Sydney, 26. Mai 1893

Um 2 Uhr morgens dampften wir von Moss Vale ab und Sydney zu. Trotz der empfindlichen Kälte und der schlechten Lagerstätte schlief ich wunderbar. Hatten wir doch den Vortag redlich ausgenützt, indem wir ohne Unterbrechung von 6 Uhr früh bis Mitternacht auf den Beinen waren.

An Bord fand ich bereits alle Hände emsig beschäftigt, um unser Schiff auf das glänzendste für den nachmittags stattfindenden Ball zu schmücken, wobei Offiziere und Mannschaft wetteiferten. Auf Deck waren Zelte aufgeschlagen, elektrische Beleuchtungseffekte vorbereitet: Blumen, Pflanzen, Flaggen und Teppiche lagen bereit, um allenthalben dekorative Verwendung zu finden. So weit das mit diesen Vorbereitungen verbundene lärmende Getriebe gestattete, versuchte ich, noch kurze Zeit zu schlafen, und fuhr dann gegen 10 Uhr ans Land, wo mich der liebenswürdige Unterrichtsminister erwartete, um mir die Vornahme der Schafschur mittels Maschinen demonstrieren zu lassen. Obgleich die Saison für diese Prozedur noch nicht gekommen war, hatte eine der großen Wollfirmen ihre Maschinen doch zu dem Zweck in Betrieb gesetzt, um mir Einblick in das Verfahren zu gewähren — ein Beweis mehr für das freundliche Entgegenkommen, dessen wir uns allerorten in Neu-Süd-Wales zu erfreuen hatten.
Die Schafscheren, ähnlich konstruiert wie unsere Pferdescheren, werden mittels Dampfkraft in Bewegung gesetzt und arbeiten ungemein rasch, ohne das Tier auch nur im geringsten verletzen zu können, was ja bei der Handschur so häufig vorkommt; überdies wird die Wolle sehr glatt und bis auf das letzte Atom abgeschoren. Ein Mann vermag regelmäßig in einem Tag 120 bis 150 Stück zu scheren, die höchste Leistung aber, welche ein sehr geschickter und flinker Arbeiter erzielen kann, besteht in der Schur von 200 Schafen. Ich versuchte es selbst, einen Widder zu scheren und konnte mich auf diese Weise persönlich überzeugen, dass die Maschine leicht zu handhaben ist und vortrefflich arbeitet. Mein Beispiel hatte bald bei meinen Herren sowie bei anderen Zusehern Nachahmung gefunden, und mag die elegant gekleidete, der Schafschur emsig obliegende Gesellschaft einen nicht wenig komischen Anblick geboten haben. In den großen, vielstöckigen Lagerhäusern, welche wir durcheilten, werden viele Tausende von Wollballen, ein enormes Kapital repräsentierend, vor der Einschiffung aufgestapelt.

Von hier geleitete mich der Minister nach einer großen Wiese in einem der öffentlichen Gärten, wo mir das Boomerang- und Speerewerfen der Eingeborenen produziert werden sollte. Ein Schwarzer aus Westaustralien, von wahrhaft scheußlichem Aussehen, zeigte sich daselbst in der Kunst seiner Landsleute, indem er sichelartige, aus Eisen und Holz verfertigte Boomerangs in verschiedenartigster Weise, aber stets so warf, dass sie zu ihm zurückkehrten. Bald stiegen diese Geschosse, fortwährend rotierend, kerzengerade in die Luft, beschrieben dann einen Kreis oder eine Ellipse und fielen zu Füßen des Werfers nieder; bald flogen sie sausend eine Strecke weit nur meterhoch über dem Boden dahin, um plötzlich hoch empor zu steigen u. dgl. mehr. Endlich schleuderte der australische Diskuswerfer zwei Boomerangs gleichzeitig in entgegengesetzter Richtung so, dass sie, zu ihm zurückkehrend, in ihren Flugbahnen sich kreuzten. Ein richtig geschleuderter Boomerang ist ein gefährliches Projektil, weil dasselbe vermöge seiner enormen Fluggeschwindigkeit einen Menschen zu töten vermag. Das Werfen von Speeren auf weite Distanzen mit der primitiven Holzschleuder war nicht weniger interessant; selbst noch auf die Entfernung von 200 Schritten war der Schütze seines Wurfes ziemlich sicher.

The signatures of Franz Ferdinand and his gentlemen Wurmbrand, Pronay, Clam-Martinic in the visitor's book of the Art Gallery of New South Wales in Sydney, Australia. Courtesy of the museum.

Die Unterschriften Franz Ferdinands und seiner Herren Wurmbrand, Pronay, Clam-Martinic im Gästebuch der Art Gallery of New South Wales in Sydney, Australia. Courtesy of the museum.

Ein Gegenstand besonderen Stolzes für Sydney ist die Bildergalerie, mit deren Anlegung erst vor wenigen Jahren begonnen wurde, und ich entsprach daher gerne dem Wunsche der Stadt, dieselbe zu besuchen. Da bei der Erwerbung von Kunstwerken aus aller Herren Ländern weder Mühe noch Kosten gescheut wurden, enthält die Galerie schon jetzt eine große Anzahl mitunter sehr beachtenswerter Bilder.

Ich fand hier manches Werk, das mir schon von den Ausstellungen im Wiener Künstlerhaus her bekannt war. Besonders in die Augen springend war ein imposantes Schlachtenbild von Detaille, eine Kavallerie-Attacke französischer Husaren aus dem Jahre 1809 [richtig ist 1807] darstellend, das erst vor kurzem in den Besitz der Stadt gelangt war;

Edouard Detaille (France 05 Oct 1848 – 23 Dec 1912): Vive L'Empereur - Charge of the 4th Hussars at the battle of Friedland, 14 June 1807, 1891.

Edouard Detaille (France 05 Oct 1848 – 23 Dec 1912): Vive L’Empereur – Charge of the 4th Hussars at the battle of Friedland, 14 June 1807, 1891.

ferner ein vielgerühmtes Bild, der Besuch der Königin von Saba bei Salomo, in welchem der figurale Teil, namentlich die Königin, deren Toilette vom Künstler in sehr freier Weise aufgefasst erscheint, gut behandelt ist. Im übrigen macht das Bild nach meinem Geschmack einen allzu bunten, ja vermöge des Farbenreichtums fast schreienden Eindruck. Die modernste Verirrung, die Pleinair-Malerei, ist durch kühne Meisterwerke vertreten, während sich unter den Pastellen zwar wenige, dafür aber sehr gute Leistungen finden, worunter besonders eine Studie, der Kopf eines jungen Mädchens, genannt zu werden verdient. In der Abteilung für Aquarelle, die reichhaltig und recht gediegen ist, nehmen Landschaften den ersten Rang ein.

Edward John Poynter (England 20 Mar 1836 – 26 Jul 1919): The visit of the Queen of Sheba to King Solomon, 1890

Edward John Poynter (England 20 Mar 1836 – 26 Jul 1919): The visit of the Queen of Sheba to King Solomon, 1890

Die Besichtigung der Galerie befestigte in mir den Eindruck, dass in Sydney viel Interesse und Verständnis für Kunst herrscht, so dass die Stadt, wenn nur auf dem bisher eingeschlagenen Wege fortgefahren wird, bald im Besitz einer sehr reichhaltigen Sammlung von hohem künstlerischen Wert sein wird.

Das Frühstück wurde in dem trefflichen Australian Hotel eingenommen, dessen Geschäftsleiter, ein Sachse, uns nach dem Lunch aufforderte, den Turm des Hotels zu besteigen, von dem aus sich eine in der Tat prächtige Aussicht auf Sydney und seine Vororte darbot. Aus der Vogelperspektive betrachtet, imponierte Sydney durch seine gewaltige Ausdehnung; die Stadt lag einem großartigen Gemälde gleich vor uns, reizend umrahmt durch den Kranz von Hügeln, Gärten und Buchten, belebt durch den flutenden Strom von Menschen und Fahrzeugen. Leider konnten wir in dem Genuss dieses Rundblickes nicht lange schwelgen, da die Zeit zur Rückkehr an Bord drängte, wo die letzten Vorbereitungen für den Ball getroffen werden mussten.

Nach 2 Uhr prangte das Schiff in vollem Glanz; alles war bereit, und konnten wir der Ankunft unserer Gäste mit Ruhe entgegensehen, weil die Bordkünstler die kühnsten Erwartungen übertroffen hatten und das Schiff in der Tat äußerst schmuck aussah. Das Mitteldeck war durch Errichtung eines Zeltes in einen mit Flaggen, mit Palmen und anderen Pflanzen reich geschmückten Tanzsaal verwandelt, welcher, an den Innenseiten mit blauweißem Linnen verkleidet, ebenso wie die auf Deck befindlichen, mit schwarzgelber Leinwand drapierten Schiffsbestandteile, einen überaus freundlichen und heiteren Eindruck hervorbrachte. Für die Musikkapelle war auf dem Treppenschacht und der Bootsbrücke ein hoher Söller errichtet, an dem von außen unser sowie das englische und das australische Wappen erglänzten, während das Hüttendeck, zum Buffet für die Tanzenden bestimmt, von Tischchen umrahmt war. Allerlei Gegenstände hatten hier eine Umgestaltung in elegante Sitzmöbel erfahren; sogar die großen Baljen, in welchen die in Thursday Island gefischten Korallen noch in Wasser verstaut lagen.
mussten, mit Teppichen überdeckt, als Canapees dienen. In reizender Weise war das Eisendeck in einen Salon verwandelt; daselbst lagen schwere Teppiche und schloss eine dichte Wand von Palmen und Blumen den Raum ganz nach außen ab; in jeder Ecke gab es Plätzchen, welche die vom Tanzen Ermüdeten zur Ruhe einluden, und in der Mitte des Salons plätscherte aus einem Bassin von Tuffstein lustig ein Springbrunnen hervor. Wunderlich genug nahm sich in diesem heiterer Geselligkeit gewidmeten Raum das große 24 cm Geschütz aus — ein ernster Kontrast zu dem fröhlichen Treiben, das sich hier bald entwickeln sollte.

In der Batterie befand sich ein Buffet für die älteren Herren und die nicht-tanzenden Mitglieder der Gesellschaft; das große Buffet aber war im Offizierscarré vorbereitet, durfte jedoch erst nach dem Cotillon geöffnet werden, um dann auf kleinen Tischchen Hungrigen und Durstigen reichliche Labung zu bieten. Mein Salon diente als Garderobe, die Kajüte des Kommandanten als Damen-Toilette. Hier allein stand uns ein weibliches Wesen, eine Marchande de modes, hilfreich zur Seite, welcher die näheren Arrangements der Toilette und die Dienstleistung daselbst übertragen waren; alles übrige an Bord, selbst das Binden der Blumen und die zierlichsten dekorativen Verschönerungen, war von rauhen Seemannshänden vortrefflich besorgt worden. Unser Koch Bussatto hatte sämtliche Buffets zu versorgen und zeigte — diesmal in gnädigster Stimmung, was bei ihm nicht immer der Fall zu sein pflegt — sein Können, indem er seiner kulinarischen Phantasie die Zügel schießen ließ, im glänzendsten Licht. Eine Legion von Schüsseln kalter Speisen, welchen er die mannigfaltigsten Gestalten in künstlerischer Vollendung gegeben, prangte auf den Tischen: aufgetakelte Schiffe, die mit vollen Segeln dahinzufahren schienen, Paläste, Bassins mit Fischen, Kronen, alle nur erdenklichen Land- und Seeungetüme standen in bunter Reihe nebeneinander, so dass die Buffets fast einem Spielzeugladen glichen. An der Spitze einer Schar Matrosen waltete des anvertrauten Mundschenkenamtes unser Mahmud, der in seiner goldstrotzenden Parade-Uniform ein Gegenstand der Aufmerksamkeit aller Gäste war und die Neugierde derselben, namentlich jene der Damen, als Huldigung mit herablassendem Grinsen entgegennahm.

Mit ungewöhnlicher Pünktlichkeit begann Schlag 3 Uhr die Auffahrt der Gäste, teils in unseren Barkassen und Booten, die wir ans Land geschickt hatten, teils in eigenen Fahrzeugen. Die Einladungen zu machen, hatten wir dem englischen Admiral, der ja die Sydneyer
Gesellschaft genauer kannte als wir, überlassen und nur die Zahl der zu Ladenden auf etwa 300 beschränkt. Bald aber waren an 500 Gäste anwesend, da viele der Geladenen Verwandte mitgebracht hatten.

Wir fanden aber keine Ursache, dies zu bedauern, weil das Schiff die Zahl der Erschienenen leicht fassen konnte und der Kranz schöner Tänzerinnen glänzende Bereicherung erfahren hatte. Außer den vornehmsten Honoratioren der Stadt waren beinahe nur tanzlustige Damen und Herren erschienen, und ich muss gestehen, dass ich niemals auf einem Ball so viele schöne Frauen und Mädchen beisammen gesehen habe wie hier. Die Damen Sydneys vereinigen in gleichem Maße die Schönheit der Töchter des Mutterlandes mit südlicher Anmut der Bewegungen und vollendeter Eleganz der Erscheinung.

