In See nach Borneo, 6. Juli 1893

Unser Mittagspunkt fiel zwischen die Arends-Insel und die Solombo-Eilande, deren Position durch unsere Korvette „Erzherzog Friedrich“ bei der Weltumsegelung in den Jahren 1875 und 1876 auf Grund des astronomischen Besteckes berichtigt worden war; es sind dies kleine, runde Inseln, die wie Maulwurfshügel aus der weiten See emporragen.

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  • Ort: nächst der Arends-Insel
  • ANNO – am 06.07.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Krisen“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

At Sea to Borneo, 6 July 1893

Our position at noon was between the Arends island and the Solombo islands whose location had been corrected by our corvette „Erzherzog Friedrich“ during the voyage around the world in 1875 and 1876 based on astronomical instruments. These are small round islands that emerge out of the wide sea like molehills.

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  • Location: near Arends Island
  • ANNO – on 06.07.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Krisen“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

At Sea to Borneo, 5 July 1893

At 5 o’clock in the morning we caught sight of Celebes and the Selayar islands. An hour later we passed through the Strait of Selayar that separates the elongated Selayar island from the Southern tip of Celebes. In the afternoon we drove by the lighthouse of Taka Reva at a distance of eight sea miles.

The weather had again turned erratic. During the day it was clear but towards evening and during the night there were heavy rainstorms. The sea remained smooth and calm.

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  • Location: South of Celebes
  • ANNO – on 05.07.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die Grille“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

In See nach Borneo, 5. Juli 1893

Um 5 Uhr morgens sichteten wir Celebes und die Saleijer-Inseln und passierten eine Stunde später die Saleijer-Straße, welche die langgestreckte Insel Saleijer von der Südostspitze von Celebes scheidet. Nachmittags fuhren wir auf acht Seemeilen Entfernung an dem Leuchtturm von Taka Reva vorbei.

Das Wetter war wieder recht unbeständig geworden; bei Tage war es schön, gegen Abend und in der Nacht sprangen heftige Regenböen auf. Die See blieb glatt und ruhig.

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  • Ort: nächst Celebes
  • ANNO – am 05.07.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Die Grille“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

In See nach Borneo, 4. Juli 1893

Vormittags bekamen wir südöstlich von Celebes die Inseln Wangiwangi sowie Buton (Boeton) in Sicht und fuhren um 1 Uhr durch die zwischen diesen Inseln befindliche Buton-Passage. Das Wetter hellte sich auf, die Sonne strahlte mit tropischer Kraft herab, so dass das Schiff, da an Bord alles trocknete, förmlich dampfte; doch erübrigte bei der übermäßigen Sättigung der Luft mit Wasserdünsten noch immer ein hoher Grad von Feuchtigkeit.

Die Krankenliste an Bord erfuhr leider wieder einen Zuwachs, indem Clam und Bourguignon sowie mein Jäger vom Fieber befallen wurden. Die beiden Erstgenannten hatten hochgradige Temperatur und delirierten zeitweilig, ja bei Bourguignon gesellte sich dem Fieber obendrein eine Komplikation hinzu, welche eine Rippenfellentzündung befürchten ließ. Begreiflicherweise wirkte der böse Gesundheitszustand drückend auf die sonst so gute Stimmung; hatten wir ja doch auf der „Elisabeth“ fast nur mehr Kranke oder Rekonvaleszenten.

Abends kam Hegadis Island in Sicht.

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  • Ort: nächst Celebes
  • ANNO – am 04.07.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater ist auf allerhöchste Anordnung an diesem Tag geschlossen, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

At Sea to Borneo, 4 July 1893

In the morning the islands of Wangiwangi and Boeton came into view South-east of Celebes and we drove at 1 o’clock through the Buto Passage between these two islands. The weather cleared up, the sun was shining with tropical fervor so that the ship on whose deck everything was drying was formally steaming. But thanks to the air oversaturated with water, the humidity remained high.

