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Jagdlager am Laroki, 17. Juni 1893

Schon nach 5 Uhr war Tagreveille. Unseren Schlaf hatten nur unzählige Ameisen einigermaßen gestört, die, teils winzig klein, teils, wie die roten Ameisen, welche während des gestrigen Rittes von den Bäumen auf uns niedergefallen waren, von ansehnlicher Größe, mit ihren bösartigen Stichen den Wanderer auf Neu-Guinea bei Tag und Nacht plagen, ja fast rasend machen können. Einer der Herren hatte zu seiner nicht eben freudigen Überraschung in der Hängematte überdies einen großen Skorpion vorgefunden.

Die Stunde des Aufbruches zur Jagd war so frühzeitig angesetzt worden, da jedenfalls der Morgen die günstigste Zeit war, um Vögel zu erlegen, und eben begann der Tag zu grauen, als wir aus den Hängematten sprangen, um Tee zu kochen sowie die zur Jagd notwendigen Vorbereitungen zu treffen; denn jeder von uns wollte den ganzen Tag über ausbleiben und die kurze, uns in Neu-Guinea noch gegönnte Zeit gründlich ausnützen.

Eine originelle Szene stellte die Morgentoilette der Gepäckträgerinnen dar, welche diese ohne jegliche Scheu, beständig lachend und miteinander schäckernd, in Evas Kostüm vor unseren Augen im Fluss besorgten. Dieser Nymphenreigen gab unwillkürlich Anlass, die Verschiedenheit der Hautfarbe der Eingeborenen zu beobachten; die Nuancen des Teints variierten zwischen dunkelbraun und hellbraun, vorherrschend war indessen der kaffeefarbene, goldbronzene Ton mit einem Stich ins Olivengrün, also jene Hautfarbe, welche gerade für polynesisches Blut als charakteristisch gilt. Allen gemeinsam war die auffallende Schönheit der dunklen Augen und die Gutmütigkeit, ja Freundlichkeit der Physiognomie.

Wir marschierten in fünf Partien aus, welche sich jenseits des Laroki mit dem Ruf „Waidmannsheil!“ trennten und in verschiedenen Richtungen im Dunkel des Urwaldes verschwanden.

Ich wandte mich mit Bedford, meinem Borddiener Biaggio sowie mit einigen Eingeborenen zuerst dem Nordufer zu und verfolgte dann den Flusslauf in westlicher Richtung. Lautes Vogelgezwitscher aus Hunderten von Kehlen scholl uns entgegen, was ich als gute Vorbedeutung für den Erfolg des Tages ansah.

Man macht sich keinen Begriff, wie schwer es ist, in dem undurchdringlichen Gewirr von Baumkronen, Ästen, Zweigen, Lianen und Schmarotzerpflanzen eines solchen Urwaldes die Vögel zu entdecken, insbesondere da diese zumeist auf den höchsten Stellen riesiger Bäume sitzen, zu welchen man vom Boden aus bloß durch einzelne Lücken emporsehen kann. Nur ein scharfes und zugleich geübtes Auge vermag da endlich die Vögel zu finden; zuweilen gelingt dies erst nach langem, geduldigem Warten. Überbaumt der Vogel, dann ist alles vergeblich. Bedford und die Wilden legten, als ständige Bewohner des Waldes, eine erstaunliche Geschicklichkeit im Erspähen von Vögeln an den Tag, und jeder der Eingeborenen wollte hiebei der erste sein, so dass alle umherliefen und mehr Lärm als nötig verursachten. Wir hatten große Mühe, diesen Übereifer zu zügeln; endlich befahl ich meinem Diener, die Eingeborenen insgesamt in seiner Nähe zu halten und uns die ganze Schar auf 100 Schritte folgen zu lassen, während ich mit Bedford und einem Papua vorsichtig weiterschleichen wollte. Doch so oft wieder eine Vogelstimme ertönte, stand auch schon die ganze Bande knapp hinter uns, bis es Bedford gelang, sie mit Hilfe kerniger Flüche in papuanischem Idiome definitiv zurückzutreiben. Dass der Vogel im Laufe der jedesmaligen Auseinandersetzungen das Weite gesucht hatte oder verstummt war und infolge dessen auch nicht mehr wahrgenommen werden konnte, ist selbstverständlich.

Worauf ich heute in erster Linie ausging, war, eines der prachtvollen Königsparadiesvögel (Cincinnurus regius) habhaft zu werden. Wir fanden auch, dem Rufe nachgehend, einen Baum, auf dem sich solche Vögel aufhielten; doch leider war kein Männchen dabei, so dass ich bloß ein Weibchen schoss, welches von schlichter Farbe war und die charakteristischen himmelblauen Ständer aufwies.

An mehreren Stellen des Waldes sah ich die Riesennester des Talegallahuhnes. Dieser merkwürdige Vogel scharrt auf dem Boden liegende Blätter, Zweige, Erde, mit einem Worte die ganze Waldstreu zu einem großen Haufen von 6 bis 8 m Länge und 2 bis 3 m Höhe zusammen, in welchen er seine Eier legt, um sie durch die Bodenwärme oder vielmehr durch die Wärme, die sich bei dem Verwesungsprozesse dieser angehäuften vegetabilischen Stoffe entwickelt, ausbrüten zu lassen. Die Mühe, welche das verhältnismäßig kleine Huhn aufwenden muss, um solch eine große Menge Materials für sein Wallnest zusammenzuscharren, lässt sich darnach ermessen, dass im Umkreis des hügelartigen Nestes der Boden auf Hunderte von Schritten hin wie glattgefegt erscheint. Meine Wilden gruben in einem dieser Nester nach, fanden aber leider keine Eier vor.

Aus einem dichten Busch strichen vor mir drei Riesenchwalme (Podargus papuensis) auf, deren einen ich erlegte; knapp daneben schoss ich eine Rohrdommel (Zonerodius heliosylus), welche sich an einen Zweig des Baumes, auf dem sie gesessen, gedrückt hatte.

Oft hörte ich Töne im Walde, die an das Melden einer Auerhenne erinnerten und zum Schluss in ein lautes Geschrei ausklangen; auch vernahm ich über mir das starke Flügelrauschen eines anscheinend sehr großen Vogels. Bedford erklärte mir auf meine Frage, dass das der Horn-Bill, ein großer Nashornvogel, welcher ungemein scheu sei, wäre und es schwer sein würde, ein Exemplar zu erlangen. Vergeblich versuchten wir es, diese Vögel dem Melden nach anzuschleichen, aber jedes Mal strichen sie, noch bevor wir sie erblicken konnten, mit großem Geschrei ab, hiedurch alle ihre Genossen avisierend, so dass bald im ganzen Walde die Warnungsrufe hörbar wurden. Ich hatte die Hoffnung auf ein günstiges Ergebnis bereits aufgegeben, als ich zwei selten schön purpurrot und zitronengelb gefärbte Tauben (Ptilopus iozonus) entdeckte, die ich erbeutete. Die Schüsse schienen nun unter den Horn-Bills eine große Aufregung verursacht zu haben, denn ich hörte überall ihren Flügelschlag, bis endlich einer zufällig über mir auf einem hohen Wipfel aufbaumte, so dass es mir gelang, ihn herabzuschießen. Es war ein Rytidoceros (Buceros) plicatus, ein altes Männchen und ein wunderbares Exemplar, charakterisiert durch den Riesenschnabel, den rotbraunen Hals, das metallisch glänzende, schwarze Gefieder und den schneeweißen Stoß. Das Alter des Vogels wurde unter Zugrundelegung der Schnabelwülste auf sieben Jahre taxiert, da die Eingeborenen rechnen, dass er auf seinem Schnabel jedes Jahr eine neue Hornwulst aufsetze. Der Wilde, welcher mir das Tier brachte, führte einen äußerst drolligen Freudentanz auf, indem er beständig in exzentrischer Weise mit den Füßen ausfeuerte; sobald sich der Mann einigermaßen beruhigt hatte, schickte ich ihn mit dem Vogel direkt ins Lager zurück, damit dieser ehestens in die Hände des Präparators gelange.

Allmählich hatten wir bergigeres Terrain erreicht, in welchem sich die Szenerie änderte. Der Wald wurde lichter, hohes Gras bedeckte den Boden, und die steinigen Stellen sowie die Felsblöcke waren ringsum von Eucalypten umgeben. Hier schoss ich noch ein Wallaby und einen schönen Falken (Accipiter cirrhocephalus).

Es ging gegen Mittag, und da die Hitze sehr drückend, in der Vogelwelt aber Ruhe eingetreten war, proponierte mir Bedford, Rast zu halten. Wir lagerten uns mit den Papuas zwischen Felsblöcken im Schatten einiger Bäume, verzehrten unsere Konserven und versuchten dann ein wenig zu schlafen, was aber leider durch eine Unzahl quälender Ameisen unmöglich gemacht wurde.

So ließ ich mich denn mit Bedford in ein „englisches“ Gespräch ein, dem ich schließlich entnahm, dass dieser von dem Gouverneur gewählte Jagdplatz ein ungünstiger, die beste Jagdgelegenheit aber im ganzen Gebiet eine von Moresby etwa 40 km entfernte Niederung am Vei Maori River sei, wohin auch der Gouverneur Jagdzüge zu unternehmen pflege. Allein, fügte Bedford hinzu, er hoffe mir nachmittags in einem nahen Tal doch noch Paradiesvögel zum Schuss zu bringen.

Die Papuas verbrachten die Rastzeit in einer ihnen sicherlich ganz angenehmen Weise; denn sie rauchten Tabak, welchen sie von mir erbettelt hatten, brieten das frischgeschossene Wallaby und verzehrten den seltsamen Braten mit Behagen.

Ungeachtet der starken Hitze brachen wir schon vor 2 Uhr auf und erkletterten eine steile Berglehne, was ebenso schwierig als ermüdend war, da wir keinem bestimmten Pfade folgten, sondern, wie es eben kam, über Steinblöcke und mit Gras überwucherte Felsspalten emporklimmen mussten, kaum wissend, wo den Fuß hinsetzen, und jeden Augenblick ausgleitend. Atemlos und in Schweiß gebadet kamen wir auf der Höhe an, wo wir uns ins Gras warfen, um ein wenig Atem zu schöpfen und neue Kräfte zu sammeln; denn jetzt hieß es die andere Seite der Berglehne hinabklettern, was womöglich ein noch schwierigeres Beginnen war. Der Abstieg ging nur ganz langsam vonstatten, da wir bloß allmählich vorwärts kommen konnten; auf halbem Weg ermatteten nach und nach selbst die Eingeborenen, die sich niedersetzten und nicht weiter gehen wollten. Erst einige nachdrückliche Ermahnungen Bedfords sowie der Umstand, dass wir die Strikenden jetzt vor uns gehen ließen und sie vorwärts trieben, brachten sie von der Stelle.

Zerschunden und zerrissen kamen wir schließlich in das kleine, dichtbewachsene Tal, in dem Bedford Paradiesvögel zu finden hoffte. Zum Überfluss begann aber eben jetzt ein heftiger Gussregen niederzugehen, so dass alle Hoffnung auf Jagdbeute schwand; denn sobald es regnet, verstecken sich die Paradiesvögel, um ihr Gefieder besorgt, in die dichtesten Baumkronen, drücken sich an den Stamm und sind dann absolut nicht zu erblicken. Ich stieg zwar trotz des Regens noch den jenseits des Tales aufsteigenden Hügel hinan und erblickte da auch eine Paradieshenne, aber ein Männchen war nicht zu erspähen.

Da Bedford nun weiteres Suchen nach Paradiesvögeln für unnütz erklärte, wir überdies eine bedeutende Strecke Weges bis zum Lagerplatz zurückzulegen hatten, wurde die Direktion dahin genommen.

Das Tal war so dicht bewachsen, dass uns nichts anderes übrig blieb, als in dem Bache vorwärts zu dringen, welcher in der Talsohle dahinlief. Von dessen Ufer aus stürzten sich die Eingeborenen sofort in die Flut, um in langen Zügen ihren Durst zu löschen, fanden aber in dem warmen Wasser wenig Erquickung.

In dem Bach weiter watend, merkten wir gleich zu Beginn, dass sich unsere Schuhe mit feinem Sand füllten, was insbesondere mir peinlich war, da ich mich wundgegangen hatte. Wo der mit zahlreichen tiefen Stellen durchsetzte Bach das Waten verwehrte, mussten wir den Wasserlauf umgehen, indem wir uns zwischen den am Ufer stehenden Bäumen durchzwängten oder über umgestürzte Stämme kletterten. Endlich langten wir am nördlichen Ende des Tales an, woselbst ich am Vormittag gejagt hatte, und von wo es nun heimwärts ging, das heißt dem Lager zu, welches ich spät abends ganz durchnässt und herzlich müde erreichte. Eine derartige, zehnstündige Expedition im tropischen Urwald bei drückend schwüler Atmosphäre wirkt erschöpfender als ein doppelt so langer Marsch in unseren Breiten.

