Jodhpur, 1. März 1893

Während der größere Teil der Gesellschaft des Morgens zum Pigsticking ritt, wollte ich auf Anraten mehrerer Schikaris mit Wurmbrand in der Nähe von Dschodpur jagen. Wir fuhren in Begleitung des Residenten, der sich seiner Kränklichkeit halber nicht aktiv an der Jagd beteiligte, ungefähr 3 km vor die Stadt bis zu der Stelle, wo uns die Treiber und ein Jagdleiter, ein ganz junger Mann, empfingen, welcher uns seines vernachlässigten Aussehens halber ein Schikari zu sein dünkte, später aber erfuhren wir, dass er die Stellung eines Oberkommandanten der gesamten Infanterie von Dschodpur einnehme.

Das Jagdterrain war eine sandige Heide, mit spärlichen Büschen bewachsen; nur hin und wieder lag ein Feld oder eine mit trockenem, hohem Gras bedeckte Fläche. Zu Beginn der Jagd begegneten wir nur unglaublich vielen rötlich braunen Ratten, welche ihre Bau im Sand hatten und unablässig vor uns umher huschten. Weiterhin gab es im hohen Gras zahlreiche Wachteln, deren ich eine ziemliche Anzahl erlegte. Im übrigen sah es aber mit dem versprochenen Wild wohl recht kärglich aus; doch schoss ich noch einige Adler und Falken, die mir unbekannten Arten angehörten. Endlich kamen uns nicht einmal mehr Wachteln zu Gesicht, so dass ich, nach dreistündigem Waten im Sand, wenig befriedigt eben nach Dschodpur zurückkehren wollte, als sich in weiter Ferne ein Rudel Chinkara-Gazellen zeigte. Rasch entschlossen requirierten wir einen mit Zebuochsen bespannten Wagen, durch welchen gedeckt wir trachteten, an das scheue Wild heranzukommen, so dass ich einen starken Bock erlegen konnte.

Durch diesen Erfolg angeeifert, wiesen uns die Schikaris eine Jagdgelegenheit, woselbst wir auf mehrere Rudel Gazellen stießen und auf weite Entfernung feuernd noch einige Böcke sowie Gaisen erlegten. Im Eifer der Jagd war die Gesellschaft auseinandergeraten, so dass endlich die einzelnen Schützen sich nicht mehr wahrnahmen und aus verschiedenen Richtungen, aber in der Direktion der anderen Jagdgefährten, auf dieselben Rudel Gazellen ein lebhaftes Feuer eröffneten. Die Folge hievon war, dass von allen Seiten Kugeln durch die Luft pfiffen und jedermann, mochte er auch sonst der größte Held sein, das Heil in der Flucht suchte.

Nach dieser heiteren Episode fuhr ich nach Mandur, das in einer Entfernung von etwa 5 km nördlich von Dschodpur im Hügelland gelegen ist. Einst der blühende Sitz der Fürsten des Reiches Manvar, verfiel die in den Kriegen der Radschputen wiederholt verwüstete Stadt immer mehr, seitdem Rao Dschodha seine Residenz in Dschodpur aufgeschlagen hatte. Heute sind in Mandur nur mehr einzelne Teile des ehemaligen Palastes und Forts, sowie die Verbrennungsstätten und Grabmale der Fürsten erhalten. Acht dieser Grabdenkmale sind in gutem Zustande, sie liegen nahe aneinander und weisen eine Verquickung verschiedener Stilarten auf, ihrem Hauptgepräge nach lebhaft an den Sas Bahu-Tempel zu Gwalior erinnernd. Es sind Dschaina-Bauten, an deren Außenseiten allenthalben unzählige Figuren aus der indischen Götterwelt erscheinen.

An der Stelle, wo diese Mausoleen stehen, wurden die Fürsten nach ihrem Tod mit ihren Frauen verbrannt. Die 120 Frauen des Maharadschas Jaswant Singh jedoch sollen den Feuertod als so heilige Pflicht angesehen haben, dass sie, als der Herr und Gebieter im weit entfernten Land Kabul gestorben war, wie die Sage berichtet, zu Fuße dorthin geeilt sind, um sich verbrennen zu lassen. Die hervorragendsten Kenotaphe sind: jenes des Maharadschas Takat Singh (gestorben 1873), an dessen Grab die fürstliche Familie und die Würdenträger des Reiches alljährlich zweimal Opfer und Geschenke darbringen, ferner jene Rao Maldeos, Mota Radscha Ude Singhs, Sur Singhs und das durch seine schöne Architektur und seine Größe bemerkenswerte Dewal (Heiligtum) Adschit Singhs.

Zwischen Obstgärten sieht man die Überreste des ehemaligen Palastes; da steht zunächst, von hohen, schattigen Bäumen umgeben, eine Art kleinen Lusthauses, geschmückt mit Agraer durchbrochener Ornamentik; dann folgen Teile von Gebäuden und Tempeln mit tiefen, jetzt verfallenen Wasserbecken. Einen gewissen Kontrast zu den sonst stillen Plätzen und Räumen bildet ein von den Gläubigen noch jetzt besuchter Tempel, der mit Zinnober und Blattgold scheußlich bemalte fratzenartige Hautreliefs der Göttin Kali, Krischnas und des Elephantengottes birgt. Ein wild aussehender Fakir mit mähnenartigem Haare sitzt hier singend in Weltentsagung auf einem erhöhten Steine, von Almosen lebend.

Dem Tempel reiht sich die noch ganz gut erhaltene Götter- und Helden-Galerie mit Darstellungen der ersten Radschputenfürsten, überlebensgroßen, leichtbemalten Hautreliefs aus Stuck an, welch letzterer mit einer Glasur von Steingut überzogen ist. Alle Fürsten sind mit gar grimmigen Gesichtern, zu Pferde und in reichem Waffenschmuck sowie mit den verschiedenartigsten Attributen ihrer Macht dargestellt. Bei der Bemalung der Pferde scheint der ehrenwerte Schöpfer dieser Kunstwerke etwas fehlgegriffen zu haben, da alle Gäule entweder himmelblau oder rosenrot sind. Interessant ist die Beobachtung, dass Gewänder, Waffen, Schmucksachen und Rüstungen der Reiter, deren sie sich vor vielen hundert Jahren bedienten, von den heute üblichen nur wenig abweichen.

Während in den westlichen Ländern das rascher pulsierende Leben der Völker häufig in nur kurzer Zeit auf den verschiedensten Gebieten tief eingreifende Umgestaltungen mit sich bringt, vollziehen sich in Indiens einheimischer Kunst und Kultur selbst im Laufe von Jahrhunderten nur ganz geringe Veränderungen. Dieses langsame Vorschreiten des Volksgeistes in Indien beruht einmal darauf, dass hier Kultur und Kunst schon in altersgrauen Zeiten tiefe Wurzeln geschlagen haben; dann auf dem Umstand, dass die Inder ihre Traditionen und Gebräuche teils des steten Konnexes mit der Religion halber, teils vermöge der Gliederung in Kasten, getreu von einer Generation auf die andere vererben.

Auf dem Rückweg in unser Camp lauerte uns ein Bruder des Maharadschas, Kischur Singh, ein sehr jovialer Herr, freundlich lächelnd vor seinem Landhaus auf. Er begrüßte uns, worauf ich wieder einmal dem Sandelöl ein Taschentuch opfern musste und endlich von Kischur und allen seinen Begleitern wie eine gefeierte Opern-Diva mit Blumen und Kränzen überschüttet wurde.

Abends ergoss der Vollmond sein mildes Licht über unser Lager, über das Fort und die vielen umliegenden Festungswerke, die sich in gespenstischen Formen vom Horizont abhoben; tiefe, nur hin und wieder vom Bellen eines Schakals oder dem Rufe des Käuzchens unterbrochene Ruhe umfing uns. Lange wanderte ich, nachdem ich eine Reihe von Briefen für die Heimat vollendet, Gedanken und Träumen nachhängend, unter den Vorwerken des Forts einher.

Links

  • Ort:  Jodhpur, Indien
  • ANNO – am 01.03.1893 in Österreichs Presse. Der Kaiser reist in die Schweiz um die Kaiserin zu treffen. Incognito als “Bayrischer Prinz”  trifft er in der Früh in Zürich ein und am Nachmittag um 5 Uhr in Territet, wo er vermutlich bis zum 5. März verweilen wird.  Der Kaiser und die Kaiserin sind Arm in Arm zum Hôtel des Alpes gegangen, wo sie die erste Etage bewohnen.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt als Ersatz “Die Ahnfrau”, während das k.u.k. Hof-Operntheater “Der Postillon von Longjumeau” aufführt.

Jodhpur, 1 March 1893

While the larger part of our group rode out for a morning pigsticking, I wanted to hunt close to Jodhpur with Wurmbrand on the advice of a few shikaris. We drove about 3 km outside the city in the company of the resident who did not participate actively in the hunt due to his fragility. There we were received by the drivers and the hunting master, a very young man whose disheveled looks made him half a shikari but we later learned that he occupied the position of a commander of all the infantry in Jodhpur.

The hunting ground was a sandy moor with sparse bushes. Only now and then there was a field or ein dry area with high grass. At first we met only an incredible number of reddish brown rats that had their burrows in the sand and hurried around without interruption. Then there were numerous quails in the high grass of whom I shot quite a few. Otherwise it looked quite bleak in regard to the promised game. I then shot some eagles and falcons that were of species unknown to me.  Finally not even the quails made their appearance any more so that after wading for over three hours I was returning not much satisfied to Jodhpur when a herd of chinkara gazelles became visible in the distance. We quickly decided to appropriate a wagon with a zebu ox team in whose cover we approached the shy game so that I could bag a strong male.

Excited by my hunting success, the shikaris now led us to a new hunting location where we met a number of gazelle herds and shot some bucks and females at a distance. In the heat of the hunt, the hunting party had spread out so that the individual shooters were no longer aware of the others and fired vividly at the gazelles but in the direction of the other hunters.  This resulted in bullets criss-crossing the air and everyone, even those that might be great heroes otherwise, thought their safety in flight.

After this cheerful episode, I drove to Mandur, located about 5 km to the north of Jodhpur in the hillside. Once the prosperous residence of the princes of the kingdom of Marwar,  the city decayed having been devastated repeatedly during the wars of the Rajputs since Rao Jodha had shifted his residence to Jodhpur. Today only parts of the former palace and fort as well as the burial grounds and grave monuments of the princes remain. Eight of those grave monuments are in good condition. They lie close to each other and display a mix of different styles, reminding me of Sas Bahu temple in Gwalior in their main style. These are Jaina buildings on whose exteriors everywhere appear numerous figures from the Indian sagas.

On the spot where those mausoleums stand is the place where the princes after their death and their wives were burnt. The 120 wives of the maharaja Jaswant Singh, however, are said to have regarded the fire death as a holy duty so that they marched on foot to the distant Kabul where their lord and master had died to be burnt there as the saga tells it. The most outstanding cenotaphs are that of maharaja Takat Singh (died 1873), on whose grave the princely family and the dignitaries offer sacrifices and presents twice per year as well as those of Rao Maldeo, Mota Radscha Ude Singh, Sur Singh and Dewal (sanctuary) Ajit Singh, remarkable by its beautiful architecture and size .

Between the fruit gardens one sees the remains of the former palace. There stood surrounded by high shadow giving trees a sort of pavilion decorated with cut out ornaments from Agra. Then followed parts of buildings and temples with deep now ruined water basins. A certain contrast to the otherwise quiet places and rooms is formed by a temple still visited by believers today which has awfully painted high reliefs in vermilion and gold leaves of the faces of the goddess Kali, Krishna and the elephant god. A wild looking fakir with a mane sits here chanting renouncing the world on a raised stone, living from alms.

The temple continues the well conserved gallery of gods and heroes with images of the first Rajputana princes in larger than life lightly painted high reliefs made out of plaster which is glazed over by stone ware. All princes have fierce expressions and are on horseback with rich weapons as well as various attributes of their power. The creator of these works of art seems to have made a mistake in the coloring of the horses as all horses are either sky-blue or rose-red. Of interest is the observation that the clothes, weapons, jewelry and armor of the riders who used to wear them hundreds of years ago differ but little from those in use today.

While the pulsating life of people in western countries brings change at a fast pace that lead to deep changes in various areas, the native culture and art in India changes but little even during the passing of centuries.  This slow progress of the popular culture rests both on the reason that culture and art have deep roots dating back to ancient times and that the Indians cherish their traditions and customs partly due to their deep connection with religion partly due to the caste system which transmits everything from generation to generation.

On the way back to our camp we were approached by a brother of the maharaja, Kishur Singh, a very jovial gentleman with a friendly smile in front of his country house. He greeted us which made me sacrifice another handkerchief to the sandalwood oil and I was finally covered with flowers and garlands like an opera diva by Kishur and all his entourage.

In the evening the full moon spread its mild light over our camp, the fort and the many surrounding fortifications which rose in ghostly shapes on the horizon. A deep quietness only now and then broken by the howls of a jackal or the chirp of a little owl. After I had completed the letters to be sent home, I wandered around for a long time in thoughts and dreams among the outworks of the fort.

