Penticton — Priests‘ Landing, 16. Sept. 1893

Morgens fühlte ich mich etwas wohler, verblieb aber doch an Bord und verkürzte mir die Zeit, indem ich von den Indianern lederne Mokassins und Handschuhe einhandelte. Die Indianer-Damen waren sehr neugierig und wollten durchaus den fremden Prinzen sehen, so
dass sie sich sogar unter Führung des Missionärs an Bord wagten; ich war gerade mit Eintragungen in mein Tagebuch beschäftigt, als sie herbeikamen und mich anstarrten, welchen Augenblick Imhof benützte, um die holden Schönen, die sich durch sehr energische Gesichtszüge und kräftige Gestalten auszeichneten, zu photographieren. Die Indianerinnen wurden dies bald gewahr; doch brachte die Erkenntnis verschiedene Wirkungen hervor, indem einige schreiend das braune Antlitz mit einem Tuch verhüllten, während andere, minder scheu und scheinbar recht eitel, ihr Kopftuch abnahmen, damit ihre dichten, schwarzen Haare besser zur Geltung kämen.

Am Landungssteg hatte sich inzwischen ein lebhafter Handel entwickelt, da der Reisemarschall alle für die Expedition angeschafften und nunmehr entbehrlich gewordenen Gegenstände, wie Feldbetten, Kochgeschirre u. dgl. m., dann die erübrigten Konserven und alkoholischen Getränke mit bedeutendem Verlust an den Mann brachte. Das meiste erstand Mr. Ellis, der den günstigen Kauf dadurch feierte, dass er sich sofort an Ort und Stelle einen Kapitalrausch antrank.

Gegen Mittag, kurz vor dem Auslaufen, sprang ein heftiger, stürmischer Wind auf, welcher den See aufwühlte, so dass das Abgehen des ungefügigen Dampfers beinahe unmöglich wurde; ein Tau, mit welchem der Bug des Schiffes freigeschwait werden sollte, riss alsbald, und wir trieben wieder an den Steg, an den wir dröhnend anschlugen, zur größten Freude des alkoholisch gestimmten Mr. Ellis, der über diesen Misserfolg des Fahrzeuges der von ihm bestgehassten Canadian Pacific Railway Company in ein Freudengeheul ausbrach und den Hut schwenkte.

Das Manöver wurde wiederholt, die Trosse riss neuerdings, und diesmal war das Zurücktreiben, sowie das Anschwaien noch heftiger, so dass der Steg in allen Fugen erkrachte und auch wir auf dem Schiff einen gewaltigen Stoß erhielten. Die Aufregung wurde nun eine allseitige, der Wind heulte immer stärker, der Kapitän schrie und fluchte, Mr. Ellis jauchzte, der Missionär rief mir zu, er trage sich an mitzureisen, um mich auf den Tod und die Reise ins Jenseits vorzubereiten, welches wohlwollende Anerbieten ich jedoch vorläufig dankend ablehnte. Ein drittes Tau wurde zum Verholen ausgebracht, und da zu wenig Mannschaft an Bord war, drängte sich eine bunte Gesellschaft, zum Teil recht drollige Gestalten, herbei, um am Gangspille für das allgemeine Wohl eifrigst zu arbeiten; der Zahlmeister, die Passagiere, die Kellner in Hemdärmeln — alle drehten kräftig mit, bis der gemeinsame Eifer endlich von Erfolg gekrönt war. Der Bug wandte sich seewärts, die Maschine setzte an, und wir konnten das offene Wasser gewinnen.

In der Station Kelowna, die aus einigen Ansiedlerhäusern besteht, benützte ich den viertelstündigen Aufenthalt zur Besichtigung einer am Ufer stehenden Dampfsäge, welche von einer Maschine mit 42 Pferdekräften betrieben wird; fünf Zirkularsägen und eine Hobelmaschine verarbeiteten daselbst die riesigen Fichtenstämme der Urwälder binnen kürzester Frist zu glatten Brettern. In einem kleinen Kramladen kauften wir noch rasch einige lederne Indianerkostüme und Handschuhe. Gegen 6 Uhr waren wir bei Priests‘ Landing und verblieben an Bord des „Aberdeen“. Spät abends stellte sich Regen ein.

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  • Ort: Penticton, Kanada
  • ANNO – am 16.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt die Tragödie „Der Erbförster“, während das k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet „Excelsior“ aufführt.
Die Neue Presse reports that Franz Ferdinand will depart from New York on 14 October to England and pay a visit to Queen Victoria. Apart from the New York departure, the information is completely wrong.

Die Neue Presse berichtet am 16. September 1893, dass Franz Ferdinand am 14. Oktober aus New York nach England abreisen wird und dort der Kaiserin Victoria einen Dankensbesuch abstatten wird. Vom Abreisehafen New York abgesehen, sind alle Informationen falsch.

Shingle Creek — Penticton, 15. Sept. 1893

Als sollte uns die Erinnerung an die Jagdexpedition in die Gold Range besonders eingeprägt und der Abschied von den Rocky Mountains recht schwer gemacht werden, genossen wir heute eines selten schönen Tages. Tiefblauer Himmel wölbte sich wolkenlos über uns, die Sonne sandte erwärmende Strahlen herab, die köstliche, frische Bergluft war von balsamischem Fichten- und Tannengeruch durchzogen, zahlreiche Schmetterlinge gaukelten umher, die letzten Tage ihres Lebens genießend, und buntschillernde Käfer krochen auf der Rinde gestürzter Bäume.

Bis Mittag blieben wir noch im Lager, machten verschiedene photographische Aufnahmen, saßen dann auf, und weiter gings gegen Penticton; es war ziemlich heiß, der Weg herzlich schlecht, und unsere sonst wilden, doch jetzt schon ermüdeten Mustangs konnten nur mehr unter beständiger Nachhilfe von Sporen und Peitsche weitergebracht werden.

Im Indianerdorf bat ich Charley, mir eines der Häuser zu zeigen. und wurde alsbald von ihm in sein eigenes Heim geführt, wo mich seine äußerst korpulente Ehehälfte empfing, die in eine Art Neglige gehüllt war und in einer Leinwanddüte ein Kind auf dem Rücken trug. Wie staunte ich aber, als ich beim Betreten des Blockhauses statt der erwarteten Waffen, Häute und Scalps erschlagener Feinde eine Nähmaschine sowie eine Kaffeemühle und die Wände mit Ausschnitten aus illustrierten Zeitungen beklebt fand, so dass ich an den schönen Erinnerungen irre zu werden begann, die ich auf Grund der Lektüre berühmter Geschichten dem Volk der Indianer bewahrt habe. Die Ehe Charleys scheint sehr gesegnet zu sein; denn in dem kleinen Raum weinten, schrieen und kugelten sich Kinder aller Altersstufen, während die älteste Tochter an der Nähmaschine hantierte; die guten Leute schätzen die Reinlichkeit offenbar sehr gering, weshalb ich nicht wagte, die mein Interesse weckenden Gegenstände zu berühren, und die Stube, der herrschenden Stickluft weichend, bald verließ. Vor dem Haus hatten sich inzwischen einige alte Weiber, wahre Megären, versammelt, welche sich über unseren Besuch hoch erfreut zeigten, mit den Fingern auf uns wiesen und sich lebhaft in ihrer gutturalen Sprache unterhielten.

Der katholische Missionär des Ortes, ein alter Franzose, der schon seit 25 Jahren in diesen Gegenden weilt, kam zu Pferd angesprengt und spendete nicht nur seinen Pfarrkindern alles Lob, sondern wusste auch allerlei Interessantes von den Indianern zu erzählen, hieran manche Bemerkung über sein Leben und sein neues Vaterland knüpfend. Er rühmte insbesondere die Intelligenz der Rothäute, die ich allerdings nicht bezweifle, ohne im übrigen einen guten Eindruck von ihnen empfangen zu haben, obschon oder weil ich sie mit forschendem Auge betrachtete.

Die Indianer Nordamerikas, die Urbewohner des Landes, noch im letzten Jahrhundert zahlreich und mächtig, sind in der gegenwärtigen Epoche in unaufhaltsamem Rückgang begriffen, da das Gedeihen der Rothäute als eines Jäger-, Fischer- und Kriegervolkes eben mit dem raschen Vordringen moderner Kultur unvereinbar zu sein scheint. Zur Waffenruhe gezwungen und aus seinen einst so wildreichen Jagdgründen in bestimmte Bezirke, Reservations, gedrängt, verfällt dieses Volk, für dessen Blüte die Ungebundenheit offenbar eine wesentliche Voraussetzung ist, immer mehr und zwar um so schneller, als es weit leichter den Übeln der Zivilisation als deren Segnungen zugänglich ist. Krankheiten aller Art, Trunksucht und Korruption haben in der modernen Periode Nordamerikas unter den Rothäuten rasch Eingang und Verbreitung gefunden; dagegen ist es nur in beschränktem Maße gelungen, die Indianer zu zivilisieren, sie zum Christentum zu bekehren, sesshaft zu machen und in tüchtige Ackerbauer umzuwandeln.

