Sydney, 16. Mai 1893

Der jüngste Kontinent wollte die Söhne der alten Welt nicht bei schlechtem Wetter empfangen; denn als ich um halb 7 Uhr morgens auf Deck kam, fand ich den Himmel klar und heiter; die Sonne war eben im Aufgehen begriffen; die See hatte sich einigermaßen beruhigt; verschiedenartige Möven und Seeschwalben, sowie große Alken oder Pinguine umschwärmten unser Schiff, welches sich der Einfahrt nach Sydney, Port Jackson, näherte. Der Tag war prächtig, doch herrschte so niedrige Temperatur, dass wir warme Mäntel wohl vertragen konnten. Aus weiter Ferne blicken uns schon die beiden Caps oder Halbinseln — Outer North and South Head — weiß leuchtend entgegen, zwischen welchen hindurch die Fahrt in den Hafen geht; diese Halbinseln fallen mit steilen Felswänden und Klippen scharf ins Meer, und schäumend bricht sich die Brandung an ihren Ufern; Hunderte von Felsen- und Mauerschwalben umkreisen da zwitschernd ihre Nistplätze. Outer South Head trägt einen Leuchtturm; die Einfahrt ist reich an grellen Direktions-Obelisken. Auf einem kleinen Dampfer kam uns der Lotse entgegen, um die Stelle unseres alten Kapitäns von Port Kennedy einzunehmen.

Alle Häfen, die ich bisher gesehen, werden an landschaftlicher Schönheit durch jenen von Sydney übertroffen — eine Ansicht, die auch die anderen Herren teilten, welche denselben zum ersten Mal sahen.

Trotz mancher begeisterten Schilderung von Port Jackson, die uns gegeben worden, überraschte uns die Szenerie, welche sich hier dem Auge darbot, und von Minute zu Minute wuchs unser Erstaunen, unsere Bewunderung.

Nach Passierung der genannten Vorgebirge tritt das Schiff in einen engen Kanal, wendet dann scharf gegen Südwest — und nun liegt ein reizender Sund vor uns. In der Ferne schimmert das Häusermeer von Sydney, rechts und links öffnen sich kleine Baien, umrahmt von grünenden, mit Bäumen bedeckten Hügeln, die mit zahllosen Villen und Landhäusern, deren Gärten trotz der kalendarischen Herbstzeit im Blütenschmuck prangen, besäet sind und so ein äußerst lebendiges, heiteres Bild darstellen. Die Baien sind bevölkert von Dampfern, Yachten und Booten aller Art, deren Insassen der einfahrenden „Elisabeth“ Grüße zuwinken. Wahrlich, Australien hätte uns einen freundlicheren Empfang nicht bereiten können! Wir alle erblickten hierin ein gutes Vorzeichen für unseren Aufenthalt, dem wir in gehobener Stimmung entgegensahen.

Nicht wenig trug zu dem gewinnenden ersten Eindruck die herrlich klare, kühle Luft bei, die uns erfrischend umwehte, — doppelt willkommen nach dem drückend heißen, feuchten Klima Javas, das auf Geist und Körper gleich erschlaffend wirkt.

Unsere freudige Stimmung wurde aber noch wesentlich dadurch gesteigert, dass der deutsche Generalkonsul Pelldram, welcher derzeit auch mit der Vertretung Österreich-Ungarns betraut ist und uns zur Begrüßung entgegengefahren war, drei Posten auf einmal überbrachte.

Die ganze Strenge, mit welcher die sanitätspolizeilichen Vorschriften, namentlich gegen die aus Batavia kommenden Schiffe, gehandhabt werden, hatten auch wir zu empfinden; denn wir mussten bis zur Konstatierung des Gesundheitszustandes in der Watson Bay vor Anker gehen — ein Aufenthalt, den zu bereuen wir keine Ursache hatten, weil wir mit Entzücken an der Landschaft hingen, die uns umgab.