Links

  • Location:  Jodhpur, India
  • ANNO – on 01.03.1893 in Austria’s newspapers. The Austrian Emperor is travelling incognito as a “Bavarian Prince” to Switzerland to meet the Empress. After a short stop in the morning in Zurich, the Emperor arrived in Territet at 5 o’clock in the afternoon. The Emperor will probably stay there until the 5th of March. Arm in arm, the Emperor and the Empress walked to the Hôtel des Alpes.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater plays a drama “Die Ahnfrau” (as a replacement), while the k.u.k. Hof-Operntheater presents “Der Postillon von Longjumeau”.

Jodhpur, 28. Februar 1893

Nächst Adschmir berührt die Bahnstrecke die Ausläufer des Arawali-Gebirges, welches die westliche Grenze des gewaltigen Stromgebietes des Ganges bildet. Aus Schiefern, Quarzen und Gneiß bestehend, ist das Arawali-Gebirge geologisch durch seine Faltung, geographisch durch seine Rolle als Scheidewand zwischen Ost-Radschputana und dem schon zum Gebiet der Wüste oder richtiger gesagt der Mulde Tharr gehörenden Flachland von Marwar bemerkenswert. Die Kette der Arawali mag in einer früheren Periode die Küste einer Meereszunge gebildet haben, in welch letzterer das Hügelland von Dschodpur eine Insel dargestellt hat. Spärlich bebaut und besiedelt, wasserarm und reich an Sand, weist jener Teil West-Radschputanas, den wir durchfuhren, anscheinend denselben landschaftlichen Charakter auf, wie die Gegend von Alwar. Täler in der Breite von 16 bis 24 km erschienen von Hügelketten eingefasst; bebautes Land wechselt mit ausgedehnten Heideflächen ab, die dort, wo süßes Wasser und Strauchwerk Tränke und Deckung bieten, ganzen Rudeln von Wildschweinen, sowie Gazellen und Black-bucks Aufenthalt gewähren.

Schon aus weiter Ferne blickten uns über die kahle Ebene her die Sandsteinhügel, der hoch aufragende Burgberg, das Fort und einzelne Paläste von Dschodpur entgegen. Um 9 morgens lief unser Zug in den Bahnhof ein.

Auf dem Perron empfingen mich Dschaswant Singh Bahädur, der Maharadscha von Dschodpur oder, wie sein Reich auch genannt wird, von Marwar, der britische Resident Colonel Abbott und die Würdenträger des mächtigen Radschputenfürsten. Alle trugen ihre so kleidsamen Nationalcostüme; das Gewand des Maharadschas war mit den kostbarsten Smaragden und Rubinen geschmückt. Der Empfang war in jeder Beziehung glänzend. Außerhalb des Bahnhofes harrte eine große Volksmenge, während Truppen Spalier bildeten. Diese sowie die uns begleitende Eskorte waren von dem Kavallerieregiment. welches der Maharadscha der englischen Regierung stellt. Auch reich  geschmückte Elephanten, mit kostbaren goldgestickten Decken versehen, und der Marstall waren en pleine parade ausgerückt. Das Kavallerieregiment sieht ausnehmend gut aus und ist weitaus das schönste, welches ich bisher in Indien gesehen; durchwegs aus gut gewachsenen Leuten rekrutiert und mit vorzüglichen, größtenteils einheimischen Pferden beritten gemacht. Die Adjustierung besteht aus weißem Rock mit lachsrotem Gürtel und weißen Hosen, lichtgrauem Turban mit kleiner silberner Aigrette; die Bewaffnung aus Lanze mit Fähnlein und Karabiner – ein malerischer Anblick.

Die Konversation mit dem Maharadscha, der etwa 50 Jahre zählen dürfte, struppigen, schwarzen Vollbart trägt und ernst in die Welt blickt, ging etwas schwerfällig vonstatten, da Crawford jedes Wort in die Hindustani-Sprache übersetzen musste.

Der Radschputenstaat Marwar oder Dschodpur, den angeblich Rao Siadschi, ein Enkel Maharadscha Dschaj Tschands, Königs des am rechten Gangesufer gelegenen Reiches von Kanodsch (Kanauj). im Jahre 1211 n. Chr. gegründet, hat sich seit jeher durch die Tapferkeit seiner Fürsten und Krieger hervorgetan.

In der Reihe der Fürsten von Dschodpur erscheinen besonders bemerkenswert: Rao Dschodha, der Stifter der neuen, nach ihm benannten Hauptstadt Dschodpur (1459); Rao Maldeo, unter dessen Herrschaft der Großmogul Akbar Marwar mit Krieg überzog (1561). Rao Maldeos Sohn, Tschander Sen, bot dem Großmogul 17 Jahre lang die Spitze; Rao Ude Singh, dem vom Großmogul der Titel Mota Radscha und neuer Länderbesitz verliehen worden ist; Sur Singh (gestorben 1620) und Gadsch Singh, dessen Sohn (gestorben 1638), genannt Dalthamban, »die Abwehr des Feindes«, beide große Krieger; der ebenso gelehrte als streitbare, im Jahre 1638 zur Regierung gelangte Dschaswant Singh, dessen Macht selbst ein Aurengzeb fürchten gelernt hatte, und endlich Takat Singh (gestorben 1873), ein Seitenspross des regierenden Hauses, der während des Aufstandes vom Jahre 1837 auf der Seite Englands stand. Der Sohn Takat Singhs ist der jetzt regierende Maharadscha, unter dessen Machtgebot Dschodpur, das, von kleinen Trübungen abgesehen, seit dem im Jahre 1803 mit England abgeschlossenen Friedensvertrage der britischen Krone treu anhängt, modernen Reformen unterzogen wurde und neuer friedlicher Blüte entgegenreift.

Wir sahen sonach in Dschaswant Singh den Abkömmling der Rathor, eines Hauptstammes der alt-arischen Sonnendynastie, einen Urenkel der Sonnenkönige, deren Taten das Nationalepos Ramayana verherrlicht, deren Städte und Residenzen in altersgrauer Zeit das Zwischenstromland des Ganges und der Dschamna erfüllt haben. Die nicht eben zahlreichen Radschputen sind edlen Stammes und nicht bloß im Volk, sondern selbst durch englische genealogische Werke als Nachkommen der glorreichen Geschlechter der uralten Sonnenkönige beglaubigt.

Das Haus Dschaswant Singhs gehört zu den durch Macht und Ansehen blühenden Herrscherhäusern Radschputanas und ist in der Lage, sich wahrhaft königlichen Blutes zu berühmen. Gleichwohl sollen zwischen Mitgliedern dieses Hauses und solchen der großmogulischen Dynastie abgeschlossene Ehebündnisse wiederholt zu erbitterten Streitigkeiten und Kriegen zwischen Dschodpur und Udaipur geführt haben, da die in Udaipur regierende Familie, auf ihre reinblütige Abstammung stolz, jede Verbindung mit der dem Hause der Großmoguln versippten Dschodpurer Dynastie als Missheirat betrachtete. Dieser Zwist vermochte schließlich nur unter der Bedingung geschlichtet zu werden, dass die den Ehen mit Prinzessinnen aus dem Hause Udaipur entstammenden Söhne der Fürsten von Dschodpur in der Erbfolge den Vorrang eingeräumt erhielten.

Der Staat Dschodpur umfasst rund 95.000 km mit etwa drei Millionen Einwohnern, worunter 86 Prozent Hindus, deren Mehrzahl auf Radschputen entfällt, 10 Prozent Dschainas und 4 Prozent Mohammedaner. Getreide, Opium, etwas Baumwolle, Tabak und Zuckerrohr, Obst, Vieh, Häute und Wolle, Marmorwaren aus Makräna, sowie Salz bilden die Hauptprodukte des Landes. Großartige Salzlager finden sich als Auswitterung auf dem Boden jener Mulde, welche zur Regenzeit den 480 km2 umfassenden Sambar-See bildet. Die Ausbeutung dieses Lagers, welches im Jahre durchschnittlich 300.000 englische Tonnen Speisesalz liefert, ist im Jahre 1870 seitens der Uferfürsten von Dschodpur und Dschaipur als Hoheitsrecht der englischen Regierung abgetreten worden, welche den Betrieb und Verschleiß dieses größten aller indischen Salzwerke rationell eingerichtet hat.

Abgesehen von den irregulären Truppen zählt die Armee 256 Mann Artillerie mit 75 brauchbaren Kanonen, 3162 Reiter zu Pferde und auf Kamelen und 3653 Mann Infanterie. Nebstbei hält der Maharadscha ein Regiment von 600 Mann zu Pferd zur Verfügung der englischen Regierung — vielleicht die best berittene und adjustierte der Imperial Service Troops in Indien, der unter Aufsicht der englischen Regierung stehenden Kontingente indischer Fürsten.

Neben dem Galawagen ritt rechts der Bruder des Maharadschas, der Maharadsch Adhiradsch Colonel Sir Pratap Singh, der allmächtige Reformator von Dschodpur, der eine Reihe von Würden in seiner Person vereint. Er steht als erster Minister (Awal Musahib) an der Spitze der Verwaltung und kommandiert nebstbei sämtliche Truppen seines Bruders, dessen Ratgeber er in allen Angelegenheiten ist. Ein energisches, ausdrucksvolles Gesicht bekundet die Fähigkeit dieses Reichskanzlers und Generalissimus von Dschodpur zu allen seinen Ämtern. Er ritt ein schönes englisches Vollblutpferd, das er bei Gelegenheit des Jubiläums der Königin in England gekauft hatte. Zur Linken des Wagens ritt Hardschi Singh, ein Adjutant des Mahäradschas, ein selten schön gewachsener junger Mann, der sich in allen Sports ganz besonders hervorthut und namentlich beim Polospiel und Pigsticking, als echter Radschpute Schneidigkeit und Ausdauer betätigend, in seinen Leistungen unerreicht sein soll. Zum Reiter geboren, macht er im Sattel eine brillante Figur, hat einen beneidenswerten Sitz und scheint mit seinem Pferde verwachsen.
In einer Art Gartenanlage, Paota Bäg, unweit von Rai-ka Bäg, dem im Osten der Stadt gelegenen Sitze des Maharadschas, war für uns mit indischer Pracht und Raumverschwendung ein Zeltlager errichtet worden, das, ebenso wie die bisher bewohnten, eine kleine Stadt für sich bildete. In meiner mit wertvollen Teppichen ganz ausgelegten Behausung fand ich eine Anzahl Genfer Spieluhren und Werkes, die ein Gegenstand besonderer Vorliebe des Maharadschas zu sein scheinen. Vor dem Zeltlager dehnte sich eine parkähnliche mit Springbrunnen, Marmorstatuen und schattigen Bäumen gezierte Avenue aus; überall standen Wagen, Reitpferde, ja sogar Bicycles zu unserer Verfügung; ganze Züge von Kamelen schleppten ununterbrochen in großen Schläuchen Wasser herbei, um das Löschen des lästigen Staubes zu ermöglichen.

Eine halbe Stunde nach meiner Ankunft erschien der Maharadscha in glanzvollem Aufzug, umgeben von Würdenträgern und Leibwachen, um mir seine offizielle Visite zu machen, die in landesüblicher Weise verlief. Er und ich auf zwei Thronsesseln; rechts von uns die europäische, links die indische Suite; einige verdolmetschte Phrasen als Bindemittel. In einer Kunstpause stand der englische Resident auf und stellte mir die indischen Hofchargen vor, worauf ich dem Maharadscha Attar und Pan überreichte, ihn mit Blumen bekränzen und ihm einen Tropfen des so bösen Sandel- und Rosenöles in das Sacktuch geben musste. Offizielle Besuche sind in der Regel die einzige Gelegenheit, bei welcher sich die Inder des letztgenannten Kulturgegenstandes bedienen, da ihnen sonst einfachere Mittel genügen.

Der Visite musste selbstverständlich sofort der Gegenbesuch folgen, weshalb ich, nachdem zwei eingeborene Herren mich abgeholt hatten, unter dem unausgesetzt salutierenden Donner der Batterien an dem Justizpalast, einem großen, vor kurzem erst vollendeten Gebäude in indischem Stile, vorbei in die Residenz des Maharadschas fuhr.

Dieser Palast stellt sich als ein eigentümlicher, runder Bau mit ebenfalls runden, vorgebauten Türmen dar, welcher einem großen Glashaus oder einem Ausstellungspavillon ähnelt. Der grellweiße Anstrich blendet durch Reflektierung des Sonnenlichtes das Auge. Im Souterrain liegen offene Galerien für Pferde. Auf einer sehr steilen, steinernen, stufenlosen Rampe, welche direkt in das erste Stockwerk führt, empfing mich Freund Dschaswant Singh, während seine Truppen im Hofe präsentierten und eine Regimentskapelle unsere Hymne als Schnellpolka spielte. Der erste Stock des Palais besteht bloß aus einem runden Empfangszimmer mit kleinen Nebenzimmern, die mit wenig geschmackvollen europäischen Bildern und Nippsachen angefüllt sind. Die Gegenvisite unterschied sich vom Besuch des Maharadschas nur dadurch, dass jetzt ich der leidende Teil war, indem ich mit Sandelöl bedacht wurde und Betel kaute, den ich zum ersten Mal, auf die Gefahr hin, rote Zähne zu bekommen, versuchte. Ich fand ihn ungemein scharf und herb schmeckend, sowie Durst erzeugend.