Während die Musikkapelle mehrere Nummern exekutierte, wurde das Schiff von den Gästen einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Dann begann bei den Klängen der “Blauen Donau” der Reigen. Als Tänzer waren außer unseren Offizieren und Kadetten sämtliche Offiziere und Kadetten der in Sydney stationierten Escadre sowie der vor zwei Tagen eingelaufenen spanischen Korvette geladen. Da jedoch die fremden Seeleute während der ganzen Dauer des Balles von den Buffets und Rauchzimmern nur schwer zu trennen waren, machten eigentlich nur unsere Herren die Honneurs als Tänzer, ohne dass dem Tanzeifer der in so großer Zahl erschienenen Damen trotz eifriger Unterstützung der Herren aus Sydney genügt werden konnte. Es wurde mit Begeisterung getanzt; selbst unser Kommandant und Wurmbrand taten wacker das ihrige. Dank dem Liebreize der Damen, deren mehrere auch deutsch oder französisch sprachen, so dass ich mit ihnen bald in der lebhaftesten Konversation begriffen war, bildete es ein Vergnügen, sich dem Tanz zu widmen.

Wir begegneten bei den Herren und Damen Sydneys einer Zuvorkommenheit, die ihre Wirkung auf uns nicht verfehlte; mit ungezwungenem, offenem Wesen verbinden sie viel natürliche Liebenswürdigkeit — Eigenschaften, welche den Verkehr umsomehr erleichtern und beleben, als trotz des besten in der Gesellschaft herrschenden Tones eine freiere Auffassung hinsichtlich konventioneller Formen zu gelten scheint, als dies in unserer Heimat der Fall ist. So richteten hier Damen an Herren, die ihnen nicht vorgestellt waren, — was bei der Zahl der Erschienenen nur zu leicht geschehen konnte — ungescheut das Wort und grüßten beim Kommen und Gehen jedermann mit freundlichem Händedruck.

Kurz vor unserer Ankunft war eine schon seit längerer Zeit drohende, auf Überspekulation und andere Gründe zurückzuführende Krisis über mehrere Banken Sydneys hereingebrochen, welche den Markt auf allen Gebieten tief erschüttert und nicht nur den europäischen Zeitungen Stoff zur Berichterstattung geliefert hatte, sondern in den letzten auslaufenden Bewegungen auch auf dem Londoner Platz zu verspüren war. Alle Schichten der Bevölkerung waren in Mitleidenschaft gezogen und hatten empfindliche Verluste erlitten, ja noch während unseres Aufenthaltes zog die wirtschaftliche Kalamität ihre verhängnisvollen Kreise. Gleichwohl schienen unsere Gäste hiedurch in ihrer guten Laune und in ihrem Frohsinn so wenig berührt zu sein, dass man von allen Seiten sogar witzige Bemerkungen über die Lage, aber keine Klagen, keinen Jammer vernahm.

Der von Ramberg arrangierte Cotillon — ein für Sydney neues choreographisches Ereignis — gefiel unseren Gästen ungemein. Die ältesten heimatlichen Figuren, als: Tunnel, Achter, Kolonnen u. s. w. errangen den lebhaftesten Beifall, und als die Schlusstouren mit den Bouquets und den schwarzgelb-weißroten Bandschleifen an die Reihe kamen, erreichte die animierte Stimmung den Höhepunkt.

Der herrschenden kühlen Witterung Rechnung tragend und ohne hinlängliche meteorologisch-divinatorische Begabung, um ahnen zu können, dass der Abend so überaus mild sein werde, hatten wir den Ball als Nachmittagsfest angesagt und auf den Einladungskarten die nähere Zeitangabe von “3 bis 7 Uhr” beigesetzt. In Sydney scheint sich nun die Pünktlichkeit, mit welcher die Gäste eintreffen, auch auf den Aufbruch zu erstrecken, offenbar, damit nicht durch Verweilen über die fixierte Zeit hinaus der Verdacht der Unbescheidenheit erweckt werde; denn gegen 7 Uhr begann ein allgemeiner Aufbruch. Unser dringendes Bitten und Zureden war umsonst. Die Mädchen und jungen Frauen standen zwar auf unserer Seite; Mütter, Väter und Gatten aber ließen sich nicht erweichen. Nur eine kleine Zahl besonders Getreuer harrte bei uns, noch lange dem Tanz huldigend, aus, um dann nach einer recht gemütlich am Eisendeck verbrachten Stunde der Rast die “Elisabeth” erst zu vorgerückter Nachtzeit zu verlassen.

Auf wohl und gerne errungenen Lorbeeren durften wir ruhen, stolz auf den einstimmigen Ausspruch der Gäste, dass noch keines der Kriegsschiffe, welches Sydney angelaufen, ein Fest gegeben habe, das in jeder Beziehung so schön, so gelungen gewesen wäre, wie jenes auf unserer “Elisabeth”.

Links

  • Ort: Sydney, Australien
  • ANNO – am  26.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Torquato Tasso”, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Freund Fritz” darbietet.

Sydney, 26 May 1893

At 2 o’clock in the morning we steamed out of Moss Vale and towards Sydney. Despite the severe cold and the bad bed I slept splendidly. We had made good use of the day before being on foot without interruption from 6 o’clock in the morning to midnight.

I found everybody on board very busy with decorating our ship most brightly for the ball in the afternoon, the officers and the men competing in the effort. Tents had been set up on deck, electric lighting effects prepared, flowers, plants, flags and carpets lay ready to be used for decorative purposes. As much as the noise caused by these preparations permitted, I tried to sleep a little bit longer, and then drove towards 10 o’clock on land where the kind minister of education was waiting for me to watch a demonstration of a machine shearing a sheep. Even though it was not the season for such a procedure, one of the big wool companies had set up one of their machines to show me the procedure — a sign of the friendly reception we enjoyed everywhere in New South Wales.

The sheep shearing machine was similarly constructed as our horse shearing machines and are powered by steam and work exceedingly fast without harming the animal in the slightest. Something that happens very often during a manual shearing. Furthermore the resulting wool is very smooth and it shears off everything to the last atom. A man is capable to shear 120 to 150 animals per day. The highest performance that a very skillful and worker is capable of achieving is shearing 200 sheep. I tried personally to shear a ram and thus was able to personally witness how simple it was to handle the machine and how splendidly it worked. My example found many imitators among my gentlemen and other spectators so that the elegantly dressed group of gentlemen engaged in shearing sheep provided quite a comical sight. In the large magazines of many floors we passed through are stored many thousands stapled wool bales awaiting to be shipped out, representing an enormous capital value.

From here the minister accompanied me to a large meadow in a public garden where the natives were to demonstrate throwing boomerangs and spears. A black man from Western Australia, a truly hideous sight, demonstrated this art of his people in throwing the boomerangs made out of iron and wood and shaped like a scythe in different manners so that they always returned to him. Soon these projectiles rose straight up into the air, rotating constantly, soon they formed a circle or an ellipse and fell down at the feet of the thrower. Then they flew for an extended distance swooshing a meter above the ground only to suddenly rise high up etc.

Finally the Australian discus thrower threw two boomerangs at the same time in opposite directions, so that their paths crossed before they returned to him. A correctly thrown boomerang kills a human due to its enormous flying speed. The long distance spear throwing was as interesting. Even at a distance of 200 paces the thrower was very accurate in his throws.

An object of great pride for Sydney is its art gallery whose collection has only started a few years ago, and I gladly followed the desire of the city to pay it a visit. As neither effort nor cost have been spared for the acquisition of art works, the gallery already contains a great number of sometimes very remarkable pictures.

The signatures of Franz Ferdinand and his gentlemen Wurmbrand, Pronay, Clam-Martinic in the visitor's book of the Art Gallery of New South Wales in Sydney, Australia. Courtesy of the museum.

The signatures of Franz Ferdinand and his gentlemen Wurmbrand, Pronay, Clam-Martinic in the visitor’s book of the Art Gallery of New South Wales in Sydney, Australia. Courtesy of the museum.

I found here many works I already knew from the exhibitions in the Viennese Künstlerhaus. Especially an impressive battle painting by Detaille caught my eye, a cavalry attack of French hussars in the year 1809 [actually 1807] which has recently come into possession of the city.

Edouard Detaille (France 05 Oct 1848 – 23 Dec 1912): Vive L'Empereur - Charge of the 4th Hussars at the battle of Friedland, 14 June 1807, 1891.

Edouard Detaille (France 05 Oct 1848 – 23 Dec 1912): Vive L’Empereur – Charge of the 4th Hussars at the battle of Friedland, 14 June 1807, 1891. Art Gallery of New South Wales

Then a much admired picture of the Queen of Sheba’s visit to Solomon, in which the figurative part is well done, namely the queen whose dress the artist has seemingly interpreted quite freely. Otherwise the picture makes, for my taste, a too colorful, given the richness of the colors an almost screaming impression.

Edward John Poynter (England 20 Mar 1836 – 26 Jul 1919): The visit of the Queen of Sheba to King Solomon, 1890

Edward John Poynter (England 20 Mar 1836 – 26 Jul 1919): The visit of the Queen of Sheba to King Solomon, 1890, Art Gallery of New South Wales

The most modern aberration, open-air painting is represented by audacious master works, while among the pastels there are only few of them but those of a very good standard. It is worth mentioning especially a study, the head of a young girl. In the comprehensive and quite solid water colors department, landscapes are given prominence.

The visit to the gallery demonstrated to me that in Sydney there is much interest and understanding for art so that the city will soon own a very comprehensive collection of high artistic value if it continues to follow its current path.

Breakfast was eaten in the formidable Australian Hotel whose director, a Saxon, asked us after the lunch to go up to the tower of the hotel to enjoy a truly splendid view of Sydney and its suburbs. From a bird’s perspective Sydney impressed me by its large extended area. The city lay in front of us like in a large scale painting surrounded by a ring of hills, gardens and bays, coming alive by the stream of humans and vehicles. Unfortunately we could not enjoy this view for long as it was time to return on board where the last preparations for the ball had to be made.

After 2 o’clock the ship was in full gala. Everything was ready and we could calmly await the arrival of our guests  as the artists on board had exceeded even our audacious expectations and the ship indeed looked most splendidly. The middle deck had been transformed into a richly decorated ball room by the erection of a tent in which were placed flags, palm trees and other plants. The interior was ornamented with blue-white linen, while the outside ship parts on deck were covered with black and yellow canvas. This produced a very friendly and cheerful impression. For the music band a high stand had been erected above the stairs and the bridge from which both our, the English and the Australian coat of arms were displayed while the companion deck was surrounded by small tables as it was intended as a buffet for the dancers. All kinds of objects had been transformed into elegant seating furniture. Even the large carpet covered containers in which the corals collected on Thursday Island were stored in water had to serve as canapés.

In a lovely way the iron deck had been turned into a saloon. Heavy carpets lay on the floor and a dense wall of palm trees and flowers closed off the room towards the exterior. in each corner were spots that invited tired dancers to rest there while in the middle of the saloon a happy spring fountain splashed water out of a tuff basin. Strange in the midst of this room dedicated to a happy conviviality stood out the large 24 cm gun — an earnest contrast to the cheerful event that was soon to happen here.

In the battery was a buffet for the older gentlemen and the non-dancing members of society. The prepared large buffet in the officer carré however was only to be opened after the cotillion to provide ample refreshment to the hungry and thirsty on small tables. My saloon was serving as a wardrobe. The cabin of the captain as the ladies’ wardrobe. Here only we had the assistance of a woman, a marchande de modes who was in charge of arranging the dresses and assist the ladies. Everything else, even the binding of the flowers and the most delicate decorative embellishments had been prepared by the rough sailors’ hands. Our cook Bussatto was in charge of all buffets and displayed all his art — this time in good mood which was not always the case with him — most brightly exploring all his culinary fantasies. A legion of bowls of cold dishes that he had given the most varied perfectly executed were standing on the tables: rigged ships whose full sails were imminent for departure, palaces, basins with fishes, crowns, all kinds of imaginative land and sea monsters stood in a colorful row, so that the buffets almost resembled a toy store. Our Mahmood was at the head of a group of sailors acting as cupbearers and waiters. In his gold laced gala uniform he was an object of interest for all guests and he appreciated the curiosity especially of the ladies with a dismissive grin.

With uncommon punctuality the arrival of the guests started at 3 o’clock partly in our barges and boats that we had sent out to land, partly in their own vehicles. To send out the invitations we had asked an English admiral who knew Sydney’s society more closely than we and only limited the number of invited guests to 300. Soon, however, there were 500 guests on board as many of the invited had taken relatives along.

We however were not displeased as the ship had the capacity to easily host all those who had come on board and had considerably augmented the ring of beautiful dancers. Apart from the most honorable dignitaries of the city almost only ladies and gentlemen eager to dance had come and I have to admit that I had never before seen so many beautiful girls and ladies assembled on a ball. The ladies of Sydney combined the beauty of the motherland’s country with the Southern graceful moves and the perfect elegance in appearance.

