Kategorie-Archiv: diary

diary entries of Franz Ferdinand

In See nach Sydney, 14. Mai 1893

Der Himmel war stark bewölkt; über dem Land standen dichte. schwarze Wolkenstreifen. Die Temperatur war sehr gefallen; die See ging hohl, so dass die Rollbewegungen immer intensiver wurden und die Fahrt sich recht ungemütlich gestaltete.

Nachts hatten wir das Sandy Cap umschifft und nahmert von hier ab südlichen Kurs. Backbord haben wir offene See, steuerbord erscheint die Küste mit vereinzelten Bergen und Hügeln, deren manche absonderliche Formen aufweisen, wie die Glass House-Berge mit ihren spitzen Kegeln.

Abends kommen wir auf der Höhe von Brisbane, der Hauptstadt von Queensland, an der Moreton-Insel vorbei.

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  • Ort: nächst Moreton Island bei Brisbane
  • ANNO – am  14.05.1893 in Österreichs Presse. Das Wiener Salonblatt vermeldet FFs Abreise am 9. Mai von Thursday Island in Richtung Sydney.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Uriel Acosta”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Carmen” aufführt.

At Sea to Sydney, 14 May 1893

The sky was very cloudy; over the land there were dense black bands of clouds. The temperature had dropped markedly. The sea was rough so that the pitching became more and more intensive and the journey proved to be quite uncomfortable.

During the night we had driven around Sandy Cape and took a Southern course from there. Portside was the open sea, starboard the coast with some mountains and hills some of which with peculiar forms such as the Glass House mountains with their  pointy cones.

In the evening we passed by Moreton island on the latitude of Brisbane, the capital of Queensland.

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  • Location: near Moreton Island
  • ANNO – on  14.05.1893 in Austria’s newspapers. The Wiener Salonblatt of 14 May mentions that FF has departed Thursday Island on the 9th in the direction of Sydney.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing the tragedy „Uriel Acosta“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Carmen”.

At Sea to Sydney, 13 May 1893

In otherwise calm weather the sea was choppy so that „Elisabeth“ was pitching. These movements seemed to be caused by a high sea coming from the East. We saw the Northumberland and Percy islands, very stony islands that reminded me of Dalmatia with their steeply descending rocky shore and sparse vegetation. At noon we are opposite Port Clinton which we can only recognize as a line on the horizon. The great coral Harrier Reef that up to now has accompanied us on backboard and provided good cover against wind and sea is leaving us behind. We are now in the open sea that was by and by getting calmer. Towards 8 o’clock in the evening we crossed the tropic of Capricorn and passed the group of the Capricorn islands. Late at night the lights from Lady Elliot island are blinking at us.

During the day I had the opportunity to observe a richer wildlife than before. Dolphins appeared and played around the bow of the ship — some bullet shots fired at them proved ineffective — frigate birds and various sea gulls presented themselves; among the latter one of a species I did not know, black-brown with noticeably large and pointed wings. In an elegant flight this sea gull circled around the ship and suddenly dove into the waves to re-emerge with a skillfully caught prey.

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  • Location: near Lady Elliot Island
  • ANNO – on  13.05.1893 in Austria’s newspapers. The Sultan of Johore whom Franz Ferdinand had just visited during his stay in Singapore is now in Vienna. A small world.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die kluge Käthe“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Das goldene Kreuz”.

In See nach Sydney, 13. Mai 1893

Bei sonst ruhigem Wetter ist die See bewegt, so dass die „Elisabeth“ stampft. Diese Bewegung scheint der Ausläufer einer hohen, von Osten kommenden See zu sein. Wir sichten die Northumberland und Percy-Inseln, sehr steinige Eilande, welche durch die steil abfallenden Felsufer und die spärliche Vegetation wieder die Erinnerung an Dalmatien wachrufen. Zu Mittag sind wir gegenüber von Port Clinton, das wir nur als eine Linie am Horizont erkennen. Das große Korallen-Harrier Reef, welches uns bis jetzt stets backbord begleitet und einen guten Schutz gegen Wind und See gebildet hat, verlässt uns: wir befinden uns in freier See, die allmählich ruhiger wird. Gegen 8 Uhr abends überschreiten wir den Wendekreis des Steinbockes und passieren die Gruppe der Capricorn-Inseln. Spät nachts blinkt uns das Feuer von der Lady Elliot-Insel entgegen.

