among which are Ganesha, Hanuman and Shiva. With great effort the old colonel  had collected these pieces of former splendor at this place and assured us that one had only to dig in the fortress to find all kinds of things; because the whole space must have once been covered with temples and palaces. I was very pleased when he gave me three of the most beautiful reliefs as a present,  one of which was really artistically executed.

The Sahasra Bahu sanctuary is dedicated to the God Vishnu and dates from the 12th century, It consists of two temples built by Raja Mahipal. The large Sas Bahu temple is about 30 m long and 20 m wide. Once over 30 m tall, its current height is about 20 m as the dome has crashed down. The uppermost of its three floors is almost fully ruined, so that its current peak resembles a blunted irregular pyramid. In the interior are four large massive chiseled stone pillars. Those carry the pyramidal rising ceiling, a strange mixture of alternating round and square stone bands which end in a square at their highest point.  The base of the just mentioned stone pillars consists of massive stone blocks: Pillars and walls are once again decorated with sculptures of the gods. The whole looks like a giant had formed it out of decorative paper, but still does the temple, a tasteful product of ancient art and technology create no other feelings than admiration.

The small Sas Bahu temple, in the form of a cross and open to all four sides is not as much but still with much taste decorated.

Apart from these two outstanding temples there are nine smaller temples of which each is remarkable in its own way and still different from the others, even if the equalizing hand of the occupation is highly visible. Enumerating all those marvels would take up too much space.

In the vertically rising rocks of the hills that carry the fortress Gwalior are chiseled in the reliefs of Urwahi famous both in number and size. These high reliefs which show gods from the Indian sagas of the Jaina cult remind me about Egyptian reliefs and are here cut out of the space of the sandstone walls. Some groups of these sculptures stand in natural or artificial grottoes, caves and niches over whose upper end the rock cliff rises partly vertically and partly overhang. Some of these stone images represent gods in twenty-fold magnification compared to human scale. The provenience of these sculptures from the Jaina is not difficult to see for the expert as this sect shows its gods always without clothes and in much more raw completion than the gods of the other Hindu sects. The figures are framed by all kinds of ornaments and demi-reliefs which show animals and genre images from the Jainese lives of the gods. The Jainas are a sect that split from Hinduism at around the time of the creation of Buddhism. Regular hermit life removed from the world within the sanctuaries or stone caves, like here in Gwalior, is characteristic for the Jaina. This communal lifestyle combined with their deep religiosity of the Jainas turned building originally used only for housing purposes into sanctuaries of the gods, whose ornamentation y reliefs cut out of stone in hard work and the result of many years of tiring labor. These reliefs of Urwahi, however, have not been made like that but are the result of an order of two rulers from  Gwalior of the Tomara dynasty. Under Dimgar Singh (1425) these works started, under Kirti Singh (1454)  they were already completed. The majority of the reliefs were destroyed only a few decades later (1527) out of religious fanaticism of the Grand Mughal  Babur.

From the fortress’ glacis one can enjoy a panorama view across the countryside as none of the surrounding hills is as high as Gwalior’s castle hill.  Barren and brown it lies there unless the rainy season awakens the hills and plains with fresh green. Basalt cones, raw sandstone blocks, endless mountain ranges rise before us and at our feet lies the bare old town, the colorful new city Laschkar as well as the plain which stretches towards the south up to the horizon. The city buildings, the glittering white palaces of the Rajas, the villages in the plains bring life into a view whose attraction is increased by the strange color effects of a setting sun.

The architectural physiognomy of the fortress is somewhat impacted by the long officer and soldier barracks built by the the English occupiers. Still these stones are talking too! Countless times have warlike storms raged around this rock fortress since Gwalior, more than one and a half thousand years old on this sandstone cliff, is thought to be holy by the believer and precious by the warrior. Finally in the year 1779,  the hotly contested fortress fell into the hands of the English. Reconquered by the Maharajas it was taken again in the year 1803 and reconquered again out of English hands. In the year 1844, after hard fights it came into British possession again.

In the great East-Indian rebellion of 1857 to 1859, Gwalior played an important role. In June1858 was the fortress of Gwalior stormed after a desperate fight with swords in their hands by Sir Hugh Rose and remained occupied by British forces until the year 1886. To see the British occupation tower over his own residence and in control of the key of the country was probably a cause that made  Maharaja Sindhia the most combative of all English vassal princes and in having strained relations with the representatives of the Empress of India. After Sindhia’s death in 1886, the fortress was handed back to its rightful owner, the English occupation forces were moved elsewhere an the empty barracks and batteries occupied by the Maharaja’s troops.

When we left the fortress very satisfied from the things we had seen and looked back from the foot of the hill, the moon stood high in the sky and sent its full light upon the audacious silhouette of the castle hill, on its towers and the battlements of Man Singh palace whose marvellous enamel walls reflected the light.

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  • Location: Gwalior, India
  • ANNO – on 29.01.1893 in Austria’s newspapers. The Neue Freie Presse informs about a revolution in Hawaii. The United States has sent marines to restore order, help in the overthrow of the monarchy and eventually annexed the island. In 1993, President Clinton  apologized on behalf of the United States for its involvement in the overthrow of the Kingdom of Hawaii.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is performing in the afternoon Grillparzer’s tragedy “Die Jüdin von Toledo” and in the evening the comedy “Der letzte Brief” by Sardon, while the k.u.k Hof-Operntheater is playing Jules Massenet’s opera “Manon”.

From Sikandarabad to Gwalior, 27 and 28 January 1893

From Sikandarabad station to Daund we used the same route we used to get from Bombay to Hyderabad. From Daund we took the Daund-Manmar State Railway, which connects at Manmar station into the North-eastern Great Indian Peninsula Railway.  From the crossing at Manmar, the railway continues in a North-eastern direction up to Itarsi; There the line to Bhopal turns towards the North-west.

We left the “South”, Dekhan, and entered Central India. Shortly after the crossing at Bhusawal, where the direct line via Nagpur leads to Calcutta, we crossed Tapti river over a large bridge. The central part of that river runs through a strange hill formation with narrow valleys and characterized by basalt. Continuing through cut, wild and game rich terrain, we reached Khandwa and crossed at Harda, the wheat growing plain south of the Narbadaf river. Turning North-west at Itarsi on the Indian Midland Railway tracks, it crosses the narrow and rocky river bed of Narbada — flowing north along the Vindhya mountain range — and arrives on the Malwa plateau at a height of 500 m, having crossed the Vindhya mountain range. On this plateau are the stations Dhip and Bhopal.

As interesting the geological profile, its fauna and flora of the region we are passing through is, a railway traveler can only see hilly countryside alternating with thick jungle of teak woods. Here are traces of regular forestry, as teak is formidable lumber.  Planted offshoots can be seen everywhere and in all stations are large stocks of logs ready for export.

The railway cuts across a fertile plain in Malwa: the now completely refilled bed of that huge water pond that once had been made by the dam constructed during the rule of Raja Bhoja of Ujjain. This dam Bhoja-pal — dam is “pal” in Hindi, its constructor being Bhoja — has given the city of Bhopal its name.

Bhopal, the next station, is the capital of the state of the same name. This is one of eight native states on the Malwa plateau and is ruled —  female emancipation on the throne — by the Duchess Sultan_Shah_Jahan Begum,  the daughter and since 1868 successor of the active Sikandar Begum (1847 to 1868). The duchess is described as a smart and clever woman. She lives in an extended palace  at a distance of 5 km from the railway station,

From Bhopal the railway continues via Bhilsa,  known for the »Bhilsa topes« — artificial semi-spherical Buddhist grave domes at Sanchi. The largest of these domes built out of bricks and stones has a diameter of of 36 m and a height of 14 m.

At Jhansi crossing station we enter the territory of Bundelkhand, famous for its richness in diamonds and even more for its century-long struggles for the territory’s rule and which only ended in 1858 by the British conquest of the Jhansi rock fortress.

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  • Location: Jhansi, India
  • ANNO – on 27.01.1893 and 28.01.1893 in Austria’s newspapers. Empress Elisabeth has departed Spain from Cadiz in direction to Gibraltar on board of a steam ship. Her stay in Spain has been reported as “pleasurable”. The wedding gift for Franz Ferdinand’s sister from the city of Vienna has been a silver miniature copy of  Vienna’s Donner fountain. The crisis in France continues to fill the pages. The anniversary of the German Kaiser on the 27th was honored by the Austrian Emperor dining with the German ambassador and guests.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is performing the play  “Der verarmte Edelmann” on the 27th and the tragedy “Narciss” on the 28th, while the k.u.k Hof-Operntheater is playing Mozart’s opera “Magic Flute” on the 27th and on the 28th once again “Cavalleria Rusticana” as a replacement for “Othello” cancelled due to hoarseness of a Mr Sommer.

Sikandarabad — Gwalior, 27. und 28. Jänner 1893

Von der Station Sikandarabad legten wir bis Dhond dieselbe Strecke zurück, welche wir auf der Fahrt von Bombay nach Haidarabad durchmessen hatten. Von Dhond an benützten wir die Dhond-Manmar State Railway, welche in der Station Manmar wieder in die nordöstliche Great Indian Peninsula Railway mündet. Die Kreuzungsstation Manmar verlassend, zieht sich die Eisenbahn bis Itarsi in nordöstlicher Richtung; hier zweigt die nach Bhopal führende Linie in nordwestlicher Richtung ab.

Wir scheiden aus dem “Südland” Dekhan und treten in Central-Indien ein. Knapp hinter dem Kreuzungspunkt Bhusawal, wo die direkte Linie via Nagpur nach Calcutta abzweigt, übersetzen wir auf einer großen Brücke den Fluss Tapti, dessen Mittellauf durch eigentümliche Hügelformation, enge Defiles und durch Basalt charakterisiert ist. Durch coupiertes, zum Teil wildes und wildreiches Terrain weiterfahrend, erreichen wir Khandwa und durchkreuzen bei Harda die Weizenregion der südlich von dem Narbadafluss gelegenen Ebene. Bei Itarsi nordwestlich auf die Strecke der Indian Midland Railway ablenkend, überschreitet die Bahn das enge felsige Strombett der Narbada — diese fließt der nördlich von ihr streichenden Vindhyakette entlang — und tritt nach Überquerung dieser Kette in das durchschnittlich 500 m hohe Malwa-Plateau ein. In diesem liegen bereits die Station Dhip und Bhopal selbst.

So interessant auch die geologische Formation der durchquerten Gebiete, ihre Fauna und Flora sein mögen, dem Eisenbahn-Reisenden tritt hier nur Hügelland entgegen, auf dem dichte Dschungel mit Teak-Wäldern abwechseln. Hier finden sich Spuren einer regelmäßigen Forstcultur, da man Teak-Bäume, die vorzügliches Nutzholz liefern, als Heister gepflanzt erblickt und in allen Stationen große Vorräte behauener Stämme für den Export bereit liegen.

Der Schienenstrang durchschneidet im Tafelland von Malwa eine fruchtbare Fläche: das nun wieder völlig angetragene Bett jenes gewaltigen Wasserbeckens, welches einst der Radscha Bhodsch von Udschain durch Errichtung eines grandiosen Dammes hergestellt hat. Auf diesen Damm Bhodsch-pal — Damm heißt in der Hindusprache pal, der Erbauer dieses Dammes ist eben Bhodsch gewesen — wird der Name der Stadt Bhopal zurückgeführt.

Bhopal, die nächste Station, ist der Hauptort des gleichnamigen Reiches. Dieses, einer der acht einheimischen Staaten auf dem Plateau von Malwa, untersteht — Frauenemanzipation auf dem Thron — der Fürstin Schäh Dschahan Begum, der Tochter und seit 1868 der Nachfolgerin der tatkräftigen Sikandar Begum (1847 bis 1868). Die Fürstin wird als kluge und verständige Frau gerühmt; sie bewohnt einen 5 km von der Bahnstation entfernten, ausgedehnten Palast.
Von Bhopal geht die Bahn über Bhilsa, das insbesondere durch die »Bhilsa topes« — künstliche halbkugelförmige Hügel bei Santschi. buddhistische Grabstätten — bekannt ist. Der größte dieser aus Ziegeln und Steinen aufgemauerten Dome hat 36 m im Durchmesser und eine Höhe von 14 m.

An der Kreuzungsstation Dschansi (Jhansi) betreten wir den Boden der Landschaft Bundelkhand, berühmt nicht nur durch ihren Reichtum an Diamanten, sondern noch weit mehr durch die jahrhundertelangen Kämpfe, welche sich um die Oberherrschaft über dieses Gebiet entsponnen und erst im Jahre 1858 durch die Eroberung der Felsenfestung Dschansi seitens der Engländer ihr Ende gefunden haben.

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  • Ort: Jhansi, Indien
  • ANNO – am 27.01.1893 und 28.01.1893 in Österreichs Presse, Kaiserin Elisabeth hat Spanien mittlerweile wieder verlassen. In Cadiz bestieg sie einen Dampfer Richtung Gibraltar. Der Aufenthalt in Spanien war sehr “genussreich”. Die Stadt Wien hat als Hochzeitsgeschenk für Franz Ferdinands Schwester eine Miniaturversion des Donnerbrunnens in Silber ausgewählt. Der Krise in Frankreich wird eine weitere Seite gewidmet. Zum Geburtstag des deutschen Kaisers hat der Kaiser mit dem deutschen Botschafter diniert.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater führt am 27, das Schauspiel “Der verarmte Edelmann” und am 28. das Trauerspiel “Narciss” auf, während das k.u.k Hof-Operntheater am 27. Mozarts “Zauberflöte” und am 28. anstelle des wegen Heiserkeit ausgefallenen “Othello” wieder einmal die “Cavalleria Rusticana” gibt.

Hydarabad, 26 January 1893

After the numerous festivities of the previous days, today’s morning was devoted to hunting. At dawn we left Bashir Bagh lead by Major Alfsar Dschang in a large coach to the plains surrounding Hyderabad, the Nizam’s hunting grounds.

The first catch I made that day already on the way were some flying squirrels which we saw hanging in the trees in their thousands in front of the palace of the English resident. Consul general Stockinger undertook the mission of informing the occupants of the palace about the shots in order not to scare them and believe in the start of a revolution. I shot four squirrels which made the rest of them come alive. They rose and cried fluttering around like ghosts above our heads.

At the hunting ground, — near Sarur Nagar — about 10 km distant from the city our hunting cheetahs were expecting us, as well as many falcon hunters and our riding horses. After a prolonged discussion and much shouting it was decided to hunt first with falcons. In want of other game to hunt which would have required time to track down, a recently captured stork was liberated and after some time, the falcon was launched into the air. We galloped after it and saw after a few minutes how the falcon attacked the stork and fell with him to the ground. All this happened in a glance. A second stork did not want to lift off, wild herons did not show themselves and so the bird hunt had to be terminated.

Now it was the cheetah’s turn. Two of them with bound eyes were on a small ox-drawn cart. We rode behind the cart until a herd of black bucks was discovered. with two strong bucks among them. We riders kept ourselves a bit back while the shikaris with the cheetahs drove in a diagonal direction towards the unsuspectingly grazing antelopes.Then at a distance of around 100 paces, the does fled but the two bucks can still be approached more closely. Finally, the cart had come to within about 80 paces of them, when they started to flee too. At the same time, the shikaris removed the covers from the cheetah’s eyes and released them. In a giant leap does it jump from the cart and pursues with the tail held high one of the black bucks that had separated itself from his colleague. The pursued aware of the danger is in full but futile flight. After only a few jumps the cheetah is on the buck’s back, forces it down and bites it in the neck in one moment, so that when we came running the animal had already died. Greedily, the cheetah was tasting the ample blood and did not want to relinquish its prey. Only with much effort did the shikaris manage to control the cheetah again.