While the music band played some numbers, the ship was closely inspected by the guests. Then the dance started to the sound of the “Blue Danube“. For the dance besides our officers and cadets were also invited all the officers and cadets of all the ships of the Sydney squadron and the Spanish corvette which had arrived two days before in Sydney. As the foreign sailors were nearly inseparable from the buffets and the smoking rooms during the whole ball, only our own gentlemen gave the honor of dancing without being able to fully satisfy the dancing desire of the numerous ladies who had arrived from Sydney despite the eager support by the local gentlemen. The dancing was enthusiastic. Even our captain and Wurmbrand joined in. Thanks to the attractive ladies, some of which were able to speak German or French so that I was able to engage in lively conversation with them, it was a pleasure to dance.

We encountered a courtesy among the gentlemen and ladies of Sydney which did not fail to make its effect. The open unaffected character is combined with a natural kindness — qualities which ease the exchange all the more as despite the honoring the ruling social norms a more open concept of conventional forms was practiced than it is common at home. Thus ladies addressed the word to gentlemen who had not been introduced to them beforehand without inhibition — which could happen all too frequently due to the number of arriving people — and greeted both in meeting and leaving everybody with a handshake.

Shortly before our arrival a banking crisis that had been looming for a long time had hit Sydney caused by overtrading and other reasons which deeply shocked the markets in all areas and was not only reported in the European newspapers but was also felt by the London stock exchange by wide fluctuations. All tiers of the population were negatively affected and had had to bear important losses. Even during our stay, the economic calamity was still going on. Even though our guests seemed not to be affected in their good mood and  cheerfulness, so that one could even hear some witty remarks about the crisis but no laments or complaints.

The cotillion arranged by Ramberg — a new choreographic spectacle for Sydney — pleased our guests immensely. The oldest figures of home such as the tunnel, the eight, columns etc, attracted the most vivid applause and with the final rounds with bouquets and the black and yellow bands the excited mood reached its high point.

Accounting for the cool weather at the moment and having no gifts of meteorological divination to know that the evening would be so mild we had announced the ball to take place in the afternoon and set the time of the event from “3 to 7 o’clock”. In Sydney they seem to respect punctuality both in the time the guests arrive as well as when it is time to leave in order not to create a hint of appearing immodest in staying too long.  Towards 7 o’clock began a general movement of departure. Our insistent pleas and words were in vain. The girls and young ladies were on our side; Mothers, fathers and husbands showed no mercy. Only a tiny group of faithful stayed behind with us, enjoying the dance for a long time and only leave “Elisabeth” at an advanced hour after happy hours spent cosily on the iron deck.

We can rest well on the honestly and eagerly won laurels and be proud about the unanimous praise of the guests that no warship that entered Sydney had given such a party that was as beautiful and as successful as that on board of our “Elisabeth”.

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  • Location: Sydney, Australia
  • ANNO – on  26.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing “Torquato Tasso”. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Freund Fritz”.

Badgery Station, 25. Mai 1893

Da die frühen Morgenstunden für die Jagd auf Schnabeltiere nicht weniger Erfolg versprechen als der Abend, weil die Tiere auch des Morgens ihren Bau verlassen und äsend emportauchen, bat ich unseren Jagdherrn, mich noch einmal mein Glück auf Schnabeltiere versuchen zu lassen. Schlag 6 Uhr war ich bereit; doch verging leider fast eine ganze kostbare Stunde, bevor unsere Pferde auf der Weide eingefangen waren. Obgleich wir dann die ziemlich bedeutende Entfernung bis zu einer geeigneten Stelle scharf reitend zurücklegten, kamen wir doch erst zu vorgerückter Stunde an den Fluss; immerhin wurde die Situation durch den Umstand gerettet, dass dichter Nebel über dem Flussgelände lag.

Während dieses Rittes lernte ich eine mir bis jetzt unbekannte Methode kennen, krumme Pferde zu heilen. Der brave Fuchs, den ich ritt, ging nämlich stocklahm, musste aber gleichwohl, um mich rechtzeitig nach dem Jagdplatz zu bringen, drauf los galoppieren; als nun das Übel begreiflicherweise nicht besser wurde, veranlasste mich Mr. Badgery, das Pferd gegen das seine zu tauschen, so dass der schmächtige Fuchs Mr. Badgery mit dessen Gewicht, welches das Doppelte des meinen überstieg, im gestreckten Galopp über Stock und Stein zu tragen hatte. Unglaublich und doch wahr — nach einer halben Stunde war das Pferd kuriert!

Der Ort, an welchem ich den Anstand auf Schnabeltiere beziehen sollte, war gleich jenem des Vortages eine steil abfallende, von Bäumen beschattete Schlucht, in deren Sohle ein Gewässer ruhig dahinfloss. Mr. Badgery blieb bei den Pferden zurück, während ich mit dem Jäger an den Flussrand abstieg, wo ich, kaum angelangt, schon ein Schnabeltier auftauchen und im Wasser fortziehen sah. Ein glücklicher Schuss tötete das Tier sofort, aber dann war guter Rat teuer, wie desselben habhaft werden, da es mitten im tiefen Wasser abwärts trieb und niemand danach gelüstete, an dem sehr kühlen Morgen in der eiskalten Flut zu schwimmen. Endlich kam mein praktischer Australier auf die rettende Idee, Steine hinter das tote Schnabeltier zu werfen und dasselbe durch die auf diese Weise entstehenden Wellen allmählich an das Ufer zu treiben. Diese Prozedur währte zwar etwas lange, brachte uns aber schließlich doch in den Besitz des Tieres, welches sich als altes Männchen erwies. Einige hundert Meter flussabwärts kam mir neuerdings ein Schnabeltier zu Gesicht; doch konnte ich das Tier nur tauchen sehen und leider keinen Schuss anbringen.

Nun erklärte der Jäger, dass er 2 km weiter noch eine günstige Stelle wisse; doch sollten wir eilen, um sie rechtzeitig zu erreichen. Wir schwangen uns also rasch in den Sattel und ritten die Tallehne entlang einen recht schlechten, steinigen Weg, der fast nur für Ziegen praktikabel gewesen wäre, den aber die Pferde mit merkwürdiger Geschicklichkeit zurücklegten. Wir kletterten die Böschung zum Fluss hinab, und bald sah ich nächst dem jenseitigen Ufer, vorläufig aber noch außer Schussweite, ein Schnabeltier wiederholt auftauchen und, nach der schwarzen Rückenlinie zu schließen, schwimmend Kreise ziehen; auch deutete mir der Jäger durch Zeichen an, dass er flussabwärts noch ein zweites Schnabeltier erblickt habe. Ich entschloss mich, hinter Bäumen gut gedeckt, abzuwarten, bis sich eines der Tiere dem diesseitigen Ufer genähert haben würde, was sehr wahrscheinlich bald geschehen wäre, wenn sich nicht in Gestalt Mr. Badgerys das Verhängnis eingefunden hätte. Dieser vermochte seine Neugierde nicht mehr zu bezwingen und war mit den Pferden bis auf einen Felsvorsprung angerückt, von welchem aus er das Wasser überblicken konnte und leider auch bald die beiden Schnabeltiere entdeckte, worauf er begann, mir in der besten Absicht unaufhörlich zuzurufen, um mich auf das Vorhandensein der Tiere aufmerksam zu machen. Der mich begleitende Jäger konnte sich nicht enthalten, ihm trotz meiner flehentlichen Gebärden zu antworten, so dass sich par distance ein lautes Zwiegespräch entwickelte, welches natürlich die so ungemein scheuen Schnabeltiere zu schleunigstem Verschwinden bewog. Obschon dieselben im übrigen auf einer tiefen Stufe der Entwickelung stehen, sind doch Gehör und Gesicht ungemein scharf, so dass der entfernteste, durch diese Sinne vermittelte Verdacht einer Gefahr die Tiere untertauchen und in den Bau fahren lässt, aus dem sie sich dann vor dem Abende nicht mehr hervorwagen.

In nicht eben rosiger Stimmung erkletterte ich wieder den Uferhang, opferte meinem Unwillen ein schuldloses Felsen-Wallaby, welches den Weg kreuzte, und konnte die Kritik des Übereifers Mr. Badgerys — bei meiner mangelhaften Kenntnis der englischen Sprache — nur in die wiederholt im Tone des Vorwurfes ausgerufenen Worte “not well, not well” zusammenfassen. Mr. Badgery erwiderte meine Worte anfangs lediglich mit stoischem Lächeln; dann aber versuchte er mir in längerer Auseinandersetzung Aufklärung zu geben. Da sich hiebei das Wort Breakfast öfter wiederholte und Mr. Badgery in der Richtung auf die Farm deutete, musste ich schließen, dass seine Neugierde von einem sehr prosaischen Motiv, von gewaltigem Hunger, beherrscht war und er denselben nunmehr zu stillen wünsche, weshalb an eine weitere Fortsetzung der Jagd kaum mehr zu denken war. Ich machte zwar noch einen schüchternen Versuch, indem ich unter entsprechend begleitenden mimischen Zeichen wiederholt flehend “Piatypus”, das ist die englische Bezeichnung für Schnabeltier, ausrief und auf den Fluss deutete, aber mein Jagdherr blieb unerbittlich, schwang sich auf seinen Gaul, winkte mir zu folgen, und so ritten wir dem Breakfast entgegen. Auf dem Wege nach der Farm hatte ich doch noch einigermaßen Waidmannsheil, indem ich zwei Bären und einen Bussard erlegte.

Nachdem Mr. Badgery sich an einem guten Frühstück erquickt hatte, zogen wir, da mittlerweile die Sonne über den Nebel gesiegt hatte, zur Jagd auf Felsen-Wallabies aus, ebendorthin, wo am Vortag die günstigen Resultate erzielt worden waren. Schon im ersten Triebe wurde eine erstaunliche Anzahl von Wallabies flüchtig, die aber diesmal meinen Stand größtenteils mieden und seitwärts ausbrachen, wo Wurmbrand und Clam standen, so dass der eine 18, der andere 19 Stück erlegte. Da nämlich gestern einige Stücke links von mir ausgebrochen waren, beabsichtigte der Jagdleiter dies heute dadurch hintanzuhalten, dass er einige Leute zur Abwehr an den kritischen Punkt entsandte, doch hatten diese den Auftrag falsch erfasst und wehrten statt oberhalb meines Standes vor demselben ab, so dass das Wild fast immer umkehrte, bevor ich zum Schuss kommen konnte. So betrug denn meine Strecke nur sechs Felsen-Wallabies. Ein zweiter Trieb verlief ohne jegliches Ergebnis, während ein in aller Eile an einer Gabelung des Tales inszenierter, nur wenige Minuten erfordernder Trieb mir zehn Wallabies lieferte, obwohl zu treiben begonnen wurde, bevor ich meinen Stand bezogen hatte.

Nun sagten wir dem schönen Felsental, in dem wir gestern und heute manch frohe Stunde verbracht hatten, Lebewohl und eilten, die Farm passierend, nach einem entlegenen Hügel, auf welchem noch ein letzter Trieb vor unserer Abfahrt versucht wurde. Leider gelang dieser Versuch nicht, da das Wild an den Flanken ausbrach, so dass nur Wurmbrand und Prónay je ein Wallaby schossen, während ich mich mit einem Hasen begnügte.

Hiemit war auch das Ende der so vortrefflich gelungenen, interessanten Jagdexpeditionen in Neu-Süd-Wales gekommen. Wir mussten nach Sydney zurückeilen, wo unser gesellschaftliche Verpflichtungen harrten, da an Bord der “Elisabeth” ein von mir und den Herren des Stabes gegebenes Nachmittagsfest stattfinden sollte, zu welchem die Einladungen schon vor meiner Abreise nach Arthur’s Leigh Badgery Station ergangen waren.

Die Wagen hatten, damit ja jedem Zeitverlust infolge Steckenbleibens vorgebeugt sei, den Wollondilly River schon früher übersetzt, und wir fanden daher, als wir denselben zu Pferde durchquert hatten, die Gefährte bereits wohlbehalten auf dem anderen Ufer. Hier nahmen wir von den liebenswürdigen Farmern und dem Jagdgefolge Abschied und traten, beim Besteigen der Wagen von einem dreimaligen Hurrah begrüßt, die Rückfahrt nach Moss Vale an, wo wir nach vierthalbstündiger Fahrt anlangten.

Da der Zug von hier erst tagsdarauf gegen 2 Uhr morgens nach Sydney abgehen sollte, arrangierten wir in aller Eile aus dem Stegreif eine Nachtjagd. Wir hatten einen Jäger ausfindig gemacht, der drei gute Hunde besaß, die zu dem Zweck abgerichtet waren, Kusus und Beutelmarder (Dasyurus viverrinus) zu suchen, auf Bäume zu treiben und dann zu verbellen.

