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diary entries of Franz Ferdinand

Manitou, 1. Oktober 1893

Mit eisiger Kälte, Schnee und Sturm brach der Tag an, alle Berge waren in Nebel gehüllt und die Aussichten für die Möglichkeit der projektierten Partie nach der Spitze des Pike’s Peaks auf ein Minimum reduziert; mit den Ausflügen ins Gebirge haben wir während der Reise in Amerika wenig Glück.

Des Morgens stellte sich unser Gesandter in Washington, Schmit von Tavera, vor, welchen ich hieher gebeten hatte; er bestätigte mir die Richtigkeit der über die unerquicklichen Verhältnisse der Ausstellung in Chicago und leider insbesondere der österreichischen Abteilung vernommenen Gerüchte, so dass ich nunmehr meinen dortigen Aufenthalt nur auf wenige Stunden festsetzte. Auch entrollte er mir ein anschauliches Bild der Zustände in den Vereinigten Staaten auf allen Gebieten des öffentlichen und des privaten Lebens, welches die von mir bisher gewonnenen Eindrücke nur allzusehr bekräftigte und ergänzte. Besonders verdient hervorgehoben zu werden der mit der jedesmaligen Erneuerung der Präsidentschaft eintretende Wechsel in der Beamtenschaft, der ganz abgesehen von krassen Auswüchsen, zu welchen dieses System Veranlassung gibt, die notwendige Kontinuität in der Verwaltung ausschließt.

Nicht minder scheint in dem Land der Freiheit eine Wohlfahrtspflege zugunsten der arbeitenden Klassen als völlig entbehrlich betrachtet zu werden und durch die Freiheit, gegebenen Falles Hungers zu sterben, substituiert zu sein. Wirtschaftliche Erschütterungen sind bei völlig mangelnder Fürsorge im Interesse der Arbeiter von nachhaltigster Wirkung auf diese, und namentlich die Silberkrise soll großes Elend nach sich gezogen haben. Trotz derartiger trister Erscheinungen üben die Vereinigten Staaten noch immer ihre Attraktionskraft auf Auswanderer aus, deren auch aus unserer Heimat alljährlich viele Tausende ihr Glück in der neuen Welt versuchen, um allerdings nur zu oft einem überaus traurigen Los entgegenzugehen, da sie nicht selten bloß Ausbeutungsobjekte gewissenloser Agenten sind und, an Ort und Stelle recht- und hilflos sich selbst überlassen, der jammervollsten Lage verfallen.

Nach kurzer Bahnfahrt erreichten wir das nur 10 km von Colorado Springs entfernte Manitou, welches am Fuße des Pike’s Peaks reizend situiert ist und einen Anziehungspunkt für Leidende und Touristen bildet. Die Besteigung des hochragenden Gipfels, der im Jahre 1806 von Captain Pike entdeckt und zuerst erklommen worden ist, galt seither als eines der verlockendsten Unternehmen, so dass man sich im Jahre 1890 entschloss, an Stelle des ermüdenden Reitpfades zu der Spitze des Berges eine Zahnradbahn nach dem System Abt emporzuführen. Der Anfangspunkt dieser im Jahre 1891 eröffneten Bahn liegt 2013 m über dem Meer, der zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 2318 m und die Endstation der Bahn befindet sich daher um 534 m höher als die Spitze des Großglockners. Ich hätte zwar die Partie nach der Spitze des Pike’s Peaks, auf dessen Höhe uns Freund Bädeker der dünnen Luft halber Nasenbluten in sichere Aussicht stellt, gar zu gerne unternommen, aber leider vereitelten dichtes Schneegestöber und weitreichender Nebel unser Vorhaben, umsomehr, als auf dem Gipfel bereits am Vortag 25 Kältegrade gemessen wurden; ich blieb daher in Manitou, welches malerisch in einem Talkessel liegt und einen freundlichen, netten Eindruck macht.

Es ist ein seiner kohlensauren Soda- und Eisenquellen wegen häufig besuchter Badeort, in welchem für die Bequemlichkeit und das Wohlbefinden des Publikums viel getan wird; dies beweisen unter anderem auch die vielfachen Anlagen und Pflanzungen, in welchen Häuser und Villen geborgen liegen. Zahlreiche Hotels und Pensionen sind auf den Fremdenbesuch berechnet, und auch eine Spielbank hat sich hier etabliert.

Das schlechte Wetter schreckte uns keineswegs ab, die in winterliches Kleid gehüllten Naturschönheiten der Umgebung in Augenschein zu nehmen, und zwar zunächst den Williams Canon, eine ziemlich schmale Felsschlucht, deren blutrote, aus stark eisenhältigem Sandstein erwachsene und zu beiden Seiten der Straße hochaufragende Felsen wir aus nächster Nähe und mit aller Muße betrachten konnten; einige dieser Felsen sind gestützt, um eine Gefährdung der Passanten auszuschließen.

Weit interessanter ist der Garden of the Gods, ein etwa 240 ha großes Gebiet, durch eine Reihe phantastischer, isolierter Felsbildungen ausgezeichnet, die Namen tragen, welche bei einiger Phantasie als nicht schlecht gewählt erscheinen. Hier gibt es eine „Gepäckshalle“, kofferähnliche, übereinandergeschlichtete Würfel, dann den „Garten der Schwämme“, woselbst sich durch Auswaschung Formen gebildet haben, die steinernen Riesenpilzen täuschend ähnlich sehen; der Balanced Rock ist ein etwa 200 t schwerer, konischer Felsen, der auf einem meterbreiten Postament aufsitzt; großartig sind dünne Sandsteinmauern, wie die Kulissen einer Bühne aneinandergereiht und wahrhaft groteske Gebilde zeigend, so „Lots Weib“, den „Elephanten“, den „Bären“, den „Amerikanischen Adler“, den „Büffelkopf“ und endlich die „Einander küssenden Kamele“.

Jedenfalls lassen diese Naturspiele an Originalität nichts zu wünschen übrig; sie erheben sich in ihrer blutroten Farbe ganz unvermittelt aus dem Boden und lohnen die Besichtigung vollauf. Im „Göttergarten“ sah ich zum ersten Mal nach längerer Zeit wieder eine Eichenart, allerdings nur eine kleine, unserer Zerreiche ähnliche, mit stark geschlitzten Blättern.

Während wir uns von einem Händler in dessen Curio Shop ausgiebig prellen ließen, verzogen sich die Nebelwolken, die Sonne trat hervor, die tief beschneite Bergkette und sogar der Gipfel des Pike’s Peaks zeigte sich, so dass wir unendlich bedauerten, in diesem Augenblick nicht auf der Spitze des Bergriesen weilen und über die Rocky Mountains sowie über die endlosen Prairien von Colorado und Texas ausschauen zu können; doch war die Stunde der Abfahrt nach Chicago gekommen, und ich musste mich entschließen abzureisen, ohne den Pike’s Peak erklommen zu haben.

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  • Ort: Manitou Springs, Colorado, USA
  • ANNO – am  01.10.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück „Kabale und Liebe“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Mignon“ aufführt.

Colorado Springs, 30. Sept. 1893

Auf der Strecke der Denver and Rio Grande Railroad rollten wir, nachdem wir uns bei Provo City ostwärts gewendet hatten, unserem nächsten Ziel, Colorado Springs, zu. Landschaftlich ist diese Route als höchst interessant zu bezeichnen, weil der Schienenstrang eine ganze Reihe der großartigsten Canons durchzieht. Enge Felsentäler und Schluchten gibt es ja auch in Europa, doch weder in solcher Zahl und Ausdehnung, noch durch die grotesken Formationen ausgezeichnet, denen wir hier begegnen. Leider verdarb uns schlechtes Wetter zumeist den Genuss der Szenerie; denn es schneite, als wilden Canon des Grand Rivers durchfuhren, in dichten Flocken und Nebelmassen bedeckten die Bergspitzen sowie die höheren, mitunter bis zu 750 m beinahe senkrecht aufragenden Wände.

An vielen Stellen ist die felsumstarrte Schlucht so enge, dass die Bahn und der Fluss gerade knapp nebeneinander Raum haben und das Tageslicht nur zwischen kolossalen, schroffen Wänden einfallen kann; dennoch haben in den Felsspalten verkrüppelte Kiefern Wurzeln geschlagen, und wo ein Fleckchen Erde zwischen den Steinen übriggeblieben ist, lugen intensiv rot und gelb gefärbte Büsche hervor. Die Sandsteinfelsen nehmen die abenteuerlichsten Gestaltungen an, verwitterte und zerbröckelte Partien wechseln mit tiefen, langen Rissen und Höhlungen ab, und man wähnt jeden Augenblick, überhängende Mauern oder Blöcke in die Tiefe stürzen zu sehen, in welcher der schäumende Fluss sein Bett immer mehr und mehr eingräbt; durch die Gewalt der Eisbildung abgesprengte Felsblöcke türmen sich stellenweise zu mächtigen Massen, das prachtvolle Bild ergänzend, das diese wildromantische und düstere Gegend bietet.

Der Canon des Grand Rivers erstreckt sich auf 27 km Länge, bis das Tal, in dem viel frisch gefallener Schnee lag, sich erweitert, jedoch ohne den öden und steinigen Charakter zu verlieren; so oft der Nebel durch den herrschenden Wind zerrissen wurde, konnten wir auch die den Canon begrenzenden hohen Berge sehen.

Bald traten wir in den Eagle River Canon ein, der seinem Vorgänger wohl ähnlich, doch noch bedeutend enger ist, so dass man selbst vom Boden des Waggons aus nicht an den Wänden emporblicken kann; auch mussten hier, obschon die Bahntrace sonst immer hart am Flussufer zieht, einige kleinere Tunnels gebohrt werden. Förmlich an die Wände geklebt scheinen die kleinen Hütten der Bergarbeiter und die Grubeneingänge der Bergwerke, welche den Erzreichtum erschließen und die vorwiegende Erwerbsquelle der sehr dünn gesäeten Bevölkerung bilden.

Als wir nach Passierung des Eagle Canons eine Art Hochebene erreichten, umfing uns aus dichtem Schneegewölke brechender lichter Sonnenschein, der mehrere grünende Felder, hier ein ungewohnter Anblick, bestrahlte; weidende Rinder und Pferde brachten Leben in die Landschaft.

Zwei Städte, Leadville und Salida, zeigen den schon wiederholt beobachteten Typus städtischer Ansiedlungen, obgleich das Gebiet, wie ganz Colorado, lange Zeit mexikanisch gewesen ist, bevor dieses von den Vereinigten Staaten annektiert wurde; an die vergangene Epoche erinnern zahlreiche Namen von Bergen, so die schneebedeckte Sangre de Cristo Range, und von Orten, wie Pueblo, welches wir später passierten.

Unmittelbar nach Salida beobachteten wir mächtige, rundliche, mitunter reihenweise übereinander gelagerte Felsblöcke, deren einzelne an Größe ein kleines Haus weit übertrafen. Die Vegetation war hier eine überaus dürftige und nur durch eine dachförmige Zwergfichte und gelbblühende Kakteen vertreten.

Was Großartigkeit anbelangt, kann sich der letzte der Canons, der des Arkansas, mit dem Great Canon im Yellowstone-Park messen, doch fehlen jenem die herrlichen Lichteffekte und Farben, die mich an diesem entzückten; hingegen ist im Canon des Arkansas die Zerrissenheit des roten Sandsteines sowie die Höhe der Granitfelsen geradezu verblüffend und steigen an der engsten Stelle dieses 13 km langen Passes, der Royal Gorge, die Felsen bis zu 800 m an.