Die übrige Jagdgesellschaft war vor mir eingetroffen und jeder der Herren hatte etwas Interessantes mitgebracht, so Clam einen herrlichen Paradiesvogel und drei Kronentauben, Wurmbrand zwei Fischreiher (Ardeiralla flavicollis), eine schneeweiße Weihe mit lichtbraunen Flügeln (Haliastur girrenera) sowie zwei eigentümliche, rallenartige Vögel, sogenannte Blätterrallen (Parra gallinacea), Prónay endlich einen Kakadu, eine violette Taube u. a. m.
Nach dem ursprünglichen Plan sollte den nächsten Tag über noch im Ufergebiete des Laroki gejagt werden, doch bewogen mich die Angaben Bedfords, den Gouverneur zu bitten, eine Expedition nach dem mir so sehr gerühmten Jagdgefilde am Ufer des Vei Maori zu inszenieren. Um die Bedenken zu beheben, welche der Gouverneur unter Hinweis auf die Kürze der mir zugebote stehenden Zeit diesem Plan entgegenstellte, und um diese Exkursion zu ermöglichen, erklärte ich mich bereit, meinen Aufenthalt in Neu-Guinea um zwei Tage zu verlängern. Diese Fristerstreckung entschied die Sache. Sir William war mit dem Jagdausflug zum Vei Maori unter der Voraussetzung einverstanden, dass ihm die zur Ausrüstung nötige Zeit gewährt würde, worauf wir einhellig den Beschluss fassten, schon am kommenden Morgen nach Port Moresby zurückzukehren.

An diesem Abend ließ trotz Ameisen und Skorpionen der Schlaf nicht lange auf sich warten; denn selbst die Eingeborenen waren von den Mühen des Tages so erschöpft, dass sie Gesang und Tanz vergaßen und daher schon zu früher Stunde völlige Ruhe im Lager herrschte.

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  • Ort: Port Moresby, Neu Guinea
  • ANNO – am 17.06.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Die Jungfrau von Orleans“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

Hunting camp at Laroki, 17 June 1893

Already at 5 o’clock came the wake-up call. Our sleep had been quite disturbed by countless ants that were partly tiny partly, like the red ants that dropped on us the day before on our ride under the trees, of considerable size whose mean bites plague and enrage the hikers on New Guinea day and night. One of the gentlemen even found a large scorpion in his hammock. Not a very friendly surprise!

The time of departure for the hunt had been set so early as the morning was the best time to hunt birds. it was beginning to dawn when we jumped out of our hammocks to cook tea and make the necessary preparations for the hunt. As each of us wanted to say out during the whole day and thus fully use the short time we could spend in New Guinea.

An original scene in the morning was the female baggage carriers bathing without any timidity in the river laughing all the time and chatting naked as Eve. This dance of nymphs naturally offered the opportunity to compare the variety of skin colors of the natives. The nuances of complexion ranged from dark-brown to light-brown with a predominance of coffee-brown or golden bronze with a tint of olive which is so characteristic for the Polynesian blood. What all had in common were the extremely beautiful dark eyes and their good nature, even friendliness of their physiognomy.

We set out in five marching groups that split on the other bank of the Laroki to the shouts of „Hunter’s Luck“ and disappeared in multiple directions into the darkness of the jungle.

I first turned towards the North shore with Bedford, my servant on board Biaggio as well as some natives and then followed the stream in a Western direction. Loud bird songs from hundreds of beaks were heard which I considered a good omen for a successful day.

One has no experience how difficult it is to discover birds in the impenetrable tangle of tree tops, branches, twigs, lianas and parasite plants of such a jungle. Especially as they most of the times sit in the highest spot on giant trees which one can see from the ground only through some gaps. Only a keen and at the same time trained eye can finally spot the birds. Sometimes this is achievable only after a long patient wait. If the bird flies away, all was in vain. Bedford and the savages showed an astonishing aptitude in spotting the birds, given that they are permanent inhabitants of the forest and each native wanted to be the first so that all ran around and made more noise than necessary.

We had big trouble to constrain this overzealousness. Finally I ordered my servant to keep the natives all close to him and follow us in a group at a distance of 100 paces while I with Bedford and one Papuan cautiously wanted to sneak forward. But as soon as the voice of a bird was heard, the whole group stood close behind us until Bedford managed to drive them definitively back with the help of strong curses in Papuan language. That the birds fled during those discussions or kept quiet and thus could no longer be detected was self-evident.

What I wanted to bag today first of all was one of the splendid king bird of paradise (Cincinnurus regius). We did find, following the voice a tree on which was such a bird too. But unfortunately, there wasn’t a male among them so that I shot only a female which had a plain color and had the characteristic skyblue legs.

In multiple places in the forest I saw giant nest of the brushturkey. This strange bird scratches leaves, twigs, earth lying on the ground, that is all the debris in the forest, together into a big pile of 6 to 8 m length and 2 to 3 m height in which it lays its eggs to hatch them assisted by the warmth of the earth or the heat from decomposition of the amassed vegetation. The effort the comparably small turkey has to spend to collect such great quantities of materials for its wall nest can be measured that around the hill-like nest the ground is picked clean for hundreds of paces. My savages dug into one of these nests but unfortunately did not find any eggs.

Out of a dense bush three Papuan frogmouths (Podargus papuensis) in front of me of which I bagged one. Really close to there I shot a forest bittern (Zonerodius heliosylus) that hid itself sitting on a twig of the tree.

Often I heard sounds in the forest that reminded me of the call of the mountain hen and which ended in loud cries. I also noticed the strong flapping of the wings of an apparently very large bird. Bedford explained that this was the hornbill that was incredibly timid and it would be difficult to bag a specimen. In vain we tried to sneak up to where the sounds were coming from. Every time even before we could see them they flew away with big cries warning all their comrades so that the forest was full of warning cries.  I had given up hope to achieve a favorable result when I discovered two rare beautiful scarlet and citron colored pigeons (Ptilopus iozonus) which I bagged. The shots seemed to cause such a disturbance among the hornbills that I heard their wings fluttering everywhere until one of them flew by accident just over me on a tall tree top so that I managed to shot it down. It was a Rytidoceros (Buceros) plicatus, an old male and a splendid specimen characterized by its giant beak, the red-brown neck, the metallic glittering black feathers and the snow-white tail. The age of the bird was estimated as seven years by examining the ridges on the beak, as the natives calculate that it grows another year on its beak every year. The savage who brought me the animal performed a very comical dance of joy by constantly kicking out his legs in an eccentric manner. As soon as he had calmed down again I sent him back directly to the camp in order that the bird was placed as quickly as possible into the hands of the taxidermist.

Gradually we had entered more mountainous terrain where the scenery changed. The forest was more open, tall grass covered the ground and the stony places and rocks were surrounded by eucalyptus trees. Here I shot a wallaby and a beautiful falcon (Accipiter cirrhocephalus).

It was shortly before noon when the heat became very muggy and the bird world had become very quiet and Bedford proposed to rest. We camped with the Papuans between the rocks in the shadow of some trees, ate our tins and tried afterwards to sleep a bit what however was unfortunately made impossible by the countless vexing ants.

Thus I entered into an „English“ conversation with Bedford in which I learned that this hunting ground chosen by the governor was an unsuitable one and that the best hunting opportunity was actually in a territory about 40 kilometers out of Moresby in the valley of the Vei Maori River where the governor used to go hunting too. But, added Bedford, he still hoped to find some birds of paradise to shoot in a valley nearby in the afternoon.

The Papuans spent their break in a much more agreeable manner for them: They smoked tobacco which they had begged off from me, grilled the freshly shot wallaby and ate this strange roast with pleasure.

Despite the strong heat we started again already at 2 o’clock and climbed up a steep mountain ledge which was as tiring as it was difficult as we could not follow a set path but had to climb what we encountered over blocks of rocks and clefts covered with grass without knowing where to put one’s foot and slipping at any moment. Short of breath  and bathed in sweat we arrived on the hill where we let ourselves fall into the grass to recover some of our breath and regain some of our strength.  As now it was necessary to climb down on the other side of the mountain ledge what was even more difficult at the beginning. The descent continued very slowly as we advanced only gradually. Halfway down even the natives ran out of force one after another and sat down and did not want to continue marching. Only the insistent admonitions of Bedford as well as the circumstance that we had the strikers march in front of us and thus drove them forward made them move.

Slashed and flayed we arrived finally in the small densely overgrown valley in which Bedford hoped to find birds of paradise. In profusion, however, just at that moment a heavy rain started pouring down so that all hopes for a catch were dashed. As soon as it starts raining, all the birds of paradise hide themselves in the densest mountain tops, concerned about their feathers, press themselves against the trunk and thus absolutely can not be seen.  I still climbed up the hill on the other side of the valley and saw a female bird of paradise but a male was not to be seen.

As Bedford now declared that it was futile to continue the search for birds of paradise and we had to cover an important distance to return to the camp, we changed our path in that direction.

The valley was so densely overgrown that we could only enter it by advancing in the stream running through the valley floor. At its shore the natives eagerly rushed into the stream to quench their thirst but found not much refreshment in the warm water.

Continuing to wade in this stream, we noticed right at the start that our shoes were filling with fine sand which hurt me especially as the walking had blistered my feet. Where the deep areas of the stream prevented wading we had to go around the stream and squeeze ourselves between the trees at the shore or climb over the fallen trunks. Finally we arrived at the Northern end of the valley where I had hunted in the morning and where we now were returning home, that is to the camp which I reached late in the evening fully soaked and very tired. Such a ten hour expedition in the tropical jungle in such a muggy atmosphere is much more exhausting than a march double its length in our latitudes.

The other hunting group arrived earlier than I and every gentleman had brought something interesting, thus Clam a splendid bird of paradise and three crowned pigeons, Wurmbrand two  blue bitterns (Ardeiralla flavicollis), a snow-white kite with light-brown wings (Haliastur girrenera) and two strange crake-like birds called comb-crested jacana (Parra gallinacea), Prónay finally a cockatoo, a pink pigeon etc.

According to the original plan the next day would be spent hunting at the shore of the Laroki too but the information given by Bedford made me ask the governor to organize an expedition to the famous hunting grounds at the shore of Vei Maori. To lessen the concerns of the governor regarding the limited time for this plan I declared to prolong my stay on New Guinea by two days. This prolongation decided the matter.  Sir William accepted the hunting expedition to Vei Maori under the condition that he would have enough time to prepare so that we unanimously agreed to return to Port Moresby the next morning.

This evening sleep came easy despite ants and scorpions as even the natives were exhausted from the activities of the day so that they forgot to sing and dance and the camp was completely quiet at an early hour.

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  • Location: Port Moresby, New Guinea
  • ANNO – on 17.06.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die Jungfrau von Orleans“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

Port Moresby — Jagdlager am Laroki, 16. Juni 1893

Der Verabredung gemäß sollten wir um 7 Uhr morgens zur Expedition an den Laroki-Fluss aufbrechen, jedoch erst von Bord abstoßen, sobald ein bestimmtes Signal, das Hissen einer roten Fahne auf dem Government House, angezeigt haben würde, dass alles bereit sei. Endlich, um die neunte Morgenstunde, erschien die rote Flagge, worauf wir uns ans Land begaben, wo mich der Gouverneur und vier seiner Beamten erwarteten, welche die Absicht hatten, an der Expedition teilzunehmen.

Der Beamtenkörper, über den der Gouverneur verfügt, umfasst nur wenige Personen, und das Aufgebot der militärischen Landmacht besteht in einer bewaffneten Polizeitruppe, welche 70 Mann zählt und gegenwärtig hauptsächlich aus Eingeborenen der Fidschi- sowie der Salomon-Inseln zusammengesetzt ist. Als Befehlshaber dieser Truppe fungiert der Commandant of Armed Constabulary. Die Policemen gelten als verwegene, gewandte Leute und rücken, sobald irgendein innerhalb Britisch Neu-Guineas angesiedelter Stamm Eingeborener sich etwas zuschulden kommen lässt, aus, um die Ordnung wieder herzustellen. Ist von den Eingeborenen ein Weißer ermordet worden, so werden die Schuldtragenden hingerichtet, und zwar, da die Eingeborenen das Erschießen als weniger schmählich ansehen, mit dem Strang; die Ermordung Eingeborener hingegen wird in der Regel weniger streng geahndet und mit Verurteilung zu Zwangsarbeit bestraft, zu welchem Zweck die Verbrecher auf eine nahegelegene Insel deportiert werden.

Zum Marsch nach dem Laroki waren für mich und die Herren, welche an der Partie teilnehmen wollten, Pferde bereit, während unsere Leute gehen mussten. Das Gepäck, der Proviant und die Munition wurden von Eingeborenen getragen, keineswegs aber von Männern, da sich diese zu solch knechtischem Dienste nicht herbeilassen, sondern von jungen Mädchen, welche die schwere Last mit bewundernswerter Ausdauer schleppten. Die Verwendung von ungefähr dreißig Mädchen zum Tragdienst verlieh selbstverständlich unserer Karawane ein ganz absonderliches Gepräge.

Als Führer für die schwierige Route zum Laroki-Flusse diente uns ein von einem Samoaner und einer Engländerin abstammender Mischling, namens George Bedford, der sich durch kräftige, untersetzte Gestalt auszeichnete. Dieser verbringt, ein echter Waldläufer, den größten Teil seiner Lebenszeit jagend und für Forscher sammelnd in den Urwäldern der Insel, um ab und zu in Port Moresby vorzusprechen und die auf seinen Streifzügen erworbenen Bälge an den in der Kolonie ansässigen Kaufmann zu veräußern.

Die Pferde, welche wir ritten, treiben sich, wenn man ihrer nicht bedarf, frei im Busch umher und wurden erst des Morgens mittels eines Lassos eingefangen; sie stammen alle von einigen australischen Pferden her, welche vormals von Goldgräbern an die Küste gebracht worden waren.