In Kanada ist übrigens die Lage der Indianer eine weit günstigere, der Fortschritt in ihrer Gesittung ein viel bedeutenderer als in den Vereinigten Staaten. Dies gelangt nicht nur in den numerischen, moralischen und materiellen Verhältnissen der Indianer, sondern auch in der Gesinnung zum Ausdruck, welche sie den Herren der Gebiete gegenüber an den Tag legen. Während in Kanada Aufstände indianischer Stämme, wie jener der „Schwarzfüße“ im Jahre 1886, wider die Weißen nur vereinzelt vorgekommen sind, haben die Vereinigten Staaten in den letzten Dezennien fast stets im kleinen Krieg mit den Rothäuten gelebt; hier flackert auch jetzt noch im Nordosten und in den Rocky Mountains das Glühfeuer der Empörung zeitweilig wieder auf.

Wie in der Union, so sind auch in Kanada die Indianer auf Reservationen beschränkt; während aber die 423 Reservationen Kanadas vorwiegend ertragsfähiges und den Indianern zusagendes Land darstellen, sind die Indianergebiete innerhalb der Union zumeist wertlose oder doch ärmliche und ungastliche Ländereien, deren Umfang überdies immer wieder eingeschränkt wird.

Der Hauptsumme nach sind, wie bemerkt, die Indianer in Nordamerika in stetem Rückgange begriffen. Erwähnenswert ist insbesondere das Schwinden jener Stämme, welche uns Europäern durch Geschichte und Roman nahegerückt sind. Denn wer dächte, wenn er von den englisch-französischen Kriegen in Nordamerika während der Jahre 1744 bis 1748 und 1754 bis 1763 liest, nicht an die Huronen, an die Irokesen, Mohawks. Tuscarora u. s. w.? Die berühmten „sechs Nationen“ sind nun heute so zusammengeschmolzen, dass im Jahre 1892 in der Union nur mehr 13.621, in Kanada gar nur mehr 8508 Indianer lebten, welche Abkömmlinge jener Stämme sind, deren Namen uns durch die Kämpfe Chingachgooks und Unkas‘, der letzten Mohikaner, als Freunde oder als Feinde des unsterblichen Nathanael Bumppo, des Pfadfinders und Lederstrumpfes geläufig sind.

Der Dampfer „Aberdeen“ langte gegen 5 Uhr an dem hölzernen Steg in Penticton an, worauf ich mich sogleich an Bord und recht bald zur Ruhe begab.

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  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater macht Sommerpause bis zum 15. September, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Der Prophet“ aufführt.

Shingle Creek — Penticton, 15 September 1893

As if our memories of the hunting expedition to the Gold Range should be especially imprinted and the departure from the Rocky Mountains made quite difficult, we enjoyed one of rare beautiful days today. A deep blue cloudless sky arched itself above us. The sun sent warming rays and the delightful fresh mountain air was filled with balsamic pine and fir scent. Numerous butterflies were flying around enjoying the last days of their lives. Colorful gleaming bugs were crawling on the bark of the fallen trees.

Until noon we still stayed in camp and took various photographic images. Then we mounted and off we went towards Penticton; it was quite hot, the path sincerely bad and our otherwise wild but no already tired mustangs were only made to go forward by the constant use of spurs and whip.

In the Indian village, I asked Charley to show me one of the houses and soon I was led by him into his own home where I was received by his very corpulent better half who was wearing some sort of negligee and carried a child on her back in a canvas strap. How astonished was I, however, when entering the log house I saw, instead of the expected weapons, hides and scalps of slain enemies, a sewing machine and a coffee mill and the walls plastered with illustrations cut out of newspapers so that my beautiful ideas which I had developed by reading famous stories about the Indian people had led me astray. Charley’s marriage seems to be particularly blessed as children of all age ranges were crying, shouting and running around in the small room while the eldest daughter was using the sewing machine. The good folk did apparently not consider cleanliness highly. That’s way I did not dare to touch the objects that had made me curious and soon left the living room escaping from the sticky air. In front of the house a couple of old wives had assembled in the mean time, true shrews, that showed themselves highly pleased with our visit, pointing at us with their fingers and were vividly talking among themselves in their guttural language.

The catholic missionary of the place, an old Frenchman who has spent the last 25 years in these regions arrived in a hurry on his horse and not only fully praised the parishioners but knew much interesting things to tell about the Indians, adding many remarks about his life and his new homeland. He especially praised the intelligence of the redskins, that I however never doubted without having by the way given a good impression of it even though or because I had been observing them with a scientific mind.

The Indians of North America, the aboriginal people of the land, had been numerous and powerful still during the last century but have seen an unstoppable decline during the present era, as the prospering of the redskins as hunter, fishermen and warrior peoples seemed incompatible with the rapid advance of modern civilization. Forced to put away their weapons and displaced from their hunting grounds once so rich in game to designated places, reservations,  this people is decaying more and more and faster, for whose blossoming apparently freedom is a vital requirement as the evils of civilization have reached it much faster than the blessings of civilization. Illnesses of all kinds, alcoholism and corruption made a quick entrance and gained distribution among the redskins in the modern period of North America. In contrast only in a limited way were efforts successful to civilize the Indians, to convert them to Christianity, to make them sedentary and turn them into efficient tillers.

In Canada, by the way, the situation of the Indians is much more favorable and their progress in civilization much greater than in the United States. This expresses itself not only in the numerical, moral and material relations of the Indians but also through their attitude they display towards the owners of the territories. While insurrections of Indian tribes in Canada, such as that of the „Blackfoot“ in 1886, against the Whites are happening only rarely, the United States has been almost continuously in small wars against the redskins during the last decades. Here too in the North-east and the Rocky Mountains the fire of insurrection is stoked from time to time.

As in the United States, Indians are also restricted to reservations in Canada. Whereas, however, the 423 Canadian reservations represent mostly productive land valued by the Indians, the Indian reservations in the United States are mostly in worthless or still poor and inhospitable lands whose area is furthermore reduced from time to time. In total numbers, as stated before, the Indians in North America are in a constant decline.

It needs to be mentioned that this dwindling is experienced especially by those tribes known to Europeans through history and novels. Who would not think about Huron, Iroquois, Mohawks, Tuscarora etc. if he reads about the English and French wars in North America during the years from 1744 to 1748 and 1754 to1763? The famous „six nations“ have shrunken so much in numbers that in 1892 there were only 13.621 Indians in the United States, an a mere 8508 living in Canada who were descendants of those tribes whose names are familiar to us from the struggles of Chingachgook and Uncas, the last of the Mohicans, as friends or enemies of the immortal Nathanael Bumppo, the pathfinder and leatherstocking.

The steamer „Aberdeen“ arrived towards 5 o’clock at the wooden pier in Penticton and I then immediately went on board and soon afterwards to bed.

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  • Location: Penticton, Canada
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  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is closed for summer until 15 September. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera „Der Prophet“.

Black Mountain — Shingle Creek, 14. Sept. 1893

Infolge der stürmischen, kalten und im Freien verbrachten Nacht hatte sich meine Erkältung wieder verschlimmert, und ich musste daher über Zureden meiner Herren mit schwerem Herzen den Befehl zum Rückmarsch geben; denn hier wäre in der Tat keines längeren Bleibens gewesen. Wir hätten eigentlich noch zwei Tage auf dem Black Mountain verweilen sollen, und ich wollte insbesondere noch eine mit Charley besprochene Pürsche auf einem weiter entfernten, felsigen Berge unternehmen; aber ich glaube selbst, dass ich dies in meinem Zustand nicht zu leisten vermocht hätte. So ging es denn wieder zurück nach dem Shingle Creek; ich beabsichtigte mit Wurmbrand längs des Weges hinabzupürschen, während Clam auf dem einen, Imhof und Prónay auf dem anderen der nebenliegenden Höhenzüge ins Tal gelangen sollten. Langsam kamen wir talab, bis sich der Steig teilte und Charley erklärte, dass ich besser täte, mit ihm den bequemeren nach links abzweigenden Weg zu reiten, wogegen Wurmbrand und die Jäger, welche die Gewehre trugen und zu Fuß gingen, den zweiten Pfad, der sich ohnehin bald wieder mit unserem vereinige, einschlagen könnten.