Überwältigt von dem Anblick, stand ich, dem Beispiel der meisten Mitreisenden folgend, auf der Plattform des Waggons, während der dahinsausende Train sich aus dem Bereich der dräuenden, gigantischen Massen zu flüchten schien. Derartige schaurige Gegenden tauchen wohl vor unserem Geiste auf, wenn wir von Angriffen der Indianer auf Eisenbahnzüge, von Kämpfen zwischen jenen und den Reisenden und von der sonstigen Romantik des fernen Westens mit all ihren gruseligen Beigaben erzählen hören.

Plötzlich, und ohne dass die begleitenden Wände Ausläufer aussenden, hört der Engpass auf, einem breiten prairieartigen Tal weichend, in dem schüchterne Versuch auf dem Gebiet des Acker- und des Obstbaues bemerkbar waren.

Von Pueblo wendet sich die Bahn nordwärts, Colorado Springs zu, einem seines gesunden Klima halber beliebten Kurorte, woselbst wir unser Nachtquartier aufschlugen, um morgen nach Manitou zu fahren und von hier aus den 4331 m hohen Pike’s Peak zu besteigen.

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  • Ort: Colorado Springs, Colorado, USA
  • ANNO – am  30.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück „Der Veilchentreffer“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Die Afrikanerin“ aufführt.

Salt Lake City — Colorado Springs, 29. Sept. 1893

Ein fruchtbares Tal weist Getreide- und Obstbau, vor allem aber ausgedehnte Kürbis- und Melonenkultur auf, doch sind die Lehnen ebenso kahl, wie die am Vortag passierten. Bald entdeckten wir den großen Salzsee, welcher 129 km lang und 48 km breit ist und sich durch seinen hohen Gehalt an Salz auszeichnet; letzterer beträgt 22,4 Prozent gegen 3,5 Prozent im Meerwasser und wird nur von jenem des Toten Meeres mit 25 Prozent übertroffen. Kurz vor Salt Lake City näherten wir uns dem Seeufer und passierten mehrere Badestellen, so auch die heilkräftigen Beck’s Hot Springs. Zinnoberrote Büsche, welche die sonst kahlen Bergabhänge bedeckten, brachten einige Abwechslung in das recht monotone Landschaftsbild.

In Salt Lake City bestiegen wir sogleich Wagen, um an die Besichtigung des „Tabernakels“, des Hauptheiligtums der Mormonen, und der sonstigen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu gehen.

Stifter der Mormonen-Sekte ist Joseph Smith, der in seinem 25. Lebensjahr am 6. April 1830 zu Fayette, einem Städtchen des Staates New York, seine Anhänger zu einer Gemeinde organisiert hatte; im nächsten Jahr war diese nach Ohio und 1833, von hier verjagt, nach Missouri übersiedelt. Auch aus diesem Staat ausgewiesen, wandten sich die Mormonen über County Caldwell nach Illinois, woselbst sie im Jahre 1840 in der Grafschaft Hancock die Stadt Nauvoo und einen schönen Tempel erbauten, doch mit den übrigen Einwohnern in Feindseligkeiten gerieten, die vier Jahre nach der Gründung Nauvoos zu dessen Zerstörung und zu offenem Kampf führten, bei dem Smith den Tod fand. Brigham Young, der Nachfolger Smiths im Prophetentum, wanderte mit 1500 Mann aus und zog auf beschwerlichen Pfaden über die Rocky Mountains bis zum Großen Salzsee, woselbst die Gemeinde sich 1847 niederließ und den Staat Utah begründete, Als dieser schon nach drei Jahren als Territorium anerkannt wurde, ernannte die Unionsregierung Brigham Young zu dessen Gouverneur. worauf trotz mancher Konflikte eine Zeit besonderer Blüte der Kolonie folgte; in unseren Tagen ist aber ein Rückgang bemerkbar, die Zahl der Gentiles — Nichtmormonen — hat sehr zugenommen, wodurch die sozialen Verhältnisse wesentlich verschoben erscheinen. Überdies hat auch die Gesetzgebung der Vereinigten Staaten die Vielweiberei der Mormonen verurteilt und sie zum Aufgeben dieser Institution gezwungen.

Eine Rundfahrt durch die Stadt zeigte uns, was hier geleistet worden ist und wie die Mormonen es verstanden haben, den sterilen Boden durch unermüdliche Arbeit urbar zu machen. Im angenehmen Gegensatz zu Vancouver und Butte City erblickten wir hier Alleen, welche die Straßen einsäumen, und rings um die Häuser geschmackvolle Gärtchen mit immergrünem, üppigem Rasen; an den Wänden der Gebäude ranken sich verschiedene Schlingpflanzen empor, so dass jede Behausung in erfreulicher Weise die Vorliebe der Bewohner für Nettigkeit und deren Wohlgefallen an grünendem Schmuck dartut. Bäume und Gärten lassen die schachbrettartige Anlage der Stadt weniger monoton erscheinen, und einzelne Bauten sind ganz geschmackvoll ausgestattet; durch die schnurgerade gezogenen Straßen saust eine ewig klingelnde Tramway mit elektrischem Betriebe, doch sieht man auch viele gute Traber vor leichte Wagen gespannt.

Das Tabernakel ist ein riesenhafter Bau von elliptischer Form. 76m lang, 45 m breit und 21 m hoch; das Dach, von 44 schlanken Sandsteinpfeilern getragen, ist aus Holz konstruiert, mit eisernen Schindeln bedeckt und stellt eine der größten freien Bogenwölbungen der Welt dar. Der große Innenraum, welcher für die gottesdienstlichen Handlungen der Mormonen bestimmt ist, gleicht einem gigantischen Theater; das Parquet und die hölzerne Galerie umfassen 8000 Sitzplätze, während im ganzen 12.000 Personen Raum finden können; am Westende befindet sich eine Plattform mit Stühlen für den Präsidenten, die Bischöfe, die 12 Apostel und die Redner sowie für den Chor, der um eine mächtige Orgel angeordnet ist. Von außen erinnert das vollständig schmucklose Tabernakel an eine ungeheuerlich große Schildkröte.

Da nur jeden Sonntag um 2 Uhr nachmittags ein feierlicher Gottesdienst stattfindet, konnten wir einem solchen nicht beiwohnen, was wir lebhaft bedauerten. Die Akustik dieses gewaltigen Baues ist eine vorzügliche; man hört, trotz der Länge des Saales, jedes am entgegengesetzten Ende im Flüstertone gesprochene Wort und vernimmt sogar das Niederfallen einer Stecknadel auf die Galeriebrüstung, ein Experiment, welches unser Führer mit Stolz produzierte.

Östlich vom Tabernakel liegt der neue, im Jahre 1862 vollendete Tempel, ein stattlicher Bau aus lichtgrauem Granit mit je drei Türmen an den beiden Schmalseiten; der mittlere Turm der ostwärts gewandten Hauptfassade ist von einer Kolossalfigur aus reichvergoldetem Kupfer, den Mormonen-Engel Moroni darstellend, gekrönt. Da meiner Ansicht nach die Höhenverhältnisse dieses Gebäudes mit dessen Breite nicht in harmonierenden Einklang zu bringen sind, kann ich dasselbe nicht schön nennen; doch wirkt es durch seine Größe imposant. In dem Tempel werden geistliche Handlungen, so Trauungen, Taufen und die Konsekrationen zu Priestern und Bischöfen vollzogen, sowie Predigten gehalten und besondere Gebete verrichtet. Der neue Tempel hat bis nun 4,000.000 Dollars gekostet und soll in seinem Innern reich dekoriert sein; leider ist jetzt der Eintritt nur den Mormonen gestattet, weshalb wir uns mit der Besichtigung der Außenseite begnügen mussten.

Unweit des Tempels sahen wir das Tithing Storehouse, woselbst die Mormonen den ziemlich bedeutenden Zehnten in natura entrichten müssen und eben Gefährte mit abzuliefernden Waren standen. An diesen prosaischen Bau schließt sich ein kleiner Stadtteil, welcher ehedem Brigham Young, der seine Gemeinde wie ein kleiner Tyrann beherrscht hat, zu eigen war; hier sind das Bienenkorb- und das Löwenhaus, mit entsprechenden symbolischen Emblemen geschmückt, erwähnenswert, da in diesen Gebäuden zehn Frauen des Propheten wohnten, während dessen Lieblingsgattin eine gegenüberliegende Villa für sich allein besaß. Brigham Young hatte 42 Frauen und erfreute sich gesegneter Nachkommenschaft, deren Zahl, nach differierenden Mittheilungen, auf 56 bis 76 angegeben wird; wenn auch nur die erstgenannte Ziffer der Wahrheit entspricht, dürfte der seltene Familienvater nicht geringe Schwierigkeiten bei der Ernährung seines Hausstandes und der Erhaltung des häuslichen Friedens gefunden haben.

Unter den Gentiles cursieren sehr drastisch aufgefasste, photographische Karikaturen über das Eheleben Brigham Youngs, welche allein schon genügen würden, von dem Beitritt zu dieser Sekte abzuhalten. Gegenwärtig leben noch drei Witwen des vielbeweibten Mannes, sowie einige Söhne; einem dieser Sprossen begegneten wir in den Straßen.

An der Stelle, wo Brigham Young mit seiner Mormonenschar nach langer Wanderung halt gemacht, das umliegende Terrain verteilt und die Anlage der Stadt angeordnet hat, erhebt sich ein wenig geschmackvolles Standbild, einen Adler darstellend, welcher, einer brütenden Henne gleich, auf vier plumpen, eisernen Bögen sitzt. Das Grab des 1877 verstorbenen Brigham Young und mehrerer seiner Frauen liegt, nur mit einem schmucklosen Stein überdeckt, auf einem Rasenplatz, welcher von Pappeln und einem schmiedeisernen Gitter umgeben ist.

Die schönste Aussicht über Stadt und Umgebung bis zur weiten Fläche des Salt Lake bietet sich vom Prospect Hill dar; mit Freude ruht das Auge auf den zahlreichen Pappel-, Akazien- und Ahornalleen sowie auf den Gärten, über welche der Tempel und das Tabernakel unförmlich groß emporragen. Von hier ist auch das Fort Douglas zu sehen, welches vom „Uncle Sam“ erbaut wurde, als die Mormonen mit den Gesetzen und Einrichtungen der Union allzu sehr in offenen Widerspruch geraten waren.

Unser redseliger Kutscher, der mit Freund „Whisky“ auf recht intimem Fuße zu stehen schien, führte uns dann noch in der ganzen Stadt umher, zeigte uns die Häuser der hervorragendsten Mormonen und die schönsten Hotels, darunter das Templeton-Hotel, in dem ich mittels Lifts in das vierte Stockwerk fuhr, um auch von hier den Rundblick zu genießen.

Schließlich besuchten wir einige Curio Shops, in welchen sehr hübsche Objekte, besonders Mineralien aus den zahlreichen umliegenden Bergwerken, Erzeugnisse von Indianern und Felle feilgehalten wurden. Die Mormonen, welche ich bei dieser Gelegenheit sprach, machten kein Hehl daraus, dass sie sich durch die stete Zunahme der Gentiles sehr gedrückt fühlten und dass die Polygamie, obzwar sie gesetzlich nicht anerkannt sei, insgeheim doch fortbestünde.
Den Rest des Nachmittages verbrachte ich, während meine Herren nochmals in die Stadt fuhren, schreibend in meinem rollenden Haus, dem Pullmann Car. Gegen Abend entlud sich unter Donner und Blitz bei strömendem Regen ein arges Unwetter, welches uns bei der Abfahrt nach Colorado Springs das Geleit gab.

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  • Ort: Salt Lake City, Utah, USA
  • ANNO – am  29.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück „Pitt und Fox“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Die Walküre“ aufführt.