Der Tag war heiß und schwül. Wir überquerten zunächst die kahlen Kalksteinhügcl, die zu Häupten Port Moresbys ansteigen, und gelangten nach Überwindung eines steilen Abstieges in das jenseits dieser Hügelkette gelegene Tal; dort erblickten wir Bananen- und Yamspflanzungen, umgeben von starken Zäunen, deren Pfähle in regelmäßigen Abständen befestigt und durch Fibern einer Rebe, Sei genannt, untereinander verbunden sind.

Das Tal, welches wir nun, stets in nördlicher Richtung vordringend, durchritten, brachte mir in seinem Pflanzenkleide das Vegetationsbild des Tafellandes von Neu-Süd-Wales in Erinnerung; denn hier wie dort war der Boden von einzeln stehenden Büscheln hoher, bis zu 2 m aufstrebender Gräser übersäet; zwischen den Grasinseln der einer Savanne ähnlichen Fläche aber erhob sich ab und zu ein immergrüner Eucalyptus-Baum. Unregelmäßig angeordnete Hügelreihen verschiedenster Form und Größe begrenzten das Grasland.

Am nördlichen Horizonte tauchten in zartem Blau die Konturen des Owen Stanley-Gebirges und die Spitzen des zu 4002 m aufragenden Mount Victoria auf, dessen majestätisches Haupt am 11. Juni 1889 zum ersten Mal von einem Europäer, dem Gouverneur Macgregor, bestiegen worden ist.

Die Besteigung war mit den größten Schwierigkeiten verbunden, und die ganze Tour hatte 64 Tage in Anspruch genommen. Macgregor sowie seine Begleiter waren am 22. April 1889 in eine der Mündungen des Vanapa-Flusses und in diesem 6 Tage lang stromaufwärts gefahren, hatten dann hier, während Träger und Lebensmittel aus Port Moresby herbeigeholt wurden, campiert und waren am 17. Mai zu Fuße weiter gezogen. Unwetter, Sümpfe, Abgründe, schroffe Höhen, Hindernisse aller Art hemmten das Vorschreiten der Expedition, welche sich zumeist den Pfad Schritt für Schritt, die Axt in der Hand, durch Urwald bahnen musste, bis endlich am 11. Juni die Höhe erklommen war, welcher Macgregor den Namen Mount Victoria beilegte. Der Rückweg nahm die Zeit vom 13. bis zum 25. Juni in Anspruch. Verzögert und erschwert wurde die mühsame Partie auch dadurch, dass Macgregor nicht besonders gut zu Fuß ist.

Große Unternehmungslust scheint eine der Eigenschaften Macgregors, welchen die geographische Welt zu den hervorragenden Forschungsreisenden zählt, zu bilden, da er den größten Teil der Zeit hindurch auf Entdeckungsexpeditionen und Inspektionsreisen in das Innere des ihm unterstellten Gebietes begriffen ist, wobei er sich durch ebensoviel Ausdauer als Mut auszeichnet. Manches noch unerschlossene Gebiet, zahlreiche Eingeborenen-Dörfer hat er als der erste Weiße betreten und war freilich mitunter, wenn die Wilden ihn überfielen oder bekämpften, auch bemüssigt, seine Angreifer die verheerende Wirkung moderner Schusswaffen fühlen zu lassen.

Eine Expedition, welche Macgregor stets mit einem gewissen Selbstgefühl zu schildern liebt, ist jene den Fly River aufwärts. Dieser, im Zentrum Neu-Guineas entspringend und in einem ungeheuren Delta in den Golf von Papua mündend, ist 1845 von Captain Blackwood entdeckt und später von L. M. d’Albertis sowie von dem Missionär Mac Farlane auf dem Dampfer »Ellengowan« 800 km aufwärts befahren worden. Macgregor nun ist es gelungen, den mächtigen, in unzähligen Krümmungen strömenden Fluss noch 168 km über den Endpunkt der Fahrt d’Albertis hinaus, bis an die Grenze Britisch Guineas und des Deutschen Territoriums zu befahren, wobei zunächst der Dampfer „Merrie England“, weiterhin ein Walfischboot benützt wurde.

Der Bericht über Macgregors Forschungsfahrten ließ in mir eine wahre Sehnsucht erstehen, gleichfalls in jungfräuliche Gebiete vorzudringen, Flüsse, die weder gelotet noch vermessen sind, zu befahren, Landstriche, die vor mir noch kein Europäer betreten, zu schauen, als Sammler und Jäger kostbare, reichliche Beute heimzuführen.

So sinnend, ritt ich bei glühend heißem Sonnenbrand durch das eintönige Land fort, in dem wir drei Stunden lang ringsum nichts als die mit Gräsern und Gummibäumen bestandene Fläche erblickten, worin die Tierwelt gar spärlich vertreten war. Ab und zu fielen, wenn wir unter Eucalypten dahinritten, rote Ameisen auf uns nieder, die uns recht quälten. Nächst einem von Bäumen umschlossenen Sumpf flogen mit lautem Gekreische Kakadus und große Papageien auf, während von anderen lebenden Wesen in diesen Gefilden keine Spur zu entdecken war.

Im Bereiche des Laroki-Flusses endlich wurde die Vegetation üppig und mannigfaltig; mächtige Bäume, wie der Eisenrindenbaum (Notelaea ligustrina), Casuarinen, Mangroven und Ficus, traten hier an die Stelle der durch ihre Einförmigkeit ermüdenden Gräser und Eucalypten, und bald nahm uns schattiger, schöner Urwald auf, welcher, wie wir, am Südufer des Laroki angelangt, beobachten konnten, diesen Fluss zu beiden Seiten weithin begleitet. Da erschienen zwischen den hohen Stämmen allerlei Farne, rankende Rotangpalmen (Calamus Rotang), Orchideen, Misteln und andere parasitische Gewächse.

Der Laroki entspringt im Osten von Port Moresby jenseits der Astrolabe-Kette am westlichen Fuße der Richardson-Hügelreihe, nimmt anfänglich einen westlichen Lauf, um sich nach Aufnahme des Goldie River nordwestlich zu wenden und schließlich in die Redscar-Bai zu münden. An der Stelle, wo wir den Fluss erreichten, hatte dieser bei beträchtlicher Tiefe eine Breite von etwa 30 m, doch beträgt diese weiterhin 60 m und darüber; er beherbergt angeblich, wie alle anderen Gewässer dieses Gebietes, zahlreiche Krokodile, deren wir aber keines zu Gesicht bekamen.

Wir hielten an einer freieren Stelle des Ufers unter mächtigen Bäumen, um das Eintreffen der uns folgenden Karawane abzuwarten, mit welcher auch die ortskundigen Führer marschierten, die uns in den Urwald am Nordufer geleiten sollten.

Nach anderthalb Stunden kam die Karawane, von dem in den heißesten Tagesstunden zurückgelegten Wege vollkommen erschöpft und einer längeren Ruhepause bedürftig, an, während der wir in aller Eile unser aus Konserven bestehendes Mahl einnahmen, um sodann in Begleitung der Führer den Fluss zu überschreiten und uns der Jagd zu widmen. Mittlerweile richteten die Zurückgebliebenen auf dem Rastplatz das Lager auf.

Von dem Nordufer des Laroki aus schlugen wir verschiedene Direktionen in dem Urwald ein, und zwar drang ich, von dem Mischlinge Bedford sowie einem Papua begleitet, in nordwestlicher Richtung vor, wobei ich immer wieder, langsam vorwärtsschreitend, die Pracht und die feierliche Stille des von Baumriesen erfüllten Urwaldes bewundern musste.

Der Zweck, den ich hier verfolgte, war, eine möglichst große Zahl von Exemplaren der verschiedenen, auf Neu-Guinea so mannigfaltigen Arten der Vogelfauna zu erlegen, wobei ich es hauptsächlich auf Paradiesvögel, auf den großen Nashornvogel, auf Kronentauben (Goura albertisi) und auf Talegallahühner (Buschhühner) abgesehen hatte. Doch stieß, da ich weder englisch noch papuanisch spreche, die Verständigung mit meinen Begleitern auf einige Schwierigkeiten, die ich durch die Zeichensprache zu beheben suchte.

Die erste Beute war ein schön gefärbter Papagei, der, von weitem gesehen, auf dem Wipfel eines mächtig hohen Baumes nicht größer erschien als ein Zaunkönig. Bald darauf blieb mein Führer stehen und deutete auf eine Stelle im Unterwuchse, wo ich auf 80 Gänge weit einen großen, hühnerartigen Vogel entdeckte und schoss. Es war zu meiner Freude ein Talegallahuhn (Talegallus cuvieri).

Nur mit Aufwand aller Energie vermochte ich in dem dichten Urwald vorwärts zu kommen; denn fast unablässig musste ich mich wie eine Schlange durch das Gewirre der Ranken und Schlinggewächse winden, welches die mächtigen Stämme mit einander verkettete, zu den herabhängenden Ästen emporlief, von den Zweigen niederfiel, die Büsche verfilzte, den Boden bedeckte. Dornen und mit Widerhaken besäete Blattspitzen, dicke, kreuz und quer liegende, von Ranken überwucherte Stämme umgestürzter Bäume vermehrten die Hindernisse auf Schritt und Tritt. Des Schattens ungeachtet, welchen das dichte Blätterdach des Urwaldes spendete, war ich mit Schweiß bedeckt; doch staunte ich nicht wenig, in der Nähe des Flusses keine Moskitos vorzufinden, und so blieb mir mindestens diese Qual erspart.

Plötzlich vernahmen wir laute Vogelrufe, und es bemächtigte sich meiner, als Bedford mir bedeutete, es seien die Rufe des Paradiesvogels, eine gewisse Aufregung; denn wie der Tiger in Indien, so bildet in dem Gebiete der Südsee das erlesenste Ziel, die kostbarste Beute des Jägers der Paradiesvogel! Ist doch dieser ein ganz besonders scheuer Vogel, und vermag man seiner, da ihn in der Regel das leiseste Geräusch erschreckt und verjagt, meist nur durch Leimruten oder Schlingen, selten durch einen Schuss, habhaft zu werden. Die Schwierigkeit, Paradiesvögel zu erjagen, die Farbenpracht ihres Gefieders, insbesondere der Schwungfedern der Männchen, der Zauber auch, den Sage und Märchen um diese Bewohner der Lüfte gewoben haben — alles dies vereint erklärt wohl zur Genüge meine Begier, solche Beute zu erringen.

Mit äußerster Vorsicht schlichen wir zu den Bäumen hin, von welchen herab der Ruf ertönt hatte und schauten uns fast die Augen aus, bis uns endlich klar wurde, dass da droben nur Hennen saßen. Die schmucklosen Hennen aber waren mir kein erstrebenswertes Ziel; denn umgekehrt wie beim Menschen hat die Natur in der Tierwelt vorwiegend das männliche Geschlecht durch Schönheit begünstigt, so dass auch beim Paradiesvogel nur das Männchen den herrlichen Federnschmuck trägt, während das Weibchen ganz unauffällig gezeichnet ist.
Da kein Männchen den zärtlichen Rufen der Weibchen folgen wollte, musste ich nach einiger Zeit den Platz unverrichteter Dinge wieder verlassen. Auf einer kleinen, mit Gras bedeckten Lichtung sprangen plötzlich zwei kleine Wallabies zu meinen Füßen auf, deren eines ich, das andere Bedford erlegte.

Meine nächste Beute waren zwei sehr große Fruchttauben (Carpophaga pinon) und ein Exemplar einer mir ganz neuen, schwarz, gelb und weiß gefärbten Maina-Art (Eulabes dumonti), welches auf einem Eucalyptus-Baume saß. Ein Nachtreiher (Nycticorax caledonicus), den ich schoss, als er über meinen Kopf strich, ließ mich die Nähe von Wasser ahnen, und in der Tat kam ich bald an einen mit Röhricht überzogenen Tümpel, in dem sich allerhand Wasserwild umhertrieb. Die Enten schienen hier ihre gewohnte Scheu vergessen zu haben oder die Anwesenheit des Menschen nicht zu spüren; denn sie fielen, selbst nachdem ich bereits einige Schüsse abgefeuert hatte, immer wieder in den Tümpel ein, und so gelang es mir, zwei Baumenten zu erlegen, deren jede einer mir bisher unbekannten Art (Dendrocygna arcuata und guttata) angehörte. Von solchen Enten sah ich einen ganzen Flug von etwa 30 Stücken in meiner Nähe auf einem großen Ficus aufbaumen; auch Taucher und Rohrhühner gab es hier. Ferner schoss ich eine prächtige Ralle, vermochte aber leider den Vogel nicht zu bekommen, da der mich begleitende Papua um keinen Preis zu bewegen war, die Ralle aus dem sumpfigen Wasser herauszuholen.

Sehr erstaunt war ich, in dieser Einsamkeit plötzlich Rindvieh zu begegnen, welches mich eine Zeitlang anglotzte und dann scheu die Flucht ergriff. Auf meine Fragen wurde mir die Erläuterung zuteil, dass diese Rinder einer Herde entstammten, die vormals in Port Moresby gehalten, jedoch, da sie den Gärten der Eingeborenen argen Schaden zugefügt hatte, in diese Wildnis verbannt worden war, wo sich nun das Vieh in halbwildem Zustand umhertreibe. So oft man ein Stück Rindvieh brauche, werde es aus der Herde herausgeschossen.