In einer unbekannten, wilden Gegend soll man sich nie von den Gefährten, vor allem aber nicht von seinem Gewehr trennen, was sich auch diesmal bewahrheitete; denn von einer Wiedervereinigung der Steige war keine Rede, der Indianer führte mich über die unglaublichsten Hänge und Leiten, so dass ich die Geschicklichkeit meines Falben bewundern musste. Alsbald trafen wir auch auf Hochwild, ich hatte aber kein Gewehr, alles Rufen nach Wurmbrand und den Jägern war vergebens; zum Überfluss setzten sich im weiteren Verlauf dieser gewehrlosen Pürsche zwölf Grouse auf wenige Schritte vor mich hin, um mich erstaunt anzuäugen. Jetzt riss mir die Geduld völlig und befahl ich Charley in nicht sehr zartem Ton, mich so rasch als möglich zum Lagerplatz im Shingle Creek zu bringen, wo ich Wurmbrand, der führerlos ebenfalls einige Irrwege eingeschlagen hatte, bereits vorfand.

Als der Train erschien, wurde mit dem Aufschlagen des Lagers begonnen; in längeren Intervallen trafen zuerst Imhof und Prónay mit einigen Grouse und dann Clam mit einem erlegten Mule-Tier ein.

Um die besondere Dummheit der Grouse zu schildern, sei noch erwähnt, dass die mit dem Train reitenden Indianer mit ihren Stöcken von den Pferden herab einige Grouse erschlagen konnten.

Das Kochen nahm uns wieder vollauf in Anspruch, und wir stellten mit gemeinsamen Kräften ein herrliches Mahl von sechs Gängen zusammen, das uns in dieser Wildnis besser schmeckte als das feinste Diner von Sacher. Außer den Konserven stand noch frisches, in allen möglichen Formen zubereitetes Wild, namentlich aber Grouse zu Gebot, die noch schmackhafter munden als unsere Haselhühner. Da ich es meinerseits in der edlen Kochkunst noch nicht sehr weit gebracht habe, wurde ich hauptsächlich zum Rupfen der Grouse und zur Verfassung eines stilgerechten französischen Menus verwendet, während Imhof sich als Küchenchef vorzüglich bewährte. Bei einem großen Feuer, das wir mit mächtigen Klötzen gefällter Balsam-Tannen unterhielten, wurde der Abend recht angenehm verbracht. Hodek musste sich als Declamator produzieren, und auch manche Jagdgeschichte aus den heimatlichen Gefilden regte uns an. Die Nacht war nicht so kalt wie die auf dem Black Mountain verbrachte.

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Black Mountain — Shingle Creek, 14 September 1893

Due to the stormy cold night spent in the open my cold had grown worse again and, upon the advice of my gentlemen, I had to accept to give the order with a heavy heart to march back as in fact we could not have stayed here for long. We had actually planned to stay two more days on Black Mountain, and I wanted especially to go for a hunt with Charley to a distant rocky mountain. But I believe it myself that I would have been unable to do it given my current condition. Thus we went back to Shingle Creek. I planned to hunt with Wurmbrand along the way down, while Clam was to get down to the valley from one and Imhof and Prónay from another nearby ridge. Slowly we went down to the valley until the path split and Charley explained that it would be better for me to take the more comfortable path on the left, while Wurmbrand and the hunters who carried the rifles and were on foot would take the other path that was in any case rejoining the other one soon.

In an unknown wild region one should never separate oneself from one’s companions and foremost never leave one’s rifle. This was proved right here too. One could hardly speak about a reunion of the paths. The Indian led me across unbelievable slopes and ledges so that I had to admire the dexterity of my dun horse. Soon we met high game but I had no rifle. All calls for Wurmbrand and the hunters were in vain.  Furthermore during this rifleless hunt a dozen grouses sat down only a few paces in front of me and looked at me with wonder. Now my patience was at an end and I ordered Charley in not a very delicate tone to take me the fastest way possible to the camp at Shingle Creek where I found Wurmbrand awaiting me. Without a guide, he too had lost his way for some time.

After the train arrived, the camp was set up. In longer intervals did first arrive Imhof and Prónay with some grouses and then Clam with a bagged mule deer.

To describe the extreme stupidity of the grouse one has to add that some of the Indians accompanying the train column managed to hit some grouses with sticks from their horseback.

Cooking again required our full attention and we composed with united forces a splendid meal of six courses that in our view tasted much better in the wilderness than the finest dinner at Sacher. Apart from the tins there were game cooked in all possible ways, namely however grouse that taste even better than our hazel grouses. As I personally had not yet made much progress in the noble art of cooking, I was mostly asked to pluck the grouses and to compose a stylish French menu while Imhof proved himself as an excellent chef. At a large fire kept up by mighty blocks of felled balsam firs we spent a very agreeable evening. Hodek had to give a speech and so many hunting story from home entertained us. The night was not as cold as the one spent on Black Mountain.

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Shingle Creek — Black Mountain, 13. Sept. 1893

Unserem ursprünglichen Plan zufolge hätten wir die ganze Dauer unserer Expedition, nämlich fünf Tage, auf dem Lagerplatz im Shingle Creek bleiben sollen; doch drangen die Indianer darauf, schon heute morgens weiter und höher auf den Black Mountain zu wandern, da sie der Meinung waren, dass sich dort mehr Wild finden würde. Sie selbst hatten die vierte Morgenstunde zum Aufbruch bestimmt: doch lachten sie uns, als wir sie gegen 5 Uhr ermahnten, ernstlich an den Aufbruch zu denken, einfach aus, begannen ihr Frühstück zu kochen, fingen dann in aller Ruhe nach und nach die Pferde ein und sattelten diese sehr langsam, so dass wir uns erst gegen 7 Uhr in Bewegung setzen konnten. Leider gab es kein Mittel, diese phlegmatischen Leute anzuspornen, ganz abgesehen davon, dass die Anwendung irgend welchen Zwanges wahrscheinlich nur die gegenteilige Wirkung gehabt hätte; es erübrigte uns daher nichts, als uns mit Geduld zu wappnen.

Im Verlaufe des Rittes bedauerten wir den verspäteten Aufbruch nicht mehr, weil es in der Dunkelheit doch nicht möglich gewesen wäre, auf den schmalen Pfaden und an den schroffen Abhängen zu reiten. Hiebei war uns reichlich Gelegenheit geboten, die Geschicklichkeit der Pferde zu bewundern, welche ohne einen Fehltritt zu tun, der jedenfalls von verhängnisvollen Folgen begleitet gewesen wäre, auf den kaum fußbreiten Steigen emporkletterten und häufig genug gestürzte Baumstämme von bedeutender Dimension übersteigen mussten.

Heute galt es abermals, tief eingeschnittene Schluchten zu durchqueren, doch war die Berglehne wenigstens anfänglich ziemlich dicht bewaldet. Auch konnten wir die ersten Spuren von Wild wahrnehmen, dessen Fährten unseren Weg kreuzten; aus einem dichten Busch von Preiselbeeren strich ein Grouse ab, das in seinem Gebaren und Aussehen der europäischen Birkhenne ähnelt, und schließlich sahen wir sogar an jungen Pappeln die Rinde vielfach geschält und abgefegt Je höher wir emporkletterten, desto rauher wurde die Luftströmung, desto unwirtlicher gestaltete sich die Szenerie. Zu meinem Leidwesen nahm ich wieder überall die Spuren der entsetzlichen Waldbrände wahr, dürre, halb verkohlte, teils noch emporragende, teils gestürzte Bäume. Dass wir uns der Grenze des Baumwuchses näherten, verrieten kleinere, aber widerstandsfähige Bäume, so eine reizende Gattung Balsam-Tannen, mit dem charakteristischen, kegelförmigen Wuchs und dichten, kurzen Ästen, die als echte Wettertannen allen atmosphärischen Einflüssen Trotz bieten. Zwischen den Bäumen traten mächtige Felspartien hervor und hemmten den Blick; frostiger wurde die Luft, und ein kalter, schneidender Wind wehte uns entgegen.

Als wir eben eine ziemlich schwierige Passage zurückgelegt hatten, sprang plötzlich der führende Indianer einer Katze gleich vom Pferd, kauerte sich nieder und zeigte, mir „Deer, Deer“ zurufend, nach der jenseitigen Lehne. Ebenfalls abspringend, gewahrte ich auf wenigstens 300 Schritte ein Mule-Tier äsen; da ein Anpürschen der ungünstigen Wind- und Terrainverhältnisse wegen nicht durchführbar erschien, versuchte ich den Schuss, aber ohne Ergebnis; denn das Tier verschwand in einer Kieferndickung.