Livingston — Butte City, 28. Sept. 1893

Der Zug führte uns auf einer Zweiglinie der Northern Pacific Railway in südöstlicher Richtung durch eine öde und traurige Gegend, durch unkultiviertes, hügeliges Terrain, und nur in der Ferne waren die Gipfel der Rocky Mountains zu erblicken; allenthalben sahen wir Vieh in großer Zahl, welches trotz des ärmlichen Bodens gut genährt schien. Anderthalb Stunden vor Butte City wurde das Land gebirgig, die Eisenbahn übersetzte auf hohen Holzbrücken tief eingeschnittene Täler und Schluchten; zahlreiche rundliche Felsblöcke auffallender Größe lagen überall umher, spärlichem Baumwuchse nur wenige freie Stellen einräumend.

An vielen Punkten nahmen wir deutliche Anzeichen des Bergbaues wahr, welcher in diesem erzreichen Distrikt der Rocky Mountains lebhaft betrieben wird und dessen Zentrum Butte City ist. Diese, eine Minenstadt im vollsten Sinn des Wortes und in einem bergumrandeten, kahlen Tal gelegen, ist schon aus der Ferne an den rauchenden Schloten kenntlich. Im Mittelpunkt des städtischen Weichbildes ragt ein erzreicher Hügel auf, dessen Kupfer- und Silberschätze durch mehrere Minen erschlossen sind; die zu diesen gehörigen Maschinenhäuser, verschiedene Wäschereien und große Haufen tauben Gesteines bedecken des Hügels Oberfläche; kleine Bahnen, auf denen Wagen und Hunde mit den gewonnenen Erzen rollen, führen von Werk zu Werk; überall dampft, hämmert und pocht es.

Um diesen Hügel reihen sich die Stadt und einzelne Ansiedlungen, welche im Laufe der Zeiten zu Vorstädten geworden sind, so dass Butte gegenwärtig 40.000 Einwohner zählt. Wenn amerikanische Städte schon überhaupt den Ruf genießen, geschmacklos erbaut zu sein und einen ernüchternden Eindruck hervorzubringen, so leistet Butte City hierin wohl das Ärgste.

Man denke sich ein Gemeinwesen von beträchtlicher Ausdehnung, in dem nicht ein Baum, nicht ein grünender Fleck das Auge erfreut, die Häuser kunterbunt auf den Lehm oder Sand hingebaut sind, in den entlegeneren Straßen beinahe an Zigeunerwagen gemahnen, überall aber das Non plus ultra der Geschmacklosigkeit erreichen; die Straßen sind holperig wie elende Landwege. Und doch leben in der Stadt zahlreiche Millionäre, die sich aber hier keinerlei Annehmlichkeit gönnen, ihr trauriges Heim nicht zu verschönern verstehen und nur Dollar auf Dollar häufen.

Ein dichtes Netz von Drähten breitet sich über den Dächern aus und grellfarbige Annoncen mit aufdringlicher Reklame bedecken die Fronten und Seitenwände aller Gebäude. Innerhalb einer zweistündigen Rundfahrt habe ich nie abstoßendere Eindrücke empfangen als hier, bin aber doch befriedigt, Butte City gesehen zu haben, weil meine Ansicht, dass man selbst sehen muss und sich sein Urteil nicht durch Beschreibungen formen lassen darf, neuerlich bekräftigt wurde.

Es interessierte mich noch, eines der Bergwerke kennen zu lernen, und ich fuhr daher zu einer Mine, woselbst mir bedeutet wurde, dass Beamte und Arbeiter beim Lunch seien und der Betrieb eingestellt wäre, was den Schluss zuließ, dass europäische Schichteneinteilung, bei welcher eine Stockung in der Arbeit vermieden bleibt, hier im „freien“ Land wohl nicht durchführbar ist. Nach längeren Pourparlers erklärte sich ein Arbeiter bereit, uns das Bergwerk zu zeigen, das auf 335 m abgeteuft sein soll und in das wir zu sieben auf einer Schale einfuhren. die eigentlich nur für vier Personen bestimmt ist. Zum Glück machten wir schon im zweiten Horizont halt und verfolgten, jeder mit einer flackernden Kerze versehen, einen Stollen, bis wir, über mehrere Leitern kletternd, an die Arbeitsplätze kamen. Hier zeigten sich die kupfer- und silberhältigen Adern in einem Gestein, das merkwürdigerweise auf eine lehmartige Masse führt.

Der Abbau geschieht in Terrassen, welche übereinanderliegen und durch starke Holzpfeiler gestützt sind, wie denn auch an anderen Stellen mit dem hierlands so wohlfeilen Holze nicht gespart wird. Der Ertrag des Bergwerkes dürfte ein mäßiger sein, weil es nur 60 Arbeiter beschäftigt und ziemlich verwahrlost aussieht; ich verzichtete daher auf den Besuch der zur Zeit ebenfalls feiernden Wäscherei und Schmelzerei und kehrte zum Bahnhof zurück.

Daselbst begann eben eine geraume Zeit währende Verschiebung unseres Waggons, wobei, wie wir schon öfter zu erfahren Gelegenheit hatten, die Maschinen so heftig anprallten, dass die Waggons nur durch ihre vortreffliche Konstruktion vor Beschädigung bewahrt wurden.

Leichten Herzens schieden wir von Butte City und fuhren bis zum Einbruch der Dunkelheit südwärts gegen Salt Lake City durch ein kahles Tal mit zahlreichen kleinen Stationen; längs der Bahn tummelten sich vielköpfige Herden. Einige schöne Lichteffekte, welche die scheidende Sonne in den Bergen hervorzauberte, entschädigten einigermaßen für die Eintönigkeit der Gegend.

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  • Ort: Butte, Montana, USA
  • ANNO – am  28.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück „Das Heiratsnest“, während das k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet „Die goldene Märchenwelt“ aufführt.

Mammoth Hot Springs Hotel — Livingston, 27. Sept. 1893

Da auch mit dem Morgenzug noch immer keine Postsendung eingelangt war, machte ich, die Zeit bis zur Abfahrt nach Cinnabar benützend, dem Captain Anderson, Kommandanten der hier bequartierten Kavallerieabteilung, einen Besuch, um dessen kleine, zur Absendung nach Washington bereitgehaltene Menagerie zu besehen. Captain Anderson hatte mich am Abend vorher in gelinde Verzweiflung versetzt, als er mir versicherte, dass er uns, wenn ihm unsere Wünsche nur wenige Tage vorher bekannt geworden wären, die Erlaubnis hätte erwirken können, im Park Raubwild schießen zu dürfen. Wie leicht hätte ich da einen der konservenlüsternen Bären erlegen können!

Der Kapitän bewohnt ein nett eingerichtetes Holzhaus und wusste mir manch interessantes Detail über die Verhältnisse im Park zu erzählen. Seine Eskadron hat einen sehr anstrengenden Dienst, da viele Posten und Patrouillen zu versehen sind, die hauptsächlich auf die zahlreichen Wilddiebe zu fahnden und bei deren Keckheit wohl auch manche Gefahr zu bestehen haben. Einem Wilderer wurde kürzlich ein nettes Pony abgenommen, das in der Nähe des Wohnhauses stand.

Die Menagerie war klein, zählte aber bemerkenswerte Stücke, so ein Stachelschwein, einen jungen Bussard, ein dachsartiges, mir unbekanntes Tier, drei ziemlich zahme Biber, die sich sogar aus dem Käfig herausnehmen ließen und frei umherspazierten. In einem eisernen Käfige saß ein schwarzer Bär, welcher erst vor wenigen Tagen gefangen worden war und nun auch die Reise nach Washington antreten sollte. Vier reizende Wapiti-Kälber waren ganz zahm, kamen auf einen Ruf herbei, uns neugierig beschnüffelnd, während ein Fuchs schleunigst seinen künstlichen Bau aufsuchte und von Zeit zu Zeit mit schlauem Blick aus einer Röhre hervorlugte, sich aber bei jeder Annäherung sofort wieder zurückzog.

Im Lauf des Vormittags langten einige Karawanen von „Sauerteig-Touristen“ an, welchen Namen hier die mit hochbepackten Wagen, mit Kind und Kegel den Park durchziehenden und ihn nun verlassenden Familien führen, deren mehreren wir bereits am ersten Tag unserer Tour begegnet waren. Gefährte, Gepäck und Insassen trugen deutlich wahrnehmbare Spuren des zigeunerhaften Umherstreifens an sich. Die Art, in der diese Naturschwärmer den Park bereisen, ist zweifellos eine höchst eigentümliche und uns kaum verständliche Form, Sommerfrische zu genießen. Irgendwelchen Ansprüchen an Komfort dürfen die Reisenden nicht huldigen, und ob sie für die mannigfachen Entbehrungen der mühseligen Fahrt in der Ungebundenheit des Daseins Ersatz linden, da dieses doch von der Gunst des Zufalles und von der Laune des Wetters abhängig ist, mag dahingestellt bleiben, scheint aber der Fall zu sein.

Auf dem kleinen Platz besichtigte ich noch eine Abteilung Kavallerie, ungefähr eine halbe Eskadron, welche unter Kommando eines Offiziers exerzierte. Die Truppe übte Aufmärsche und Bewegungen, die etwas komplizierter als bei uns ausgeführt wurden; die Entwickelung einer Schwarmlinie, bei welcher zu Pferde der Karabiner ergriffen wird, scheint eine der wichtigeren Evolutionen zu sein. Die Pferde waren auffallend groß, stark und auch gut, zumeist Schimmel; das Reiten der Leute und besonders die rüde Behandlung der Pferde waren mir weniger sympathisch. Die Reiter trugen einheitlich dunkelblaue Uniformen mit gelben Lampassen auf den Beinkleidern, hiezu graue Schlapphüte und hohe, schwere Stiefel; die Bewaffnung bestand aus Säbel, Revolver und Karabiner; dieser und der Säbel waren am Sattel befestigt.

Nach Cinnabar kamen wir diesmal rascher als bei der Herfahrt, weil die Wege in besserem Zustand waren und es größtenteils bergab ging. In dem genannten Ort mussten wir noch lange auf den Abgang des Zuges der Northern Pacific Railroad warten, welcher uns
über Livingston nach Butte City bringen sollte, von wo aus wir das Zentrum des Mormonentums, Salt Lake City, unser nächstes Reiseziel, zu erreichen gedachten.

Während der Wartezeit in Cinnabar unterhielten wir uns mit einem alten Sachsen, der vor 30 Jahren seiner Heimat entlaufen war, um in Amerika ein freies Jäger- und Trapperleben zu führen, das ihm anscheinend sehr gut anschlug; gegenwärtig betreibt der Mann einen schwunghaften Handel mit Bärenfellen und versteinertem Holz. Mit besonderer Begeisterung erzählte er von seinen Jagdzügen, auf welchen er das aus dem Park auswechselnde Wild schießt, that jedoch, als ich ihn fragte, ob er verheiratet sei, sehr entrüstet und bekannte sich somit als überzeugungstreuer Hagestolz.

Infolge eines günstigen Zufalles bekam ich hier auch die kühnste Reiterin der Gegend zu Gesicht, welche selbst das stützigste und wildeste Pferd zu bändigen vermag, dafür aber, was Schönheit und weibliche Anmut betrifft, von der Natur sehr stiefmütterlich behandelt worden ist.

In Livingston mussten wir unseren Pullmann Car auch als Nachtquartier beziehen, weil der Zug nach Butte City erst um 4 Uhr morgens eintreffen sollte. Erstere Stadt ist ein bekannter Handelsplatz für Felle und Pelze; in den Läden sind käuflich: Puma-, Bären-, Wolf-, Fuchs-, Katzen- und Marderfelle, Büffeldecken, zahlreiche Geweihe, unter welchen sich capitale, vom Wapiti- und Black-tail-Hirsche sowie vom Bergschafe stammende Exemplare befanden; weiters eine Menge Indianerkuriositäten, als Waffen, Schmuck und verschiedene Erzeugnisse der Hausindustrie.

