Banff — Penticton, 10. Sept. 1893

Der schöne, wenngleich kühle Morgen bewog mich, mittels einer vierspännigen Coach eine Partie zu dem in östlicher Richtung von Banff gelegenen See Pamasae-wapta oder Teufelssee zu unternehmen. Hiebei kamen wir zunächst an der aus einer Reihe von Blockhäusern bestehenden Polizeistation vorüber, in der ein Detachement der berittenen kanadischen Polizeiwache bequartiert ist; dann ging es ungefähr anderthalb Stunden in einem weiten Talkessel dahin, dessen hohe Randgebirge mächtig und imposant, aber beinahe jeder Vegetation bar sind; kahle Wände, schier unermessliche Stein- und Geröllhalden wechseln miteinander ab.

An dem tiefsten Punkt des Tales liegt zwischen Bergen eingebettet der blaue See, an dessen Ufer ein kleines, weißes Häuschen blinkt, in welchem ein biederer Kanadier die Fremden fruktifiziert, indem er schlechten Sherry ausschenkt und Gehörne sowie Felle um fabelhafte Preise feilhält. Ein Fischadler zieht in scharfem Flug über den Wasserspiegel, von Zeit zu Zeit auf Beute herabstoßend; feierliche Ruhe liegt über dem Gebirgssee, dem ein klares Flüsschen entströmt, welches, brausend und sich durch die engen Schluchten seinen Weg erkämpfend, Banff zueilt. Im Tal stehen einige Kiefernwäldchen, deren Bäume eigentümliche, kurze Aste tragen, so dass ein derartiger Wald aussieht, als ob ihn die wackeren Tiroler nach der ihnen eigentümlichen Unsitte „g’schnatzelt“ hätten.

Ins Hotel zurückgekehrt, erfuhren wir, dass der Zug, der uns gegen Mittag zu einer Jagdexpedition in den Bereich der Gold Range bringen sollte, eine dreistündige Verspätung habe — ein hierzulande recht häufiges Vorkommnis. Wir fassten uns somit in Geduld und warteten das Eintreffen des Spätlings ab, der uns dieselbe Strecke, die wir gekommen waren, wieder zurückführte, doch dies nur bis zur Station Sicamous Junction, von wo aus eine nach Süden abzweigende Linie der Canadian Pacific-Bahn benützt werden sollte.

Links

  • Ort: Sicamous, Kanada
  • ANNO – am 10.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater macht Sommerpause bis zum 15. September, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Der Templer und die Jüdin“ aufführt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

Solve : *
22 × 1 =


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.