So we learned about this interesting new method of hunting and decided to use the remaining time to hunt black bucks. We split into three parties and each tried its luck in a different direction. I went towards north with Alfsar Dschang and Kinsky.  The hunting location was a plain with only some small hills and undulating ground on which were palm groves, thorny jungle as well as moors covered for the most part with withered yellow grass. This is the favorite spot of the black bucks.

Soon I had tracked two large herds which were grazing in the high grass and approached them by a small crack in the earth up to 120 paces from the next herd which counted among 100 animals. United stood — a beautiful picture — strong bucks with their long winding horns, old females and many young animals. At this moment one of the females got wind of me and fled with a number of younger animals — it was time to start shooting. I aimed at the strongest buck and fired; The shot wounded it hard like a piece of big game touched but it still fled with the rest of the herd. In this moment I shot a second moving capital buck. A third one shocked by the fall of the second ran towards me. I quickly pushed a  new round into the barrel and had good luck of hitting it in full flight. The bagged bucks with their dark brown and snow white fur, their racious heads and feet as well as their beautiful horns were quickly given over to the masterful hands of Hodek. As soon as the herd was within sight it kept fleeing without interruption until it disappeared into a thick jungle.

I now rode towards a higher ridge looking for new game. I thought to be successful in such terrain and indeed discovered a herd behind a rock. The herd was very timid, however, and fled quickly despite my careful approach so that I only managed to bag a female goat.

In the high grass jumped many hares which are similar to ours but smaller and with longer and more transparent ears. There were partridges and quails in great number. After striving for quite some time, I found another herd close to the border of the Nizam’s hunting grounds. Of the large number of bucks  I shot one.

The sun was burning hot upon us and the shikaris showed signs of being tired. Thus we rested an hour under a large tree.

After we resumed the hunt, I decided to revisit the herd we shot at in the morning and after we searched for half an hour, we found it in a bare moor. I tried to sneak up on them as near as possible but had to fire from so far away that I only struck a buck in the flank. Now I wanted to bag him under any condition as he seemed very strong. I only succeeded with quite some effort spent and after having shot another healthy buck during the pursuit.

It had not been a delusion: The wounded buck had been extremely old and had gray and sparse hair and two worn broken horns. The difficulty of bagging such a badly wounded animal which always escapes out of shooting distance in such an open space under time pressure while seeing its pain and having no dogs around  can only be appreciated by a hunter who is capable of solving a similar task in a similarly difficult situation.

It was time to return to the country house of the minister in Sarur Nagar, where we were expected to change our clothes for a sporting event in the afternoon. On the way I shot two more, a buck and a goat, and galloped to the country house  were an opulent breakfast was awaiting us. This house is the favorite summer retreat of the minister which resembles Bashir Bagh palace very much, and serves as the domicile of the minister’s five year old son which he presented to my as a proud father.

In the courtyard five one year old tiger were kept in chains which the minister had captured the year before after having killed their mother. They look very nice, rather large and play just like cats. We could pet them which was a real joy. With my great pleasure I learned that the kind owner presented me two as gifts which I intend to bring home alive and healthy.

As Kinsky was again struck down by a fever attack, he had to return home with Mr. Stevens. We drove with a gorgeous team of six white horses which was driven by the Nizam’s outstanding equerry from the coachman’s seat to the sporting event in Malakpett, an open space about 3 km out of Hyderabad with all kinds of sportive activities such as running, tent pegging, shooting on glass balls etc. A spacious decorated tent and a large tribune had been erected for the large audience consisting mostly of Englishmen and Nawabs. Infantry and cavalry stood in ranks beside the road.

The first event was tent pegging which I had already learned about in Parel, picking up wooden pegs rammed into the ground with lances with the riders approaching at full speed and the goal of picking up all pegs without missing or dropping a single one.  Both natives and Englishmen performed in this difficult activity which an Indian officer won.

Very funny was the elephant race, in which eight of the thick-skins started and ran the distance at an incredibly fast trot incited in a friendly way by their driver with shouts, hits and pricks. Not less original was a camel race.

New like these two numbers was the horses’ fight. Two groups of ten riders of native cavalry regiments on naked horses rode at the signal of the starter towards each other and attempted to draw their opponents from the horse. The riders only wore a shirt and trousers and wore different sashes. The horses only had bridles. With monkey-like agility the riders managed to stay on their horses, some of the larger riders closed their feet under their horse’s belly and were safe from being dislodged even when two or three opponents tried to unhorse them. One man had already been pushed off the back of the horse but held on the horse head for many more minutes until the horse stumbled over. One must admit that all these people display great endurance and bravery.

At another event, riders were tasked to cover a certain distance and ride around a flag first in gallop and then ride through a paper wall with the horse. The first one who breached the paper wall was declared the winner. Unfortunately, this competition could not take place as the strong wind tore the paper wall in two. From the equestrian point of view, it would have been interesting to observe how long it would take for a pony to decide to run through the wall.

As a replacement of this number, a footrace among soldiers and a race of ponies were organized. The latter one was won by the adjutant of the resident.  For the prize shooting competition, they wanted to wait for the arrival of the Nizam as he is used to participate in this sport. But hour upon hour passed so that they finally started it without the Nizam,

The prize shooting competition opened with a shot on thrown bottles in which many  Nawabs, the Nizam’s adjutant and an English officer participated. I too was asked to compete but I shot badly as I did not find the necessary quietness for a shooter which always happens in front of a large audience. In any case, worse than the day before as I was second in the shot on bottles and third in the shot on clay balls.

When the two competitions had been decided, the Nizam appeared and participated too in the shooting. It was not difficult for him to win. I had an exceedingly bad day. In the match of shooting rupees, the Nizam beat all competition.

The final was composed by a new kind of shooting at a swinging bottle on a string. I tried this feat for the first time; the Nizam, however, seemed to have been well practised in such shooting, as he expressed his pleasure with the program and offered directions with words and gestures about the distances and the rules. He let me shoot first; with four of six shots I hit the bottle. The Nizam achieved the same result so that we had to decide the issue. We shot the bottle five times in a row. During the sixth shot I was disturbed by the loud applause and shouts, so I failed while the Nizam scored and won.

During the distribution of the prizes I became my duty as a guest to hand the prizes over to the winners where the Nizam was especially proud to receive his. The sun had already set when we left the scene of the festivities to undertake the journey of 14-5 km lto North Trimulgherry to where we had been invited to a dinner with the officers of the 21st Hussars regiment. The moon was shining but the drive across the plain did not offer many enchanting views as we were also covered in thick clouds of dust.

In front of the officers’ barracks was lined up a mounted squadron. There we were expected by Colonel Martin with his corps of officers, the Nizam, his ministers and the adjutants, the resident, Mr. Trevor C. Plowden, and all higher commanders of the garrison. The officer corps wore a fancy so called mess dress, some sort of dinner costume. Due to illness and vacations of many of its members only about 20 gentlemen were present.

The mess had been practically located for a hot climate and consisted of two large and high ventilated parlor-like rooms, one of which served as a reception and smoking room while the other serves as a dining hall. The walls of both rooms are covered with paintings about the regiment’s history, decorated with battle pictures and hunting trophies among them capital buffalo skulls.  At the topside of the dining room hangs the portrait of the Duke of Wellington who commanded the regiment which can look back on a history of more than 120 years in the year 1797 during the Indian fights against Tippu Sahib, the Maharattas and the French.

Black and yellow bands, our colors chosen in our honor, decorated the table between flowers while valuable silver and gold cups that the regiment had won in various sports such as running, polo, cricket or had received from departing officers served as fixtures. On my right sat Colonel Martin, a charming man with whom I talked much about cavalry which he offered special tribute. On my left sat Lieutenant Pirie, a brother of my hunting companion in Kalawewa on Ceylon. The dinner passed in a vivid and relaxed atmosphere. After toasts to the Queen, is Majesty, me and the Nizam, all officers sang the song “He is a jolly good fellow”. After the dinner we went to the veranda where the regimental band played and offered a few more “wild” toasts to our army as well as every individual of my entourage. Later the festivity turned into a musical production where everyone gifted with a voice or not had to offer his best in song. We too had to sing the “Prinz Eugen Lied” and the “Liechtensteinische Lied” and many other soldier and rider song.

When the hilarity was at its highest point, the English officers jumped upon me and my entourage and carried us under large applause on their shoulders across the room. The Nizam watched this in silence. His astonishment knew no bounds, however, when suddenly some Hussar officers grabbed him too and carried him around in triumph. Such an adulation had never been given to him before but he took it in good strides even though we feared he might not do so. The resident had watched the proceedings not without concerns but was satisfied to see that the Nizam thanked for the ovation with a bow.

This funny symposium constituted the end of the festivities and the stay in Hyderabad territories. At the advanced hour the Nizam and I took leave from each other and our entourages. The Nizam kindly presented me with a golden inkstand  and a gorgeous blanket laced with gold as a souvenir. One of my gentlemen took the inkstand into their care and put it into a bag. The minister of the Nizam who had observed this immediately notified Wurmbrand of this action and insisted that the inkstand had already disappeared in a stranger’s bag — apparently misapplying his oriental experience to our customs, a forgiveable mistake.

Special presents were not necessary from the Nizam’s part, as an enduring and thankful memory of him and his country is assured. The days in Hyderabad were transformed by the hospitable Nizam’s gesture into a wonderland of an Indian fairy tale with unexpected luxurious magnificence out of the deep sleep to be displayed before me in enchanting glory and linked to my lifespan by magic!

The Nizam returned to Hyderabad;  for us the snorting iron horse of the special train was expecting us with impatience since one hour. We said good-bye near midnight also to our comrades of the 21st Hussars regiments, in whose midst we spent a happy evening reminding of home, and entered the train.  The younger officers offered a tribute by removing the horse team of my carriage and drawing the carriage themselves for a certain distance. After three rounds of hurrah, drawn by fast horses we flew to the railway station in Sikandarabad, towards the place of prose, which made fairy tales flee ….

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  • Location: Hyderabad, India
  • ANNO – on 26.01.1893 in Austria’s newspapers, The Tsarevich is abroad too, attending his youngest sister’s wedding in Berlin.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is performing Shakespeare’s “Much ado about nothing”, while the k.u.k Hof-Operntheater is playing the opera “Der Vasall von Szigeth”.

Haidarabad, 26. Jänner 1893

Nach den zahlreichen Festlichkeiten der vorangegangenen Tage sollte der heutige Vormittag der Jagd gewidmet sein. Bei Morgengrauen verließen wir unter Führung des Majors Alfsar Dschang in einer großen Coach Baschir Bagh, um die Haidarabad umgebende Ebene, das Jagdterrain des Nisams, zu erreichen.

Die erste Jagdbeute, die mir schon unterwegs zufiel, waren einige der fliegenden Hunde, die wir zu Tausenden auf den Bäumen vor dem Palast des englischen Residenten hängen sahen. Generalkonsul Stockinger übernahm die Mission, die Insassen des Palastes von dem bevorstehenden Schießen zu verständigen, damit diese nicht erschräken oder gar an den Ausbruch einer Revolution glaubten. Ich schoss vier fliegende Hunde herab, worauf die gesamte Schar lebendig wurde; der Schwarm hob sich und kreischend flatterten die Tiere wie Gespenster über unseren Köpfen umher.

Auf dem Jagdplatz, — bei Sarur Nagar — der ungefähr 10 km von der Stadt entfernt war, erwarteten uns die Jagd-Geparden, Tschitä genannt, mit denen wir jagen sollten, mehrere Falkenjäger und unsere Reitpferde. Nach langwieriger Besprechung und vielem Geschrei wurde beschlossen, zuerst mit Falken zu jagen. In Ermangelung anderen Wildes, welches erst hätte aufgesucht werden müssen, wurde einem kurz zuvor gefangenen Storch die Freiheit geschenkt und, nachdem dieser einige Zeit gestrichen, der Falke lanciert. Wir galoppierten rasch hinterdrein und sahen nach wenigen Minuten, dass der Falke auf den Storch stieß und mit ihm aus der Luft zu Boden stürzte. Das Ganze war das Werk eines Augenblickes. Ein zweiter Storch wollte durchaus nicht fliegen; wilde Reiher zeigten sich nicht und so musste denn die Beize abgebrochen werden.

Nun kamen die Geparden an die Reihe, deren wir zwei hatten und die mit verbundenen Lichtern auf einem kleinen, von Ochsen gezogenen Karren lagen. Wir ritten hinter dem Karren her, bis man in der Ferne ein Rudel Black-bucks entdeckt hatte, unter denen sich zwei starke Böcke befanden. Wir Reiter blieben nun etwas zurück, während die Schikäris mit einem Geparden in schräger Richtung an die ganz vertraut äsenden Antilopen anfuhren. Da, auf ungefähr 100 Schritte, wird das Kahlwild flüchtig, doch sind die beiden Böcke noch näher anzupürschen. Endlich, als der Wagen auf 80 Schritte herangekommen ist, reißen sie aus. aber im selben Moment zieht ein Schikäri dem Geparden die Binde von den Lichtern und löst ihn; in einem Riesensprung setzt dieser vom Karren herab und verfolgt mit hoch erhobener Rute den einen der Black-bucks, der sich von seinem Gefährten getrennt hatte. Der Verfolgte, die Gefahr erkennend, eilt in voller Flucht dahin, doch vergebens; denn nach wenigen Sprüngen schon sitzt der Gepard auf dem Rücken des Bockes, reißt ihn nieder und beißt ihm in einem Augenblick das Genick durch, so dass wir heransprengend das Tier schon verendet fanden. Gierig leckte der Gepard den reichlichen Schweiß und wollte anfangs um keinen Preis von seinem Opfer lassen; erst nach vieler Mühe konnten die Schikäris den Gepard wieder bändigen.

So hatten wir auch diese interessante Art zu jagen kennen gelernt und beschlossen nun, den Rest der uns leider kurz bemessenen Zeit mit einer Pürsche auf Black-bucks auszufüllen. Wir trennten uns in drei Partien; jede versuchte ihr Heil in einer anderen Richtung. Ich wandte mich mit Alfsar Dschang und Kinsky gegen Norden. Die Jagdgelegenheit war eine nur von einzelnen kleinen Hügeln und Terrainwellen durchzogene Ebene, auf welcher es Palmenhaine, dorniges Dschungel, sowie Heideflächen gab, die größtenteils mit verdorrtem, gelbem Gras bewachsen waren. Auf solchen Stellen stehen die Blackbucks am liebsten.