An dem Rande des Tümpels standen zwei schneeweiße Reiher, an welche ich mich eben anpürschen wollte, als sie, von einem flüchtenden Zwergkänguruh verjagt, mit heiserem Geschrei abstrichen. Ungeachtet der Dämmerung, die schon hereingebrochen war, bemerkte ich, wenn auch nur undeutlich, noch einen weißen Vogel dasitzen; ich gebe Feuer, und vor mir liegt eine wunderschöne Ente (Tadorna radjah) mit schneeweißem Leibe, Kopf und Schnabel und mit metallisch schillernden, dunkelbraunen Flügeln.

Mittlerweile war vollkommene Dunkelheit eingetreten, so dass es dringend geboten war, in das Lager zurückzukehren. Von Leuchtkäfern umschwirrt, tappte ich nach dem Ufer des Flusses zurück, passierte diesen und fand am jenseitigen Gelände unweit des Lagerplatzes bereits meine Herren vor, welche gleichfalls einige Beute mit sich führten.

Das am Laroki unter riesenhaften Bäumen installierte Lager bot ein wahrhaft malerisches Bild; denn es war ein echtes und rechtes Waldläufer- oder Goldgräbercamp, keineswegs ein mit komfortablen Schlaf- und wohlausgestatteten Küchenzelten versehenes Lager, wie jene, welche mir auf meinen Expeditionen in Indien allerorten bereitet worden waren. Jeder von uns verfügte nur über eine an Bäumen befestigte Hängematte, oberhalb welcher zum Schutze gegen Regen ein etwa 2 ur großes Stück Wachstuch aufgespannt war, während man unterhalb das notwendigste Handgepäck und die Gewehre gestaut hatte. Gekocht wurde an offenem Feuer, und die Abendmahlzeit, aus Risotto und dem Inhalt einiger Konservenbüchsen bestehend, war einfach genug; sie mundete uns aber nach den Mühen des Tages weit besser, als die feine Küche Bussattos. Neben uns hatten sich rings um das große Feuer die papuanischen Führer und die Gepäckträgerinnen gelagert, welche von Zeit zu Zeit ihren einförmigen Gesang ertönen ließen; weiterhin standen die gefesselten Pferde. Zu unseren Füßen rauschte der Fluss und durch die dichten Laubkronen der Baumriesen flimmerten die goldenen Sterne, glänzte der silberne Mond.

Lange Zeit lag ich, in eine Decke gehüllt, am Ufer des Flusses, und wie ich so zum nächtlich strahlenden Himmel, auf die flackernden Lagerfeuer und die gespenstisch über die Stämme und Ranken des Urwaldes huschenden Schatten blickte, traten aus der Tiefe meiner Seele Erinnerungen aus meinen Kinderjahren hervor. Ja, so hatte ich einst, den »Letzten der Mohikaner« in der Hand, das Lagerleben der Cooper’schen Helden in den endlosen Wäldern Nordamerikas träumend geschaut . . .

Als ich endlich meine Hängematte aufgesucht hatte, begannen die Eingeborenen abseits zu tanzen und zu singen. Ihr Gesang und die einzelnen Freudenrufe, die sie ausstießen, gemahnten mich zuweilen an die Lieder und Juchezer, mit welchen in unseren Alpen die Burschen ihre „Diandln“ begrüßen, weckten manch schöne, heimatliche Erinnerung in mir und wiegten mich in Schlaf, in dem mich Traumbilder einer fernab von Laroki und von Neu-Guinea liegenden Landschaft umgaukelten.

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  • Ort: Port Moresby, Neu Guinea
  • ANNO – am 16.06.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Die Grille“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

Port Moresby to the hunting camp at Laroki, 16 June 1893

According to the appointment we should depart at 7 o’clock in the morning on the expedition to the Laroki river but only set out when a certain signal, hoisting a red flag on Government House, indicated that everything was ready. Finally at 9 o’clock the red flag appeared and we went on lan where the governor and four of his officials who had the intention to participate in the expedition awaited me.

The number of officials the governor had were only a few persons and the body of his military land army consists in an armed police force of 70 men and is currently composed mostly out of natives from Fiji as well as the Solomon islands.The commander of this force was the  Commandant of Armed Constabulary. The policemen are said to be bold, skillful people who set out to restore order if a native tribe within British New Guinea has committed some misdeed. If the natives murder a white man, the guilty are executed and in fact hanged as the natives consider being shot less ignominious. The murder of natives is usually not handled as strictly and punished with hard labor for which the criminals are deported to a nearby island.

For the march to the Laroki, horses were provided for me and the gentlemen who wanted to participate in the expedition while our people had to march on foot. The baggage, the supplies and the munition was carried by natives but in no way by men who would never deign to such servile actions but instead by young girls who carried the heavy loads with admirable endurance. The use of about thirty girls as carriers our caravan naturally looked particularly strange.

The guide for this difficult route to the Laroki river was a mixed blood of a Samoan and an Englishwoman called George Bedford who was notable by his strong stocky build. He spends the largest part of his life,  a true ranger, hunting and collecting for researchers in the jungles of the island only to now and then go and talk to Port Moresby and to sell the bird bodies caught on his journeys to the merchant resident in the colony.

The horses we were riding roam freely iin the bush when they are not needed and had only been caught during the morning with a lasso; they are all descendants of Australian horses which the gold diggers once brought to the coast.

The day was hot and muggy. We crossed over many first bare limestone hills that ascend up to the top of Port Moresby and reached after having completed a steep descent the valley on the opposite side of the mountain range. There we saw banana and yams plantations surrounded by strong fences whose poles were fixed in regular intervals and connected one to the next by fibers of a vine called „sei“.

The valley we were now entering in a Northern direction reminded me in terms of the plants and its vegetation to the plateau of New South Wales. Here as there the ground was covered by individual tufts of tall grass of up to 2 m high. Between these grass islands was a terrain similar to a savannah in which rose now and then evergreen eucalyptus trees. Irregularly arranged ranges of hills of various sizes and forms delimited the grass land.

On the Northern horizon the contours of the Owen Stanley mountains appeared in a delicate blue tint whose peaks of Mount Victoria reached up to 4002 m. Its majestic top had been climbed for the first time by a European on 11 June 1889, namely governor Macigregor.

The climb caused the greatest of difficulties and the whole tour took 64 days. Macgregor and his party had set out on 22 April 1889 at one of the estuaries of the Vanapa river and continued their drive upriver for six days. There they camped while they ordered to bring carriers and supplies from Port Moresby and continued on 17 May on foot. Storms, swamps, gorges, craggy hills and obstacles of all kind hindered the advance of the expedition that had to cut its path step by step, ax in hand, through the jungle until the had climbed to the top on 11 June which Macgregor named Mount Victoria. The return trip lasted from 13 to 25 June and the arduous journey was made more complicated by the fact that Macgregor was not very good walker.

A great appetite for exploration seems to be one of the qualities of Macgregor who is an outstanding explorer of geographic worlds as he spends the largest part of his time on explorations and inspection tours into the interior in the areas he is assigned where he shows as much endurance as courage. Many still unexplored area and numerous native villages he set foot in as the first white man and was naturally from time to time forced to make use of the destructive power of modern firearms when the savages ambushed him or fought against him.

On expedition that Macgregor always likes to mention with a certain pride was the one up the Fly River. It arises in the center of New Guineas and flows in a huge delta in the gulf of Papua and has been discovered in 1845 by Captain Blackwood. Later L. M. d’Albertis as well as the missionary MacFarlane drove in the steam boat „Ellengowan“ 800 km upriver. Macgregor now managed to drive a further 168 km on the mighty river meandering in countless bends beyond the endpoint of d’Alberti’s journey up to the border of British New Guinea driving into German territory for which purpose he first used the steam boat „Merrie England“ and a whaling boat.

The report of Macgregor’s research exploration made me truly want to also enter into virgin territories, to drive on rivers that had never been sounded nor mapped, to see areas that no European had set a foot in, to bring back home valuable and plentiful catches as a collector and hunter.

Thus in thoughts I rode through the monotonous country under the burning heat of the sun. For three hours we saw nothing but grasses and rubber trees where animals were scarce. Now and then, while we rode under eucalyptus trees, red ants dropped down on us and plagued us mightily. Next to a swamp enclosed by trees, cockatoos and large parrots took to the sky with great cries while no other living beings could be discovered in that area.

In the area of the Laroki river the vegetation was finally luxurious and varied. Mighty trees such as the native olive tree (Notelaea ligustrina), Casuarinae, mangroves and Ficus replaced the tiring sight of the monotonous grasses and eucalyptus trees, and soon we entered into the shadow of a beautiful jungle that follows the river on both sides like we having arrived at the South shore of th Laroki. Between the high trunks appeared all kinds of ferns, winding rotang palms (Calamus Rotang), orchids, mistletoes and other parasite plants.

The Laroki arises in the East of Port Moresby beyond the Astrolabe range at the Western foot of the Richardson mountain range, takes at the beginning a Western direction and then after absorbing Goldie River turns Northward and finally flows into Redscar Bay. At the place where we reached the river it had an important depth at a width of about 30 m, but it still continued to be 60 m wide and more; it is said to shelter as all the waters of this area numerous crocodiles but we did not see any of them.

We stopped at an open space at the shore under mighty trees to await the arrival of the caravan following us which included knowledgeable local guides who were to lead us into the jungle at the North shore.

After one and a half hours the caravan arrived, completely exhausted from the journey they traveled during the hottest hours of the day and required a lengthy pause to recover while we hastily ate a meal made out of the tins in order to cross the river in the company of our guide and devote the time to hunting. In the mean time those staying back set up the camp at the rest stop.

From the North shore of the Laroki we ventured out in multiple directions into the jungle and namely I set out in a North-western direction accompanied by the mixed blood Bedford and a Papuan. During our slow advance I had to admire again and again the splendor and festive silence of the jungle filled with giant trees.

The goal I wanted to accomplish was to bag as large as possible number of specimens of the bird species so diverse on New Guinea whereas I mainly targeted birds of paradise, the large hornbill, Papuan crowned pigeons  (Goura albertisi) and brushturkeys. But as I did neither speak English nor Papuan, I had some difficulties communicating with my companions which I tried to solve with sign language.

The first catch was a beautifully colored parrot that did not look taller than a wren sitting in the top of a mighty tree. Soon afterwards my guide stopped and pointed at a spot in the undergrowth where 80 paces away I discovered a large chicken-like bird and killed it. To my joy it was a female brushturkey (Talegallus cuvieri).

Only by using all energy I managed to advance in the dense jungle. Almost constantly I had to wiggle my way like a snake through the tangle of twines and climbing plants that connected the mighty trunks and the branches that were hanging down and dropping from the twigs and was felting the bushes and covering the ground. Thorns and leaf edges with barbs, thick, trunks laying criss-cross and being covered with twines as well as fallen trees multiplied the obstacles step by step. Despite the shadow provided by the dense leafy tops of the jungle, I was covered in sweat. I was a bit surprised not to find mosquitoes close to the river and at least I was spared that plague.

Suddenly I heard loud bird cries and it took possession of me when Bedford announced that it was the call of the birds of paradise. Just as tigers in India, the most valuable catch of the hunter in the South Sea are birds of paradise! It is a very timid bird and as it is usually frightened by the most quiet noise and disappears only caught with lime-twigs or slings and only rarely by shot. The difficulty of hunting birds of paradise, the colorful splendor of their feathers and especially the tail feather of the male have made these inhabitants of the air the topic of legends and fairy tales — all this will be sufficient to explain my desire to catch this prey.

With extreme caution we sneaked close to the trees where we had heard the call and nearly became blind by watching for them until we realized that only females were sitting up there. The unornamented hens were no desirable target for me. In contrast to humans, in the animal kingdom it is usually the male that is favored by beauty so that in the birds of paradise only the male has the splendid feathers while the female is completely inconspicuous.

As no male was following the tender calls of the females I had to relinquish my position after some time without success. On a small clearing covered with grass two wallabies suddenly jumped up at my feet. I bagged one, while Bedford killed the other.

My next catch were two very large fruit pigeons (Carpophaga pinon) and a specimen of a new kind of black, yellow and white colored oriole (Eulabes dumonti) that sat on a eucalyptus tree. A nankeen night heron (Nycticorax caledonicus), that I shot when it flew over my head, made me sense the presence of water and in fact I soon came to a pond covered with cane brake in which was all kind of water fowl. The ducks seemed to have forgotten their usual timidity here or did not notice the presence of humans. As they returned again and again to the pond even after I had fired quite a few shots. Thus I managed to bag two whistling ducks one of which was a species I did not know before (Dendrocygna arcuata and guttata). Of such ducks I saw a whole flock of around 30 pieces sit close to me on a large Ficus; also divers and coots were present here. Furthermore I shot a splendid crake but could not bag the bird as the Papuan accompanying me was unwilling at any price to recover the crake out of the swampy water.

I was much astonished to find suddenly cattle in this secluded area. It gawked at me for some time and then timidly fled. They answered my question about this with the explanation that these were cattle from a herd formerly held at Port Moresby that had been banned into the wilderness as it had caused too much damage in the gardens of the natives. The cattle was now living in a semi-wild way. Whenever a piece is required it is shot from the herd.

At the edge of the small pond stood two snow-white egrets to which I was just sneaking up when a fleeing wallaby made them fly up into the air with hoarse cries. In spite of the darkness that had set in I noticed a sitting obscure white bird: I fired and in front of me lay a splendid duck (Tadorna radjah) with snow-white body, head and beak and metallic dark-brown wings.

