Benares, 11. Februar 1893

Vormittags wanderte ich noch einmal durch die Straßen, die Tempel und den Fluss entlang — dieselben Bilder, die gleiche Wirkung.

Gegen Mittag kam der Maharadscha von Benares, Brabhn Narain Singh Bahadur, mich zu begrüßen. So prachtvoll der gute Mann auch mit den kostbarsten Steinen behängt war, so wenig fürstlich war sein Aufzug; die Staatskarosse, vor allem aber seine Leibwache, die auf vollkommen ausrangierten Pferden saß und teilweise alte englische Uniformen trug, sahen recht kläglich aus. Er ist ein freundlicher, heiterer Herr und anscheinend ein passionierter Jäger, da er sich von seinem Express rifle niemals trennt und es von einem Diener sogar bei allen Besuchen, allen festlichen Gelegenheiten nachtragen lässt. Auf mein Befragen teilte er mir mit, dass er in seinem Staat bereits 60 Tiger erlegt habe. Dass uns ein Photograph vor dem Palast in einer Gruppe aufnahm, braucht kaum ausdrücklich erwähnt zu werden.

Den Gegenbesuch, zu welchem der Maharadscha noch schönere Diamanten angelegt hatte, stattete ich demselben in einem anderen seiner Paläste ab, der sich aber in einem etwas wüsten und vernachlässigten Zustand befand und nur eine Galerie der gekrönten Häupter Europas, scheußliche Lithographien, enthielt, welche den Hauptschmuck des Audienzsaales bildeten, in dem ich mich mit dem Maharadscha für einige Minuten auf einer Art Thron niederließ. Nachdem wir unsere Photographien getauscht hatten, schenkte mir der Fürst eine Schnitzerei aus Elfenbein, deren Kunstwert er sehr hoch hielt. Endlich ging es in Begleitung des Maharadschas zum Bahnhof, von wo uns der Zug auf der Linie der East Indian Railway über Allahabad und Kahnpur nach Agra bringen sollte.

Links

  • Ort: Benares, Indien
  • ANNO – am 11.02.1893 in Österreichs Presse. Das Wiener Salonblatt widmet Franz Ferdinand nur einen Satz in der Ausgabe vom 12. Februar 1893, S. 3.
Wiener Salonblatt, 12 February 1893, issue 7, p.3: Franz Ferdinand in India

Wiener Salonblatt, 12. Februar 1893, no. 7, S.3: Franz Ferdinand in Indien

  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater zeigt das Stück “Eine vornehme Ehe“ von Octave Feuillet, während das k.u.k. Hof-Opermtheater Massenets “Werther” aufführt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

Solve : *
3 + 9 =