Bald stieß ich auf zwei starke Rudel, die im hohen Grase ästen und gelangte, durch eine kleine Erdfalte mich anpürschend, auf 120 Schritte an das nächste Rudel heran, welches ungefähr 100 Stück zählte. Vereint standen hier — ein schönes Bild — starke Böcke mit ihren langen, gewundenen Hörnern, alte Geißen und viele Kitze. In diesem Augenblicke witterte mich eine der Gaisen, wurde jedoch alsbald mit einigen Schmalgeißen und Kitzen im Troll flüchtig —jetzt war der Moment zum Schuss gekommen. Ich nahm den stärksten Bock aufs Korn und gab Feuer; derselbe zeichnete gut, wie ein aufs Blatt getroffenes Stück Hochwild, ging aber dennoch flüchtig mit dem Rudel fort. In diesem Augenblicke verhoffte ein zweiter kapitaler Bock, den ich im Feuer erlegte. Nun kam ein dritter, erschreckt durch das Stürzen des anderen Stückes, flüchtig gegen mich heran, ich schob rasch eine frische Patrone in den Lauf und hatte die Genugtuung, den Bock in voller Flucht zu roulieren. Die erlegten Böcke mit ihren dunkelbraunen und schneeweißen Decken, zierlichen Häuptern und Läufen, sowie dem schönen Gehörne wurden sofort der Meisterhand Hodeks übergeben. Solange das Rudel in Sehweite war, flüchtete es unaufhaltsam, bis es endlich in einem dichten Dschungel unseren Blicken entschwunden war.

Ich ritt nun, frisches Wild zu suchen, gegen eine höhere Hügelkette, wo ich mir, dem Terrain nach zu schließen, Erfolg versprach und entdeckte in der Tat hinter einem großen Felsen ein Rudel, das aber äußerst scheu war und trotz sehr vorsichtigen Anpürschens ausriss, so dass ich nur noch eine Geiß erlegen konnte.

In dem hohen Gras sprengte ich mehrere Hasen auf, welche den unserigen ähnlich, jedoch kleiner sind und höhere, durchsichtigere Löffel haben, ferner auch Rebhühner und Wachteln, die sich hier in ziemlicher Anzahl vorfanden. Nach längerem Umherstreifen begegnete ich abermals, hart an der Grenze des Jagdterrains des Nisams, einer größeren Anzahl von Böcken, deren einen ich streckte.

Die Sonne brannte heiß auf uns herab und die Schikäris zeigten schon bedeutende Ermüdung; so wurde denn unter einem großen Baume ein Stündchen gerastet.

Nach dem Autbruch beschloss ich, das vormittags zuerst beschossene, starke Rudel wieder aufzusuchen und fand es auch nach halbstündigem Suchen auf einer freien Heidefläche stehend. Ich versuchte so gut als möglich anzukommen, musste aber sehr weit schießen, so dass ich einen Bock nur mit einem Schlegelschuss anschweißte. Nun wollte ich ihn, da er mir sehr stark schien, unter jeder Bedingung ausmachen; doch gelang mir dies erst nach vieler Mühe und nachdem ich bei der Verfolgung noch einen gesunden Bock erlegt hatte.

Es war keine Täuschung gewesen, der angeschweißte Bock war tatsächlich uralt, hatte ein ganz graues, lichtes Haupt, sowie starke abgekämpfte und gebrochene Stangen. Die Schwierigkeit, ein so schlecht angeschossenes Stück, welches immer wieder außer Schussdistanz ausreißt, auf freier Fläche auszumachen, wenn die Zeit gebricht, es krank werden zu lassen und keine Hunde zu Gebote stehen, kann nur ein Jäger ermessen, welcher in der Lage war, eine ähnliche Aufgabe unter gleich schwierigen Umständen lösen zu müssen.

Darüber war es Zeit geworden, in das Landhaus des Ministers nach Sarur Nagar, wo wir uns umkleiden sollten, zu eilen, um ein für den Nachmittag angesagtes Sportfest nicht zu versäumen. Auf dem Wege machte ich noch einen Coup double auf Bock und Geiß und galoppierte dann in das Landhaus, wo uns ein opulentes Frühstück erwartete. Dieses Haus, der Lieblingssommersitz des Ministers, welches dem Palais Baschir Bägh auffallend gleicht, dient dem Stammhalter des Ministers, seinem fünfjährigen Sohn, den mir jener nach dem Essen mit stolzer Vaterfreude vorstellte, zum Aufenthalt.

Im Hof waren fünf einjährige Tiger angekettet, welche der Minister im Vorjahr, nachdem er die Mutter erlegt, gefangen hatte. Sie waren äußerst possierlich, ziemlich groß, spielten ganz nach Katzenart und ließen sich von uns streicheln und krauen, dass es eine Freude war. Zu meinem Entzücken schenkte mir der freundliche Hausherr zwei derselben, die ich lebend und gesund nach Hause zu bringen hoffe.

Da Kinsky leider wieder einen Fieberanfall hatte, musste er mit Mr. Stevens zurückkehren. Wir aber fuhren mit einem prächtigen Sechserzug von Schimmeln, welchen der vorzügliche Stallmeister des Nisams, und zwar vom Bock aus lenkte, alsbald zu dem Sportfest in Malakpett, einem etwa 3 km von Haidarabad gelegenen, großen, freien Platz, auf dem alle Arten sportlicher Vergnügungen, wie Rennen, Tentpegging, Glaskugelschießen u. dgl. m. abgehalten werden. Ein geräumiges, geschmücktes Zelt und eine hohe Tribüne waren für die vielen Zuschauer errichtet, die größtenteils aus Engländern und Nawäbs bestanden. Infanterie und Kavallerie bildeten Spalier.

Das erste Event bildete das mir schon von Parel her bekannte Tentpegging, das Lanzenstechen auf hintereinander in den Boden gesteckte Holzpflöcke, wobei der Reiter full pace anreiten und die Pflocke aufspießen muss, ohne einen derselben zu fehlen oder zu verlieren. Sowohl Landeskinder als Engländer beteiligten sich an dieser schwierigen Übung, in der ein indischer Offizier Sieger blieb.

Überaus heiter war ein Elephanten-Rennen, in welchem acht Dickhäuter starteten und, von ihren Lenkern mit Geschrei, Hieben und Stichen freundlichst aufgefordert, in unglaublich schnellem Trab die Distanz durchliefen. Nicht weniger originell war ein Rennen von Kamelen.
Neu wie diese beiden Nummern war mir ein Ringen zu Pferde. Je zehn Reiter von Native-Kavallerieregimentern auf nackten Pferden ritten auf das Signal des Starters hin aufeinander los und versuchten sich gegenseitig von den Pferden zu ziehen. Die Reiter waren bloß mit Hemd und Hosen bekleidet und trugen als Abzeichen verschiedenfarbige Schärpen, die Pferde waren nur mit Trensen versehen. Mit affenartiger Geschicklichkeit behaupteten sich die Reiter auf den Pferden, einige der größeren Leute klammerten die Zehen unter dem Bauche der Pferde zusammen und waren, obgleich sich zwei oder drei Gegner auf sie stürzten, nicht herabzubringen. Ein Mann war bereits vom Rücken des Pferdes abgestreift, hielt sich aber noch mehrere Minuten am Hals seines Pferdes fest, bis sich dieses mit ihm nach vorne überschlug. Man muss gestehen, dass die Leute bei diesem Spiele sämtlich große Ausdauer und viele Bravour an den Tag legten.

Bei einem anderen Event sollten Reiter auf Ponies über eine bestimmte Distanz abgelassen werden, zuerst im Galopp eine Fahne umreiten und dann mit dem Pferd eine Papierwand durchbrechen. Derjenige, welcher als erster sein Pony durch die Papierwand gebracht hätte, wäre Sieger gewesen. Leider konnte diese Konkurrenz nicht statttinden, da der starke Wind, der eben herrschte, die Papierwand jedes Mal zerriss. Vom equestrischen Standpunkt aus wäre es sehr interessant gewesen, zu beobachten, wie lange es gedauert hätte, bis ein Pony sich entschlossen, in die Wand zu springen.

An Stelle dieser Nummer wurde ein Wettlaufen von Soldaten und ein Flachrennen von Ponies eingelegt, welch letzteres der Adjutant des Residenten gewann. Mit dem Preisschießen wollte man bis zur Ankunft des Nisams warten, da er sich an diesem Sport zu beteiligen pflegt; doch verrann vergeblich Stunde auf Stunde, so dass endlich ohne den Nisam begonnen werden musste.

Das Preisschießen wurde mit dem Schießen auf geworfene Flaschen eröffnet, woran sich mehrere Nawäbs, die Adjutanten des Nisams und ein englischer Offizier beteiligten. Auch ich wurde aufgefordert, zu konkurrieren, schoss aber, wie immer, wenn viele Zuseher anwesend sind, in welchem Fall mich die für den Kugelschützen so notwendige Ruhe der Nerven zu verlassen pflegt, nicht gut, jedenfalls schlechter als am Vortag, so dass ich im Schießen auf Flaschen und Tonkugeln Zweiter und Dritter blieb.

Als die beiden Konkurrenzen entschieden waren, erschien der Nisam und nahm nun an dem Schießen ebenfalls teil. Es konnte ihm nicht schwer werden, als Sieger hervorzugehen; ich wenigstens hatte einen entschieden schlechten Tag. Im Match auf Rupien schlug der Nisam alle Schützen.

Den Schluss bildete eine neue Art des Schießens, nämlich nach einer an einer Rebschnur pendelnden und schwingenden Flasche. Ich versuchte dieses Kunststück zum ersten Mal; der Nisam aber schien darauf gut eingeschossen zu sein, da er seiner Befriedigung über diese Nummer des Programmes durch Wort und Gebärde Ausdruck gab und mit Lebhaftigkeit selbst die Distanzen und Regeln bestimmte. Er ließ mich zuerst schießen; mit vier Schüssen von sechsen traf ich die Flasche. Der Nisam erzielte denselben Rekord, so dass es nun zur
Entscheidung kam, wobei wir beide fünfmal hintereinander die Flasche zerschossen. Beim sechsten Schuss störten mich jedoch die vielen Beifallsrufe und das Applaudieren dermaßen, dass ich fehlte, während der Nisam traf und daher gewann.

Bei der nun folgenden Preisverteilung hatte ich als Gast den Siegern die Gewinne zu übergeben, wobei der Nisam die ihm zugefallenen mit stolzer Befriedigung entgegennahm.

Die Sonne war schon untergegangen, als wir den Schauplatz des Festes verließen, um die 14,5 km lange Fahrt nach North Trimulgherry anzutreten, wohin wir von den Offizieren des 21. Husarenregimentes zum Diner eingeladen waren. Der Mond stand am Himmel; doch bot die Fahrt durch das flache Land wenig Reizvolles, da uns überdies fortwährend dichte Staubwolken einhüllten.

Vor der Offiziersbaracke bildete eine Escadron zu Pferde Spalier. Daselbst erwarteten uns Oberst Martin mit seinem Offizierskorps, ferner der Nisam, seine Minister und Adjutanten, der Resident, Mr. Trevor C. Plowden, und alle höheren Kommandanten der Garnison. Das Offizierskorps, welches das schmucke Mess dress, eine Art Diner-Kostüm angelegt hatte, war infolge Erkrankung sowie Beurlaubung zahlreicher Mitglieder nur durch ungefähr 20 Herren vertreten.

Das Mess-Lokal, für das heiße Klima praktisch angelegt, besteht aus zwei großen, hohen, salonartigen, genügend ventilierten Räumen, deren einer als Empfangs- und Rauchzimmer dient, während der andere als Speisezimmer verwendet wird. Die Wände beider Räumlichkeiten sind mit Bildern aus der Geschichte des Regimentes, Schlachtenbildern und Jagdtrophäen, darunter kapitalen Büffelschädeln, geschmückt. An einer Stirnwand des Speisesaales hängt das Porträt des Herzogs von Wellington, welcher das Regiment, dessen bewegte Geschichte auf 120 Jahre zurückreicht, im Jahre 1797 in den indischen Kämpfen gegen Tippu Sahib, die Maharatten und Franzosen kommandiert hatte.

Schwarzgelbe Bänder, unseren Farben zu Ehren gewählt, schmückten zwischen Blumen die Tafel, während wertvolle, silberne und goldene Cups, die das Regiment bei verschiedenen Sports, wie Rennen, Polo, Cricket errungen oder aber von scheidenden Offizieren erhalten hatte, als Aufsätze dienten. Zu meiner Rechten saß Oberst Martin, ein liebenswürdiger Mann, mit dem ich viel über unsere Kavallerie sprach, welcher er besondere Anerkennung zollte, zu meiner Linken Lieutenant Pirie, ein Bruder unseres Jagdgefährten von Kalawewa auf Ceylon.

Das Diner verlief in lebhafter und ungezwungener Stimmung. Nach den Toasten auf die Königin, wie auf Seine Majestät, mich und den Nisam wurde stets von allen Offizieren stehend das Lied: »He is a jolly good fellow« gesungen. Nach dem Speisen gingen wir auf die Veranda, wo die Regimentskapelle konzertierte und noch eine Reihe »wilder« Toaste auf unsere Armee, sowie jeden einzelnen der Herren meiner Suite ausgebracht wurde. Später trat das Fest in das Stadium der Gesangsproduktionen, wobei jeder, ob nun mit Stimme begabt oder nicht, sein Hestes an gesanglicher Leistung bot. Auch wir mussten das »Prinz Eugen-«, das »Liechtensteinische« Lied und manch anderes Reiter- und Soldatenlied singen.

Als die Heiterkeit ihren Höhepunkt erreicht hatte, stürzten sich die englischen Offiziere auf mich und meine Suite und trugen uns unter lebhaften Beifallsrufen auf ihren Schultern im Saal umher. Der Nisam hatte schweigend zugesehen. Wie maßlos war aber sein Erstaunen, als sich plötzlich mehrere Husarenoffiziere auch auf ihn stürzten und ihn im Triumph umhertrugen; eine derartige Huldigung war ihm noch nie zuteil geworden, doch nahm er sie, obgleich wir alle das Gegenteil besorgt hatten, wohlwollend auf. Der Resident hatte der Entwicklung der Dinge nicht ohne Bedenken zugesehen, war aber völlig beruhigt, als der Nisam sich für die Ovation dankend verbeugte.

Dieses heitere Symposion bildete den Abschluss der Festlichkeiten und des Aufenthaltes auf Haidarabader Territorium. In vorgerückter Stunde nahmen der Nisam und ich von einander und dem beiderseitigen Gefolge Abschied, wobei der Nisam die Freundlichkeit hatte, mir als Andenken ein in Gold gearbeitetes Tintenzeug und eine prachtvolle, goldgestickte Decke zu übergeben. Einer der Herren meiner Suite hatte das Tintenzeug in Empfang genommen und in seiner Tasche verwahrt. Der Minister des Nisams, welcher diesen Vorgang beobachtet hatte, machte — in offenbarer, vielleicht durch orientalische Gebräuche entschuldbarer Missdeutung desselben — Wurmbrand sofort und nachdrücklichst aufmerksam, “dass das Tintenzeug bereits in einer fremden Tasche verschwunden sei”.

Besonderer Geschenke seitens des Nisams hätte es nicht bedurft; denn dauernde und dankbare Erinnerung ist ihm und seinem Land gesichert. War doch in den Tagen von Haidarabad auf den Wink des gastlichen Nisams die Wunderwelt des indischen Märchens in ungeahnter, üppiger Pracht aus tiefem Schlaf erstanden, um sich in entzückender Herrlichkeit vor mir zu entfalten und eine Spanne meines Lebens mit ihrem Zauber zu verweben!