Die Preise, welche die Händler forderten, waren geradezu unverschämt; doch nicht genug an dem, mussten wir es gewissermaßen als einen Akt der Gnade erbitten, das gewünschte Stück um unser gutes Geld kaufen zu dürfen oder gar eine Emballage zu erhalten. Ein einfacher Indianerkotzen kostete 10 Dollars, ein schlecht ausgestopftes Büffelhaupt 600 Dollars und ein Paar Wapiti-Stangen bis zu 200 Dollars; doch ward trotz alledem unsere Kauflust eine sehr rege, weil wir manche schöne Objekte ausfindig machten.

Als ich abends zwei meiner Herren mit allen nötigen Attesten und Beglaubigungen zum Postmeister sandte und diesen ersuchen ließ, die für uns bestimmte und mit uns fast gleichzeitig eingelangte, nach Mammoth Hot Springs Hotel adressierte Postsendung hier in Livingston auszufolgen, musste ich einen neuerlichen Beweis amerikanischer Unfreundlichkeit erleben, der unsere gute Laune arg trübte. Obschon die Herren überdies ein Schreiben des Postmeisters von Mammoth Hot Springs Hotel vorwiesen, worin dieser seinen Kollegen ersuchte, uns die verspätet eingelangte Post einzuhändigen, und letztere eben auf dem Schalter lag, so dass einzelne Adressen lesbar waren und sich konstatieren ließ, dass sich unter den Briefen auch solche befanden, deren baldiger Empfang für mich von Wichtigkeit war, wollte der unhöfliche Postmeister unsere Post um keinen Preis herausgeben, sondern beharrte, aller zur Umstimmung angewandten Mittel ungeachtet, darauf, dieselbe nach ihrem Adressort weiterzusenden; schließlich stülpte er den Hut auf und verließ, ohne weiter ein Wort zu sagen, sein Bureau.

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  • Ort: Livingston, Montana, USA
  • ANNO – am 27.09.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt das Stück „Der Meister von Palmyra“, während das k.u.k. Hof-Operntheater die Oper „Romeo und Julie“ aufführt.

Mammoth Hot Springs Hotel, 26. Sept. 1893

Da ich die Wunder des Great Canons noch einmal schauen wollte, eilte ich bei Sonnenaufgang zu einem anderen Aussichtspunkt, dem Look-out Point. Die Sonne leuchtete grell in das Farbenlabyrinth und ließ besonders die gelben Töne intensiv hervortreten; in der Schlucht strich ein Fischadler auf und nieder, und über uns auf steiler Spitze war abermals ein Adlerhorst zu sehen. Vom Look-out Point stieg ich einen sehr steilen und für unsere städtischen Stiefletten ziemlich wenig geeigneten Weg gegen den Großen Wasserfall bis zu einer Klippe hinab, welche über demselben liegt und einen guten Überblick über die Stromschnellen und den Kessel des Falles ermöglicht, in dem starke Baumstämme umherwirbelten.

Da die Coach noch nicht zur Stelle war, beschlossen wir, eine kleine Jagd auf die allerliebsten, gestreiften Eichhörnchen, welche auf den Bäumen und dem Boden umherhuschten, zu veranstalten; es gab deren sehr viele, doch konnten wir, da Stöcke und Steine unsere einzigen Waffen bildeten, nur ein Exemplar erbeuten.

Die bald nach diesem verpönten Vergnügen angetretene Fahrt gieng in westlicher Richtung durch waldiges Hügelland und bot wenig Abwechslung; unmittelbar bevor wir das Norris-Hotel erreichten und wieder auf die uns schon bekannte Route kamen, ersahen wir in einer Schlucht Basaltfelsen von abenteuerlicher Gestaltung, darunter als hervorragendsten einen großen Block, „des Teufels Ellbogen“.

Bei dem drolligen Irländer frühstückten wir wieder in dem fliegenreichen Zelt und unternahmen, da die Kutscher erklärten, sie müssten die Pferde hier wenigstens anderthalb Stunden rasten lassen, in der Umgebung, möglichst gedeckt vor den aufmerksamen Augen der Soldaten, eine Fortsetzung der vormittagigen Jagd auf Eichhörnchen.

Eine Unzahl gestürzter Bäume und Holzstücke, unter welche sich die überaus flinken Tierchen blitzschnell verkrochen, und Erdbau mit weitverzweigten Gängen, die gleichfalls als Schlupfwinkel dienten, erschwerten unser Beginnen. Nachdem wir jedoch einige Zeit tüchtig umhergelaufen waren, hatten wir endlich fünf Stück auf der Strecke, darunter eines in lebendem Zustande, das, arg bedrängt, in eine leere Konservenbüchse geflüchtet war.

Während wir bei der Hinfahrt die Strecke zwischen Morris Geyser Bassin und Mammoth Hot Springs im Winterkleid und bei bedeutender Kälte gesehen hatten, bot jetzt die Landschaft ein ganz anderes Bild; der Schnee war vor den wärmenden Sonnenstrahlen gewichen, so dass die bunte Färbung der Laubbäume, welche zwischen rot, gelb und grün wechselte, zur vollen Wirkung kam, insbesondere auf dem prairieartigen Hochplateau und den Lehnen um den Swan Lake. Beim Beaver Lake zeigte sich leider keiner seiner Bewohner, der emsigen Biber, wogegen wir knapp vor dem Golden Gate einen anderen seltenen Repräsentanten der amerikanischen Tierwelt, nämlich eine Gabel-Antilope, einen auffallend starken Bock, erblickten, der auf Schussdistanz vom Wagen über die freie Fläche wechselte und wiederholt ohne jedes Zeichen von Scheu stehen blieb. Diese Antilope — Amerika besitzt nur diese eine Art — erinnerte mich in Gang und Gebaren sowohl an unser Reh, wie an die Gemse; sehr originell ist das hakenartig gebogene, starke Gehörne.

Kurz darauf sah ich auf ungefähr 200 Schritte wieder ein merkwürdiges Tier durch die niederen Büsche der Prairie wechseln, das ich zuerst nach Farbe und Gang für einen Biber hielt; doch bald erkannte ich, dass es ein Stachelschwein war, welches unsere Anwesenheit bemerkt und sich bereits zur Flucht gewendet hatte. Rasch sprangen wir vom Wagen, stürmten bei möglichster Ausnützung unserer Lungen und Beine dem Tiere nach und parforcierten es nach ausgiebigem Dauerlauf; als die Distanz zwischen uns und dem Stachelschwein immer geringer wurde, warf es sich in eine Grube, in der es mit einem Jagdmesser den Fang erhielt. Das amerikanische Stachelschwein unterscheidet sich nicht unwesentlich von dem indischen; die Stacheln sind bedeutend kürzer, am vorderen Teil des Körpers hat es lange borstige Haare und ist dunkler gefärbt.

So hatten wir denn, ohne das „No Shooting“ im Yellowstone-Park übertreten zu haben, doch ein Stinktier, ein Stachelschwein und sechs Eichhörnchen, nebst einem unschuldigen Finken, welcher bei der Eichhörnchenjagd durch ein Wurfgeschoss getroffen worden war, auf der Strecke und hoben, obgleich die Jagd keine sehr edle in Sanct Huberto genannt werden konnte, unsere letzte und interessanteste Beute gleichwohl freudig auf den Wagen.

Gegen Abend langten wir im Mammoth Hot Springs Hotel ein, wo unser eine arge Enttäuschung harrte; denn die lange erwartete und mit Bestimmtheit zugesagte Post war noch immer nicht eingetroffen.

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Grand Canon Hotel, 25. Sept. 1893

Vor Kälte klappernd verließen wir am frühen Morgen unser Lager, um unter wolkenlosem Himmel nochmals dem Fischfang zu obliegen; der Dampfschiffbesitzer, welcher neben dem Hotel wohnt und einer der wenigen zuvorkommenden Amerikaner war, die ich kennen lernte, lieh uns das nötige Angelgerät, mit welchem ausgerüstet wir nach einer kleinen Traversade über den See bald wieder am Fluss waren. Diesmal fischte jeder von uns allein in einem Boot, und ich ließ mich weiter flussabwärts rudern, weil ich dort eine günstigere Stelle vermutete.

Während der Überfahrt konnte ich die zahlreiche Arten aufweisende Vogelwelt des Yellowstone Rivers beobachten; Entenflüge zogen unausgesetzt auf und nieder, Gänse flatterten mit lautem Geschrei auf, Möven strichen eleganten Fluges pfeilschnell einher und Bussarde, Weihen und Fischadler zogen ihre Kreise über dem Kahn, dessen Bewegungen von den Hehern, die auf dem Ufer aufgebäumt hatten, mit heiseren Lauten begleitet wurden.

In einer kleinen Bucht, die mir für den Fang günstig schien, legte ich das Boot vor Anker und ging mit großer Geduld an mein Werk: zu meiner Freude biss nach etwa einer Stunde die erste Forelle an, welcher nach längeren Zwischenräumen weitere vier Stücke folgten, deren jedes ungefähr ein Kilogramm wog; einige andere Forellen, die ich schon erbeutet glaubte, gingen mir wieder verloren, da es mitunter nicht möglich war, die an der Angel hängenden, blitzschnell umherschießenden Fische sofort ins Boot zu bringen. Man konnte deutlich erkennen, wie die Fische infolge der Kälte nur widerstrebend die lockende Fliege annahmen, die sie oftmals umspielten, ohne darnach zu schnappen. In der guten Saison muss der Fischfang hier einen sehr unterhaltenden Sport bilden, da man zu jener Zeit, wie ich hörte, binnen kürzester Frist an hundert Stücke fangen kann.

Als in der Folge keine Forelle mehr anbeißen wollte und mein Bemühen auch an einer anderen Stelle fruchtlos blieb, vereinigte ich mich mit den anderen Herren, die ebenfalls einige Beute hatten, und kehrte zum Hotel zurück, wo sieben in der Nacht gefangene und getötete Stinktiere zu sehen waren. Diese besitzen einen dachsartigen Körper und weiches, schwarz und weiß geflecktes Fell; da sie die ganze Umgebung, in der sie sich befinden, durch ihren penetranten Geruch verpesten, werden sie eifrig verfolgt.

Nachmittags machten wir uns in unserer Coach auf den Weg zum Yellowstone Canon, zuerst dem Ufer des Sees, dann jenem des Yellowstone-Flusses folgend. Bald hörte der geschlossene Wald auf und machte freien, mit Artemisia-Pflanzen bedeckten Stellen Platz, die, von Bäumen umgeben, dem Wild ein treffliches Äsungsterrain bieten; wohl manche Büffelherde dürfte einstmals diese Plätze aufgesucht haben.

Auf halbem Wege, nächst der Straße, zeigt sich eine der seltsamsten Erscheinungen des Parkes, der Mud Cauldron oder Schlammgeyser, ein tiefer Trichter, aus dessen seitlicher Öffnung unausgesetzt unter starker Dampfentwickelung und dumpfem Dröhnen blaugrauer, kochender Schaum ausgeworfen wird, was sich recht unheimlich ausnimmt. Jeder Gegenstand, der hineingeworfen wird, verschwindet in der schauerlichen Öffnung für immer, nur Holzstücke kommen manchmal für kurze Zeit, doch bereits ganz zersetzt wieder an die Oberfläche.

Das nördlicher gelegene Hayden Valley, ein völlig baumloses, ödes Tal mit wellenförmigen Hügelketten, wird von einem Bächlein in Schlangenwindungen durchflossen; ein noch sichtbarer, ausgetretener Pfad zeigt den Weg an, den einst ein ganzer Indianerstamm, nach bedeutenden Verlusten im Kampf gegen andere Stämme mit Weib und Kind aus den südlichen Gebieten in den Norden auswandernd, benützt hatte. Heutzutage ist es den Indianern untersagt, das Territorium des Yellowstone-Parkes zu betreten.