Unter allen Bewohnern Indiens, die ich bisher gesehen, gefielen mir am besten die Radschputen, von welchen freilich nur relativ wenige eine reinblütige Abstammung aufzuweisen vermögen, wogegen jeder andere Hindu, der zu Reichtum und Ansehen gelangt, bemüht ist, seinen Glanz durch einen apokryphen Radschputen-Stammbaum zu erhöhen. Die Männer sind groß, kräftig, schlank, mit schwarzen Schnurr- und Vollbärten, die sie in ganz origineller Weise nach aufwärts bürsten, ja sogar um die Ohren winden. Sie haben in vorteilhafter Abweichung von den übrigen, zumeist schlappen und lässigen Hindus ein martialisches, echt soldatisches Aussehen, das auf den ersten Blick auffällt und wohl von ihrer jahrhundertelangen kriegerischen Beschäftigung herrührt. Stets haben die verschiedenen Fürsten und Stämme, ja sogar benachbarte Dörfer untereinander in wilder Fehde gelebt; stets gab es Krieg, Raubzüge und blutige Unternehmungen. Noch heutzutage, wo kaum noch zehntausend echte Radschputen in der englischen Sipoi-Armee dienen. trägt jeder männliche Radschpute sein scharf geschliffenes Schwert: ja sogar die Kutscher auf dem Bock sind mit Schwertern umgürtet. Auch der Charakter des Landes zeugt von den Kämpfen früherer Zeiten, indem jede Stadt, jeder kleine Ort, jeder Palast auf das sinnreichste mit Mauern, Wällen und Bastionen befestigt ist. Auf zahlreichen Bergen sieht man noch Ringmauern und Auslugtürme sowie die kleinen Burgen, welche von den einzelnen Fürsten gegen die Einfälle ihrer unruhigen Nachbarn errichtet worden sind.

Mit den kriegerischen Eigenschaften der Radschputen steht offenbar im Zusammenhange, dass diese vorzügliche Reiter sind. Nirgends sah ich so gewandte Naturreiter, so gute und besonders gut gehaltene Pferde, als in Dschodpur. In den jetzigen friedlichen Zeiten widmen sich die Radschputen dem Reitsporte und zeichnen sich namentlich im Pigsticking, sowie im Polo aus, worin sie durch ihre Geschicklichkeii zu Pferde alle Engländer schlagen. Tonangebend sind in Sachen des Reitsportes Sir Pratap Singh und Hardschi Singh, sowie Major Beatson, ein liebenswürdiger und tüchtiger Offizier, der sich den einheimischen Sitten und Passionen assimiliert hat, mit den Eingeborenen reitet, jagt und unter ihnen besonderes Ansehen und Vertrauen genießt. Er wurde vor drei Jahren nach Dschodpur gesandt, um die Imperial Service Troops dieses Staates zu organisieren. Major Beatson erzählte mir, dass es ihm wahre Freude gemacht habe, mit den Dschodpurern zu arbeiten; sie hätten ihm viel guten Willen entgegengebracht und so sei es ein Leichtes gewesen, eine vorzügliche Truppe zusammenzustellen.

Der Rest des Tages gehörte der Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten. Erstere, etwa 60.000 Einwohner zählend, am Südfuß der Hügelkette gelegen, die sich hier aus der Ebene erhebt, ist von langen, durch sieben Tore unterbrochenen Mauern umgeben. Zunächst lenkte ich meine Schritte in den Bazar, jenen Ort der indischen Städte, der das Volksleben in seiner Ursprünglichkeit zeigt und dem ethnographischen Sammler reiche Ernte bietet.

Dschodpur ist bemerkenswert als Sitz reich entwickelter kommerzieller Tätigkeit, welcher ein ansehnlicher Teil der Einwohnerschaft obliegt, wie denn überhaupt ein beträchtlicher Bruchteil der Bevölkerung Indiens im Betriebe verschiedener Handelszweige seinen Erwerb sucht.

Dem Handel in allen seinen Formen, vom Tausche der Feldprodukte gegen kurze Waren angefangen bis hinauf zur Spekulation in Weltartikeln und Eisenbahnaktien, Hypotheken und Wechselbriefen, ist die Tätigkeit von etwa zehn Millionen Indern, welche verschiedenen Rassen, Kasten und Konfessionen angehören, gewidmet. Die Kaufleute, welche Warenhandel en gros und Geldgeschäfte betreiben, seit alter Zeit Mahädschan, »große Leute«, genannt, sind, ebenso wie die Krämer, Händler, Marktfahrer, Hausierer, nach dem Prinzip, jeden Erwerbszweig in Kasten zusammenzuschließen, in Gilden und Zünften vereinigt. Der Einfluss dieser auf dem Gebiete des Verkehrs ist so maßgebend, dass ihnen in den Hauptemporien Indiens selbst europäische Firmen beizutreten pflegen.

Im Rang auf die Brahmanen und die Radschputen, die Adeligen, folgend, spielen die Banquiers (Parikh), ferner die Großhändler (Rakam betschnewälä) und Wechsler (Sarräf) in den Städten eine ebenso wichtige Rolle, wie die Kleinhändler (Chürdafarösch), die Aufkäufer, die Dorfkrämer und Darleiher auf dem flachen Lande. Die Könige des indischen Handels sind die Parsi-Kaufherren, deren Wechsel wie im anglo-indischen Reiche, so auch auf dem Londoner Platze und in den chinesischen Häfen Respekt einflößen. Für den Reichtum und die Munificenz dieser Parsis sprechen zahlreiche öffentliche Bauten und Stiftungen. Die zahlreichste aller Handelskasten ist jene der Baniyas, die vornehmlich Export treibt. Die originellsten Figuren weisen die Bandscharis auf, eine Art von Frachtführern, die, wohlbewaffnet und tapfer, mit Ochsenkarawanen durch das Land streifen.

Durch die Wüste Tharr, an deren Rand die blühendsten Radschputenstädte liegen, ziehen von Afghanistan, Herat, Kabul, Ghasna, Kandahar und von dem belutschistanischen Kelat her Handelskarawanen den lockenden, reichen Stromländern Hindustans zu, die Waren, die Tragthiere, die Weiber eifrig bewachend; in den Sandhügeln nach Brunnen, Strauchwerk und Steppengras ausspähend; rastend, wo die Bauern der spärlichen Dörfer süßes Wasser zur Benetzung der Gärten, zum Trank der Menschen und der Herden erbohrt haben. Hyänen und Steppenwölfe durchstreifen die Steppen des Tharr; gefährlicher aber als diese Raubtiere erscheinen den Karawanen und den Herden auf der Weide die radschputischen Raubritter, die hier, in kleinen, steinernen Burgen hausend, mit ihren Mannen den Marktfahrern und Hirten auflauern, um sie zu plündern.

Welche Entwicklung der Handelsgeist in Marwar seit altersher genommen, zeigt der auf Marwar (Dschodpur) zurückleitende Gesamtname der Händler aus dem Nordwesten Indiens: Marwari. Heute jedoch hat Marwar seine Bedeutung als Brennpunkt der Handelstätigkeit Nordwestindiens längst eingebüßt. Dagegen genießt das benachbarte Adschmir mit seinen meist der Dschaina-Sekte angehörenden Kaufleuten und seinen berühmten Bazarpalästen den Ruf, der Hauptgeldmarkt von Radschputana zu sein.

Gleichwohl herrscht im Dschodpurer Bazar auch jetzt noch lebhaftes Treiben der Käufer und Verkäufer, welch letztere nach Kategorien in den einzelnen Teilen des Bazars oder, richtiger gesagt, in eigenen Bazars vereinigt sind. Wir durchschritten den außerhalb des Stadttores gelegenen Bazar der Schuster und Gerber, welche, der niedersten Kaste angehörend, für unrein gelten, da sie die Häute geheiligter Tiere verarbeiten; ferner den Bazar für Metallwaren, jenen der Geldwechsler, der Händler mit Lebensmitteln u. s. w.

Im Innern der Stadt hatte ich vielfach Gelegenheit, an den Fronten der steinernen Häuser die reiche Ornamentik, sowie die schönen, mit Metall verzierten Tore zu bewundern. Fast jedes Haus erscheint als ein Kunstwerk. Verschiedene größere Paläste reicher Radschputen fallen durch ihre beinahe überreiche Ausschmückung und die in bedeutenden Dimensionen gehaltenen, aus Stein gemeißelten Elephanten mit Mahaut und Häuda auf, die rechts und links vom Eingangstore angebracht sind. Viele Tage könnte man verwenden, um all die originellen und interessanten Formen der Häuser zu betrachten und dem Gedächtnisse einzuprägen.
Meine Wanderung führte mich im Geleite einer johlenden und schreienden Menge auch in eine Seitengasse, in der uns ein Eingeborener herbeiwinkte, um uns einen merkwürdigen, alten Brunnen zu zeigen, welcher in drei übereinander liegenden, aus Säulen geformten Etagen abgebaut ist, und zu dessen Wasserspiegel beiläufig fünfzig Stufen führen. Das Wasser schien schlecht und faul zu sein, was jedoch eine Anzahl Hindu-Weiber nicht verhinderte, in sehr luftigem Kostüm im Brunnen zu baden und Wäsche zu waschen. In dieser Beschäftigung durch unsere Ankunft aufgeschreckt, mussten diese Najaden von Dschodpur zu dem Schaden, in ihrer Behaglichkeit und Arbeit gestört worden zu sein, obendrein das spöttische Gelächter der Menge, die uns an den Brunnen begleitet hatte, mit in den Kauf nehmen.

Ein Merkmal Dschodpurs ist die geringe Anzahl religiöser Bauwerke. Außer einigen größeren Tempeln, unter welchen der die Hochschule Telaiti-ka-mahal enthaltende Erwähnung verdient, sieht man nur hin und wieder kleine, dem Elephantengott geweihte Hauskapellen. Der Grund dieser Erscheinung liegt in dem Charakter der Radschputen, die, obgleich gläubigen Sinnes, dem überwuchernden Einflusse der Brahmanen Widerstand leisten und infolge dessen nicht allzuviel Wert auf die Errichtung und Erhaltung von Tempeln legen.

Hierin werden die Dschodpurer von dem jetzigen Minister Maharadsch Sir Pratap Singh unterstützt, welcher das schwindelhafte Treiben der Brahmanen, die es auf Ausbeutung der Gläubigen abgesehen haben, einzuschränken bestrebt ist.

Sir Pratap Singh, ein weitgereister Mann, der auch unsere Kaiserstadt kennt und wiederholt in freudiger Erinnerung zu schildern wusste, zeichnet sich überhaupt durch Menschenkenntnis, klaren Blick und praktischen Sinn aus. Ihm allein ist es zu verdanken, dass der Prunk bei Hochzeitsfesten, die vormals oft tagelang andauerten und durch ihre immer kostspielige, ja oft geradezu ruinöse Ausgestaltung selbst wohlhabende Familien an den Bettelstab brachten, kurzweg durch staatliche Verbote abgestellt worden ist, und dass die Eheschließungen in Dschodpur auf die einfachsten Formen reduziert erscheinen. Bei der Durchführung dieser Reform ist Sir Pratap Singh selbst mit gutem Beispiel vorangegangen, indem er anlässlich der Vermählung seiner Tochter die Abhaltung jedweder Festlichkeit verbot, am Hochzeitstag ohne weitere Zeremonien die Brautleute niederknien ließ, ihnen selbst seinen Segen erteilte und sie für Mann und Frau erklärte. Dieses gewiss einfach zu nennende Verfahren hat als drastisches Exempel für die Bevölkerung im Vereine mit der Erlassung des genannten Verbotes zur Folge gehabt, dass die verschwenderischen, überdies oft rohen, traditionellen Hochzeitsfeste in Dschodpur ihr Ende gefunden haben.

Durch verschiedene Gässchen, in denen fast überall neugierige Gesichter aus den Häusern auf uns lugten, kamen wir an dem Fuß des Berges, auf dem, stolz die Stadt überragend, das Fort mit seinen Türmen, Mauern und Palästen liegt. Majestätisch erhebt es sich, eine schier unbezwingliche Burg, mit 100 m hohen Mauern und starken Türmen, auf einem Felskegel, dessen Nordseite eine senkrecht zur Ebene abfallende Klippenwand bildet. Ein steiler, gepflasterter, von Toren beschirmter Weg führt hart an den Abstürzen der Felswände in vielfachen Krümmungen im Zickzack zum Fort hinan. Jedes der Tore dieses Aufstieges bietet Unterkunftsräume für die Wachposten und ist mit altertümlichen Feuerwaffen armiert; einige der Außentore sind wie in Gwalior mit Eisenspitzen beschlagen, welche auch hier den Zweck haben, im Falle einer Belagerung des Forts den Ansturm von Elephanten abzuwehren.

Wie mein Begleiter, Major Beatson, ein gründlicher Kenner der Geschichte Dschodpurs, erzählte, hatten in einem der früheren, so häufigen Kriege die Angreifer des Forts dieser Eisenspitzen wegen es vergeblich versucht, eines jener Wegtore einzurennen. Endlich habe eine Anzahl tollkühner Radschputen, um dieses Hindernis zu überwinden, ihren Rossen die Augen verbunden, und das Tor, mit voller Wucht wider die unteren, von Eisenzähnen freien Planken desselben anreitend, eingerannt, mochte auch Ross und Reiter zerschmettert in die Bresche stürzen.