Der Nisam kehrte nach Haidarabad zurück; unser aber harrte das schnaubende Dampfross des Extrazuges mit Ungeduld schon seit einer Stunde. Wir trennten uns nun gegen Mitternacht auch von den englischen Kameraden des 21. Husarenregimentes, in deren Mitte wir einen so heiteren, an fröhliche heimatliche Kreise gemahnenden Abend verbracht hatten und bestiegen unsere Gefährte. Die jüngeren Offiziere brachten mir noch eine Huldigung dar, indem sie die Pferde meines Wagens ausspannten und ihn eilenden Laufes eine ganze Strecke Weges zogen. Noch ein dreimaliges Hurrah und dann flogen wir von flinken Rossen gezogen, dem Bahnhof in Sikandarabad zu, hin zu der Stätte der Prosa, welche die Märchen fliehen macht ….

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  • Ort: Hyderabad, Indien
  • ANNO – am 26.01.1893 in Österreichs Presse, Der Zarewitsch ist ebenfalls auf Reise: Er besucht die Hochzeit seiner jüngsten Schwester in Berlin.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt Shakespeares “Viel Lärm um Nichts”, während das k.u.k Hof-Operntheater die Oper “Der Vasall von Szigeth” gibt.

Hydarabad, 25 January 1893

Thick fog covered the city and its surroundings when we drove after 6 o’clock in the morning in a four horse mail coach to the parade ground of Sikandarabad on which a grand parade of the whole garrison of Sikandarabad and Bolaram was planned to happen. In time the sun split the fog and we enjoyed the view on the large pond, the mountain ranges and the suburbs of Hyderabad during the ride.

During our arrival to the parade ground, a battery fired the salute of 21 cannon shots. Then I and my entourage mounted horses. The troop commander, Colonel H. S. Elton, rode towards me, stopped 40 paces away and lowered his sable, which made all troops perform a salute as well and the music bands play our anthem. I rode to the right flank and inspected that front. The first unit was a battery of English mounted artillery, 88 men, 94 horses and 6 guns, then followed the complete 21st Hussars regiment, 4 squadron of 442 riders in total, at its side a regiment of Madras Uhlans, 410 riders, native regular cavalry, beautiful dark-skinned people many of which with martial bearded faces. The uniform consists of pike gray frock coats, dark-blue trousers and very practical yellow lace-up boots, the head is covered with a tall blue turban and as weapons the riders carry a short lance, a carbine attached to a long fixture on the saddle and some kind of Turkish scimitar. The horses, partly of native partly of Persian stock are fine but smaller than those of our hussars. Then followed the 4th Uhlans regiment of the Hyderabad contingent with 347 riders, composed also out of natives but officered by Englishmen. The cut of the uniforms is the same as that of the Madras Uhlans, only the color is dark-blue with brick-red lapels and a turban of the same color. The three cavalry regiments and the mounted battery constitute the 21st brigade which was followed by the artillery brigade consisting of two English field batteries with six guns each, a native battery of the Hyderabad contingent with four guns and the elephant battery with 6 guns.

Upon the artillery followed two infantry brigades whose first was composed of the 2nd English Suffolk regiment of 840 men with its well known red coats, white helmets and white straps. the 15th Madras infantry regiment of 588 men, composed of natives, with  madder coats, black lapels and black baggy pants. Finally the 2nd regiment of the Hyderabad contingent of 515 men, dark-green with tall turbans. The last two regiments were equipped with Henry Martini rifles. The English regiment already was equipped with the new Lee Metford magazine rifles.

The second brigade is composed of the English 2nd Welsh regiment of 512 men, the Hyderabad volunteers, the 16th and 20th Madras infantry regiments with 511 and 319 men respectively, At the rear stood a company of sappers and miners of 147 men, a unit composed of men from the lowest caste of Madras. It has distinguished itself in all campaigns and expeditions by its bravery and endurance,  In almost every occasion, both in India and the Sudan, these sappers and miners have proved their valor and nearly every man is decorated with a medal or two. They wear scarlet coats with blue trousers, high black caps in the manner of the Parsi.

After the inspection of the front, the whole corps formed itself to march past in the same order in which the troops stood from the right flank. The artillery marched by battery, the cavalry with squadrons in line and the infantry in companies. The march was performed very precisely and all units, the native ones too, looked splendid and had excellent posture. The highlight of the cavalry was naturally the Hussars regiment but, apart from the horses of lesser quality, the native Uhlans regiments were not far behind the Hussars. Among the artillery it was the mounted artillery with its splendid appearance and its outstanding Australian horses that was notable. I was, however, most interested in something completely new for me, the elephant battery in which every one of the 40 pounder muzzle-loading guns was drawn by two elephants whose harness consisted of large leather blankets, iron chains and rope. On the head of each huge animal sat a guide. The animals marched in a nice and tight formation. The ammunition wagons are drawn by eight zebu oxen each which were conspicuous by their fast and apt movements. The infantry marched past twice more, first in battalion masses as it is common in Germany with shoulder arms and fixed bayonets, then in brigade masses, both brigades one behind the other. To see a brigade in such a compact formation creates quite an impression. The cavalry and the mounted battery then rode past at a trot and then at a very fast gallop which came close to full speed. The mounted battery and the 21st Hussars galloped past beautifully while the speed of the native regiments escalated nearly into a wild chase.

The Nizam who had arrived too late only appeared to the second part of the parade and did not seem very interested in the military spectacle.

A huge crowd, among them many English ladies and gentlemen, on horses and in large coaches attended the parade. At the end of the parade, upon my request, the elephant battery performed a few exercises. Its commander, Major Leach, deployed the battery, made it ready to fire and mount up again. The maneuvers were executed at fast speed as the elephants were very familiar with all the steps and even fell into a trot to arrive faster at the guns when it was time to mount them up. Only under enemy fire, the elephants can’t be used and have to be kept away from that zone as they can’t stand rifle fire and will run away.

The Nizam’s corpulent court photographer had convinced us to meet with me again to take some photographic pictures. Therefore we rode straight after the parade, escorted by a shouting  and crying crowd of natives to his studio. The untiring artist owns a beautiful house and seems to occupy an important position at the Nizam’s court, as he is always present and the Nizam often goes to him to have numerous pictures taken. The unavoidable necessity to serve at any moment as an object for a  photographer seems to be a highly contagious Indian plague.

After countless photographic takes, we could finally say good-bye to the Nizam and return to Bashir Bagh where a formal bazaar had been set up on the veranda as I had ordered some weapon dealers to present ancient Indian weapons. After much dealing and haggling, an Oriental custom that can not be avoided by any traveler, I bought a large number of the beautifully made and often fantastically decorated swords, daggers, pistols, shields as well as lances and added some very old mail shirts to my collection, among them one made with so called fish scales and another which had verses of the Koran inscribed in every ring.

For two o’clock, a dejeuner was announced at the British residency. The residency is a tall tasteless building with many endless halls enclosed by a wall and surrounded by a large park.

The resident, Mr. Trevor C. Plowden, a very nice and intelligent gentleman who seemed to be interested in everything and knew very much about my country had had the great misfortune to see his wife die of cholera just a few weeks ago, At the dejeuner almost all important persons from the English colony were present.

We had to wait nearly three quarters of an hour for the Nizam to appear. He finally came in his yellow gala carriage and excused himself deeply. Behind the gala carriage followed at some distance a completely enclosed smaller carriage which took about the form of our Viennese postal package wagons. My repeated questions were given the answer that within this vehicle are ladies from the harem as well as champaign cooled with ice. His Highness seems to be fond of women and wine, and could not abstain from them as embellishments of his life as the ominous wagon also accompanied the Nizam on our drive in the afternoon to Golkonda.

During the breakfast I was asked by a lady tedious questions about the musical events in Vienna, about Beethoven’s and Wagner’s music, about the opera about instrumental and vocal music. The lady was astonished to hear that I preferred entertaining music and especially love the waltz which is conquering the world.

The next number on today’s program was a visit of the fortress of Golkonda. On the drive there we passed through the suburbs of Hyderabad which are inhabited solely by natives as well as Indian Muslims and are in part  ruins and primitive. Next to houses with notably beautiful carvings stood clay huts or even only leaf covers under which whole families are living. Noteworthy is the great number of architecturally charming mosques with their lean minarets, their galleries and their stone linings. On the way to Golkona we passed more than a hundred mosques and viewed from the road thousands upon thousands of graves between the houses and the mosques. The graves are richly ornamented in various forms. The graves of famous fakirs worshipped by the people as well as those of saints are covered with precious blankets, flowers and small flags.

In front of us appeared the hill of the fortress and the gray building of the once strong but now half decayed Golkonda known since the 14th century and which used to be the capital of the kingdom of Kutab Schahi between 1512 and 1687. During the latter year it was conquered by the men of the Grand Mughal Aurengzeb and partly razed. An impressive view of the enclosed fortress partly situated on a dominant hill can be best seen from the river side where the Muti reaches the outer ring wall.

A giant gate made out of massive blocks leads into the city. The doors of the gate have been built out of massive plank as thick as a shoe-thick and are covered with long iron spikes whose purpose has been to safeguard the doors against the onrushing elephants which have been used for just this purpose in earlier wars and thus opening access to the fortress for the besiegers. In total the fortress has eight of these giant gates of which four are currently still used.  Their names are Fateh, Mekka, Dschamali and the just described Bandschara gate.

The history of construction of Golkonda can be divided into three periods. The oldest part, built it is said by the Raja of Warungul. is Balar hissar citadel on the top of the about 100 m high hill. Here once stood the king’s palace whose ruins are still there. To the second period belong that part of the city which leads from the citadel to the outer wall with its broad but half buried ditch of the lower fortress. A large number of decayed buildings, small palaces, mosques, schools and houses stand nearby. From the youngest period date the Eastern fortifications which continue almost up to the royal graves and have been built by the first ruler among the Nizams. The crenelated courtines of the main wall are proof of the strength of the fortress. The circumference of the main wal with its 87 bastions made out of granite blocks is about 48 km. Among the edges of the bastions lie beautiful but useless guns from the time of Kutab Schahis which have been spiked and demolished after the conquest of Golkonda by Aurengzeb.

Used only as a military depot and guarded by a single post, the whole fortress which once housed 10.000 humans is silent and bare. Taking the steep and raw 258 steps one reaches Golkonda’s, highest point, the citadel Balar hissar. Here one can enjoy the view from a terrace formed into casemates upon the land of Hyderabad with its gardens and towers, its reflecting ponds in the foreground, its nearby famous royal graves, the debris of the city and the walls,the glacis, ditches and bastions at the feet of the viewer. It is a dark field of ruins upon which we look down but one can still trace the individual lines of the fortress and its defenses, especially in the east, the newest part of the fortress where much has survived. Of the bastions, many are glued to the rock like swallow nests. Other fortifications too have incorporated the terrain into the granite blocks. The strong walls and the stone works executed with few technical help give testimony to the skill of the builders of centuries past.

The scenery is strange: as around Golkonda granite rocks rise up chaotically in a wild order as the legend has it Debris which the builder of the universe has left here after the construction of the mountains of the earth.

The majority of the royal graves has been destroyed during the siege of Golkonda by Aurengzeb, still the mausoleum of the kings of the Kutab Schahi dynasty offer a very fascinating picture with their minarets, glazed pillars, domes, terraces, their rich decorations. Sir Salar Dschang Bahadur, a recently deceased minister of the Nizam who had been well known for his excellent administration of the state of Hyderabad, had part of the graves restored with care and surrounded them with fruit trees and shade giving gardens. Notable among these graves is especially the mausoleum of Shah Mohammed Kuli Kutab (died 1625), the founder of the state of Hyderabad, which was rich in decoration and height (51 m)  and had a building with a 18 m high dome.

The Nizam took great pleasure to accompany us everywhere had mounted the citadel with us and proposed there to shoot with rifles on thrown bottles and clay balls whereas one shot with smoothbore balls. I had a hard time making a decision as the Nizam is well known as India’s best shooter and excels especially at shooting with smoothbore balls. Only after a long intervention by the gentlemen of my entourage I dared to enter the contest.

First, many bottles were set up 30 paces away and on their necks were places clay balls as large as small apples. The shooter was tasked to hit the balls without touching the bottle. The Nizam shot first but missed four clay balls. I followed and hit three out of four clay balls which made the Nizam’s entourage applaud and he personally offered loud congratulations. At the side of the bottles and balls intended for the match stood a further 16 bottles. Emboldened ,I dared to shot on all 16 balls one after the other. I managed to hit 15 of them which astonished the Nizam greatly. We then shot at bottles thrown into the air and achieved the same result. Each of us shot four times and hit a bottle every time. The same repeated itself with thrown clay balls.

Then followed the most difficult experiment, namely shooting rupees thrown in the air which are about the same size as our silver guilders. Eight shots were given to each shooter. The Nizam scored once, I had the special fortune to score three times even though I had up to now never had the opportunity nor the interest to perform such artistic deeds, so it was a real sporty endeavor to hit such small flying targets. The Nizam was a good sport to the mean game in which he was for the first time beaten and proposed to return home. I admit being proud like a lion internally.

We returned home under majestic moon shine whose lights illuminated the towers, mosques and graves magically, where after a short rest we received a gala dinner in Bashir Bagh palace by our host, minister Asman Dshah.

In an annex to the house, a wooden theater, stood the long table laid out for 150 persons on whose top I sat between the Nizam and an English lady. Here too the feast was arranged in oriental splendor but the large number of servants who came in with dishes in their hands advancing from the stage like an avalanche created a comical impression. The Nizam sat joyfully on his seat and smiling friendly he looked at the number of his guests, developing a phenomenal appetite at the same time, A Hindu music band provided the ear-shattering table music.

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Haidarabad, 25. Jänner 1893

Dichter Nebel verschleierte die Stadt und ihr Weichbild, als wir nach 6 Uhr morgens in einer vierspännigen Mail-Coach gegen den Exerzierplatz von Sikandarabad hin fuhren, auf dem die große Parade über die gesamte Garnison von Sikandarabad und Bolaram stattfinden sollte. Allmählich teilte die Sonne den Nebel und wir genossen nun während der Fahrt die schöne Aussicht auf den großen Teich, die Hügelketten und die Vororte von Haidarabad.

Bei der Ankunft auf dem Paradeplatz leistete eine Batterie den Salut von 21 Kanonenschüssen; dann stieg ich mit meiner Suite zu Pferde. Der Kommandant der Truppen, Colonel H. S. Elton, ritt mir entgegen, blieb auf 40 Schritte stehen und senkte den Säbel, worauf alle Truppen die Ehrenbezeugung leisteten und die Musikkapellen die Volkshymne intonierten. Ich sprengte zu dem rechten Flügel und ritt die Front ab. Als erste Truppe stand eine Batterie reitender, englischer Artillerie, 88 Mann, 94 Pferde und 6 Geschütze, daran anschließend das
ganze 21. Husarenregiment, 4 Escadronen in der Stärke von 442 Reitern, daneben ein Regiment Madras-Uhlanen, 410 Reiter, eingeborene reguläre Kavallerie, schöne, dunkelfarbige Leute, zumeist mit martialischen, bärtigen Gesichtern. Die Uniform besteht aus hechtgrauem Rock, dunkelblauen Hosen und sehr praktischen, gelben Schnürschuhen, den Kopf bedeckt ein hoher, blauer Turban, und als Waffen führen die Reiter eine kurze Lanze, einen in einem langen Schaft am Sattel befestigten Karabiner und eine Art türkischen Krummsäbels. Die Pferde, teils einheimischer, teils persischer Zucht, sind gut, aber kleiner als jene der Husaren. Hierauf folgte, mit dem Stand von 347 Reitern, das 4. Uhlanenregiment des Haidarabader Kontingents, ebenfalls aus Einheimischen bestehend, die von englischen Offizieren befehligt werden. Der Schnitt der Uniformen ist der gleiche wie bei den Madras-Uhlanen, nur ist die Farbe dunkelblau mit ziegelroten Aufschlägen und gleichfarbigem Turban. Die drei Kavallerieregimenter und die reitende Batterie bildeten die 21. Brigade, an welche sich die Artilleriebrigade reihte, bestehend aus zwei englischen Feldbatterien mit je 6 Geschützen, einer einheimischen Batterie des Haidarabader Kontingents mit 4 Geschützen und der Elephanten-Batterie mit 6 Geschützen.