Als wir eben über eine Brücke gefahren waren, erblickte ich ein Stinktier vorbeiwechseln; dem Kutscher „Stop“ zurufen, die Stöcke ergreifen und aus dem Wagen springen, war Eins, und nun begann eine sehr heitere Jagd, bei der wir Steine als Wurfgeschosse verwendeten. Das Stinktier wollte, obwohl in die Enge getrieben, durchaus nicht das Wasser annehmen, sondern lief am Ufer auf und ab, bis es sich endlich stellte und von seinem letzten Rettungsmittel, einem abscheulichen Parfüm, den ausgiebigsten Gebrauch machte, was uns aber nicht abhielt, es gleichwohl zu erbeuten. So hatten wir im Gefilde des Parkes, wenn auch ohne die Gewehre benützt zu haben, doch eine Strecke zu verzeichnen; ich gab Auftrag, diese auf dem zweiten Wagen unterzubringen, und dann fuhren wir, die lustige Stinktierjagd besprechend, fröhlich weiter.

Kaum waren wir im Grand Canon Hotel, unserer Nachtstation, angelangt, als Hodek auch schon mit der Meldung eintraf, dass der Kutscher des zweiten Wagens die Mitnahme des Stinktieres nicht zugelassen habe; er — Hodek — habe eben versucht, dasselbe an die Achse zu binden, doch sei der Kutscher vom Bock gesprungen und habe es weit weg geschleudert, was zu einem heftigen Auftritte zwischen beiden geführt habe. Das Stinktier war daher liegen geblieben; ich wollte aber die schwer errungene Beute nicht fahren lassen, und so wurde nun Kriegsrat gehalten, was zu tun sei, umsomehr als das Tier auch nicht ins Hotel gebracht werden durfte. Endlich siegte eine bedeutendere Anzahl von Dollars über die Bedenken des Kutschers, der mit Hodek zurückritt, und bald lag der Balg unseres Stinktieres in einer Blechbüchse wohl verpackt bei den Gepäcksstücken.

Die größte Sehenswürdigkeit des Parkes ist unstreitig der große Canon des Yellowstone-Flusses, welcher allein schon eine Reise nach dem Nationalpark verlohnen würde. Durch Erfahrungen gewitzigt, hatte ich mich auch der Anpreisung dieser Naturschönheit gegenüber sehr reserviert verhalten, gestehe jedoch gerne, dass hier meine Erwartungen weitaus übertroffen worden sind.

Wir kamen gerade zu rechter Zeit an, weil der Abend kurz vor Sonnenuntergang der günstigste Moment für die Besichtigung des Canons ist, und fuhren in einem kleinen Wagen, welcher den mangelhaften Zustand des Waldweges unserer Erinnerung schonungslos einprägte, vom Hotel ab. An mehreren niedrigen Aussichtspunkten vorbeikommend, welche uns die Pracht des Tales bereits ahnen ließen, sehen wir uns endlich am Fuß des 460 m über den Yellowstone aufragenden Inspiration Points. Da liegt sie nun vor uns, die mehr als 300 m tief abstürzende Schlucht, mit steilen, fast senkrechten Wänden, welche phantastisch geformte Vorsprünge mit wild zerrissenen Spitzen und Felsennadeln aussenden, während sich der Fluss in der Talsohle einem blauen Bande gleich dahinschlängelt. Die kulissenartig nebeneinander aufstrebenden Felszacken zeigen selbst ebenfalls die kühnsten Gestaltungen und schließen kleine Schluchten sowie Schutthalden, mit abgebröckeltem Gestein erfüllt, ein; der Rhyolith, aus welchem die Felsen bestehen, unterliegt eben sehr der Verwitterung und Zersetzung, so dass sich unausgesetzt einzelne Stücke ablösen und die Zerklüftung immer weiterschreitet.

Bei weitem das Schönste und Eigenartigste des Canons sind die mannigfaltigen Färbungen, in welchen das felsige Gestein und vor allem die Schütten erglänzen; alle nur erdenklichen Farben in den verschiedensten Schattierungen sind hier vertreten, doch herrschen gelb, rot, rosa und weiß vor. Besonders in Rot finden sich alle Nuancen vom dunkelsten Blutrot bis zum zartesten Rosa, wie solche kaum ein wohlausgestatteter Farbenkasten aufzuweisen vermag; die einzigen dunklen Stellen werden von wenigen, verkrüppelten Kiefern gebildet, die sich in Felsspalten fortfristen. Vermöchte selbst der Pinsel eines Malers alle die Farben, die wir hier erschauen, in ihren Abtönungen und in ihrem Schmelz sowie die bizarren Formen des Gesteines getreu wiederzugeben, so würde doch jedermann behaupten, dass das Bild unnatürlich sei und ein ähnliches in der Natur nicht existieren könne. Selbst die detaillierteste Beschreibung von Meisterhand wäre durchaus ungenügend, um eine zutreffende Vorstellung von der hier in so überraschender Fülle entwickelten seltsamen Pracht und Herrlichkeit zu vermitteln. Wer diese in ihrer ganzen Größe erfassen will, muss hier an einem schönen Herbstabende geweilt haben, um einen Traum der kühnsten Einbildungskraft verwirklicht zu sehen.

Im Beginn der Schlucht zeigt sich der Große oder Untere Wasserfall des Yellowstones, welcher an dieser Stelle schäumend und tosend über eine senkrechte Felswand von fast 100 m Höhe herabstürzt, während der Obere Wasserfall, in weiter Ferne liegend, nur als silberweißer Punkt erscheint; gegen die andere Seite zu verliert sich die Schlucht in bewaldeten Bergen, die abends eine dunkelviolette Färbung annehmen, während hinter diesen ein schneebedeckter Bergriese die Szenerie effektvoll abschließt. Diesem herrlichen Anblick kann ich nur jene wenigen Momente, da sich in Dardschiling der Nebel zerteilte und mir die Spitzen des Himalayas in ihrer jungfräulichen Majestät enthüllte, würdig zur Seite stellen.

Der Inspiration Point, eine mitten im Canon gelegene, für Schwindelfreie nicht allzuschwierig erreichbare Felsspitze, ist für die Rundschau der günstigste Punkt; umsomehr nahm es mich Wunder, dass für den Schutz der Reisenden an diesem Ort gar nicht gesorgt ist und weder Geländer noch Stufen den immerhin gefährlichen Weg erleichtern, vor dessen Zurücklegung bis zum äußersten Punkt ich jeden, der nicht Bergsteiger ist, warnen möchte.

Je tiefer die Sonne hinter die Berge sank, um so wechselnder wurde auch das Spiel der Farben, so dass wir, in Bewunderung versunken, uns lange von dem Schauspiel nicht trennen konnten, bis die wiederholte Mahnung des Kutschers, welcher die Rückfahrt in der Dunkelheit scheute, zwang, vom Inspiration Point zu scheiden. Einige große Steine, die wir zuvor noch abrollten, sprangen donnernd von Absatz zu Absatz, durchsausten die enorme Fallhöhe in wenigen Sekunden und verschwanden aufklatschend im Fluss. Auf einer der Felsnadeln, an deren höchste Spitze geklebt, entdeckten wir einen großen Adlerhorst, dessen Erbauer sich ein wohl unersteigliches Plätzchen gewählt haben.

Abends stöberten drei Bären, anscheinend eine Alte mit zwei Jungen, in dem kaum 200 Schritte vom Hotel entfernt liegenden Haufen von Konservenbüchsen, bei welcher Beschäftigung ein Herr, der sich schon vorher in der Nähe des Platzes verborgen hatte, die Tiere erblickte; als aber der ganze Schwarm Reisender, darunter auch wir, herbeieilte, verschwanden die Bären leider auf Nimmerwiedersehen, weil die Hotelgäste, besonders aber die Damen, äußerst unruhig waren, schwätzten und kicherten, was wohl selbst einen zahmen Bären vertrieben hätte.

Ohne das unerbittliche „No Shooting“ hätte ich mich gewiss an diesem allerdings nicht poetischen Platz angesetzt, überzeugt, dass ich im Lauf der Nacht zum Schuss gekommen wäre.

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Yellowstone Lake Hotel, 24. Sept. 1893

Erfreulicherweise konnte Clam heute an der Fahrt teilnehmen, zumal das Wetter prachtvoll und ein relativ warmer Tag zu gewärtigen war. Im Fountain Geyser Hotel lieferte uns der Wirt noch einen Beweis amerikanischer Unfreundlichkeit, indem er auf unsere Frage, wann der Old Faithful wieder spielen werde, mit einem mürrischen „Ich weiß es nicht“ antwortete. Kaum im Wald verschwunden, erfuhren wir von den im zweiten Wagen folgenden Jägern, dass der Geyser nach wenigen Minuten in Aktion getreten sei.

Bis zum Upper Geyser Bassin hatten wir denselben Weg vor uns wie am Vortag und fuhren daher an den gestern besichtigten Geysern vorbei, die infolge der kühlen Morgentemperatur besonders stark rauchten. Von da an bis zum Yellowstone-See blieb unser ständiger Begleiter ein Wald, der, ziemlich wüst und öde aussehend, allerdings kein solcher in unserem Sinne war, immerhin aber vereinzelte schöne Bäume enthielt. Eine große Zahl derselben zeigte frische Spuren von Bären, welche die Stämme erklettert und in der Rinde die Abdrücke und Risse ihrer Tatzen zurückgelassen hatten. Diese Kletterübungen werden von den Bären, die ihre Nahrung ausschließlich auf dem Erdboden finden, nur zum Zeitvertreib vorgenommen, während Biber ernste Arbeit an armdicken Stämmen verrichtet hatten, die in einer Höhe von etwa 30 cm glatt durchgebissen waren.

Der erste Punkt unserer Fahrt, zu dessen Bewunderung man uns einlud, rechtfertigte eine solche durch nichts; es waren dies die Kepler-Fälle, welche von dem in einer kleinen Schlucht über ein paar Steine herabfallenden Firehole gebildet werden. Den Wald unterbrechende Felspartien und steinige Leiten waren mit einer leichten Schneedecke überzogen und regten in uns passionierten Gebirgsjägern den Gedanken an, wie geeignet diese Plätze für Bartgams wären, und wie sehr sie dann in unseren Augen gewinnen würden.

Die in vielfachen Krümmungen angelegte Straße bezeugte, dass heuer sämtliche Straßenbauten und Reparaturen unterblieben waren; die Yellowstone-Park-Gesellschaft hat in diesem Jahre, in dem sich der Fremdenbesuch auf nur 3000 Personen belief, so schlechte Geschäfte gemacht, dass sie überall sparen und beispielsweise 100 Kutscher entlassen, sowie 200 Pferde, für welche es an Beschäftigung mangelte, auf die Weide schicken musste.

Nach längerem Anstieg und wiederholter Tränkung der Pferde erreichten wir ein waldiges Hochplateau von bedeutender Ausdehnung, wo eine 2470 m über dem Meer befindliche Tafel mit der Aufschrift „Continental Divide“ belehrt, dass man sich auf der Wasserscheide zwischen dem Pazifischen und Atlantischen Ozean befinde. Aus einem weithin reichenden Wald leuchtet die blaue Fläche des südlicher gelegenen Lake Shoshone entgegen, und in weiter Ferne ragen einige schneebedeckte Spitzen empor.

In sehr scharfen Serpentinen führt der Weg wieder bergab, dartuend, dass die Parkgesellschaft hier entweder wenig um die Sicherheit der Reisenden besorgt ist oder ihren Pferden sehr vertraut; denn das schmale Geleise, das knapp für einen Wagen Raum bietet, zieht, ohne durch ein Geländer oder eine sonstige Schutzvorkehrung abgeschlossen zu sein, hart an Abgründen vorbei, wozu noch kommt, dass der Unterbau der Straße, aus weichem Materiale bestehend und mit bedenklichen Rissen durchsetzt, geringes Vertrauen erweckt.