Nachdem wir freie Prattica erhalten hatten, setzte die „Elisabeth“ die Fahrt längs der malerischen Ufer der Bai, deren Vorsprünge kleinere Forts und Batterien — von wie es schien untergeordneter fortifikatorischer Bedeutung — krönen, fort. Wir passierten noch Garden Island, mit dem Arsenal und den Werften der australischen Kriegsflotte sowie die Woolloomooloo Bay und gingen dann in der zwischen Lady Macquarie’s Chair und Fort Macquarie gelegenen Farm Cove mitten unter den Kriegsschiffen der australischen Escadre an eine Vertäuboje.

Die Küstenverteidigung wird von in den australischen Gewässern stationierten Schiffen der britischen Kriegsflotte, von der Australian Auxiliary Squadron und von Kriegsfahrzeugen, welche Eigentum der Kolonien sind, besorgt. Kraft des Australasian Naval Force Act vom Jahre 1887 zahlen nämlich die australischen Kolonien eine jährliche Subvention von 1,092.000 fl. ö. W. an die britische Regierung, wofür diese die „Australische Hiitsflotte“ zu erhalten hat; überdies werden die von der britischen Regierung getragenen Baukosten der Schiffe dieser Flotte von den Kolonien mit 5 Prozent verzinst, doch dürfen die Zinsen den Betrag jährlicher 420.000 fl. ö. W. nicht überschreiten. Diese Hilfsflotte setzt sich aus 5 schnellen Kreuzern und 2 Torpedokanonenbooten zusammen und steht unter dem Befehl eines britischen Contre-Admirals, welcher außerdem die in den australischen Gewässern stationierte, aus Schiffen der britischen Kriegsmarine zusammengestellte Escadre kommandiert. Diese Escadre wird aus 1 Panzerschiff, 3 Kreuzern, 3 Kanonenbooten und 1 Schrauben-Yacht gebildet; die Hauptstation derselben ist Sydney. Die Kriegsflotte, welche den australischen Kolonien gehört, besteht im ganzen aus: 1 Panzerschiff, 2 Kreuzern, 4 Kanonenbooten, 13 Torpedobooten, 2 Torpedobarkassen und 7 Dampfern; die Mehrzahl dieser Schiffe entfällt auf Victoria und Queensland, während Neu-Seeland kein Kriegsschiff besitzt.

Uns zunächst lag das stolze britische Admiralsschiff, der Panzerkreuzer „Orlando“, mit 5600 t; diesem reihten sich der Kreuzer „Royalist“ und von der Australian Auxiliary Squadron der Kreuzer „Mildura“ nebst dem Kanonenboote „Boomerang“ sowie das der Kolonie Queensland gehörige Kanonenboot „Paluma“, welches auf gemeinsame Kosten der Kolonie und der britischen Regierung zur Küstenvermessung verwendet wird, an. Auf diesen Schiffen erklang, von dem Donner der Geschütze begleitet, unsere Volkshymne.

Es währte nicht lange, so erschienen der Lieutenant Governor Sir F. M. Darley, von seinem Adjutanten und Kabinetssekretär begleitet, und bald nachher der Kommandant der königlichen Escadre, Contre-Admiral Bowden-Smith, sowie der Bürgermeister von Sydney, Mr. Manning, an Bord, um mich zu begrüßen. Der Gouverneur selbst war nach nur zweijähriger Dienstzeit nach England abberufen worden; sein Nachfolger soll demnächst eintreffen. Zahlreiche Landsleute, namentlich Istrianer und Dalmatiner, die in Sydney ihrem Erwerb nachgehen, fanden sich auf der „Elisabeth“ ein, um Freunde und Bekannte zu suchen und zu finden.

Die Disposition für die nächsten Tage war bald getroffen, dann brachte mich ein Boot ans Land, den Boden der Kolonie Neu-Süd-Wales zu betreten und deren Kapitale, die älteste Stadt Australiens, zu besichtigen.

