In See nach Singapur, 3. April 1893

Der Himmel ist stark bewölkt, und eine heftige Regenböe geht in schweren Tropfen nieder, die auf Deck prasseln, aber alsbald in der Wärme verdunsten. Der Gottesdienst findet daher in der Batterie statt.

Noch vormittags kommen die Sayer-Inseln, die der Panga-Halbinsel vorgelagerte Insel Salang und nachmittags die Brothers-Inseln in Sicht. Alle diese kleinen Eilande scheinen, nach dem Blicke durch das Fernrohr zu urteilen, vulkanischen Ursprunges und dicht mit tropischer Vegetation bedeckt zu sein.

Tagsüber beobachteten wir die in der Straße von Malakka so häufigen Tide Rips oder Strom-Kabbelungen; es sind dies durch entgegengesetzte Strömungen entstandene Wellenbewegungen, die sich streifenförmig durch die sonst ganz ruhige See ziehen und das Steuern, indem sie das Schiff vom Kurs ablenken, wesentlich erschweren. Ich möchte diese Strömungen mit einem im Meer rasch dahinfließenden Gewässer vergleichen, das an seiner Oberfläche schäumende, tanzende Wellen wirft.

In auffallender Zahl tummelten sich hier fliegende Fische, große Scharen von Delphinen, sowie thunfischartige Fische. Die letzteren verfolgten, aus dem Wasser springend, kleinere Fische, während jenen wieder größere scharbenartige Vögel, die ich nicht näher zu erkennen vermochte, nachzogen.

Der Abend war lau und mild, so dass ich, bevor ich mich zur Ruhe begab, noch ein Stündlein auf der Brücke verbrachte, umfächelt von der kühlenden Abendbrise, versunken in den Anblick des südlichen Sternenhimmels, welchen ich übrigens an Mannigfaltigkeit, Schönheit und Glanz der Sternbilder dem nördlichen Firmament nachstelle.

Links

  • Ort: In See nach Singapur
  • ANNO – am 03.04.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater führt „Wilddiebe“ auf. Das k.u.k. Hof-Operntheater spielt „Die goldene  Märchenwelt“.

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