In the mean time it had become completely dark so that it was time to return to the camp. Surrounded by whizzing fireflies we passed the river and found my gentlemen already in the camp who had also brought some catches.

The camp at the Laroki set up under giant trees offered a truly picturesque view. It was a real hunter’s or gold digger’s camp without any comfortable sleeping or kitchen tents such as those I had been offered everywhere on my expeditions in India. Each of us had a hammock fixed to the trees above which was hanged a 2 m oil cloth to protect against the rain while below our hand baggage and the rifles were stored. The cooking was done on the open fire and the evening meal consisting of risotto and the content of some tins was simple enough. It tasted much better after the hard work of the day than the fine cookery of Bussatto. Next to us around the large fire the Papuan guide and the female baggage carriers had set up their camp and from time to time they sang in a monotonous voice. Furthermore there stood the tied horses. At our feet the river was rushing and through the dense leafy tops the golden stars and the silver moon were glittering.

I lay for a long time, wrapped in a blanket at the shore of the river and while I looked at the glittering night-time sky, the sparkling camp fires and the ghost-like shadows moving over the trunks and bushes of the jungle, deep memories out of my childhood came up. Yes, thus I had dreamed about the camp life of Cooper’s heroes in the endless forests of North America in „The Last of the Mohicans“ . . .

When I finally went to frequent my hammock, the natives began to dance in the distance and to sing. Their singing and their individual shouts of joy  reminded me of the songs and shouts with which in our Alps the young men greet their „girls“ and made me remember many beautiful memories about home that lulled me to sleep in which dreamed about an images about a scenery far from Laroki and New Guinea.

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  • Location: Port Moresby, New Guinea
  • ANNO – on 16.06.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die Grille“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

Port Moresby, 15 June 1893

The end of the rainy season made itself felt in a disagreeable manner as a tropical rain was pouring down in the morning and the sea was moving heavily driven by the wind as the crashing waves on the barrier reef revealed. A fog was laying on the mountains and it was windy so that the work of loading coal on board was on the one hand made more difficult by the wet weather but on the other hand spared us the presence of coal dust entering into all rooms. The rain and the heavy sea prevented also our plan to fish with dynamite in the bay as recommended by the harbor steward. Thus we could but stay and look out for the governor’s yacht that was still not visible. As towards 10 o’clock in the morning it was still nowhere in sight, tired of waiting, I took a boat to the close village Hanuabada.

The homes in Hanuabada were, like most native settlements in New Guinea, huts resting on poles. This custom of building elevated rooms high above ground or where a village is standing in the water — either on the sea coast or in a lake or at the river shore in the interior of the land — high above the water level is derived from the purpose of offering protection against human and animal enemies for the occupants of such pile dwellings.

Here too as well as in the other villages near Moresby the poles are made out of mangrove wood and 3 to 4 m tall on which rest the mostly two storey huts The walls and the roof of the hut are made out of dried palm leaves or out of caned grass. The roof crags widely and offers shade on the frontside of the hut in a veranda like structure.

Those huts that have two storeys also have two verandas above each other that are connected with ladders while access into the interior of the huts is also made possible by very thin ladders. Here all equipment is stored, especially the fishing equipment and on palm fiber strings hang the skulls of slain enemies as trophies, tail fins of large fishes etc. These verandas serve as places to rest during the day for part of the population, namely older family members who sit there crouching in the real Papuan manner and watch almost without motion the life and activities taking place at their feet.

The interior of the huts is dirty and rather dark as daylight can only enter through the two door openings at both ends as well as the smoke vent in the roof, as windows are unknown.Innere In one corner of the interior room stands a hearth, a rudimentary fire place whose base is constructed out of a thick layer of clay resting on trellis work. In two-storey huts the room with the hearth is on the lower floor and the sleeping and living quarters on the upper.

The furniture in the living rooms is no less basic than those of the huts in the Solomon islands. Chairs and tables are unknown to the natives and as they prefer squatting also not necessary. Only some mats and thick bamboo pieces as a head rest serve as a bed. Earthware or bamboo vessels, woven bags and the indispensable hand weapons complete the poor equipment. The overall impression of this primitive housing is a bit more enjoyable for a cultured human as these houses are not at a higher level than the pre-historic houses of the European pile dwellers.

Just at the entrance to Hanuabada I witnessed a strange spectacle — a jig, a“harvest festival“. Dancing is here too, understandably, the means of communication to express all kinds of feelings and moods, and today there was joy about the more than ample banana harvest of the inhabitants of Hanuabadas which was the occasion for a feast on that day. While the old men and the married women squatted in sweet harmony with dogs and pigs on the verandas of their huts and smoked and served as the audience, the youth of both sexes danced around the long poles on which had been quite decoratively fixed bushels of bananas in the form of garlands.

Each of the dancers carried a wooden drum which he beat in step. Rhythmic chants accompanied the movements of the dancers who performed a sort of quadrille for which the pairs formed themselves into two columns and then executed a similar figure that is done at home after the command of „Traversez“. While the dancers move their upper bodies by the hips, the pairs danced one after another through the always reforming column until the column dissolved into a large circle.

The pairs, that consisted just like at home of a „gentleman“ and a „lady“ with the young man leading one of the pretty girls by the hand, devoted themselves to the dancing with rare endurance and passion, in full color and feather decorations, stepping and jumping lissome and with a natural grace.

Especially graceful appeared the young girls. As they were used to an unstrained posture unrestricted by any bothersome pieces of clothing, these beauties floated on light swinging feet swaying their hips graciously with the upper body kept a bit back, which made the grass skirts flitter gaily.

Colorful painting, necklaces and bangles were the decorations of the girls who with their curly heads and the impishly smiling black eyes looked very nice. Like the girls the young men were tattooed carefully too in blue-black and painted with red, black and white colors. The tattoos covered all parts of the body and namely the delicately shaped legs with the exception of the faces that showed little of this type of decoration. On the breast of the girls of marriageable age presented without any covering the girls of Port Moresby used to tattoo a heart which was to express that the wearer of this symbol may now be courted.

As ornaments they use, apparently in all of New Guinea, all kinds of flowers and leaves. Very popular for the same purpose are feathers in flashy colors which the natives combine with great skill to form crowns and headbands or stick them loose into the curly hair. I identified mostly feathers of the large hornbill, the southern cassowary, the white cockatoo, but especially all kinds of parrots and the birds of paradise used in this manner.

Necklaces are highly prized here and as they are usually heirlooms only sold or traded in the rarest cases. Shells and teeth, then corals, feathers etc are the material out of which the necklaces are made and sometimes formed into amulets. The arm bands and leg rings consist mostly of woven straw or pieced shells while glittering metal pieces and smaller shells serve as earrings.

The whole appearance of the dancing pairs, their strong, tall, well-formed posture, their graceful mobility, the agreeable even pretty faces, the vivid eyes — all this combined creates a vivid contrast to the native peoples and tribes which we had had opportunity to observe during the last months. How slight and softly seemed the Hindus to me, how dull and not beautiful were the slant-eyed Javanese!

The Papuas of the territory of Port Moresby belonging to the Motus tribe, however, are in physical and psychic aspects more closely related to the Polynesians than to the Melanesians. Also in favor of the Papuans of Moresby was their especially vivacity and direct expressiveness of their feelings, the smiling joyfulness and the apparent learning ability displayed by their curiosity, incessant asking questions and talent for imitation of these individuals I could observe here.

Further proofs of these qualities were offered to me after the end of the harvest feast in Hanuabada and I had said good-bye to the dancers, when during the tour of the village, I was surrounded by young and old as all but namely the children wanted to see the stranger and watch him. Everybody was assailing me with questions, smiling happily and waved their hands and crowded around me to observe from a really close distance. Some imitated my movements, others were shaking from laughter as they apparently found much about us very comical.

Finally the dear youths held out their hands begging in order to receive some kind of goods and the smaller ones, as soon as they got a coin, a cigarette or something else, climbed with a monkey-like skill up the ladders to their huts and delivered what they just received to their parents, only to return quickly and beg again for another present. We could not observe any fear of strangers among this crowd of children, whom I could barely resist, in contrast to the experiences made earlier on my voyage.

I tried to buy some ornaments but these people already were aware about the value of money as the usual trading objects had no effect and for every piece they demanded only „Money“ or „Shilling“. As soon as the people noticed that we were interested in a piece, the price increased much. The good savages goods they took each piece of money to the wise man of the village to confirm the genuity of the coin and even then some sellers refused to hand over the acquired goods or suddenly asked for double the previously agreed price.

A better affair I made in the apparently poor village in the bay, Elewara, where I bought a large number of ethnographic objects, among them delicate containers in which the natives keep the chewing betel mixed with coral lime. Also I took away the only piece of clothing of about twenty ladies, namely a red and yellow colored small skirt made out of woven grass that they willingly sold for a shilling a piece. In Elewara now developed a formal market in which the people carried everything imaginable and even very young children offered shells and coral pieces. The real business was done by the women and young men while the older men squatted on the verandas smoking calmly.

In New Guinea everybody smokes, men, women, even small children and in those areas where money is not known one can buy everything for tobacco. For it the native offers land, agricultural products, pigs, weapons, with one word even the last thing he possesses. To smoke long bamboo sticks are used that are beautifully decorated with burned marks and on whose end is a small opening in which the tobacco rolled-up in a palm leaf is inserted. After its ignition, the pipe is passed from mouth to mouth. If they do not have a pipe, the tobacco is rolled-up in a leaf and smoked like a cigarette.

After I had almost filled our boat with acquired objects I made a small journey to the surrounding heights despite the still pouring rain and passed the low buildings of the Anglican mission which however was not very successful as the savages it was said were only willing to attend services if given presents. Then we crossed multiple banana gardens that were just then being harvested and encountered a group of women carrying large bundles of bananas on their head to their homes.

Furthermore we climbed up to hill next to Government House but the force of the pouring rain drove us back on board.

Here too a vivid trade had developed. The natives had come with their wives and children in their slim canoes to offer arrows, bows, decorative objects and other things and found willing buyers among the officers and crew — everybody on board wanted to take home a souvenir from the land of cannibals. I dare say that „Elisabeth“  equipped itself on that day with hundreds of arrows, spears etc. as cargo. The crew of the coaling ship too acquired an important load of ethnographic objects, apparently with the intention to sell them at much higher prices after their return to Sydney.

The occupants of the canoes were not shy, various girls even came on board where they examined everything with curiosity and accepted small presents. A general applause was given when we gifted one of the beauties with a pink jacket and light-green silk pants and dressed her thus on the spot. The people could not contain their joy and proudly the presentee glided down over the side of the ship into her canoe.

As the governor was still nowhere in sight I drove in the afternoon again to Hanuabada with the intent to reach a small rocky island where pigeons were said to land there each evening.

Unfortunately I did not choose a good moment for my excursion as the low tide had set in and the boats were unable to land anywhere so that I had again to wade for a few hundred paces through water and deep mud to reach Hanuabada.

Countless naked boys were mingling with nets in the mud and collected various shells and sea animals that the low tide had thrown out. The collector is always voracious and thus I was bargaining again with the friends made today in the morning to buy a number of objects, especially amulets and household objects.

Meanwhile it was already 4 o’clock and I was ready to set off from Hanuabada to the islands of pigeons when a steam yacht came into sight at the entrance to the harbor and was steering towards Moresby. Thus finally returned the long expected governor! The pigeon hunt expedition was immediately canceled and I rushed back on board to await the arrival of the governor. The small yacht entered and moored at a buoy but nothing moved until I sent an officer to request the governor to pay me a visit.

The negotiations resulted in the principal agreement of a three-day expedition into the interior of the land to the Laroki river. Details were to be determined during the evening on board of the yacht.

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Port Moresby, 15. Juni 1893

Das Ende der Regenzeit machte sich in unangenehmer Weise bemerklich, da morgens ein tropischer Gussregen herabströmte und die See, der Brandung am Barrier-Riffe nach zu schließen, vom Winde stark aufgeregt war. Nebel lag auf den Bergen, und eine Böe trieb, während fleißig an der Einschiffung von Kohle gearbeitet wurde, die andere, so dass das nasse Wetter zwar die Arbeit erschwerte, aber uns doch den lästigen, in alle Räume dringenden Kohlenstaub ersparte. Der Regen und der hohe Seegang vereitelten auch unser Vorhaben, dem Rat des Hafenmeisters folgend, in der fischreichen Bucht mittels Dynamites zu fischen, und so blieb uns denn nichts anderes übrig, als weiterhin auszulugen, ob sich die Yacht des Gouverneurs noch immer nicht zeige. Da diese bis 10 Uhr vormittags nicht in Sicht gekommen war, fuhr ich, des Wartens müde, in einem Boot nach dem nahegelegenen Dorf Hanuabada.

Die Wohngebäude in Hanuabada waren, gleich den meisten Behausungen Eingeborener im Gebiete Neu-Guineas, auf Pfahlwerken ruhende Hütten. Diese Gepflogenheit, die Wohnungen hoch über dem Erdboden oder, wo ein Dorf im Wasser steht, — sei es an der Seeküste, sei es in Wasserbecken oder an Flussufern im Innern des Landes — hoch über dem Wasserspiegel zu errichten, hat den Zweck, den Bewohnern solcher Pfahlbauten Schutz wider menschliche und tierische Feinde zu bieten.