An den Wandmauern des obersten der Tore, durch das man direkt in das Innere des Forts gelangt, sind die Abdrücke von schmalen Frauenhänden sichtbar. Diese mit Gold- und Silberfarbe überzogenen Handzeichen gemahnen an ein trübes Kapitel der Sittengeschichte Indiens, an die Sati oder Witwenverbrennung, welch ungeheuerlicher Gebrauch auf den freiwilligen Feuertod Satis, der Enkelin Brahmas, zurückgeführt wird und den orthodoxen Hindus noch heute so heilig ist, dass ungeachtet aller Bemühungen der englischen Behörden, welche die Beförderer der Sati als Mörder bestrafen, vor nicht allzu langer Zeit noch Fälle von Witwenverbrennungen vorgekommen sind. Hier in der Burg von Dschodpur nun legte jede Witwe eines Maharadschas, ehe sie den Scheiterhaufen bestieg, eine ihrer vorher roth gefärbten Hände an die weißgetünchte Wand. Diese einzigen Spuren des irdischen Daseins der durch das Feuer vernichteten weiblichen Wesen wurden als Merkmale ehelicher Treue bewahrt und zum Zeichen der größten Verehrung mit Gold und Silber verziert. Welche entsetzliche Todesangst musste diese unseligen Opfer fanatischer Verblendung auf ihrem letzten Gange erfüllen; welche Qualen mögen die jugendfrohen Herzen der armen Frauen durchtobt haben, .angesichts des lodernden, von einer tosenden Menge umgebenen Scheiterhaufens, dessen Flammenglut sie so grausam ergreifen und in ein Häuflein toter Asche verwandeln sollte! ….
Nächst dem Toreingang war eine Wache, aus Artilleristen bestehend, aufgestellt. Von hier ging es zwischen hohen Mauerwänden fort, zunächst zu dem Palaste, welchen seit den Zeiten Rao Dschodhas, des Gründers des Forts (1459), bis auf Takat Singh (gestorben 1873) herab die Maharadschas bewohnt haben. Die Außenseite dieses aus Sandstein erbauten Gebäudes ist mit reicher Ornamentik geschmückt, deren zarte Muster mich lebhaft an den Mauerschmuck der Bauten in Agra erinnerten. Das Innere des Palastes birgt reiche Schätze, kostbare Waffen, Juwelen und Geschmeide.

Wiewohl die Waffensammlung in einem düsteren Raume aufgestellt ist, vermochten wir dennoch einen allgemeinen Überblick über die ebenso reichhaltige als interessante Kollektion zu gewinnen. Nächst der Eingangspforte fallen dem Beschauer dieser bewundernswerten Rüstkammer seltsam geformte Lanzen und schöne, aus Elfenbein oder Muschelschalen geschnitzte Pulverhörner auf; weiterhin enthalten mehrere Schränke Prachtexemplare der so charakteristischen Radschputenschwerter, vorzügliche Damaszener Klingen, die reich mit Gold eingelegt sind, sowie Messer und Dolche mit schönen Steingriffen. Eine komplette vergoldete Rüstung erinnert in Bau und Zeichnung an altpersische Stücke dieser Art.

Das Wertvollste in der Waffenhalle sind die Gewehre, welche uns die Entwicklung des Schießwesens in den Radschputana-Staaten von den ältesten Zeiten an bis zum heutigen Tage veranschaulichen. Luntengewehre primitivster Form mit schmalen, kurzen Schäften stellen die ersten Feuergewehre dar; daran reihen sich Flinten mit Feuersteinschlössern und eigentümlichen, halbmondförmig gebogenen Schäften, deren Form mir ganz neu war. Die von den Maharadschas zu Jagdzwecken verwendeten Gewehre sind über und über, insbesondere an den Läufen und Schlössern, mit den reichsten Goldzieraten bedeckt; vom kleinsten Carabiner an bis zu langen Entenflinten sind alle Größen, alle Arten indischer Feuergewehre vertreten. Unter den neueren Jagdgewehren finden sich hier auch manche europäischen Ursprunges, die, obgleich mit wahrhaft orientalischer Verschwendung ausgestattet, bei Londoner oder Suhler Büchsenmachern erzeugt worden sind. Endlich gibt es hier noch Schilde, Speere, Lanzen und eigentümlich gestaltete Totschläger.

Bewundernswert ist der Inhalt der unter sicherer Obhut befindlichen Schatzkammer. Die Fülle der hier angehäuften Kostbarkeiten findet ihre Erklärung darin, dass die Mahärädschas von Dschodpur, wiewohl ein nur kleines Reich beherrschend, unter den Großmoguln Akbar, Dschehangir, Aurengzeb Kriegsfahrten durch halb Indien unternommen haben und vorübergehend Vizekönige von Dekhan, Mahva und Gudscherat gewesen sind. Als mächtigen Feldherren, Statthaltern und Günstlingen sind den Maharadschas theils als Kriegsbeute, theils als Ehrengeschenke Schätze zugefallen, die jedem Kaiserpalaste zur Zierde gereichen würden. Der Wert der Edelsteine, Juwelen und Perlen im Schatzhaus von Dschodpur dürfte viele Millionen betragen, doch ist genaues darüber nicht bekannt, da der abergläubische Sinn der Radschputen eine deren Ansicht nach Unglück bringende Abschätzung verwehrt. Ein einziges Collier aus Smaragden und Perlen mit Diamanttropfen in der Größe von Taubeneiern, welches der Sohn des Maharadschas bei meinem Empfange getragen hatte, mag 400.000 bis 500.000 Gulden wert sein. Solcher Colliers liegt aber in den Vitrinen der Schatzkammer wohl ein ganzes Dutzend. Daneben funkelt eine Reihe von Diademen, deren eines, mit den prachtvollsten Diamanten und Rubinen verziert, ganz besonders auffällt. Weiterhin sind sechs Vitrinen angefüllt mit den schonsten, kostbarsten Agraffen, Bracelets, Brechen. Ringen und Geschmeiden anderer Art. Durch Glanz, Feuer, Farbe, reines Wasser, kurz alle Vorzüge ausgezeichnet, gewinnen die hier bewahrten Edelsteine noch an Wert und Schönheit durch die geschmackvolle Fassung. Schilde, Tafelgeschirr und Aufsätze aus purem Gold, Prachtstücke der Emailindustrie Dschaipurs, Prunkgeschirre aus getriebenem Silber für Pferde und Elephanten, silberne und goldene Zeltstangen vervollständigen den blendenden Inhalt des Schatzhauses, dieses Wahrzeichens der Pracht und Herrlichkeit des Dschodpurer Fürstenhofes.
Die übrigen Räume des Burgpalastes, deren architektonische und ornamentale Ausgestaltung vornehmlich den Maharadschas Takat. Adschit und Abhey zu verdanken ist, boten unseren, nun schon recht anspruchsvoll gewordenen Blicken wenig Bemerkenswertes. Nur ein durchaus mit Gold und Facettenspiegelchen decoriertes Gemach, dessen Wandschmuck drastische Scenen aus der indischen Göttersage und aus dem Leben der Maharadschas bilden, verdient hier Erwähnung. Einen wahren Genuss bot mir die Rundsicht von dem flachen Dache des Palastes über Dschodpur und das umliegende Land. Gegen Süden und Osten erblickt man scharfgegliederte, kahle, mit Mauern und Burgen gekrönte Hügelketten; gegen Norden und Westen aber breitet sich die Ebene des Tharrgebietes aus, in deren gelbschimmerndem Bereiche von blauem Duft überhauchte Felskegel gleich großen .Maulwurfshügeln hervorleuchten. Uns zu Füßen, rings um den jäh abfallenden Schlossberg, liegt die Stadt Dschodpur.

Das Bild, welches sich hier dem Blick darbietet, ist fesselnd und eigenartig. Vermissen wir auch die grandiosen Linien, die kühnen Profile, den Farbenschmelz der Hochgebirgspanoramen, so wirkt, was wir sehen, dennoch mächtig auf uns ein durch den Reiz der unermesslichen Fläche und ihrer stimmungsvollen Färbung. Gelb in Gelb gemalt, durchsetzt von leuchtenden Punkten, zieht sich melancholisch die Ebene hin, soweit nur das menschliche Auge reicht.

Wir überblicken Dschodpurs Straßen und Häuser und den steinernen, mit Bastionen besetzten Mauergürtel, welcher die Stadt umschließt. Als Hauptbollwerk aber thront inmitten Dschodpurs gleich einem Adlerhorst das Fort auf dem Burgberg, welchem gegenüber, noch innerhalb der Außenmauer der Stadt, im Norden des Forts eine hohe Felskuppe aufragt, die in den Fortifikationsrayon einbezogen wurde, da von ihr aus einst das Fort beschossen und beschädigt worden ist. Dessen eingedenk und der Besorgnis voll, es könnte eines Tages von jener Felskuppe her das Fort neuerdings, zumal mit modernen, weittragenden Geschützen bedroht werden, hat der jetzt regierende Maharadscha vor kurzem den Befehl ertheilt, diese Kuppe abzutragen, und war zur Zeit unserer Anwesenheit in Dschodpur an die Durchführung dieser gigantischen Aufgabe bereits Hand angelegt worden. Um das Fort jedoch völlig zu sichern, wird an dessen Nordseite eine Batterie errichtet, von welcher aus der Rayon vollständig bestrichen werden kann.

Zwischen der Kuppe und dem Burgberg liegt ein kleines, einsames Tal, in dem eine große Zahl schmuckloser Grabdenkmale sichtbar ist — es sind dies die Ruhestätten tapferer Krieger, die bei einer der Belagerungen des Forts den Tod gefunden haben und, ob Freund, ob Feind, hier beigesetzt wurden. Der Streit, welcher diesen Mannen das Leben gekostet, war ein »Wasserkrieg«, entbrannt um den Besitz des Teiches, der, in jenem Thale gelegen, bei der Spärlichkeit der Wasseradern im Gebiete von Dschodpur wert genug erschien, Blut zu vergießen, um Wasser zu gewinnen.

Militärische Reminiszenzen weckt auch die Hauptbatterie des Forts, auf einem schmalen Felsrücken gelegen, der seiner Form wegen der »Pfauenschweif« (Mordhadsch) genannt wird; denn hier, auf der Plattform der Hauptbatterie liegen unter freiem Himmel allerlei wunderliche Geschütze aus Ahmedabad, Ghasipur und anderwärts herstammend. Jedes der Geschütze hat ein anderes Kaliber, ein Umstand, der ihre Bedienung recht erschweren muss. Gemeinsam ist ihnen nur der »schöne« pechschwarze Anstrich. Auch eine Art Mitrailleuse oder Höllenmaschine, die jedoch einer friedlichen Säemaschine sehr ähnlich sah, wurde uns hier produciert, doch versicherte mir der einheimische Artillerist selbst, lächelnd, dass das Abfeuern dieses Geschützes mit Schwierigkeiten verbunden sei und weniger dem Feinde als vielmehr der Bedienungsmannschaft verderblich werden könne. Trotz alledem soll der Maharadscha nicht wenig stolz auf seine Batterie sein.

Wir vermochten von dieser Stelle aus, da die Luft ganz rein war. trotz der bedeutenden Höhe, in der wir uns befanden, das Getriebe und Gewimmel in der tief unter uns liegenden Stadt genau zu beobachten, ja selbst das allen indischen Städten eigenthümliche Geschrei und Lärmen der Bewohner Dschodpurs deutlich wahrzunehmen.

Gar stattlich sind die runden bastionartigen Vorbaue des Palastes die unterhalb seiner Fenster bis ins Tal abfallen. An einem dieser Rundpfeiler wurde mir die Stelle gezeigt, an welcher der Mahäradscha in seiner Jugend, als er noch der gestrengen Hand seiner Erzieher anvertraut war, sich nächtlicher Weile an einem Seil ins Tal hinabließ. um heimlich in die Stadt zu dringen. Zur Rückkehr in das Fort, den Palast seiner Väter, bediente sich der Prinz desselben Communicationsmittels. Angesichts der etwa 150 m betragenden Niveaudifferenz zwischen Fort und Tal, welche der junge Herr lediglich mit Hilfe des Seiles zu überwinden wusste, zollten wir der Unerschrockenheit des Kletterers alles Lob. Die Fäden, die ihn so mächtig zur Stadt gezogen, dass er ein derartiges Wagestück nicht scheute, sind wohl nicht minder stark gewesen, als das Seil, das ihn über den Abgrund hinab- und wieder emporgetragen hat.

Auf einem weniger seltsamen, dem Serpentinenwege, den wir zum Aufstiege ins Fort benützt hatten, zur Stadt niedersteigend, durchquerten wir Dschodpur und begaben uns auf den großen, vor der Stadtmauer gelegenen Wiesenplan, wo uns zu Ehren ein Polospiel stattfand. Ich war von der Geschicklichkeit, welche die einheimischen Spieler und einige in Dschodpur ansässige Engländer hiebei entwickelten, ganz entzückt. Vor allen zeichneten sich durch vorzügliche Reitkunst Hardschi Singh, der Minister Sir Pratap Singh, welcher, obwohl über fünfzig Jahre alt, sein Ross tummelte, als wäre er ein Jüngling, und Major Beatson aus.