Im Lauf des Tages hatte ich Gelegenheit, eine reichere Tierwelt als bisher zu beobachten; Delphine erschienen und umspielten den Bug des Schiffes, — einige auf sie abgegebene Kugelschüsse blieben erfolglos — Fregattenvögel und verschiedene Möwen zeigten sich; unter letzteren eine solche von mir unbekannter Art, schwarzbraun gefärbt, mit auffallend langen und spitzen Flügeln; in elegantem Flug umkreiste diese Möwe das Schiff und stürzte plötzlich in die Wogen, um mit einem geschickt erhaschten Fang wieder emporzuschnellen.

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  • Ort: nächst Lady Elliot Island
  • ANNO – am  13.05.1893 in Österreichs Presse. Der Sultan von Johore, den Franz Ferdinand besucht hat, ist in Wien eingetroffen.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Das goldene Kreuz” aufführt.

In See nach Sydney, 12. Mai 1893

Bei schönstem Wetter fuhren wir stetig weiter. Früh morgens passierten wir die Palm-Inseln, in der Halifax Bay späterhin die Insel Magnetic und das mit einem Leuchtfeuer geschmückte Cap Cleveland. Der Mittagspunkt lag heute östlich von Cap Bowling. Die Küste tritt nunmehr zurück und nur in undeutlichen Konturen erscheinen uns die Berge und Hügelketten.

Gegen Sonnenuntergang nähern wir uns wieder dem Festland und fahren nahe an der Insel Gloucester vorbei, einem ziemlich großen, bergigen Eiland, das uns schon in der Ferne durch seine dichte und reiche Vegetation aufgefallen war; näher gekommen, erkennen wir einen ganzen Wald der schönen Araucaria Cunninghamii und Bidwillii, — dieser echt queensländischen Coniferen — die mit ihren dunkelgrünen, weit ausladenden Ästen die Hänge bedecken. Mit Freude begrüßen wir nach langer Zeit das erste Nadelholz, den deutlichsten Beweis, dass wir uns immer mehr aus der tropischen Region entfernten.

Noch bei genügender Beleuchtung, die alles in violettem Dunst erscheinen lässt, passieren wir die landschaftlich reizende Whitsunday Durchfahrt mit den Inseln Hook und Whitsunday. Das hell strahlende Licht eines Leuchtschiffes erleichtert die Navigation. In der Nacht steuern wir an den Cumberland-Inseln vorbei.

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  • Ort: nächst Cumberland Island
  • ANNO – am  12.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Das Hochzeitsnest”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “DIe Jüdin” aufführt.

At Sea to Sydney, 12 May 1893

We continued our journey in the most beautiful weather. Early in the morning we passed by the Palm islands, then in Halifax Bay Magnetic island and Cape Cleveland with its decoration of a beacon. At noon we were East of Cape Bowling. The coast is now retreating and mountains and mountain ridges are only visible as faint contours.

Towards sunset we approached the mainland again and drove past Gloucester island, a fairly large hilly island that we had already noticed from afar due to its dense and rich vegetation. Up close we recognize a complete forest of beautiful Araucaria Cunninghamii and Bidwillii — these true pines from Queensland — that cover the slopes with their wide dark-green branches. With joy we greet the first  conifers after a long time, a clear proof that we were more and more departing the tropical region.

Still with sufficient daylight that turned everything into a purple mist we passed through the lovely scenery of Whitsunday passage with the islands of Hook and Whitsunday. The bright light of the light beacon ship facilitates navigation. During the night we passed by the Cumberland islands.