Auch hier sowie in den anderen Dörfern bei Moresby sind die Pfähle, auf welchen die eigentliche, zumeist aus zwei Stockwerken bestehende Hütte ruht, aus Mangroveholz und 3 bis 4 m hoch. Die Wände und das Dach der Hütte sind aus gut getrockneten Palmenblättern oder aus verflochtenem Gras hergestellt; die Bedachung springt weit vor und beschattet an der Stirnseite der Hütte einen laubenartigen Vorbau.

Jene Hütten, die zwei Stockwerke betragen, haben auch zwei übereinanderliegende Aufbaue, welche durch Leitern miteinander verbunden sind, während der Zutritt in das Innere der Hütten ebenfalls mittels dünner Leitern ermöglicht wird. Hier werden allerlei Gerätschaften, so insbesondere das Fischzeug verwahrt, und hängen an Palmenfaserschnüren als Trophäen die Schädel erschlagener Feinde, Schwanzflossen großer Fische u. dgl. Diese Aufbaue bilden tagsüber die Ruhestätte für einen Teil der Bewohner, namentlich für die älteren Familienglieder, welche daselbst nach gut papuanischer Art hockend zu verweilen pflegen und fast unbeweglich auf das Leben und Treiben zu ihren Füßen herabsehen.

Das Innere der Hütten ist unsauber und ziemlich dunkel, weil das Tageslicht, da Fenster unbekannt sind, nur durch die an beiden Enden des Raumes angebrachten Türöffnungen sowie durch das Rauchloch an der Decke eindringen kann. In einer der Ecken des Innenraumes steht der Herd, eine rudimentäre Feuerstätte, deren Unterlage eine auf Flechtwerk ruhende, dicke Tonschicht bildet; bei zweistöckigen Hütten jedoch ist der Raum mit dem Kochherd im unteren, die Schlaf- und Wohnstätte im oberen Stockwerk.

Die Einrichtung der Wohnräume ist nicht minder einfach als jene der Hütten auf den Salomon-Inseln; Sitzgeräte und Tische sind den Eingeborenen unbekannt und, weil diese die hockende Stellung bevorzugen, überhaupt nicht erforderlich; bloß einige Matten und dicke Bambusstücke als Kopfkissen bilden die Schlafstätte; irdene oder aus Bambus hergestellte Gefäße, Beutel aus Flechtwerk und die unentbehrlichsten Handwaffen vervollständigen die armselige Ausstattung. Der Gesamteindruck dieser primitiven Behausungen ist für den Kulturmenschen ein wenig erfreulicher, stehen dieselben ja doch auf keiner höheren Stufe als die prähistorischen Wohnungen der europäischen Pfahlbauzeit.

Gleich beim Eintritt in Hanuabada wurde mir ein merkwürdiges Schauspiel zuteil — ein Freudentanz, ein „Erntefest“. Tanzen ist auch hier, wie begreiflich, das Ausdrucksmittel für allerlei Stimmungen und Lustgefühle, und heute gab die Freude über eine ausnehmend reichliche Bananenernte den Bewohnern Hanuabadas besonderen Anlass, den Tag festlich zu feiern. Während die älteren Männer und die verheirateten Weiber, in trautem Beisammensein mit Hunden und Schweinen auf den Veranden der Hütten hockend und rauchend, die Zuschauer abgaben, umtanzte die Jugend beiderlei Geschlechtes die langen Stangen, an welchen Bananenbüschel in Form von Girlanden recht zierlich befestigt waren.

Jeder der Tänzer trug eine hölzerne Trommel, auf die er im Takt schlug. Rhythmischer Gesang begleitete die Bewegungen der Tanzenden, welche eine Art Quadrille zur Ausführung brachten, indem die Paare sich zuerst in zwei Kolonnen aufstellten, wonach eine ähnliche Figur wie jene, die bei uns auf das Commando „Traversez“ erfolgt, exekutiert wurde. Hiebei wiegten die Tänzer den Oberkörper in den Hüften, dann tanzten die Paare der Reihe nach zwischen den immer wieder neu formierten Kolonnen durch, bis sich schließlich diese in eine große Ronde auflösten.
Die Paare, wie bei uns aus „Herr“ und „Dame“ bestehend, indem stets ein junger Mann eines der hübschen Mädchen an der Hand führte, gaben sich dem Tanzvergnügen mit seltener Ausdauer und Leidenschaftlichkeit hin, in vollem Farben- und Federnschmuck, geschmeidig und mit natürlicher Grazie schreitend und springend.

Besonders anmutig erschienen die jungen Mädchen; denn von Jugend auf an ungezwungene, durch keinerlei lästige Kleidungsstücke beengte Haltung gewohnt, schwebten diese Schönen, sich graziös in den Hüften wiegend, den Oberleib ein wenig zurückgeneigt, leicht beschwingten Fußes einher, dass die aus Gras geflochtenen Röckchen lustig flatterten.

Farbige Bemalung, Halsketten und Armspangen bildeten den Schmuck der Mädchen, die mit ihrem Krauskopf und den schelmisch blitzenden, schwarzen Augen allerliebst aussahen. Gleich den Mädchen waren auch die Jünglinge sorgfältig blauschwarz tätowiert und mit roter, schwarzer und weißer Farbe bemalt. Die Tätowierung erstreckte sich, mit Ausnahme der Gesichter, die nur sehr wenig von dieser Zier aufwiesen, über alle Teile des Körpers und namentlich über die zart geformten Beine. Auf der unbedeckt zur Schau getragenen Brust der heiratsfähigen Mädchen von Port Moresby pflegt ein Herz eintätowiert zu sein, durch welches ausgedrückt werden soll, dass nunmehr die Trägerin dieses Symbols umworben werden dürfe.

Als Schmuck finden hier, wie dies angeblich in ganz Neu-Guinea der Fall ist, Blumen und Blätter vielfach Verwendung; sehr beliebt sind zu gleichem Zwecke Federn von greller Farbe, welche die Eingeborenen mit großer Geschicklichkeit untereinander zu verbinden und zu Kronen oder Stirnbändern zu gestalten wissen oder auch lose ins krause Haar stecken. Ich fand zumeist Federn des großen Nashornvogels, des Helm-Kasuars, des weißen Kakadus, insbesondere aber jene verschiedener Arten des Papageis und des Paradiesvogels in der gedachten Art verwendet.

Halsschmuck ist hier ungemein geschätzt und wird, da derselbe meist Erbstücke bildet, nur in äußerst seltenen Fällen verkauft oder eingetauscht. Muscheln und Zähne, dann Korallen, Federn u. dgl. bilden das Material, aus welchem die zuweilen mit Amuletten gezierten Halsketten verfertigt werden; die Armbänder und Beinringe bestehen zumeist aus geflochtenem Stroh oder aus durchbohrten Muscheln, während glänzende Metallstückchen und kleinere Muscheln die Ohrgehänge darstellen.

Die ganze Erscheinung dieser Tanzpaare, der kräftige, hohe, wohlgestaltete Wuchs, die anmutige Beweglichkeit, die angenehmen, ja hübschen Gesichtszüge, die lebhaften Augen — alles dies vereint bildete einen lebhaften Kontrast zu den eingeborenen Völkern und Stämmen, welche ich die letzten Monate über zu beobachten Gelegenheit gehabt hatte. Wie schmächtig und weichlich erschienen mir dagegen die Hindus, wie matt und unschön die schlitzäugigen Javanen!

Allerdings stehen die zum Motusstamme gehörenden Papuas des Gebietes von Port Moresby in physischer wie in psychischer Hinsicht den Polynesiern weit näher als den Melanesiern; auch sprechen zu Gunsten der Papuas von Moresby noch insbesondere die Lebendigkeit und Unmittelbarkeit der Gefühlsäußerungen, die lachende Heiterkeit und die offenkundige, durch Neugierde, stetes Fragen und Imitationstalent zutage tretende Bildungsfähigkeit jener Individuen, welche ich hier beobachtete.

Weitere Proben dieser Eigenschaften gewährte mir, nachdem das Erntefest zu Hanuabada beendigt war und ich mich von den Tänzern verabschiedet hatte, der Rundgang durch das Dorf, wobei wir von Jung und Alt geradezu umlagert wurden, da alle, namentlich die Kinder, die neuen Ankömmlinge sehen und betrachten wollten. Jedermann bestürmte uns mit Fragen, lächelte freundlich, winkte mit der Hand und drängte sich heran, um uns aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen. Einige ahmten unsere Bewegungen nach, andere schüttelten sich vor Lachen, da ihnen augenscheinlich manches an uns überaus komisch vorkam.

Endlich streckte die holde Jugend uns bittend die Hände entgegen, um irgend eine Gabe zu erlangen, und die Kleinen kletterten, sobald sie eine Münze, eine Zigarette oder dergleichen erhalten hatten, mit affenartiger Behändigkeit die Leitern zu den Hütten hinan und lieferten, was sie eben bekommen, pünktlich den Eltern ab, um dann sofort wieder zu uns zurückzueilen und abermals ein Geschenk zu erbetteln. Wir konnten uns dieser Kinderschar, die im Gegensatz zu den an früheren Punkten meiner Reise gemachten Erfahrungen keine Spur von Scheu vor Fremden zeigte, kaum erwehren.

Ich versuchte es, einige Schmuckgegenstände zu erhandeln, doch kannten die Leute bereits den Wert des Geldes; denn die üblichen Tauschobjekte verfehlten jeden Effekt und immer wieder wurde für jedes Stück lediglich „Money“ oder „Shilling“ verlangt. Sobald die Leute merkten, dass wir uns für das eine oder andere Stück interessierten, stieg es sofort bedeutend im Preis. Die guten Wilden scheinen mit Europäern traurige Erfahrungen gemacht zu haben, da sie vor Ablieferung ihrer Ware jedes Geldstück zu den Dorfältesten trugen, um von diesen die Echtheit der Münze bestätigen zu lassen; ja selbst dann noch weigerten sich einzelne der Verkäufer, uns die erworbenen Dinge herauszugeben, oder verlangten plötzlich das Doppelte des zuvor bestimmten Preises.

Bessere Geschäfte machte ich in dem anscheinend armen, weiterhin in der Bucht gelegenen Dorfe Elewara, wo ich eine große Anzahl ethnographischer Gegenstände erwarb, darunter zierliche Behälter, in welchen die Eingeborenen den Kaubetel, mit Korallenkalk gemischt, verwahren. Ebenso beraubte ich ungefähr zwanzig Damen ihres einzigen Toilettestückes, nämlich rot und gelb gefärbter Röckchen aus Grasgeflecht, die zu einem Shillinge das Stück gerne hergegeben wurden. In Elewara entwickelte sich nun nach und nach ein förmlicher Markt, indem die Leute alles Erdenkliche herbeischleppten und selbst ganz kleine Kinder Muscheln sowie Korallenstückchen feilboten; das Hauptgeschäft wurde von Weibern und jungen Männern besorgt, während die älteren Männer ruhig rauchend auf den Veranden hockten.

In Neu-Guinea raucht alles, Männer, Weiber, selbst kleine Kinder, und in jenen Gebieten, wo Geld noch ein unbekanntes Ding ist, kann man für Tabak alles erhalten. Für diesen gibt der Eingeborene Land, Bodenprodukte, Schweine, Waffen, mit einem Worte sein Letztes her. Zum Rauchen bedient man sich langer Bambusstöcke, die mit schönen, eingebrannten Zieraten versehen sind, und an deren Ende sich eine kleine Öffnung befindet, in welche der Tabak, von einem Palmenblatt eingehüllt, gesteckt wird; ist derselbe entzündet, so geht die Pfeife von Mund zu Mund. In Ermangelung einer Pfeife wird der Tabak in ein Blatt eingewickelt und wie eine Zigarette geraucht.

Nachdem ich mein Boot mit den erhandelten Gegenständen ziemlich gefüllt hatte, machte ich trotz des noch immer niederströmenden Regens einen kleinen Streifzug auf den umliegenden Höhen und passierte zunächst die niedrigen Gebäude der anglikanischen Mission, welche sich jedoch keines nachhaltigen Erfolges zu erfreuen scheint, da die Wilden, wie man sagt, nur durch Geschenke bestimmt werden können, den Gottesdienst zu besuchen. Dann durchquerten wir mehrere Bananengärten, die eben abgeerntet wurden, und begegneten hier einer Schar Weiber, welche auf dem Kopf große Bündel Bananen heimtrugen.

Weiters erklommen wir noch die nächst dem Government House aufsteigende Anhöhe, wurden aber von dem mit erneuerter Wucht niederstürzenden Regen an Bord zurückgetrieben.

Hier hatte sich ebenfalls ein lebhafter Handel entwickelt; die Eingeborenen waren mit Weib und Kind in ihren schlanken Kanus herbeigekommen, um Pfeile, Bogen, Äxte, Schmuck und anderes zum Kauf anzubieten, und fanden an den Offizieren und der Mannschaft willige Käufer — wollte doch jedermann an Bord ein Zeichen der Erinnerung aus dem Land der Menschenfresser mit in die Heimat nehmen. Ich glaube kühn behaupten zu können, dass die „Elisabeth“ an diesem Tage viele Hunderte von Pfeilen, Bogen, Speeren u. dgl. als Cargo aufgenommen hat. Auch die Mannschaft des Kohlendampfers versah sich mit einer bedeutenden Ladung ethnographischer Gegenstände, offenbar in der Absicht, sie nach der Rückkehr in Sydney zu bedeutend höheren Preisen loszuschlagen.