Trotz der so scharfen Wendungen und Paraden in schnellster Gangart behandelten diese Spieler ihre Pferde nicht roh; die Führung erfolgte im Gegenteile immer mit erstaunlicher Weichheit und Geschicklichkeit. Über anderthalb Stunden wohnten wir dem fesselnden Kampfspiele bei.

Dann hieß es ins Camp zurückeilen, da sich der Maharädscha bei mir zum Gala-Diner angesagt hatte; doch speiste er, als frommer Hindu, nicht mit uns, sondern erschien erst am Schlusse der Tafel, worauf die wechselseitigen Toaste erfolgten. Hiebei wurde der Trinkspruch des Maharädschas nicht von diesem selbst, da er des Englischen nicht mächtig ist, ausgebracht, sondern an seinerstatt vom Minister Sir Pratap Singh gesprochen. Ein Dolmetsch vermittelte auch die anregende Conversation, die ich mit dem Maharädscha unterhielt, welcher sich trotz seines mürrischen Aussehens als ein freundlicher und launiger Herr erwies.

Nach dem Diner überraschte uns ein großes Nätsch-Fest, wofür ein beinahe 60 m im Durchmesser betragendes Riesenzelt gespannt worden war, in welchem die Tänzerinnen bei Fackelbeleuchtung und eintöniger Musik ihre wenig berückende Kunst zum besten gaben. Auch der übliche näselnde Gesang fehlte nicht. Der Mahärädscha erhält eine ganze Legion von Tänzerinnen, deren Schönheit aber sehr problematisch ist. Dem Alter nach sind in dem Hof-Balletcorps von Dschodpur alle Stufen vom Kinde bis zur Matrone vertreten. In einem Punkte unterscheiden sich diese Damen von den anderen Vertreterinnen der Tanzkunst in Indien, und zwar durch eine geradezu erschreckende Menge von übereinander getragenen Röcken, die ihnen das Aussehen wandelnder Glocken geben und beim Tanzen in schwingende Bewegung gerathen. Sehr komisch wirkte der Eifer eines alten Oberregisseurs oder Tanzmeisters, der jene Damen, welche sich wegen Ermüdung zurückziehen wollten, immer wieder höchst eigenhändig in den Reigen zurückstieß.

Links

  • Ort:  Jodhpur, Indien
  • ANNO – am 28.02.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Kriemhilde”, während das k.u.k. Hof-Operntheater “Bastien und Bastienne” und “Freund Fritz” aufführt.

Jodhpur, 28 February 1893

Next to Ajmer the railway meets the spurs of the Arawali mountains that constitute the western border of the huge plain of the Ganges river. Composed out of shale, quartz and gneiss, the Arawali mountains is remarkable geologically through its folds, geographically due to its separator role between East Rajputana and the plains of Marwar which already are part of the desert or more correctly the basin of the Thar desert. The ridge of the Arawali may once in an earlier era have constituted the sea coast in which the hill lands of Jodhpur may have been an island. Scarcely cultivated and inhabited, poor in water and rich in sand, this part of West Rajputanas we were crossing apparently has the same landscape character as the land around Alwar. The valley of a width of 16 to 24 km seem to be enclosed by mountain ridges; cultivated land alternates with extended areas of moors that offer domicile where sweet water and bushes provide drink and cover  to whole packs of wild boars as well as gazelles and black-bucks.

From far away we could already see, across the empty plain, the sandstone hills, the castle hill, the fort and individual palaces of Jodhpur. At 9 o’clock in the morning our train rolled into the station.

On the platform we were received by Jaswant Singh Bahadur, the maharaja of Jodhpur or as his reign is also called of Marwar, the British resident Colonel Abbott and the dignitaries of the powerful Rajput princes. All wore their fashionable national costumes; the dress of the maharaja was decorated with precious emeralds and rubies. The reception was sparkling in any dimension. Outside the station a large crowd was expecting us while troops formed a cordon. These soldiers as well as our escorts were part of the cavalry regiment which the maharaja provides to the English government. Richly decorated elephants with valuable gild-embroidered blankets and the princely stable have also been present en pleine parade. The cavalry regiment looks splendid and is the most beautiful I have yet seen in India. Made up of through and through well bred persons  on excellent mostly local horses. The uniform consists of a white coat with salmon red belts and white trousers, light gray turbans with a silver aigrette; the armament were lances with pennons and carbines – a picturesque sight.

The conversation with the maharaja, who seems to be around 50 years of age and has a shaggy black beard and looks sinister into the world, was dragging itself out as Crawford had to translate every word into Hindustani.

The Rajputana state Marwar or Jodhpur, apparently founded by Rao Siaji, a nephew of maharaja Jaj Chands, king of Kanauj on the right bank of the Ganges river. Founded in the year 1211 AD it has since been conspicuous for the bravery of its princes and warriors.

Among the princes of Jodhpur are most remarkable: Rao Jodha, the founder of the new capital named after him, Jodpur (1459); Rao Maldeo, during whose reign the Grand Mughal Akbar made war on Marwar (1561); Rao Maldeo’s son, Chander Sen who resisted the Grand Mughal for 17 years; Rao Ude Singh, who was given the title of Mota Raja and new lands by the Grand Mughals; Sur Singh (died 1620) and Gaj Singh, whose son (died 1638), called Dalthamban, »the defence of the enemy«, both great warriors; the equally learned and militant Jaswant Singh who came to power in 1638 and was feared even by Aurengzeb, and finally Takat Singh (died 1873), of a side line of the ruling dynasty who chose the English side during the uprising of 1837. The son of Takat Singh is the ruling maharaja, under whose government  Jodhpur,  with a few cloudy exceptions,  has been associated with England by a peace treaty in the year1803 and remains faithful to the British crown, has undertaken modern reforms and continues to bloom in a peaceful manner.

We saw then the descendant of the Rathors, Jaswant Singh, a principal tribe of the old Aryan sun dynasty, a great nephew of the sun kings whose actions are sung about in the national epic Ramayana, whose cities and residences used to fill the area of the two rivers Ganges and Yamuna in the distant past. The not especially numerous Rajputs are of a noble blood and are not only acknowledged by the people but also by old English  genealogical works as the descendants of the glorious dynasty of the very ancient sun kings.

The house of Jaswant Singh is among the blooming powerful and respected royal houses of  Rajputana and is able to trace his lineage to truly royal blood. Still despite the marriage arrangements between the members of the house and the Mughal dynasty there have been  repeated conflicts and wars between Jodhpur and Udaipur as the ruling family of Udaipur, also proud about its pure blood lineage, considered any relation with the Jodhpur dynasty that was now related to the house of the Grand Mughals as a misalliance. This conflict could only be resolved in the manner that the sons from marriages with princesses from the house of Udaipur were given precedence in the succession among the princes of Jodhpur.

The state of Jodhpur covers around 95.000 km with about three million inhabitants among which are 86 percent Hindus, in the majority Rajputs, 10 percent Jainas and 4 percent Muslims. Grain, opium, some cotton, tobacco and sugar cane, fruit, cattle, hides and wool, marble ware from Makrana, as well as salt are the main product of the land. Great salt deposits are at the bottom of the basin which are laid bare by weathering out. During the rainy season the basin forms the Sambar lake of 480 km2. The commercial exploitation of these deposits that produce on average 300.000 English tons of table salt annually  has been transferred to the English government in the year 1870. It manages and exploits this largest of all Indian salt works in a rational manner.

A few irregulars excepted, the army numbers 256 artillerymen with 75 usable guns, 3162 cavalrymen on horses and camels and 3653 infantrymen. Plus the maharaja provides a regiment of 600 cavalrymen for the use of the English government — perhaps the best mounted and equipped troops in the Imperial Service Troops in India, the contingents of the Indian princes under supervision by the English government.

Besides the ceremonial carriage on the right rode the maharaja’s brother, Maharaj Adhiraj Colonel Sir Pratap Singh, the all powerful reformer of Jodhpur who combines an number of titles in his person. He is the first minister (Awal Musahib) in charge of the administration and commands also all the troops of his brother whose advisor he is in all manners. An  energetic, expressive face confirms the chancellor and generalissimus of Jodhpur’s capabilities in all his jobs. He rode a beautiful English thoroughbred that he has bought on the occasion of the jubilee of the queen in England. On the left of the carriage rode Harji Singh, an adjutant of the maharaja, an exceptionally beautiful young man who excels in all kinds of sports, namely at polo and pigsticking, as a true Rajput confirming edginess and endurance an is said to be unsurpassed in his performance. A born rider, he makes an excellent figure in the saddle has enviable posture and seems to have merged with his horse.

In some kind of garden, Paota Bag, close to Rai-ka Bag,  the residence of the maharaja in the East of the city, a tent camp had been set up in Indian splendor and waste of space that formed a small city of its own, like the others already used. In my house completely covered with precious rugs I found a number of Geneva play clocks and works which seemed to be a special preferred toy of the maharaja. In front of the tent camp a park-like avenue with water fountains, marble statues and shade-giving trees; everywhere stood wagons, riding horses even bicycles at our convenience; complete caravans of camels carried without interruption water in large gourds to bind the nasty dust.

A half hour after my arrival the maharaja appeared in a sparkling attire surrounded by dignitaries and his personal guards to pay his official visit to me which went according to the local protocol. He and I on two throne chairs. On the right of us the European, on the left of us the Indian entourage; some translated phrases as a binder. During an artificial break, the English resident rose and presented me to the Indian courtiers. I then handed attar and pan to the maharaja, garlanded him with flowers and offered him a few drops of the mean sandalwood and rose oil on his handkerchief. Official visits are usually the only occasion for Indians to use this object of civilization. Usually they are satisfied with simpler means.

The visit had to naturally be followed by a return visit, to which I was escorted by two native gentlemen to the residence of the maharaja under the uninterrupted saluting thunder of the batteries at the court of justice, a building constructed only recently in Indian style.

This palace is a strange round building with also round projecting towers which resembles a greenhouse or an exhibition pavilion. The glaring white paint blinds the eye by its reflection of the sun light. In the souterrain were open galleries for horses. On a very steep stone ramp without steps which led directly to the first floor, my friend Jaswant Singh received me, while his soldiers presented arms in the courtyard and a regimental band played our anthem as a quick polka. The first floor of the palace contains only a round reception hall with small side rooms which are decorated with rather tasteless European images and knick-knacks. The return visit differed from the visit to the maharaja only that it was my turn to suffer in that I was marked with sandalwood oil and chewed betel for the first time accepting the danger of having my teeth turn red. I found it incredibly hot and tasting acerbic as well as making thirsty.

Among all the natives of India which I have seen up to now I prefer the Rajputs of which only relatively few are of pure blood descent whereas every other Hindu who has come into wealth and honor tries to add to his luster by an apocryphal Rajput pedigree. The men are tall, strong, lean with black mustaches and full beards which they brush upwards in an original manner and even bind around their ears. They have a martial, soldierly posture differing positively from the rest of the mostly flabby and casual Hindus. Their bearing is striking at first sight and is probably due to their century-old occupation in wars. Always the various princes and tribes, even neighboring villages, have lived in wild feud amongst one another. Always there was war,  raids and bloody enterprises. Even today where not even ten thousand true Rajputs are serving in the English Sepoy army, every male Rajput carries his sharp sword. Even the coachman on his seat carries a sword in his belt. Also the character of the land is witness to the struggles of times past as every city, even every small village, every palace is fortified with walls, ditches and bastions in the most inventive way. On numerous mountains one can still see ring walls and observation towers as well as small castles which the individual princes had built against the raids of their unruly neighbors.

The martial character of the Rajputs is apparently linked to their excellent riding skills. Nowhere have I seen such skilled natural riders, so good and well kept horses as in Jodhpur. During the present peaceful time the Rajputs are devoted to riding sports and are  keen in pigsticking, as well as polo in which they beat all Englishmen thanks to their riding skills. Most prominent in riding activities are Sir Pratap Singh and Harji Singh, as well as Major Beatson, a charming and brave officer who has assimilated to the local customs and passions, rides together with the natives and enjoys their special confidence and respect. He has been sent to Jodhpur three years ago to organize the Imperial Service Troops of this state. Major Beatson told me that it was a true pleasure working with the people of Jodhpur. They had shown so much goodwill and it had been very easy to build an excellent troop.

The rest of the day was spent in visiting the city and its sights. The city has around 60.000 inhabitants and is situated on the southern foot of the mountain ridge which rises out of the plain. It is enclosed by a long wall with seven gates. First I guided my steps to the bazaar, the place in Indian cities where the soul of the people displays itself in its original manner and offers rich material for the ethnographic collector.

Jodhpur is remarkable as the location of a developed commercial activity which is performed by a notable part of the inhabitants as overall an important part of the population of India is actively seeking employment in the enterprises of various industries.

Trade of all kind, from the trade in field products against simple goods up to the speculation in world trade goods and railway stocks, mortgages and bills of exchange is the job of around ten million Indians of different races, castes and confessions. The merchants who deal wholesale and do money-lending are since ancient times Mahajan, »big men«, as are the grocers, traders, marketeers, peddlers all organized in castes according to industry and united in guilds and associations. The influence of them in commerce is so important that for the main trading spots even European firms join them.