Sydney, welches an der Südküste der tief in das Land einschneidenden Jackson-Bucht liegt, erstreckt sich — durch die Anzahl und Mächtigkeit seiner Gebäude imposant — über eine Reihe von Hügeln hin, um allmählich in Villeggiaturen überzugehen und sich so in das Grün der Landschaft zu verlieren. 1788 als Sitz der Strafkolonie Neu-Süd-Wales gegründet, hat Sydney — ursprünglich Port Jackson, dann dem Staatssekretär Viscount Sydney zu Ehren mit dessen Namen belegt — namentlich in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung genommen. Das Anwachsen der Bevölkerung Sydneys wird am besten durch die folgenden Zahlen illustriert: im Jahre 1800 hatte Sydney kaum 2600 Einwohner, im Jahre 1861 95.596, im Jahre 1881 schon 237.300, am 31. Dezember 1892 einschließlich der Vororte bereits 411.710 Einwohner.

Als Handels- und Industrieplatz von großer Bedeutung, verdankt Sydney seinen Aufschwung hauptsächlich der Sicherheit und Geräumigkeit seines Hafens, über welchen mehr als drei Viertel der Gesamteinfuhr und mehr als die Hälfte der Gesammtausfuhr der Kolonie Neu-Süd-Wales ihren Weg nehmen. Hier sind im Jahre 1892 2960 Schiffe mit 2,804.549 t eingelaufen und 3067 Schiffe mit 2,842.635 t ausgelaufen; die Einfuhr der Kolonie repräsentierte in diesem Jahr einen Gesamtwert von 249,318.312 fl. ö. W., die Ausfuhr einen solchen von 263,666.964 fl. ö. W.

Das Boot landete unterhalb des Government House bei Fort Macquarie, von wo aus der Weg einen Quai entlang in die Stadt führt. An diesem Quai herrscht überaus reges, geschäftliches Leben, da hier die großen Dampfer der Peninsular and Oriental Steam Navigation Company sowie jene der Messageries maritimes vertäut werden und sich in nächster Nähe die vielstöckigen Magazine befinden, in welchen ununterbrochen Wollballen und Felle aus- und eingeladen werden. Vom Quai aus durchschneiden die zwei Hauptstraßen und Verkehrsadern Sydneys, George Street und Pitt Street, von Nord nach Süd parallel laufend, das Innere der Stadt. Obschon viele Straßen im rechten Winkel geführt sind, fällt diese monotone Regelmäßigkeit moderner Stadtanlage wenig auf, weil Sydney auf Hügeln situiert ist, was beständige Abwechslung in den Straßenzügen mit sich bringt.

Unter den öffentlichen, durchwegs aus Stein erbauten Gebäuden, an denen Sydney so reich ist, nenne ich als die hervorragendsten: die Universität, ein kolossales, mit einer grandiosen Halle ausgestattetes Bauwerk in gotischem Stile, welches sich am Nordende des schönen Victoria-Parkes erhebt, die Kathedrale und die neuerbaute katholische Marien-Kirche, das prächtige Stadthaus (Town Hall), das palastartige, mit Kolonnaden und einem hohen Turm geschmückte Post Office, das nächst dem Hydepark gelegene Museum und endlich das Parlamentshaus.

Hübsche Häuser, vielfach mit Balkonen und Veranden versehen, in den Erdgeschossen Kaufläden enthaltend, worin europäische Artikel feilgehalten werden, säumen die macadamisierten Straßen ein, in denen eine geschäftige Menge auf und nieder wogt. Die Straßen machen einen großstädtischen und dabei anheimelnden, freundlichen Eindruck; nicht zum wenigsten, weil der Ankömmling sich in eine europäische Stadt versetzt wähnt, da er nur weißen Gesichtern begegnet, darunter auffallend vielen schönen Frauen und Mädchen — ein wohltuender Anblick nach der farbigen und von unserem Standpunkt aus nicht eben anziehend zu nennenden Physiognomie der Eingeborenen jener Länder, die wir kürzlich besucht hatten.