Es galt nun noch einen besonders beschwerlichen Anstieg zu überwinden, der uns sehr steil auf ein hohes Joch führte, so dass die braven Mustangs schwere Mühe hatten, uns an dieser Stelle emporzubringen. Knapp unter dem Joch zog sich eine windumtoste Mulde hin, in der unser neues Lager aufgeschlagen werden sollte; doch konnte der Train erst in einigen Stunden eintreffen, weshalb wir von den dampfenden Pferden absaßen, um sogleich in der Nähe zu pürschen. Ein Indianer blieb bei den Pferden, ein zweiter sollte mich führen, meine Herren vertrauten sich zu je zweien ebenfalls der Führung von Rothäuten an, dann bestimmten wir genau die Rayons, in welchen jeder von uns jagen sollte, und trennten uns mit einem kräftigen „Waidmannsheil!“

Geführt von meinem Indianer, namens Charley, der sich kürzlich den Arm gebrochen hatte und ihn in der Schlinge trug, wandte ich mich westwärts und spürte bald nächst dem Lagerplatz zwei Grizzly Bären, wie es schien eine glückliche Mutter mit ihrem Jungen, die kurze Zeit vorher an dieser Stelle vorbeigewechselt sein mussten, — eine erfreuliche Entdeckung, welche meine Pulse höher schlagen ließ und meinen Jagdeifer steigerte. Auch riss nicht weit von uns ein Stück Hochwild aus, von dem ich aber nur noch die Läufe sehen konnte. Das lautlose Pürschen war hier nicht leicht; wir mussten häufig über niedergebrochene Bäume steigen, klettern und springen und hatten auch sonst große Terrainschwierigkeiten zu überwinden. Die Gebirgslandschaft, die sich vor mir ausbreitete, bot viel Anziehendes und Interessantes: den größtenteils dürren, an der Grenze des Baumwuchses befindlichen Wald, eigentümliche Fels- und Steinpartien, mit vielfarbigen Moosen und Flechten bedeckt, versumpfte Stellen, die wie Hochmoore im Kleinen erschienen, und endlich eine Gebirgsflora. welche manche Verwandtschaft mit der heimatlichen aufwies. Ich fand Schafgarben, rote Akelei, violette Orakelblumen, Zwergwachholder. eine Art Arnica u. dgl. m. Nebelstreifen jagten über die Höhen hin. verschwanden aber bald, worauf ein eiskalter, scharfer Wind einsetzte.

Um eine Ecke biegend, sah ich plötzlich ein Stück Wild flüchtig vor mir ausreißen und auf einem Kamme gegen mich zurückhoffen: obgleich die Distanz sehr groß war, wagte ich den Schuss, das Stück zeichnete gut auf Blattschuss und verschwand hinter dem Kamm. Durch den Schuss aufgeschreckt, erschien ein zweites Stück und stellte sich, jedoch durch Aste gedeckt, fast auf demselben Fleck; auch jetzt gab ich Feuer und schickte mich zur Nachsuche an, in deren Verlauf ich zuerst reichlich guten Schweiß, bald darnach auf ungefähr hundert Schritte vom Anschuss das eine Stück mit Blattschuss und schließlich in der Nähe auch das zweite fand. Beide Stücke waren starke Tiere des Mule-Wildes, in der Größe zwischen unserem Hoch- und Damwild, mit merkwürdig geformten, beinahe fledermausartigen Lauschern; ein weiteres Kennzeichen dieser Tiere ist das gänzliche Fehlen von „Krandeln“.

Kopfschüttelnd betrachtete der Indianer beide Stücke, meinte, dass dies gute Schüsse gewesen seien, machte dann das konventionelle Zeichen für Essen und sprach fortwährend vom Camp. Die Verständigung mit diesem Mann war für mich sehr schwer, da er nur ein Gemisch von Englisch und Indianisch kauderwälschte; doch bestand kein Zweifel, dass er nach dem Lagerplatz zurückkehren wollte, womit ich aber durchaus nicht einverstanden war, da ich weiterzupürschen wünschte, und es gelang mir nur durch Anwendung geeigneter Mittel. in meiner Rothaut die Sehnsucht nach dem Lagerplatz zu unterdrücken und das Verständnis für die Fortsetzung der Pürsche zu wecken.

Wir kamen zu einem schön gelegenen Punkte, von welchem aus ich die durch eine tiefe Schlucht von uns getrennten jenseitigen Felsenberge und einen über viele hundert Hektare sich ausdehnenden Wald bewundern konnte, der durch eine blaue Bergkette abgeschlossen wurde. Auch hier waren bedeutende Komplexe durch Brände zerstört worden; doch erfuhr ich, dass nicht allein Indianer, Bahnarbeiter und Kolonisten die Urheber solcher Verwüstungen sind, sondern auch die Goldgräber in dieser Region, deren Berge den bezeichnenden Namen Gold Range tragen, den Wald anzünden, um den Boden dann genauer untersuchen zu können.

Als ich langsam in einer ziemlich bewachsenen Lehne weiterpürschte, wechselten abermals zwei Mule-Tiere vorbei; ich schoss, worauf das erste nach einigen Schritten verendet stürzte, während das zweite, anscheinend gut getroffen, gegen das Tal zu flüchtig wurde und bald unter den Bäumen verschwand. Jetzt war der Indianer aber nicht mehr zu halten, er wiederholte öfters das ominöse Wort „Camp“ und nahm schnurgerade Direktion gegen das Lager, obgleich ich gerne die Pürsche ausgedehnt und vor allem das zweite Tier noch weiterhin gesucht hätte, da wir es innerhalb einiger hundert Schritte nicht finden konnten. Hiezu wollte er sich nicht bequemen, ich musste ihm schließlich nachgeben und so erkletterten wir eine steile, bereits oberhalb der Waldgrenze gelegene Höhe, die an zwei Stellen ewigen Schnee zeigte, und stiegen auf dem jenseitigen Hange wieder bergab. Um die Rückkehr in das Camp zu verzögern, setzte ich mich nieder und markierte eine Rast. Obschon ich glaubte, mich noch wenigstens eine Stunde weit vom Lagerplatz zu befinden, hörte ich plötzlich in der Nähe Schüsse fallen und Kugeln über meinem Kopf pfeifen, ein Beweis, dass ich in das Pürschterrain einer anderen Partie gekommen war; als ich der Richtung, aus welcher die Schüsse fielen, nachging, traf ich auf Prónay und Imhof, die beim Lager auf Grouse schossen und mich nicht in dieser Direktion wähnten, die eigentlich in ihren Rayon fiel.

Die Indianer hatten uns alle kunterbunt durcheinandergeführt und zeigten für ihre Aufgaben überhaupt wenig Eifer. Ich hatte den ganzen Tag ausbleiben wollen und war doch schon um 12 Uhr wieder im Camp; ebenso war es Imhof und Prónay ergangen, welche unfreiwillig mit Wurmbrand und Clam zusammengetroffen waren und, ebenfalls in das Lager zurückgeführt, nunmehr auf Grouse jagten. Da mein Indianer durchaus nicht zur Fortsetzung der Jagd zu bewegen war, gab ich ihm den Auftrag, wenigstens die erlegten Tiere abzuholen, und beteiligte mich an der Pürsche auf Grouse.

Es ist fast unglaublich, wie vertraut oder, besser gesagt, dumm diese Tiere sind; werden sie vom Boden aufgescheucht, so streichen sie nur eine kurze Distanz weiter, um gleich wieder einzufallen, und baumen sie auf, so kann man sich ziemlich ungedeckt nähern und sie herabschießen. Sind mehrere aufgebaumt, so können alle geholt werden, da sie zumeist trotz der Schüsse sitzen bleiben; von einer Kitt, die auf eine große Tanne oberhalb der Pferde und des Lagerfeuers einfiel, schoss Imhof der Reihe nach drei Stücke, deren eines ins Feuer, ein  weites auf ein Pferd fiel. Nach einer halben Stunde untersuchten wir den Baum abermals genau, wobei wir noch zwei Grouse an den Stamm gedrückt entdeckten, die ich dann schoss; leider waren sie, weil mit Kugeln erlegt, etwas zerschossen, bereicherten aber gleichwohl unseren Tisch.

Während dieser Zeit war die durch die Schwierigkeiten des Marsches aufgehaltene und etwas erschöpfte Trainkolonne unter Kommando Sanchez‘, der seine ersten Versuche als Reiter sehr gut und wacker absolvierte, mit den Zelten und dem Proviant eingetroffen, worauf die Zelte in der Höhe von weit mehr als 2000 m auf dem hiefür in Aussicht genommenen, den Stürmen ausgesetzten Platz aufgeschlagen wurden und ich mich, noch immer nicht ganz wohl, durch einige Zeit der Ruhe hingab. Als ich mich nach drei Stunden um den Verbleib der erlegten Tiere erkundigte, waren die unverlässlichen Indianer noch immer nicht weggeritten, dieselben zu holen.