Ranked below the Brahmins and the Rajputs, the nobles, the bankers (Parikh) as well as the merchants (Rakam bechnewala) and money changers (Sarraf) play as an important role in the cities as the retail traders (Churdafarosh), the resellers, the shop keepers and the money lenders do in the plains. The kings of the Indian trade are the Parsi merchants whose bills of exchange are respected in the Anglo-Indian empire as well as in London and in the Chinese harbors. For the wealth and the munificence of these Parsis numerous public buildings and foundations are testimonies. The most numerous of the traders’ castes are those of the Baniyas who mostly engage in export. The most original figures are among the Bandscharis, a sort of freight handlers who are well armed and brave and travel across the country in ox caravans.

Across Thar desert on whose edge lie the growing cities of Rajputana move from Afghanistan, Herat, Kabul, Ghasna, Kandahar and from Kelat in Baluchistan trading caravans to the enticing rich lands between the rivers of Hindustan, guarding their wares, their animals and women with care and looking in the sandy hills for fountains, bushes and prairie grass; making a stop where peasants in the scarce villages have dug for drinking water to irrigate gardens and offer a drink to humans and the animals. Hyenas and wolves are criss-crossing the plains of Thar; more dangerous than the predators are the Rajput thieving knights for the caravans and the herds in their meadows. Living in their tiny old castles and ambushing with their men and ambushing the retail traders and the shepherds to plunder them.

How important the development of the trading spirit in Marwar has been since ancient times, is shown in the name of all traders in North-western India which are called Marwani, derived from  Marwar (Jodhpur). Today, however, Marwar has long lost its importance as a focal trading location in North-western India. Instead it is neighboring Ajmer with its Jaina merchants and its famous bazaar palaces which is reputed to be the  main money market of Rajputana.

Still there is much activity going on in the bazaar of Jodhpur among sellers and buyers, whereas the sellers are divided into categories in the different parts of the bazaar or more precisely in their own bazaars. We walked through the bazaar of the cobblers and tanners, situated outside the city gate. The cobblers and tanners are among the lowest castes as they are considered unclean due to them treating the hides of holy animals. Furthermore we visited the bazaar for metal wares, that of the money changers and the food sellers etc.

In the middle of the city I had multiple opportunities to admire the rich ornaments on the fronts of the stone house as well as the beautiful gates decorated with metal. Nearly every house looks like a work of art. Multiple larger palaces of rich Rajputs are notable by their extensive ornamentation and which often includes on the right and left side of the gate stone elephants with mahaut and hauda at an impressive size. Many days one could spend to observe the original and interesting forms of the houses and memorize them.

My sightseeing led me, accompanied by a cheering and shouting crowd into a side street where a native made a sign to approach to show us an old strange fountain which is built in three levels one on top of the other formed by pillars and whose water levels leads through fifty steps. The water seemed bad and foul. That, however, did not hold back a number of Hindu women to bath in the fountain in very airy costumes and to wash their clothes. In this activity, these naiads of Jodhpur were not only disturbed in their activity and work but had to endure the sneering laughter of the crowd which had followed us to the fountain.

One peculiarity of Jodhpur is the small number of religious buildings. A few larger temples apart, among which it is worth to mention the temple that contains the university of Telaiti-ka-mahal, one can see only now and then small house chapels dedicated to the elephant god. The reason for this is the character of the Rajputs who despite religious beliefs were opposed to the creeping influence of the Brahmins and therefore did not encourage the construction and maintenance of temples.

In this the inhabitants of Jodhpur are supported by their current minister Maharaj Sir Pratap Singh who is trying to limit the bogus activities of the Brahmins who are intent on exploiting the believers.

Sir Pratap Singh, a widely travelled man who had visited also our own imperial city and knew to talk about it with pleasure displays a keen knowledge of human nature, a clear view and practical sense. It is due to him that the pomp of the marriage ceremonies that used to take days and vere always very costly even ruinous even for very wealthy families has been forbidden by the government and the act of marriage made into a simple procedure. For the execution of this reform, Sir Pratap Singh himself gave a good example by having his daughter marry without festivities and on the day of marriage had the groom and bride kneel and gave them his blessing and declared them man and wife. This clearly simple procedure served as a drastic example for the population in combination with the general prohibition, so that the wasteful and often quite raw traditional marriage feasts in Jodhpur have come to an end.

Through various small alleys in which always curious faces stared out of the houses, we came to the foot of the mountain on which lies the fort with its towers, walls and palaces proudly looking down upon the city. Majestically it rises a nearly impregnable castle with 100 m high walls and strong towers on stone cone. whose northern face falls almost vertically to the plain. A steep, paved path covered by the gates led close to the dropping sides of the stone in numerous curves in a zig-zag manner up to the fort. Every gate on this ascent has living quarters for the guards and is armed with antiquated guns. Some of the external gates are covered with iron spikes like in Gwalior which also serve the purpose to defend against charging elephants during a siege.

As my companion, Major Beatson, a thorough expert on the history of Jodhpur, told me that in an earlier attack on the fort it proved futile to crash one of the gates due to these iron spikes. Finally a number of courageous Rajputs had bound cloth around the eyes of their horses to get past this obstacle and rode with force against the gate and the lower iron studded planks and crashed through even though it crushed horse and rider in the breach.

On the walls of the uppermost gate through which one enters the interior of the fort one can see the impression of tiny female hands. These hand signs covered in golden and silver colors is a reminder of a sad chapter in India’s moral history, about Sati or the burning of widows whose incredible practice is derived from the the voluntary death in the fire of Sati the niece of Brahma and is considered so holy by orthodox Hindus even today so that despite the actions of the English governments which punishes promoters of Sati as murderers a case of widow burning happened not long ago. Here in the castle of Jodhpur every widow of a maharaja put her hand colored red upon the white washed wall before she went up to the pyre. These only marks of their earthly presence of their female being destroyed by fire was seen as a sign of marital fidelity and embellished with gold and silver for the highest veneration. What horrible pain of death had these poor victims of fanatical blindness  to endure on their last walk. What anguish had these youthful hearts of these poor women to go through in view of the burning pyre amidst a shouting crowd, whose hot flames would soon consume her cruelly and turn her into a heap of dead ashes!

After our pass through the gate we met a guard consisting of artillerymen. From here it continued between high walls to the palace which was inhabited from the time of Rao Jodha, the founder of the fort (1459), to Takat Singh (died 1873) by the maharajas. The exterior of this sandstone building has been richly decorated with ornaments whose delicate patterns reminded me of the wall ornaments in Agra. The interior of the palace holds rich treasures, precious weapons, gems and jewels.

Even though the weapon collection is displayed in a semi-dark room, we were still able to survey the weapons collections, especially the very rich and interesting collection. Next to the entrance all, the visitors to this admirable collection will notice that strangely formed lances and beautifully carved powder horns made out of ivory or sea shells. Furthermore there were multiple splendid specimens of those characteristic Rajput swords in numerous display cases. Plus outstanding blades richly in-laid with gold  as well as knives with beautiful stone grips. A completely gilded armor reminds one in the construction and  the painting of the desired kind reminds people that they were promised certain advantages.

The most valuable in the armor hall are the rifles which show the development of guns in Rajputana from ancient times to the present. Arquebuses of the most primitive kind with narrow short barrels are examples of the first guns. Then followed a number of muskets with flintlock mechanisms and strangely crescent-shaped barrels of whose form I was unaware. The rifles used by the maharajas for hunting are decorated over and over especially on the locks and the barrel with rich gold ornaments. From the smallest carbine to the long duck hunting rifles, all types and all kinds of Indian guns are represented. Among the newer hunting rifles one finds many European makes here which despite its oriental splendor have been crafted in London or Suhl. Finally there also shields, spears, lances and strangely shaped maces.

Remarkable is the content of the safely kept treasury. The range of the collected valuables can be explained by the fact that the maharajas of Jodhpur, despite ruling over only a small territory, have participated in the campaigns across half of India under the Grand Mughals Akbar, Jehangir, Aurengzeb and temporarily have been vice-kings of Dekhan, Mahva and Gujerat. As mighty warlords, governors and courtiers, the maharajas acquired partly as spoils of war partly as gifts these treasures which would be the pride of every imperial palace. The value of the precious stones, jewels and pearls in the treasury of Jodhput is said to be many millions but remains unknown as the superstitious belief of the Rajputs prevents the creation of an estimate which is said to bring ill luck. A single collier of emeralds and pearls with diamond drops in the size of dove eggs which the son of the maharaja wore during my reception may be worth  400.000 to 500.000 guilders. Of such colliers, the treasure counts at least a dozen. At its side are sparkling a number of diadems one of which, decorated with gorgeous diamonds and rubies, was particularly impressive. Furthermore there are six display cases filled with the most valuable agraffes, bracelets, braces, rings and jewels of all kinds. Marked by the clarity, fire, color, pure water, in short all the advantages, the precious stones held here gain in value and beauty by their tasteful fittings. Shields, dinner services and fittings out of pure gold, real gems of the enamel industry of Jaipur, ceremonial harnesses made out of silver for horses and elephants, silver and golden tent poles complete the glittering collection of the treasury whose splendor and pomp is characteristic for the court of Jodhpur.

The remaining rooms of the castle palace whose architectural and ornamental decoration is due to the maharajas Takat, Ajit and Abhey  offered our now already quite demanding eyes not much that is remarkable. Only a thoroughly in gold decorated chamber with facet mirrors whose wall ornaments should drastic scenes from Indian sagas and the lives of the maharajas is worthy of mention here. A true joy was the panoramic view from the flat roof of the palace over Jodhpur and the surrounding area. Towards the south and east one can see the sharply delineated bare mountains covered in walls and castles. Towards the north and west extends the plains of the Thar region in whose yellow glittering area cone-shaped hills surrounded by areas of blue air emerge like giant mole hills. At our feet, all around the abruptly falling sides of the castle hill is the city of Jodhpur.

The sight from there is captivating and unique. We miss the grandiose lines, the audacious profiles, the melting colors of the high altitude mountain panoramas, but it still makes a strong impression on us by its immense area and its moody colors. Painted yellow in yellow, criss-crossed by glowing points, the melancholic plain extends as far as the human eye can see.

We watched the streets of Jodhpur and the houses  and the stone walls with their bastions which encloses the city. As the main fortification, like an eagle’s nest in the midst above the city towers the castle hill which rises opposite but still within the enclosing walls in the north of the fort where a high stone ledge rises that has been integrated into the system of fortifications as from that position the fort on the castle hill can be taken under fire and has been damaged.  In consideration of this and the fact that more modern further reaching guns can threaten the fort from that knoll, the ruling maharaja has given the order to level the knoll. During our visit in Jodhpur the execution of this gigantic task had already been started. To completely secure the fort, a battery is being built on the northern side which fully covers its area.

Between the knoll and the castle hill lies a small lonely valley in which a large number of undecorated grave monuments are visible — these are the monuments of brave warriors killed during the sieges of the fort, enemies and friends alike have been buried there. The struggle which has cost those men their lives was about water, which broke out about the pond in that valley, apparently valuable enough to spill blood to gain water in this area with scarce sources of water.

Military memories were awakened by the main battery of the fort situated on a small rock ledge which is called “peacock tail” due to its form (Mordhaj) ; as here on the platform of the main battery there are laying under the open sky all kinds of strange guns from Ahmedabad, Ghasipur and elsewhere.  Each of these guns has a different caliber, an element which must have complicated their use. Similar is only their “beautiful” pitch black paint. There we were also presented also some kind of mitrailleuse or infernal machine which looked like a peaceful seeding machine. The native artilleryman told me with a smile that the firing of these guns is difficult and may prove more damaging to the crew than to the enemy. Despite all of this, the maharaja is said to be very proud about his battery.

We could observe closely the activities and the swarming in the city below from this spot as the air was completely clear despite the considerable height we were in. We could even hear the usual shouts and noises of the citizens of Jodhpur common to all Indian cities.

Really impressive are the round bastion-like buttresses of the palace that descend below the windows down into the valley. On one of these round pillars I was shown the spot where the maharaja had climbed down on a rope during the night to secretly go to the city while he was still being under close supervision by his educators. For the return to the fort, the palace of his fathers, he used the same means of communication. Given the height difference of around  150 m between fort and valley which the young gentleman managed to cross with only a rope, we congratulated the climber on his imperturbability. The strings that attracted him so powerfully to the city so that he did not fear from such a daring undertaking must not have been less strong than the rope which held him during his descent and climb.

On a less strange serpentine road than the one we used in the ascent to the fort we descended to the city, crossed Jodhpur and went to a large field of grass outside the city walls where a game of polo was to be played in my honor. I was fascinated and enchanted by the skill of the local players and some of the Englishmen living in Jodhpur. Among all, the riding skills of Harji Singh and minister Sir Pratap Singh who counted more than fifty years but sent his horse flying like a young man and Major Beatson were all outstanding.

Despite the sharp turns and parades at the quickest pace, the players did not handle their horses roughly. They instead guided them with an astonishing smoothness and skill. We watched the captivating game for more than an hour and half.

Then it was time to return to the camp as the maharaja had announced his presence at a gala dinner at my place but he did not eat with us as a devout Hindu but only appeared at the end of the dinner when the mutual toasting started. Here the toast of the maharaja was not said by him personally as he did not speak English but by minister Sir Pratap Singh in his stead. An interpreter also translated the exciting conversation I had with the maharaja who despite his gruff exterior proved to be a friendly and witty gentleman.