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  • Location: near Cumberland Island
  • ANNO – on  12.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Das Hochzeitsnest“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “DIe Jüdin”.

In See nach Sydney, 11. Mai 1893

Lizard Island hat ebenfalls von einem Überfall Weißer durch Eingeborene zu erzählen. Vor acht Jahren hatte sich ein englischer Fischer mit Frau und Kind und einer kleinen Anzahl Diener auf der ganz unbewohnten Insel niedergelassen. Als einst der Mann dem Fischfang oblag, überfielen Eingeborene, die wahrscheinlich vom Festland herübergerudert waren, die Ansiedlung, in welcher sich die Frau mit den Dienern einige Zeit wacker verteidigte. Endlich flüchtete sich die Bedauernswerte mit ihrem Kind und einem Diener in eines der großen blechernen Wassergefäße, die zum Auffangen des Regenwassers dienten, stieß vom Land ab und schwamm so in die See. Nach längerem umhertreiben wurden die unglücklichen auf die kleine Insel Coquet geworfen, wo sie elend den Hungertod starben. Seit dieser traurigen Episode ist die Insel Lizard wieder unbewohnt.

Nach 5 Uhr wurden die Anker gelichtet und die Inseln Direction und Wooded, sowie die Two- und Three-Islands, ferner die Caps Flattery und Bedford passiert. Die Küste, welche wir ganz deutlich zu Gesicht bekamen, da wir uns sehr nahe an dieselbe hielten, nahm hier einen etwas anderen Charakter an, als jene zeigte, die wir in den letzten Tagen beobachtet hatten. Höhere Berge tauchten auf, die teils dicht bewaldet waren, teils an ihren Abhängen nur mit Gras bewachsene oder kahle Flächen aufwiesen. Manchmal zeigten sich auch, wie schon an den Vortagen, Schneefeldern gleichende, weiße Sandflächen. Viele der Berge dürften wohl vulkanischen Ursprunges sein; sie ragen steil aus der See empor, wie der 1090 m hohe, beim Cap Tribulation gelegene Peter Botte, der von weitem einem spitz zulaufenden Termitenhügel ähnelt.

Während bisher die Küste keinerlei Spuren menschlicher Ansiedlung gezeigt hatte, erblickten wir heute eine kleine Niederlassung, nämlich Cook Town mit seinem weithin sichtbaren Leuchtturm.

Wenige Meilen südlich Cook Towns erschienen auf zwei einander gegenüberliegenden Felsen, Archer Point und Rocky Island. Leuchtfeuer mit Signalstationen, welche, Schildwachen gleich, die hier schwierige Passage bei Nacht betreuen. Abermals eine kurze Strecke südwärts liegt ein historisches Riff, das Endeavour-Riff. Hier erlitt Cook auf seiner ersten Weltreise (1768 bis 1771), welche — ursprünglich von der Royal Geographica! Society angeregt, um in der Südsee den Durchgang der Venus zu beobachten — die Okkupation Ost-Australiens durch die britische Krone vorbereitet hat, im Jahre 1770 schwere Havarie. Er musste in der Bai, in welcher heute Cook Town liegt, längere Zeit verweilen, um das Leck seines wackeren Dreimasters „Endeavour“, eines Fahrzeuges von 350 Tonnen Gehalt und 85 Mann Besatzung, auszubessern.
Immer steiler und höher ragten die Berge an der Küste empor: namentlich die Kette der Heights of Dagmar bot uns schöne landschaftliche Bilder. Niederlassungen wurden häufiger. Bei Anbruch der Dunkelheit schimmerten uns die kleinen Häuser von Douglas und Cairns Harbour entgegen.

Wiederholt sahen wir hohe Rauchsäulen zum Himmel aufsteigen, die von Waldbränden herrühren, welche die Eingeborenen legen, um des vor dem Feuer flüchtenden Wildes, besonders der Känguruhs, habhaft werden zu können.