In den Straßen herrscht, wie dies für Sydney, als einen so bedeutenden Handelsplatz, wohl begreiflich ist, lebhafter Wagenverkehr, an dem ich nur auszusetzen finde, dass man hier die Londoner Cabs eingeführt hat, schnelle, aber für die Insassen unbequeme, ungemütIiche Gefährte.

Bei den Einkäufen, welche wir zu besorgen hatten, wurde ganz nach europäischer Art vorgegangen; die Abwicklung der Geschäfte vollzog sich glatt und rasch, und wir waren angenehm berührt, nicht mehr, wie in Bombay, Calcutta, Singapur und Batavia, stundenlang suchen und feilschen zu müssen.

Sodann stattete ich dem Lieutenant Governor einen Besuch im Government House ab, das, im Tudor-Stil erbaut, sich innen durch die vornehm ruhige Eleganz der Einrichtung auszeichnet. Sir F. M. Darley, welcher des Deutschen einigermaßen mächtig ist, wodurch die Konversation wesentlich erleichtert wurde, zeigte mir den Garten des Palais, von welchem aus sich ein reizender Ausblick auf den Hafen und die gegenüberliegende Mossmans Bay mit dem Villenviertel St. Leonards darbietet. Der Garten ist wohlgepflegt und enthält eine reichhaltige Sammlung australischer Baum- und Straucharten.

Der nächste Besuch galt.— ich leide an der Museomanie — dem Museum, das, in einem imposanten Bau untergebracht, durch Reichhaltigkeit, richtige Anordnung und gute Konservierung der Objekte ausgezeichnet ist. Da mich zunächst die spezifisch australischen Formen interessierten, wandte ich mich den Säugetieren zu, um namentlich die eigentümliche Klasse der Beuteltiere zu studieren. Unter den gut ausgestopften Tieren waren die verschiedenen Känguruh- und Wallaby-Arten, vom Riesenkänguruh bis zum allerliebsten Felsen-Wallaby (Petrogale penicillata), die Beutelratten, die fliegenden Eichhörnchen, verschiedene Beutelmarder- und Kusuarten, der australische Beutelbär, der Wombat, der Dugong, der wilde Hund Dingo oder Warragal und das Schnabeltier vertreten.

Die Ornis Australiens ist vollzählig versammelt; hervorgehoben zu werden verdienen: der neuholländische Kasuar oder Emu; der seltene Leierschwanzvogel; die zahlreichen, ungemein intensiv und bunt gefärbten Kakadu- und Papageienarten, sowie die Gruppe der Sumpf- und Wasservögel, welche manche mir noch unbekannte Spezies aufwies. An Raubvögeln und Hühnerarten scheint Australien, nach dem Überblick, den ich im Museum gewann, zu urteilen, arm zu sein, während die Ordnung der Tauben schöne Formen umfasst. Je ein Exemplar jeder Vogelart ist gut ausgestopft in einem Glasschrank untergebracht; hingegen werden Tausende von Bälgen in Truhen aufbewahrt, um gelegentlich als Tauschobjekte Verwendung zu finden.

Außerdem besitzt das Museum eine reiche Sammlung von Korallen und Muscheln, von Käfern und Schmetterlingen und endlich eine solche ethnographischer, von dem Kontinent und den Inseln Australiens stammender Gegenstände, deren Besichtigung ich jedoch einem zweiten Besuch vorbehielt.

Inzwischen war es 5 Uhr geworden, die Stunde, zu welcher in den Straßen Sydneys lebhafteste Bewegung herrscht, da die Einwohner der Stadt um diese Zeit sich im Freien zu ergehen pflegen.

Diesem Beispiel folgend, schlenderten wir im Hydepark und in der George Street umher, bis die Uhr zur Table d’hote im Australian Hotel, an welcher ich teilzunehmen beabsichtigte, rief.