Endlich litt es mich nicht mehr beim Lagerfeuer; ich nahm meinen Stutzen und pürschte, da kein Indianer zur Stelle war, allein durch die nächstgelegenen Höhen und Wälder und vernahm, von einem Felsblock auslugend, alsbald den Schrei eines Indianers; auf meine Antwort arbeitete sich Charley durch das Gewirr der Holzstämme und berichtete, dass er durch ein naheliegendes Tal zwei Grizzly-Bären vertraut wechseln gesehen habe. Auf diese Nachricht hin eilte ich trotz meiner Müdigkeit, so rasch es die gestürzten Bäume gestatteten, vorwärts und fand zwar die noch ganz frischen Spuren, leider aber nicht die Bären; auch meine Hoffnung, ihnen den Weg abkaufen zu können, erwies sich als trügerisch. Der Abend brach herein, und ich musste ins Lager zurückkehren; nur selten habe ich einen so schlechten und ermüdenden Weg wie diesmal vor mir gehabt, da wir in einen großen Wind- oder Schneebruch kamen, in dem uns ein wahres Labyrinth wild durcheinander liegender Stämme zu unausgesetztem Klettern und Springen nötigte. Bald schmerzten uns die Füße so sehr, dass wir kaum weitergehen und nur mühsam uns vorwärts schleppend das Lager erreichen konnten; ein Grouse bildete meine einzige Beute. Inzwischen war auch die Partie Wurmbrand-Clam nach sechsstündigem Marsch rückgekehrt, von dem sie ein Mule-Kalb und ein Grouse mitbrachte.

Nach Sonnenuntergang wurde es stets kälter und ungemütlicher; eisiger Wind, der direkt von den nahen Schneefeldern kam, blies uns unbarmherzig ins Gesicht, und wir konnten uns am Lagerfeuer nur wenig erwärmen, da der Platz wegen des Mangels hoher Bäume gar keinen Schutz bot.

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  • Ort: Penticton, Kanada
  • ANNO – am 13.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater macht Sommerpause bis zum 15. September, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Der fliegende Holländer“ aufführt.

Shingle Creek — Black Mountain, 13 September 1893

According to our original plan we should have stayed for the full duration of our expedition, that is five days, at the camping place at Shingle Creek. But the Indians insisted that we should march further and higher already today to the Black Mountain as they were of the opinion that more game would be found there. They themselves had set the fourth hour of the morning as the time for departure. But they only laughed when we admonished them at 5 o’clock to earnestly think about the departure and started to cook their breakfast and then started without haste to catch their horses and also saddled them slowly so that we could only move out towards 7 o’clock. Unfortunately there existed no means to incite these phlegmatic people apart from the fact that any use of force probably would have only the opposite effect. There was nothing left than exercise ourselves in patience.

During the ride we no longer regretted the late departure as it would not have been possible to advance in darkness on the narrow paths and steep slopes. Here we were given ample opportunities to admire the skill of the horses that climbed up on only a foot wide paths without a single misstep which in any case would have had fatal consequences. Often enough fallen trees of considerable dimensions had to be passed over.

Today it was again necessary to cross deeply cut gorges but the mountain ledges were at the beginning at least densely wooded. We could also notice tracks of game whose paths crossed ours. From a dense cowberry bush, a grouse flew up into the air that in behavior and appearance was similar to the European black grouse. Finally we saw also on young poplars how the bark had often been stripped an torn off.

The higher we climbed the rougher the current of the air and the more inhospitable the scenery became. To my displeasure, everywhere one could more and more see the signs of horrible forest fires with arid, half burnt, partly still standing, partly fallen trees.  That we were getting close to the forest line was revealed by smaller but more resistant trees, a delightful species of  balsam firs with their characteristic cone-shaped growth and dense short branches which as true all weather fir tree were defending themselves against all atmospheric influences. Between the trees were mighty rock clefts that impeded the view. The air turned frosty and a cold, biting wind was blowing towards us.

After we had just completed a very difficult passage the leading Indian suddenly jumped off his horse like a cat, crouched low and pointing towards the opposite ledge while shouted „deer, deer“. Dismounting too, I became aware of a mule grazing at no fewer than 300 paces. As a closer approach did not seem practical due to the unfavorable wind and terrain I tried a shot but without result as the animal disappeared into the dense pine forest.

It was now necessary to overcome a very difficult ascent that led very steeply to a high ridge so that our brave mustangs had great difficulties to reach that place. Just below the ridge there was a windswept basin where we should establish our new camp. But the train could only arrive in a few hours time so that we dismounted from the steamy horses in order to hunt immediately in the vicinity. An Indian stayed with the horses, a second one was intended as my guide, my gentlemen entrusted themselves in pairs to the guidance of redskins. Then we determined the territories where each of us was to hunt and split up with a hearty „Waidmannsheil!“

Led by my Indian named Charley who had recently broken his arm and carried it in a sling, I turned to the West and hunted first next to the camping ground for two grizzly bears, it looked like a happy mother with its young that must have passed here a short time ago — a happy discovery that made my pulse beat quicker and increased my eagerness for the hunt. Also not far from us a piece of high game ran away of which I however was only able to see its legs. Sneaking up without noise was not easy here. We often had to climb over broken trees and jump and surpass great difficult terrain. The mountain landscape in front of us offered much that was attractive and interesting:  the, for the most part, arid forest at the limit of the forest line, strange rock and stone formations, multi-colored mosses and lichen, swampy spots that looked like a high moor in miniature and finally a mountain flora that showed many similarities to the one at home. I found Achillea, red Aquilegia, purple Christmas rose, tiny juniper, some species of Arnica etc. Stripes of fog rushed across the heights but soon disappeared and an ice-cold cutting wind came up.

Turning around a corner we suddenly saw a piece of game flee in front of me and run back to a ridge reverting back towards me. Despite the distance being rather large I dared to shoot, the piece was hit in the shoulder and disappeared beyond the ridge. Alarmed by the shot, a second piece appeared and stopped, however covered by branches, nearly in the same place. Here too I fired and started my search for it where I at first found much bloody tracks and then about a hundred paces further the first piece hit in the shoulder and finally in the vicinity also the second one. Both pieces were strong mule animals that was in size between our high and fallow deer with strangely formed nearly bat-like ears. A further characteristic of these animals is the complete absence of upper teeth.

Shaking his head the Indian observed the two pieces and said that these had been good shots, then made the usual sign for eating and continuously talked about the camp. The communication with this man was very difficult as he only spoke a mixture of English and Indian, but there was no doubt that he only wanted to return to the camp to which I did not agree at all as I wanted to continue hunting. U succeeded after the application of suitable means to suppress my redskin’s desire for the camp and create an understanding for the continuation of the hunt.

We arrived to a beautifully situated spot from where one could admire the rocky mountains on the opposite side separated from us by a deep gorge and many hundred hectares of forest that was delimited by a blue mountain range. Here too important lots had been destroyed by fires but I learned that not only the Indians, railway workers and colonists had created these destructions but also the gold diggers in this region whose mountains carry significant names such as Gold Range. The burn the wood to be able to examine the ground more closely.

When I slowly advanced in a very overgrown ledge, two more mules ran past. I shot and the first one tumbled after a few steps and died while the second one, apparently well hit, fled towards the valley and soon disappeared among the trees. Now the Indian was no longer willing to remain and uttered often the ominous word „camp“ and walked straight towards it even though I wanted to extend the hunt and foremost look for the second animal as we were unable to find it after the first few hundred paces. But he was unwilling to do that and I ha finally to give in and thus we climbed up to a steep ridge above the forest line that revealed eternal snow in two places and descended on the other side. To retard the return to camp, I sat down and marked a rest. Even though I thought to be at least an hour distant from the camp, I suddenly heard shots fired in the vicinity and bullets flew over my head, proof that I had entered into the hunting ground of another party. When I walked in the direction from which the shots had come, I met Prónay and Imhof who shot at grouse from the camp and did not expect me in the direction that was actually part of their hunting territory.

The Indians had led us fully criss-cross and showed little eagerness for their task. I had wanted to stay for the full day and still had been back at the camp at noon. The same happened to Imhof and Prónay who involuntarily met Wurmbrand and Clam and had all been led back to camp. They now set out to hunt grouse. As my Indian could not be moved to continue hunting, I at least gave the order to fetch the killed animals and joined the grouse hunt.

It is nearly unbelievable how trusting, or better said, how stupid those animals are: If they are flushed out from the ground, they fly only a short distance and land again. If they land on a tree, one can approach almost without cover and shoot them down. If multiple animals sit next to each other, one can catch them all as they remain sitting despite of the shots. Of a flock that had landed on a big fir tree above the horses and the camp fire Imhof shot three one after another. One fell into the fire, a second on a horse. After half an hour we closely examined the tree again and discovered another two grouses pressed to the trunk which I then shot. Unfortunately they had been killed with bullets and thus shot to pieces but still enriched our table.