Eine Stunde nach Sonnenuntergang wurde bei Cap Grafton der Kurs gewechselt und bei den Inseln Fitzroy und Frankland vorbei genommen, bis gegen Mitternacht die Lichter von Johnstone River in Sicht kamen.

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  • Ort: nächst Frankland Island
  • ANNO – am  11.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während da k.u.k. Hof-Operntheater die Oper “Tannhäuser” aufführt.

At Sea to Sydney, 11 May 1893

Lizard Island can also tell about a raid of natives on whites. Eight years ago, an English fisherman with wife and child and a number of servants had settled on the totally uninhabited island. When the man was out fishing, natives raided the settlement, having probably rowed over from the mainland. The woman and the servants defended it bravely for some time. Finally  the poor woman fled with her child and a servant in one of the large tin water containers that are used to collect rain water, set off from the land and thus swam out into the sea. After a long drift the miserable party landed at Coquet island where they all perished from hunger. Since this sad episode Lizard island is again uninhabited.

After 5 o’clock the anchors were hoisted and the islands of Direction and Wooded passed, as well as Two and Three Islands and the Capes Flattery and Bedford. The coast which was clearly visible as we were driving close to it changed its character from what we had observed during the days before. Higher mountains appeared that were partly densely covered with woods and partly on their slopes were only covered with grass or had bare spots. Sometimes, there were, as during the day before, white sand fields that resembled snow fields Many of the mountains probably are of volcanic origin. The rise steeply out of the sea like the 1090 m high Pieter Botte at Cape Tribulation that looks from a far like a conical termite mound.

While up to now there had been no signs of human settlements visible on the coast, today we sighted a small settlement namely Cook Town with its light house visible from afar.

A few miles south of Cook Town appeared two light beacons with signal stations on two rocks opposite one another on Archer Point and Rocky Island. Like guardians they protect the difficult passage at night here. A short distance further to the south lies a historic reef called Endeavour reef. Here Cook suffered major damage in the year 1770 on his first voyage around the world (1768 to 1771), which — originally started by the Royal Geographica! Society to observe the transit of Venus in the south sea — prepared the occupation of East Australia by the British crown. He had to stay for quite some time in the bay where now lies Cook Town to repair the leak on his brave three-mast ship „Endeavour“, a vehicle of 350 tons displacement and a crew of 85 men.

Repeatedly we saw high pillars of smoke rise into the sky that were caused by forest fires which the natives start to catch game, especially kangaroos fleeing from the fire.

An hour after sunset the course was changed at Cape Grafton and having passed by the islands of Fitzroy and Frankland, towards midnight the lights of Johnstone River came into view.

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  • Location: near Frankland Island
  • ANNO – on  11.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die kluge Käthe“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the opera “Tannhäuser”.

In See nach Sydney, 10. Mai 1893

Bei Morgengrauen wurde der Anker gelichtet und die Fahrt fortgesetzt, und zwar durch die Weymouth Bay, bis wir das Cap Weymouth und die Insel Restoration in Sicht bekamen.