Auf die Artillerie folgten zwei Infanteriebrigaden, deren erste zusammengesetzt war aus dem 2. englischen Suffolk-Infanterieregiment — mit den bekannten roten Röcken, weißen Helmen und weißem Riemzeug — in der Stärke von 840 Mann; dem 15. Regiment Madras-lnfanterie, aus Eingeborenen bestehend, 588 Mann, mit krapproten Röcken, schwarzen Aufschlägen, schwarzen Pumphosen; endlich dem 2. Regiment des Haidarabader Kontingents, 515 Mann, dunkelgrün, mit hohen Turbans adjustiert. Die beiden letzteren Regimenter waren mit Henry Martini-Gewehren, das englische Regiment aber schon mit den neuen Lee-Metford-Magazinsgewehren bewaffnet. Die zweite Brigade umfasste das 2. englische Welsh-Regiment, 512 Mann; die Haidarabader Freiwilligen; das 16. und das 20. Regiment Madras-Infanterie mit 511, beziehungsweise 319 Mann. Den Schluss bildete eine Kompanie Sappeure und Mineure, 147 Mann, eine aus der niedersten Kaste von Madras geformte Truppe, die sich in allen Feldzügen und Expeditionen stets durch ihre Tapferkeit und Ausdauer ausgezeichnet hat; fast bei jeder Gelegenheit, sowohl in Indien als im Sudan sind diese Sappeure und Mineure ihrer Tüchtigkeit wegen verwendet worden und nahezu jeder Mann ist mit einer Medaille oder
deren zwei dekoriert. Diese Truppe ist mit scharlachroten Röcken, blauen Hosen, hohen, schwarzen Mützen, nach der Art jener, welche die Parsen tragen, adjustiert.

Nach dem Abreiten der Front formierte sich das gesamte Korps zur Defilierung, welche in derselben Reihenfolge stattfand, in welcher die Truppen vom rechten Flügel aus standen. Die Artillerie defilierte batterieweise, die Kavallerie mit entwickelten Escadronen und die Infanterie mit Kompanien. Die Defilierung ging sehr präzise von statten und bei allen Abteilungen, auch bei den Eingeborenen, fielen mir das gute Aussehen und die vorzügliche Haltung auf. Den Glanzpunkt der Kavallerie bildete natürlich das Husarenregiment; doch blieben bis auf das minderwertige Pferdematerial die eingeborenen Uhlanenregimenter nicht weit hinter den Husaren zurück. Bei der Artillerie stach die reitende Artillerie durch ihr schmuckes Aussehen und ihre treffliche Bespannung mit australischen Pferden hervor. Am meisten interessierte mich jedoch als etwas mir vollkommen Neues die Elephanten-Batterie. bei der vor jedes der sechs 40-pfündigen Vorderladgeschütze zwei Elephanten gespannt sind, deren Geschirr aus großen, ledernen Decken, eisernen Ketten und Strängen besteht. Auf dem Kopf jedes dieser mächtigen Tiere, die schön ausgerichtet defilierten, sitzt ein Lenker. Die Munitionswägen sind mit je acht Zebuochsen bespannt, die durch ihre flinken, behenden Bewegungen auffallen. Die Infanterie defilierte noch zwei Mal; zuerst in Bataillonsmassen, ähnlich wie es in Deutschland üblich ist, mit geschulterten Gewehren und gepflanzten Bajonetten; sodann in Brigademassen, beide Brigaden hintereinander. Eine ganze Brigade in so gedrängter Formation auf einmal vorbeimarschieren zu sehen, macht einen imposanten Eindruck. Die Kavallerie und reitende Batterie defilierten auch im Trab und in einem sehr scharfen Galopptempo, welches beinahe an Marsch-Marsch grenzte. Die reitende Artillerie und die 21er Husaren kamen im Galopp sehr schön vorbei, während dieses Tempo bei den Eingeborenen-Regimentern nahezu in eine wilde Jagd ausartete.

Der Nisam, welcher sich verspätet hatte, kam erst zur Defilierung und schien für das militärische Schauspiel nicht viel Interesse zu empfinden.

Eine unabsehbare Menschenmenge, darunter sehr viele englische Damen und Herren, zu Pferde oder in großen Coaches wohnten der Revue bei. Zum Schluss derselben exerzierte auf meine Bitte hin die Elephanten-Batterie. Der Kommandant, Major Leach, ließ die Batterie abprotzen, sich ins Feuer setzen und wieder aufprotzen, welche Manöver ungemein rasch vor sich gingen, da die Elephanten dank ihrer Gelehrigkeit alle Evolutionen genau kennen, ja beim Kommando des Aufprotzens sich sogar in Trab setzten, um rascher bei den Geschützen anzulangen. Nur im feindlichen Feuer sollen die Elephanten nicht zu gebrauchen sein und müssen daher stets aus dessen Bereich gehalten werden, weil sie besonders das Kleingewehrfeuer nicht vertragen und vor demselben gleich durchgehen.

Der beleibte Hofphotograph des Nisams hatte diesen bewogen, sich mit mir zum Zweck einer photographischen Aufnahme bei ihm einzufinden, und so ritten wir denn unmittelbar nach beendeter Parade, begleitet von einer johlenden und schreienden Schar Eingeborener, zu seinem Atelier. Der unermüdliche Künstler besitzt ein eigenes, schönes Haus und scheint am Hof des Nisams eine hervorragende Stellung einzunehmen, da er überall zu sehen ist und der Nisam sich sehr oft zu ihm begibt, um sich unzählige Male photographieren zu lassen. Die unabweisliche Notwendigkeit, jeden Augenblick einem Photographen als willkommenes Objekt dienen zu müssen, scheint ein in Indien grassierendes Übel zu sein.

Nach zahlreichen Aufnahmen konnte ich mich endlich vom Nisam verabschieden und nach Baschir Bägh zurückkehren, wo auf unserer Veranda ein förmlicher Bazar etabliert war, da ich einige Waffenhändler bestellt hatte, um alte indische Waffen zu erwerben. Nach langem Handeln und Feilschen, was dem Reisenden im Orient leider nie erspart bleibt, kaufte ich eine große Anzahl der so schön gearbeiteten, oft phantastisch geschmückten Säbel, Schwerter, Dolche, Pistolen, Schilder, sowie Lanzen und reihte meiner Sammlung auch mehrere uralte Panzerhemden ein; darunter eines aus sogenannten Fischschuppen, sowie ein anderes, in dessen einzelne Ringe je ein Koranspruch graviert war.

Für 2 Uhr war beim britischen Residenten ein Dejeuner angesagt. Die Residenz ist ein hohes, in einem von Mauern umschlossenen, großen Park gelegenes, geschmackloses Gebäude, welches eine endlose Flucht von Sälen enthält.

Der Resident, Mr. Trevor C. Plowden, ein liebenswürdiger, geistreicher Herr, der sich für alles zu interessieren schien und sich über die Verhältnisse meiner Heimat vollkommen orientiert erwies, hatte das Unglück gehabt, wenige Wochen zuvor seine Gattin an der Cholera zu verlieren. Bei dem Dejeuner waren fast alle angesehenen Personen der englischen Kolonie anwesend.

Der Nisam ließ beinahe drei Viertelstunden auf sich warten, erschien endlich in seinem gelben Galawagen und brachte viele Entschuldigungsgründe vor. Dem Galawagen folgte in einiger Entfernung ein ganz geschlossenes, fensterloses Wägelchen, welches ungefähr die Form unserer Wiener Postpaketwägen hatte. Auf mein wiederholtes Befragen wurde mir der Bescheid zuteil, dass in diesem Gefährte sich Damen aus dem Harem befänden, sowie eingekühlter Champagner enthalten sei. Seine Hoheit scheint Wein und Weib, als Mittel zur Verschönerung des Lebens, nie entbehren zu können; denn der ominöse Wagen begleitete den Nisam auch während der Fahrt nach Golkonda, die wir nachmittags unternahmen.
Während des Frühstückes stellte meine Nachbarin mit mir ein hochnotpeinliches Verhör an über die musikalischen Verhältnisse. Wiens, über die Pflege Beethoven’scher, Wagner’scher Musik, über die Oper, über Instrumental- und Vokalmusik u. a. m. Die gute Dame war erstaunt, als ich ihr meine Vorliebe für nicht allzustrenge Musik, sowie insbesondere für unseren weltenerobernden Walzer gestand.

Als nächste Nummer stand auf dem heutigen Programme der Besuch der berühmten Festung Golkonda. Bei der Fahrt dahin gelangten wir durch Viertel und Vororte von Haidarabad, die ausschließlich von Eingeborenen sowie von indischen Moslemin bewohnt werden und sich zum Teile durch Ruinenhaftigkeit und Primitivität der Behausungen auszeichnen. Neben Häusern, bemerkenswert durch schöne Schnitzereien, stehen elende Lehmhütten oder erheben sich gar nur Laubdächer, unter denen ganze Familien leben. Auffallend ist in Haidarabad die große Zahl der architektonisch so reizend wirkenden Moscheen mit ihren schlanken Minarets, ihren Gallerien und Steinverkleidungen. Auf dem kaum eine halbe Stunde währenden Weg nach Golkonda kamen wir an mehr als hundert Moscheen vorbei und erblickten neben der Straße, zwischen den Häusern und Moscheen verstreut, Tausende und Tausende von Steingräbern, welche die verschiedenartigsten Formen zeigen und mannigfach geschmückt sind. Die Gräber berühmter, vom Volk verehrter Fakire und Heiligen sind mit kostbaren Decken, Blumen und kleinen Fähnchen belegt.

Vor unseren Blicken tauchten bald der Burgberg und das graue Gemäuer des einst so festen, jetzt halb verfallenen Golkonda auf, welches, schon im 14. Jahrhundert bekannt und von 1512 bis 1687 die Hauptstadt des Königreiches Kutab Schahi, im letztgenannten Jahre von den Scharen des Großmoguls Aurengzeb erobert und zum Teile geschleift worden ist. Einen imposanten Anblick bietet die nach allen Seiten hin von Wallmauern umschlossene, teilweise auf einem dominierenden Hügel gelegene Felsenfestung, insbesondere von der Flussseite her, dort wo der Muti die äußere Ringmauer bespült.

Ein aus massiven Blöcken gefügtes Riesentor führt in die Stadt ein. Die Flügel dieses Tores, aus schuhdicken Pfosten gezimmert, sind mit langen Eisenspitzen besäet, deren Zweck gewesen sein soll, die Pforte gegen den Anprall der Elephanten zu schützen, welche der Kriegführung früherer Zeiten gemäß wohl dazu verwendet wurden, durch Einrennen der Tore den Scharen der Belagerer Bahn in die Festung zu brechen. Im ganzen zählt die Festungsstadt acht solcher Riesentore, von welchen jetzt nur mehr vier, das Fateh-, Mekka-, Dschamali- und das eben beschriebene Bandschara-Tor benützt werden.

Die Baugeschichte Golkondas weist drei Perioden auf. Der älteste Teil, angeblich vom Radscha von Warungul erbaut, dürfte die Zitadelle Balar hissar auf der Spitze des etwa 100 m hohen Hügels sein. Hier stand einst das Königsschloss, dessen Ruinen noch vorhanden sind. Der zweiten Periode gehört jener Stadtteil an, welcher zwischen der Zitadelle und dem mit breiten, halbverschütteten Gräben versehenen Außenwall der unteren Festung gelegen ist und allerlei verfallene Gebäude, kleine Paläste, Moscheen, Schulen und Wohnhäuser des Gefolges in sich schließt. Der jüngsten Periode endlich entstammen die Befestigungen im Osten, die sich fast unmittelbar bis an die Königsgräber hinziehen und von dem ersten Herrscher aus der Reihe der Nisams errichtet sind. Die Stärke der alten Festung bezeugen noch die krenelierten Kurtinen des Hauptwalles, dessen Umfang etwa 48 km beträgt, sowie die aus Granitblöcken errichteten 87 Bastionen. In den Winkeln der Bastionen liegen zerstreut schön geformte, aber unbrauchbare, aus der Zeit der Kutab Schahis stammende Geschütze umher, welche bei der Eroberung Golkondas durch Aurengzeb sämtlich vernagelt oder demontiert worden sind.

Jetzt nur mehr von einem Wachposten besetzt und zur Bergung einiger militärischer Depots benützt, liegt die ganze Festung, welche vormals 10.000 Menschen Wohnung gewährt hat, still und öde da. Auf 258 zumeist sehr steilen, rohen Stufen gelangten wir zu dem höchsten Punkt Golkondas, der Citadelle Balar hissar, hinan. Hier genießt man von einer Art kasemattierter Terrasse aus eine weite Rundschau auf Haidarabad mit seinen Gärten und Türmen, auf die Spiegel der Teiche im Vordergrund und auf die nahen, berühmten Königsgräber, auf die Trümmer der Stadt und ihre Wälle, Mauern. Glacis, Gräben und Bastionen zu Füßen des Beschauers. Es ist ein düsteres Ruinenfeld, auf das wir niederblicken, doch vermag man die einzelnen Linien der Festung und ihre Werke noch genau zu verfolgen, besonders an der Ostseite, dem neuesten Teil der Befestigungen, wo noch ziemlich viel recht wohl erhalten ist. Von den Bastionen kleben manche, Schwalbennestern gleich, an den Felsen. Auch die anderen Fortifikationen, bei deren Aufbau die Granitblöcke des Terrains einbezogen erscheinen, die starken Mauern und die mit rohen technischen Mitteln hergestellten Steinarbeiten, zeigen von der Geschicklichkeit der Baukünstler vergangener Jahrhunderte.

Das Landschaftsbild ist ein eigenartiges; denn rings um Golkonda streben chaotisch durcheinandergeworfene Granitfelsen auf, wie die Legende sagt, Trümmer, welche der Erbauer des Weltalls, nachdem er die Berge der Erde gefügt, hier niederfallen gelassen.