Ganz unvermutet liegt der Yellowstone-See zu unseren Füßen, und weithin schweift der Blick bis zu den umrandenden Bergen sich an dem herrlichen Bilde weidend. Dieses Gewässer bedeckt in der Höhe von 2360 m einen Flächenraum von 302 km2 und zieht sich mit tiefen Buchten ins Land, so dass man es mit vier Fingern einer Hand vergleichen kann; uns zunächst breitet sich die West Bay oder Thumb aus, wo selbst gewöhnlich das Frühstück in einem Zelt eingenommen wird.

Ganz in der Nähe sprudeln viele heiße Quellen hervor, deren einige bemerkenswert sind, so eine Schlammquelle, ähnlich den Mammoth Paint Pots, die aber statt des weißen Breies intensiv rosa gefärbten Schlamm auswirft und hiedurch einer brodelnden Erdbeercreme gleicht, dann die Gerberquelle mit braunem Wasser u. a. m. Einzelne Quellen liegen knapp am Seeufer, teilweise auch innerhalb des Sees, so dass beim Fishing Cone nur die Ablagerungen das heiße Wasser vom kalten trennen; hier kann man, mit der Angel am Quellrand stehend, im See Forellen fangen und diese alsbald, ohne sich von der Stelle zu rühren, im heißen Wasser kochen — ein Scherz, der öfters praktiziert wird, wie die vielen umherliegenden Gräten und Fischskelette beweisen.

Im Lunchzelt, wo uns ein kaum genießbares, dem Ende der Saison entsprechendes Frühstück vorgesetzt wurde, fanden wir eine Gesellschaft Deutscher, welche sich zu einer vierwöchentlichen Jagdexpedition südlich der Parkgrenze begaben und viel von den großen VVildmengen jener Gegend zu faseln wussten; das fürsorgliche Park-Kavalleriekommando hatte den Jüngern Nimrods für die Dauer der Reise durch den Park die Gewehre versiegelt.

Auf dem kleinen, nicht der Parkgesellschaft, sondern einem privaten Unternehmen gehörigen Dampfboot „Zillah“, das uns über den See brachte, fungierte der Kapitän aus Ersparungsrücksichten auch als Steuermann, Kassier und Stewart; den Hauptschmuck des Bootes bildete ein unter dem Sternenbanner angebrachtes, kapitales Wapiti-Geweih — eine in diesen Gegenden weit verbreitete Sitte; sah ich doch einmal sogar eine Lokomotive, die auf dem Rauchfang ein Geweih trug. Idyllische, lautlose Ruhe herrscht im Gebiete des Bergsees, den in prächtiger Umrahmung mächtige Berge umfassen, so der Mount Sheridan, Mount Cathedral, Grizzly, Eagle Peak und Mount Table. Vom Ufer an ziehen sich auf den Bergen bis zur Vegetationsgrenze unermessliche Forste empor, welche auch den Hauptstandort der hier heimischen Büffel bilden; eine kürzlich diese Stelle passierende Gesellschaft soll sogar einige dieser Riesen der Tierwelt vom Schiff aus gesehen haben. Zahlreiche Enten sowie Gänse bevölkerten den See und tummelten sich in nächster Nähe unseres Fahrzeuges umher; in einiger Entfernung sahen wir Schwäne und Pelikane, und auf einer kleinen Sandbank saß ein Seeadler mit schneeweißem Kopf und Stoß.

Das Yellowstone Lake Hotel, ein ebenfalls geschmackloser Bau, steht auf einem kleinen Hügel oberhalb des Sees und ist mir infolge seiner Lage sowie seiner Aussicht das sympathischeste unter allen Hotels im Park, die ich bisher kennen gelernt habe.

Da mir der Besitzer des Dampfers den Vorschlag gemacht hatte, vor Sonnenuntergang noch auf Lachsforellen zu fischen, fuhren wir in zwei kleinen Booten bis zur Austrittstelle des Yellowstone-Flusses aus dem See, dort unser Glück zu versuchen; ich fischte mit einer Schleppangel und einer Fliege, doch war nicht viel Aussicht auf Erfolg vorhanden, weil nur die Monate Juli und August für den Fischfang günstig sind und die Fische infolge der Kälte wenig Neigung zeigten, anzubeißen. In dem prächtig klaren Wasser des Flusses, in dem man überall, selbst bei bedeutender Tiefe bis auf den Grund sehen konnte, tummelten sich zwar zahlreiche Fische, aber auch die verlockendsten Fliegen übten lange keine Anziehungskraft, bis endlich zwei Lachsforellen der Versuchung doch erlagen und Imhof zur Beute fielen, der mit mir im Boot saß. Diese Salmoniden zeichnen sich hier durch besonders schöne Färbung aus, da ihre goldgelbe und rosenrote Haut mit zahlreichen, dunklen Flecken bedeckt ist.

Ein gleichfalls dem Fischfang obliegender Deutscher, dem wir zufällig begegneten, versicherte uns, dass die Fische am Morgen noch etwas besser angebissen hätten, die jetzige Stunde jedoch ganz ungeeignet sei, so dass wir uns zum Rückzug entschlossen, während desselben durch das herrlich schöne Untergehen der Sonne, ein Alpenglühen und den gleichzeitigen Aufgang des Mondes über dem stillen Bergsee für den wenig befriedigenden Fischfang reichlich entschädigt.

Für den späten Abend wurde uns noch der Anblick eines Bären versprochen, welcher, wie man im Hotel behauptete, nach Anbruch der Dunkelheit täglich dem beim Hause befindlichen, mit den zahlreichen weggeworfenen Konservenbüchsen ausgestatteten Düngerhaufen seinen Besuch abstattet; tagszuvor hatte ihn eine Gesellschaft bei seinem Mahl überrascht, worauf er brummend einen Baum erkletterte und von den Anwesenden mit Holzstücken beworfen wurde. Trotz langen Wartens bekam ich nichts zu Gesicht, fand aber einen Pferdekadaver, der bereits von einem Bären angeschnitten war.

Eine stark decolletierte und mit Brillen versehene ältliche Hebe, die einen äußerst komischen Eindruck machte, bediente uns beim Souper. Nachtsüber mussten wir in den ofenlosen, feuchten Zimmern empfindliche Kälte ertragen.

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Fountain Geyser Hotel, 23. Sept. 1893

Die Yellowstone Park Company verwaltet als privilegierte Hotel-Aktiengesellschaft auch das Transportwesen und hat für ihre Pferde, welche die anstrengende 68 km lange Fahrt vom Mammoth Hot Springs Hotel bis zu dem im Lower Geyser Bassin gelegenen Fountain Geyser Hotel ohne Relais zurücklegen müssen, hier eine Art Rasttag eingeschaltet, welcher in der Regel zu einer dreistündigen, ungemein interessanten Fahrt nach den schönsten und größten vulkanischen Gebild des Parkes, im Lower und im Upper Geyser Bassin benützt wird.

Clam konnte heute leider nicht an unserer Fahrt teilnehmen, da sich bei ihm abermals eine Mahnung an das Tropenfieber eingestellt hatte. Dichter Nebel überdeckte morgens das ganze Land, doch hob er sich bald und räumte einem sehr schönen, verhältnismäßig warmen Tag das Feld. Vor der Abfahrt hatten wir noch einen hartnäckigen Kampf mit unserem Kutscher, der um keinen Preis das große, aussichtbehindernde Dach der Coach abnehmen wollte und sich erst, als von uns telegraphisch ersuchte Direktion ihre Erlaubnis erteilte, brummend entschloss, unserem Wunsche zu willfahren, jedoch nicht ohne hiebei das Gerüst des Daches zu brechen.

Der Wagen rollte zunächst über eine hohl klingende Kalksinter-Terrasse, die befürchten ließ, dass wir einsinken würden, und in der Tat glitt eines unserer Hinterräder in den kleinen Krater einer heißen Quelle. Kaum fünf Minuten vom Hotel entfernt, sahen wir einen kapitalen Wolf, der auf 200 Schritte vor uns über eine ganz freie Fläche trollte und wieder unser lebhaftes Bedauern, im Park nicht jagen zu dürfen, wachrief; längere Zeit hindurch konnten wir ihn auf Schussdistanz beobachten, bis er, beständig nach uns zurückäugend, im Wald verschwunden war.

Hart an dem Firehole River liegt der Excelsior Geyser, welcher seit dem Jahre 1888, mit einer kurzen Ausnahme im Jahre 1890, nicht mehr gespielt hat, früher aber allerdings der bedeutendste im Becken war und seine Wassermassen 60 bis 90 m hoch emporschleuderte, als richtiger „Geysir“, altisländisch der Wütherich. Jetzt sieht man nur noch einen großen Krater mit siedend heißem Wasser, das in der Mitte dunkelblauen, an den Rändern aber infolge der durchscheinenden Ablagerungen rötlichen Schimmer zeigt, der sich selbst in den aufsteigenden Dämpfen spiegelt.

Unweit des Excelsior Geyser hielt unser Wagen knapp am Rande der Turkoise Springs, deren klares Wasser tatsächlich von türkisblauer Farbe ist; bemerkenswert sind auch die nebenliegenden Quellen, Artemisia und Morning Glory.

Eine Brücke des Firehole leitet in das ausgedehnte Obere Geyserbecken, welches zahlreiche Quellen und gegen 40 Geyser enthält, deren wir schon nächst der Brücke einige erblickten und zwar zuerst den Riverside Geyser, dessen in bestimmten Intervallen erfolgende Eruption wir leider versäumten, dann den Grotto, der eine Art Wölbung und einen keulenförmigen Kegel über seine Quelle gebaut hat; der nächste Geyser wird nach seiner Kraterform Castle genannt, springt in unregelmäßigen Perioden und gleicht, meiner Ansicht nach, einem rauchenden, großen Kamin.

Der schönste und größte aller gegenwärtig tätigen Geyser ist der Old Faithful, welcher diesen Namen in der Tat verdient, denn er hält seine Eruptionszeit, 65 Minuten Ruhe und 4 Minuten Spiel, genau ein. Wir konnten daher die bis zur nächsten Eruption fehlende halbe Stunde zum Besuch einer schneeweißen Kalkterrasse verwenden, die auf gewölbter Oberfläche eine ganze Reihe von Brunnen trägt; so den Beehive mit bienenkorbähnlichem Kegel, welcher derart regelmäßig gebaut ist, dass man ihn für ein Kunstprodukt halten könnte; die durch eigentümliche, schwarzviolette Wasserfarbe ausgezeichnete Giantess, welche nur alle 14 Tage springt, während ihr Gemahl, der Giant, sehr launisch ist und seine Wasserkünste in zum voraus unbestimmbaren Zwischenräumen produziert.

Sehr herzige Geyserchen sind der „Schwamm“ und der „Schmetterling“, welche lebhaft pustend und wichtig tuend kleine Wassersäulchen aufwerfen; ersterer gleicht in Farbe und Aussehen vollkommen einem Schwamm, während letzterer genau die Konturen der Flügel eines Schmetterlings zeigt. Beim Lion und bei der Lioness, kleinen Geysern mit kegelförmig aufgebauten Kratern, ist an der Außenwand eine blasenartige, harte Sinterablagerung bemerkbar, welche als etwas Neues und noch nicht Gesehenes zur Mitnahme eines Stückchens reizt; doch verhindert der scharf auslugende Soldat, welcher keine Reisegesellschaft unbeobachtet Iässt. jegliche Ausbeute und griff, als es Imhof endlich nach schwerer Mühe gelungen war, ein Stück des Sinters verschwinden zu lassen, sofort zu, um den kostbaren Schatz wieder der Tasche des Frevlers zu entreißen.