Diese war vor wenigen Wochen der Schauplatz eines blutigen Dramas. Ein unternehmender Fischer hatte sich mit 30 Genossen hier angesiedelt und betrieb sein Geschäft zwischen den umliegenden Riffen. Plötzlich wurde bei Nacht die gesamte Kolonie von wilden Eingeborenen überfallen und bis auf den letzten Mann niedergemacht. Diesen Überfällen sind viele der abseits hausenden australischen Ansiedler, namentlich hier in Queensland, ausgesetzt, doch üben die Wilden nur Repressalien für die schonungslose und oft grausame Art, mit der sie von ihrem Stammland verdrängt, ja einfach ausgerottet werden. So sollen, wie behauptet wird, zu Beginn der Kolonisierung Australiens durch Engländer Eingeborene durch Brot aus dem Weg geschafft worden sein, welches, mit Arsenik versetzt, den Unglücklichen als tödliche Lockspeise in die Nähe ihrer Behausungen gelegt wurde. Auch andere Greuel und allerlei Grausamkeiten, ja wahre Menschenjagden sollen von manchen Europäern im Namen der „Kultur“, der „Zivilisation“ gegen die beklagenswerten Ureinwohner Australiens, die ja doch nur ihr Leben und ihren Besitz verteidigten, verübt worden sein. Jedenfalls ist die eingeborene Bevölkerung, wenn sie uns auch weniger romanhaft und heroisch vor Augen steht, als die Rothäute Nordamerikas, gleich diesen seitens der weißen Eroberer unzweifelhaft mit barbarischer Härte behandelt und verdrängt worden. Die Errichtung neuer „Stationen“ und „Runs“ auf Territorien, welche bis dahin von Eingeborenen besiedelt waren, Vernichtungskriege zwischen den verschiedenen, aus ihren Jagdgründen verdrängten Stämmen, Dämon Alkohol, Krankheiten und anderes mehr haben die Zahl der Eingeborenen in West- und in Süd-Australien sowie in Queensland auf etwa 200.000 Individuen herabgebracht.

Das nächste Cap, an dem wir vorbeisteuerten, war Cap Direction, dessen Gestalt seinem Namen entspricht, da es weit vorspringend in die See ragt und aus bedeutender Entfernung ein gutes Direktionsobjekt bietet.

Zu beiden Seiten unseres Fahrwassers tauchten wieder zahlreiche Inseln und niedrige Riffe auf; so unmittelbar nach dem Cap Direction die Rocky und Chapman-Inseln, die Inseln Night, Binstead, Lowrie, Ellis und Morris mit dem verankerten Leuchtschiff: weiterhin die Gruppe der Claremont-Inseln, unter denen Fife, Hay, Willkie, Hannah, Burkitt die auffallendsten sind.
Der Tag war prächtig, die See glatt und von so lichtgrüner Farbe wie manche unserer europäischen Binnenseen und die Luft von seltener Klarheit und Reinheit, so dass wir namentlich die Konturen und die Vegetation des Festlandes genau unterscheiden konnten.

Auf einige Meilen von der Insel Burkitt wurde Kurs gewechselt und die Princess Charlotte Bay durchquert, wobei das Festland zurücktrat, um dann für einige Zeit ganz unseren Blicken zu entschwinden und erst, als wir uns der mächtigen Gruppe der Flinders-Inseln näherten, bei Cap Bathurst wieder zum Vorschein zu kommen. Die Flinders-Inseln, nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Inseln im Nordosten von Tasmanien, sind hohe, bergige Eilande, die sich durch die eigentümliche Formation ihrer Felsen und kahlen Hänge kennzeichnen; manche Kuppen sind mit niedrigem Gebüsche bewachsen. Einige dieser Inseln, insbesondere aber die Insel Stanley, erinnerten mich an einzelne wohlbekannte Punkte unserer dalmatinischen Küste.
Die untergehende Sonne umflutete die bizarren Uferfelsen der Stanley-Insel mit leuchtendem Gold, während die höheren Punkte des Eilandes bereits im Violett der abendlichen Färbung erschienen. Bei vollkommener Dunkelheit fuhren wir knapp an einem Leuchtschiffe vorbei, welches die Durchfahrt zwischen den Pipon-Inseln und Cap Melville markiert.