The sick list on board saw new unfortunate additions as Clam, Bourguignon as well as my hunter were struck by the fever. The former two had very high temperatures and were hallucinating from time to time. Bourguignon even had further complications besides the fever which made us fear about pleurisy. Understandably the bad health affects the otherwise good mood as we had on „Elisabeth“  almost only sick or recovering patients.

In the evening, Hegadis Island became visible.

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  • Location: South of Celebes
  • ANNO – on 04.07.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is closed. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

In See nach Borneo, 3. Juli 1893

So verließen wir denn Amboina, — die Vertauung bei Tagesanbruch lichtend — ohne eigentlich diese schönste Insel der Molukken in ihrer wahren Gestalt gesehen zu haben; der unaufhörliche Regen hatte jede Aussicht, jeden Naturgenuss zerstört. Ich hatte mich ganz besonders gefreut, die Aru-Inseln und Amboina zu sehen, da meine Erwartungen durch vielversprechende Schilderungen dieser Eilande auf das höchste gespannt waren. Nun aber möchte ich mich der Ansicht zuneigen, dass mir der Regen vielleicht eine gewisse Enttäuschung erspart hat; denn ich fand, nach dem zu schließen, was ich allerdings nur flüchtig und bei Ungunst der Witterung gesehen hatte, auf den Aru-Inseln wie auf Amboina Flora und Fauna lange nicht so reich und so schön, als es die Bücher, die ich gelesen, verheißen hatten, und weit übertroffen durch die Pflanzen- und Tierwelt anderer Haltepunkte meiner Reise. Doch darin war es mir ergangen, wie so manchem anderen Reisenden vor mir.

Länder, Gegenden und Orte, welche sozusagen gar nichts versprechen und von den Reisenden nur, weil es die Route vorschreibt, oder doch mit Voreingenommenheit besucht werden, überraschen oft in angenehmster Weise, ja heimeln an, wenn zu dem intimen Reize der Lokalität das Bekanntwerden mit sympathischen Persönlichkeiten tritt.

Dieser Erfolg verkannter Länder und Leute ist um so bedeutender dort. wo weder Reisewerke noch mündliche Berichte eine günstige Prognose gestellt haben. Derart war es mir zum Beispiel mit Sydney, mit allem, was ich von Neu-Süd-Wales gesehen hatte, ergangen, woselbst ich im Widerspruch mit meinem ursprünglichen Plan, nur auf die spezielle Bitte des Marinekommandanten hin gelandet war — und nun erschien mir der Aufenthalt auf dem australischen Festland als ein unauslöschlicher Glanzpunkt meiner Reise. Eine analoge Erfahrung hatte ich auch in Bezug auf die Salomon-Inseln gemacht, welche nahe daran waren, von der Route gestrichen zu werden, und doch hatten gerade sie mir das Allerschönste geboten, was ich unter den Tropen überhaupt an üppigen Vegetationsbildern, an urwüchsiger, auf das freudigste gedeihender Natur gesehen hatte.

Dagegen hatten mich oft und laut gerühmte Landschaften, so jene auf den Aru-Inseln und auf Amboina und zuvor auch manche Punkte Britisch-Indiens einigermaßen enttäuscht, worauf zum Teil Einfluss gehabt haben mag, dass ich sie nicht im günstigsten Moment gesehen und in Reisewerken überschwänglich ausgemalt gefunden habe. Ich möchte dadurch jene, welche in anderer Weise als ich die von mir besuchten Länder geschaut und zu schildern getrachtet haben, keineswegs irriger Auffassung und Darstellung zeihen; denn ich bin mir wohl bewusst, dass einerseits nichts schwerer ist, als dort rein gegenständlich zu schildern, wo Wetter, Beleuchtung, Jahreszeit, hunderterlei äußere Umstände unwillkürlich auf den Beschauer Einfluss nehmen, und dass andererseits jede Darstellung zu sehr auf der individuellen Natur des Denkenden und Empfindenden fußt, um nicht von Subjektivität durchweht zu sein.
Wohl dem, der nicht auf fremde Schilderung so vieler herrlicher oder merkwürdiger Dinge angewiesen ist, sondern diese auf Grund eigener Anschauung an Ort und Stelle zu prüfen, zu ergänzen, zu berichtigen vermag!