After the dinner a large “nach” feast surprised us. For that purpose a huge tent of a diameter of nearly 60 m had been set up in which the dancers performed in torch light and to monotonous music their not very moving art. The usual nasal singing was also not missing. The maharaja keeps a whole legion of dancers whose beauty is highly questionable. Age-wise all stages are represented in the court ballet corps of Jodhpur from children to matrons. In one aspect these ladies are different than the other representatives of dance in India, namely by them wearing an almost frightening number of skirts that turns their appearance into moving bells and that swirl around during the dance. Very comical was the enthusiasm of an elderly chief director or dancing master who pushed those ladies who wanted to take a break due to their exhaustion back into the round dance.

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  • Location:  Jodhpur, India
  • ANNO – on 28.02.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater plays a drama “Kriemhilde”, while the k.u.k. Hof-Operntheater presents “Bastien und Bastienne” as well as “Freund Fritz”.

Siriska — Alwar, 27. Februar 1893

Um halb 5 Uhr früh war großer Feueralarm im Lager, da eines der Zelte in der zweiten Lagerreihe, welches tags zuvor verlassen worden war, lichterloh brannte und in wenigen Minuten ein Raub der Flammen wurde. Zum Glück herrschte jedoch völlige Windstille, so dass sich der Brand nicht weiter ausdehnte.

Der Tag war herrlich und machte uns das Scheiden von dem schönen Lager in Siriska recht schwer; wir hatten in dem Camp so angenehme Tage verbracht, dass ich dem Aufenthalt daselbst — namentlich dank meiner ersten beiden Tiger — eine dauernde Erinnerung bewahren werde. Das offizielle Reiseprogramm forderte mit unerbittlicher Strenge die Abreise; der Maharadscha von Dschodpur erwartete mich am kommenden Morgen und mit indischen Fürsten muss glimpflich umgegangen werden, besonders wenn sie dem englischen Regiment eben günstig gesinnt sind. So sagten wir denn allen unseren Jagdgefährten, den Mahauts, Schikaris und Treibern Lebewohl und ritten in den frischen, klaren Morgen hinein.

Auf halbem Weg trafen wir mit Mrs. Fraser, der Gemahlin des Residenten, zusammen, der ich mich vorstellen ließ und eine Strecke das Geleit gab, der Dame für die freundliche Fürsorge bestens dankend, welche sie während unseres Aufenthaltes im Lager bekundet hatte. Mrs. Fraser, die schon wiederholt an Tigerjagden teilgenommen, war ursprünglich von der Absicht geleitet gewesen, in unserem Lager auch ihr Zelt aufzuschlagen, da sie eine weibliche Hand nicht nur zur Pflege für den möglichen Fall, dass ein Mitglied der Expedition erkranken würde, sondern auch zur Anordnung des Blumenschmuckes auf der Tafel als notwendig erachtete. Da ich aber der Dame die Unbequemlichkeit des Lagerlebens ersparen wollte, hatte ich General Protheroe schon einige Zeit vor dem Eintreffen im Lager ersucht, Mrs. Fraser zum Aufgeben ihres Vorhabens zu bestimmen. Dies hatte Anlass zu einer längeren diplomatischen Verhandlung zwischen dem General und dem Residenten gegeben, welche mit dem Kompromiss endete, dass Mrs. Fraser ein eigenes Camp in einiger Entfernung von dem unseren bezog. Von hier aus flocht und wob sie — nach edler Frauenart Böses mit Gutem vergeltend — zarte Aufmerksamkeiten in unser jagdliches Leben, bald das Menu durch köstliche “Sweets” bereichernd, bald die Zelte durch Skizzen von der eigenen Hand schmückend, bald Büchlein sendend, in die wir unsere Namen schreiben sollten.

Unsere von Siriska gegen Alwar ziehende Karawane war von stattlicher Länge. Voran die berittene Garde, dann wir hoch zu Ross, hierauf, von den Dienern gefolgt, die Gelehrten, teils auf Elephanten, teils in zweispännigen Wagen, sodann die Kamele und zum Schlüsse der gewaltige Train der Bagage, die Küche, die Munition und die Gewehre auf Ochsenkarren. Zu Ehren der Leiter der Expedition sei gesagt, dass alles glatt vonstatten ging, und als wir gegen 11 Uhr vormittags auf der Eisenbahnstation in Alwar anlangten, war das Gepäck bald verladen, indessen Wutzier, der Küchenchef, mit Befriedigung meldete, dass im Speisewagen bereits ein warmes Frühstück unser harre.

Am Bahnhof erschien zur Verabschiedung der jugendliche Maharadscha Dschai Singh, brachte mir sein wohlgetroffenes Porträt, besichtigte noch meinen Waggon und ließ sich über unsere Expedition berichten, wobei er in lebhafter Weise seine Befriedigung über den Erfolg der Tigerjagd an den Tag legte.

Der Extrazug führte uns gegen Dschodpur, wo wir den nächsten Morgen anlangen sollten. Die Rajputana-MalwaTeilstrecke der Bombay Baroda and Central India Railway, welche wir zunächst benützten, läuft in südlicher Richtung bis nach Bandikui. Von diesem Kreuzungspunkt der einerseits östlich nach Bhartpur und Agra, andererseits gegen Dschodpur führenden Linien geht die Bahn zuerst westlich nach Dschaipur und Phalera (Phulera), sodann südwestlich über Adschmir nach Marwar. Hier schließt die ebenfalls schmalspurige Jodhpore Bikanir Railway an, welche in nordwestlicher Richtung nach Dschodpur führt.

Wir hatten in Alwar den Train bestiegen, den wir schon von Agra aus nach Bhartpur benützt. Dem Zug war auch diesmal das Personal beigegeben, welches sich auf dem Ausflug nach Bhartpur als so jagdfreundlich erwiesen hatte, welchem Umstand wir verdankten, dass nun auch auf der Fahrt von Alwar gegen Bandikui binnen kurzem auf offener Strecke plötzlich gehalten wurde und die Jagdfreunde meldeten, sie hätten in der Nähe Gazellen gesehen. Ich pürschte nun einige hundert Meter vor und erlegte eine Gazellengais sowie einen Kitzbock, während Wurmbrand auf einen starken Bock schoss. Nach diesem ermunternden Erfolg hub abermals die heitere Eisenbahnpürsche an, in deren Verlauf wir noch dreimal Gelegenheit hatten, an Black-bucks heranzukommen, so dass ich einen starken Bock, Clam eine Gais erlegen konnte. Wir standen alle auf der Plattform unserer Waggons und schossen in voller Fahrt auf sitzendes, flüchtiges oder streichendes Wild, wobei wir natürlich ganz anders zielen und schießen mussten als unter gewöhnlichen Umständen. Diese äußerst anregende Jagdweise lieferte eine Beute von 130 Stücken, worunter sich ein Schakal, ein Fahler Adler, verschiedene Falken und Weihen, Rebhühner, Tauben und Papageien befanden. Erstaunt blickten die Landbewohner und noch erstaunter die Bahnwächter dem eilenden Zuge nach, aus welchem ununterbrochen Schüsse fielen, bis die einbrechende Dunkelheit uns veranlasste, von der Plattform in die Coupes zurückzukehren.

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  • Ort:  Alwar, Indien
  • ANNO – am 27.02.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Kriemhilde”, während das k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet “Tanzmärchen” aufführt.

Siriska to Alwar, 27 February 1893

At half past 4 o’clock there was a big fire alarm in the camp as one of tents in the second row that had been abandoned the day before was ablaze and was consumed by the flames within minutes. Fortunately, there was no wind, so the fire did not spread.

The day was marvelous and made the separation from our beautiful camp at Sariska very difficult. We had spent such agreeable days in the camp that I will always remember my time spent there — namely my first two tigers. The official travel program strictly required me to depart. The maharaja of Jodhpur was expecting me the next morning and one has to treat Indian princes with care, especially if they are  in favor of the English government. So we said farewell to our hunting companions, the mahauts, shikaris and drivers and rode away in the fresh clear morning.

Halfway through the journey we met Mrs. Fraser, the resident’s wife,  to whom I let myself be introduced and with whom I rode for some distance thanking the lady for her amiable care during our stay in the camp. Mrs. Fraser who had participated repeatedly in tiger hunts originally had the intention to pitch her tent in our camp too as she deemed her presence useful to care for a sick person of the expedition or to arrange the flowers on the table. As I wanted to spare the lady the uncomfortable life in camp, I had asked General Protheroe already quite some time before the arrival to the camp to dissuade Mrs. Fraser from her idea. This turned into a prolonged diplomatic negotiation between the general and the resident which ended in the compromise of Mrs. Fraser pitching her own camp at some distance from ours. From there she bound and wove sweet little somethings for our hunting life — rewarding evil with kindness in noble female manner — adding sweets to the menu, decorating the tents with her own sketches, sending booklets for us to sign.

Our caravan from Sariska to Alwar was of considerable length. in front rode the mounted guard followed by us on horses then the servants, the scientists, partly on elephants partly in two-horse carriages then the camels and finally the huge baggage train with the kitchen, ammunition and the rifles on ox carts. In honor of the expedition leader it must be said that all went according to plan. When we arrived towards 11 o’clock in the morning at Alwar station, our baggage was quickly stowed while our chef Wutzier announced with satisfaction that a hot breakfast was ready in the dining wagon.

At the station the youthful maharaja Jai Singh paid his respects to see me off, presented me with his well done portrait, inspected my wagons and then had himself informed about the expedition where he displayed vivid satisfaction about the success of our tiger hunt.

The special train took us to Jodhpur where we were due to arrive the next morning. The Rajputana-Malwa part of the Bombay Baroda and Central India Railway which we first used runs south to Bandikui. From this intersection of the line leading east to Bhartpur and Agra and in the other direction towards Jodhpur the railway continues west to Jaipur and Phulera, then South-west by the way of Ajmir to Marwar. Here it is connected to the narrow gauge Jodhpore Bikanir Railway which leads to Jodhpur in a northwestern direction.

We had entered the train in Alwar which we had already used on our trip from Agra to Bhartpur. The train was staffed with the same crew which had shown its interest in hunting during the trip to Bhartpur which was the cause that shortly after departure from Alwar towards Bandikui we made an abrupt halt in open space. The hunting friends reported that they had seen gazelles nearby. I now advanced a few hundred meters and bagged a female gazelle as well as a  fawn while Wurmbrand shot a strong male. After this exciting success we continued our cheerful railway hunt in which we made three further stops to hunt black-bucks, so that I bagged a strong male and Clam a female. We stood on the platform of our wagon and fired at full speed on sitting, fleeing or flying game whereas we had to aim and fire differently than the common way. This incredibly entertaining way of hunting resulted in a booty of 130 pieces among which were one jackal, one brown eagle, various falcons and harriers, partridges, doves and parrots. The locals looked surprised and even more so did the station keepers when they saw the moving train out of which rang out shots without interruption until the approaching darkness made us return from the platform to the coupes.

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  • Ort:  Alwar, India
  • ANNO – on 27.02.1893 in Austria’s newspapers.
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Siriska, 26. Februar 1893

Dem schönen, klaren Tag war eine kalte Nacht vorausgegangen, so dass leider ungünstige Nachrichten über Tiger einliefen. Zwei Tiger hatten zwar gerissen, aber dann nicht Stand gehalten, so dass sie nicht bestätigt werden konnten. Wir mussten uns daher abermals mit einem regellosen Treiben an den Berglehnen begnügen und bedauerten dies umso mehr, als es der letzte Tag war, den wir im Lager von Siriska zu verbringen hatten, und das Wetter eine Wendung zum Besseren zu nehmen schien. Der erste Trieb, geführt vom Head-Schikäri, wurde wieder mit großem Geschrei, sowie in üblicher Unordnung abgewickelt und blieb, dem Erwarten gemäß, resultatlos. Nur heilige Pfauen strichen über uns hinweg; in der Ferne sah ich eine Nilgau-Kuh mit ihrem Kalb. Für den jagdlichen Misserfolg entschädigte die Szenerie, da sich oberhalb der Lehne, an welcher getrieben wurde, steile Felsen und Wände erhoben, welche die Erinnerung an unsere schönen Gemsjagdgebiete in den Alpen lebhaft wachriefen.

Gegen Ende des Triebes erteilte der Oberstjägermeister meinem Mahaut einen mir unverständlichen Befehl, worauf jener mich, der ich ihm willenlos preisgegeben war, um eine kleine Hügelkette herumleitete und auf einem Vorsprung aufstellte, von welchem aus ich trotz einstündigen Wartens weder Wild, noch Treiber, noch irgend einen der Herren erblicken konnte. Die lebhafte Zeichensprache, die ich mit dem Mahaut zu führen versuchte, endigte nur mit Ausbrüchen ungezügelter Heiterkeit seinerseits, so dass ich mich schließlich in mein Schicksal ergab und ruhig weiter wartete. Endlich kamen die Treiber und der Head-Schikäri herbeigeschlichen und fanden sich auch die anderen Herren, welche auf der gegenüberliegenden Seite des Berges meiner vergeblich geharrt hatten, ein. Der gute Oberstjägenneister hatte eine arge Verwirrung angerichtet, ordnete aber jetzt einen neuen Trieb an.