Das Leben der Wächter eines solchen Leuchtschiffes mag, zumal in diesen Wässern, ein gar einsames und trauriges sein. Von der Welt gänzlich abgeschnitten, ohne jeden Verkehr mit anderen lebenden Wesen, sitzen da zwei Männer Jahr für Jahr auf ihrem Leuchtboot. verankert an einem kleinen Riffe, dessen Ausdehnung wenige Schritte beträgt. Die Welt dieser Menschen ist das Leuchtboot und ihre einzige Beschäftigung, am Abend die Laterne anzuzünden. Alle vier bis acht Wochen kommt ein kleiner Regierungsdampfer, versieht die Wächter mit Wasser und Proviant und hält sich nur so lange auf, als unumgänglich nötig ist, da er ja alle Leuchtschiffe der Reihe nach abfahren muss. Nur selten bietet sich den Einsamen Zerstreuung durch den Anblick vorbeifahrender Schiffe, da diese Passage der vielen Korallenriffe wegen gefürchtet ist und sich wenige Schiffsführer an diese heranwagen, wie denn auch wir bisher nur einem einzigen kleinen Dampfer begegnet waren, und selbst dieser war vielleicht bloß das reguläre
Proviantschiff. Wahrlich, die Männer vom Leuchtschiff haben kein beneidenswertes Schicksal, bei solchem Anachoretenleben müssen Geist und Seele dieser Verbannten in einen Zustand vollkommener Lethargie verfallen.

Wie untertags war auch bei Nacht die Luft von besonderer Reinheit. In ungetrübter Klarheit leuchteten die Sterne auf uns herab. Das Kreuz und der Stier sind die einzigen auffallenden Sternbilder des südlichen Himmels. Ein alter Bekannter aus dem Norden gibt uns noch immer das Geleit — der Große Bär, welcher knapp am Horizont erscheint. Eine Eigentümlichkeit der südlichen Milchstraße sind die zahlreichen Sternenlosen und daher dunkel erscheinenden Flecken, welche deren weiße Linie unterbrechen. Bei der Reinheit der Luft konnte man heute mit freiem Auge die Sterne unmittelbar über der Kimm aus dem Meer aufsteigen sehen.

Nach wiederholten Kursänderungen erreichten wir die HowickInseln, die sich als schwarze Linien am Horizont projizierten. Gegen 1 Uhr nachts riet unser Lotse, vor der großen Insel Lizard vor Anker zu gehen, da die Passage zwischen dieser und den Riffen der Eagle-Insel in der Nacht zu schwierig sein würde. Der Kommandant entsprach diesem Rat und ließ das Schiff verankern. Der Lotse erwies sich als sehr geschickt und zuverlässig und trotz seiner 67 Jahre stand er Tag und Nacht auf der Brücke, seine Befehle gebend. Vormals war er Kapitän auf großen Handelsdampfern der australischen Marine gewesen und hatte zumeist die Linien nach China und Japan befahren. Nunmehr schien er das Lotsengeschäft einträglicher zu finden; um die „Elisabeth“ ja nicht zu verfehlen, hatte er, von Sydney kommend, in Thursday bereits volle sieben Wochen unsere Ankunft erwartet. Seinen Reden nach hatte ihn der lange Aufenthalt in Thursday nicht gerade entzückt.

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  • Ort: nächst Howick Island
  • ANNO – am  10.05.1893 in Österreichs Presse.
  • Das k.u.k. Hof-Burgtheater spielt “Die kluge Käthe”, während da k.u.k. Hof-Operntheater das Ballet “Die goldene Märchenwelt” aufführt.

At Sea to Sydney, 10 May 1893

At dawn the anchor was hoisted and the journey continued, namely through Weymouth Bay, until Cap Weymouth and Restoration island came into view.

This was the scene of a bloody drama a few weeks ago. An enterprising fisherman had settled here with 30 companies and did business between the surrounding reefs. Suddenly in one night the whole colony was attacked by wild natives and slaughtered to the last man. Many Australian settlers living apart are imperilled by such raids, namely in Queensland, but the savages are just do retribution for the ruthless and often cruel way in which they are displaced from their own land and even exterminated. Thus it is said that at the start of Australia’s colonization by the English natives were killed off by placing bread laced with arsenic as bait near their settlements. Other cruelties and all kinds of atrocities, even real manhunts should have been undertaken by many Europeans in the name of „culture“ and „civilization“ against the native population of Australia who only wanted to defend their lives and property.