An der Stelle, außerhalb des Ortes, an welcher der Jäger mit den Hunden unser bereits harrte, stürmten diese auf das Kommando “Go on” auch schon fort, um nach wenigen Minuten heftig Standlaut zu geben. Ich eilte rasch hinzu und sah, wie die Hunde Hals gebend an einem Eucalyptus-Baume hinansprangen. Der Mond fiel günstig ein, so dass mein erster Schuss mir gleich einen Beutelmarder einbrachte, den ich nach einigem Suchen auf einem Ast entdeckt hatte. Dieser ebenfalls zu den Beuteltieren gehörige Räuber ähnelt im Baue sehr unserem Marder; der Leib ist schmächtig und gestreckt, der Hals ziemlich lang, der Kopf gestreckt und die Schnauzenspitze fleischrot, der Schwanz lang und gleichmäßig buschig behaart; die Zehen sind an den niederen Beinen mit sehr starken, spitzigen Krallen bewehrt; das Fell an der Oberseite fahlbraun, mit weißen Flecken gesprenkelt, an der Unterseite weiß. Etwas kleiner als der Kusu, erreicht der Dasyurus viverrinus eine Leibeslänge von 40 cm und eine Schwanzlänge von etwa 30 cm. In seiner Lebensweise erinnert dieser Beutler ganz an jene des Kusus, indem er den Tag in Löchern verbringt, nachts aber auf Nahrung ausgeht, den Hühnerställen gleichfalls Besuche abstattend und daselbst alles schonungslos mordend.

Von ihrem Besitzer angefeuert, eilten die Hunde weiter, und bald tönte abermals Standlaut; doch diesmal kam eine Novität, nämlich ein Kusu uns noch unbekannter Art, der Ringelschwanz-Kusu, zur Strecke. Mit den drei Hunden zu jagen, bereitete in der Tat Vergnügen, da sie rasch jede frische Fährte fanden und dieselbe verfolgten, bis sie das Wild zum Aufbäumen gebracht hatten; dann erst gaben sie Laut und hielten aus, so dass die Jäger herbeikommen und das Stück erlegen konnten. Einen Beutelmarder, der wahrscheinlich nicht schnell genug aufgebäumt hatte, apportierte uns die brave Meute. Der Sohn des Jägers, ein Bursche von etwa zehn Jahren, der sich dem Vater angeschlossen hatte, zeichnete sich durch die Schärfe seiner Augen aus, dank welcher er das Wild stets zuerst in den Ästen entdeckte, um es mir triumphierend zu zeigen; war ein Stück nach einem Schuss gefallen, so sprang der Knirps rasch zu, um es vor den Hunden zu bewahren. Bis gegen Mitternacht hatte ich sechs Beutelmarder und sechs Kusus erlegt — gewiss eine seltene, unter originellen Umständen bei Nacht im Mondschein erzielte Strecke.

Als wir uns beim Durchstreifen des Waldes der Behausung des Jägers genähert hatten, waren die Hunde plötzlich verschwunden, und alles Pfeifen und Rufen blieb vergeblich, weshalb der Besitzer vermutete, dass sie, durch die lange Dauer der Jagd ermüdet, heimgekehrt seien, der Ruhe zu pflegen. Wir folgten diesem Beispiel und fuhren nach Moss Vale zurück.

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  • Ort: Moss Vale, Australien
  • ANNO – am  25.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Faust”, während das k.u.k. Hof-Operntheater “Der Freischütz” darbietet.

Badgery Station, 25 May 1893

As the early morning hours promise as much success as the evening ones for the platypus hunt as the animals leave their lair also in the morning emerging out of the water to eat, I asked our hunting master to let me have another go at trying my luck in hunting platypus. At 6 o’clock sharp I was ready. Unfortunately, I took nearly one valuable hour until our horses had been caught in the meadow. Even though we covered the considerable distance to a suitable spot riding hard we only arrived at the river at an advanced hour. At least the situation was eased by the dense fog over the river area.

During this ride I learned about a method unknown to me of curing devious horses. The brave fox I was foundering but still had to gallop in order to transport me in time to the hunting ground.Rittes. When the malady understandably did not get better Mr. Badgery had me switch horses with him, so that the slim fox had to carry Mr. Badgery with all his weight which must have been twice that of mine at full gallop over rough and smooth. Incredible but still true — after half an hour the animal was cured!

The location where we were to hunt for platypus was similar to the one the day before in a steeply descending gorge shaded by trees, in the valley bed a stream was flowing calmly. Mr. Badgery remained behind with the horses while I and the hunter descended to the shore of the stream. Hardly arrived I already saw a platypus emerge and swim away in the water. A happy shot killed the animal on the spot but now it was hard to know what to do as the animal was floating downriver in the deep water and nobody was eager to swim in the ice-cold water of the river in the cool morning. Finally my practical Australian had a good idea to solve the problem by throwing rocks in the water behind the platypus. The waves thus triggered pushed the platypus towards the shore. This procedure took quite some time but finally resulted in us bagging the animal which was found to be an old male. A few hundred meters downriver I saw another platypus but I only could see the animal dive and was unable to fire a shot.

Now the hunter explained that there was another good spot about 2 km further away but we had to hurry to reach it in time. We quickly jumped into the saddle and rode along the valley ridge on a rather bad stony path which would have been only suitable for goats but which the horses followed with strange skill. We climbed down the slope to the river and soon I could see a platypus emerge and swim in circles according to the visible black back on the opposite shore, still out of range. The hunter also announced with signs that he had spotted a second animal further downriver. I decided to wait behind the tree cover until one of the animals was close to this shore which would have happened soon if not fate in the form of Mr. Badgery had intervened. He could no longer contain his curiosity and had advanced with the horse to the ledge where he could survey the water and unfortunately also discovered the two platypus. In the best intention he called without interruption to point out the presence of the two animals. The hunter who was with me could not abstain to shout back despite my pleading gestures not to respond so that a loud long distance conversation developed which naturally made the timid animals quickly disappear from sight. Even though they are at a lower level of development, they hear and view extremely good so that the most distant suspicion of a danger perceived by their senses made them dive and return to their lair from which they would only emerge again in the evening.

In a not very rosy mood I climbed up the slope and sacrificed a blameless rock wallaby that crossed my path to my bad mood and could criticize Mr. Badgery’s ardor — due to my limited knowledge of the English language — only by repeating in an accusing voice “not well, not well”. Mr. Badgery replied to my words in the beginning only with a stoic smile. Then he tried to give me a longer explanation. As he was repeatedly saying the word “breakfast” and pointed in the direction of the farm, I had to conclude that his curiosity was based on a very prosaic motive, namely a huge hunger, and that he wanted to now allay it why a continuation of the hunt was no longer possible. I made a timid attempt to repeatedly and pleadingly say “platypus”  accompanied by gestures. “Piatypus” being the English word for “Schnabeltier” and pointing down to the river. My hunting master remained adamant, mounted his horse, waved at me to follow him and rode towards his breakfast. On the way back I had quite some hunter’s luck and bagged two bears and a  buzzard.

After Mr. Badgery had revitalised himself with a hearty breakfast we ventured out for a rock wallaby hunt as the sun had in the mean time conquered the fog. In the same location where we had achieved favorable results the day before. Already during the first drive an astonishing number of wallabies fled but this time were evading my position and escaped on the side where Wurmbrand and Clam stood, so that one bagged 18, the other 19 pieces. As the day before a few pieces had escaped on my left, the hunting master tried to stop that this time by positioning some people to defend the critical spot. But they had failed to understand their mission and defended not up from my position but in front of my position so that the game almost always retreated before I was able to shoot. Thus my result was only six rock wallabies. A second drive ended without any result while an improvised drive at a valley crossing delivered ten wallabies for me within only a few minutes even though the drive had begun before I had taken up my position.

Now we said good-bye to the beautiful rock valley where we have spent many a good hour yesterday and today and rushed past the farm to a distant hill where we tried to do a last hunt prior to our departure. Unfortunately the attempt failed as the game escaped on the flanks so that only Wurmbrand and Prónay bagged a  wallaby each while I made do with a hare.

This was the end of a eminently successful and interesting hunting expedition in New South Wales. We had to rush back to Sydney where social engagements awaited as an afternoon party was to be hosted by me and the gentlemen of the staff on board of “Elisabeth” to which invitations had been sent out even before my departure to Arthur’s Leigh Badgery station.

In order to prevent any loss of time due to the wagons getting stuck, they had already crossed Wollondilly River earlier and we thus found the vehicles already in good order on the other shore when we crossed it on horseback. Here we said good-bye to the kind farmers and the hunting companions and started our return journey to Moss Vale. Our mounting the wagon was greeted with three “Hurrahs”. After a drive of four and a half hours we arrived in Moss Vale.

As the train would only depart at 2 o’clock in the morning to Sydney, we arranged quickly an improvised night hunt. We found a hunter who owned three well trained dogs that could track possums and quolls (Dasyurus viverrinus), chase them up the tree and then bark.

At the spot outside the village where the hunter was already waiting for us with the dogs, they started their chase on the command of “Go on” only to bark loudly only a few minutes later. I rushed there and saw the dogs barking and jumping at an eucalyptus tree. The moon was favorable so that my first shot already gained me a quoll that I had discovered on a branch after some search. It is also part of the predator marsupials and resembles in build our marten. Its body is slight and elongated. The neck rather long, the head is elongated and the point of the muzzle is of a fleshy red color. The tail is long and uniformly bushy. The toes at the rear legs are armed with strong pointed claws. The fur is on the back a livid brown speckled with white spots, the belly is white. A bit smaller than a possum, Dasyurus viverrinus has a body length of 40 cm and its tail length is about 30 cm. In its way of life this marsupial resembles completely that of a possum. It spends the day in holes and ventures out during the night to feed checking in also in the chicken coops and there murdering everything without mercy.

Urged on by their owner the dogs rushed on and soon afterwards barking was heard again. But this time there was a novelty, namely a possum of a still unknown possum called ring tailed possum. Hunting with the three dogs was a great joy as they found new tracks quickly and pursued it until they had found and stopped the game. Only then did they start barking and waited for the hunters to arrive and kill the piece. The brave pack also retrieved a quoll who probably had not run up the tree quickly enough. The hunter’s son, about ten years old, distinguished himself by his excellent eyes. He was always the first to spot the game among the branches and pointed it out to me triumphantly. When a shot was fired, the boy quickly ran forward to protect the kill from the dogs. Until midnight we had bagged six quolls and six possums — certainly a rare result achieved under original circumstances at night in moonshine.

When we approached the home of the hunter during our march across the woods, the dogs suddenly disappeared and all whistling and calls were in vain. Their owner assumed that they had returned home to rest as they were tired from the long hunt. We followed their example and returned to Moss Vale.

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  • Location: Moss Vale, Australia
  • ANNO – on  25.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing “Faust”. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing “Der Freischütz”.

Badgery Station, 24 May 1893

Today rock wallabies were to be hunted. In a dense fog and severe cold we stopped at the shore of the meandering river where the day before the wagon had been stuck, as I wanted to go and have a look with one of the hunters at a remote spot where it was said platypus happen to be seen. Sneaking through a small pine forest we arrived at the edge of the river but could not see any game except for a duck. Thus we were soon back on horseback and crossed the river and ascended the heights on the opposite side until we reached a deeply cut rocky valley with steep faces in whose bed a spumous river formed a path through the stone. The valley or better the gorge presented a picturesque view thanks to the rocks in the water and the trees and bushes that were growing between them.

This gorge was a favorite spot of the rock wallabies and would serve as the location of today’s hunt. At first, Mr. Badgery had assigned me to a not very well chosen position and the drivers started their drive too early so that, when I finally managed to climb into a better position, rock wallabies already were fleeing towards me at great speed. As their name indicates, they live on rocky ground where they are hiding during the day below projecting rocks or in rock holes while they emerge to feed in the surrounding areas during the night. They do not dare to go out from their hiding place, as they can not flee were well on the ground. The speed they jump around on the rocks, their element, is as surprising as the size of the jumps they execute. While the movements of the kangaroos may be very funny, those of the wallabies are even more so. I have killed some of them in the midst of them jumping. The rock wallabies are rather small but have the most beautiful fur among all kangaroos as it is of a rich brown, and on the belly yellow. Older animals have glittering silver gray streaks in the fur.

The first pieces I bagged jumped like chamois alongside the river from rock to rock. After the first shots the timid animals quickly had discovered the direction out of which peril threatened as I was standing in an open clearing. Therefore I chose another spot and stood deeper down in the gorge behind a rock, so that I could thus kill one piece after the other. This hunt was very lively. Along the line of shooters the shots rang out without interruption like at a good hare hunt and the echo reverberated from the walls of the valley. The drivers also assisted with their whips as they could advance here only on foot. Soon we had bagged 51 rock wallabies of which 26 I accounted for personally.