Wir hatten nun, um Borneo zu erreichen, eine Fahrt von sieben Tagen vor uns. Gleich bei der Ausfahrt von Amboina, die unter strömendem Regen erfolgte, empfing uns gekreuzte See und mussten wir die keineswegs angenehmen Stampfbewegungen des Schiffes geduldig ertragen.
An Bord sah es nicht vergnüglich aus; noch immer gab es ziemlich viel Fieberkranke, und alles litt unter der kontinuierlichen Nässe; die Monturen nahmen argen Schaden, da sie zum Auswinden durchtränkt waren; in den Kabinen zeigte sich jegliches Gewebe und Lederwerk in kurzer Zeit, oft schon nach wenigen Stunden, mit einer dichten Schicht von Schimmel bedeckt.

Wir fuhren mit südwestlichem Kurs die Küste von Buru entlang und konnten jetzt erst die Größe dieser Insel und ihrer hochstrebenden Berge ermessen. Über Buru hingen schwere Wolken, aus denen es manchmal unheimlich aufblitzte, und nicht minder mag es dort heute gewettert und gegossen haben, als an jenem Tage, wo wir bei Kajeli vergeblich auf Babirussas gefahndet hatten. Unaufhörlich schossen neue Wasserströme, vom Winde gepeitscht, auf unser Schiff hernieder.

Trotz solchen Unwetters bewahrt die See doch immer ihre Reize, auch bei Regen und beim Rollen des Donners zeigt sie sich majestätisch. Manchmal fährt das Gewölk jagend vorbei, zerreißt für Momente und gönnt insbesondere am Abend Lichteffekten Raum, deren großartigen Rahmen und bunten Wechsel der Landbewohner nicht kennt, des Seefahrers Sehen und Sinnen aber vollauf empfindet.

Des Abends weile ich bei solchen langen Fahrten in hoher See beinahe immer auf der Kommandobrücke, welche als hochgelegene Stelle des Schiffes die schönste Aussicht bietet, und lasse mich hier von der frischen Seebrise umfächeln, weide mich an den Bildern des herrlichen Sonnenunterganges, der jeden Tag Neues bietet, und schicke meine Gedanken viel Tausende von Meilen weit in die ferne Heimat. Es sind dies Stunden der Ruhe und des Friedens, die so recht nur schätzen lernt, wer eine lange Reise unternimmt.

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  • Ort: nächst Buru
  • ANNO – am 03.07.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „König und Bauer“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

At Sea to Borneo, 3 July 1893

Thus we left Amboina, — un-mooring at the break of dawn — without truly having seen this most beautiful island of the Malukus in its true form. The never-ending rain had destroyed any chance, any enjoyment of nature. I had especially been looking forward to see the Aru islands and Amboina as my expectations had been increased to the highest by the promising accounts about these islands. Now however I am closer to the opinion that the rain may have spared me a certain disappointment  as I found, based on what I however have seen only cursorily and in bad weather, the flora and fauna on the Aru islands and on Amboina by far not as rich and beautiful as the books I had read had promised and surpassed by far by the plant and animal worlds on other highlights of my voyage. My experience was similar to many other travelers before.

Countries, regions and places that quasi promise nothing and are visited only by the traveler because the route demands it or only with prejudice are often a most pleasant surprise and feel like home if the intimate attractions of the place happen in combination with meeting sympathetic people.

This success of underestimated countries and people is all the more important where no travel books or oral accounts can offer a good prediction. This happened to me in Sydney and all I saw in New South Wales for example where I had landed, contrary to my original plans, only upon the special request of the marine commander — and now the stay on the Australian mainland seemed to be an indelible highlight of my voyage. A similar experience I made in regard to the Solomon islands that were close to being cut from the route and instead had offered me the most beautiful of views that one can see in the tropical regions about the luxurious vegetation and original nature growing most pleasantly.