Unser Führer machte uns nun aufmerksam, dass es Zeit sei, wieder zum Old Faithful zurückzukehren, wo mich meine Neugierde zuerst noch einen Blick in den bereits rumorenden Krater werfen ließ, welches Unterfangen durch eine heiße Dampfwolke bestraft wurde, die mich plötzlich einhüllte und heftig brannte. Unmittelbar darauf erfolgte die Eruption, die gewaltige Wassermasse erhob sich wie ein immenser Springbrunnen etwa 45 m hoch, ein herrliches Schauspiel bietend, dessen Wirkung durch das schöne Wetter, den tiefblauen Himmel und den dunkelgrünen Hintergrund des Tannenwaldes bedeutend gehoben wurde. Ebenso rasch wie sie gekommen war, sank die gigantische, sich nach jeder Seite hin verschieden präsentierende Wassersäule in den Krater zurück, dessen Umgebung aus kleinen, wellenförmig gezeichneten Becken besteht, in welchen das zurückgebliebene Wasser rasch verdampft.

Auf den nach dem Naturgenuss sich einstellenden Hunger der Reisenden ist durch ein hölzernes Hotel Bedacht genommen, woselbst gefrühstückt wird. Da der Old Faithful, wie bemerkt, alle 65 Minuten springt, warteten wir diese Frist ab, um einen neuerlichen Ausbruch zu bewundern und photographische Aufnahmen zu machen.

Mit den erwähnten Geysern und Quellen ist die Zahl derartiger Erscheinungen noch lange nicht erschöpft, weshalb ich nachmittags in einem leichten Wagen noch eine Reihe anderer Geyser besichtigte. Man sollte glauben, dass diese einander mehr oder weniger gleichen und daher bei dem Besucher bald Ermüdung eintritt; doch ist dem nicht so, da jedes der Naturwunder sich durch besondere Merkwürdigkeiten und Eigentümlichkeiten auszeichnet.

Der bereits vormittags gesehene Grotto machte uns die Freude, sich eben zu produzieren, indem er einer Kaskade gleich aus verschiedenen Öffnungen heißes Wasser ausströmen ließ; dann kamen wir zur Punsch-Bowle, einer kochenden Quelle mit erhöhtem Rande, zur White Pyramid, dem Kegel eines erloschenen Kraters, zum Splendid Geyser, Fan, Mortar und wie alle diese Naturspiele noch heißen mögen. In einem kleinen Seitenthale blendete uns die schneeweiße Ablagerung mehrerer Quellen, welche sich daselbst moränenartig ausbreitet und die abgestorbenen Bäume allmählich versteinert.

Hodek wollte uns in besonders malerischer, dem Charakter der Gegend entsprechender Pose photographieren und bat uns, den sehr steilen Krater des anscheinend ruhigen Castle Geyser zu besteigen und auf dem schmalen Rand desselben Stellung zu nehmen. Dieses Bild kühner Kraterbesteigung wäre jedenfalls sehr originell gewesen, doch waren Prónay und ich kaum oben angelangt, als dem alten Castle unsere Absicht zu missfallen schien; denn plötzlich begann er zu speien und uns beide mit Wasser zu überschütten, während heißer Dampf überdies Prónay an der Nase verbrannte. Unwillkürlich mussten wir zugestehen, dass unser Unternehmen auch nicht viel vernünftiger war, als jenes des Deutschen bei dem Constant Geyser, und ließen uns in dem neuerlichen Spiel des Old Faithful, das wir aus der Ferne betrachteten, Ersatz für unseren verunglückten Einfall bieten.

Auf einem anderen Weg, als jenem, den wir gekommen waren, kehrten wir zum Hotel zurück, wobei wir unter dem Geschnatter mehrerer Flüge Gänse eine ziemlich tiefe Furt des Fireholes mit dem Wagen zu passieren hatten. Während meine Herren abends noch spazieren gingen, blieb ich im Hotel, an meinem Tagebuch schreibend, bis mich der prachtvolle Mondesaufgang wieder ins Freie lockte.

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Fountain Geyser Hotel, 22. Sept. 1893

Der heutige Tag ließ sich bitterkalt, wenngleich schön und wolkenlos, an. Auf beinhart gefrorenem Boden entrollte unsere Coach dem Hotel und bog an den Springs vorbei in die Schlucht des Gardiner Rivers, wo die Straße so steil ansteigt, dass unsere vier guten Pferde nur mühsam Schritt für Schritt vorwärts kamen. Trotz Pelz, Decke und des Lebenserweckers Cognac froren wir während der ersten Stunden der 68 km langen Fahrt recht empfindlich.

Nach einiger Zeit erreicht man das Ende der Schlucht, eine Art Pass, welcher nach einem gelben, an den Felsen wachsenden Moos Golden Gate genannt wird und in dem sich der Weg längs einer Felswand über eine hölzerne Brücke hinzieht.

Das Golden Gate findet sich in allen Reisehandbüchern bildlich dargestellt, und unzählige Photographien desselben werden verkauft; doch gibt es in unseren Gebirgen Hunderte viel schönerer Schluchten und Pässe, deren niemand erwähnt. Mir fiel es schon hier auf, dass in Amerika der Humbug auch auf Naturschönheiten ausgedehnt wird und manche ganz unbedeutende Erscheinungen und Punkte dem Reisenden als bewunderungswürdig aufgedrängt werden. Ich bin gewiss ein großer Freund der Natur und ihrer Reize, genieße den begründeten Ruf eines Naturschwärmers, kann tagelang in einer schönen Gegend oder im Walde verweilen und dennoch in jedem Baum, jedem Berg, kurz in allem neue Anziehungspunkte finden; wenn mir aber Reisehandbücher, Fremdenführer, Reisemarschälle und Kutscher gewissermaßen anbefehlen, etwas „schön“ zu finden, so verfliegt meine Bewunderung. ich beginne, nüchternen Auges zu prüfen und Vergleiche mit der Heimat anzustellen, die meistens zugunsten der letzteren ausfallen.

Leider ist die ganze Schlucht mit toten Bäumen, den Zeugen früherer Waldbrände, besäet, und die Regierung könnte wenigstens hier im Nationalpark neben der Straße Aufforstungen vornehmen lassen. Der Gardiner stürzt als kleiner Wasserfall vom Kamm des Passes, über den wir auf ein ebenes, prairieartiges Hochplateau kamen; in dessen Mitte liegt der Swan Lake, der trotz dieses hochtrabenden Namens eigentlich nur eine kleine Pfütze ist. Hinter uns ragte der 3400 m hohe Electric Peak, der höchste Berg des Yellowstone-Parkes. auf, zu unserer Rechten erhoben sich die Schneegipfel des Quadrant Mount, des Bannock Peak und des Mount Holmes, dreier mächtiger, steiler Berge, welche sämtlich über 3000 m hoch sind.

Nach der monotonen Prairie des Hochplateaus nahm uns lebender Wald auf, der sich zwar an Schönheit mit den Forsten unserer Breiten nicht vergleichen lässt, aber doch nur eine geringe Anzahl verbrannter oder vom Schneedruck geknickter Bäume enthält. Kiefern und Tannen bilden beinahe ausschließlich den Bestand, nur hin und wieder lugen einige zwergartige Zitterpappeln oder Weiden aus dem dunklen Grün des Nadelholzes hervor. Da es heute eine prächtige Neue gab, unterhielten wir uns damit, die zahlreichen, den Weg kreuzenden Fährten anzusprechen und entdeckten viele, durch bedeutende Größe ausgezeichnete Elk-(Wapiti-)Fährten, ferner solche von Wölfen, Füchsen und Hasen. Eichhörnchen dreierlei Arten, darunter ein ganz kleines, gestreiftes, niedliches Tier, huschten pfeilschnell umher oder sonnten sich auf den gestürzten Bäumen, um beim Herannahen des Wagens rasch wie der Blitz im Geäst oder Wurzelwerk zu verschwinden.

Der Wildreichtum des Parkes ist dank dem geltenden, strengen Jagdverbot ganz ansehnlich; die letzten Vertreter der einst unzählbaren, wilden Büffelherden, sinnloser Vernichtungswut roher Farmer und Cowboys entrückt, fristen hier ihr Dasein; neben ihnen gibt es Wapitis, Moose (das eigentliche Elch), Big-horns, Bergschafe, kleinere Hirschgattungen, sechs Varietäten von Bären (Grizzly, Cinnamon, Black, Silvertipped, Smutfaced und Silk Bears). einen Bergpanther (Mountain Lion), Wölfe, Füchse, Coyotes, Biber, — anderwärts dem Aussterben nahe, wenn nicht der Verfolgung Einhalt gethan wird — Ottern, Marder, Moschusratten, Hermeline, Hasen, Kaninchen, Dachse, Iltisse und sogar eine Art von Stachelschweinen. Von Flugwild findet man Grouse, Adler und andere Raubvögel, Eulen, viele Gänse und Enten, Pelikane und angeblich Schwäne; dann Kraniche, Krähen, Raben, eine Art blauer Heher und häufig Tannenheher, die in Stimme, Flug und Gebaren den unseren ähnlich sind.

Trotz der überall angebrachten Tafeln, welche ein „No Shooting“ sprechen, und obschon die Militärabteilung auch die Ausübung der Jagd zu verhindern hat, wird doch viel gewildert. So hörte ich, dass vor kurzem von einer Bande bei 500 Stück Wapitis erlegt und über die Grenze geschafft wurden, und ob nicht die Captains, welche mit ihrer Mannschaft in den langen, einsamen Wintermonaten, während welcher der Park gesperrt ist, dessen einzige Bewohner sind, manchmal zur Büchse greifen, möchte ich dahingestellt sein lassen.

Drei Kilometer vom Swan Lake kreuzt man den Indian Creek und den Willow Creek, die hier in den Gardiner münden, und steht bald darauf dem Obsidianfelsen gegenüber, den ich mir wesentlich anders vorgestellt hatte; der erkaltete Strom vulkanischen Glases ist allerdings am Felsen und auf den vielen umherliegenden Bruchstücken zu bemerken, doch sind der Lichteffekt und die Spiegelung keineswegs so außerordentlich, wie sie geschildert werden. Das Interessanteste ist jedenfalls, dass der als guter Orientierungspunkt dienende Felsen den Indianern, denen er als heilig galt, in seiner harten Masse einst vortreffliches Material für Pfeilspitzen geliefert hat. Als die Straße hier durchgelegt wurde, wollte man das schöne Gestein nicht durch Pulver- oder Dynamitsprengungen verwüsten, sondern erhitzte es stark, um dann rasch kaltes Wasser darüber zu gießen — ein Verfahren, infolge dessen sich der Fels von selbst spaltete.

Zu unserer Rechten lag der Beaver Lake, ein kleiner, hübscher Waldsee mit blauem Spiegel und Biberbauen; hier, wie auf allen Wasseransammlungen gibt es eine Menge Enten, die gar nicht scheu sind und ganz vertraut in nächster Nähe unseres dahinrollenden Wagens umherschwammen. An einem kleinen, in der Nähe des Beaver Lake gelegenen See erwartete uns eine große Überraschung; denn als wir ahnungslos das Ufer entlang fuhren, sahen wir plötzlich auf einer Wiese am Rande des Wassers eine braune Masse sich bewegen, in der wir endlich, auf 150 Gänge herangekommen, zu unserer größten Freude einen mächtigen Biber erkannten; einen solchen am hellichten Tage lustwandeln zu sehen, ist wohl eine besondere Seltenheit, was auch unser Kutscher, der diese Strecke einen geraumen Teil des Jahres hindurch befährt, bestätigte.