A second drive took place further downriver in the same gorge after we had waded across the water on horseback and taken up position on the other shore. My position was the furthest one in the gorge. In front of me lay a wild mixed pile of dead trees and to my left a deep water pool reflected huge giant trees. The silence was only broken by the noises of the river. The lovely scenery of the location fascinated me so much that I had almost forgotten to hunt, being lost in thought. There was not only much to see for any friend of nature but also much to do for a hunter. The game appeared at the same time at my position out of two clearings. Even though the drive ended much more quickly than the first one, the result was very satisfying — 33 rock wallabies of which I personally bagged 10.

A quick ride brought us back to the farm where we enjoyed a quick noon break due to the hunting success which we used to sort the numerous furs.

It merits to be noted that the horses of this farm also excelled by their endurance and their skill in moving in very difficult terrain. This can be best exemplified by the brown horse that carried  Mr. Badgery’s respectable weight of 160 kg the whole time and galloped at quick speed without falling back once behind the other horses.

In the afternoon we hunted in the same area as the day before and saw much game even though we had hunted intensively there the day before. I shot five wallabies and my gentlemen 17 as well as a kangaroo.

As it had been my most burning desire to bag one of the rare platypus whose killing had been achieved only by a few European hunters I rode with a burning ambition even though there was only a small chance of success after  4 o’clock with my guide to the river to take up my position. On the way I shot an Australian bear who sat high up on eucalyptus tree. The river that otherwise splashes over the rocks is rather calm for some distance where the platypus should be found, so that one could believe one was at a standing water The heights enclosing the river valley dropped in stony faces down to the shore. Trees at the edge reached out widely into the water. Silence marked this place.

We carefully sneaked up but could for the longest time not see any game until my companion tapped on my shoulder and pointed to a spot below the overhanging shore where I could only distinguish a small black moving line at the surface of the muddy water. I fired and to my greatest joy I saw a dying platypus turn over. With a pole we fished the rare prey out, a fully grown large male of  Ornithorhynchus paradoxus.

This animal is indeed very strange. For a few years one has known that the platypus in fact is laying eggs — this was once been deemed a fairy tale — which are then kept in a nest to be hatched. The platypus reminds in its build as well its behavior in the water most closely of an otter or a beaver, attains an average length of 50 cm and possesses webbing between the very sharp clawed toes on its short feet. On the front legs it even reaches above the toes. At the rear legs the male has also a very large moveable claw about whose precise function nothing is known. Earlier is was assumed that it was poisonous and used as a weapon.

Strange is the duck bill which is soft at the edge. The animal uses it to catch insects living in the water. The tail is smooth similar to that of the beaver and mostly not very hairy. The fur is especially beautiful as it consists of dense beards of a dark brown color with a silver white shading. On the neck, the breast and the belly the fur feels like silk. The eyes are very tiny. The ears barely visible. The platypus lives mostly in calm spots of running water and constructs a lair at the shore that is often up to 10 m long and ends in a chamber. It usually has two entrances, one above the water surface the other below it. In the morning and the evening the animal goes fishing in the surrounding calm water, diving from time to time and reappearing in short intervals on the surface as it can not stay for long under water without catching air. Extremely timid and cautious the platypus returns to its lair at the slightest suspicious noise or hides under bushes and water plants. Usually one can see bubbles rise to the water surface before the animal emerges first with its bill and head then with its back.

My companion urged to visit a spot a bit upriver where he hoped to find other platypus. Here I indeed saw soon, covered by a tree, that rings formed in the water and then a bill, the head and the back of a platypus emerge but the distance was rather great and the animal was not facing me. When it was calmly swimming further away like an otter I tried on the advice of my companion to fire a low probability shot. The grain hit in the right direction of the platypus but it dove below the surface and, appearing again for a fleeting moment, then disappeared for forever. I did not have more luck with a second platypus that I had discovered from the same position also at a considerable distance. As it was already getting dark and thus it was unlikely to catch another prey, I risked a shot that hit well as the hunter assured me but the animal must have sunken or swam into its nest as we did not see it again.

Having reached the farm Mr. Badgery very lively congratulated me  for having bagged the platypus and assured me that bagging a platypus was a great rarity and only one in a hundred hunter is able to boast about such a prey.

At the dinner which took place in very animated mood of all participants I offered a toast to the Queen’s health whose birthday today was celebrated everywhere in the country. Mr. Badgery then gave a long speech in my honor which was kindly replied by me.

The evening was splendid, the moon was up in the sky in full splendor — thus the program could be completed with a hunt for possums. I hunted in the opposite direction as the one the day before. In three hours we circled around the farm in a great arc and returned with good results of ten possums and then after this so successful day in any dimension fall quickly into a refreshing sleep.

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  • Location: Badgery Station, Australia
  • ANNO – on 24.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing “Aus der Gesellschaft”. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Die Walküre”.

Badgery Station, 24. Mai 1893

Heute sollte auf Felsen-Wallabies gejagt werden. Bei dichtem Nebel und empfindlicher Kühle wurde am Ufer des die Gegend in mäandrischen Krümmungen durchziehenden Flusses, in welchem tagsvorher der Wagen stecken geblieben war, halt gemacht, da ich mit einem der Jäger eine abgelegene Stelle aufsuchen wollte, wo zuweilen, wie man mir gesagt hatte, Schnabeltiere anzutreffen sind. Durch ein kleines Nadelgehölz schleichend, kamen wir an den Rand des Wassers, konnten aber außer einer Ente keinerlei Wild erspähen. So saßen wir denn bald wieder im Sattel, durchquerten den Fluss und erstiegen die jenseitigen Höhen, bis wir an ein tief eingeschnittenes, sehr felsiges Tal mit steilen, aufsteigenden Wänden gelangten, in dessen Sohle ein Fluss sich schäumend Bahn durch das Gestein brach. Das Tal oder, besser gesagt, die Schlucht bot dank den mächtigen, vom Wasser umspülten Felsblöcken, zwischen welchen überall Bäume und Sträucher hervorwuchsen, einen pittoresken Anblick.

Diese Schlucht, ein Lieblingsaufenthalt der Felsen-Wallabies, sollte der Schauplatz der heutigen Jagd sein. Ursprünglich hatte mir Mr. Badgery einen nicht glücklich gewählten Stand angewiesen, und überdies jagten die Treiber zu früh an, so dass mir, als ich endlich zu einem besser gelegenen Stand emporgeklettert war, Felsen-Wallabies bereits in voller Flucht entgegenkamen. Diese leben, wie schon der Name andeutet, auf felsigem Terrain, indem sie sich tagsüber unter überhängenden Felsen und in Felslöchern verborgen halten, während
der Nacht aber in die nächste Umgebung auf Äsung ausgehen. Sie wagen sich nicht weit von ihren Schlupfwinkeln hinweg, da sie auf ebenem Boden nicht sehr flüchtig sind; hingegen ist die Schnelligkeit, mit der sie in ihrem Element, den Felsen, umherhüpfen, ebenso erstaunlich wie die Größe der Sprünge, welche sie ausführen. Sind schon die Bewegungen der Känguruhs überaus drollig, so sind es jene der Wallabies, deren ich einige im Sprung erlegte, noch viel mehr. Letztere sind ziemlich klein, haben aber unter allen Känguruhs das schönste Fell; denn dieses ist tiefbraun, am Bauch gelb gefärbt und bei den älteren Tieren schimmern die Spitzen der Haare silberweiß durch.

Die ersten Stücke, welche ich erlegte, sprangen wie Gemsen den Fluss entlang über die Felsblöcke. Nach den ersten Schüssen hatten die scheuen Tiere sehr bald die Richtung, aus der ihnen Gefahr drohte, entdeckt, da ich frei auf dem Hauptwechsel stand, weshalb ich nun, einen anderen Platz wählend, mich tiefer in der Schlucht hinter Felsen aufstellte, so dass ich nun ein Stück nach dem andern erlegen konnte. Diese Jagd gestaltete sich äußerst lebhaft; längs der Reihe der Schützen krachten, wie bei einer guten Hasenjagd, ununterbrochen die Schüsse, deren Echo an den Talwänden wiederhallte; dazu sekundierten die Treiber, die hier nur zu Fuße weiter kommen konnten, mit ihren Peitschen. Bald waren 51 Stück Felsen-Wallabies, deren 26 auf mich entfielen, zur Strecke gebracht.

Ein zweiter Trieb fand flussabwärts in derselben Schlucht statt, nachdem wir das Gewässer zu Pferde durchwatet und am jenseitigen Ufer Stellung genommen hatten. Ich war am tiefsten in der Schlucht postiert, vor mir lagen in wildem Gewirr übereinander abgestorbene Bäume, und links von mir spiegelten sich in einem tiefen Wasserbecken gewaltige Baumriesen. Die nur vom Rauschen des Wassers unterbrochene Stille, die reizende landschaftliche Szenerie des Plätzchens fesselten mich derart, dass ich, in Befrachtung versunken, des Waidwerks fast vergessen hätte, und doch gab es hier nicht bloß für den Naturfreund zu schauen, sondern auch für den Jäger zu tun; denn das Wild kam gleichzeitig auf zwei Wechseln flüchtig an meinem Stande vorbei. Obgleich der Trieb viel rascher beendet war, als der erste, war das Ergebnis desselben — 33 Felsen-Wallabies, wovon ich 10 erlegt hatte — recht befriedigend.

Ein rascher Ritt brachte uns hierauf in die Farm zurück, wo dem Jagdgefolge eine kurze Mittagsrast gegönnt wurde, während wir uns der Sortierung der zahlreichen Felle widmeten.

Es verdient bemerkt zu werden, dass die Pferde auch dieser Farm sich durch ihre Ausdauer und die Geschicklichkeit, mit der sie in schwierigem Terrain vorwärts kamen, als trefflich erwiesen haben, was wohl am besten dadurch dargetan ward, dass der Braun, welcher Mr. Badgerys respektables Gewicht von 160 kg trug, die ganze Zeit hindurch in flottem Galopp gegangen war, ohne einen Augenblick hinter den anderen Pferden zurückzubleiben.

Nachmittags jagten wir in demselben Gebiete wie tagszuvor, und sahen, obschon dasselbe am Vortage scharf abgejagt worden war, doch wieder sehr viel Wild, so dass von mir fünf Wallabies, von meinen Herren aber deren 17 und ein Känguruh geschossen wurden.

Da es mein sehnlicher Wunsch war, eines der seltenen Schnabeltiere. dessen Erlegung nur wenigen europäischen Jägern geglückt ist, zu erbeuten, ritt ich, vom Ehrgeiz gestachelt, obschon wenig Aussicht auf Erfolg eröffnet wurde, nach 4 Uhr mit einem Führer an den Fluss, um mich hier auf den Anstand zu legen. Unterwegs schoss ich einen Australischen Bären, der hoch auf einem Eucalyptus-Stamme saß. Der Fluss, der sonst ziemlich reißend über Felsen dahinstürzt, zieht dort, wo sich die Schnabeltiere befinden sollten, eine Strecke weit ganz ruhig dahin, so dass man beinahe glauben könnte, man befinde sich an einem stehenden Wasser. Die das Flusstal einschließenden Höhen fallen in steinigen Hängen an das Ufer ab; Randbäume ragen von hier weit über den Wasserspiegel hinaus. Lautlose Stille kennzeichnet diesen Platz.
Vorsichtig schlichen wir uns heran, konnten aber geraume Zeit hindurch keinerlei Wild wahrnehmen, bis endlich mein Begleiter mir leise auf die Schulter klopfte und nach einer Stelle unter dem überhängenden Ufer deutete, wo ich an der Oberfläche des trüben Wassers nur eine schmale, schwarze, sich bewegende Linie erblickte. Ich gab Feuer und sah zu meiner größten Freude gleich darauf ein Schnabeltier verendend sich überschlagen. Mittels einer Stange fischten wir die seltene Beute, ein ausgewachsenes, großes Männchen von Ornithorhynchus paradoxus, heraus.

Dieses Tier ist in der Tat äußerst merkwürdig. Seit einigen Jahren erst weiß man, dass das Schnabeltier thatsächlich Eier zur Welt bringt, — dies wurde früher in den Bereich der Fabel verwiesen — welche dann in einem Nest zur Ausbrütung gelangen. Das Schnabeltier erinnert seinem Körperbau sowie seinem Benehmen im Wasser nach am meisten an die Otter oder den Biber, erreicht durchschnittlich eine Länge von 50 cm und besitzt an den kurzen Füßen zwischen den scharfkralligen Zehen Schwimmhäute, die an den Vorderfüßen sogar über die Zehen hinausreichen; an den Hinterfüßen hat das Männchen nach innen eine große, bewegliche Kralle, einen Sporn, über dessen Bedeutung noch nichts Näheres bekannt ist, während früher angenommen wurde, dass derselbe giftig und zur Waffe bestimmt sei.