In contrast, often and highly praised landscapes such as those in the Aru islands and Amboina as well as many spots of British India I have found quite disappointing which may have been partially influenced by the fact that I did not see them at the most favorable time and have seen them exuberantly described in travel books. In no way do I want to accuse those who have visited and described the countries I have seen to have false ideas or made wrongful presentations, as I am well aware that on the one hand nothing is more difficult as describing something objectively where weather, lights, season and a hundred other circumstances may influence the viewer involuntarily, and on the other hand that every presentation rests too much on the very individual nature of the thinking and perceiving person to be not subjectively colored.

Here is to those who do not have to rely on other people’s description of so many gorgeous or strange things but can examine them in place with one’s own eyes, amend or correct them!

To reach Borneo would require us to undertake a journey of seven days. Just at the exit of Amboina that happened in a rainstorm, we were received by a turbulent sea and had to patiently bear the in no way agreeable pitching of the ship.

On board, it did not look pleasant. There were quite many fever patients and all were suffering from the continued wetness. The uniforms became quite damaged as they were too soaked to completely wring them. In the cabins, all kinds of fabric and leather was in a short time, often within a few hours, covered in a dense layer of mold.

We drove in a South-western direction alongside the coast of Buru and could only now appreciate the size of this island and its high rising mountains. Over Buru hung heavy clouds out of which flashes burst from time to time and there must have been as heavy rainstorms today as it stormed and rained on the day where we hunted in vain for babirussas on Kajeli. Continuously new streams of water was pouring down, lashed by the wind, upon our ship.

Despite these rainstorms the sea still retains its charms, and even in rain and rolling thunder it shows its majestic way. Sometimes the clouds rush by, is broken up for moments and offers, especially in the evening, light effects whose grand scale and colorful changes a landsman does not know but fully fills a seaman’s sight and senses.

In the evening I spend much of the time on the open sea on the bridge which is at the highest point in the ship and offers the best view. I let the fresh breeze envelop me and enjoy the images of the gorgeous sunset that offers something new every day and send my thoughts towards the distant home many thousands of miles away. These are quiet and peaceful hours that only somebody who has undertaken a long voyage can truly appreciate.

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  • Location: near Buru
  • ANNO – on 03.07.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „König und Bauer“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

Amboina, 2. Juli 1893

Heute morgens überraschte uns, nachdem wir uns gestern eines Sonnenblickes erfreut hatten, wieder so starker Gussregen, dass wir ruhig in unseren Kajüten bleiben mussten und das Land kaum zu erblicken war; so sehr wurde alles durch Nebel und Wolken verhüllt.

Wir standen nach der Messe in Gruppen vor den Kabinen und schauten zum grauen Himmel empor, ob denn der Regen gar nicht nachlassen wolle; aber für heute war keine Hoffnung mehr vorhanden. Trotzdem fuhr ich nachmittags nochmals zu den Seegärten, um mit meinen Leuten wieder einige Korallen zu fischen.

Dann machte ich noch einen Abschiedsbesuch bei der Familie des Residenten; der ganze Park beim Palais war in einen See verwandelt, und das Hauptgesprächsthema bildete natürlich der Regen.

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  • Ort: Ambon
  • ANNO – am 02.07.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Vater und Sohn“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

Amboina, 2 July 1893

Today in the morning were were again surprised, after we had enjoyed the sight of the sun the day before, by a heavy downpour so that we had to remain calm in our cabins. The land was barely visible as everything was fully enveloped by fog and clouds.

After mass we stood around in groups in front of the cabins and looked up to the grey sky whether the rain would ever stop. But there was no hope for today. Still I drove out to the sea gardens again in the afternoon to fish some corals with my people.

Then I paid a final visit to the resident’s family. The whole park near the palace had been turned into a lake. The main topic of conversation naturally was the rain.

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  • Location: Amboina
  • ANNO – on 02.07.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Vater und Sohn“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.