Dieses, in sechs Stockwerken sich auftürmende Riesengebäude ähnelt in der Anlage, in den Dimensionen und den Einrichtungen den englischen und amerikanischen Hotels, jedoch mit dem angenehm berührenden Unterschied, dass man nicht bloß auf englische Küche mit Roastbeef und verwässerten Gemüsen angewiesen, sondern mit Speis und Trank gut versehen ist. Die Table d’hôte vereinigte in einem großen Saal eine zahlreiche Gesellschaft; die Herren waren, nach englischer Sitte, im Frack, die Damen in großer Toilette, zumeist sogar decolletiert erschienen. Wenig Rühmenswertes lässt sich der Tafelmusik nachsagen, welche von einigen Künstlern bestritten wurde, die ihren Instrumenten greuliche Töne entlockten.

Da das, wie man sagt, durch gute Vorstellungen sich auszeichnende Operettentheater geschlossen war und ein Zirkus tags zuvor Sydney verlassen hatte, erübrigten uns als Stätten lang entbehrten „künstlerischen“ Genusses nur — zwei Singspielhallen, „Tivoli“ und „Alhambra“, in denen sich Volkssänger, worunter auch Neger, und Tänzerinnen vor einem Publikum produzierten, welches seinem Beifall nach Landessitte durch schrilles Pfeifen Ausdruck gab und nicht eben sehr gewählt war; es bestand größtenteils aus Arbeitern, Matrosen und Geschäftsleuten geringerer Kategorie.

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  • Ort: Sydney, Australien
  • ANNO – am  16.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während da k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet “Die goldene Märchenwelt” aufführt.

In See nach Sydney, 15. Mai 1893

Mittags sind wir mit südwestlichem Kurs östlich von Smoky Cap und hoffen den nächsten Morgen in Sydney einzulaufen. Alles an Bord freut sich schon zum voraus der zehn Tage, die wir auf dem australischen Festland verbringen sollen. Diese Frist ist zum mindesten erforderlich, damit die Maschine und die Kessel gereinigt werden können.

Jedermann beseelt die bald nur heimlich genährte, bald laut ausgesprochene Hoffnung, dass unser in Sydney lang vermisste Nachrichten aus der Heimat harren werden. Ein wahrer Nachrichtenhunger hat uns befallen, da wir in der letzten Zeit postalische Entbehrung gelitten hatten. In Indien schon war eine fällige Post ausgeblieben und das gleiche Schicksal war uns in Singapur und in Batavia beschieden gewesen. Um übrigens keine Korrespondenzschuld auf uns zu laden, widmen wir uns in der Voraussicht, dass wir einem reichhaltigen, die Zeit ausfüllenden Programme entgegengehen, der Vollendung der für die Heimat bestimmten Briefe. So wollen wir den Aufenthalt auf australischem Festland mit der Absendung von Grüßen nach unserem lieben alten Kontinent beginnen.

ENDE DES ERSTEN BANDES

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  • Ort: nahe Sydney
  • ANNO – am 15.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Kriemhilde”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Fidelio” aufführt.

At Sea to Sydney, 15 May 1893

At noon we are East of Smoky Cape in a South-Western direction and hope to arrive the next morning at Sydney. Everyone on board has been looking forward to spend the next ten days on the mainland. This delay was the minimum necessary to clean the machines and the boilers.

Everyone is filled with hope both hidden and openly expressed that in Sydney the long missed messages from home will be waiting for us. A real hunger for news has taken possession of us who has lately had to endure postal deprivation. In India already some of the expected mail had not been delivered and the same fate struck us in Singapore and Batavia. In order to not create any arrears of correspondence, by the way, and in forethought that we would have a rich, time-consuming program we devoted time to complete the letters intended to be sent home. Thus we want to start our journey on the Australian mainland by sending out greetings to our  dear old continent.

END OF VOLUME I.

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  • Location: approaching Sydney
  • ANNO – on 15.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Kriemhilde“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Fidelio”.

In See nach Sydney, 14. Mai 1893

Der Himmel war stark bewölkt; über dem Land standen dichte. schwarze Wolkenstreifen. Die Temperatur war sehr gefallen; die See ging hohl, so dass die Rollbewegungen immer intensiver wurden und die Fahrt sich recht ungemütlich gestaltete.