Die Mehrzahl der Königsgräber ist während der Belagerung Golkondas durch Aurengzeb zerstört worden, dessenungeachtet bieten diese Mausoleen der Könige aus der Dynastie Kutab Schahi mit ihren Minarets, glasierten Säulen, Kuppeln, Terrassen, ihrer reichen Ornamentik, noch immer ein äußerst fesselndes Bild. Sir Salar Dschang Bahadur, der durch seine vortreffliche Verwaltung des Staates Haidarabad bekannte, vor kurzem verstorbene Minister des Nisams, hat einen Teil dieser Grabstätten sorgfältig wieder hergestellt und sie aufs neue mit Fruchtbäumen und schattenspendenden Gartenanlagen umgeben. Bemerkenswert ist unter all den Grabdenkmälern namentlich das Mausoleum des Schahs Mohammed Kuli Kutab (gestorben 1625), des Gründers der Stadt Haidarabad, sowohl durch den Reichtum der Verzierungen als durch die Höhe (51 m) des von einer 18 m hohen Kuppel überragten Gebäudes.

Der Nisam, dem es Freude machte, uns überall hin zu begleiten, war auch auf die Zitadelle mit uns heraufgestiegen und proponierte mir hier plötzlich ein Rifle match auf geworfene Flaschen und Tonkugeln, wobei mit der Kugel geschossen werden sollte. Ich entschloss mich nur sehr schwer, auf diese Aufforderung einzugehen, da der Nisam als bester Schütze in Indien bekannt ist und ganz besonders als Kugelschütze außerordentlichen Ruf genießt. Nur nach langem Zureden seitens der Herren meiner Suite beschloss ich endlich, den Gang zu wagen.

Zuerst wurden auf 30 Schritte mehrere Flaschen aufgestellt und auf deren Hälse Tonkugeln von der Größe eines kleinen Apfels gelegt. Der Schütze sollte nun die Tonkugeln treffen, ohne die Flasche zu berühren. Der Nisam schoss als erster und fehlte vier Tonkugeln; ich folgte ihm, traf aber von vier Kugeln drei, worauf das Gefolge des Nisams und er selbst in laute Beifallsbezeugungen ausbrachen. Neben den für das Match bestimmten Flaschen und Kugeln standen deren noch 16; kühn geworden, unternahm ich das Wagnis, auf alle 16 Kugeln hintereinander zu schießen und es gelang mir 15 derselben zu treffen, wobei der Nisam mit dem höchsten Erstaunen zusah. Sodann schossen wir auf in die Luft geworfene Flaschen und erzielten gleiche Resultate, indem jeder von uns vier Schüsse abgab und mit jedem derselben eine der Flaschen traf. Ähnlich erging es uns bei geworfenen Tonkugeln.

Hieran reihte sich das schwierigste Experiment, nämlich das Schießen auf geworfene Rupien, welche etwa dieselbe Größe haben wie unsere Silbergulden. Acht Schüsse waren dem Schützen erlaubt. Der Nisam traf einmal, ich aber hatte das besondere Glück, drei Rupien zu durchschießen, obgleich ich bisher nie Gelegenheit und Veranlassung gehabt hatte, mich auf derartige Kunststücke einzuüben, so dass es ein sportliches Wagnis war, mich auf so kleine fliegende Ziele zu versuchen. Der Nisam machte in liebenswürdiger Weise gute Miene zu dem bösen Spiel, in welchem er zum ersten Mal unterlegen war, und schlug vor, den Heimweg anzutreten. Ich gestehe, dass ich in meinem Innern stolz war wie ein Löwe.

Bei herrlichem Mondschein, dessen Licht die Türme, Moscheen und Gräber magisch beleuchtete, fuhren wir nach Hause, wo unser nach kurzer Ruhe ein Gala-Diner im Palais Baschir Bägh bei unserem Hausherrn, dem Minister Asman Dschah, harrte.

In einem Annex des Hauses, einem hölzernen Theater, war die lange, für 150 Personen bestimmte Tafel gedeckt, an deren Stirnseite ich zwischen dem Nisam und einer englischen Dame saß. Auch hier war das Fest mit orientalischer Pracht inszeniert worden, doch machte die große Zahl der Diener, die sich, die Schüsseln in den Händen, von der offenen Bühne stets lawinenartig in den Saal stürzten, einen Eindruck, welcher des komischen Beigeschmackes nicht entbehrte. Vergnügt saß der Hausherr auf seinem Platz und fröhlich lächelnd überblickte er, dabei einen phänomenalen Appetit entwickelnd, die Schar seiner Gäste. Eine aus Hindus zusammengesetzte Kapelle besorgte in ohrenzerreißender Weise die Tafelmusik.

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Tandur to Hyderabad, 24 January 1893

Today is my sister‘s wedding day! With feelings of innermost love I thought about her who is taking the most decisive step in her life, moving out of her parent’s home into a new one, in a new country. May this step lead her to a new, pure, clear good fortune! Heaven shall bless and guide her! The glittering and dazzling festivities in Hyderabad could not prevent my thoughts from flying away from the Nizam’s court towards home to be reunited in spirit with my loved ones when in a last embrace by the parents and the siblings the band of love to a daughter and sister is tied anew and stronger.

At the same time I wanted to justify my stay abroad on this day to myself, repeated all the reasons that made it impossible to start the journey only after the wedding. I am already looking forward — God willing — to meet my sister again in Stuttgart as the first family member on the way home.

Because of yesterday’s dispositions we set the time for departure from the hunting camp at half past 5 o’clock: In spite of this, it took a full hour before our coach with 13 passengers started to move. The faithful artillerymen drove over every stone within sight so that near to Tandur a spring of the coach broke and the rest of the journey had to be completed at walking speed. The vicar ul-Umra, a man who had won my heart by saying the we Austrians are very jovial people who know how to hunt and ride and thus to his liking, had ridden to Tandur in advance and was expecting us at the station where we took our special train to Hyderabad.

Truly strange are the rocky ridges and stone hills visible on the approach to Hyderabad. They consist of large round boulders which sit there motionless in piles of three or four one on top of the other. Often one can not understand how these lopsided interposed and seemingly hanging colossi can keep their balance. On the way into Hyderabad, the glance of the eye is caught first by a pond glittering in blue which supplies water to the whole city while palaces and mosques were taking a peek from between the trees.

On Hyderabad’s station platform stood, surrounded by dignitaries and adjutants brimming over in gold, the Nizam and the English resident Mr. Trevor C. Plowden. The Nizam, still the first in rank and power among the tributary princes of India, stood under British protectorate as the numerous British troops in the fortified camp of Secunderabad outside of the gates of Hyderabad showed. This kept any tendency of any selfish activities against England’s interests at bay. The ruler of Hyderabad carries the title Nizam ul-Mulk (marshal of the state) which had been awarded by Aurengzeb,  Grand-Mughal of Delhi (1658 to 1707), to one of the Nizam’s ancestors. The Nizam’s family is of Arab origin. He and the leaders of the kingdom are Muslims while the largest part of the rural population are Hindu. The Nizam is 28 years of age, of small and thin stature, carries a sparse black beard and long hair that reaches his shoulders. His complexion is yellowish, the small eyes sparkle smartly.

In contact with Europeans he is very guarded even really timid and very silent. Towards his own people, however, it is said that he could present himself quite energetically. He always wears European dress, most of the times he is in a black frock coat and the only native piece preserved in his costume is a turban-like cap made out of yellow cloth with a golden tassel. He never takes off this headdress, Similar to his preference for European dress he also seems to love European customs and has adopted them according to his own style even though he doesn’t like Europeans in general all too well, something one can not hold against him considering the experiences he had had.

Asman Dshah, first minister of the Nizam and at the same time his brother-in-law unites almost all portfolios in his hands; he is an intelligent man with a smart face and is important at court because he acts as an intermediary between on the one hand the English and the native government and on the other hand the Nizam and the local administration. Asman Dshah possesses impressive incomes as he has an annual income from his own land and property of 1,000.000 fl. in Austrian currency and draws also a salary of 230.000 fl. in Austrian currency. The minister owns in the city of Hyderabad and also in the country many luxurious palaces such as Bashir Bägh palace which served as our accommodation during our stay.

The worthies of the kingdom, Nawäbs or Nabobs, usually relatives of the Nisam, occupy the most important posts in the administration and are notable for their wealth, especially large land holdings. Some of them are always living in the city of Hyderabad and appear at the Nisam’s side on all court events. Nawäb means “representative” and has originally been the title of administrators in the empire of the Mughals, then the title of noblemen of lesser power as English vassals until finally the title of Nawäb oder Nabob became common for people in East India who had made a big fortune. Usually this title is given in Hindustan to any honorable man similar to “Eccellenza” in Italy.

After the introduction of the dignitaries and higher officers present and after the inspection of the honor guard, the Nizam, I and two adjutants entered into a yellow spring mounted carriage drawn by four gorgeous white horses in the Daumont manner.

In front of the railway station stood the English 21st Hussars regiment which escorted our carriage with two squadrons each in front and behind. This regiment made a very favorable impression. The uniform consists of a black Attila, black pants with rich laces, yellow for the soldiers and golden for the officers, as well as white helmets. The horses, all from Australian stock, are very tall compared to our service horses and beautiful and were in fine condition despite their having just completed a maneuver, A remount’s price is 720 fl. in Austrian currency.

From the station to our quarters, Bashir Bagh palace, soldiers stood on the sides of the road. They were from the mounted African life guard of the Nizam, two regiments of uhlans, three infantry regiments and the infantry brigade from Golkonda which consists of the Golkonda and Myseram regiments.

Bashir Bägh palace usually serves to accommodate guests as well as to hold great festivities  which the minister tends to organize annually. The building is rather big and located in the middle of a bare, unattractive garden and equipped with a small private mosque out of which the muezzin sends out his uniform song. The interior design of the palace is of European origin but not harmonious even put together like a conglomerate. Partly it is decorative equipment of the strangest kind: a glass billiard, tables covered with mechanical gadgets, color prints with fish and game motives of the kind one finds in our fairs and hunting lodges, Japanese rugs, a number of different objects made out of gold, silver and other metals, in between wax statues of Amor, colorful papers, numerous mirrors — all this creates an unsettled almost dizzying impression. The owner of the palace seems to be particularly fond of clocks as in every room the no fewer than ten clocks of different types struck the hour completely independent from each other, Bashir Bagh would not work well for rheumatic persons, as not a single window and not a single door could be closed fully, so that in the rather cold night, the draft became rather noticeable.

The Nizam accompanied me up to the parlor with a visibly awkward expression and seemed very relieved when I permitted him to shorten his visit and retire again. We now made ourselves comfortable in our rooms and prepared for the official visit of the Nizam whose appearance was announced for half past one o’clock, The visit proceeded according to a secret and highly detailed but naturally uncommon protocol.

Clam and Crawford drove at one o’clock to the Nizam’s residence to get the prince. When he arrived in the company of a galloping squadron of his life guards I stood expecting him in gala uniform with all its decorative stars next to the portal of Bashir Bagh near a rug as even this detail had been predetermined. After the Nizam and I had entered the palace we sat down on two throne-like chairs set side by side. At the right of the Nizam stood his entourage while to my left my entourage took its place so that it ended up with a half circle of people. I and Kinsky kept up the conversation in talking about our agreeable stay in Tandur, about Hyderabad and its army but never managing to get the Nisam to break his silence as he only uttered a few times “Yes”. After the conversation had died completely and the situation had become rather uncomfortable, the resident helped out by presenting the member of the entourage of both sides. Following his protocol, the Nizam presented “attar” and “pan” (rose water and betel nut leaves) out of a large cup which were given by a servant to the dignitaries. Then everybody stood up, the ceremony came to a end. Saluted by a gun battery which had fired its guns all day the Nisam returned to his own palace.

Two hours later I returned the visit of the Nizam at his residence, Tschaumahala palace. A four horse team of gorgeous foxes guided by an equerry fetched me. Two squadrons of English hussars and two squadrons of native Madras cavalry escorted the carriage through the district which we had seen already when we entered the city of Hyderabad and so we moved past the English resident’s fortress-like palace and over the river to the city of the natives. This area conserves the highly original character of the old Indian cities which must have existed for a very long time; narrow streets full of humans, small dirty one story buildings with numerous wooden ornaments, shops and bazaars. At the crossing of the four main streets enclosed at their end with tall stone gates stands a square building “Tschar Minar” with its famous four minarets. Everywhere there stood saluting guards and soldiers behind them the pushing crowd.

On a street enclosed by two high walls we finally reached the gate of the palace, a conglomerate of numerous but low buildings which had the appearance of a defensive place. At the entrance were posted many guards. At the foot of the main stairs I was received by the Nisam and the dignitaries of the kingdom in whose company we walked through a small winding corridor until we suddenly entered a gorgeous square courtyard. On two sides were two large reception halls or more precisely palaces with large pillars, with valuable furniture, mirrors and rugs while on the other two sides were luxurious guest chambers in front of which stood colonnades. He courtyard is decorated with a garden kept at a low height and a high placed pond extending for about 100 meters.

The Nizam’s palace enclosed by walls covers with its labyrinth of houses, pavilions and annexes, harems and parks an area of over 1000 hectares and takes up a quarter of the area of Hyderabad. The inhabitants of the palace are said to be 7000 persons according to a good source; there are more than 3500 ladies whom the Nizam has to support, among them almost 3000 wives and relatives of the previous Nizam while the rest of the female inhabitants oft he residence is composed of the women and slaves of the ruling Nizam as well as a corps of a hundred Amazons who serve as palace guard of the harem. These Amazons can not be seen by strangers but they are said to be extremely ugly according to an English lady who had met this elite guard. If the Nizam enters the Zenana, which the harem is called in all of India, the main guard of the Amazons will present arms and salutes. To my eternal disappointment, we could not take a glimpse of this spectacle.

In the large reception hall stood two throne chairs under a richly embroidered baldachin on which the Nizam and I took our seats. Then the protocol which we had experienced in Bashir Bagh was repeated with the difference that the official reception was even quieter as the Nizam did barely or not at all talk and that the betel nut leaves were offered to us in beautifully made silver vases of which I asked to keep one as a souvenir.

After the gala we had changed into comfortable civilian dress and a picture of us was taken by the Nizam’s own photographer. Then a elephant ride through the city was on the program. We thus mounted with our entourage a number of elephants that were all decorated with rich yellow silk blankets, the favorite color of the Nizam. This ride will forever live in my memory. It offered the most colorful and moving picture one’s rich fantasy could imagine of piece of ancient Indian life still untouched by civilization, an expression of archaic pleasure for luxurious exhibitions and parades. From my considerable height of my court elephant I could observe it from almost a bird eye’s perspective: In the long streets that led from the palace through the city stood head to head a huge compact crowd which was pushed back step by step by policemen who beat the men without mercy. The numerous turbans and the gaudy colors of the native costumes, mostly red, yellow and white, created a picturesque scene.

The ride was led by the irregular African life guards oft he Nizam which sang without interruption and performed wild war dances and wielded its weapons. It seems customary for both the Nizam as well as all higher Nawabs to have African life guards, a rabble composed out of numerous different African tribes, namely Somalis, whose rowdiness caused much rampage and many fights in Hyderabad. One could detect many thieves and devils among this life guard whose members did not wear uniforms but their own clothes and also carried their own weapons, mostly long East-African or Arabian rifles inset with decorations. They carry broad waist-belts with the various different powder horns, pistols and knives.