Die Insassen der Kanus zeigten sich gar nicht scheu, mehrere Mädchen kamen sogar an Bord, wo sie neugierig alles besahen und kleine Geschenke annahmen. Allgemeinen Jubel erregte es bei den Eingeborenen, als wir eine der Schönen mit einer violetten Jacke und einem Beinkleid aus lichtgrüner Seide bedachten und auf der Stelle damit bekleideten; die Leute konnten sich vor Freude nicht fassen, und stolz glitt die Beschenkte wieder über die Bordwand in ihr Kanu.

Da von dem Gouverneur noch immer nichts zu sehen war, fuhr ich nachmittags abermals nach Hanuabada, in der Absicht, von dort aus eine kleine Felseninsel zu erreichen, wo, wie mir gesagt worden war, jeden Abend Tauben einzufallen pflegen.

Leider aber hatte ich den Zeitpunkt für diesen Ausflug nicht richtig gewählt, da inzwischen Ebbe eingetreten war und ich mit dem Boote nirgends anlegen konnte, so dass ich nun wieder einige hundert Schritte durch Wasser und tiefen Schlamm waten musste, bis ich Hanuabada erreichte.

Eine Unzahl nackter Jungen trieb sich mit kleinen Netzen in dem Schlamm umher und sammelte verschiedene Muscheln und Seetiere, welche die Ebbe ausgeworfen hatte. Der Sammler ist immer unersättlich, und so feilschte ich mit den heute morgens erworbenen Freunden wieder um eine Menge Gegenstände, vorzüglich um Amulette und Hausgeräte.

Mittlerweile war es schon 4 Uhr geworden und stand ich auf dem Punkte, von Hanuabada gegen die Taubeninsel hin abzustoßen, als am Eingang des Hafens eine Dampf-Yacht in Sicht kam, welche Kurs auf Moresby nahm. Da kam also endlich der langersehnte Gouverneur! Die Expedition auf Tauben wurde sofort aufgegeben, und ich eilte an Bord zurück, um dort die Ankunft des Gouverneurs zu erwarten. Die kleine Yacht lief ein und vertäute sich an einer Boje, aber nichts regte sich, so dass ich schließlich einen Offizier absandte, um den Gouverneur zu ersuchen, sich bei mir einzufinden.

Die Verhandlungen mit diesem hatten zur Folge, dass zunächst prinzipiell eine auf drei Tage berechnete Expedition in das Innere des Landes, an den Laroki-Fluss, festgesetzt wurde; die Bestimmung der näheren Details erfolgte noch im Laufe des Abends an Bord der Yacht.

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  • Ort: Port Moresby, Neu Guinea
  • ANNO – am 15.06.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Faust“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

Port Moresby on New Guinea, 14 June 1893

A dense dark bank of clouds out of which from time to time rain was pouring down concealed the coast of New Guinea completely during the morning. As navigating by tracking the path was proving difficult at Port Moresby due to the incomplete sea charts of this territory, we were only able to enter the very small passage into the harbor after the orientation points on the coast became visible.

The sea was glittering for quite some time in the gleaming daylight when finally towards 8 o’clock in the morning the clouds lifted up from the coast and allowed the land to become visible which appeared in a rich green with mountains and hills in the distance. Port Moresby itself is almost completely surrounded by limy hills whose treeless slopes often are covered with tall grass. Not a single spot of plain land is visible all around. It was overall a very friendly view that developed in front of our eyes but it fell back by far in comparison to the tropically luxurious vedutas we had experienced in the Solomon islands.

Our attention soon was caught by something much closer namely the difficulty of the passage. The harbor of Moresby is bounded towards the open sea by a long coral barrier that leaves only a very small passage open for large ships between reefs on both sides. The waves were crashing mightily into these coral reefs that one can see from afar by their light green color of the water around it. To the dangers of navigation in this passage added itself another element. As the bank of clouds had disappeared the sun was shining fully into our faces thus blinded by the sun and the glittering water, we were unable to see the details of the passage. Despite all the difficulties the captain and the excellent navigator succeeded to drive „Elisabeth“ through the basilisk passage at half past 10 o’clock in the morning.  At 11 o’clock the anchor was finally set in Port Moresby.

Discovered by captain Moresby, the explorer of the South-eastern territories and the South coast of New Guinea, in 1873 and named after him, Port Moresby is currently the seat of administration of British New Guinea and a special governor administers the colony which is under the control of Queensland, part of British crown. The island of New Guinea, including Prince Frederick island, the islands of Papua, the islands of the Louisiades archipelago and other islands is today divided among three powers. The largest part of the 807.956 km2 area is under Dutch occupation as Western New Guinea with an area of 397.204 km2. The Northeastern part of the island is a protectorate of the German Empire of 181.650 km2. The Southeastern part finally is British New Guinea with 229.102 km2 declared formally an English protectorate in 1884 and on 4 September 1888 the sovereignty of the queen was in a ceremony proclaimed. The borders of these possessions are now set on the maps but government administration covers but small parts of the total area as New Guinea, some of its coasts, river valleys and islands excepted, still largely is terra incognita. Even at a short distance from the coast there are native tribes that have never seen a white man.

The harbor is very large, it extends with many small bays over 9 km from South to North and in the West reaches Fairfax Harbour but offers no good ground for anchoring. In the North-east of the coast raises a mountain range whose highest elevation is Mount Astrolabe (1166 m).

Port Moresby is characterized fully by its recent creation and has a rather cheerless appearance. Government House is a small single storey building on a hill surrounded by a small number of rather shabby bungalows constructed out of corrugated iron. These are the houses for the few white men living here. Not far away in a sheltered bay are three native villages namely Elewara on a peninsula that is cut off from the mainland during the tide, Tanubada and Hanuabada. Above Tanubada raise the houses of an Anglican mission.

During our arrival the whole outer harbor within the barrier reef was filled with canoes as the natives were going fishing. The canoes are very slim, partly with extensions for the oars and all equipped with square sails made out of straw mats. Despite this very primitive equipment, the crew navigated these heavily staffed canoes with great skill and at speed over the turbulent sea.

Next to us lay a small coaling ship which we had ordered here in Sydney to restock on coal. Its captain immediately came on board of „Elisabeth“ and reported that he ran aground on a coral reef about 80 sea miles out of Moresby but it did cause major damage as they managed to free the ship during high tide. The captain also brought the mail that had arrived for us in Sydney up to the time of his departure. Among others, the mail included newspapers with illustrations of „Elisabeth“ and some of our episodes of our stay in Sydney — many of these images we found hilarious.

Who, however, did not come on board was the governor, Sir William Macgregor,  whom we were vividly expecting to come as only he could initiate our planned expedition into the interior of the island. Finally the harbor steward arrived as a substitute and reported that Sir W. Macgregor had departed the day before on his steam yacht to Yule Island, around 80 sea miles to the Northwest of here, to settle disputes about possessions between the mission station there and the natives. He was expected to return either today in the evening or tomorrow morning to Moresby. Thus we had to be patient and decided to await the arrival of the governor.

Regarding an excursion into the interior of the land the harbor steward could only inadequately orient us, but he said to be ready to lead us into a bay close by in the afternoon. As far as ethnographic objects were concerned he directed me towards the only merchant house in the settlement that collected such things and in fact there was a rich collection of beautiful shields, spears and other weapons as well as bodies of all kind of local birds of paradise of New Guinea. I bought this collection and then immediately set off from land with the barge, the dinghy and the cleaning dinghy to drive across the harbor and to go to the Northernmost bay between the mainland and the island of Tatana.

On the shore of Tatana we saw two large villages whose huts rested on poles high above the water.

Landing in the bay proved difficult due to the strong tide which had built up in the mean time. The steam barge soon had to stop and we tried to come close to the coast with the dinghy but were soon stuck on a coral reef. Thus it was time for the cleaning dinghy. When it too failed to advance we had to jump into the water and wade to the shore. Here we met a local Malay trader near a small settlement. He was willing to lead us to a spot where there was a chance of bagging birds.

We formed two groups: i entered with Clam and the Malay in a Western direction while Wurmbrand and Prónay, led by a Papuan, marched towards the hills in the North. The route was trying. Tall grass alternated with small clumps of trees and bushes. In the grass, however, lay numerous rotten trunks.

As soon as the rainy season is over and the grass starts to die, the natives burn it and set up nets and thus bag wallabies and wild boars that flee from the fire. Naturally the growth of the trees is suffering to such an extent that a luxurious development of the trees only takes place close to the streams in the valleys.

The information of the harbor steward that there was no furred game in the surroundings of  Port Moresby and only a few bird species and had been heavily plundered by the natives as well as collectors was fully confirmed. Our catch was limited to only a few unimportant specimens. Furthermore our guide, the Malay, seemed to show little interest in this kind of sport as he led us again and again in circles and repeatedly told us that one would have to march many miles inland to have success. The other gentlemen had a bit more luck than we as they killed parrots of a species (Geoffroyus aruensis) I did not know.

The Malay whose house we had been visiting is said to be very wealthy and sails along the coasts of New Guinea in small sailing boats trading tobacco with the natives against coconuts, sandalwood as well as other product which he sells to the ships entering Port Moresby.

The South-east monsoon had grown stronger, even within the harbor the waves were moving so intensively that wave upon wave landed in the boat.

On board we received the message that governor Macgregor still had not arrived and we had to continue waiting patiently.

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  • Location: Port Moresby, New Guinea
  • ANNO – on 14.06.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die Tochter des Herrn Fabricius“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

Port Moresby auf Neu-Guinea, 14. Juni 1893

Eine dichte, dunkle Wolkenwand, aus welcher strichweise Regengüsse herniederströmten, verbarg am Morgen die Küste Neu-Guineas völlig, und wir vermochten daher, weil die Orientierung über das Fahrwasser vor Port Moresby angesichts der Unvollkommenheit der Seekarten dieses Gebietes ohnedies große Schwierigkeiten bietet, die äußerst schmale Passage in den Hafen erst anzulaufen, nachdem an der Küste orientierende Punkte in Sicht gekommen waren.

Die See erglänzte schon längst im Schimmer des strahlenden Tageslichtes, als endlich, gegen 8 Uhr morgens, das über der Küste lagernde Gewölk emporstieg und das Land erblicken ließ, dessen in weiter Ferne liegende Berge und Hügel mit sattem Grün bekleidet erschienen. Port Moresby selbst ist fast gänzlich von Kalksteinhügeln umgeben, deren baumlose Hänge vielfach mit hohem Gras bedeckt sind; kaum ein Fleckchen ebenen Landes ist ringsum zu sehen. Es war, im ganzen genommen, ein freundliches Bild, welches hier vor unseren Augen erstand; doch blieb es hinter den tropisch üppigen Veduten, welche uns die Salomon-Inseln geboten hatten, weit zurück.

Unsere Aufmerksamkeit wurde bald wieder durch Anderes, Näherliegendes in Anspruch genommen, nämlich durch die Schwierigkeiten der Passage. Der Hafen von Moresby ist gegen die offene See zu von einer langgestreckten, aus Korallen bestehenden Barriere begrenzt, die für größere Schiffe nur eine ganz schmale, beiderseits von Riffen begleitete Durchfahrt freilässt; mächtig schlug die Brandung an diese Korallenbänke, welche aus der Ferne schon durch die hellgrüne Färbung des angrenzenden Wassers kenntlich waren. Zu den Fährlichkeiten der Navigation in dieser Passage an und für sich gesellte sich ein neues Moment; denn seitdem die Wolkenwand geschwunden war, hatten wir die Sonne voll im Gesicht, daher wir, von ihr und dem glitzernden Wasser geblendet, die Einzelheiten der Passage nur undeutlich wahrzunehmen vermochten. Doch gelang es, allen Hindernissen zum Trotz, dem Kommandanten und dem vortrefflichen Navigationsoffizier der „Elisabeth“, diese um halb 11 Uhr morgens glücklich durch die Basilisk-Passage zu führen. Um 11 Uhr fiel endlich der Anker in Port Moresby.

Von Captain Moresby, dem Erforscher des südöstlichen Gebietes und der Südküste von Neu-Guinea, 1873 entdeckt und nach ihm benannt, ist Port Moresby gegenwärtig der Sitz der Administration Britisch Neu-Guineas, und wird von hier aus die der britischen Krone gehörende, Queensland unterstellte Kolonie durch einen besonderen Gouverneur verwaltet. Die Insel Neu-Guinea, einschließlich der Prinz Frederick-Insel, der Papua-Inseln, der Inseln des Louisiaden-Archipels und anderer Eilande ist heute unter drei Mächte geteilt. Den größten Teil dieser 807.956 km2 betragenden Fläche nimmt die niederländische Besitzung Westlich-Neu-Guinea mit 397.204 km2 ein; der nordöstliche Teil der Insel mit 181.650 km2 ist ein Schutzgebiet des Deutschen Reiches; über den südöstlichen Teil endlich, Britisch Neu-Guinea mit 229.102 km2, wurde im Jahre 1884 ein formelles Protektorat Englands verkündet und am 4. September 1888 in feierlicher Weise die Souveränität der Königin ausgesprochen. Die Grenzen dieser Besitzungen erscheinen nun zwar auf den Landkarten festgesetzt, die staatliche Verwaltung aber erstreckt sich vorläufig nur auf aliquote Teilchen des Gebietes, da Neu-Guinea, einige Küstenstriche, Flusstäler und Inseln ausgenommen, im ganzen und großen heute noch eine Terra incognita ist und es schon in geringer Entfernung von der Küste Eingeborenenstämme gibt, welche noch nie einen Weißen erblickt haben.