In the mean time the train column under the command of Sanchez who had well and bravely performed his first attempts as a rider. The difficulties of the march had delayed and tired the column that had arrived with the tents and the provisions. The tents were set up at an altitude of more than 2000 m at the selected spot that however was exposed to storms. I rested for some time as I still did not feel well. When I asked three hours later about the condition of the shot animals, I was informed that the unreliable Indians had not yet departed to get them.

Finally I no longer wanted to remain at the camp fire. I took my rifle and hunted alone, as no Indian was ready, across the closest heights and forests and soon heard the shout of an Indian when I was taking observations from a boulder. Upon my answer, Charley worked his way through a tangle of tree trunks and reported that two grizzly bears had been observed in a valley nearby. This message made me rush forward despite being tired as quickly as the fallen trees permitted and soon I found still fresh tracks but unfortunately not the bears. My hope too was dashed of cutting off their path. The evening arrived and I had to return to the camp. Only rarely did I have such a bad and tiring path home as here as we were exposed to a big wind and snow breakage where we were forced to continuously climb and jump over a true labyrinth of wildly distributed fallen trunks. Soon our feet were hurting so much that we were barely able to continue and arrived at the camp only by dragging ourselves forward with great effort. A grouse constituted my only catch. In the mean time the party of Wurmbrand and Clam had returned after a six hour march with a mule calf and a grouse.

After sunset I became still colder and more uncomfortable. An icy wind blew mercilessly into our face coming directly from the close snow fields. We could only warm up a bit at the camp fire as the place offered no protection due to the lack of tall trees.

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  • Location: Penticton, Canada
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  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is closed for summer until 15 September. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera „Der fliegende Holländer“.

Penticton—Shingle Creek, 12. Sept. 1893

Die Nachrichten, welche wir erhalten hatten, waren sehr günstig; man sprach von ausgezeichneten Erfolgen, die uns nicht ausbleiben könnten, ja es verlautete, dass ein Rudel von 100 Bergschafen durch Indianer bestätigt und ein Mann eigens beauftragt sei, dieses seltene Wild zu beobachten. Gegen derartige, übertrieben scheinende Anpreisungen verhalte ich mich, durch die mannigfachen jagdlichen Misserfolge bei verschiedenen Völkern gewitzigt, sehr reserviert, da mich die Folge noch jedesmal gelehrt hat, dass es mit dem gerühmten Wildreichtum nicht so weit her ist.

Es war beschlossen worden, die Bagage — Gewehre, Zelte, Proviant und die notwendigsten Kleidungsstücke — gleich bei Tagesanbruch auf Pferden verpackt abzusenden, während wir gegen 10 Uhr vormittags folgen wollten. Leider schien auch hier die Pünktlichkeit eine unbekannte Tugend zu sein; denn als ich nach 9 Uhr meine Kabine verließ, waren weder Packpferde noch Indianer zu entdecken. Endlich kamen die Rothäute einzeln, ganz gemütlich herbeigeritten, und auch Mr. Ellis, der einzige Grundbesitzer dieser Gegend, welcher für die Beistellung der Pferde und der als Führer und Jäger erforderlichen Indianer sorgen sollte, schien es keineswegs eilig zu haben und über unsere ganze Expedition recht ungehalten zu sein. Diesem Herrn Ellis, einem gebürtigen Schotten, gehört der ganze Umkreis, ein Tausende von Quadratkilometern umfassendes Gebiet; alle in der Nähe befindlichen Indianer stehen zu ihm in einer Art von Untertanenverhältnis, und er liebt es, sich als König dieses Ländchens zu fühlen und zu zeigen. Mit scheelen Augen beobachtet er das Vordringen und die Erfolge der Canadian Pacitic-Bahngesellschaft in dieser unermesslichen Wildnis, in der er bisher alleiniger Herrscher war und durch 28 Jahre völlig ungestört walten konnte, was begreiflich erscheinen lässt, dass er jeden Fremden als Eindringling betrachtet. Seine Ungnade erstreckte sich daher auch auf uns; wir mussten aber, mit der Beistellung von Mann und Pferd ausschließlich auf ihn angewiesen, gute Miene zum bösen Spiele machen und bei dem Gewaltigen die eindringlichsten Bitten und schönsten Phrasen vorbringen. Gegen 10 Uhr wurde schließlich die Trainkolonne flott und ging unter Kommando unseres Reisemarschalls und Hodeks in die Berge ab; mehrere Indianer, die ihren Tieren schier unglaubliche Lasten aufgebürdet hatten und jene mit Lassos vor sich hertrieben, folgten.

In angemessenem Verhältnisse zu der Verspätung des Bagagetrains kamen auch unsere Leibrosse erst nach 11 Uhr herbei, so dass lmhof hinlänglich Muße hatte, einen der vier unser Schiff umkreisenden Fischadler mit einem glücklichen Schuss herabzuholen. Der Tod eines aus ihrer Mitte schien die Genossen wenig anzufechten, da sie immer von neuem herbeistrichen.

Doch konnten wir ihnen keine weitere Aufmerksamkeit schenken, weil wir aufbrechen mussten.
Jedermann wählte eines der keineswegs schönen, aber kräftigen Indianerpferde aus und trachtete so gut wie möglich, sich mit dem mexikanischen Sattel vertraut zu machen, einem Marterinstrument, welches das Sitzen keineswegs zu einer Annehmlichkeit macht und selbst einem passionierten Reiter einen langen Ritt verleiden kann. Das hohe Sattelgestell, an dem sich vorne der Knopf zum Befestigen des Lassos befindet, zwingt den Reiter, ganz steif und nach Art des von mir perhorreszierten sogenannten „alten Husarensitzes“ in der Gabel zu sitzen; die nur handbreiten Seitenblätter gehen nicht vom Sattel aus, sondern hängen an den Bügelriemen; die Bügel selbst sind unförmlich groß; die Befestigung des Sattels geschieht durch Gurten. ähnlich jenen unseres Damensattels; die Pferde sind mit Stangen aufgezäumt, die bei den einzelnen Rossen die denkbar verschiedensten Formen aufweisen.

Unsere Führer, die für die nächstfolgenden Tage auch als Jäger dienen sollten, waren Vollblutindianer und Mischlinge von dem etwa 150 Köpfe zählenden Stamme der Okinagans, welche die umliegende Gegend bewohnen und sich angeblich durch Arbeitsamkeit und gutes Verhalten auszeichnen; auch sind sie fast sämtlich zum katholischen Glauben bekehrt. Zwei Cowboys, die uns ebenfalls begleiteten, waren den Indianern ziemlich gleich adjustiert; sie trugen breitkrämpige Filzhüte, Wollhemden und lange, mit Fransen besetzte Lederhosen, lederne Mokassins und merkwürdigerweise auch dicke Lederhandschuhe, die an Fechthandschuhe aus Hirschleder gemahnten und Verzierungen in grellen, gestickten Dessins aufwiesen.

Unsere Karawane setzte sich nun durch ein am Rande des Sees gelegenes, auenartiges Terrain bis zur Farm des Mr. Ellis in Bewegung, der hier die nötigen Instruktionen an die führenden Indianer erteilte. Die Farm, aus mehreren kleinen Häusern und Stallungen bestehend, liegt, von Wiesen und einzelnen Feldern umgeben, sehr hübsch unter hohen Bäumen in einem freundlichen, grünen Tal am Ufer des Okinagan-Flusses, dessen besonders klare Wässer eilenden Laufes vorbeiströmen. Mr. Ellis beschäftigt sich hauptsächlich mit der Zucht von Rindern und Pferden, die sich das ganze Jahr hoch in den Bergen aufhalten und daselbst ein halbwildes Leben führen; ein großer Prozentsatz geht durch Abstürze oder als Opfer der Bären zugrunde, so dass man allenthalben Skelette verendeter Tiere sieht; aber immerhin dürfte Mr. Ellis seine Rechnung finden, da ihm die Erhaltung seiner Herden fast keine Kosten verursacht.

Bis zu den höchsten Stellen der steilsten Berglehnen sieht man die Tiere emporklettern, die sich an den Bächen und den sonstigen Trinkwasser bietenden Stellen in größeren Rudeln sammeln. Ich war über das gute Aussehen der Herden in hohem Grad erstaunt, da ich annehmen musste, dass die Tiere in den versengten und verdorrten Lehnen kein genügendes Futter finden könnten; doch hat die Natur hiefür gesorgt, da zwischen den gestürzten Baumstämmen manches Alpenkraut und in den tieferen Lagen eine unscheinbare, blaugraue Pflanze sprießen, die besonders zur Winterszeit ein gesundes und vom Vieh gesuchtes Futter liefern. Bedarf der Farmer einer größeren Anzahl Rinder oder Pferde zum Verkauf, so sendet er seine Cowboys und Indianer beritten in die Berge, damit dieselben die erforderlichen Tiere einfangen und abtreiben. Die Feldwirtschaft wird nur in dem für den Bedarf der Farm erforderlichen Umfang betrieben; als wir Mr. Ellis fragten, ob er auch Weizen baue, bejahte er dies mit dem Zusatz, dass er dies nur seinen Hühnern zuliebe tue.