Ein steiler, bewachsener Abhang wurde auf zwei Seiten im Halbkreis durch die Schützen umstellt; aber der Trieb dauerte, obgleich er sehr klein war, endlos, bis es plötzlich hieß, ein Panther sei im Trieb, worauf sofort die Hälfte der Treiber in den Bäumen saß, von denen sie um keinen Preis herabkommen wollten. Alles schrie durcheinander, der Trieb stockte, die nicht aufgebaumten Helden gingen nur zögernd vor, und endlich kam die ganze Gesellschaft hübsch vereinigt auf einem Wechsel heraus, ohne die Dickung ordentlich durchstreift zu haben. Wo war mittlerweile schon der Panther!

Nach Schluss dieser famosen Expedition sprang ein starker Sambarhirsch auf, den Prónay anschoss, worauf wir alle mit den Elephanten konzentrisch in das Dschungel eindrangen und den Hirsch ausmachten. Der Oberstjägermeister selbst schien von dem Verhalten seiner Leute nicht sehr erbaut zu sein, denn er schimpfte und fluchte durch eine halbe Stunde ununterbrochen, ritt dann eiligst nach Hause und ließ sich nicht mehr blicken.

Wir beschlossen noch auf gut Glück, das Tal zu durchstreifen. wobei wir jeden kleinen Hügel, jedes Dschungel durchstöberten; doch blieb das Resultat hinter unseren Erwartungen zurück, da ich nur einen Schakal anschoss und die Herren verschiedene Hühner und kleine Vögel erlegten. Einige in großer Entfernung flüchtende Gazellen wurden von der ganzen Linie gefehlt.
Interessant war es zu sehen, wie einer der Elephanten den von mir angeschossenen Schakal angriff: mit erhobenem Rüssel und aufgespreizten Ohren ging der Elephant im Trab auf den Schakal los. schleuderte ihn mit einem Vorderfuß zurück, zermalmte ihn mit einem Hinterfuß und sprang noch einige Zeit auf seinem Opfer umher. Nach wohlvollbrachter Tat nahm der Koloss wieder seine friedfertige Miene an und marschierte in seinem phlegmatischen Tempo weiter. Die Jagd hatte uns ziemlich weit vom Lager weggeführt, die Sonne war hinter den Bergen untergegangen und bei hellem Mondschein ritten wir ins Lager zurück.

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  • Ort:  Sariska, Indien
  • ANNO – am 26.02.1893 in Österreichs Presse. Kaiserin Elisabeth ist mittlerweile in der Schweiz eingetroffen, wo sie die nächsten Wochen zur Erholung in Territet nahe Montreux verbringen wird.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt die Komödie “Verbot und Befehl”,  während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Der Prophet” aufführt.

Siriska, 26 February 1893

The beautiful clear day was preceded y a very cool night so that there were bad news about the tiger. Two tigers had indeed killed but not stayed in place and could not be confirmed. We had again to make do with an unorganized hunt to the ridges and lamented this even more as it was the final day in the camp at Sariska, and the weather seemed to improve.  The first drive led by the head shikari was executed with much clamor and the  usual disorganization but proved to be without success as expected. Only holy peacocks were flying above our heads; in the distance I saw a female nilgai with her calf. The hunting failure was partly compensated by the view of the landscape beyond the ridge where rocks and faces rose which reminded me vividly of out beautiful territories for the chamois hunt in the Alps..

Towards the end of the drive the chief professional hunter gave an incomprehensible order to my mahaut who was at his beck and call and led me around a small ridge to a ledge from where I could not see game nor drivers nor anyone of the gentlemen despite waiting one hour.  My vivid sign language with which I tried to communicate with the mahaut just resulted in the latter’s unrestrained cheers so that I had to accept my fate and wait. Finally the drivers and the head shikari appeared and the other gentlemen returned who had waited in vain for me on other side of the hill. The dear chief professional hunter had caused quite some disorganization but ordered now another drive.

A steep incline covered in vegetation was surrounded on two sides in a semicircle by shooters. But the drive took an eternity even though it was very limited until it was suddenly reported that a panther was in the area. Quickly more than half of the drivers had climbed on trees which they didn’t want to leave again under any circumstance. Everyone was shouting, the drive faltered and the heroes not yet up on the trees advanced very timidly until all emerged into a clearing together without having covered the thickets properly. Where was the panther now!

At the conclusion of this famous expedition a strong sambar deer jumped up and was wounded  by Prónay. The elephants then concentrically closed in on the deer in the jungle, The chief professional hunter did not seem pleased with the behavior of his own people as he was swearing without interruption for more than half an hour. Then he rode home and was not seen again that day.

We decided to test our lucky by venturing across the valley whereas we examined each small hill closely. The result did not meet our expectations by far as I only wounded a jackal and the gentlemen bagged various chickens and small birds. Some gazelles fleeing at a great distance were missed by the whole line.

With interest we watched how one of the elephants attacked the jackal wounded by me. With his raised trunk and braced ears the elephant advanced at a trot towards the jackal, kicked it back with one foreleg and trampled it to death with the hind-leg and continued to jump up and down on the dead victim. Having finished its deadly work, the colossus returned into a peaceful mood and marched on in a phlegmatic way. The hunt had sent us rather far away from the camp. The sun had already set behind the mountains and we rode back to the camp in the clear moonshine.

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  • Ort:  Sariska, India
  • ANNO – on 26.02.1893 in Austria’s newspapers. The Empress Elisabeth, meanwhile, has arrived in Switzerland where she will be staying in Territet near Montreux for the next few weeks.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater plays a comedy “Verbot und Befehl”, while the k.u.k. Hof-Operntheater presents the opera “Der Prophet”.

Siriska, 25. Februar 1893

Noch während des gestrigen Diners, gegen 8 Uhr abends, hatte es plötzlich zu donnern und zu blitzen begonnen. Alsbald entlud sich ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen, welcher die ganze Nacht andauerte und an unserem schönen Lager großen Schaden anrichtete; denn wahre Wildbäche flossen durch alle Zelte, deren einige einstürzten, und des Morgens war das Lager in ein Kotmeer verwandelt. Ein großer Kater, der aus dem Dorf gekommen war, hatte sich auf meinem Bett häuslich eingerichtet, als wollte er sich, wie bei einer Sintflut, durch Aufsuchung höherer Punkte bergen; so oft ich auch den Kater in das nasse Element zurückschleuderte, immer wieder sprang er auf das schützende Bett. Als ich des Morgens erwachte, flüchteten zwei andere Katzen aus dem Zelt, die auf meinen Kleidern eine. wie die vielen umherliegenden Federn bewiesen, aus wilden Tauben bestehende Mahlzeit abgehalten hatten.

Gegen 8 Uhr morgens hörte der Regen auf, aber leider war jede Aussicht auf Tiger benommen, da wegen des schlechten Wetters keiner geschlagen hatte. Als Ersatz proponierte der Oberstjägermeister einige Triebe auf Sambarhirsche; doch versprach ich mir gleich anfangs wenig von einer solchen Jagd, da der Head-Schikäri eigentlich ein Gegner von Treibjagden ist und sie nur pro forma, damit die Zeit vergehe, zu veranstalten scheint.

Vor dem Aufbruch wurde noch ein gefangenes Stachelschwein gehetzt, wobei die Hunde einen unglaublichen Mut bewiesen, indem sie das Stachelschwein, obgleich dessen Stachel den Angreifern in den Kopf und die Schnauze drangen, binnen wenigen Minuten dennoch abfingen. Äußerst komisch war es, als das flüchtige Stachelschwein mitten unter die zum Abmarsch bereit stehenden Elephanten geraten war und diese im höchsten Schrecken auseinanderstoben, einen Heidenspektakel machten, zu blasen und zu trompeten begannen, so dass sie nur mit Mühe zu beruhigen waren.

Wir nahmen sodann mehrere Triebe in anscheinend günstigen Lagen; allein ohne das geringste Resultat, da der Head-Schikäri kein Interesse zeigte und die Treiber langsam und lässig vorgingen. Als ich endlich beim dritten Triebe zum Zeitvertreib in meiner Häuda laut zu singen und zu jodeln begann, stürzte “Tisza” entrüstet herbei. kanzelte mich in Hindustani-Sprache gründlich ab und erklärte kategorisch die Jagd für beendet. Das Ergebnis dieser Triebe bestand in einem Schakal, den ich — gesehen hatte.

Während der Jagd kamen wir an den Ruinen eines kleinen Jagdhauses vorbei, welches dem verstorbenen Maharadscha gehört hatte, der hier in seltsamer, jedenfalls sehr bequemer Art vom Anstand aus auf Tiger zu jagen pflegte. So oft nämlich der Maharadscha in mondhellen Nächten das Jagdhaus bezogen hatte, wurde in einem der unter den Fenstern des Gebäudes gelegenen Gräben ein Büffelkalb angebunden, um Tiger herbeizulocken. Inzwischen schlief, bis ihn die Meldung weckte, dass ein Tiger zur Stelle sei, der Nimrod ruhig auf seinem Pfühle und feuerte dann, im “Gewande der Nacht”, mit der größten Seelenruhe seinen Schuss auf den Tiger zum Fenster hinaus ab, um nach wenigen Minuten den unterbrochenen Schlaf fortzusetzen.

Während ich nach dem letzten Trieb auf einem Umweg dem Lager zustrebte, gelang es mir, mit zwei Schüssen auf weite Distanz — über 300 Schritte — zwei Chinkara-Gazellen, Bock und Gais, äußerst zierliche, graziöse Tiere, zu erlegen. Gazellen einer ähnlichen Art hatte ich schon seinerzeit in Syrien gesehen, aber nicht zu erbeuten vermocht. Außerdem schoss ich einen auffallend starken Schakal und mehrere Hühner. Auch die anderen Herren brachten verschiedenes Wild heim; dann unter anderem auch ein Exemplar des Gemeinen Flughuhnes (Pterocles exustus).

Zum Glück hatte sich der Himmel im Lauf des Tages vollkommen aufgeheitert, so dass wir einen herrlichen Abend bei prachtvoller Beleuchtung der umliegenden Berge genossen. Die Landschaft schwamm in silberhellem Mondschein und schließlich — Ende gut, alles gut — traf auch die langersehnte Post vom 13. Jänner, die in der halben Welt unseren Spuren nachgeirrt war, mit guten Nachrichten aus der geliebten Heimat ein.

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  • Ort:  Sariska, Indien
  • ANNO – am 25.02.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt die Komödie “Die Maler”,  während das k.u.k. Hof-Operntheater Gounods “Romeo und Julie” aufführt.

Siriska, 25 February 1893

Still during the dinner the day before, towards 8 o’clock in the evening, it had suddenly begun to thunder and flash.  Soon, a terrible storm sent lots of rain through the clouds.  The rain continued all through the night and caused much damage to our beautiful camp. True torrents ran through our tents, some of which collapsed. Morning turned our camp into a fecal sea. A large cat that had come from the village had made its home on my bed as if it wanted to gain height during the deluge. As often as I sent the cat back to the wet element, it jumped back on the bed. When I woke up in the morning, two more cats fled from my tent. They had eaten a meal of wild pigeon on my clothes proved by the many feathers left behind.

Towards 8 o’clock in the morning the rain stopped but unfortunately any expectations of catching tigers was gone as the bad weather meant that they had not killed. As a replacement the chief professional hunter proposed hunting sambar deer; but I expected little from such a hunt as the head shikari was an opponent of the chase and only seemed to organize it pro forma to spend the remaining time.

Before the departure we chased a captive porcupine during which the dogs showed incredible courage in catching the porcupine within minutes despite its spikes penetrating the head and mouth of the attackers. It was an incredibly funny moment when the fleeing porcupine raced between the standing elephants waiting for the departure. The elephants in their terror ran off in all directions and created a hell of a spectacle, tooting and blowing the trumpet so that it was only with difficulty that order was restored.

We undertook multiple hunts at an apparently good elevation; except without any result at all as the head shikari showed no interest an the drivers were slow and careless. When I started to sing and yodel in my hauda to pass the time during the third attempt,  “Tisza” rushed to me with indignation, vehemently swore at me in Hindustani and declared categorically that the hunt was finished. The result of this hunt was a jackal — which I had seen.

During the hunt we came across the ruins of a small hunting lodge which was owned by the deceased maharaja who used to hunt tigers from here out of this strange but comfortable position. As often as the maharaja took up residency in the hunting lodge during light moonlight nights, a buffalo calf was bound in a ditch close to the windows of the building to attract tigers. In the mean time, until he was awakened to the news that the tiger was here, the Nimrod slept soundly in his bed and fired, still in his “night gown”, with great imperturbability at the tiger out of his window only to continue his sleep after a few minutes of interruption.

During my last hunt, returning to the camp on an indirect route, I succeeded in killing with two shots at long distance — over 300 paces — two chinkara gazelles, a male and a female, very delicate, gracious animals. Gazelles of a similar species I had already seen in Syria but not yet hunted. Furthermore I shot an extremely strong jackal and multiple chickens. Some of the gentlemen also brought home various game, among other things a specimen of a chestnut-bellied sand grouse (Pterocles exustus).

Fortunately the sky had completely cleared up during the day so that we had a wonderful evening with a gorgeous illumination of the surrounding hills. The landscape swam in the silvery moonshine and finally the long expected mail from 13th January with good news from beloved home — all is well that ends well — arrived which had followed in our tracks across half the world.

Links

  • Ort:  Sariska, India
  • ANNO – on 25.02.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater plays a comedy “Die Maler”, while the k.u.k. Hof-Operntheater presents Gounod’s “Romeo und Julie”.