Der Hafen ist sehr geräumig, er zieht sich mit vielen, kleinen Buchten 9 km von Süd nach Nord ins Land und dehnt sich westlich bis Fairfax Harbour aus, bietet jedoch keinen guten Ankergrund. Im Nordosten der Küste steigt eine Bergkette auf, deren höchste Erhebung der Mount Astrolabe (1166 m) ist.

Port Moresby trägt völlig das Gepräge einer jungen Schöpfung und macht dabei einen ziemlich trübseligen Eindruck. Das Government House, ein kleines, ebenerdiges, auf einem Hügel postiertes Gebäude, ist von einer geringen Anzahl aus Wellblech erbauter, recht elender Bungalows, den Wohnhäusern der wenigen hier ansässigen Weißen, umgeben. Unweit davon, in einer geschützten Bucht, liegen drei von Eingeborenen bewohnte Dörfer, nämlich Elewara, auf einer zur Zeit der Flut vom Festland abgeschnittenen Halbinsel, dann Tanubada und Hanuabada. Oberhalb Tanubadas erheben sich die Häuser einer anglikanischen Missionsstation.

Bei unserer Ankunft war der ganze Außenhafen innerhalb des Barrier-Riffes, da die Eingeborenen eben auf den Fischfang auszogen, mit Kanus übersät, welche äußerst schmal, zum Teil mit Auslegern für die Ruder, durchwegs aber mit viereckigen, aus Strohmatten gebildeten Segeln versehen sind. Ungeachtet dieser höchst primitiven Ausrüstung lenkte die Bemannung die stark besetzten Kanus mit großer Geschicklichkeit rasch über die ziemlich bewegte See hin.

Neben uns lag ein kleines Kohlenschiff, welches wir von Sydney aus hieher dirigiert hatten, um unsere Heizvorräte zu ergänzen. Der Kapitän desselben kam sofort an Bord der „Elisabeth“ und berichtete, er sei etwa 80 Seemeilen vor Moresby auf ein Korallenriff aufgefahren, ohne jedoch wesentlichen Schaden erlitten zu haben, da es gelungen war, das Schiff nach Eintritt der Flut wieder frei zu machen. Auch überbrachte der Kapitän die Poststücke, welche bis zu seiner Abfahrt von Sydney dort für uns eingelaufen waren. Unter anderem enthielt diese Sendung auch Zeitungen mit Illustrationen der „Elisabeth“ und einiger Episoden unseres Aufenthaltes in Sydney — Bilder, deren manche darnach angetan waren, unsere Heiterkeit zu erregen.

Wer aber nicht an Bord kam, war der Gouverneur, Sir William Macgregor, den wir lebhaft herbeisehnten, da nur er die von uns projektierte Expedition nach dem Innern der Insel ins Werk setzen konnte. Endlich erschien jedoch in Vertretung desselben der Hafenmeister und meldete, Sir W. Macgregor habe sich auf seiner Dampf-Yacht tagszuvor nach Yule Island, etwa 80 Seemeilen nordwestlich von hier, begeben, um Besitzstreitigkeiten zwischen der dort befindlichen Missionsstation und den Eingeborenen zu schlichten, und werde voraussichtlich entweder noch heute abends oder den nächsten Morgen nach Moresby zurückkehren. So fassten wir uns denn in Geduld und beschlossen, das Eintreffen des Gouverneurs abzuwarten.
Betreffs eines Ausfluges in das Innere des Landes vermochte uns der Hafenmeister allerdings nur mangelhaft zu orientieren, doch erklärte er sich schließlich bereit, uns nachmittags in eine der nahe gelegenen Buchten führen zu wollen. Hinsichtlich ethnographischer Objekte wies mich derselbe an das einzige Handelshaus der Ansiedlung, welches solche Dinge sammle, und tatsächlich fanden sich hier eine reichhaltige Kollektion schöner Schilde, Speere und anderer Waffen sowie Bälge von allerlei Arten der auf Neu-Guinea bekanntlich einheimischen Paradiesvögel vor. Ich brachte diese Sammlung an mich und stieß dann mit der Barkasse, dem Jollboot und der kleinen Putzjolle unverzüglich wieder vom Land ab, um den Hafen der Länge nach zu durchfahren und in die nördlichste, zwischen dem Festland und der Insel Tatana gelegene Bucht zu gelangen.

An dem Ufer von Tatana erblickten wir zwei größere Dörfer, deren Hütten auf Pfählen hoch über dem Wasser errichtet waren.

Das Landen in der Bucht stieß wegen der inzwischen eingetretenen starken Ebbe auf große Schwierigkeiten. Die Dampfbarkasse musste bald stoppen, worauf wir versuchten, uns mit dem Jollboote der Küste zu nähern, aber binnen kurzem auf Korallenriffen festsaßen, so dass nun die Putzjolle an die Reihe kam. Als auch diese nicht von der Stelle rückte, mussten wir uns bequemen, in das Wasser zu springen und an das Ufer zu waten; hier trafen wir in der Nähe einer kleinen Ansiedlung auf einen daselbst ansässigen malayischen Händler, welcher sich willig zeigte, uns an Stellen zu führen, wo Aussicht sei, Vögel zu erbeuten.

Wir formierten zwei Abteilungen: ich drang mit Clam und dem Malayen in westlicher Richtung vor, während Wurmbrand und Prónay, von einem Papua geführt, gegen die im Norden befindlichen Hügel zogen. Der Weg war sehr beschwerlich; denn hohes Gras wechselte mit kleinen Gruppen von Bäumen und Gebüschen ab, in dem Gras aber lagen zahlreiche morsche Stämme umher.

Sobald die Regenzeit beendet ist und das Gras abzusterben beginnt, zünden die Eingeborenen dieses an, stellen Netze vor und fangen auf diese Weise die vor dem Feuer flüchtenden Wallabies und Wildschweine; natürlich leidet dadurch der Baumwuchs in so hohem Maße, dass eine üppige Entwickelung desselben nur an den Wasserläufen der Täler stattfindet

Die Angabe des Hafenmeisters, dass die Umgebung von Port Moresby kein Haarwild und auch nur wenige Vogelarten aufweise, überdies von den Eingeborenen sowie von Sammlern stark ausgeplündert sei, bewahrheitete sich völlig; unsere Ausbeute betrug nur wenige unbedeutende Exemplare. Überdies schien unser Führer, der Malaye, wenig Interesse für diese Art Sport zu hegen, da er uns immer im Kreis spazieren führte und wiederholt erklärte, dass man viele Meilen weit ins Innere der Insel dringen müsse, um Erfolg zu haben. Die anderen Herren waren etwas glücklicher als wir, da sie Papageien einer mir noch neuen Art (Geoffroyus aruensis) zur Strecke brachten.

Dieser Malaye, dessen Haus wir besahen, soll ein sehr wohlhabender Mann sein, der die Küsten Neu-Guineas in kleinen Segelbooten befährt und gegen Tabak von den Eingeborenen Kokosnüsse, Sandelholz sowie andere Producte eintauscht, welche er an die in Port Moresby einlaufenden Schiffe verkauft.

Der Südostmonsun hatte stark aufgefrischt, ja sogar im Hafen war der Seegang so bedeutend, dass wir See um See in das Boot bekamen.

An Bord wurde uns die Nachricht zutheil, dass der Gouverneur Macgregor noch nicht eingetroffen sei, und es hieß daher neuerdings geduldig warten.

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  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Die Tochter des Hern Fabricius“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.

At Sea to New Guinea, 11, 12 and 13 June 1893

On the 11th, we were on the open sea; on the 12th, the Louisiades archipelago came into sight, and, in fact, first Rossel Island with Cape Deliverance, then the large island of Tagula that is surrounded by a crest of small green islands. Great Britain has also extended its protection over the Louisiades.

Early in the morning of the 13th we noticed the contours of New Guinea, namely the South-eastern tip at South Cape. We steered at around 40 sea miles along the coast to Port Moresby. But the coast disappeared again from view only to come into view now and then for a few moments as heavy rain clouds were staying over the island and blocked any view. The weather was very good, except for the rising temperatures in the cabins. During the first two days  there was wind from the North, that is out of an uncommon direction for that season but on the third day it switched to the normal South-east monsoon.

During the whole journey remarkably many flying fishes showed up partly in schools partly individually. Many also flew on board, were caught and wandered quickly into alcohol containers. Many different species of sea gulls were swarming around us especially large fully dark-brown birds  — a species of boobies (Sula piscator) — of which I bagged six pieces, three of them dropped on deck. Such a bird was also caught by the sailors during the night when it tired from the long flight and attracted by the many lights landed on a boat crane. The number and diversity of the sea gulls and storm birds in the tropical seas can not, by the way, be compared to that in the Northern seas which are vitalized by many flights.

The cleaning, drying and packaging of our coral catch in Ugi was hard work as the pieces fished out had to rest first for 24 hours in fresh water which we had filled into three boats and then put the corals in them. Then, the dead animal parts and attached algae were brushed off with a steam spray which made the forms glitter in the most beautiful white. Another 24 hours were required for the corals to dry in the open air and were finally packaged up in boxes filled with wood shavings. Unfortunately, the supply of wood shavings soon came to an end. Our engineer in charge working with Clam had soon invented a circular saw which was connected by a transmission gear to the ash removal machine and thus made new wood shavings out of crushed boxes and broken straps etc. The procedure took quite some time. Nevertheless, we were very happy about the invention, as it resolved a problem.

The expeditions in Ugi, namely the wading through swampy ground and connected to this probably also the coral fishing unfortunately caused multiple cases of fever among the crew.

Links

  • Location: near New Guinea
  • ANNO – on 11.06.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die alten Junggesellen“. The k.u.k. Hof-Operntheater is closed from 1 June to 19 July.

In See nach Neu-Guinea, 11., 12. und 13. Juni 1893

Am 11. waren wir auf ganz offener See, am 12. kam der Archipel der Louisiaden in Sicht, und zwar zunächst Rossel Island mit dem Cap Deliverance, dann die große Insel Tagula, die in einem Kranz kleinerer, grüner Eilande liegt. Auch über die Louisiaden hat Großbritannien seine Schutzherrschaft ausgedehnt.

Früh morgens am 13. nahmen wir die Umrisse von Neu-Guinea. nämlich die südöstlichste Spitze bei South Cape, wahr. Wir steuerten auf ungefähr 40 Seemeilen längs der Küste gegen Port Moresby zu; doch verschwand die Küste unseren Blicken wieder, um nur ab und zu auf Augenblicke aufzutauchen; denn schwere Regenwolken lagen über der Insel und verhinderten jede Aussicht. Das Wetter war, abgesehen von der zunehmenden Temperatur in den Kabinen, sehr gut; die ersten zwei Tage herrschte zwar Wind aus Norden, also aus einer für diese Zeit ungewöhnlichen Richtung, der aber am dritten Tag in den normalen Südostmonsun umsprang.

Die ganze Fahrt über zeigten sich auffallend viele fliegende Fische, teils in Schwärmen, teils einzeln; manche derselben flogen auch an Bord, wurden gefangen und wanderten gleich in die Spiritusbehälter. Zahlreiche Möwen verschiedener Arten umschwärmten uns, besonders
große, ganz dunkelbraune Vögel, — eine Art von Tölpeln (Sula piscator) — deren ich sechs Stück erlegte; drei hievon fielen auf Deck. Einen solchen Vogel Mengen die Matrosen auch in der Nacht, als er sich, müde vom langen Flug und angezogen von den vielen Lichtern, auf einen Bootskrahn niedergelassen hatte. Die Anzahl und Verschiedenartigkeit der Möwen und Sturmvögel in den tropischen Meeren ist übrigens nicht zu vergleichen mit jener der nördlichen Meere, welche durch zahlreiche Flüge belebt weiden.

Schwere Arbeit verursachte das Waschen, Putzen, Trocknen und Verpacken unserer Korallenausbeute von Ugi; denn die erfischten Stücke mussten zuerst 24 Stunden lang in Süßwasser liegen, womit wir drei Boote, um in diesen die Korallen zu stauen, gefüllt hatten, und dann unter der Dampfspritze von den abgestorbenen Weichteilen und aufsitzenden Algen gereinigt werden, worauf die Formen im schönsten Weiß erglänzten. Abermals durch 24 Stunden hatten die Korallen endlich in freier Luft zu trocknen und wurden zum Schluss, von Sägespänen umgeben, in Kisten verpackt. Leider ging der Vorrat an Sägespänen bald zu Ende; doch hatte unser leitender Ingenieur in Gemeinschaft mit Clam bald eine Art Zirkularsäge erfunden, die mittels einer Transmission an die Aschenhissmaschine gehängt wurde und, gut funktionierend, aus zerschlagenen Kisten, gebrochenen Riemen u. dgl. Sägespäne erzeugte. Die Prozedur ging zwar langsam vor sich; trotzdem waren wir über die Erfindung sehr erfreut, da sie uns aus der Verlegenheit half.

Die Expeditionen in Ugi, namentlich das Durchwaten sumpfiger Stellen und in Verbindung hiemit wohl auch das Korallenfischen, hatten leider mehrere Fieberfälle unter der Mannschaft zur Folge.

Links

  • Ort: nächst Neu Guinea
  • ANNO – am 11.06.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt „Die alten Junggesellen“, während das k.u.k. Hof-Operntheater vom 1. Juni bis 19. Juli geschlossen bleibt.