Just in front of the elephants marched the uniformed life guards and rode the adjutants in their local costume. This advance guard kept up the public order while some squadrons of cavalry made up the rear. Without interruption and despite the daytime hour, rockets were sent up into the air, without stop, the batteries on the surrounding hills thundered out their salutes. All windows and all roofs were full with curious people. Even from the women’s quarters curious faces looked out. Finally our parade, a colorful Tohuwabohu, arrived at the end of the capital: The life guards in front of us forced the people into the side streets and I and the Nisam descended from the Hâuda.

Accompanied by the 21st Hussar regiment which was expecting me here, I returned to Bashir Bagh.

Unfortunately Kinsky had another fever attack and could not attend the Nizam’s gala dinner that was set for 8 o’clock. When we approached the palace, the walls that surround it and the park were shining, especially the entrance portal was illuminated by lights in a star formation. I believed to have been transported into the splendor of an Indian fairy tale world when I entered the courtyard illuminated by 40.000 lights, bright as daylight; every step, every cornice, every pillar, every tree, every bush carried an attached firefly, hundreds of lamps. In between were installed large bows with lights tightly set. In a marble pond swam  bright sparks as if it mirrored the stars, a sea of red, green, blue and white lights which combined themselves into an enchanting symphony of light effects.

In the inner large reception hall the Nizam and I were expected by the guests among them also many English ladies. After a short circle, every one of us offered our arm to one of the ladies and we marched into the dining room. With great astonishment I noticed that we came to another reception hall in the second courtyard which was as large as the first one and, if this possible, even more brightly illuminated, aflame, seemingly glowing in colorful fire. Onto the gravel paths were laid rugs and we marched into the dining room behind an escort of adjutants. The dining room is open to one side with a view on the fairy tale like radiance of the illuminated courtyard. 85 persons participated in the parade dinner.

A strange view, those many local dignitaries in sumptuous golden dresses beside our and the British uniforms and the dresses of the English ladies as well as the costumes of the native officers. The table was truly opulently decorated with gorgeous golden trappings, colorful flowers and huge candy boxes.

A regimental band of the Nizam’s regular troops provided the music to the dinner which did not match the surrounding opulence at all. I had made the observation that European music is rather neglected at Indian feasts as most Indians seem to have little understanding of it but display a preference for false clarinet and flute cants. Furthermore, a feeling for rhythm was missing, at least a few of our music goblins were in advance of their colleagues by a number of bars without seeming to be bothered in their mind about this at all.

During the outstanding dinner enriched by much wine I toasted to the health of the Queen of England which was answered by the Nizam’s toast to Her Majesty the Emperor and to my own health answered in turn by my toast to our host. Every toast was accompanied by the respective anthems but our glorious “Gott erhalte” was barely recognizable. I felt pity and compassion for my neighbor, the Nizam. The requirement of toasting seemed not to be pleasant for him. Just after the soup, he took a long paper with his text out of his dress and memorized it with trembling hands during the whole dinner. With my own rather tiny predilection for the custom of toasting, the fear and discomfort of my neighbor provided some relief as I now had a fellow-sufferer who experienced even greater pain, if this was possible, for this thing.

At the end of the dinner every guest was served cake and when we cut it open, a flock of tiny colorful birds emerged which soon spread themselves out all over the hall — an oriental joke appreciated especially by the English ladies. The black dress the Nizam had on for the dinner had tremendously large diamonds in place of buttons which made me express my admiration of it to the Nizam who smiled back nicely.

Cigarettes and coffee were served at court where we had settled on divans in gold and silver. Then a colossal firework with three fronts was started from the roof of the opposite building. The volleys of rockets, missiles, suns and parachutes went up into the sky. Large burning ships with their rigging aflame appeared and at the end the whole front was illuminated in the most colorful light with the text: “Welcome to His Imperial and Royal Highness the Archduke Francis Ferdinand of Austria-Este”.

This concluded the oriental wizard feast. With many words of thanks I recommended myself to the Nizam and returned with my African guard to my palace.

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  • Location: Hyderabad, India
  • ANNO – on 24.01.1893 in Austria’s newspapers, The newspapers are filled with information about all aspects of Franz Ferdinand’s sister Margarete Sophie‘s marriage to Duke Albrecht von Württemberg. Up to the marriage, Margarete Sophie had served as an abbess. She died early at 32 after giving birth to seven children. Her husband never remarried and later served ably as a commander on the Western front in the First World War.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is performing two comedies “Fräulein Frau” and “Der sechste Sinn”, while the k.u.k Hof-Operntheater has Wagner’s “Die Walküre” on the agenda but performed Verdi’s “Aida” due to another indisposition.

Von Tandur nach Haidarabad, 24. Jänner 1893

Der Tag der Vermählung meiner Schwester! Mit den Gefühlen der innigsten Liebe dachte ich ihrer, die heute den entscheidendsten Schritt im Leben, jenen aus dem elterlichen Haus in ein neues Heim, in eine neue Heimat tut. Möge dieser Schritt sie auch einem neuen, reinen, ungetrübten Glück entgegenführen! Der Himmel segne und geleite sie! Die rauschenden und blendenden Festlichkeiten in Haidarabad vermochten meine Gedanken nicht zu hindern, vom Hof des Nisams weg in die Heimat zu fliegen, um so mit den Meinen im Geist vereint zu sein, wenn in der letzten Umarmung der Eltern und der Geschwister die Bande der Liebe zu der Tochter und Schwester sich aufs neue und fester verknüpfen.

Gleichsam als wollte ich mein Verweilen in der Fremde gerade an diesem Tag vor mir selbst rechtfertigen, wiederholte ich mir alle die Gründe, welche es unmöglich gemacht hatten, die Reise erst nach dem Vermählungstage anzutreten. Ich freute mich heute schon, — so Gott will — meine Schwester als die erste all der Meinen auf dem Heimweg in Stuttgart wiederzusehen.

Infolge der gestrigen Dispositionen waren wir um halb 6 Uhr morgens zum Aufbruch vom Jagdlager gestellt; dessenungeachtet dauerte es eine volle Stunde, bevor sich unsere mit 13 Personen vollgefüllte Coach in Bewegung setzte. Die braven Artilleristen fuhren über jeden in der Gegend wahrnehmbaren Stein, so dass knapp vor Tandur eine Feder am Wagen brach und der Rest der Fahrt im Schritt zurückgelegt werden musste. Der Vicar ul-Umra, ein Mann, der mein Herz dadurch gewonnen hatte, dass er uns versicherte, wir Österreicher seien sehr gemütliche Leute, die gut zu jagen und zu reiten verständen und ihm daher sehr gut gefielen, war vorausgeritten und wartete bereits auf dem Bahnhof in Tandur, von wo aus uns der Extrazug nach Haidarabad brachte.

Höchst eigentümlich gestaltet sind die Felspartien und die Steinhügel, welche vor der Einfahrt nach Haidarabad sichtbar werden. Dieselben bestehen aus großen, runden Granitblöcken, welche regellos geschichtet und häufig zu dreien und vieren aufeinandergetürmt sind. Oft ist es kaum begreiflich, wie die ganz schief übereinandergestellten und scheinbar hängenden Kolosse sich in solcher Lage im Gleichgewichte erhalten können. Bei der Einfahrt nach Haidarabad fällt der Blick zunächst auf einen blau schimmernden Teich, welcher die ganze Stadt mit Wasser versorgt, während weiterhin zwischen Bäumen versteckte Paläste und Moscheen hervorlugen.

Auf dem Perron des Bahnhofes von Haidarabad standen, umgeben von goldstrotzenden Würdenträgern und Adjutanten, der Nisam und der englische Resident, Mr. Trevor C. Plowden. Der Nisam, seiner Macht und seinem Range nach noch immer der erste unter den Vasallenfürsten Indiens, steht, wie schon die zahlreiche britische Besatzung in dem vor den Toren Haidarabads angelegten, befestigten Lager von Sikandarabad (Secunderabad) beweist, tatsächlich unter britischem Protektorat, welches jede selbständige, gegen England gerichtete Regung im Zaum zu halten weiß. Der Beherrscher Haidarabads führt den Titel Nisam ul-Mulk (Ordner des Staates), welchen Aurengzeb, der Großmogul von Dehli (1658 bis 1707), einem der Vorgänger des Nisams verliehen hat. Die Familie des Nisams ist arabischen Ursprungs. Der Nisam und die Großen des Reiches bekennen sich zur mohammedanischen Religion, während der größte Teil der Landbevölkerung aus Hindus besteht. Der Nisam ist 28 Jahre alt, von kleiner und hagerer Gestalt, trägt schwarzen, spärlichen Vollbart und lange, zur Schulter reichende Haare; sein Teint ist gelblich, die kleinen Augen blicken klug.

Im Verkehr mit Europäern ist er zurückhaltend, ja geradezu schüchtern und äußerst schweigsam, gegen seine Landeskinder soll er jedoch recht energisch aufzutreten im Stand sein. Er kleidet sich stets europäisch; zumeist trägt er einen schwarzen Gehrock, und das einzige, was der Nisam von seinem heimatlichen Kostüm bewahrt hat, ist eine turbanartige Mütze aus gelbem Zeug mit goldener Quaste; diese Kopfbedeckung legt er nie ab. Gleich der europäischen Tracht scheint der Nisam auch europäische Sitten zu lieben und nach seiner Weise angenommen zu haben, obwohl er im allgemeinen Europäern nicht sehr hold gesinnt ist, was ihm bei den Erfahrungen, die er gemacht, wohl nicht verübelt werden kann.

Asman Dschah, der erste Minister des Nisams, zugleich dessen Schwager, vereinigt fast alle Ressorts in seiner Hand; er ist ein Mann mit intelligentem, schlauem Gesichtsausdruck und nimmt eine wichtige Stellung ein, weil er als Vermittler einerseits zwischen der englischen und der einheimischen Regierung, andererseits zwischen dem Nisam und der Landesverwaltung fungiert. Asman Dschah verfügt über bedeutende Einkünfte, da er von seinem Hab und Gut ein Jahreseinkommen von 1,000.000 fl. ö. W. und nebstbei jährlich einen Gehalt von 230.000 fl. ö. W. bezieht. Der Minister besitzt in der Stadt Haidarabad und auch im Lande selbst verschwenderisch eingerichtete Paläste, so auch den Palast Baschir Bägh, welcher uns als Absteigequartier dient.

Die Großen des Reiches, Nawäbs oder Nabobs, zumeist Verwandte des Nisams, haben die hervorragendsten Stellen der Administration in Händen und zeichnen sich durch Reichtum, insbesondere durch großen Grundbesitz aus; einige derselben wohnen stets in der Stadt Haidarabad und erscheinen in Gesellschaft des Nisams bei allen Hoffesten. Nawäb bedeutet »Abgeordneter« und ist ursprünglich der Titel der Administratoren im Reich der Großmoguln, später jener von Großen geringerer Macht, englischer Vasallen gewesen, bis schließlich der Titel Nawäb oder Nabob für Männer gebräuchlich geworden ist, die in Ostindien irgendwie zu großem Reichtum gelangt sind. Meist wird in Hindustan dieser Titel, wie in Italien die »Eccellenza«, jedem angesehenen Mann zugestanden.

Nach Vorstellung der erschienenen Würdenträger und mehrerer höherer Offiziere, sowie nach Abschreitung der Ehrenkompanie, bestiegen der Nisam und ich mit zwei Adjutanten einen gelb ausgeschlagenen, auf weichen Federn ruhenden Galawagen, der von vier prächtigen à la Daumont eingespannten Schimmeln gezogen wurde.

Vor dem Bahnhof stand das englische 21. Husarenregiment, welches uns mit je zwei Escadronen vor dem Wagen und hinter demselben eskortierte. Dieses Regiment macht einen ausnehmend guten Eindruck. Die Uniform besteht aus schwarzem Attila, schwarzen Hosen mit reicher, bei der Mannschaft gelber, bei den Offizieren goldener Verschnürung und weißem Helm. Die Pferde, durchwegs australischer Zucht, sind im Verhältnisse zu unseren Dienstpferden sehr groß und schön und befinden sich, trotz der eben erst beendeten Manöver in guter Condition. Der Ankaufspreis der Remonte beträgt 720 fl. ö. \V.

Vom Bahnhof an bis zu unserem Quartiere, dem Palais Baschir Bagh, hin standen Truppen Spalier, und zwar die berittene afrikanische Leibwache des Nisams, 2 Uhlanenregimenter, 3 Infanterieregimenter und die Golkondaer Infanteriebrigade, bestehend aus dem Golkondaer und dem Myseram-Regimente.

Baschir Bägh dient in der Regel zur Aufnahme von Gästen, sowie zur Abhaltung größerer Festlichkeiten, welche der Minister alljährlich zu geben pflegt. Das Gebäude ist ziemlich groß, mitten in einem kahlen, unschönen Garten gelegen und mit einer kleinen Privat-Moschee ausgestattet, von der aus der Muezzin seinen einförmigen Gesang ertönen lässt. Die innere Einrichtung des Palais ist europäischen Ursprunges, aber unharmonisch, ja geradezu konglomeratartig zusammengestellt und besteht zum Teil aus Dekorationsgegenständen absonderlicher Art: ein gläsernes Billard; Tische, bedeckt mit mechanischen Spielereien; Fische und Wild darstellende Farbendruckbilder, wie man sie bei uns etwa auf Jahrmärkten und in Försterhäusern findet; japanische Decken; eine Anzahl von Gegenständen mannigfaltigster Art aus Gold, Silber und anderen Metallen; dazwischen Amorstatuen aus Wachs; bunte Papiere; verschiedenartige Spiegel — alles dieses vereint bringt einen unruhigen, fast schwindelerregenden Eindruck hervor. Der Besitzer des Hauses scheint ein besonderer Freund von Uhren zu sein; denn in jedem Zimmer schlugen wenigstens zehn Pendulen, Stutzuhren u. dgl. m. in völliger Unabhängigkeit von einander die Stunden. Auf einen zu Rheumatismen neigenden Gast dürfte Baschir Bagh keine besonders angenehme Wirkung hervorbringen; denn kein einziges Fenster, keine einzige Türe schloss, so dass uns in den kühlen Nächten die Zugluft recht empfindlich wurde.

Der Nisam geleitete mich unter ersichtlicher Äußerung großer Verlegenheit bis in den Salon des Palais und schien sich erleichtert zu fühlen, als ich ihm ermöglichte, seinen Besuch abzukürzen und sich bald wieder zurückzuziehen. Wir richteten uns nun in unseren Gemächern häuslich ein und bereiteten uns auf die offizielle Visite des Nisams vor, dessen Erscheinen für halb 2 Uhr angesagt war. Dieser Besuch vollzog sich nach einem, in allen Details streng geregelten, mir begreiflicherweise ungewohnten Zeremoniell.