Nachts hatten wir das Sandy Cap umschifft und nahmert von hier ab südlichen Kurs. Backbord haben wir offene See, steuerbord erscheint die Küste mit vereinzelten Bergen und Hügeln, deren manche absonderliche Formen aufweisen, wie die Glass House-Berge mit ihren spitzen Kegeln.

Abends kommen wir auf der Höhe von Brisbane, der Hauptstadt von Queensland, an der Moreton-Insel vorbei.

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  • Ort: nächst Moreton Island bei Brisbane
  • ANNO – am  14.05.1893 in Österreichs Presse. Das Wiener Salonblatt vermeldet FFs Abreise am 9. Mai von Thursday Island in Richtung Sydney.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Uriel Acosta”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Carmen” aufführt.

At Sea to Sydney, 14 May 1893

The sky was very cloudy; over the land there were dense black bands of clouds. The temperature had dropped markedly. The sea was rough so that the pitching became more and more intensive and the journey proved to be quite uncomfortable.

During the night we had driven around Sandy Cape and took a Southern course from there. Portside was the open sea, starboard the coast with some mountains and hills some of which with peculiar forms such as the Glass House mountains with their  pointy cones.

In the evening we passed by Moreton island on the latitude of Brisbane, the capital of Queensland.

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  • Location: near Moreton Island
  • ANNO – on  14.05.1893 in Austria’s newspapers. The Wiener Salonblatt of 14 May mentions that FF has departed Thursday Island on the 9th in the direction of Sydney.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing the tragedy „Uriel Acosta“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Carmen”.

At Sea to Sydney, 13 May 1893

In otherwise calm weather the sea was choppy so that „Elisabeth“ was pitching. These movements seemed to be caused by a high sea coming from the East. We saw the Northumberland and Percy islands, very stony islands that reminded me of Dalmatia with their steeply descending rocky shore and sparse vegetation. At noon we are opposite Port Clinton which we can only recognize as a line on the horizon. The great coral Harrier Reef that up to now has accompanied us on backboard and provided good cover against wind and sea is leaving us behind. We are now in the open sea that was by and by getting calmer. Towards 8 o’clock in the evening we crossed the tropic of Capricorn and passed the group of the Capricorn islands. Late at night the lights from Lady Elliot island are blinking at us.

During the day I had the opportunity to observe a richer wildlife than before. Dolphins appeared and played around the bow of the ship — some bullet shots fired at them proved ineffective — frigate birds and various sea gulls presented themselves; among the latter one of a species I did not know, black-brown with noticeably large and pointed wings. In an elegant flight this sea gull circled around the ship and suddenly dove into the waves to re-emerge with a skillfully caught prey.

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  • Location: near Lady Elliot Island
  • ANNO – on  13.05.1893 in Austria’s newspapers. The Sultan of Johore whom Franz Ferdinand had just visited during his stay in Singapore is now in Vienna. A small world.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die kluge Käthe“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Das goldene Kreuz”.

In See nach Sydney, 13. Mai 1893

Bei sonst ruhigem Wetter ist die See bewegt, so dass die „Elisabeth“ stampft. Diese Bewegung scheint der Ausläufer einer hohen, von Osten kommenden See zu sein. Wir sichten die Northumberland und Percy-Inseln, sehr steinige Eilande, welche durch die steil abfallenden Felsufer und die spärliche Vegetation wieder die Erinnerung an Dalmatien wachrufen. Zu Mittag sind wir gegenüber von Port Clinton, das wir nur als eine Linie am Horizont erkennen. Das große Korallen-Harrier Reef, welches uns bis jetzt stets backbord begleitet und einen guten Schutz gegen Wind und See gebildet hat, verlässt uns: wir befinden uns in freier See, die allmählich ruhiger wird. Gegen 8 Uhr abends überschreiten wir den Wendekreis des Steinbockes und passieren die Gruppe der Capricorn-Inseln. Spät nachts blinkt uns das Feuer von der Lady Elliot-Insel entgegen.

