In See nach Singapur, 31. März 1893

Bei herrlichstem Wetter schwimmen wir auf tiefblauen See Pulu Penang zu, um von hier nach der Insel Singapur zu steuern. Das Meer ist glatt wie ein Binnensee und trotz der verhältnismäßig großen Hitze bringt manchmal eine kühle Brise Labsal. Auf dem Achterdeck ist der Aufenthalt ganz erträglich; schlimmer ist es in den Kabinen und vor allem im Maschinenraum, wo das Thermometer eine fast ständige Temperatur von 70° C. aufweist.

Da wir an einem der Kessel — derselbe hatte zu rinnen begonnen — havariert waren, musste die Fahrt verlangsamt werden, so dass wir nur neun Meilen in der Stunde machten, was übrigens teilweise auch auf den Umstand zu setzen ist, dass die in Indien gewonnene Kohle nicht so viel Heizkraft besitzt, als die englische Schwarzkohle.

Nachmittags hatte ich leider den Verlust eines der Mitglieder meiner Menagerie zu beklagen. Mein Papagei, ein zahmes Tierchen, der sich voller Freiheit auf Deck erfreute, strich, seine Flugkünste versuchend, vom Schiff aus über die Wellen hin, fiel aber, bevor er das Deck wieder erreicht hatte, ermattet in das Meer und ertrank.

Ein großer Viermaster, der anscheinend Kurs nach Rangun hatte, kam in Sicht.

Des Karfreitags wegen gab es weder Musik noch Glockensignale; die Stunden wurden mittels einer Ratsche angezeigt.

Links

  • Ort: In See nach Singapur
  • ANNO – am 31.03.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater ist bis zum 2. April, das k.u.k. Hof-Operntheater bis zum 1. April geschlossen.

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