Wir ließen den Wagen gleich halten und beobachteten das Tier, welches sich keineswegs stören ließ; selbst als wir schrien und pfiffen, wechselte es langsam wackelnden Ganges fort, nur manchmal sich verhaltend und nach uns zurückäugend. Wie sehr bedauerte ich das leidige »No Shooting«, das mir einen Schuss auf dieses rare Tier verwehrte — was für eine kostbare Jagdtrophäe hätte doch dieser anscheinend sehr alte Herr abgegeben! Er war so nahe, dass ich seinen schönen, dichten Pelz mit den langen, silbergrau angehauchten Spitzen, den keilförmigen, starken Schwanz und die plumpen Läufe genau wahrnehmen konnte. Dieses Intermezzo hob unsere etwas „eingefrorene“ Stimmung umsomehr, als auch die Sonnenwärme allmählich fühlbarer zu werden begann

Es befremdete mich sehr, dass der Kutscher von Zeit zu Zeit anhielt und die dampfenden Pferde ihres erhitzten Zustandes ungeachtet mit Schneewasser tränkte, was ich bei meinen Pferden nicht wagen würde; als wir ihn deshalb interpellierten, meinte er, dies sei von der Gesellschaft so angeordnet, und er müsse an dieser Stelle während des ganzen Jahres tränken. Im Sommer mag dies allerdings angehen, doch finde ich die blinde Befolgung solcher Vorschrift bei dieser Jahreszeit und den obwaltenden Umständen sehr kühn oder sehr töricht.

Abermals folgten zwei kleine Seen, die Twin Lakes, wonach es auf einem manchmal recht schlechten Wege durch ein waldiges Tal gieng, bis wir die Lunchstation, das Norris-Hotel, erreicht hatten, welches bereits zweimal abgebrannt ist, so dass jetzt an dessen Platz nur ein großes Zelt steht; in diesem suchen zahllose Fliegen. die Gäste quälend, vor der herannahenden Winterkälte Schutz und wird den Reisenden schlechtes, kaltes Frühstück vorgesetzt. Der Wirt spielt sich auf den Witzbold und Hanswurst hinaus, hat aber auch Anfälle besonders zutunlicher Art, in welchen er den Gästen die Hand reicht und sie wie alte Freunde und Bekannte begrüßt; so rief er Wurmbrand zu: „Oh, wie geht es Ihnen, lieber Herzog!“ und tat ähnlicher Kindereien mehr.

Gleichzeitig mit uns trafen aus der entgegengesetzten Richtung mehrere Gesellschaften ein, deren Damen zumeist nichts weniger als jung waren. Während der Fahrt waren uns ziemlich viele Reiter mit Bagagepferden und kleine Familienwagen begegnet, meist ärmere Leute, welche den Yellowstone-Park im Lauf der warmen Jahreszeit campierend durchzogen hatten und jetzt vor der einbrechenden Kälte reißaus nahmen. Ein Wagen mit einer sehr korpulenten Familienmutter und einer ganzen Schar hoffnungsvoller Sprösslinge jeglichen Alters, die auf Betten und Küchengerätschaften saßen, nahm sich ganz wie ein Zigeunerwagen aus.

Die bewaffnete Macht wurde durch eine Patrouille vertreten, die uns singend, aber vor Kälte klappernd und mit theatralischen Sombreros sowie mit Stulphandschuhen angetan, entgegengeritten kam. Sobald wir Hunger und Durst mit kaltem Fleisch und mit einer Flasche des so berühmten amerikanischen Zinfandel-Weines gestillt hatten, eilten wir zu Fuß zur Besichtigung der naheliegenden Sprudel und heißen Quellen; hier sah ich zum ersten Mal einen tätigen Geyser, den sogenannten Constant Geyser oder Minute Man, der zwar unter seinen Brüdern einer der kleinsten ist, aber als erstgelegener unsere Aufmerksamkeit fesselte. Inmitten einer großen Kalksinter-Terrasse steigt derselbe mit besonderer Emsigkeit alle vier Minuten 6 m hoch und schleudert hiebei seine kristallklare Wassersäule unter bedeutender Dampfentwickelung wie ein starker Springbrunnen empor, die ganze Umgebung mit heißem Wasser übersprudelnd.

Ganz nahe hievon ist der Black Growler, ein nicht mehr tätiger Geyser, der aber unter heftigem, unterirdischem Getöse eine Dampfsäule ausstößt. Wenige Schritte von der Straße liegt in einer Höhlung der Mud Geyser, eine anscheinend ruhige Quelle mit glattem Spiegel; im Verlauf von je 20 Minuten zeigen sich jedoch Bläschen auf der Oberfläche, und plötzlich steigt das Wasser mit starkem Rauschen 2 m hoch empor, einen Kegel bildend, wie solche bei manchen künstlichen Wasserwerken zu sehen sind; acht Minuten dauert diese merkwürdige Naturerscheinung an, dann fällt die ganze heiße Wassermasse ebenso rasch, wie sie erschienen ist, wieder in sich zusammen und die Quelle liegt klar und ruhig vor uns, wie vordem.

Weiterschreitend, kamen wir zum Emerald Pool, einem erloschenen Geyser, dessen Wasser im Krater eine so schöne grüne und blaue Farbe hat, wie ich solche noch bei keiner anderen Quelle gesehen habe; in der unergründlichen Tiefe ist die Strahlenbrechung des Lichtes einzig in ihrer Art.

Der in einer kleinen Nebenschlucht liegende Monarch Geyser ist ziemlich jung und in seinen Eruptionszeiten höchst unzuverlässig, da er in längeren, ungleichen Intervallen seine allerdings 30 m hohe Wassersäule steigen lässt; dieser Geyser wurde ebenso, wie mancher andere im Park, durch Hineinwerfen von Seife verdorben. Letztere hat nämlich die merkwürdige Wirkung, eine plötzliche Eruption hervor zurufen; doch hat die übermäßige Anwendung dieses chemisch Gewaltmittels einzelne Geyser überreizt, so dass manche ganz ausblieben oder unregelmäßig und nur mehr auf geringere Höhe sprangen. Das jetzt zu Kraft bestehende Verbot dieses Unfuges ist zu spät erflossen, da viele Geyser durch das „Seifen“ bereits außer Tätigkeit gesetzt worden sind.

Außer den genannten besitzt das Norris Geyser Bassin noch eine große Zahl kleinerer Geyser und heißer Quellen, die für sich allein betrachtet, alle höchst interessant wären, jedoch in der Gemeinschaft mit großartigeren Erscheinungen, die zu Vergleichen veranlassen, an Bedeutung verlieren.

Am Tage vor meiner Ankunft hatte ein Norddeutscher, welch sich vor einer Schar Damen als „verfluchter Kerl“ produzieren wollte, die unüberlegte Idee, sich über dem Constant Geyser mit gespreizten Beinen aufzustellen; als die Eruption erfolgte, wurde er ganz verbrüht und schwebt jetzt, als das Opfer seines kindischen Bravourstückes zwischen Leben und Tod.

Im Verlauf der Weiterfahrt kamen wir an den Elk-Park, eine große, waldumschlossene Wiese, welche der Gibbon River mit ruhigem Lauf durchströmt; an den Ufern desselben sahen wir mehrere der schönen amerikanischen Gänse mit dunkelblauen, beinahe schwarzen Köpfen und Hälsen sowie mit weißen Bandstreifen. Sie zeigten sich, entgegen den Gewohnheiten ihrer europäischen Verwandten, sehr vertraut und ließen uns nahe herankommen. Außer diesen erblickten auf dem ganzen Wege nur wenige Vertreter der gefiederten Welt; hin und wieder eine Weihe oder einen Bussard, ziemlich häufig kleine Falken mit graublauem Leib und roten Flügeln, einige Heher, Drosseln, Grouse, Finken und Meisen. Unter der sehr spärlichen Flora fiel mir nur ein Enzian mit langstieligen, violetten Blüten auf.

Unsere Stage Coach rollte in einem waldigen Tal vorwärts den Gibbon River entlang, dem Weg folgend, welcher sich durch den dunklen, von scharf gezeichneten Felspartien unterbrochenen Fost schlängelt; endlich verengte sich das Tal schluchtartig, der Weg st bis zu einem Punkt steil an, von dem aus wir tief unter uns malerischen Gibbon Falls erblickten. Der Fluss stürzt daselbst über einen 25 m hohen Felsen und vereinigt sich im Tal des Firehole River mit diesem zum Madison River. An einer Biegung des Waldes überblickten wir unermessliche Waldstrecken, welche in weiter Ferne von den drei weißen, 4270 m hohen, außerhalb des Parkes liegenden Sentinels der Teton Mountains überragt werden; diese Berge bilden die Grenze zwischen Wyoming, dem Gleichheitsstaat, in dem Männer und Frauen die gleichen politischen Rechte genießen, und Idaho.

Steil bergab fahrend, kommen wir in das Tal des Firehole Rivers, passieren eine Station sowie ein Zeltlager der den Polizeidienst versehenden Kavallerie-Escadron und sind nach achtstündiger Wagenfahrt um 5 Uhr abends in dem von einem Kranz dampfender Quellen und Geyser umgebenen Fountain Geyser Hotel.

Hier waren wir im eigentlichen Zentrum der vulkanischen Oberflächenerscheinungen angelangt und benützten rasch den erübrigenden Rest des Tages, um den größten der hierorts gelegenen Geyser, den nur wenige Minuten vom Hotel entfernten, alle zwei bis drei Stunden springenden Fountain Geyser zu besuchen, wo wir zahlreiche Reisende fanden, die ebenfalls den Moment der Eruption erwarteten. Zu meinem größten Erstaunen sah ich bei einem der kleineren, beinahe kontinuierlich in Tätigkeit befindlichen Nebengeyser eine Bekassine am Rand des Kraters in dem heißen Wasser umhertrippeln und stechen.

Ein allgemeines Ah! der Wartenden rief mich an den Rand des großen Geysers, in dem sich alsbald unter starkem Brodeln und Zischen eine mächtige, 10 m breite Wassersäule zu einer Höhe von 45 m erhob; die Strahlen der untergehenden Sonne brachen und spiegelten sich in der massigen Wassergarbe und boten einen herrlichen Farbeneffekt, den ein anwesender lebhafter Franzose nicht mit Unrecht jenem einer Fontaine lumineuse gleichstellte.

Kaum war das Spiel des Fountain Geysers beendet und Ruhe in dem aufgeregten Wasser eingetreten, so harrte unser schon ein neues Schauspiel, die Mammoth Paint Pots, große Schlammquellen, welche in fortwährender Bewegung sind; schneeweißer, zäher, heißer Schlamm, frisch gelöschtem Kalk ähnelnd, wird hier an zahlreichen Stellen in Form von hemisphärischen Massen, Kegeln, Ringen oder auch als Strahl emporgeschleudert und fällt klatschend wieder zurück.

Der lebhafte Franzose und ich konnten uns nicht enthalten, mit unseren Stöcken in die Masse zu stechen und Stückchen vom erkalteten Rand hineinzuwerfen, doch zeigte sich alsogleich das wachende Auge des Gesetzes in Gestalt eines Soldaten, der uns diesen Übergriff gegen die »Rules and Regulations« verwies. Diese Ordnungswächter, deren stets einer in der Nähe der hervorragendsten Punkte anzutreffen ist, sind von peinlichster Genauigkeit und wachen strenge darüber, dass kein Steinchen des Nationaleigentumes abhanden komme.

Zum Hotel zurückgekehrt, weideten wir uns länger an de prächtigen Bild, das der helle Schein des aufgehenden Mondes in die Rauchsäulen der Geyser wob, als an dem Diner, welches genau so schlecht war, wie wir es bisher in Amerika noch überall gefund hatten; nur waren in angenehmer Weise die unhöflichen Kellner dur eine Schar hübscher Mädchen ersetzt, die von einer sehr alten und sehr mageren „Chefin“ mit Argusaugen bewacht wurden.

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