Im Lauf des Tages hatte ich Gelegenheit, eine reichere Tierwelt als bisher zu beobachten; Delphine erschienen und umspielten den Bug des Schiffes, — einige auf sie abgegebene Kugelschüsse blieben erfolglos — Fregattenvögel und verschiedene Möwen zeigten sich; unter letzteren eine solche von mir unbekannter Art, schwarzbraun gefärbt, mit auffallend langen und spitzen Flügeln; in elegantem Flug umkreiste diese Möwe das Schiff und stürzte plötzlich in die Wogen, um mit einem geschickt erhaschten Fang wieder emporzuschnellen.

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  • Ort: nächst Lady Elliot Island
  • ANNO – am  13.05.1893 in Österreichs Presse. Der Sultan von Johore, den Franz Ferdinand besucht hat, ist in Wien eingetroffen.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Das goldene Kreuz” aufführt.

In See nach Sydney, 12. Mai 1893

Bei schönstem Wetter fuhren wir stetig weiter. Früh morgens passierten wir die Palm-Inseln, in der Halifax Bay späterhin die Insel Magnetic und das mit einem Leuchtfeuer geschmückte Cap Cleveland. Der Mittagspunkt lag heute östlich von Cap Bowling. Die Küste tritt nunmehr zurück und nur in undeutlichen Konturen erscheinen uns die Berge und Hügelketten.

Gegen Sonnenuntergang nähern wir uns wieder dem Festland und fahren nahe an der Insel Gloucester vorbei, einem ziemlich großen, bergigen Eiland, das uns schon in der Ferne durch seine dichte und reiche Vegetation aufgefallen war; näher gekommen, erkennen wir einen ganzen Wald der schönen Araucaria Cunninghamii und Bidwillii, — dieser echt queensländischen Coniferen — die mit ihren dunkelgrünen, weit ausladenden Ästen die Hänge bedecken. Mit Freude begrüßen wir nach langer Zeit das erste Nadelholz, den deutlichsten Beweis, dass wir uns immer mehr aus der tropischen Region entfernten.

Noch bei genügender Beleuchtung, die alles in violettem Dunst erscheinen lässt, passieren wir die landschaftlich reizende Whitsunday Durchfahrt mit den Inseln Hook und Whitsunday. Das hell strahlende Licht eines Leuchtschiffes erleichtert die Navigation. In der Nacht steuern wir an den Cumberland-Inseln vorbei.

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  • Ort: nächst Cumberland Island
  • ANNO – am  12.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Das Hochzeitsnest”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “DIe Jüdin” aufführt.

At Sea to Sydney, 12 May 1893

We continued our journey in the most beautiful weather. Early in the morning we passed by the Palm islands, then in Halifax Bay Magnetic island and Cape Cleveland with its decoration of a beacon. At noon we were East of Cape Bowling. The coast is now retreating and mountains and mountain ridges are only visible as faint contours.

Towards sunset we approached the mainland again and drove past Gloucester island, a fairly large hilly island that we had already noticed from afar due to its dense and rich vegetation. Up close we recognize a complete forest of beautiful Araucaria Cunninghamii and Bidwillii — these true pines from Queensland — that cover the slopes with their wide dark-green branches. With joy we greet the first  conifers after a long time, a clear proof that we were more and more departing the tropical region.

Still with sufficient daylight that turned everything into a purple mist we passed through the lovely scenery of Whitsunday passage with the islands of Hook and Whitsunday. The bright light of the light beacon ship facilitates navigation. During the night we passed by the Cumberland islands.

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  • Location: near Cumberland Island
  • ANNO – on  12.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Das Hochzeitsnest“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “DIe Jüdin”.