Eigentümlich ist der an den Rändern weiche Entenschnabel, womit das Tier sehr geschickt im Wasser lebende Insekten fängt; der Schwanz ist glatt, ähnlich jenem des Bibers, abgestutzt und zumeist wenig behaart; der Pelz ist besonders schön, da er aus dichten Grannen von dunkelbrauner Färbung mit silberweißer Schattierung besteht; an der Kehle, der Brust und dem Bauch fühlen sich die Haare seidenartig an; die Augen sind ganz klein, die Ohren kaum sichtbar. Das Schnabeltier lebt zumeist an ruhigen Stellen fließender Gewässer und gräbt sich daselbst am Uferrand einen Bau, der häufig bis zu 10 m lang ist und in einen Kessel mündet; dieser hat meist zwei Eingänge, einen über dem Wasserspiegel, den anderen unter demselben. Morgens und abends schwimmt das Tier fischend in dem ruhigen Wasser umher, ab und zu untertauchend und in kurzen Intervallen, da es nicht lange unter Wasser verbleiben kann, wieder an der Oberfläche erscheinend, um Luft zu schöpfen. Äußerst scheu und vorsichtig, fährt das Schnabeltier bei dem geringsten verdächtigen Geräusch in den Bau oder verbirgt sich hinter Büschen und Wasserpflanzen. In der Regel sieht man schon, bevor das Tier auftaucht, Blasen im Wasserspiegel aufsteigen, worauf es zunächst mit Schnabel und Kopf, dann mit dem Rücken zum Vorschein kommt.

Mein Begleiter drängte, noch eine andere flussaufwärts gelegene Stelle zu besuchen, wo er gleichfalls Schnabeltiere zu finden hoffte. Hier sah ich, durch einen Baum gedeckt, in der Tat bald, wie sich Ringe im Wasser bildeten und darauf der Schnabel, der Kopf, der Rücken eines Schnabeltieres auftauchten, doch war die Entfernung ziemlich groß und das Thier von mir abgewandt. Als es sich nun, einer Otter gleich ruhig schwimmend, noch weiter entfernte, versuchte ich auf Anrathen meines Begleiters einen wenig Erfolg versprechenden Schuss; die Schrot schlugen zwar in der Richtung des Schnabeltieres gut ein, dieses tauchte jedoch in den Fluten unter, um noch einmal auf einen Moment zu erscheinen und dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Nicht besser ging es mir mit einem zweiten Schnabeltiere, welches ich von demselben Standpunkt aus ebenfalls auf bedeutende
Distanz entdeckte. Da es schon dunkelte und daher in keinem Fall auf anderweitige Beute gerechnet werden konnte, riskierte ich den Schuss, der, wie der Jäger versicherte, gut getroffen hatte; doch musste das Tier entweder gesunken oder in den Bau gefahren sein, da wir seiner nicht mehr ansichtig wurden.

In der Farm angelangt, wurde ich von Mr. Badgery zu dem erbeuteten Schnabeltiere äußerst lebhaft beglückwünscht, wobei er versicherte, dass die Erlegung eines Schnabeltieres zu den größten Seltenheiten gehöre und sich von je hundert Jägern kaum einer solcher Beute rühmen könne.

Bei dem Diner, das in sehr animierter Stimmung aller Teilnehmer verlief, brachte ich die Gesundheit der Königin aus, deren Geburtstag heute im ganzen Lande festlich begangen wurde, worauf Mr. Badgery eine lange Ansprache an mich hielt, die ich freudig und herzlich erwiderte.

Der Abend war herrlich, der Mond stand in vollem Glanz am Himmel — so konnte das Programm erschöpft und mit einer Jagd aut Kusus beschlossen werden. Ich jagte in entgegengesetzter Richtung von jener, die tagszuvor eingeschlagen worden war, innerhalb drei Stunden einen großen Bogen um die Farm beschreibend, und kehrte mit der reichen Strecke von zehn Kusus heim, um nach diesem in jeder Beziehung so gelungenen Tage bald in erquickenden Schlaf zu sinken.

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  • Ort: Badgery Station, Australien
  • ANNO – am 24.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Aus der Gesellschaft”, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Die Walküre” darbietet.

Badgery Station, 23. Mai 1893

Da die Farm, Arthur’s Leigh Badgery Station, welche uns während der Jagdtage beherbergen sollte, 34 km von Moss Vale entfernt ist, wurde der Weg dahin von der ganzen Gesellschaft zu Wagen zurückgelegt. Leider hatten wir aber nicht mehr die guten Pferde Mr. Macks, sondern im Gegenteil recht lebensmüde Gäule, so dass wir zu der Fahrt, die in dritthalb Stunden hätte bewerkstelligt werden können, über vier Stunden brauchten.

Das Wetter war günstig, die Temperatur niedrig. Wir kamen durch das eine Bevölkerung von 1240 Einwohnern zählende Städtchen Moss Vale, das sich mit seinen Villen weit ins Land erstreckt und ein dem jeweiligen Gouverneur von Sydney zur Verfügung stehendes Landhaus enthält, welches von jenem in der Regel während der heißen Monate bezogen wird. Der Straße, die über hügeliges Terrain hinwegführt, folgend, durchzogen wir einzelne kleine Ortschaften, aus Wellblech und Holz in dem uns schon bekannten “australischen” Stil erbaut, und kamen an zerstreut liegenden Farmen vorbei, zwischen welchen sich mit dürren, mächtigen Eucalyptus-Stämmen bewachsenes Weideland hinzieht. Unter den Bäumen flogen bunte Papageien hervor. Mehrere Exemplare des Pennant-Sittichs (Platycercus elegans), in dem karminroten Federkleid mit himmelblauen Flügeln und Stößen farbenprächtig anzusehen, fielen mir zur Beute. Nach etwa 13 km traten wir in den Wald, den Busch, ein, welcher doch noch, obgleich von der Axt des Farmers stark gelichtet, schöne, hohe Bäume aufwies, größtenteils wieder Eucalyptus mit Nadelholz untermischt.

An einer Stelle des Waldes machte uns Mr. Badgery auf einen Baum aufmerksam, dessen Äste weit über die Straße ragten; ich blickte empor und sah auf dem Baum ein größeres Tier, nach Art des Faultieres zusammengekauert, an einem Ast hängen.

Ohne über die Art, welcher das Tier wohl angehören könne, klar zu sein, schoss ich mit starkem Schrot danach; der Schuss brachte, obgleich ich, da viel Wolle aus dem dichten, grauen Felle stob, offenbar ganz gut getroffen hatte, wenig Wirkung hervor, denn das Tier klammerte sich mit den Armen nur noch fester an den Ast und schien erst auf den dritten Schuss verendet zu sein, ohne sich vorher merklich geregt zu haben. Eben wollten wir den Baum ersteigen lassen, als das Tier mit einem Mal auf die Straße herabfiel und ich in ihm nun den sogenannten Australischen Bären (Phascolarctus cinereus) erkannte. Derselbe gehört zur Ordnung der Beuteltiere und erinnert in seinem Äußeren an einen kleinen Bären; das ausgewachsene Tier erreicht kaum einen Meter Länge; der Körper ist gedrungen gebaut und mit einem sehr dichten, weichen Felle bedeckt, das am Rücken grau, auf dem Bauch und den Innenseiten der Extremitäten aber weiß ist; der Kopf ist rund wie eine Kugel, die Schnauze abgeplattet; die Ohren tragen Büschel und stehen aufrecht ab; die fünf Zehen der Vorderfüße sind in zwei Gruppen geteilt, die Hinterfüße durch Verwachsung der zweiten und dritten Zehe ausgezeichnet; die beim Klettern wichtige Dienste leistende Daumenzehe der Hinterfüße ist nagellos. Das von mir erlegte Tier hatte ein Junges, welches ihm beim Sturz vom Baum aus dem Beutel gefallen war.

Eine Eigentümlichkeit des Australischen Bären ist dessen Trägheit und Apathie, seine einzige Geschicklichkeit das Klettern; doch erfolgt auch dies mit erstaunlicher Langsamkeit. Wir versuchten einige Zeit danach einen ziemlich tief an einem Baum hängenden Beutelbären durch Schreien und Lärmen zur Flucht oder doch mindestens zu einigen rascheren Kletterbewegungen zu veranlassen; allein derselbe nahm geraume Zeit hindurch keinerlei Notiz von uns, blickte endlich mit lässiger Wendung des Kopfes herab, kletterte wenige Zentimeter höher und blieb dann wieder ruhig auf dem Ast hängen, von dem ich ihn schließlich herabschoss.

Der Australische Bär kommt selten zur Erde herab, sondern lebt beinahe ausschließlich auf den Bäumen; er pflegt auf einem und demselben Stamme so lange zu verweilen, bis er alle Blätter, seine ausschließliche Nahrung, abgeäst hat, und besteigt, wenn der Baum kahl gefressen, einen anderen, der ihm zusagt, um daselbst zu bleiben, bis ihn Nahrungssorgen zu neuerlichem Wechsel des Standortes zwingen. Infolge seiner phlegmatischen Lebensweise wäre dieser Bär gewiss ein leicht zu bestätigendes Wild; er wird jedoch im allgemeinen wenig verfolgt, da sein Fell geringen Wert besitzt — ein Glück, weil dieses merkwürdige Tier sonst wohl bald ausgerottet wäre. Der Verbreitungsbezirk des Beutelbären soll ein sehr beschränkter sein und sich nur auf einzelne Gegenden von Neu-Süd-Wales, insbesondere auf die Wälder im Südwesten Sydneys, erstrecken.

Während der restlichen Fahrt durch den Busch, welche der Qualität der Pferde und der vielen Terrainschwierigkeiten halber recht langsam vonstatten ging, lugten wir eifrig nach Australischen Bären aus, welche jedoch nicht so leicht zu entdecken sind, da man sie auf den Ästen oder Stämmen, deren Färbung mit jener des Wollkleides fast ganz übereinstimmt, kaum wahrzunehmen vermag. Gleichwohl gelang es mir, noch sieben Stücke zu erlegen, wobei ich über die Passivität dieses Tieres den Schüssen gegenüber jedes Mal aufs Neue in Erstaunen geriet. Man trifft den trägen Gesellen natürlich auf den ersten Schuss; aber häufig bedurfte es sogar einer ganzen Reihe von Schüssen, bis der Bär verendet vom Baum, an den er sich mit den Vorderarmen und den Krallen geklammert hatte, herabfiel.

In einem tief eingeschnittenen Tal hatten wir den Wollondilly River mit seinem sehr steinigen Bette durch eine Furt zu übersetzen. Die beiden ersten Wagen passierten das Hindernis glücklich, der dritte aber, auf dem sich Hodek, unsere Jäger sowie ein Teil der Bagage befanden, blieb mitten im Wasser stecken, da sich die Räder zwischen den Steinen festgefahren hatten und die Pferde nicht im Stande waren, das Gefährte wieder flott zu machen; infolge des Stoßes, den letzteres erlitten hatte, flog ein kleiner Koffer ins Wasser und schwamm lustig den Fluss hinab, bis er endlich weit unterhalb der Übergangsstelle wieder herausgefischt wurde. Um den Wagen eines Teiles seiner Last zu entledigen, mussten die Insassen sich endlich entschließen, abzusteigen und das Gewässer zu durchschreiten — ein tragikomisches Bild, da sie begreiflicherweise wenig erbaut waren und nur zaghaft in die kalten Fluten tauchten. Gleichwohl gelang es erst mit Hilfe requirierter Leute, den Wagen in Bewegung zu setzen, aus dem Fluss heraus- und über die jenseitige steile Uferlehne emporzubringen.

Endlich waren wir bei der Farm Badgery Station eingetroffen, einem kleinen, niedrigen, ebenerdigen Gebäude, umgeben von Ställen und primitiven Wirtschaftsgebäuden, inmitten gerodeten Landes gelegen. Hier empfing uns Mr. Badgerys Bruder, der sonst in Moss Vale wohnt, während der nächsten Tage jedoch hier als Jagdleiter fungieren sollte. Unsere Ankunft war infolge der geringen Leistungsfähigkeit der Pferde, der unterwegs betriebenen Jagd auf Bären und derzeitraubenden Durchquerung des Flusses verspätet, nämlich erst gegen 1 Uhr erfolgt, so dass ein Frühstück unvermeidlich schien; gleichwohl stellte der Hausherr für den Rest des Tages noch eine Jagd auf Känguruhs und Wallabies in Aussicht.

Nachdem Reitpferde von der Weide eingefangen worden waren, setzte sich die Kavalkade von 25 Reitern in Bewegung, dem nahen Walde zu; hier trennten sich die berittenen Treiber von uns, während wir einem trockenen Wasserriss entlang unsere Stände bezogen: Vor
uns dehnte sich vorwiegend mit blauen Gummibäumen bewachsenes, hügeliges Terrain aus, in welchem der erste Trieb stattfinden sollte. Kaum auf unseren Plätzen, sahen wir schon allenthalben zwischen den Büschen Wallabies zum Vorscheine kommen, auf welche das Feuer von der ganzen Schützenlinie eröffnet wurde, allerdings nicht immer mit dem gewünschten Erfolge, da einzelne der Schützen sich durch bedeutenden Mangel an Treffsicherheit auszeichneten. Ich hatte keinen günstigen Stand, sah zwar viel Wild, konnte aber, weil dasselbe, eine tiefe Schlucht scheuend, meist zwischen meinen Nebenschützen durchbrach, selten zum Schuss kommen. Die berittenen Treiber wurden ihrer Aufgabe vollkommen gerecht, indem sie nicht so blindlings umherstürmten wie jene, welche bei den Jagden Mr. Macks verwendet worden waren, sondern im Schritte ritten und das Wild durch Schreien sowie durch Knallen mit den Peitschen gegen die Stände trieben. Die Gesamtstrecke betrug 15 Stücke.

