Havre — Paris, 15. Oktober 1893

Wir steuerten im Kanal und wieder im dichtesten Nebel dahin; doch — „ein gutes Schiff in seinem dunkeln Drang ist sich des rechten Weges wohl bewusst“, so dass die „Bretagne“ ihren feuchten Pfad zu finden vermochte und unter fast ständiger Anwendung der Dampfpfeife ungefährdet vorbeikam an den zahlreichen entgegenfahrenden sowie an den die Route kreuzenden Fahrzeugen aller Art. Unter ihnen befand sich auch das Schwesterschiff des unseren, welches mit dem Kurs nach New York, hart an der „Bretagne“ vorüberzog. Endlich,
endlich — es war rings um das Schiff her lichter geworden — entstieg in der Ferne ein weißer Streifen dem Ozean, — „Land, Land!“ rief es in uns. Frankreichs Küste gebietet hier den Meereswellen halt, und freundlich winkt Havre dem Ankömmling zu.

Um 3 Uhr nachmittags fiel der Anker und kurz darauf standen wir auf festem Boden, auf Europas Boden. Man muss fast ein Jahr lang in der Welt umhergefahren sein, um das Hochgefühl zu ermessen, das mich in diesem Augenblick beherrschte.

Die Stadt hatte bereits zu Ehren der Offiziere der russischen Escadre, die in Toulon ankerte, festlich geflaggt; die fremden Seeleute wurden in Havre, wohin sie über Paris kommen sollten, als Gäste Frankreichs erwartet. Bald nach der Ankunft unternahmen wir in Begleitung unseres Konsuls Grosos eine Spazierfahrt gegen Trouville und fanden uns am Abend zum Diner im gastlichen Hause Grosos‘ ein, dessen Gemahlin in liebenswürdigster Weise die Honneurs machte.

Von Havre ging es nach Paris.

Links

  • Ort: Le Havre, Frankreich
  • ANNO – am 15.10.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt am Nachmittag das Stück „König Richard II“ und abends „Die kluge Käthe“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Die Rantzau“ aufführt.

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