In See nach Sydney, 11. Mai 1893

Lizard Island hat ebenfalls von einem Überfall Weißer durch Eingeborene zu erzählen. Vor acht Jahren hatte sich ein englischer Fischer mit Frau und Kind und einer kleinen Anzahl Diener auf der ganz unbewohnten Insel niedergelassen. Als einst der Mann dem Fischfang oblag, überfielen Eingeborene, die wahrscheinlich vom Festland herübergerudert waren, die Ansiedlung, in welcher sich die Frau mit den Dienern einige Zeit wacker verteidigte. Endlich flüchtete sich die Bedauernswerte mit ihrem Kind und einem Diener in eines der großen blechernen Wassergefäße, die zum Auffangen des Regenwassers dienten, stieß vom Land ab und schwamm so in die See. Nach längerem umhertreiben wurden die unglücklichen auf die kleine Insel Coquet geworfen, wo sie elend den Hungertod starben. Seit dieser traurigen Episode ist die Insel Lizard wieder unbewohnt.

Nach 5 Uhr wurden die Anker gelichtet und die Inseln Direction und Wooded, sowie die Two- und Three-Islands, ferner die Caps Flattery und Bedford passiert. Die Küste, welche wir ganz deutlich zu Gesicht bekamen, da wir uns sehr nahe an dieselbe hielten, nahm hier einen etwas anderen Charakter an, als jene zeigte, die wir in den letzten Tagen beobachtet hatten. Höhere Berge tauchten auf, die teils dicht bewaldet waren, teils an ihren Abhängen nur mit Gras bewachsene oder kahle Flächen aufwiesen. Manchmal zeigten sich auch, wie schon an den Vortagen, Schneefeldern gleichende, weiße Sandflächen. Viele der Berge dürften wohl vulkanischen Ursprunges sein; sie ragen steil aus der See empor, wie der 1090 m hohe, beim Cap Tribulation gelegene Peter Botte, der von weitem einem spitz zulaufenden Termitenhügel ähnelt.

Während bisher die Küste keinerlei Spuren menschlicher Ansiedlung gezeigt hatte, erblickten wir heute eine kleine Niederlassung, nämlich Cook Town mit seinem weithin sichtbaren Leuchtturm.

Wenige Meilen südlich Cook Towns erschienen auf zwei einander gegenüberliegenden Felsen, Archer Point und Rocky Island. Leuchtfeuer mit Signalstationen, welche, Schildwachen gleich, die hier schwierige Passage bei Nacht betreuen. Abermals eine kurze Strecke südwärts liegt ein historisches Riff, das Endeavour-Riff. Hier erlitt Cook auf seiner ersten Weltreise (1768 bis 1771), welche — ursprünglich von der Royal Geographica! Society angeregt, um in der Südsee den Durchgang der Venus zu beobachten — die Okkupation Ost-Australiens durch die britische Krone vorbereitet hat, im Jahre 1770 schwere Havarie. Er musste in der Bai, in welcher heute Cook Town liegt, längere Zeit verweilen, um das Leck seines wackeren Dreimasters „Endeavour“, eines Fahrzeuges von 350 Tonnen Gehalt und 85 Mann Besatzung, auszubessern.
Immer steiler und höher ragten die Berge an der Küste empor: namentlich die Kette der Heights of Dagmar bot uns schöne landschaftliche Bilder. Niederlassungen wurden häufiger. Bei Anbruch der Dunkelheit schimmerten uns die kleinen Häuser von Douglas und Cairns Harbour entgegen.

Wiederholt sahen wir hohe Rauchsäulen zum Himmel aufsteigen, die von Waldbränden herrühren, welche die Eingeborenen legen, um des vor dem Feuer flüchtenden Wildes, besonders der Känguruhs, habhaft werden zu können.

Eine Stunde nach Sonnenuntergang wurde bei Cap Grafton der Kurs gewechselt und bei den Inseln Fitzroy und Frankland vorbei genommen, bis gegen Mitternacht die Lichter von Johnstone River in Sicht kamen.

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  • Ort: nächst Frankland Island
  • ANNO – am  11.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Tannhäuser” aufführt.