Die hier erbeuteten Wallabies — mit diesem Namen werden von den Engländern alle kleineren Känguruharten bezeichnet — unterscheiden sich von dem Riesenkänguruh, das wir bisher gejagt hatten, durch lebhaftere, in das Bräunliche spielende Farbe des Felles. Die erlegten Stücke wurden nach den Trieben gleich an Ort und Stelle abgezogen und die Decken an die Sättel gehängt, um abends in der Farm dem Präparator übergeben zu werden. Das Abstreifen der Decken geschieht mit erstaunlicher, große Übung in dieser Prozedur bezeugender Geschicklichkeit und Schnelligkeit.

Der nächste Trieb fand vom Fuß eines Hügels aus die Lehne empor statt, ohne dass ich hiebei zum Schuss kommen konnte. Die übrigen Schützen hatten fünf Wallabies aufzuweisen.
In zahlreichen Hasen, die ich zu Gesicht bekam, begrüßte ich Vertreter unseres europäischen Lepus timidus, der vor einiger Zeit hier eingebürgert worden ist und sich in seiner neuen Heimat sehr wohl zu befinden scheint.

Obwohl die Sonne bereits im Untergehen begriffen war, wurde noch ein Trieb unternommen; er brachte uns eine Beute von 15 Wallabies und zwei Känguruhs. Soviel ich bemerken konnte, sind die Wallabies scheuer und vorsichtiger als die Känguruhs, denn sie werden schon flüchtig, sobald sich die Treiber nur einigermaßen bemerkbar machen und setzen sich nach wenigen Sprüngen jedes Mal aufrecht nieder, um nach allen Seiten hin zu äugen, wobei sie jede, auch die geringste Bewegung des Schützen wahrnehmen und dann sofort umschlagen oder
in tollen Sprüngen außer Schussweite vorbeisetzen. Manchmal drücken sich die Wallabies, besonders wenn sie schon in die Enge getrieben sind. vor den Treibern nieder und springen erst im letzten Augenblick auf. Einige der erlegten Weibchen trugen Junge in verschiedenen Entwicklungsstadien in den Beuteln.

Nach Schluss dieser sehr gelungenen Jagd kehrten wir in die Farm zurück, um rasch zu speisen, da uns für den Fall, als der Mond sichtbar sein würde, noch eine nächtliche Expedition auf Opossums in Aussicht gestellt war. Was hier “Opossum” genannt wird, ist der Fuchskusu (Phalangista vulpina), während die eigentlichen Opossums (Didelphys) eine in Amerika vorkommende, aus verschiedenen Arten bestehende Gattung von Beuteltieren bilden.
In der That leuchtete Luna gegen 8 Uhr in voller Klarheit hernieder, so dass wir alsbald unter Führung zweier Australier, die in der Jagd auf Opossums Erfahrung hatten, den Marsch antreten konnten, um zunächst den Rand eines Waldes abzustreifen. Die ungewohnte Art der Jagd bei Nacht und im Mondscheine gestaltete sich interessant und spannend.

Auf Geheiß der Jagdkundigen lösten wir uns in eine Linie auf und gingen ziemlich laut vor, um die auf dem Boden äsenden Opossums zum Aufbäumen zu bewegen. Wir waren kaum einige hundert Meter vorgegangen, als mir einer der Jagdleiter durch einen Pfiff andeutete, dass er ein Opossum entdeckt habe, und mich nach einem starken Ast wies, auf welchen sich das Wild gedrückt haben sollte; doch konnte ich dasselbe durch längere Zeit nicht wahrnehmen, und erst als ich mich gegen das auf den Ast einfallende Mondlicht stellte, vermochte ich die Kontur eines Opossums zu unterscheiden, welches sich unbeweglich, nach Art des Marders, gegen den Ast gedrückt hatte. Nach dem Schuss fiel das Tier verendet vom Baum.

Der Körper des Fuchskusus ist etwa einen halben Meter lang, mit einem äußerst dichten, wolligen Felle bedeckt; die Rute ist buschig wie eine Fuchslunte; das Haupt, über das zwei schwarze Streifen laufen, ähnelt mit der spitzen Schnauze jenem des Marders; die Lichter sind groß und schön; die Lauscher stehen aufrecht. Das Tier macht in seinem Körperbau und der Zeichnung einen überaus zierlichen Eindruck. Tagsüber ist es nicht sichtbar, sondern hält sich in Höhlen und Baumlöchern auf und kommt erst mit Einbruch der Nacht hervor; es ist vorwiegend Pflanzenfresser und äst das Gras am Rande der Wälder; die Fundorte sind daher hauptsächlich Schafweiden, die mit großen Bäumen besetzt sind. Der Fuchskusu ist nicht träge wie der Australische Bär, sondern im Gegenteil recht beweglich; nur wenn er auf einen Baum geflüchtet ist, drückt er sich regungslos an einen Ast. Dieses Tier wird seines vorzüglichen und geschätzten Felles halber, sowie weil es sich räuberische Einfälle in die Hühnerställe zuschulden kommen lässt, vielfach verfolgt und dürfte auch bald zu den selteneren Tieren gehören.

Es ist eigentümlich, wie bald sich das Auge daran gewöhnt, die Tiere in dem fahlen Licht des Mondes, das sie auf den hohen Eucalyptus-Bäumen nur wie kleine, dunkle Flecken erscheinen lässt, wahrzunehmen. Wir streiften in der herrlichen, kühlen Mondnacht noch durch etwa zwei Stunden umher und kehrten endlich, nachdem ich sechs Kusus und einen Australischen Bären erlegt hatte, heim.

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  • Ort: Badgery Station, Australien
  • ANNO – am 23.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Der Marquis von Villemer”, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Cavalleria Rusticana” und das Ballet “Rouge et Noir” darbietet.

Badgery Station, 23 May 1893

As the farm called Arthur’s Leigh Badgery Station that was to serve as our quarter during the hunting expedition is 34 km away from Moss Vale, the journey of the whole party was undertaken in wagons. Unfortunately we no longer had access to Mr. Mack’s excellent horses. To the contrary we had to make do with some nags tired of life so that the journey which could have been completed in one and a half hours took more than four of them.

The weather was favorable, the temperature low. We passed through the small town of Moss Vale which has a population of 1240 inhabitants. Its villas extend far out into the land and it contains a country retreat put at our disposition by the governor of Sydney who usually stays there during the hot months. Following the road that leads across this hilly terrain  we passed through a number of smaller villages built in the already familiar “Australian” style of corrugated iron and wood and passed by isolated farms. In between scrawny mighty eucalyptus trunk alternate with overgrown pasture land.  Under the trees colorful parrots were flying around. I bagged multiple specimens of  crimson rosellae (Platycercus elegans), a splendid sight with their crimson feathers with sky blue wings and tail. After about 13 km we entered into a forest, the bush that still had, despite being much cleared by the farmer’s axe, tall beautiful trees, mostly eucalyptus again mixed with pinewood.

In one spot of the forest Mr. Badgery pointed out one tree whose branches extended wide over the road. I looked up and saw a larger animal hang from a branch in the cowering manner of a sloth.

Without being certain about the species this animal might be part of, I shot at it with strong grain. The shot had little effect despite much fur fell out of  the dense gray skin which showed that I had apparently hit it quite well. The animal continued to cling with its arms even harder to the branch and seemed only have perished due to the third shot, without making any noticeable move. We just wanted to climb the tree when the animal suddenly crashed down onto the road and I recognized the so called Australian bear (Phascolarctus cinereus). It is part of the group of marsupials and resembles a small bear in its exterior. The grown animal barely reaches a height of one meter in length, the body is compactly built and covered in a very dense and smooth fur that is gray on the back an white on the belly but the interior sides of the extremities is white. The head is round like a bullet. The tails is flattened. The ears have bushels and extend upright. The five toes of the front leg are divided into two groups, the rear legs are marked by a fusion of the second and third toe. The thumb is most important for climbing, the rear legs do not have nails. The animal I had killed had a child that had fallen out of the pouch during the fall.

A peculiarity of the Australian bear is its indolence and apathy. Its only skill is climbing which it executes astonishingly slowly. We tried some time afterwards to make a koala hanging on a tree flee or at least climb faster by shouting and making noises. Only it did not take notice for a long time, finally coolly turned its head and looked at us, climber a few centimeters higher and again remained quiet hanging from the branch out of which I finally shot it down.

The Australian bear seldom descends down to the ground but lives almost exclusively on trees. It tends to stay on the same trunk until it has eaten all the leaves, its only food source. Having eaten everything, it moves to another it likes and stays there until the quest for new food forces it so seek a new location. Its phlegmatic way of life makes it game that is easy to track. It is usually not hunted much as its fur has little value — fortunately, as otherwise this strange animal would have been soon extinct. The koala’s distribution is said to be limited to a fairly small area and extends only to a few regions in New South Wales, especially the forests in the South-west of Sydney.

During the remaining drive through the bush which took quite some time due to the quality of the horses and the many obstacles in the terrain, we eagerly watched out for Australian bears that are however not easy to spot as they are difficult to identify on the branches and trunks as their coloring almost completely matches those of the fur. Still I managed to bag seven pieces whereas I was each time surprised about the passivity of these animals in regard to the shots. One hits the lazy fellow naturally with the first shot but often ir required a number of shots until the dead bear still holding on with its arms and claws  tumbled down from the tree.

In a deeply cut valley we crossed the Wollondilly River with its very stony bed in a ford. The first two wagons crossed the obstacle successfully but the third one on which were Hodek, our hunters and part of the baggage bogged down in the middle of the water as the wheels got stuck between the rocks and the horses were unable to draw the vehicle out. Due to a jolt a small bag fell into the water and happily drifted off in the river until it could finally be recovered quite a distance from the crossing. To lessen the weight of the wagon, the occupants had finally to decide to dismount and wade through the water — a tragicomic view as they understandably were not happy about this and dove only with hesitation into the cold water. Still only with the assistance of gathered helpers was it possible to move the wagon and get it out of the river and up the steep ledge of the shore.

Finally we arrived at the farm of Badgery Station, a small low-rise single storey building surrounded by barns and primitive estate buildings in the middle of cleared land. Here we were received by Mr. Badgery’s brother who usually lives in Moss Vale but would serve as our hunting guide during the next days. Our arrival was delayed only towards 1 o’clock due to the low performance of the horses, the bear hunting undertaken during the journey and the time-consuming crossing of the river, so that a breakfast could not be avoided. Still, our host announced a hunt for kangaroos and wallabies during the remainder of the day.

After riding horses had been caught from the meadow, a cavalcade of 25 riders moved out to the forest nearby. Here the mounted drivers split off while we assumed our positions alongside a dry stream.  In front of us was a hilly terrain covered mostly with blue rubber trees where the first hunt was to take place.  Hardly arrived in our position we already spotted wallabies appear everywhere between the bushes. The whole line of shooters opened fire but not always with the desired effect as some of the shooters were very lacking in marksmanship. I was not in a good position, though I saw quite many animals I could only rarely shoot as the game was fearful of a deep gorge and preferred to escape between my fellow shooters. The mounted drivers performed their duty well and did not blindly ride around as those use during the hunts of Mr. Mack. They rode at a walk and drove the game with shouts and cracking whips towards the position. The result of the drive was 15 pieces.

The wallabies bagged here — the name used by the English to designate all smaller kangaroo species — differ from the large kangaroo that we had hitherto hunted by a more vivid color of the fur which is more brownish. The bagged pieces were stripped in place after the hunt and the hides hung onto the saddles. In the evening they were handed over to the taxidermist. The removal of the hides is done with astonishing skill and speed revealing a practised hand in this procedure.

The next hunt took place at the foot of a hill up the ledge without me getting a chance to fire. The other shooters could show off five wallabies. In numerous hares that I saw I greeted the representatives of our European Lepus timidus that had been introduced a while ago and seems to like its new homeland very well.

Even though the sun was already setting, another drive was undertaken. It resulted in 15 wallabies and two kangaroos. As much as I could observe the wallabies are more timid and more prudent than the kangaroos as they already start to flee when the driver becomes even a little visible and they always crouch after only a few jumps to watch out all around. If they notice any movement of the shooter they immediately turn or jump madly out of shooting distance. . Sometimes the wallabies hide on the ground if the are driven into a corner by the drivers and only jump at the last moment. Some of the bagged females carried young ones in various development stages in their pouches.

