In See nach Colombo, 29. December 1892

Bei Gegenwind hielten wir uns fort im gleichen, östlichen Kurse. Zwei Pottwale wurden beobachtet.

Während bisher alltäglich dem Studium von Reisewerken nur einige Stunden gewidmet waren, oblag ich heute dieser nützlichen Tätigkeit fast den ganzen Tag. In eben dem Maße als wir uns den fernen Ländern nähern, die wir bereisen sollen, sind wir mit wachsendem Eifer besorgt, uns entsprechend vorzubereiten und auszubilden.

An reichhaltiger Abwechslung fehlt es in der Reisebibliothek nicht, wie sehr auch bei der Zusammenstellung derselben auf die räumlichen Verhältnisse der Kabinen Bedacht genommen wurde. Neben Publikationen, die, vom Ernste der Wissenschaft erfüllt, dem Forschungsreisenden als Quellenwerke dienen, befinden sich Handbücher, welche dem Touristen fast unentbehrlich sind, ferner Werke, die sich in fesselnder Form als glückliche Verbindung szientifisch gediegenen Inhaltes mit anregender Schilderung von Land und Leuten erweisen, endlich Bücher, welche in die Kategorie der eigentlichen Reiseliteratur gehörig, mitunter durch glänzende, wohl auch feuilletonistische Darstellung ausgezeichnet, leichtere Lektüre bieten. Karten und Pläne aller Art vervollständigen das literarische Inventar.

So manches der in demselben verzeichneten Bücher habe ich schon in der Heimat durchstudiert, so die Eindrücke vorahnend, welche meiner harren. In gleichem Maße verdanke ich Belehrung und Genuss: Sievers „Asien“, Reclus „Nouvelle Geographie Universelle“, dem höchst interessanten, mit prächtigen Illustrationen ausgestatteten Werke Schlagintweits „Indien“, den auf Befehl unserer Marine-Section publizierten, zum Teile von Benko bearbeiteten, viel zu wenig gewürdigten Berichten über die Reisen verschiedener unserer Kriegsschiffe („Nautilus“, „Aurora“, „Albatros“, „Saida“, „Frundsberg“), Lehnerts und Anderer „Seehäfen des Weltverkehrs“ — einem Werke, welches in verhältnismäßig compendiöser Form eine Fülle von Material in gelungenster Art behandelt, Jedinas „An Asiens Küsten und Fürstenhöfen“, Hübners „Promenade Autour Du Monde«, Mantegazzas „Indien“, Wereschagins „Reiseskizzen aus Indien“, Schulzes „Führer auf Java“, Jungs „Der Weltteil Australien“, Wallaces „Der Malayische Archipel“, Forbes‘ „Wanderungen eines Naturforschers im Malayischen Archipel“, Chalmers „Neu-Guinea“, Finsch‘ „Ethnologische Erfahrungen aus der Südsee“, Katschers „Chinesisches Leben“, Exners „China“ und „Japan“, Heins „Japan“, Kreitners „Im fernen Osten“, Buchners „Reise durch den stillen Ocean“ und anderen höchst verdienstlichen Werken; doch würde es zu weit führen, sämtliche zu nennen.

Nach dem Diner vereinigte sich alles auf der Kommandobrücke, um plaudernd den herrlichen Abend zu genießen.

Links

  • Ort: Arabisches Meer
  • ANNO – am 29.12.1892 in Österreichs Presse. Die Neue Freie Presse würdigt den Pioneer des Massentourismus, Thomas Cook, der am 18.Juli 1892 verstorben ist.

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