Am jenseitigen Flussufer drangen wir in das Indianerdorf, das teils aus Hütten, teils aus Wigwams, das ist Zelten, besteht; erstere sind einfache Blockhäuser und mit Rasenziegeln belegt, letztere zeichnen sich nur durch die in ihrem Innern vorherrschende Unordnung aus. Die Haupterwerbsquelle bildet die Viehzucht, welche in derselben Weise wie vom Farmer betrieben wird und einzelnen Indianern bereits ein ansehnliches Vermögen eingetragen haben soll. Rings um die Hütten liegen kleine Felder und sogar Obstgärten, in welchen wir zu unserer Überraschung schwer mit Früchten behangene Bäume erblickten.

Auf einem schmalen Viehpfad, welcher die Lehne entlang führte, ritten wir den Bergen entgegen. Dieser Teil unserer Route war ziemlich eintönig, da die Nadelbäume, zumeist Kiefern, auf dem gelben, sandigen Boden in großen Abständen verteilt stehen und nirgends geschlossenen Wald bilden; erst nach einiger Zeit kamen wir in ein schmales Tal, woselbst sich schöne Ausblicke auf die entfernter liegenden Bergketten erschlossen. Manche steil eingeschnittene Schlucht, in welcher klare Bäche Rossen und Reitern willkommenen Labetrunk boten, musste passiert werden; des schlechten, schmalen Pfades wegen konnten wir fast nur im Schritt reiten und bloß auf einigen kleinen Plateaux war es möglich, für kurze Zeit zu galoppieren. Unser scharfes Auslugen nach Wild hatte keinen Erfolg, da wir außer einigen Falken und Vertretern einer grauschwarzen Hühnerart nichts entdecken konnten; dagegen wurde der Anblick der Gegend wieder freundlicher, und von dem Glanz der sinkenden Sonne schön überstrahlter, dichter Wald zeigte sich uns. Bald darauf überholten wir unseren Train, der sich nur sehr langsam und mit Schwierigkeiten kämpfend vorwärts bewegte, weil die eben erst eingefangenen Mustangs sich, an das Tragen von Lasten nicht gewöhnt, jeden Augenblick niederlegten, so dass unsere Weinvorräte, die Gewehre und der photographische Apparat in arge Gefahr kamen.

Zwei Stunden später erreichten wir ein kleines Tal, wo unter vielhundertjährigen Tannen und Kiefern, am Rand eines Bächleins im Shingle Creek das Lager aufgeschlagen wurde. Nach dem Abpacken der Pferde schritt man an das Aufstellen der Zelte, und bald entwickelte sich ein äußerst reges und fröhliches Leben; Bäume wurden gefällt. Holz gespalten, und in kürzester Zeit loderte ein mächtiges Feuer auf, an dem mehrere Mitglieder der Expedition ihre Kochkunst versuchen mussten, weil wir kein fachkundiges Individium angeworben hatten. Während tagsüber recht angenehme Temperatur geherrscht hatte, wurde es abends empfindlich kühl, weshalb wir recht nahe ans Lagerfeuer rückten.

Die der Lasten und Sättel entledigten Pferde weideten, in ein Rudel zusammengetrieben, das unter den Bäumen spärlich wachsende Gras ab; denn Körnerfutter erhalten die Tiere auch bei den größten Anstrengungen nicht. Überhaupt war die schlechte Behandlung, welche die Pferde durch die Indianer erfahren, auffallend; zu mangelhafter Fütterung trotz harter Anforderungen gesellten sich bei jeder Gelegenheit Fußtritte und Schläge, da der Indianer eben keine Liebe für seine Pferde zu besitzen scheint und sie nur so viel als möglich ausnützt. Wenn man demungeachtet und obgleich die Pferde schon in früher Jugend, oft als Füllen, Dienste leisten müssen, mitunter auffallend gute Exemplare findet und die Tiere im allgemeinen nicht nur reine Füße, sondern überhaupt kein schlechtes Exterieur besitzen, so spricht dies für die Rasse. Die Rothäute bedienen sich nicht immer eines Sattels; sie sitzen häufig nur auf einer Decke ohne Gurte und ziehen dem Pferd als Zaum bloß einen Strick durch das Maul oder begnügen sich mit einer Halfter, so dass es ein fremdartiges, stets fesselndes Bild ist, einen Reiter mit Hilfe derart primitiven Reitzeuges über Stock und Stein rasen zu sehen.

Seitwärts von uns lagerten die Indianer, welche mit ihrer Kochkunst rascher ans Ziel kamen als wir, da es uns noch an Übung fehlte und wir viel Zeit mit Versuchen verloren. Eine ungemein versalzene Suppe und ein ebensolches Gulyas, beides ein sprechender Beweis für die Richtigkeit des bekannten Sprichwortes, dass viele Köche den Brei versalzen, waren das heutige Ergebnis unserer kulinarischen Bildung; doch genossen wir dasselbe lachend und scherzend und saßen dann noch lange beim Lagerfeuer, welches gespenstige Lichter auf die alten Tannen warf, während die Sterne hell zu uns herniederfunkelten.

Derartige Expeditionen haben ihre eigenen Reize; denn man lernt, sich in jede Lage zu schicken, sich allenthalben selbst zu helfen und ist beständig bei Mutter Natur zu Gast. Wenn ich vor die Wahl zwischen einer offiziellen Reise, bei welcher nach endlicher Bewältigung einer langen Reihe von Empfängen und Feierlichkeiten ein vorzügliches Diner, ein bequemes Bett sowie aller erdenkliche Komfort winken, und einem fröhlichen Jagdzug, wie wir ihn derzeit unternehmen, gestellt bin, so werde ich mich wohl ohne Zaudern für letzteren entscheiden.

Für mich, meine Herren und die Diener war je ein Zelt bereitet worden; da aber das Zelttuch ganz dünn, ohne Doppellage und hauptsächlich darauf berechnet war, einem Pferd aufgeschnallt zu werden, so mussten wir uns gut in unsere Pelze einhüllen, um während der kühlen Nacht nicht zu frieren.

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Penticton—Shingle Creek, 12 September 1893

The news we received were good: They said that excellent successes would not fail to materialize. They even stated that a flock of 100 mountain sheep had been confirmed by the Indians and a man had been ordered to keep track of that rare game. Faced with such exaggerated promises I have learned by the experience of various hunting expedition failures among different peoples to be very cautious as the actual results have taught me every time that the proclaimed abundance of game was often far from reality.

It had been decided to send the baggage — rifles, tents, provisions and the most necessary clothes — ahead just at the break of dawn packed on horses while we wanted to follow towards 10 o’clock in the morning. Unfortunately here too punctuality seemed to be an unknown virtue, as when I left my cabin after 9 o’clock neither pack horses nor Indians were to be seen. Finally individual redskins appeared, riding totally unhurriedly, and Mr. Ellis too, the only owner of property in this region, who was responsible for the supply of horses and Indians acting as guides and hunters did not seem eager and was quite disconcerted about our whole expedition. This Mr. Ellis, born in Scotland, owns the whole surrounding area, including thousands of square kilometers. All the Indians living in the vicinity are in some sort of vassal relationship to him and he loves to feel and show himself as the king of this small country. With suspicious eyes does he observe the advances and successes of the Canadian Pacitic railway company into this endless wilderness where he up to now had been the unique ruler and could act as he pleased during the last 28 years. This makes it understandable that he considers every stranger as an intruder. His disapproval extended thus upon us too. We had however to grin and bear it as we were fully dependent upon him to supply men and horses and had to ask the mighty man with keen requests and beautiful phrases. Towards 10 o’clock the train column finally was ready and took off into the mountains under the command of our travel organizer and Hodek. Multiple Indians who had burdened their animals with almost unbelievable loads followed driving the animals in front of them with their lassos.

In a suitable relation to the delay of the baggage train our own horses also arrived only after 11 o’clock so that lmhof had all the time necessary to take down one of the four ospreys that were flying around our ship with a lucky shot. The death of one among their midst did have little effect upon his comrades who continued again and again to fly around us. But we could not pay them further attention as we were bound to depart.

Everybody chose one of the not really beautiful but strong Indian horses and strove to get as well acquainted with the Mexican saddle as possible, an instrument of torture that made sitting in no way comfortable and put off even a passionate rider from a long ride. The high saddle rack where there is a knob in front to attach the lasso forces the rider to sit very stiffly at the front of the saddle prong in the manner of the so called „old Hussar seat“ which I hated intensely. The side extensions were only six inches wide and are attached not to the saddle but hang from the stirrup straps; the stirrups themselves are large and without form. The saddle is attached with belts similar to our lady saddle. The horses use bits of the most different imaginable kinds among the individual horses.