Clam und Crawford waren um 1 Uhr in die Residenz des Nisams gefahren, um den Fürsten abzuholen. Als dieser, von einer galoppierenden Escadron seiner Leibwache eskortiert, angefahren kam, erwartete ich ihn in Galauniform und in Ordenssternen erstrahlend nächst der Pforte von Baschir Bägh, am Rand eines Teppiches; denn auch dieser Punkt war genau bestimmt. Nachdem der Nisam und ich in das Palais eingetreten waren, ließen wir uns auf zwei thronartigen, nebeneinander stehenden Stühlen nieder. Zur Rechten des Nisams nahm sein Gefolge, zu meiner Linken meine Suite Platz, so dass wir auf diese Weise im Halbkreise umgeben waren. Ich und Kinsky bestritten die Kosten der Unterhaltung, indem wir dem Nisam von dem angenehmen Aufenthalt in Tandur, von Haidarabad und von seiner Armee sprachen, leider ohne den Fürsten dazu bestimmen zu können, seine unerschütterliche Schweigsamkeit aufzugeben, da er sich nur auf wenige “Yes” beschränkte. Nachdem schließlich eine völlige Stockung in der Konversation und damit eine etwas befremdliche Situation eingetreten war, begann der Resident, aus der Verlegenheit helfend, programmäßig mit der wechselseitigen Vorstellung des Gefolges und der Suite. Dem Zeremoniell entsprechend, überreichte ich dem Nisam auf einer großen Tasse “attar” und “pan”, Rosenwasser und Betelblätter, worauf einer der Funktionäre dieselben Ingredienzen an die hervorragendsten Persönlichkeiten der Versammlung verteilte. Sobald dies geschehen war, erhob sich alles; die Feierlichkeit war zu Ende. Unter dem Donner einer Batterie, die schon den ganzen Tag über Freudenschüsse abgefeuert hatte, kehrte der Nisam in seine Residenz zurück.

Zwei Stunden später erwiderte ich den Besuch des Nisams in dessen Residenz, dem Palais Tschaumahala. Ein Viergespann prächtiger Füchse, von einem Stallmeister gelenkt, holte mich ab; zwei Escadronen englischer Husaren und zwei Escadronen eingeborener Madras-Kavallerie eskortierten den Wagen durch das Viertel, das wir beim Einzug in Haidarabad bereits gesehen hatten, und so gelangten wir bei dem festungsartig umschlossenen Palaste des britischen Residenten vorbei, über den Fluss in die eigentliche Stadt der Eingeborenen. Diese trägt völlig den höchst originellen Charakter der alten indischen Städte an sich, den sie schon uranfänglich gehabt haben mag: enge, von Menschen wimmelnde Straßen, kleine, schmutzige, einstöckige Häuser mit vielfachen Holzverzierungen, Kaufläden und Bazars. An dem Kreuzungspunkt der vier an ihrem äußeren Ende durch hohe Steintore abgeschlossenen Hauptstraßen erhebt sich ein viereckiges Gebäude »Tschar Minar« mit seinen berühmten vier Minarets, in welchem sich auch die Polizeistation befindet. Überall waren salutierende Wachen und Truppen aufgestellt, hinter welchen sich die neugierige, lärmende Menge drängte.

Auf einer von zwei hohen Mauern eingeschlossenen Straße gelangten wir endlich zum Tor des Palastes, eines Konglomerates umfangreicher, aber niedriger Gebäude, welche das Gepräge eines Defensivplatzes an sich tragen. Vor dem Eingang waren mehrere Gardisten postiert; an dem Fuß der Haupttreppe empfingen mich der Nisam und die Würdenträger des Reiches, in deren Geleit wir einen schmalen, gewundenen Korridor durchschritten, um uns sodann plötzlich in einem prächtigen Hof von quadratischer Form zu befinden. An zwei Seiten des Hofes liegen große, mit Säulen versehene Empfangshallen oder vielmehr besondere Paläste, mit kostbaren Möbeln, Spiegeln und Teppichen versehen, während an den beiden anderen Seiten des Hofes für Gäste bestimmte Prunkgemächer angeordnet sind, vor deren Pforten sich Kolonnaden hinziehen. Der Hof ist mit niedrig gehaltenen Gartenanlagen und einem hoch liegenden, ungefähr 100 m langen Wasserbecken geschmückt.

Der rings von einer Mauer umgebene Palast des Nisams bedeckt mit seinen Häuserlabyrinthen, Pavillons, Nebengebäuden, Harems und Parks einen Raum von über 1000 ha und nimmt ein Viertel der gesamten Stadt Haidarabad ein. Die Bewohnerzahl des Palastes soll nach ziemlich sicherer Quelle 7000 Personen betragen; sind ja doch hier allein 3500 Damen, welche der Nisam erhalten muss, vorhanden, und unter diesen nahezu 3000 Frauen und Verwandte der vormaligen Nisams, während der Rest der weiblichen Einwohnerschaft der Residenz durch die Frauen und Sklavinnen des regierenden Nisams, sowie durch ein Korps von einigen hundert Amazonen, die als Palastwache für den Harem fungieren, gebildet wird. Diese Amazonen sind für das Auge fremder Männer nicht sichtbar; sie sollen sich aber, wie uns eine englische Dame versicherte, welche die Bekanntschaft dieses Elitekorps gemacht hatte, durch besonders abstoßende Hässlichkeit auszeichnen. Begibt sich der Nisam in das Zenana, wie der Harem in ganz Indien heißt, so tritt die Hauptwache der Amazonen ins Gewehr und leistet die Ehrenbezeigung. Ewig schade, dass uns dieser Anblick versagt geblieben!

In der großen Empfangshalle waren unter einem reich gestickten Baldachin zwei Thronsessel postiert, auf denen wir, der Nisam und ich, uns niederließen, worauf sich die Visite unter demselben Zeremoniell vollzog wie jene, welche der Nisam mir in Baschir Bägh gemacht hatte; jedoch mit dem Unterschied, dass die Staatsvisite diesmal noch stiller verlief als zuvor, da der Nisam nun noch weniger oder eigentlich gar nichts sprach, und dass uns die Betelblätter in sehr schön gearbeiteten, silbernen Gefäßen geboten wurden, deren eines ich mir zum Andenken erbat.

Nachdem wir unsere Gala mit bequemen Zivilkleidern vertauscht hatten und durch den Leibphotographen des Nisams ein Bild von uns aufgenommen worden war, sollte ein Ritt auf Elephanten durch die Stadt unternommen werden. Wir bestiegen mit unseren Suiten eine ganze Schar von Elephanten, die alle auf das reichste mit Seidendecken von gelber Farbe, der Lieblingsfarbe des Nisams, geschmückt waren. Dieser Zug wird mir unvergesslich bleiben. Er bot das bunteste und bewegteste Bild, welches sich eine üppige Phantasie ausmalen kann, ein von der Kultur noch unberührtes Stück altindischen Lebens, eine Betätigung urwüchsigen Vergnügens an prunkhaften Schaustellungen und Aufzügen. Von der beträchtlichen Höhe meines Hofelephanten konnte ich aus einer Art Vogelperspektive meine Beobachtungen anstellen: in der langen Straße, die vom Palast in die Stadt führt, wimmelte, Kopf an Kopf, eine dichtgedrängte Menge, welche durch rücksichtslos dreinschlagende Polizisten Schritt für Schritt vorwärts geschoben wurde; die zahllosen Turbans und die in grellen Farben, vorwiegend rot, gelb und weiß gehaltene Kleidung der Eingeborenen wirkten überaus malerisch.

Den Zug eröffnete die irreguläre afrikanische Leibwache des Nisams, die ununterbrochen vor uns sang, wilde Kriegstänze aufführte und die Waffen schwang. Es ist sowohl beim Nisam als bei allen größeren Nawäbs des Reiches Sitte, sich eine afrikanische Leibwache zu halten, ein aus Angehörigen aller möglichen afrikanischen Stämme, namentlich aus Somalis, bestehendes, zusammengelaufenes Gesindel, das bei seiner steten Rauflust Grund zu häufigen Straßenaufläufen und Kämpfen in Haidarabad gibt. Man konnte wahre Räuberfiguren und Galgengesichter unter dieser Leibwache wahrnehmen, deren Mitglieder nicht uniformiert sind, sondern beliebige Kleidung und ausschließlich ihre eigenen Waffen, meist lange mit allerlei Zierat beschlagene, ostafrikanische oder arabische Gewehre und breite Gürtel tragen, in welchen die verschiedenartigsten Pulverhörner, Pistolen und Messer stecken.

Unmittelbar vor den Elephanten marschierten uniformierte Leibwachen und ritten die Adjutanten in Nationaltracht; diese Vorhut hielt die Ordnung aufrecht, während mehrere Escadronen Kavallerie den Zug schlossen. Unausgesetzt stiegen, wiewohl es hellichter Tag war, Raketen zum Himmel empor, ununterbrochen donnerten von den umliegenden Höhen die Batterien ihre Grüße herab. Sämtliche Fenster und auch alle Dächer der Häuser waren von Neugierigen besetzt: selbst aus den Frauengemächern lugte manch neugieriges Gesicht heraus. Endlich war der Zug— ein farbenprächtiges Tohuwabohu — am Ende der Hauptstadt angelangt; das vor uns befindliche Volk wurde durch die Leibwache in Nebengassen gedrängt, und ich verließ mit dem Nisam die Häuda.

Begleitet vom 21. Husarenregimente, das mich hier erwartet hatte, kehrte ich nach Baschir Bägh zurück.

Leider hatte Kinsky wieder einen Fieberanfall, so dass er mich nun zu dem folgenden Gala-Diner beim Nisam, welches für 8 Uhr angesagt war, nicht begleiten konnte. Als wir uns dem Palast näherten, erstrahlten die Mauern, welche den Palast und den Park umgaben, und vor allem das Eingangstor im Licht sternförmig angeordneter Lämpchen. In die Pracht der indischen Märchenwelt glaubte ich mich versetzt, als ich den großen Hof betrat, der von 40.000 Lichtern taghell beleuchtet war; jede Stufe, jedes Gesimse, jede Säule, jeder Baum, jeder Strauch trug, als hafteten Glühwürmchen daran, Hunderte von Lämpchen; dazwischen waren große, mit Lichtern dicht besetzte Bögen gespannt; in dem Marmorbassin schwammen, als spiegelten sich die Sterne in ihm, leuchtende Funken — ein Meer von roten, grünen, blauen und weißen Lichtern, die sich in zauberhafter Kombination zu einer wahren Symphonie von Lichteffekten vereinigten.

In der inneren, großen Empfangshalle wurden der Nisam und ich von den Gästen, unter denen auch viele englische Damen zu sehen waren, erwartet. Nach kurzem Cercle gab jeder von uns einer der Damen den Arm und wir schritten in den Speisesaal. Wie groß war mein Erstaunen, als wir aus der Empfangshalle in einen zweiten Hof gelangten, der ebenso groß als der erste und, wenn möglich, noch herrlicher illuminiert, in Flammen getaucht war, ja von buntem Feuer zu glühen schien. Auf den Kieswegen waren Teppiche aufgelegt und unter Vorantritt einer Eskorte von Adjutanten schritten wir in den Speisesaal, der auf einer Seite offen, die Aussicht auf den feenhaften Glanz des beleuchteten Hofes bot. 85 Personen nahmen an dem Paradediner teil.

Ein seltsames Bild, die vielen in Gold strotzenden Prachtgewänder der einheimischen Würdenträger neben unseren und den britischen Uniformen, neben den Toiletten der englischen Damen und der Tracht der einheimischen Offiziere. Die Tafel war mit prachtvollen Goldaufsätzen, bunten Blumen und riesigen Bonbonnieren wahrhaft verschwenderisch ausgestattet.

Eine Regimentskapelle der regulären Truppen des Nisams besorgte die Tafelmusik, die leider mit der gediegenen Pracht, welche uns allerseits umgab, nicht in Harmonie stand. Ich habe bisher den Eindruck gewonnen, dass bei den Festen in Indien überhaupt die europäische Musik eine stiefmütterliche Behandlung genießt; denn die Inder scheinen für dieselbe geringes Verständnis, dafür aber Vorliebe für falsches Klarinett- und Flötengewinsel zu besitzen. Außerdem fehlt es entschieden an rhythmischem Gefühl, wenigstens waren einige der vor uns konzertierenden Musikkobolde ihren Genossen stets um mehrere Takte voraus, ohne sich hiedurch in ihrer Seelenruhe auch nur im geringsten stören zu lassen.

Im Verlauf des vortrefflichen und durch Weine reich gewürzten Diners brachte ich einen Toast auf die Gesundheit der Königin von England aus, welchem der Nisam einen Toast auf Seine Majestät den Kaiser und sodann einen Trinkspruch auf mein Wohl folgen ließ, den ich mit einem solchen auf den Gastgeber beantwortete. Jeder der Toaste wurde von den entsprechenden Hymnen begleitet; doch war unser herrliches “Gott erhalte” kaum zu erkennen. Aufrichtiges Mitleid empfand ich mit meinem Nachbar, dem Nisam; denn die Notwendigkeit toastieren zu müssen, schien ihm schrecklich bitter zu sein. Gleich nach der Suppe zog er aus seinem Rock ein langes Papier, auf welchem die Reden aufgeschrieben waren; das Blatt in den zitternden Händen haltend, memorierte der Nisam während des ganzen Diners. Bei meiner keineswegs großen Vorliebe für die Sitte des Toastierens gab mir die Seelenangst und Pein meines Nachbars einen gewissen Rückhalt, da ich nun an dem Nisam einen Leidensgenossen hatte, dem die Sache, wenn möglich, noch unangenehmer war als mir.

Zu Ende des Diners wurden jedem Gaste Kuchen serviert, und als wir dieselben aufschnitten, flog eine Menge kleiner, bunter Vogel hervor, die sich alsbald im Saal verteilten — ein orientalischer Scherz, der besonders bei den englischen Damen viel Wohlgefallen erregte.
Der schwarze Rock, welchen der Nisam zum Diner angelegt hatte. trug anstatt der Knöpfe geradezu fabelhaft große Diamanten, welche mich veranlassten, dem Nisam während des Diners meine Bewunderung solchen Schmuckes auszusprechen, worüber jener sichtlich vergnügt lächelte.

Zigarren und Kaffee wurden im Hof serviert, wo wir uns auf Divans, die in goldenem und silbernem Zierate prangten, niedergelassen hatten. Alsbald wurde von dem Dach des gegenüberliegenden Hauses ein kolossales Feuerwerk mit drei Fronten abgebrannt, dessen Garben von Raketen, Schwärmern, Sonnen und Fallschirmen zum dunklen Himmel emporstiegen. Große feurige Schiffe mit voller Takelage erschienen und zum Schluss erstrahlte die ganze Front in den buntesten Lichtern mit der Aufschrift: “Welcome to His Imperial and Royal Highness the Archduke Francis Ferdinand of Austria-Este.”

Hiemit hatte das orientalische Zauberfest sein Ende erreicht. Mit vielen Worten des Dankes empfahl ich mich vom Nisam und kehrte, diesmal mit afrikanischer Eskorte, in mein Palais zurück.

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  • Ort: Hyderabad, Indien
  • ANNO – am 24.01.1893 in Österreichs Presse, Die Blätter sind natürlich voll mit Informationen über die Hochzeit von Franz Ferdinands Schwester Margarete Sophie mit Herzog Albrecht von Württemberg. Bis zur Hochzeit war die Erzherzogin Äbtissin! Sie starb früh mit 32, nachdem sie sieben Kinder geboren hatte. Ihr Gatte sollte nicht wieder heiraten. Er diente im Ersten Weltkrieg als General und kommandierte erfolgreich den Südabschnitt der Westfront bis zur Schweizer Grenze.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt die zwei Lustspiele  “Fräulein Frau” und “Der sechste Sinn”, während das k.u.k Hof-Operntheater Wagners “Die Walküre” schmettern wollte doch beim Triumphzug von Verdis “Aida” endete wegen einer erneuten Unpässlichkeit.