After the conclusion of this very successful hunt we returned to the farm to dine quickly as a night opossum hunting expedition had been promised in the case the moon was visible. What is called “opossum” here is a common brushtail possum (Phalangista vulpina), while the true opossums (Didelphys) are living in America and consist of various species of marsupials. In fact Luna was lighting in full clarity towards 8 o’clock so that we could march out led by two Australians experienced in hunting opossums. First we hunted at the edge of a forest. The unusual night hunt in moonshine was interesting and exciting.

On the order of the hunting experts we formed an open line and advanced quite loudly to get the opossums feeding on the ground to stand up. We had barely advanced a few hundred paces when one of the hunting masters indicated with a whistle that he had discovered an opossum. He pointed a strong branch out to me on which the game should be hiding itself but I failed to see it for quite some time. Only when I moved my back to the moonlight shining on the branch I could distinguish the contours of an opossum which pressed itself motionless against he branch like a marten. After the shot, the dead animal dropped from the tree.

The body of the common brushtail possum is about half a meter long with a very dense woolen fur. The tail is bushy like that of a fox. The head which has two black running strings resembles with its pointed muzzle that of a marten. The eyes are large and beautiful. The ears stand out erect. The animal makes a very delicate impression in build and figure. During the day it is not visible as it hides in caves and tree holes and only emerges at the start of the night. It is mostly a herbivore and grazes at the edge of the forest. It is thus found mostly near sheep pastures with large trees. The common brushtail possum is not lazy like the koala but rather quite agile. Only after it has fled onto a tree it clings motionless to a branch. This animal is often hunted for its excellent and valuable fur as well as it is guilty of raiding the chicken coop. It must be counted among the rarer animals.

It is strange how quickly the eye gets accustomed to see animals in the dim moon light that appear only as small dark blurs on the tall eucalyptus trees. We hunted in the gorgeous cool moon night for about another two hours and then returned home after I had bagged six possums and one Australian bear.

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  • Location: Badgery Station, Australia
  • ANNO – on  23.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing “Der Marquis von Villemer”. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Cavalleria Rusticana” and the ballet “Rouge et Noir”.

Sydney — Auburn — Moss Vale, 22 May 1893

After I had attended mass on board — it was Whit Monday, I visited a large factory in Auburn, situated West of Sydney in the direction of Parramatta. The factory produces meat tins. It is managed by a group of sheep breeders  and supplies the English and the Belgian army with tins. New South Wales is the classic territory of the meat canning industry. Its importance today in meat production from the numerous herds of Australasia has been started 50 years ago by a Mr. Sizar Elliott from Charlotteplace. In 1892 New South Wales was already exporting meat valued at 3,408.144 fl. in Austrian currency.

Built in open meadows the factory lies close to the large cattle and sheep market on which every week many thousands of cows and sheep from all parts of the country are sold. Large enclosed spaces near the factory are intended to keep the cattle and sheep prior to being butchered.

The tour started in that department responsible for the packaging of the containers and cases are produced out of tin. All these processes such as cutting, turning and soldering are done by machines at enormous speed.

The most important part of the factory is butchering sheep located in a hall that contains compartments for groups of ten sheep each. The butcher kills each sheep by slashing the throat of each animal and at the same time breaking the spine by bending the animal’s head over his knee. Then the butchered piece is taken by two assistants who remove the skin, cut off head and feet and put the gutted body on a rolling band which feeds it into a line. The work proceeds at such a speed thanks to the workers’ practice in their bloody trade that the whole procedure from the butchering of a sheep to its loading takes only about two minutes, which explains why a good worker can “handle” about 160 sheep on a daily basis.

The removed skins glide through an opening to a room below where they are packaged to be sold untanned. Heads, feet and entrails are used for producing tallow.

With astonishing skill the workers on the line execute their work in first splitting the body into two parts then removing the parts free of fat and bones, namely loin and ham if they are spotless and move them into cooking cauldrons while the other parts go into pans to produce tallow. It runs out of the pans by special tubes through cooling machines and then directly into barrels. The remainders of the tallow production, namely the bones are used to produce fertilizer.

The pieces of meat intended for preservation are boiled for a short time in cauldrons, then cut into small pieces by machines and pressed into tins that are soldered close after a worker has properly adjusted the mass of meat in the tin. It is then cooked in a water bath in an iron tub. To increase the speed of the process chemical substances are added to the water.

After the completion of this procedure the goods are ready for the market. The whole procedure takes only a few hours from the moment the butchering of the sheep begins to the moment when it disappears into a tin.

In a similar manner beef and sheep tongues are preserved, only the cows are not killed in the manner practised in our country by hitting it on the head. They are shot here. For this purpose cattle are driven into chambers on whose walls are small slits. A butcher approaches to one of the slits, aims for the head’s spot between the horns and shoots one cow after the other with a small caliber rifle, almost a Flaubert.

The factory processes 4000 sheep and 26 cows daily with a relatively low number of workers who are well paid as the weekly earnings are on average around 26,4 fl. in Austrian currency. I tasted various tins and found especially those intended for the military quite tasty. I liked best the beef preserved for the Belgian army.

Back in Sydney we ate breakfast at the amiable and very obliging consul general’s who lived in a very lovely house in one of the suburbs and possesses a large number of interesting objects that he had acquired on his earlier missions in Asia.

As my collection efforts had not abated, I drove in the afternoon to various dealers who had been recommended to me to acquire bird bodies, ethnographic objects as well as platypus hides and there discovered a speciality of Sydney, emu eggs on which were engraved inventive depictions of kangaroos, lyrebirds emus, brushtail possums etc.

A five hour railway drive brought us to Moss Vale, on the Southern Line, 138 km south of Sydney, the starting point for another three days’ hunting expedition. Mr. Badgery, a farmer, on whose extensive property the hunt would take place this time was our guide. In the station of Moss Vale a rich evening meal was waiting for us. Having conquered it, I retired to the salon wagon that had been decoupled while my entourage booked rooms in a nearby hotel.

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Sydney — Auburn — Moss Vale, 22. Mai 1893

Nachdem ich — es war Pfingstmontag — dem Gottesdienst an Bord angewohnt hatte, besuchte ich in dem westlich von Sydney in der Richtung gegen Parramatta gelegenen Ort Auburn eine daselbst befindliche große Fabrik, in welcher Fleischkonserven erzeugt werden. Diese Fabrik wird von einer Anzahl von Schafzüchtern gemeinsam betrieben und versieht die englische sowie die belgische Armee mit Konserven. Neu-Süd-Wales ist der klassische Boden der Fleischkonserven (Meatcanning) Industrie. Diese heute zu so großer Bedeutung gelangte Verwertung des Fleisches der vielköpfigen Herden Australasiens ist vor etwa 50 Jahren von Mr. Sizar Elliott aus Charlotteplace zuerst in Betrieb gesetzt worden; bereits 1892 wurde aus Neu-Süd-Wales Fleisch im Werte von 3,408.144 fl. ö. W. exportiert.

Auf freiem Wiesengrund erbaut, liegt die Fabrik in der Nähe des großen Rinder- und Schafmarktes, auf welchem allwöchentlich viele Tausende von Rindern und Schafen aus allen Teilen des Landes verkauft werden. Große eingefriedete Plätze in der Nähe des Etablissements haben die Bestimmung, das Rind- und Schafvieh vor dem Schlachten aufzunehmen.

Der Rundgang begann mit jener Abteilung der Fabrik, in welcher die zur Verpackung der Konserven bestimmten Schachteln und Büchsen aus Weißblech erzeugt werden. Alle wie immer gearteten Verrichtungen, als das Schneiden, Biegen und Löten des Materials, werden hier mit enormer Schnelligkeit von Maschinen besorgt.

Den wichtigsten Teil der Fabrik bildet die in einer Halle untergebrachte Schafschlächterei, welche Zwinger, in Gruppen von je zehn, zur Aufnahme der Schafe enthält. Der Schlächter tötet jedes Schaf in der Weise, dass er dem Tiere die Kehle durchschneidet und gleichzeitig, dessen Kopf über sein Knie zurückbeugend, das Genick bricht; hierauf wird das derart geschlachtete Stück sofort von zwei Gehilfen übernommen, welche demselben die Haut abziehen, Kopf und Füße abtrennen und den Rumpf, nachdem er ausgeweidet worden ist, auf eine kleine Rollbahn, die ihn den Ausschrotern zuführt, verladen. Die Arbeit vollzieht sich, dank der Übung der Arbeiter in ihrem blutigen Handwerk, mit solcher Raschheit, dass für die gesamte Prozedur, von der Schlachtung eines Schafes angefangen bis zu dessen Verladung, nur ungefähr zwei Minuten erforderlich sind, woraus sich erklärt, dass ein tüchtiger Arbeiter täglich ungefähr 160 Schafe “bearbeiten” kann.

Die abgezogenen Felle gleiten durch eine Öffnung in einen tiefer gelegenen Raum, wo sie verpackt werden, um ungegerbt zum Verkaufe zu gelangen. Köpfe, Füße und Eingeweide finden bei der Talggewinnung Venvendung.

Mit erstaunlicher Fertigkeit walten auch die Ausschroter ihres Amtes, indem sie den Rumpf zunächst in zwei Teile zerlegen, dann die von Fett und Knochen freien Stücke, nämlich Rücken und Schlegel, wenn sie makellos sind, auslösen und zu den Sudkesseln befördern, während die übrigen Teile in die Pfannen wandern, in welchen der Talg gewonnen wird. Dieser rinnt aus den Pfannen durch eigene Leitungen in Kühlapparate und von hier unmittelbar in Fässer. Die Überreste der Talgfabrikation, namentlich die Knochen, werden zu Dungstoffen verarbeitet.
Die zur Konservierung bestimmten Fleischteile werden in den Sudkesseln durch kurze Zeit gekocht, hierauf in Maschinen zerkleinert und in Weißblechbüchsen gepresst, welche, nachdem die Fleischmasse durch Arbeiter noch zurechtgedrückt worden ist, verlötet und in Eisenwannen einem Siedeprozess unterzogen werden, zu dessen Beschleunigung das Wasser mit chemischen Substanzen versetzt ist.

Nach Beendigung dieses Verfahrens ist die Ware marktfähig. Die ganze Prozedur dauert von dem Moment angefangen, in dem mit der Schlachtung des Schafes begonnen wird, bis zu dem Augenblick, in welchem es in den Konservenbüchsen verschwunden ist, nur wenige Stunden.

In ähnlicher Weise werden das Rindfleisch und die Schafzungen konserviert, nur tötet man die Rinder nicht nach der bei uns üblichen Methode durch Schläge auf den Kopf, sondern durch Erschießen, zu welchem Zweck mehrere Stücke in Kammern, in deren Wänden kleine Einschnitte angebracht sind, getrieben werden. Diesen Einschnitten nähert sich sodann der Schlächter, welcher durch dieselben, nach der Stelle des Kopfes zwischen den Hörnern zielend, ein Rind nach dem andern mit einem Gewehre kleinsten Kalibers, beinahe einem Flaubert, erschießt.

Die Fabrik verarbeitet täglich 4000 Schafe und 26 Rinder bei einem verhältnismäßig geringen Stand von Arbeitern, die gut entlohnt sind, da der Wochenverdienst im Durchschnitte 26,4 fl. ö. W. beträgt, Ich verkostete die verschiedenen Konserven und fand namentlich die für das Militär bestimmten recht schmackhaft; am besten mundete mir das für die belgische Armee konservierte Rindfleisch.

Nach Sydney zurückgekehrt, nahmen wir an einem Frühstück bei dem liebenswürdigen und zuvorkommenden Generalkonsul teil, der ein nettes Haus in einer der Vorstädte bewohnt und eine große Anzahl interessanter Gegenstände besitzt, die er während des Aufenthaltes auf früheren Dienstposten in Asien erworben hatte.

Da mein Sammeleifer nicht ruhte, fuhr ich nachmittags zu mehreren Händlern, die mir empfohlen worden waren, um Vogelbälge, ethnographische Gegenstände sowie Schnabeltierhäute zu erwerben, und fand hiebei auch eine Spezialität Sydneys, nämlich Emu-Eier, auf welchen recht originelle Darstellungen von Känguruhs, Leiervögeln, Emus, Kusus u. dgl. m. eingraviert sind.

In fünfstündiger Fahrt brachte uns die Bahn nach Moss Vale an der Southern Line, 138 km südlich von Sydney gelegen, dem Ausgangspunkt einer neuen, dreitägigen Jagdexpedition. Mr. Badgery, ein Farmer, auf dessen ausgedehnten Besitzungen diesmal gejagt werden sollte, gab uns das Geleit. In dem Stationsgebäude zu Moss Vale harrte unser ein üppiges Souper, nach dessen Bewältigung ich mich im abgekoppelten Salonwagen zur Ruhe begab, während meine Begleiter ein nahegelegenes Hotel bezogen.

Links

  • Ort: Moss Vale, Australien
  • ANNO – am  22.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während das k.u.k. Hof-Operntheater eine Soloaufführung mit Personal der Mailänder Scala von “Falstaff” darbietet.