In any case, the native population, even if they look less novel-like and heroic as the redskins of North America, has like them doubtless been mistreated with barbaric force and displaced. The establishment of new „stations“ and „runs“ upon territories which before had only been settled by natives, wars of extermination among the various tribes displaced from their hunting grounds, the demon of alcohol, illnesses and many other aspects have reduced the number of natives in West and South Australia as well in Queensland to around 200.000 individuals.

The next cap we passed by was Cap Direction whose shape corresponds to its name as it juts out into the sea and offers a good object for steering at considerable distance.

On both sides of our fairway numerous islands and shallow reefs emerged; so just after Cap Direction the Rocky and Chapman islands, the islands Night, Binstead, Lowrie, Ellis and Morris with its anchored light house ship, furthermore the group of the Claremont islands among them Fife, Hay, Willkie, Hannah, Burkitt are the most remarkable.

The day was gorgeous, the sea was calm and of such as light-green color like many of our European continental lakes and the air was of a rare clarity and purity so that we could namely distinguish clearly the contours and the vegetation of the mainland.

A few miles in front of Burkitt islands the course was changed and Princess Charlotte Bay passed whereas the mainland retreated into the distance only to vanish completely for some time out of our view and it only reappeared when we approached the group of the Flinders islands near Cap Bathurst. The Flinders islands, not to be confused with the islands north of Tasmania of the same name, are high, mountainous islands that are known for their strange formations of their rocks and bare slopes. Some cliffs are covered with low bushes. Some of these islands, especially the island of Stanley, reminded me of individual spots on our Dalmatian coast.

The setting sun flooded the bizarre shore rocks of Stanley island with its glowing gold while the higher points of the island already appear in their evening colors. In complete darkness we passed by a light house ship that marked the passage between the Pipon islands and Cap Melville.

The life of one of the guardians on one of these light house ships may be, especially in these waters, a lonely and sad one. Cut off completely from the world, without any interaction with other living beings sit two men year for year on their light house boats, anchored at a small reef whose area extends for only a few steps. The world of these men is their light house boat and their only occupation is to light the lantern every evening. Every four to eight weeks a government steam ship comes and provides water and supplies to the guardians and only stops as long as it has to because it has to drive from one light house ship to the next one after another. Only seldom these lonesome men find the distraction of passing ships as the passage is feared due the many coral reefs and only a few ship captains dare to pass through. We had only met a single small steam boat and even this was probably just the regular supply ship. Truly, the men of the light house ship are not to be envied in their fate. Such a life as an Anchorite must deteriorate the mind and soul of these banned men into complete lethargy.

As during the day the air during the night was of a special purity. In unclouded clarity the stars were lighting down upon all of us. The cross and Taurus are the only remarkable constellations of the southern sky. An old acquaintance from the North still offered us company — Ursa Major that appeared low on the horizon. A strangeness of the southern milky way are the countless starless and thus dark spots that interrupt the white lines. Due to the clarity of the air one could directly see the stars rise out of the sea with one’s eyes only.

After repeated course corrections we reached the Howick island that were visible as black lines on the horizon. Towards 1 o’clock in the night the pilot advised us to anchor in front of the large island of Lizard, as the passage between this and the reefs of Eagle island during the night would be difficult. The commander followed this advice and had the ship set the anchor. The pilot proved to be very skilful and reliable and despite his 67 years he stood day and night on the bridge and gave his orders.

Once he had been a captain on one of the large merchant steam ships of the Australian merchant fleet and used to drive the line route to China and Japan. Now he seemed to find piloting the more profitable business. In order not to miss „Elisabeth“, coming from Sydney, he had expected our arrival on Thursday island for a full seven weeks prior to our arrival. According to his stories he had not been enchanted by his long stay on Thursday island.

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  • Location: near Howick Island
  • ANNO – on  10.05.1893 in Austria’s newspapers.
  • The k.u.k. Hof-Burgtheater is playing „Die kluge Käthe“ and the k.u.k. Hof-Operntheater is performing the ballet “Die goldene Märchenwelt”.