In See nach Port Kennedy, 29. April 1893

In der Nacht gegen 1 Uhr ging ein starkes Gewitter nieder, welches durch seine heftigen Donnerschläge alle Schläfer weckte. Da der Regen, von einer frischen Brise gepeitscht, durch die Luken in die Räume drang, ertönte das Kommando: „Luken schließen“. Gegen Morgen lachte blauer Himmel auf uns nieder — eine Stunde später sandte er aus einem Wolkenmeer Regengüsse herab. Die See blieb bei dieser schwankenden Witterung stets ruhig.

Gegen Mittag befanden wir uns in der Sapudi-Straße zwischen Madura und der Insel Sapudi. In der Ferne erblickt man den 1290 m hohen Vulkan Baiuran (Baloeran) an der Ostküste Javas, im District Panarukan der Regentschaft Besuki gelegen; diesem Feuerberge galt der letzte Gruß, den wir Java zusandten; denn nun nahmen wir Kurs gegen die Insel Lombok.

Während der Fahrt wurden in hoher See viele Schlangen sichtbar; zum ersten Mal ersah ich auch „Seeschlangen“, und zwar ein meterlanges, ganz weißes Exemplar, sowie ein kleineres schwarz und gelb gestreiftes.

Die Aussicht gegen Lombok und die westlich von diesem gelegene Insel Bali, beide zur Timor-Gruppe gehörig, war leider durch Dunst und Wolken getrübt; doch kamen Bali und der Berg Agung (Agoeng, 3200 m) immerhin, wenn auch nur für Momente, zum Vorschein. Abends erfreute uns endlich wieder herrlicher Mondschein, so dass das Bild überaus wirkungsvoll war, als wir uns der Insel Lombok näherten. Der Yulcan Rindjani, welcher die bedeutende Höhe von 3800 m erreicht, steigt beinahe senkrecht aus der See empor und gewährt einen imposanten Anblick; anfangs war seine Spitze durch dichtes Gewölk verhüllt, doch plötzlich teilte sich der Schleier und vom Mond silberhell beleuchtet lag der Bergkoloss vor uns. Da wir nur wenige Meilen von der Küste entfernt fuhren, so konnte man die Konturen des Berges selbst mit unbewaffnetem Auge genau wahrnehmen.

Die Inseln Bali und Lombok bilden eine selbständige Residentschaft. Die Pazifizierung Lomboks, dessen rohe, zum Teil am Brahmanismus hängende, zum Teil mohammedanische Bevölkerung unter der Führung des Radschas, eines Balinesen, den Holländern großen Widerstand leistet, macht bedeutenden Aufwand an Geld und Truppen seitens der Niederländer notwendig. Für die Hartnäckigkeit des Widerstandes zeugt, dass, wie uns kurz vor der Abfahrt von Java berichtet wurde, wenige Tage zuvor auf Lombok ein Gefecht stattgefunden hatte, in welchem ein Offizier und eine Anzahl Soldaten der Kolonialtruppen gefallen sind, während auf dem bei dieser Aktion beteiligten Kanonenboot einer der Seeoffiziere schwere Verwundungen davongetragen hat.

Links

  • Ort: nächst Lombok
  • ANNO – am 29.04.1893 in Österreichs Presse. Für den kommenden Besuch des deutschen Kaisers auf der Rückreise aus Italien sind zahlreiche Vorbereitungen in Luzern im Gange.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater gibt das Lustspiel „Das Heiratsnest“, während das k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet “Die goldene Märchenwelt” aufführt.

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