Our guides who were set to act as our hunters tomorrow were pureblood Indians and mixed bloods from the Okinagan tribe of about 150 heads who lived in the surrounding areas and are said apparently to be distinguished by their industry and good behavior. Also almost all have converted to the Catholic faith. Two cowboys who accompanied us too were clad just like the Indians. They wore broad-rimmed felt hats, wool shirts and long fringed leather trousers, leather moccasins and strangely also thick leather gloves that reminded of fencing gloves made out of deer leather and were decorated with flashy stitched designs.

Our caravan now started from the edge of the wet low-lying lake shore to the farm of Mr. Ellis who gave here the necessary instructions to the Indians. The farm consist of multiple small houses and barns and is very prettily situated under tall trees in a friendly green valley surrounded by meadows and individual fields at the shore of Okinagan river whose especially clear waters were quickly flowing past. Mr. Ellis is mostly occupied with raising cattle and horses that spend all year high in the mountains in a half-wild life. A large percentage of animals is lost due to falls or become victims of bears so that one can discover carcasses of dead animals everywhere. But at least it must be profitable for Mr. Ellis as he incurs almost no costs for sustaining his herds.

Up to the highest spot of the steepest mountain slopes one sees the animals climb up that combine to larger herds at streams and other places were drinking water is available. I was astonished to a high degree about the good appearance of the herds as I had assumed that the animals would not find sufficient fodder in the burnt and dried ledges. But nature has provided for them as between the fallen tree trunks there were many Alpine herbs and in the lower areas grew an unremarkable blue-grey plant that especially during wintertime supplies the cattle with a healthy and highly sought fodder. If a farmer needs to sell a larger number of cattle or horses, he sends out his mounted cowboys and Indians into the mountains where they catch the required number of animals and drive them down to the valley.  The cultivation of fields is only done to fulfil the demands of the farms. When we asked Mr. Ellis whether he is growing wheat too he affirmed with the addition that he did only for the sake of his chickens.

On the opposite river shore we entered into the Indian village that consisted partly out of huts partly of wigwams, that are tents. The former are simple log houses covered by grass tiles. The latter are distinguished only by the chaos ruling in their interior. The main source of income is raising cattle that is performed like the farmers and is said to have allowed individual Indians to amass notable fortunes. Around the huts are small fields and even fruit garden where we saw to our surprise trees carrying very many fruits.

On a narrow cattle track leading along the ledges we rode towards the mountains. This part of our journey was rather monotonous as the conifers were mostly pine trees that stood at a large distance on the yellow sandy ground and never built a close forest. Only after some time we came to a narrow valley where we had a beautiful view upon the distant mountain ranges. Many deeply cut gorges where clear streams offered horses and riders a welcome refreshing drink had to be passed. Due to the bad narrow tracks we could mostly only ride at a walk and only on some small high plains was it possible to gallop for a short time. Our keen watch for game was unsuccessful, as we discovered nothing except some falcons and representatives of some grey-black chicken species. In contrast the view of the region was again more agreeable and illuminated by the glint of the setting sun a dense forest was showing itself off to us. Soon we had overtaken our train that moved forward only slowly and with difficulties as the just caught mustangs were not used to carrying burdens and lay down at any moment so that our wine reserves, the rifles and the photographic apparatus were in great danger.

Two hours later we reached a small valley where our camp was set up under fir and pine trees many hundreds of years old at the edge of a small stream at Shingle Creek. After unpacking the horses the tents were pitched and soon there developed a very active and happy life. Trees were felled, wood split and in no time a mighty fire was burning at which multiple members of the expedition had to try their skills in cooking as we had not engaged an expert for the expedition. While the temperature during the day had been quite agreeable, it became quite cool in the evening. That’s why everyone crowded quite close around the camp fire.

The horses unloaded from their burdens and saddles and driven together into a herd grazed under the trees eating the sparse grass. These animals did not receive any grain fodder despite the great exertions. Overall, the bad treatment the horses had to experience from the Indians was notable.  To the inadequate feeding despite hard work one has to add foot kicks and hits at every opportunity as the Indian did not seem to show any love towards his horses and only exploits them as much as possible. If one can find despite this and even though the horses are forced to serve from a very young age among them still remarkably good specimens and the animals have not only clean feet but also not a bad exterior, this speaks for the quality of their race. The redskins not always make us of a saddle. They often sit upon only a blanket without a belt and only pass a rope through the mouth of the horse as a bridle or limit themselves to a halter so that it is a strange attractive sight to see a rider dash across the ground with only such a primitive riding equipment.

To our side the Indians had made their camp. They achieved the goal of their cooking faster than we as we did not have the necessary practice and we lost much time experimenting. A truly oversalted soup and goulash, both a demonstrative proof of the well known saying that  too many cooks spoil the broth. This was the result and lesson for our culinary education today. But we enjoyed it nevertheless with a smile and joking and sat together at the camp fire for a long time. The fire cast ghost-like lights upon the old fir trees while the stars were clearly twinkling down upon us.

Such expeditions have their one charms. As one learns to accept every situation and to help oneself on one’s own and is a guest of mother nature at any moment. If I had the choice between an official voyage where an excellent dinner, a comfortable bed as well as all comforts imaginable would await after finally having completed a long row of receptions and festivities on the one hand and a happy hunting trip as we are undertaking now on the other hand, so I would decide myself without hesitation for the latter.

For me, my gentlemen and the servants one tent for each had been set up. As the canvas was very thin and without a double fold and mainly intended to be laid on a horse, we had to wrap ourselves well in our furs in order not to freeze during the cold night.

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  • ANNO – on 12.09.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is closed for summer until 15 September. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera „Romeo und Julie“.

Penticton, 11 September 1893

Awakened and looking out of the window of our compartment we saw that the countryside had taken on a different character: our eye was no longer looking upon giant mountains and glaciers but glanced over rolling low mountain ranges, long-winded densely wooded ridges above valleys in which wood lots alternated with cultivated areas and numerous farms demonstrated a certain level of wealth in this region. Various lakes enlivened the view all the more by the presence of game, namely geese, ducks and grebes. If one may call the Rocky Mountains as romantic wild then this landscape deserves the commendable epithet „delightful“.

Unfortunately we could not enjoy this sight for long. Soon the forest grew more sparsely and dry yellow grass covered the bare looking slopes. We still continued to drive past many lakes but missed the fresh green that we had earlier found so congenial.

In Sicamous we switched onto the tracks of the only recently opened branch line of Sicamous to Vernon. The latter final station is situated at Lake Okinagan that extends similar to a river for 121 km in a Southern direction across the land. At Priests‘ Landing we changed from the carriages to the wild stern wheeler „Aberdeen“. Our cabins were on its upper level. The vehicle is also owned by the Canadian Pacific railway and it achieves a speed of 12 knots if it is only burning wood.

„Aberdeen“ started moving, its mighty wheel stirred the water masses and we steered out onto the lake that was smooth as glass. The day was gorgeous. The sun was shining upon us and provided pleasant warmth. The especially clear air allowed us to distinguish every detail on both shores of the not very broad lake. The surrounding low mountain range was only sparsely wooded, partly in large areas that are said to be in a luxurious green in spring but now were covered with yellow grass. Numerous herds were grazing on the slopes. I could unfortunately not enjoy much of the beautiful journey. I was feeling unwell due to a severe cold and thus had to lie down in my cabin during most of the journey. Only from time to time I managed to catch a glance of the surrounding area through a small window.

The journey took six hours to Penticton at the Southern end of the lake. There soon would be constructed a railway connection to the North Pacific railway of the United States but in the mean time there is only demarked the space of the future station and a wooden hotel is under construction. With respect to the projected railway construction and the predicted rapid growth of the future „town“ of Penticton the Canadian Pacific railway company already offers now a daily connection by steamboat albeit at a loss only in order to uphold the first mover right of shipping on Lake Okinagan and pre-empt any potential competitors. At the moment only rarely does a passenger use the line, most often a hunter or squatter. On our journey too we had only two fellow passengers. The American entrepreneurial spirit does not shy away from spending important sums if profits can be expected in the future.

Until late in the evening everything for our planned hunting expedition to the Gold Range was discussed, determined and prepared.

Links

  • Location: Penticton, Canada
  • ANNO – on 11.09.1893 in Austria’s newspapers. Empress Elisabeth is currently staying incognito as „Countess Hohenems“ in Venice’s Hotel Europa while her husband the Emperor is visiting Hungary.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is closed for summer until 15 September. The k.u.k. Hof-Operntheater is performing the ballet „Die goldene Märchenwelt“.